Samstag, 21. Mai 2011

Schlemmerreise nach Belgisch-Luxemburg, Teil II

Ansonsten ist man in Belgien eigentlich, wenn man nicht auf die exotischen Biere steht, mit den Pils-Äquivalenten immer gut bedient. Die drei größten sind wohl Stella Artois (das in den USA und Großbritannien unheimlich gehypt wurde), Jupiler und Maes Pils.Die beiden ersteren sind Teil des Portfolios von Anheuser-Busch InBev, der größten Brauereigruppe der Welt, Maes gehört über die Brauerei Alken-Maes zu einem anderen Brauereigiganten, nämlich Heineken.

Seit meiner Jugend in Belgien - damals machte man noch nicht so ein Theater um den Bierkonsum (mit Betonung auf "Bier") von Heranwachsenden  (mein erstes Bier bekam ich mit 12 in einer Kneipe, ohne dass jemand was gesagt hätte) -  stehe ich eigentlich hauptsächlich auf Maes, mit Jupiler als Zweitmarke. Stella habe ich immer möglichst vermieden - irgendwie bekomme ich davon Kopfschmerzen, egal wie viel ich trinke. Ähnlich ist es bei mir auch mit Herforder.

Diesmal hatten wir auf jeden Fall Jupiler und Maes um uns zu erfrischen, und die beiden haben den Job auch treu erfüllt. Jupiler hat jetzt auch ein neues Erfrischungsgetränk auf den Markt geworfen: Jupiler Force. In Prinzip handelt es sich um eine Art Radler alkoholfrei, mit einem Schuss Apfelsaft anscheinend. Es werden 0,0% Alkohol auf der Verpackung angegeben. Beworben wird das ganze als "Erfrischungsgetränk für Männer". Wenn man schon unbedingt etwas alkoholfreies trinken will, dann ist Jupiler Force eigentlich auch gar nicht so schlecht ... eiskalt sehr erfrischend, nicht aufdringlich süß und sehr hopfig. Wer eine Idee bekommen möchte, wie es ungefähr schmeckt: Ähnlich wie das neue Karlsquell Weizen Alkoholfrei von ALDI Nord ... nur hat letzteres weniger Süße.


Wenn man nun gerade in Belgien ist, muss man sich natürlich auch einen Jenever gönnen. Hier in Deutschland gibt es ja praktisch nur den Bessenjenever von De Kuyper usw., das Ursprungsprodukt aus den Niederlanden bzw. Belgien ist allerdings natürlicher. Grundsätzlich war der Jenever dem Gin einmal sehr ähnlich und basierte auch auf dem Wacholder. Seit dem 2. Weltkrieg unterscheidet man jedoch den jungen (klaren) und den alten (tendenziell gelblich-braunen) Jenever. Der junge Jenever wird aus reinem Neutralalkohol gewonnen, dem Zucker oder auch Kräuterextrakte zugesetzt werden können, aber nicht müssen. So ähnelt er eher einem Wodka als einem Gin. Der alte Jenever enthält heute zumindest einen Teil Kornbranntwein, jedoch nicht mehr zu 100% wie früher. Er ist daher dem deutschen Korn ähnlich. Wir hatten uns bei ALDI in Bastogne eine Flasche "alten" Jenever ohne Markenbezeichnung geholt und einem Test unterzogen. Das Produkt hatte 36 Umdrehungen, war leicht gelblich in der Farbe und bei der ersten Verkostung war er eiskalt (ein Fehler, wie ich mitlerweile gelernt habe: alten Jenever soll man bei Zimmertemperatur trinken).

Der erste Schluck war, wie nicht anders zu erwarten, ein ziemlicher Hammer. Hier hat man nun endlich mal ein "ehrliches" Getränk ohne Schnörkel: Wenn Gin eine Limousine ist, dann wäre der alte Jenever (jedenfalls der von Aldi) ein Trecker. Alles in allem aber gar nicht soooo schlecht. Wie ein recht günstiger Korn halt, aber immerhin etwas geschmackiger (so wie eine flüssige Scheibe Brot fast) als "Klarer".

Zum Aufräumen des Magens nach genossener Ardenner Schlachteplatte bestens geeignet.

So gestärkt und aufgeräumt hatten wir dann noch Zeit für eine Tour zu zwei kleinen, aber feinen Brauereien. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der dritte und letzte Teil der Schlemmerreise nach Belgisch-Luxemburg, mit den Brauereibesuchen von Achouffe und Saint-Monon, erscheint am 26. Mai 2011.


Picture Credits: "Oude Graanjenever": TDL

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