Freitag, 30. Dezember 2011

Frau Aquinas' Weiße Ginpralinen

Man nehme: 
  • 1 1/2 Standardpackungen weiße Kuvertüre (ca. 225 - 250 g)
  • 1 1/2 Stück (ca. 40 g) Kokosfett [Palmin o.ä.]
  • getrocknete, gezuckerte Cranberries
  • 4 cl Gin [ideal ist ein Old Tom (im vorliegenden Fall Both's; ein Botanical gibt aber auch gute Ergebnisse]
Kokosfett und Kuvertüre klein hacken und auf kleinster Flamme im Topf schmelzen (ständig rühren, die Mischung brennt schnell an). Sobald die Masse geschmolzen ist, vom Herd nehmen. Den Gin hinzufügen und gut verrühren. Die weiche Masse in einen Gefrierbeutel füllen und auf etwa 30° C abkühlen lassen. In Silikonpralinenformen füllen (Eiswürfelbehälter tun es aber auch). Dann mit einer getrockneten, gezuckerten Cranberry garnieren. Für mindestens zwei Stunden kaltstellen.


Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 7. Januar 2012. Das Thema steht noch nicht fest.
Picture Credits: "Ginpraline": KRT

Freitag, 23. Dezember 2011

Zwischendurch: Weihnachten bei Tomas Aquinas

Am 25. Dezember erscheint bekanntlich kein neuer Artikel auf Blog Blong Dring, aber zumindest will ich nicht ohne ein paar persönliche Notizen in die Feiertage gehen. Anders als Viele eventuell denken mögen, schenken Frau Aquinas (KRT) und ich uns keine Getränke zu Weihnachten sondern werden das gesparte Geld in einen neuen Computer anlegen. Trotzdem habe ich mir selbst, quasi dem Ganzen ein wenig zuwiderlaufend, ein paar nette Getränke unter den Weihnachtsbaum gelegt, nämlich
  • George Dickel 12 yo (einer der wenigen Tennessee Whiskeys neben Jack Daniel's)
  • Seven Tiki Fiji Rum (in Deutschland nicht/kaum zu kriegen)
  • Cameron Brig (einer der wenigen Single Grain Whiskys, die es gibt)
  • Heaven Hill Mellow Corn (einer der wenigen noch existierenden Maiswhiskeys aus den USA)
  • Jura Superstition (von meiner To-Drink-Liste)
  • Green Spot (eine echte Rarität außerhalb Irlands, nur 1.200 Flaschen pro Jahr) [Nachtrag!]
Also werde ich auch bald wieder genug zum Testen haben, was mich für das Blog natürlich auch sehr freut. Am Heiligabend feiert wie immer Plattfuss mit uns und er bekommt ... das kann ich hier natürlich nicht verraten. Am ersten und zweiten Weihnachtstag sind wir dann bei meinen Eltern, für die beiden habe ich dieses Jahr einen schönen Williamsbrand von Massenez (Vater) und einen Jameson's Irish (Mutter) besorgt. Ich kann das hier ruhig schreiben; beide sind nicht internetaffin.


Und nach den Weihnachtstagen freue ich mich auf das jährliche Haxenessen unter Männern sowie den Jahresausklang im Hause Plattfuss. Viel Aussicht auf gute Gesellschaft und gute Getränke also. Allen Leserinnen und Lesern ein frohes Weihnachtsfest und besinnliche Stunden!

Der nächste planmäßige Beitrag zum Jahresende erscheint am 30.12. 2011.

Picture Credits: "Christmas 2011": KRT

Dienstag, 20. Dezember 2011

Four Whisk(e)ys, Four Countries. Oder umgekehrt.

"Du trinkst doch gerne Whisky und so" eröffnete mein Kollege L. aus N. am 6. Dezember morgens das Gespräch. "Da schau, da hab ich Dir was zum Nikolaus mitgebracht." Mit zitternden Fingern entriss ich ihm das Päckchen ... mein Gott er wird doch nicht - wer L. kennt, weiß, warum ich mir Sorgen machte. Ein lieber Mensch und lieber Kollege ... aber ein Kostverächter par excellence, für den eine Weißweinschorle schon eine harte Droge ist. Wie Ned Flanders, nur ohne Gott. Ich scherzte heute noch, eigentlich sei er als Mönch doch besser aufgehoben, am besten als Kamaldulenser oder Kartäuser. Aber zurück zum Thema. Mit zitternden Fingern öffnete ich also das Päckchen. Mein Instinkt hatte mich nicht getrügt (ich weiß, dass es eigentlich heißt: nicht getrogen - aber meine Nerven waren halt schon arg zerrüttet): vor mir lag die - von ALDI Nord um 5,00 EUR in der Adventszeit verscherbelte - Probierpackung Whisky mit dem ambivalenten Namen COUNTRIES 4 WHISK(E)YS, was ich wahlweise als "Four Countries, Four Whisk(e)ys" bzw. "Four Whisk(e)ys from Four Countries" interpretieren möchte. Die aufwendige Geschenkverpackung (noch so was: ich weigere mich, "aufwändig" zu schreiben, dieses "ä" sieht so grottenschlecht aus), Foto anbei, präsentiert drei Whisk(e)ys aus dem regulären Sortiment von ALDI Nord, sowie einen mir unbekannten irischen Tropfen. 


Von links: Statesman ("Finest Old Scotch Whisky"), Blackwood ("Very Old Irish Whiskey"), Clarke's Westpoint ("A Fine Superior Straight Bourbon Whiskey Aged at the Peak of Mellow Perfection") und Long Wood ("Finest Pure Handselected Canadian Whisky"). Was die auch immer mit ihrem Wood haben: Blackwood, Long Wood. Nun denn. 

Den Statesman probiere ich jetzt nicht, das könnt Ihr alles hier nachlesen. Importiert wird das ganze von der Lobuschkellerei Hamburg. Wie irgendjemand schon mal recherchiert hat, verbirgt sich dahinter wahrscheinlich die BORCO

Den Statesman lasse ich hier mal außen vor, wie schon gesagt, und komme zum Blackwood. Keine Herkunftsangabe. Es kommen ja ohnehin nur vier Verdächtige in Frage. Hat 40% vol. Der Pressetext jubelt: 
Gently matured for long years in oak casks and skilfully blended to create a whiskey of unique smoothness & character. Blend of the finest Irish Grain and Malt whiskies. 
Drin sein kann so ziemlich alles, wenn es ein Blend ist. Schauen wir mal. Bernsteinfarben, sehr ölig. In der Nase leichtes Marzipan, Kölnisch Wasser, Auf der Zunge süß, Vanille, Holz. Nüsse? Abgang kurz, hart. Trockener Nachbrenner. Eventuell ein Kilbeggan? Bin nicht sicher. Im Endeffekt nicht ganz unangenehm, es gibt Schlimmeres

Kommen wir zum Kentucky Bourbon. Clarke's Westpoint habe ich, vor meinem Damaskuserlebnis, früher schon getrunken, aber wie man halt so trinkt, unbewusst, immer mit Cola. Zumindest steht hier drauf, wo er herkommt. Clarke's Distilling Company, Lawrenceburg, Kentucky. Das ist zwar ein Fantasiename, engt den Kandidatenkreis jedoch erheblich ein, denn in Lawrenceburg gibt es nur zwei Destillerien, nämlich Wild Turkey und Four Roses. Vom angeblichen Gründungsjahr 1866 her passt keine genau, Wild Turkey wurde 1869 gegründet, Four Roses ca. 1860. Der Pressetext jubelt: 
Aged to its smooth and mellow flavor in special oak handmade casks this fine superior Straight Bourbon Whiskey is distilled under the Old Clarke's formula in the State of Kentucky/USA.
In der Farbe ähnlich wie der Blackwood, etwas ölig. In der Nase Eichenholz, Essiggurke, Hühnerfrikassee. Auf der Zunge leicht salzig, Vanille, etwas seifig, danach schiebt das Holz kräftig nach. Abgang kurz, etwas schärfer als im Mittelteil. Wenig komplex, aber relativ mild und pur genießbar. Aber kaum Erhellendes, könnte Wild Turkey sein, Four Roses habe ich kräftiger in Erinnerung. 

