Sonntag, 31. Juli 2011

Termine August 2011

Lokal / Regional

Osnabrücker Weintage (Osnabrück, 18.-21. August 2011)

Wein- und Braufest Rheine (Rheine, 19.-21. August 2011)


National
15. Berliner Bierfestival (Berlin, 5. bis 7. August 2011)

International

The Great British Beer Festival (London, UK, 2.-6. August 2011)

The Famous Grouse Festival (Crieff, Schottland, 12.-13. August 2011) 

8th German Bierfest (Atlanta (GA), USA, 27. August 2011)


Interessante Veranstaltung gefunden? E-mail an uns, bitte!

Dienstag, 26. Juli 2011

Brugal Anejo

Es war mal wieder Zeit, zu den Wurzeln zurückzukehren. Dutzende Sorten Gewürzrum durchprobieren ist ja schön und gut, aber irgendwann braucht man doch mal wieder Zeit zum Durchatmen ... und für die einfachen Dinge des Lebens. Nicht zu vergessen zu den Dingen des Lebens, die nicht unbedingt immer gleich mit 30 bis 40 EUR zu Buche schlagen ... So 12 bis 15 EUR wollte ich aber wohl für einen brauchbaren Alltagsrum ausgeben, bevor ich zu Bacardi greife ... obwohl der ja auch immer teurer und ausgefallener wird. Ich dachte erst, ich hole mir noch mal so einen schönen Rhum Agricole St James, aber letztendlich griff ich beim E-Center dann doch zum Brugal Anejo aus der Dominikanischen Republik ... den ich auch schon mal hatte und der mir, wenn ich mich recht erinnere, gut gefiel. 

Wenn man sich auf der niedlich gemachten Webseite umschaut (es gibt eine deutsche Version), dann wird klar, dass Land, Leute und Firma mehr zu bieten haben, als der gemeine Pauschaltourist sich eventuell träumen lässt und dass man auch sehr stolz ist auf seine Tradition und seine Produkte. Ein spanischer Auswanderer namens Andrés Brugal begründete die Rumproduktion der Firma im Jahre 1888. Teilweise ist das Unternehmen, welches heute auch in anderen Sparten wie Agrartechnik und Pharmazeutik tätig ist, immer noch in Familienbesitz und die Meisterdestillateure gehören stets zur Sippe der Brugals. Anscheinend legt man großen Wert auf Wohltätigkeit: die firmeneigene Stiftung kümmert sich um die Belange von Armen und Obdachlosen. Außerdem ist der Brugal, zusammen mit Marken wie Bermudez oder Siboney, wohl einer der bekanntesten Rums aus der Dominkanischen Republik. Die Firmenwebseite bietet - zumindest für deutsche Besucher - nur fünf Rums an: den Anejo (3-5 Jahre, eher jüngere Sorten), den Anejo Reserva (2-5 Jahre, eher ältere Sorten), den Extra Viejo (3-8 Jahre, eher jüngere Sorten), den Extra Viejo Reserva (3-8 Jahre, eher ältere Sorten) sowie den Blanco (2 Jahre, weiß). Der Europavertrieb von Brugal kennt noch mehr Sorten, auch im unteren Preissegment (Carta Dorada).  


Der Anejo scheint also für meine Zwecke wie geschaffen: nicht zu teuer, nicht zu billig; nicht zu schlapp, nicht zu anspruchsvoll. Interessantes, kräftiges Aroma: Holz, frisches Gras, ein Hauch von Schokolade vielleicht? Am Gaumen dann weich, leicht vollmundig, Holz und Karamell, solides Mittelteil mit ein wenig Schärfe, Ethanol. Der Abgang auch noch holzig, weich, aber mittellang. Im Cubata dann weniger Holz, dafür aber mehr Vanille und eine leichte, dezente Zitrusnote (weniger als im St James). Insgesamt bei weitem nicht so süß wie man erwartet hat, jedoch angenehm würzig. Sehr trinkbar, Kaufempfehlung. Im Einzelhandel in der Regel um die 13,- EUR, 38% Vol.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint  am 1. August 2011. Dann mit dem ersten Teil der Verkostung verschiedener Whiskys aus Plattfuss' Hausbar. Bitte beachten Sie auch den Veranstaltungskalender für den Monat August (erscheint am 31.07.2011). 
Picture Credits: "Brugal Anejo": TAQ

