Dienstag, 19. April 2011

Trinken in der Literatur, Teil II

D'Artagnan kommt von seiner Mission in England zurück und findet Athos in einem Gasthof am Wege wieder, wo dieser sich zusammen mit seinem Diener Grimaud im Weinkeller verbarrikadiert hat:

Dann vernahm man ein Geräusch von auseinander gezerrten Reisigbündeln und knarrenden Balken, womit Athos seine Festung verrammelt hatte. Nach einem Augenblick wankte die Tür, und man sah Athos' bleichen Kopf erscheinen, der mit raschem Blick das Terrain musterte. D'Artagnan warf sich ihm an den Hals und umarmte ihn zärtlich; dann wollte er ihn aus seinem feuchten Gefängnis herausziehen. Da merkte er erst, dass sein Freund wankte.

"Ihr seid verwundet", sagte er. "Nicht im mindesten, ich bin schwer betrunken, weiter nichts. Bei Gott! Herr Wirt, ich habe für meinen Teil wenigstens hundertundfünfzig Flaschen getrunken!"

"Barmherzigkeit!" rief der Wirt, "wenn der Diener nur halb so viel getrunken hat, wie der Herr, bin ich zugrunde gerichtet."

"Grimaud ist ein Lakai aus gutem Hause, der sich nicht erlaubt haben würde, dasselbe Tägliche zu sich zu nehmen, wie ich. Er trank nur aus dem Fasse. Halt! Ich glaube, er hat vergessen, den Zapfen wieder hineinzustecken. Hört Ihr?"

Alexandre Dumas d.Ä.: Die drei Musketiere