Zum Schluss der Long Wood und möge Gott uns beistehen. Mein erster Kanadier, ich wollte doch eigentlich gleich mit Crown Royal anfangen; bitte sei sanft zu mir. Herkunft unbekannt, acht Jahre soll er alt sein. Der Pressetext wieder: 
Superbly aged and blended wholly unique in a Canadian tradition of fine 8 years old whiskies. A smooth Whisky with a hint of vanilla sweetness from the maturation for 8 years in oak casks. Well balanced in character. 
Irgendwie wird das Englisch der Texte von Whisky zu Whiskey immer holpriger; dem Übersetzer war wohl etwas schwiemelig zumute. So fühle ich mich mittlerweile auch. Auf geht's. Bernsteinfarben (das scheint bei Aldi wohl so Usus zu sein), weniger ölig als die vorherigen. Im Aroma wenig, außer Holz. Ach ja: Long Wood. Ich verstehe. Im Geschmack leicht süß, viel Holz, tatsächlich nur ein Hauch Vanille. Schärfer im Mittelteil, etwas herb. Ethanol im Abgang, dennoch recht wässrig. Etwas länger aber unangenehmer als der Westpoint. Ach nee

Fazit: ALDI hat eigentlich gar keine so schlechte Idee gehabt mit dem Probierköfferchen. So kann man sich aus den Wackelkandidaten seine eigene Castingshow zusammenstellen. Den Blackwood und den Linkwood kannte ich noch nicht; der Blackwood ist meines Wissens (noch) nicht Teil des Sortiments. Alles in allem etwas charakterlose und einfach gestrickte Whiskys, die für keine Überraschung gut sind. Meine persönliche Rangliste: 
  1. Westpoint 
  2. Blackwood 
  3. Statesman (aus dem Gedächtnis) 
  4. Long Wood
Letzterer ist mir eher unangenehm. 

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint wegen der Feiertage erst wieder am 30.12.2011; Thema noch unbekannt. Zwischendurch gibt es vielleicht noch eine Kurzmeldung und auf jeden Fall die Veranstaltungstipps für Januar. Euch allen schöne Feiertage und ein frohes Fest. 

Picture Credits: "Countries 4 Whisk(e)ys": KRT

Samstag, 17. Dezember 2011

Zwischendurch: Power to the People

Blog Blong Dring ändert seine Politik. Ab sofort ist die Kommentierung von planmäßigen Beiträgen auch ohne vorherige Registrierung möglich. 

Die Kommentare werden weiterhin moderiert und wir behalten uns vor, diejenigen, die uns nicht behagen, zu löschen. Viel Spaß!

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Teacher's Highland Cream NAS

Wer öfter schon mal meine Beiträge gelesen hat, der weiß wahrscheinlich, dass ich mich zu den Verteidigern der Blended Whisk(e)ys zähle. Ich wiederhole mich aber gerne, indem ich feststelle, dass a) mir ein guter Blend (VAT 69, Cutty Sark, ...)  um Meilen lieber ist als ein schwacher Single Malt (Glen Almond, Loch Lomond NAS, ...) und dass b) einige Single Malts ohne die dazu gehörigen Blends nicht (mehr) existieren würden. Wo wäre Strathisla ohne Chivas Regal (und zugegebenermaßen: umgekehrt) oder, um zum heutigen Thema zu kommen: wo wäre Ardmore ohne Teacher's Highland Cream? Die Destillerie Ardmore wurde ursprünglich eigentlich nur zu dem Sinn und Zweck unterhalten, genügend Lead Whisky für die Blends der Firma William Teacher and Sons bereitzuhalten. 

Alles begann im Jahre 1830, als Firmengründer William Teacher sich die Liberalisierung der Alkoholgesetze zunutze machte und im Tante-Emma-Laden seiner Frau in Glasgow einen schwunghaften Handel mit Blended Whisky startete. Zunächst handelte es sich nur um einen Ausschank ("Dram Shop"), 1863 wurde jedoch der noch heute existierende Blend aus der Taufe gehoben. Die Destillerie Ardmore wurde dann 1899 in der Region Speyside gegründet (wird aber teilweise aufgrund der extremen geografischen Lage in der Literatur als Highlander angesprochen); erst 1957 kam dann Glendronach (ebenfalls Speyside) hinzu. Heute befindet sich die Firma schon lange nicht mehr im Familienbesitz sondern gehört, seit der Zerschlagung von Fortune Brands im Jahr 2011, zu Beam Inc

Der Highland Cream ist sicherlich einer der sehr bekannten und beliebten Blended Whiskys, wobei sich das Wort "Cream" wohl nicht so sehr auf eine wie auch immer geartete geschmackliche "Cremigkeit" beziehen dürfte sondern eher in der Bedeutung "Creme de la Creme", quasi das Beste aus den Highlands also, zu sehen ist. Verschnitten wird er laut Firmenwebseite aus über 30 verschiedenen Malt Whiskys, deren Anteil mit 45% schon recht hoch ist. Wie schon gesagt ist Ardmore, ein solider und kräftiger Speysider/Highlander, einer der Lead Whiskys des Highland Cream, zusammen mit Glendronach, der die eher typische Speyside-Süße hineinbringt. Die Flasche wird im Einzelhandel in der Regel so um 12,- EUR verkauft, im November gab es ihn im lokalen EDEKA allerdings für 9,99 oder 9,59, sicher bin ich mir da nicht mehr so ganz. 


Überhaupt ist die Adventszeit wohl Whiskyzeit. Vor etwa einer Woche gab es bei NETTO The Singleton of Dufftown für 19,- EUR (!), da habe ich allerdings noch nicht zugegriffen. Aber den Teacher's wollte ich mir mal gönnen; außerdem brauchte ich ein einigermaßen präsentables Gastgeschenk für Plattfuss, der mich zu Haxe und Kraut und Klößen eingeladen hatte. 

Dem Auge ist der Teacher's mit seiner leichtgoldenen Farbe sehr gefällig, im Aroma fallen frische Noten nebst dezenten Tönen nach Leder und Erdnüssen auf. Im Geschmack ist er nicht übermäßig süß; eher würzig mit Anklängen an Pfeffer und Salz, auch rauchig. Im Abgang trocken und mittellang. Ein angenehmes Schlückchen mit durchaus eigenem Charakter. Mit Wasser verdünnen lohnt nicht wirklich, da nur 40% Vol. 

Am 20.12. erscheint als nächster planmäßiger Beitrag die Verkostung meines Nikolausgeschenks, "Four Whisk(e)ys from Four Countries" von ALDI. Danach mache ich Pause bis nach Weihnachten.

Picture Credits: "Teacher's": KRT

Dienstag, 13. Dezember 2011

Zwischendurch: Buchtipp

Ein schönes Geschenk für jemanden, der noch Platz auf dem Gabentisch hat und des Englischen mächtig ist: Richard Barnett: The Dedalus Book of Gin, Dedalus 2011 (ISBN 978-1907650031). Fast Alles über Gin, inklusive seiner Geschichte, seiner Verbreitung, ... natürlich auch mit Rezepten. Etwa 20,- EUR im Buchhandel oder online.

Samstag, 10. Dezember 2011

Für eine Handvoll Torf: Loch Lomond Peated NAS

Loch Lomond Blue Label war der erste Whisky, den ich hier verkostet habe. Und gleichzeitig auch fast der erste Artikel, der hier erschien: wer ihn gelesen hat, wird sich erinnern, dass ich nicht allzu begeistert war von dem kleinen Strolch. Die Brennerei im schottischen Alexandria hat - nun ja - einen etwas gemischten Ruf. Horst Lüning weist immer wieder gerne darauf hin, dass die Örtlichkeiten und das Ambiente dort ihm nicht gut gefallen haben (die Whiskys übrigens auch nicht). Angeblich gehört der Blue Label zu den in Deutschland am meisten verkauften Single Malts - falls das stimmt, dürfte auch der Kampfpreis von etwa 14,- EUR pro Flasche hier eine Rolle spielen. Und, bei Hergé-Afficionados, eventuell der Umstand, dass Tim und Struppis Kapitän Haddock gerne mal ein Gläschen Loch Lomond trinkt. Wobei ich hier sicherheitshalber anmerken möchte, dass das Produkt in den Comics nichts mit der realen Destillerie und ihren Produkten zu tun hat, da die Marke Loch Lomond jünger ist als der Beginn der Comicreihe. Jedenfalls fühlte ich mich nach der Verkostung des Loch Lomond so wie Kapitän Haddock in Tim und die Picaros, nachdem Professor Bienlein ihn erfolgreich von seiner Trunksucht geheilt hat. Never Again. Allerdings sagte meine Großmutter immer: Der Mensch denkt und Gott lenkt.