Sonntag, 24. Juli 2011

Zwischendurch: Buchtipp

Sehr empfehlenswert für den Einstieg in die Welt des Whisk(e)ys: Marc A. Hoffmann: Whisky. Marken aus der ganzen Welt, Parragon 2007. (ISBN: 978-1405493345) Wird zur Zeit im Buchhandel und online für EUR 9,99 verramscht. Zugreifen!

Donnerstag, 21. Juli 2011

The Balvenie 15 J.

Neulich Abend war wieder mal einer dieser Abende. Aus verschiedenen Gründen - die hier nichts zur Sache tun und auch eigentlich niemanden etwas angehen - war mir zu fortgeschrittener Stunde etwas blue zumute. Die Damen und Herren vom Culina hatten mal wieder ihr Bestes gegeben, mich ins Land der Träume zu schicken, unter anderem mit einem wirklich extrem guten Blue Blazer ... aber wer sollte den Job jetzt zu Ende bringen? Cocktails hatte ich irgendwie genug gehabt, also musste als Absacker etwas Einfaches her. 

Nun muss man sagen, dass das Culina nicht damit prahlen kann, überdurchschnittlich viele  Single Malts bereit zu halten, aber seit einiger Zeit schwebt im obersten Regal über Gs. Kopf eine kleine Palette mit ausgesuchten Köstlichkeiten aus Schottland. Und da mir gerade nach einem Speyside zumute war, kam eigentlich doch nur der 15 Jahre alte Balvenie in Frage. Er kommt aus Dufftown, angeblich (und wer misstraut schon dem Wort eines Schotten?) die Stadt mit der weltweit höchsten Konzentration an Whiskybrennereien. Unter anderem der Glenfiddich kommt hierher. Laut Firmenhomepage wurde die Destillerie bereits 1893 gegründet, und daher gehört sie zu den zwanzig oder so ältesten noch überlebenden Brennereien, die im Whiskyrausch des 19. Jahrhunderts in Schottland gegründet wurden. Wie man so hört, ist Balvenie einer der wenigen Hersteller, die (so gut wie) keine Produkte für Dritt- und Fremdfirmen herstellen. Das Portfolio ist moderat groß, angefangen beim DoubleWood (12 Jahre) bis hin zum Forty (40 Jahre), zuzüglich Sonderabfüllungen. Der von mir probierte Whisky war der 15 Jahre alte Single Barrel (das ist noch eine Steigerung gegenüber einem Single Malt: es werden nicht nur Whiskys aus einer einzigen Destillerie verwendet sondern sogar nur Whisky aus einem einzigen Fass).


Die Flasche ist dementsprechend ansprechend geschmückt, mit einer Art Zertifikat, das Aufschluss gibt über Datum der Abfüllung, Fass, usw. In der Nase ist der Balvenie 15 sehr reich und ausdrucksstark, süß (Honig? Blumen?). Am Gaumen dann süß und vollmundig, anspruchsvoll (Früchte? Trockenobst?). Der Abgang ist sehr lang, immer noch etwas süß, wärmend. Ein angenehmer Tropfen und, auch wenn ich mir damit selber schmeichle, die richtige Wahl an dem Abend. Habe mir die Rechnung nicht mehr genau angeschaut (leichte Konzentrationsprobleme) aber im Handel kostet die Flasche etwa ab 55,- EUR aufwärts. Dass das Culina ihn zwar korrekt mit stillem Wasser serviert, dann jedoch Schokolade dazu reicht, könnte man mit bösem Willen zwar auch als Anbiederung an jeden noch so dämlichen Trend geißeln, aber wenigstens hatten die Damen in meiner Begleitung etwas zu knabbern ...


Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 26. Juli 2011. Dann mit der Verkostung des Brugal Anejo aus der Dominikanischen Republik.
Picture Credits: "The Balvenie": The Balvenie

Dienstag, 19. Juli 2011

Torf, Rauch und ein wenig Süße...

das dürfte den kommenden Samstag von TA und meiner Wenigkeit bestimmen. Zur Verkostung werden gereicht: Talisker 10 yo, Bruichladdich Rocks und Big Peat, jeweils mit einem Alkoholgehalt, der der Fassstärke nahe kommt.
Unser Erfahrungsbericht wird mit Sicherheit dann demnächst auf diesem Blog ein schmuckes Plätzchen finden....

Samstag, 16. Juli 2011

Myers's Rum Original Dark

Myers's Rum (Achtung Englischlehrer: Das Apostroph ist richtig gesetzt - der Firmengründer hieß Myers) ist mittlerweile, genau so wie Captain Morgan - eine Marke des Diageo-Konzerns. Allerdings wird er, wie diese Website zeigt, etwas stiefmütterlicher behandelt, man gönnt ihm - anders als dem Käpt'n - anscheinend keinen eigenen Webauftritt. Ansonsten sind die Informationen recht spärlich gesät: 1934 in den USA lanciert. Es handelt sich um einen reinen Jamaikarum, wahrscheinlich einen Blend verschiedener Sorten, der bis zu vier Jahre lang gereift ist. Wie die meisten Rums (Ausnahme wäre zum Beispiel der kolonialfranzösische Rhum Agricole) wird er aus Melasse hergestellt, welche für eine gewisse Süße des Produkts sorgt. 

Es heißt, der Myers's sei weniger süß als andere Rums und eigne sich besonders gut zur Herstellung von Punschen. Im Glas ist der Rum von dunkelgoldener Färbung, die Nase ist recht eigenwillig: Zuerst ziemlich medizinisch anmutend, nach ein bis zwei Minuten eher ein Aroma von Sherry, leichte Zitrusnote, Kirsche. Auf der Zunge scharf, Eiche, Holzfeuer. Im Abgang dann sehr trocken, wenig süß, Kräuter. Tatsächlich ein recht eigenwilliger Rum. Als Mixer kann ich Cola nicht wirklich empfehlen, der trockene Charakter des Myers's führt dazu, dass nunmehr im Abgang sich ein Geschmack wie von Kräuterlikör breitmacht - nicht sehr harmonisch. 

Aber ich wollte dem Rum noch eine zweite Chance geben: Auf der Flasche finden sich mehrere Rezepte, von denen ich zumindest eines ausprobieren wollte, ohne zu viele bartechnische Klimmzüge machen zu müssen. Also entschied ich mich für den Myers's Tonic: Man gebe zu 4 cl Rum ein paar Eiswürfel, einen Spritzer Zitrone, fülle mit Tonic Water auf, lasse eine Zitronenscheibe zu Wasser und man erhält ... ein Gebräu wie Batteriesäure. Pfui Deibel! Hinfort damit!! Also entweder spinnen die bei Myers - oder ich habe das Mischungsverhältnis nicht richtig hingekriegt - oder der Myers's und ich werden einfach keine Freunde mehr. Wenn ich den Geschmack näher beschreiben müsste, würde ich sagen: wie ein Horse's Neck. Aber einer, der eine Woche in der Sonne gestanden hat, Gott steh uns bei. Ich glaube, ich lasse es lieber sein und gebe den Rum zum Kuchenbacken her. Schade eigentlich, hatte mir mehr versprochen ... 


