Sonntag, 10. April 2011

Ethanol? Methanol? Nicht egol. Teil II

Schutz vor einer Vergiftung mit Methylalkohol könnte einerseits dadurch erzielt werden, dass man Getränke, die einem nicht koscher vorkommen, einer chemischen Probe unterzieht, wenn ich die Jungs und Mädels von chemieonline.de richtig verstehe:

Methanol kann man mit Hilfe der Borsäureprobe nachweisen. Wird der Alkohol mit Borsäure zusammen gegeben, der Ansatz umgerührt, dann ein brennender Holzspan hinein gehalten, so dass sich der Dampf entzündet, verbrennt das Ganze mit grüner Flamme. Würde man diesen Nachweis mit Ethanol durchführen, so gäbe es eine blau-gelbe Flamme (allenfalls einen grünen Saum). Erklärung: Die Borsäure reagiert mit den Alkoholen zu Estern. Bei Methanol entsteht Borsäuretrimethylester, bei Ethanol Borsäuretriethylester. Ersterer verbrennt mit grüner Flamme (deren Auftreten den Nachweis von Borverbindungen ermöglicht). Borsäuretriethylester verbrennt mit blau-gelber Flamme auf Grund der höheren Kohlenstoffmenge.
Aber funktioniert das auch bei Schnäpsen, die, sagen wir, zur Hälfte aus Ethanol und zur Hälfte aus Methanol bestehen? Und was, wenn gerade kein Chemiebaukasten zur Hand ist? Sicherlich sollte man - gerade im Ausland - stutzig werden, wenn einem "Markenalkohol" zu unmöglich niedrigen Preisen angeboten wird. Selbst wenn Spirituosen auf verschlungenen Wegen aus den örtlichen Duty-Free-Shops "verschwinden" oder "vom Lastwagen gefallen" sind, dürfte man bei Literpreisen, die 30% und mehr unter dem örtlichen Einzelhandelspreis liegen, Grund zu der Annahme haben, dass der Schnaps gepanscht ist ... im günstigsten Fall mit Wasser ...im ungünstigsten siehe oben.

Auf Wikipedia steht übrigens, was man bei einer Methanolvergiftung tun soll:

Zur Behandlung von Methanolvergiftungen wird der Abbau des Methanols im menschlichen Körper unterbunden, sodass die toxischen Folgeprodukte nicht entstehen. Dazu können etwa 0,7 g Ethanol (vulgo: Alkohol) pro kg Körpergewicht verabreicht werden, die den Methanolabbau kompetitiv hemmen, da das Enzym eine höhere Affinität zu Ethanol besitzt und diesen somit bevorzugt abbaut (Substratspezifität). Für eine effektive Therapie muss der Ethanolspiegel dabei zum Teil – abhängig vom Grad der Vergiftung und der körperlichen Verfassung des Vergifteten – über Tage aufrecht erhalten werden.
Mit anderen Worten: dem Vergiftungsopfer muss so schnell wie möglich "guter" Alkohol (Ethanol) zugeführt werden, in Mengen und über Tage hinweg. So wurde auch der eine Junge vom Beginn unserer Geschichte (s. Teil I) gerettet ... er kam in ein Krankenhaus, wo die Ärzte plietsch genug waren, ihm Raki zu verabreichen. Nee, ist jetzt kein Witz. Aber Kopfschmerzen wird er schon gehabt haben.

Nächstes Wochenende in der Bar ausprobieren: "He Barkeeper, gib mir schnell die Flasche ... ich hab' nen Liter Methanol intus!"

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