Und so erstand ich am Ende trotzdem eine Flasche Loch Lomond Peated. Warum? Weil Plattfuss doch eine Leidenschaft für torfige Whiskys entwickelt hat ... und ich deshalb einen getorften Single Malt für 19,99 EUR nicht stehenlassen konnte. Die Produktpolitik von Loch Lomond ist mir, ich gestehe es, etwas suspekt, da man sich anscheinend nicht sicher ist, welche Whiskys man eigentlich herstellt bzw. vermarkten will. Die Webseite der Firma ist da sehr verworren. Die Linie unter dem Namen Loch Lomond umfasst meines Wissens folgende Produkte: einen Single Blend ("Red Label") - die Bezeichnung Single Blend entspricht nicht den gesetzlichen Regularien, ist jedoch eine Eigenschöpfung der Firma, welche darauf hinweisen will, dass es sich hier um den seltenen Fall eines Blend handelt, der aus Malt- und Grain- Whiskys der selben Brennerei hergestellt wurde-, den regulären Single Malt ohne Altersangabe ("Blue Label"), einen 18jährigen sowie einen 21jährigen Single Malt (wenn man nach den Fotos geht, wohl beide als "Black Label" anzusprechen), wobei der 18jährige anscheinend exklusiv für den deutschen Markt hergestellt wurde (!), und zu guter (?) Letzt der Single Malt ohne Altersangabe aber mit Torf ("Green Label"). Die Verpackung ist, wie bei allen Loch Lomonds, recht aufwändig gestaltet, mit Glasprägung und allem Schnickschnack; die Grundfarbe ist, wie der Name schon sagt, Grün. 46 Volumenprozent Alkohol werden wohl einen starken Antritt garantieren, schätze ich. 



Das Produkt ist nicht kaltfiltriert. Im Glas scheint der Green Label sehr hell, wie frisches Stroh. Im Aroma wirkt er etwas eindimensional: Torfrauch, künstliche Untertöne, was sich auch im Geschmack bestätigt: Auf der Zunge ergibt sich nachstehende Abfolge: süß - scharf - torfig - Ende. Die Süße ist wenig klar bestimmbar, die Schärfe definitiv eine Ethanolschärfe. Der Abgang nicht der Rede wert: kurz, alter Aschenbecher. Nach einer Weile ein taubes Gefühl im Mund. Mit Wasser verdünnt etwas süßer, Faber Castell No 5 Holzbleistift. Die Luft tut ihm nicht gut: nach fünfminütigem Ventilieren bricht er im Kern zusammen. Alles in allem kein Labsal, besonders wenn man die Eigenwerbung damit vergleicht:
A wonderful fruity nose of pears and honey, a finely balanced taste of fruit and peat, but with a finish of smoke and peat to rival that of the finest Islay malts, for connoisseurs everywhere.
Von alledem habe ich nichts geschmeckt. Vielmehr ist der Peated für mich eine logische Fortsetzung des Blue Label: eindimensional, harsch. Beim einfachen Single Malt für 13,99 wollte ich noch nichts sagen, aber für knapp 20 EUR darf man, glaube ich, wirklich etwas mehr erwarten. Leider wirft Loch Lomond mit den Whiskys ohne Altersangabe nur so um sich: vielleicht sollte man ihnen einfach etwas mehr Reifezeit gönnen? Es juckt mich ja in den Fingern, mal den Loch Lomond 21 zu probieren, nur um zu sehen, ob es dann vielleicht besser wird ... aber dafür noch einmal Geld ausgeben? Ich fürchte, unsere zukünftige Beziehung wird sich eher in den Worten des bekannten schottischen Volksliedes beschreiben lassen:
But me and my true love will never meet again
on the bonnie, bonnie banks of Loch Lomond
Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 15. Dezember 2011. Dann verkoste ich einen sehr bekannten Blend, den Teacher's Highland Cream.

Picture Credits: "Loch Lomond Peated": KRT


Montag, 5. Dezember 2011

Auf Kaperfahrt in der Hölle: Captain Blood Spiced

Ich bin sehr müde heute Morgen. Gestern Nacht war ich bei Plattfuss zu Hause und habe die Gelegenheit genutzt, mich mal wieder kreuz und quer durch seinen Barschrank zu testen. Unter anderem wartete da auch eine neue Rumspirituose (35% Vol), die von der Felix Rauter KG vertrieben wird und die wir vor etwa drei Wochen im örtlichen Kaufland entdeckten.

Rauter ist ja einer der ganz Großen in der Branche und importiert auch sehr bekannte Marken wie Captain Morgan und Sierra, mischt aber ebenfalls kräftig im Bereich der Eigenmarken mit - nicht immer ganz so erfolgreich wie mir scheinen will, nachdem ich schon einmal von ihrem La Mariba enttäuscht wurde. Aber schauen wir nicht auf das, was war, sondern auf das, was ist: Die Firma verkaufte bisher unter dem Label Captain Blood (alles, was heute als Rum neu auf den Markt kommt, muss anscheinend irgendwas mit "Captain" im Namen haben: Captain Morgan, Captain Blood, Captain Grand und - my favorite - Cap'n Jack) einen 73prozentigen Overproof Rum, ist aber mit dem Captain Blood Spiced (eben jener, welcher uns bei Kaufland in die Hände fiel) nun zuguterletzt auch noch selber auf den fahrenden Spiced-Zug aufgesprungen und verhökert ihr eigenes Produkt für 9,99 oder 10,99 im Einzelhandel. 


 
Captain Blood Spiced ist, da er nur 35% Vol Alkohol enthält, kein Rum sondern eine Spirituose auf Rumbasis (wie der Captain Morgan Spiced Gold übrigens auch). Das Etikett hätte man meines Erachtens etwas netter gestalten können; auf einem purpurfarbenen Untergrund (daher auch der interne Name Captain Blood Purple Label) eine recht lieblose Zeichnung des (fiktionalen) Freibeuters selbigen Namens. Naja, wenn alles Geld in den Rum gesteckt wurde, könnte man damit leben. Beim ersten Schnüffler entfaltet sich sofort ein sehr markantes, allerdings auch sehr künstlich wirkendes Aroma von Vanille, Honig und Pflaume. Im Geschmack ist der Captain Blood Spiced erstaunlich mild, mit einem kurzen Abgang und einer sehr, sehr intensiven Buttertoffee-Note. Außer der genannten buttrigen Vanille ist jedoch sonst überhaupt nichts zu erschmecken, auch der Abgang bleibt eindimensional vanillig. 

Der allergrößte Schock kommt aber, wenn  man versucht, das Produkt mit Cola zu mixen: für mich persönlich wurde es dadurch praktisch ungenießbar, für Plattfuss so halbwegs. Es schmeckt - und das ist kein Witz - penetrant nach Heumanns Bronchialtee mit viiieeel Honig. Auch mit Apfelsaft überhaupt nicht besser; wir taten uns schwer mit der Vertilgung der Reste. Meine einzige Erklärung für das Fiasko ist, dass die künstlichen Aromastoffe mit irgendwelchen anderen Aromastoffen in der Cola bzw. im Saft so unglücklich reagieren, dass etwas ganz Furchtbares dabei herauskommt. Also haben wir hier einen sehr seltenen Fall, nämlich dass ein sehr günstiges Produkt besser pur zu genießen ist (falls man sich nicht am starken Buttertoffeegeschmack stört), als Mixdrink jedoch überhaupt keinen guten Eindruck macht. Meistens ist es ja eher umgekehrt.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 10. Dezember 2011. Dann mit einer Verkostung des Loch Lomond Peated Single Malt (NAS).



Samstag, 3. Dezember 2011

Zwischendurch: Wie ich es liebe, Recht zu behalten

Vor einiger Zeit schlich ich im lokalen Edeka mal wieder um die Regale und merkte, dass da auf einmal ein neuer Bourbon stand: John B. Stetson, 42% Vol, etwa 19,- EUR pro Flasche. Etikett auf alt gemacht, Name nach dem Erfinder des Stetson-Hutes. Ach ja. Drollig. Ohne Angabe des Herstellers, Vertrieb durch Schwarze und Schlichte. Recht unergiebige Homepage. Adresse der Firma: 263 West 38th Street, New York City. Macht Euch mal den Spaß und schaut auf Google Maps, dann Street View. So stellt man sich das globale Hauptquartier von John B. Stetson vor. Und Doug Heffernan steht auch vor der Tür ... Naja, ist ja auch eine Briefkastenfirma

Egal. Die Flasche nahm ich für den Preis nicht mit und murmelte vergnügt Bardstown, Bardstown vor mich hin. Auf jeden Fall war ich dann ein paar Tage später in meiner Heimatbar und G. schoss stolz hinter dem Tresen hervor. Ein neuer Bourbon, mal probieren? John B. Stetson. Ich probierte also. Herb, etwas harsch. G. sauer: der ist doch nicht herb.  Du hast ja keine Ahnung. Doch, er erinnerte mich an etwas. Über ein anderes Produkt von denen habe ich schon geschrieben. Etwas weniger vergnügt murmelte ich wieder Bardstown, Bardstown. Und nun las ich neulich das neue Drinks. Und Bingo! John B. Stetson. Ein Produkt von Heaven Hill.


Ich bin gut.


Mittwoch, 30. November 2011

Bitte halte meine Haare, während ich mich erbreche: Trinkkultur der 80er, Teil II

Für einen Auslandsdeutschen, zumal noch aus einem etwas genussfreudigeren Land wie Belgien kommend, war Deutschland, und insbesondere unsere kleine Hasestadt, ein rechter Kulturschock. Etwa so als ob man einen partywütigen Vollzeit-Sambatänzer aus Rio in ein Abstinenzlerkloster in der Schweiz verfrachtet. Mal davon abgesehen, dass es meinen geliebten Pisang Orange hier schlicht nicht gab ... alleine schon das Erlebnis, zum ersten Male in einen ALDI zu gehen, brachte mich fast um den Verstand. Glücklicherweise kam ich auf eine sehr gute Schule und fand auch ein paar sehr gute Freunde, die auch viele Jahre meine Freunde blieben. 

Ende der Achtziger konsumierte ich nur noch wenig Martini (das hätte ohnehin sehr wenig street credibility gehabt, ich war zwischenzeitlich vom New Wave zum Heavy Metal umgeschwenkt, auch vom Aussehen her) sondern widmete mich eher dem Bierkonsum. Angesagt war damals der Conti Herforder von der Tankstelle. Der schlimmste Exzess, der damals gerade noch so glatt über die Bühne ging, war bei der legendären Party in der Augustenburger Straße, bei der ich in kürzester Zeit etwa 32 Bier verschlang (jedenfalls hörte ich da auf zu zählen) und nicht mal mehr merkte, dass ein fürsorglicher Bekannter ab ca. Bier Nummer 34 selbiges mit etwas Wasser streckte. Gegen vier Uhr morgens erwachte ich sitzend in der Bushaltestelle am Heinrich-Lübke-Platz und hatte passenderweise meinen ersten und letzten Filmriss. Meine weißen Turnschuhe (Achtziger!) waren bedeckt mit den Resten des Abendessens und der Weg zurück nach Hause eine einzige Quälerei. 



Kurze Zeit später ließ ich mich von meinem Kumpel T. auf einer Geburtstagsparty in Hellern zu einem Tequila-Duell (Sierra) überreden und verbrachte nach dem Ende der ersten Flasche einen guten Teil des Abends auf der Gästetoilette, während meine liebe Freundin F. sich hingebungsvoll um mich kümmerte (daher ist der Titel des heutigen Artikels auch ihr gewidmet). T. hatte insgesamt weniger Glück, er entleerte sich im Wohnzimmer in einen bereitgestellten Eimer, was der Party natürlich eine gewisse wehmütige Schwere verlieh. 

Ansonsten benahmen wir uns aber um 1988 bis 1990 mehr oder weniger normal, außer dass wir aus verschiedenen Gründen - auf die ich jetzt nicht weiter eingehen möchte - es schafften, dreimal ein einmonatiges Hausverbot im damaligen Tucher (bayerische Bierwirtschaft) an der Osterberger Reihe (das heutige Bottled) zu erhalten. Einmal wegen unerlaubten Fingerhakelns, einmal wegen des "Kuckuck-Spiels" und einmal ... aber das führt jetzt wirklich zu weit. Wie ich das Abi geschafft habe, ist mir auch heute nicht ganz klar. 

Meine letzte Investition in Schnaps während der 80er war in ein unerträglich süßes Gesöff namens Pepino Peach, welches anscheinend auch heute noch verkauft wird. Damals wurde es jedenfalls gerne mit Cola gemischt und schmeckte dann doch nicht so gut wie man gedacht hatte. Jedenfalls endeten die achtziger Jahre für mich, als ich endlich den letzten Rest der Flasche ausgetrunken hatte ... also am 13. März 1996.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 5. Dezember 2012. Dann mit einer Verkostung des Captain Blood Spiced von Felix Rauter.


Freitag, 25. November 2011

Im kalten Licht der Neonleuchten: Trinkkultur der 80er, Teil I

Wenn ich mich an die 80er zurückerinnere, dann hauptsächlich in Form von Geruch, Geräusch und Geschmack. Geruch: Reinigungsmittel, Urin und Radreifenabrieb in der Metro. Geräusch: Disco. Phil Collins. In the Air Tonight. Geschmack: Der erste Big Mac. Martini. Und ich erinnere mich, dass mich die Frage "C64 oder Sinclair Spectrum" ewig lange beschäftigte. Aber weil ich keine Lust auf BASIC hatte, holte ich mir am Ende doch "nur" den Atari 2600

Wann habe ich wohl mein erstes richtiges Bier getrunken? Ich schätze mal mit so ungefähr 12, in irgendeiner Kneipe. Hey, das waren die Achtziger. Da hatte man noch nicht so viel Angst um seine Brut. Außerdem galt - zumindest in Belgien - Bier nicht wirklich als alkoholisches Getränk. Zumindest nicht die gängigen Pils- und Lagerbiersorten. Stella Artois konnte ich schon damals nicht so gut verknusen; lieber trank ich Jupiler oder Maes Pils. So ab 14; wenn ich schon mal öfter alleine in die Brüsseler Innenstadt fuhr (wie ich schon sagte: man hatte damals noch nicht so viel Angst um seine Brut), machte ich auf dem Rückweg immer noch mal eine kurze Pause in dem kleinen Café im Metrobahnhof Rogier (das Café hieß denn auch: Rogier). Zeit für ein kleines Jupiler und eine heimliche Zigarette (haha, alleine damit hätte ich heute in Deutschland mindestens drei bis vier Gesetze gebrochen). Wie traurig sich die Zeiten verändert haben, wurde mir klar, als ich neulich mal wieder in der Metro war und bei Rogier ausstieg. Das Café war zu und sah so aus, als ob es lange Zeit nicht mehr aufmachen würde.

Rauchen durften wir freilich zu Hause nicht, das war einer der verbotenen Genüsse. Ganz zu Beginn trafen wir uns also ab und zu bei einem Freund und suchten den nächstgelegenen Supermarkt auf, wo wir eine Flasche Sekt der Marke Witte Producten/Produits Blancs (der Beginn des Konzepts der Handelsmarken) erstanden, und, wenn wir Glück hatten, auch Zigaretten kaufen konnten. Beides wurde dann auf dem Feldweg hinter dem Bahndamm einträchtig verzehrt. Recht harmloser Zeitvertreib, im Gegensatz zu heutigen Verhältnissen, aber wir kamen uns trotzdem cool vor.



Etwas später, bei den ersten Discobesuchen (Hof ter Heide) gab es dann meistens entweder Martini Bianco (was auch sonst, es waren die Achtziger) oder Pisang Orange, ein in Deutschland wahrscheinlich niemals bekannt gewesenes und in Belgien heute praktisch vergessenes Mixgetränk aus, naja, Pisang Ambon (einem grünen Bananenlikör) und Orangensaft. Und natürlich Bacardi-Cola, was mir neulich bei einem anderen Artikel auch wieder einfiel. Schnaps pur gab es allerdings damals (zumindest für uns) nicht, sieht man mal vom Martini ab.

Die Discos waren sowieso eine Sache für sich: im Vergleich zu heute finde ich sie rückblickend sehr hell, wahrscheinlich damit man sich beim Posen noch in den verspiegelten Wänden und Böden beobachten konnte. Welchen Sinn hätte die Anschaffung von Docksides, Leinenhose und anderem Pastellfarbigen auch sonst gehabt? Und noch so Einiges lief nebenher ab, aber plötzlich war 1988, und wir zogen aus Brüssel fort. Und damit war der Spaß erstmal vorbei; allerdings nicht lange. Aber das ist eine andere Geschichte. 

Der zweite Teil zur Trinkkultur der achtziger Jahre erscheint am 30. November 2011.

Wenn jemand etwas zur Trinkkultur der frühen 80er (so um 1980-1986) in Deutschland beisteuern kann, wäre mir das als Kommentar oder auch als email sehr willkommen.



Mittwoch, 23. November 2011

Termine Dezember 2011

Lokal/Regional

Osnabrücker Weihnachtsmarkt (Osnabrück, noch bis zum 22. Dezember 2011)

Redaktionelles Jahresend-Rumtrinken (Osnabrück, 31. Dezember 2011)
[interne Veranstaltung]

National

5. Whisky-Botschaft (Rostock, 3. Dezember 2011)

International
(Trentschin, Slowakei, 1. und 2. Dezember 2011)

Kerstbierfeest (Essen, Belgien, 17. und 18. Dezember 2011)

Hogmanay (Edinburgh, Schottland, 31. Dezember 2011)

Interessante Veranstaltung gefunden? Email ans uns, bitte!


Sonntag, 20. November 2011

Kilbeggan NAS

Vor einiger Zeit stand Plattfuss weinend bei mir vor der Tür (naja, eigentlich stimmt das nicht ganz, hört sich aber spannender an) und überreichte mir eine Flasche Kilbeggan. Das machte mich natürlich erstmal stutzig, denn normalerweise muss man ihm alles Flüssige aus den toten, kalten Fingern winden. Aber er hatte ihm wohl nicht gemundet. Auch das treibt mir die Sorgenfalten ins Gesicht. Was soll denn auf unser für nächstes Jahr projektierten Irlandreise werden, wenn dem Herrn der Irish Whiskey nicht schmeckt? Nach dem Paddy war das jetzt schon der zweite Fehlgriff. 

Nun, sei es drum: zurück zum Kilbeggan. Wie ich, glaube ich, schon einmal geschrieben habe, gab es lange Zeit einen Konzentrationsprozess in der irischen Destillerielandschaft. Das ging so weit, dass in den siebziger Jahren sich das gesamte Whiskeygeschäft in den Händen der Irish Distillers Group (IDG) befand. Erst dann setzte wieder eine Diversifizierung ein. Aktuell gibt es erneut vier Brennereien in Irland, nämlich Cooley (die einzige in irischer Hand: Kilbeggan, Tyrconnell, Connemara und Greenore, ein seltener Single Grain Whiskey), Old Bushmills (Diageo: Bushmills White Label, Black Bush, Bushmills Malt 10, 16, 21), New Midleton (Pernod-Ricard: Jameson, Tullamore Dew, Redbreast, Green Spot, Paddy, usw) und Kilbeggan (ehemals Locke's, wiedereröffnet 2007). Wie? Kilbeggan wird gar nicht von Kilbeggan hergestellt? Nein, denn die Whiskeys der "neuen" Brennerei Kilbeggan sind noch nicht bereit für den Verkauf (da erst vor vier Jahren gebrannt), mit Ausnahme von kleinen Sammlereditionen. 

 

Die Marke Kilbeggan wird wie gesagt bei Cooley gebrannt und nur bei Kilbeggan gelagert. Klingt verwirrend? Ist auch so. Bei dem, was als Kilbeggan Irish Whiskey verkauft wird, handelt es sich um eine Komposition von Noel Sweeney, Cooleys Master Blender. Das Produkt hat keine Altersangabe, jedoch muss irischer Whiskey mindestens drei Jahre gereift sein, bevor er sich Whiskey nennen darf.

In der Farbe ist er wie dunkles Stroh, die erste Nase ist durchaus vielschichtig: etwas Holz, etwas Pfeffer, etwas frisches Heu. Am Gaumen erst weich, Toffee, dann etwas würziger, mehr Schärfe. Im Abgang eher länger, allerdings wenige in Erinnerung bleibende Noten. Dem vernichtenden Urteil von Plattfuss kann ich mich definitiv nicht anschließen. Es ist ein netter Blend für den Alltag. Nichts was einen umhaut - bei Gott nicht - aber dennoch ein gut verdauliches Tröpfchen, das nach meinem Geschmack noch etwas weicher sein dürfte. Plattfuss goutierte wohl die leichte Tendenz ins Marzipanig-Süße nicht (welches ich nicht besonders ausgeprägt finde). 40% Vol. Um die 14,- EUR. 

Schließen möchte ich der Jahreszeit angemessen mit einem Rezept für einen Hot Irish Whiskey, direkt von der Webseite von Kilbeggan: Man nehme 2 cl oder 4 cl Whiskey, eine mit vier Nelken gespickte Zitronenscheibe, Zucker nach Belieben sowie heißes Wasser und gebe zuerst den Whiskey und die Zitrone, dann das Wasser und den Zucker in eine Tasse oder ein hitzebeständiges Teeglas. Soll im Winter Wunder wirken.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 25. November 2011. Dann hoffentlich endlich mit dem Artikel zur Trinkkultur der 80er. Wenn nicht, dann mit etwas anderem.

Dienstag, 15. November 2011

Dickes B

Den Hype um Berlin habe ich irgendwie nie so richtig verstanden ... okay, die Stadt ist laut, bunt, auch ganz spannend - aber das Zentrum ist kalt und leblos: Beton, Glas, Stahl. Das Regierungsviertel um den Reichstag eine aufgehübschte Mondlandschaft mit wenig beeindruckenden Monumentalbauten; fast wünscht man sich die Professoren Troost und Speer zurück. Spannend ist Berlin da, wo die Menschen wohnen und einkaufen. Wo kleine Clubs und Bars auf- und wieder zumachen und kein Hahn danach kräht. Also lass Dir mal wieder ein bisschen Hauptstadtluft um die Nase wehen, war das Motto am letzten Wochenende. 

Eine Gourmet- oder Verkostungsreise war es zwar nicht, aber ein paar schöne Eindrücke und Getränke sind hängengeblieben. Das Kim Qui, ein vietnamesisches Café/Restaurant in der Oranienstraße 168. Lecker Sommerrollen und schöne Nudelgerichte und endlich mal ein Bier, das ich noch auf dem Programm hatte: Saigon. Das Bier wird in Ho-Chi-Minh-Stadt gebraut, in Kooperation mit den deutschen Brauereiexperten des ehemaligen Brauhaase-Konzerns. Wie die meisten asiatischen Biere wird Saigon Export (damit ist aber wohl die Exportqualität gemeint, nicht die Brauart) nicht mit Gerste sondern mit Reis gebraut, was ein relativ mildes Endprodukt ergibt. Ansonsten hat es 4,9 Umdrehungen und schmeckt feinherb und frisch. Serviert wird es - wie in Vietnam üblich - sehr kalt. Kann man ohne Vorbehalte empfehlen

Außerdem war ich in den Galeries Lafayette und stürzte mich sofort in die Feinkost- und Spirituosenabteilung. Leider war ich zu faul und auch zu knapp bei Kasse, sonst hätte ich den ein oder anderen Cognac oder Armagnac erstehen mögen. Whiskys und Rums waren eher unterrepräsentiert (und teurer als üblich), wobei mich ein Platte Valley Corn Whiskey (hergestellt von McCormick) sehr anlachte; ich hatte aber keine Lust, den ganzen Tag eine dicke Steingutflasche mit mir rumzutragen. Muss ich mal online kaufen. 38,- EUR bei den Galeries; gibt es im Internet viel günstiger. 

Dann fuhr ich an der Dunmore Cave vorbei, einem Irish Pub in der Pannierstraße. Seltsamerweise mit einer Leuchtreklame von Kriek St Louis. In der Nähe der Sonnenallee dann noch das Ratzeputz, eine der neueren, minimalistischen Kneipen (minimalistisch heißt: es werden eine Theke, ein paar Tische und Stühle reingestellt und die Hälfte der Glühlampen rausgedreht - presto!). Spezialität des Hauses ist der Ingwerschnaps gleichen Namens aus dem Hause Baland & Langebartels. Scharf, aber bestimmt gesund. Ich hielt mich dann, im Gegensatz zu meinen Begleiterinnen, an ein Glas Jameson Irish Whiskey, weil ich den lange nicht mehr probiert hatte. Kurz zusammengefasst: sehr mild, süß, Vanille. Eher mittlerer Abgang. 
Letztendlich dann noch ein Abstecher in Das Gift, Ecke Weichsel- und Donaustraße, eine ebenfalls minimalistische schottische Kneipe (gehört dem Keyboarder der Band Mogwai, Barry Burns) mit einer akzeptablen, aber nicht aufregenden Auswahl von Single Malts. Zumindest weiß man da, wie ein Single Malt serviert wird: den kleinen Dekanter stillen Wassers gab es anstandslos dazu. Neben einem Laphroaig 10 probierte ich den Ardbeg 10 und war nicht allzu angetan. Alle Eigenschaften seiner älteren Brüder sind in ihm bereits erkennbar, aber für mich ist der Ardbeg nach 10 Jahren einfach noch nicht so weit. Im Aroma Phenol, Zigarrenrauch, auf der Zunge ein süßer Kern (wie auch der Laphroaig), jedoch mehr Aceton und Speck. Im Abgang mittellang, mit Wasser öliger und speckiger. Im Vergleich gefällt mir der Laphroaig besser, da die Note von Räucherspeck im Ardbeg mich etwas irritiert (ist z.B. im Supernova auch vorhanden, jedoch gemildert durch andere Eindrücke). 



Letztendlich noch ein Geheimtipp, der ausnahmsweise mal nicht mit Alkohol zu tun hat: Wer nach Berlin fährt, in der Ecke "Kreuzkölln" unterwegs ist und nach einem originellen Souvenir sucht, sollte sich mal bei Dederon-Design in der Muskauer Straße 45 umtun. Außer spaßig gestalteten Dederon-Taschen gibt es auch noch Frühstücksbrettchen, Retrogeschirr, Sparelefanten wie früher bei der Dresdner Bank und noch so einiges sonst. Reinschauen lohnt sich.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 20. November 2011. Dann verkoste ich noch einen weiteren irischen Standardwhiskey, nämlich Kilbeggan.


Donnerstag, 10. November 2011

Brugal Extra Viejo Gran Reserva Familiar

Vor einiger Zeit habe ich den jüngeren Bruder dieses Rums verkostet und war durchaus angetan von dessen Gesamteindruck. Allerdings muss ich zugeben, dass es wohl ein taktischer Fehler war, damals bereits so ziemlich alles aufzuschreiben, was es über das Haus Brugal zu sagen gibt. Auf jeden Fall erreichte mich die Flasche Extra Viejo Gran Reserva Familiar (im Folgenden nur noch EVGRF genannt) auf dem Geschenkwege von meiner lieben Schwester in der Freien und Hansestadt. 

Gekauft hat sie ihn beim Getränke-Paradies Wolf an der Schanzenstraße und fühlte sich gut beraten, was ich hiermit lobend hervorhebe. Brugal hat eine etwas merkwürdige Produktpolitik: Wenn man die deutsche Vertriebsseite mit der dominikanischen Heimatseite vergleiche, dann fällt mir immer wieder sehr stark auf, dass die Sortimente erheblich voneinander abweichen. Kommunikationsprobleme oder Resultat verschiedener Vertriebswege (Generalimporteur vs Import aus Drittländern vs Travel Value)? Keine Ahnung. Die offizielle Homepage kennt keinen EVGRF; nur den Extra Viejo Reserva, bei dem nicht nur ein paar Worte sondern auch ein paar Jährchen fehlen. Er reift nämlich nur etwa drei bis acht Jahre, der EVGRF laut Importeur acht bis 12 Jahre. Allerdings ist dieser sich selbst nicht ganz sicher, etwas weiter oben steht beim selben Artikel ebenfalls "drei bis acht" Jahre. Wurde der Extra Viejo Reserva zugunsten des EVGRF aus dem Verkehr gezogen und es sind nicht alle Texte richtig geändert worden? Oder ist man beim Importeur genau so verwirrt wie ich von der Namens- und Produktvielfalt? 



Gehen wir mal davon aus, dass der hier besprochene Rum seine acht bis 12 Jahre gereift ist, und zwar, wie man am Aroma unschwer erkennt, wahrscheinlich in Eichenfässern. Außer der Holznote dominieren noch Gerüche von Kakao, eventuell von Nüssen (Mandeln?). Im Geschmack ist er sehr weich, ein wenig wässrig, mit einem süßen Kern, Holz, Kakao. Sehr wenig Gewürze, mild. Der Abgang ist nicht allzu lang, aber angenehm trocken. Ein sehr süffiger Rum, der sich ganz ausgezeichnet zum Purverzehr eignet. In der Milde kann er sich fast mit dem 15 Jahre alten Pusser's Nelson's Blood messen, allerdings ist er nicht ganz so ausdrucksstark und vollmundig wie dieser. Mag auch daran liegen, dass er "nur" 38% Vol hat; vielleicht fehlen ihm die letzten zwei Umdrehungen ein bisschen. Mit einem Preis von ca. 22,- jedoch auch auffallend günstig für seine Klasse. Mischen possible. Ein sehr schönes Produkt, wegen des guten Preises auch gut geeignet für Anfänger.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 15. November 2011. Das Thema muss ich mir noch überlegen.

Picture Credits: "Brugal EVGRF": KRT

Samstag, 5. November 2011

Bacardi Oakheart

Als Plattfuss und ich neulich auf dem Weg in die Niederlande waren, um unsere Vorräte aufzustocken, sprachen wir auch über die Firma Bacardi. Wir konnten uns beide noch gut daran erinnern, dass "Bacardi" vor gar nicht allzu langer Zeit, zumindest in Deutschland, synonym mit "Rum" war. Leider bin ich bis jetzt noch nicht dazu gekommen, meinen Artikel über die Trinkkultur der 80er zu schreiben, aber Bacardi müsste definitiv in den Erinnerungen an den Beginn meiner Liebesbeziehung mit dem Alkohol eine wichtige Rolle spielen. Natürlich verlangte man damals an der Theke einen "Bacardi-Cola", was auch sonst? An andere Rum-Marken kann ich mich praktisch bis in die 90er gar nicht erinnern, es sei denn man zählt heimische Erzeugnisse wie Pott, Hansen, usw. dazu. In unserer Diskussion dachte ich an einen sehr lesenswerten Artikel auf drinkblog.de, der auf die Veränderungen im Image bei Bacardi einging. Ohne den Artikel hier wiederzugeben sei hier nur der Gedanke erwähnt, dass nicht nur die Konkurrenz von anderen Produkten wie Havana Club oder Varadero der Marke Bacardi schwer zu schaffen gemacht hat, sondern auch teilweise völlig verfehlte Marketingstrategien, die das Produktimage von "hochwertige Zutat für Cocktails" zu "Massenprodukt" änderten. In sehr kurzer Zeit wurden immer neue Produkte gehypt, so unter anderem der - für mich - unsägliche Bacardi Razz

Ich muss bekennen, dass ich, seit mir die große weite Welt des Rums offensteht, kein besonders großer Fan des Hauses bin ... zu durchschnittlich im Geschmack, viel zu unübersichtlich im Sortiment (hier eine ausführliche Zusammenstellung auf Wikipedia). Mehr gewollt als gekonnt, das ist so meine Einstellung gegenüber den Rums von Bacardi. Wobei die Firma natürlich auch nichts dafür kann, dass nun seit einiger Zeit der kubanische Rum (ohne Grund) als das Nonplusultra gilt. Vor ein paar Jahren begann dann ebenfalls die Wiederentdeckung des Gewürzrums, mit heute so exponierten Anbietern wie Captain Morgan und Sailor Jerry. Bacardi hat diese Entwicklung nicht verschlafen - denn seit Anfang des 21. Jahrhunderts hatte man den Bacardi Spiced im Portfolio - aber auch nicht mitbestimmt (denn wo hat man dieses Produkt jemals gesehen). Seit man nun mit dem Seven Tiki einen Gewürzrum im Premiumsegment anbietet (in Deutschland meines Wissens noch nicht erhältlich), hat sich anscheinend die Marketingabteilung entschlossen, den Bacardi Spiced einzustellen und stattdessen den Bacardi Oakheart zu lancieren. Anscheinend handelt es sich technisch gesehen um einen Blend von Bacardi Gold und Bacardi Superior, zusammen mit einer Gewürzinfusion, in Eichenholzfässern gelagert. Das Pressematerial jubelt: 
Entwickelt von den Bacardi Masterblendern, hat sich BACARDI Oakheart bereits in zahlreichen Pre-Tests bewährt. Neben Geschmack und Namen überzeugte dabei auch das Flaschendesign als echter Blickfang im Spirituosen-Regal: maskulin, lebendig, mit einer leichten Wellenstruktur, die der Flasche ein dynamisches und gleichzeitig robustes Aussehen verleiht. Der würzig vanillige BACARDI OakHeart ist eine Hommage an die Abenteurer von heute – junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren, die füreinander einstehen und gemeinsam etwas erleben wollen. Diese Haltung spiegelt sich in Design, Geschmack und Namen wider. 
Na schade, dass schon ein Anderer auf die Masche mit den Piraten gekommen ist ... sowas von schade aber auch. Mal davon abgesehen, dass auch die leichte Wellenstruktur nicht ganz neu ist (wie man in meinem Review des Captain Morgan Private Stock lesen kann). Aber was soll's. 



Greifen wir uns mal lieber die dynamische und robuste Flasche und schauen wir, was drin ist. Mein Testexemplar wurde neulich bei Netto um 9,99 verramscht, der reguläre EVP liegt wohl so bei 12,99. Das Getränk hat nur 35% Vol, darf also nicht als "Rum" verkauft werden, sondern nur als "Spirituose auf Rumbasis". In der Farbe ist der Oakheart schön dunkelgolden (Farbabstimmung mit Zuckerkulör). Aromatisch ähnlich anderen Gewürzrums, süß, Gummibärchen, Holz, getrocknete Aprikosen. Auf der Zunge dann überraschend mild, Holz, kaum rauchig, leicht trocken und mit einem süßen Kern. Die im Pressetext angekündigten Noten von Ahorn und Honig schmecke ich nicht, leicht herb ist er aber. Im Abgang kurz, trocken. 

In den englischsprachigen Ländern wirbt das in den Bars ausgelegte Ansichtsmaterial mit "Oak and Coke", der Rum soll also sozusagen von Natur aus mit Coca-Cola genossen werden (simples Co-Branding, aber gleichzeitig vielleicht auch ein Versuch, an alte "Bacardi-Cola"-Zeiten anzuknüpfen); ich glaube der Slogan in Deutschland ist nicht ganz so catchy, um mal in der Sprache unserer Zeit zu bleiben. Tun wir der PR-Abteilung also den Gefallen und versuchen wir ihn mit Coke. Ist auch besser so, denn nach etwa 10 Minuten des Ventilierens bricht der Oakheart in punkto Aroma und Geschmack in sich zusammen: dominantes Ethanol, sehr spritig. In der Nase habe ich mit Cola jetzt eher so etwas wie Ahorn oder Honig, im Geschmack auch etwas mehr Honig, aber auch noch viel Holz, trocken. Fazit: Der Bacardi Oakheart haut mich nicht vom Hocker, ist aber für den avisierten Endpreis von um die 12,- EUR in Ordnung. Pur nur schnell zu verzehren, nach etwa zehn Minuten an der Luft ziemlich ekelhaft. Mit Cola als Longdrink okay, keine unangenehmen Überraschungen.

Am 10. November 2011 erscheint der nächste planmäßige Beitrag. Dann teste ich den Brugal Extra Viejo Gran Reserva Familiar (muss gut sein bei so einem langen Namen).

Picture Credits: "Bacardi Oakheart": KRT


Donnerstag, 3. November 2011

Meine To Drink-Liste: Update November 2011

Diese kleine schnuckelige Liste habe ich fast gleichzeitig mit diesem Blog begonnen. Sie erinnert mich immer daran, wie viel noch zu tun ist. Die einzelnen Produkte sind weder nach Art, Name oder Preis geordnet, sondern erscheinen so, wie sie mir eingefallen sind. Schöne Nebenwirkung: wer noch was für Geburtstag, Weihnachten oder Tomas Aquinas Appreciation Day sucht, wird sicher hier fündig ...

- Auchentoshan Three Wood (Single Malt)
- Girvan (Single Grain)
- Seven Tiki Fijian Rum (gehört jetzt anscheinend mit zu Bacardi)
- Glendronach 25 (Single Malt)
- Green Island Spiced (Rum)
- Ginger Tam's (Whiskylikör)
- Jack Daniel's Single Barrel (Tennessee Whisky)
- Springbank 100 (Single Malt)
- Bowmore Enigma 12 yo (Single Malt)
- Jura Superstition (Single Malt)
- Port Ellen (Single Malt)
- Balblair 16 yo (Single Malt)
- Plymouth Gin
- Lamb's Navy Rum
- Dalmore 15 yo (Single Malt)
- Loch Lomond 21 yo Black Label (Single Malt)
- Aberlour 12 yo (Single Malt)
- anCnoc (Single Malt)
- Grey Goose (Wodka)
- Bombay Dry Gin (der trockene Bruder des Sapphire)
- Smokehead (Single Malt)
- Caorunn (Gin)
- Belmont Estate Coconut (Rum)
- Bulleit Bourbon Frontier Whiskey
- Mlechnij Put Vodka
- Pussers British Navy Overproof 75% (Rum)
- Chambord Liqueur Royale de France
- Rodnik's Absinthe Strong 85%
- Haymans Gin Liqueur
- Elements Eight Spiced Rum, St Lucia
- Jim Beam Ri One (Rye Whiskey)
- Auchroisk 10 yo (Single Malt)
- Aultmore 12 yo (Single Malt)
- Longmorn 15 yo
- Mannochmore South Africa Sherry Cask (Single Malt)
- Tamdhu 18 yo (Single Malt)
- Amrut (Single Malt)
- Tomatin 12 yo (Single Malt)
- Blair Athol 12 yo (Single Malt)
- Green Spot (Irish Blend)
- Suntory Hakushu 12 yo (Single Malt)
- Karuizawa 12 yo (Single Malt)
- Old Grand-Dad Kentucky Straight Bourbon
- Elijah Craig (Bourbon)
- Jim Beam Choice "Green Label" (Bourbon)
- Jim Beam Double Aged "Black Label" (Bourbon)
- George Dickel No. 8 (Tennessee Whiskey)
- George Dickel No. 12 (Tennessee Whiskey) 
- Captain Morgan Tattoo (Rum)
- Captain Morgan 100 Proof (Rum)
- Wood's Navy Rum
- Four Bells Navy Rum
- Crown Royal (Canadian Whisky)
- Horst Lünings Spezialliste:
  1. Macallan 12 yo Sherry Cask
  2. Glenlivet 18 yo
  3. Glenfarclas 25 yo
  4. Aberlour 18 yo
  5. Macallan 18 yo Fine Oak
  6. Balvenie 21 yo Port Wood
  7. Highland 25 yo 
  8. Strathisla 30 yo
  9. Talisker Destiller's Edition
  10. Lagavulin Destiller's Edition
  11. Ardbeg Uigeaidail
  12. Glenmorangie Signet
  13. Dalmore King Alexander III
- Horst Lünings Essentials:
  1. Glenfiddich 12 yo
  2. Lagavulin 16 yo
  3. Macallan 12 yo
  4. Strathisla 25 yo


...und mir fallen bestimmt noch welche ein...

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 5. November 2011. Dann mit der Verkostung des relativ neuen Bacardi Oakheart.

Sonntag, 30. Oktober 2011

Arran 10 J.

Schottischer Whisky ist wahrscheinlich auch deswegen so interessant, weil er etwas inhärent Romantisches hat - die ganzen Glens und Bens und der Gedanke an William Wallace und Robert the Bruce und so weiter, und so fort. Auch die Insel Arran erweckt die Vorstellung von Inseln in sturmgepeitschter See, von Wikingern und Seefahrern. Lange Zeit gehörte die Insel, zusammen mit den Hebriden, Man, und noch so einigen Anderen zum sagenumwobenen, von Schottland unabhängigen Königreich der Inseln, wo nicht gälische Clanchefs sondern norwegische Seekönige herrschten. Leider bin ich selber dort nie gewesen, aber wenn man sich diese Webseite anschaut, dann dürfte es sich wohl auf jeden Fall lohnen. Knapp 5.000 Menschen wohnen hier und früher gab es im Südteil der Insel sage und schreibe drei Whiskybrennereien. Heute ist nur eine einzige übrig, nämlich die Arran-Destillerie in Lochranza. 



Man muss aber hinzufügen, dass diese Destillerie nicht zu den traditionellen drei gehört, sondern in den 1990ern neu gegründet wurde. Das Besucherzentrum wurde - besonderer Stolz der Besitzer - persönlich von Königin Elizabeth II eröffnet. Produziert werden verschiedene Blends (u.a. der etwas bekanntere Lochranza) sowie Single Malts in verschiedenen Altersstufen (10 und 14 Jahre) und Finishings (aktuell Sauternes, Port und Amarone). Der Arran 10 yo gehört sicherlich zu den Grundlagen des Portfolios

In der Farbe zeigt er ein sattes Weizengelb und im Geruch ein intensives Aroma von Zitrus, Nüssen und frischer Seeluft. Auch auf der Zunge spürt man eine leichte Zitrusnote, gepaart mit einer intensiven Süße und etwas Schärfe im Mittelteil. Der Abgang ist mittellang, trocken, mit deutlichen Sherryfassnoten. In der Flaschenabfüllung hat der Arran 46% Vol. Mit etwas Wasser genossen behält er sein Aroma von Zitrus und reifen Pflaumen, ist im Geschmack aber etwas trockener, hat mehr Holz, jedoch unverändert süß. Der Abgang bleibt nahezu unverändert. In der Standardabfüllung etwa EUR 30,-. Ein angenehmes Tröpfchen, zwar kein unvergessliches Erlebnis, aber dennoch seinen Preis wert.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 5. November 2011. Dann wahrscheinlich mit der Verkostung des relativ neuen Bacardi Oakheart.


Dienstag, 25. Oktober 2011

The Speyside 12 J.

Ich persönlich finde den Namen der Speyside Distillery ja etwas einfallslos, aber zumindest haben sich die Marketingexperten etwas dabei gedacht: nämlich den guten Namen der Region Speyside auf das eigene Produkt zu übertragen. Und wie um zu zeigen, dass es quasi der "einzig echte" Single Malt der Speyside ist, heißt er dann natürlich The Speyside. Genau genommen liegt die Destillerie in Kingussie, in Inverness-shire, nicht weit von den Cairngorm Mountains - und somit am äußersten Rand der Speyside. Die Firma selbst residiert allerdings im fernen Glasgow. Gegründet wurde die Speyside-Bernnerei erst 1989/90, hat sich jedoch bereits bei Kennern einen recht zweifelhaften Ruf erworben, nämlich mit der Kopie eines an sich schon umstrittenen Whiskys von Mannochmore (Loch Dhu); dem schwarzen Whisky Cu Dubh ("schwarzer Hund"), welcher unter anderem von Johannes van den Heuvel und Horst Lüning - naja - mehr oder weniger zerrissen wurde. Neben den Blends unter dem Namen Scottish Prince werden noch die Single Malts The Speyside 12, Glentromie 12, Great Glen NAS und Drumguish NAS vermarktet. Weder Cu Dubh noch The Speyside 10 werden aktiv beworben


Im gut sortierten Einzelhandel kostet eine Flasche Speyside 12 etwa EUR 28,- bei einem Alkoholgehalt von 40%. Der erste Eindruck in der Nase ist durchaus gut; ein recht fruchtiger, herbstlicher Geruch nach Nüssen, Wein, Pflaumen. Im Geschmack jedoch wenig aufregend: leichte Süße, wässrig. Der Abgang ebenfalls sehr nichtssagend, kurz, trocken. Einer der wenigen Single Malts, der bei Zugabe von Wasser und nach längerem Ventilieren seinen Geschmack nicht verändert. Tut definitiv niemandem weh, außer dem Geldbeutel. Ein 08/15- Whisky mit einem 08/15-Namen. Ich rate davon ab.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 30. Oktober 2011. Dann verkoste ich den schon etwas aussagekräftigeren Arran 10 yo.


Sonntag, 23. Oktober 2011

Termine November 2011

Lokal / Regional

Cocktailtour (Osnabrück, 5. November 2011)
Osnabrücker Weihnachtsmarkt (Osnabrück, 25. November bis 22. Dezember 2011)


National

13. InterWhisky Fachmesse (Frankfurt/Main, 25. bis 27 November 2011)


International

Wurstfest (New Braunfels (TX), USA, 4. bis 13. November 2011)

Beer, Bourbon, and BBQ Festival (Nashville (TN), USA, 5. November 2011) 

Het Weekend der Belgische Bieren (Hasselt, Belgien, 11. bis 13. November 2011)

Belfast Beer & Cider Festival 2011 (Belfast, Ulster, 17. bis 19. November 2011)


Interessante Veranstaltung gefunden? E-mail an uns, bitte!

Samstag, 22. Oktober 2011

Zwischendurch: Outsourcing, Teil I

Nicht dass es heißt, Plattfuss und ich würden jetzt getrennte Wege gehen. Nichts läge uns ferner. Aber mit seiner neuen/alten Homepage kann und soll er auch mal Anderes probieren - denn vor allem können wir auch bei aller Freundschaft nicht 24/7 aufeinander hängen, nur damit wir immer beide etwas gleichzeitig zu verkosten haben. Einen Teil seiner privaten Tastings lagern wir also auf Plattfuss' Homepage aus - Outsourcing heißt das wohl Neudeutsch.



Donnerstag, 20. Oktober 2011

Rum aus Guyana, 18 J. ("vom Fass")

Zusätzlich zum letzte Woche besprochenen Auchentoshan 12 gab es in der gleichen Lieferung "vom Fass" noch einen 18 Jahre alten Guyanarum. Und wenn ich Guyanarum höre, geht mein Verdacht meist gleich in eine bestimmte Richtung; spätestens seit der Verkostung des El Dorado Spiced im Juli. Der Guyanarum ist einer von sechs oder sieben Rums, welche vom Fass (VF) in seinem Sortiment führt. Die Abfüllung hat 45% Vol. und kostet pro 100 ml EUR 6,85. Die Onlineshopseite führt dazu aus:
Bereits im frühen 17. Jahrhundert wurde in der ehemals britischen Kolonie Rum gebrannt. Diese Rarität wurde in der Enmore Brennerei auf einer Pot Still-Anlage produziert.
Und genau diese Sätze bestätigten das, was ich bereits vermutet hatte. Denn die von VF angegebene Enmore-Destillerie existiert als unabhängige Brennerei schon lange nicht mehr: wie in diesem sehr interessanten Artikel auf Trinklaune.de ausgeführt wird, gibt es im ehemals britischen Guayana (zur Unterscheidung von Französisch-Guayana und Niederländisch-Guayana bzw. Surinam) ohnehin nur noch eine einzige Rumbrennerei, nämlich Demerara (Plantation Diamond), von der auch der El Dorado Spiced stammt. Allerdings hat die Demerara in ihrer Destillerie die Brennblasen einiger alter Konkurrenten neu aufgebaut und brennt in diesen auch weiterhin Alkohol. Demerara rühmt sich, einer der größten Lieferanten von Rum zum Zwecke des Verschnitts zu sein, und gibt den Ausstoß mit 26 Mio. Litern reinem Alkohol pro Jahr an.   Der Rum kommt also nicht aus der ehemaligen Enmore-Brennerei, sondern aus der - in der Demerara-Brennerei aufgestellten - ehemaligen Enmore EHP wooden still.



Die Eigenmarke läuft in verschiedenen Segmenten unter dem Namen El Dorado. Für die Basislinie werden nur die Altersklassen 12, 15, 21 und 25 angegeben ... wird der 18-jährige ausschließlich an unabhängige Abfüller verkauft? Oder handelt es sich bei dem Produkt von VF um den in einer eigenen Connoisseur-Reihe geführten Single Barrel EHP - was angesichts der verwendeten Brennblase ja auch logisch wäre? Auf jeden Fall zeigt das gute Tröpfchen eine satte, dunkelgoldene Farbe. Im Glas ist er recht ölig und kitzelt die Nase mit kräftigen, saftigen Aromen: ein wenig Vanille, Orange, Aprikose, eventuell etwas Pfirsich. Auf der Zunge weniger süß als gedacht, trocken, im Mittelteil pikant, Chilipfeffer. Im Abgang mittellang, nicht ganz mild, aber mit nachklingender Schärfe. Trocken. Leichte Ansätze von dunkler Schokolade oder Kakao. Zum Purverzehr gut geeignet aber nicht jedermanns Sache, da doch nicht ganz mild. In Longdrinks besonders zu empfehlen; die dominante Würze bleibt gut erhalten, verliert aber etwas an Schärfe.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 25. Oktober 2011. Dann mit der Verkostung des Single Malt The Speyside 12 yo.

Picture Credits: "Guyana 18": KRT