Myers's Rum kommt wahrscheinlich wirklich am Besten bei Leuten an, die keinen süßen Rum mögen. Ist ein freies Land. Neulich lief im TV Mitternacht im Garten von Gut und Böse. Jetzt fällt mir ein, dass die Hoodoo Woman im Film anscheinend eine Flasche Myers's zum Exorzieren böser Geister benutzt hat. So findet ein jeder seine Nische, möchte man fast sagen.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 16. Juli 2011. Thema dann ist die Verkostung des Balvenie Single Barrel (15 yo).
 Picture Credits: "Myers's Label": The Ministry of Rum

Donnerstag, 14. Juli 2011

Zwischendurch: Neulich im Bangkok

Beim Thailänder an der Alten Münze
Ich: Entschuldigen Sie; ist Mekhong eigentlich ein Whisky oder ein Rum?
Verkäuferin: Whisky ... nein, Rum ... nein Whisky ... nein, Rum ... nein, ...
Muss mir unbedingt mal eine Flasche holen. Was soviel Verwirrung stiftet, kann nur gut sein. Außerdem gabs letzte Woche bei EDEKA Captain Morgan Spiced Gold für 9,99 und bei Thomas Philipps Smirnoff für 8,88. Diese Woche dann wieder: Captain Morgan Spiced Gold für 11,99 und Smirnoff 12,99. Typisch, immer vor den Ferien erhöhen die Konzerne die Spritpreise ...

Montag, 11. Juli 2011

Der Härtetest zum Wiegenfest, Teil II: Rum, Sodomy, and a Dash of Lime

(Fortsetzung vom 6. Juli) Schauen wir uns die Rums an. Am ersten Abend hatte ich den Caribbean Spiced und den El Dorado an den Start gebracht. Der Caribbean Spiced kommt in einer ungewöhnlichen Steingutflasche. Seine Farbe erschreckte mich erstmal sehr, da sie mich in ihrer Helligkeit an den La Mariba Pure erinnerte. Das Aroma war auch zuerst undefinierbar, ich einigte mich dann auf Gummibärchen. Am Gaumen dann aber eine sehr große Überraschung: Hier kommt der Begriff Gewürzrum endlich einmal zur Anwendung: Ich schmeckte Muskatnuss und Pfeffer. Im Abgang sehr schön mild. Als Cuba Libre gut zu gebrauchen (mit der Limette sparen!), im Abgang dann mehr Vanille und immer noch Pfeffer. Leider kam der Caribbean Spiced Gold bei den meisten Gästen nicht so gut an, das ungewöhnliche Aroma wurde eher bemängelt als gelobt. So kann es halt auch mal gehen, ich kann dem Produkt dennoch eine gute Note ausstellen. 

Der El Dorado allerdings traf den Publikumsgeschmack auch um Längen besser, er ist ebenfalls ein sehr schönes Getränk. Sehr aromatisch, mit deutlichen Anklängen an Vanille und Zimt, entwickelt er einen intensiven Geschmack nach Nuss und Vanille. Im Abgang ist er schärfer als der Caribbean Spiced, hat aber auch eine gewisse Pfeffrigkeit. Als Teil eines Cubata (auch hier wieder wenig Limette, bitte) ganz vorzüglich, sehr mild und mit ganz dominanter Schokoladennote. Absolute Kaufempfehlung. Im Handel nicht viel teurer als ein Captain Morgan Spiced Gold, allerdings deutlich hochwertiger

Zum Schluss des ersten Partyabends kam dann noch der Tabu Strong auf das Parkett. Er ist im Geschmack, wie nicht anders zu erwarten, viel radikaler als sein kleiner Bruder, der Classic. Rechtlich gesehen ist der Strong auch wegen des hohen Thujongehalts kein Absinth sondern eine Bitterspirituose. Aufgrund des Anisanteils tritt beim Ansatz mit Eiswasser auch der erwartete Louche-Effekt auf. Wir verzichteten auf das von findigen Tschechen erfundene Ritual mit Löffel und Feuer, sondern mischten den Absinth klassisch mit Würfelzucker durch Ablöschen mit Eiswasser. Die enthaltenen Wermutkräuter machen den Tabu Strong selbstverständlich sehr bitter - und dies war für ihn auf der Party auch leider der Todesstoß. G. verweigerte nach wenigen Schlucken die Fortsetzung des Experiments und auch die herbeigeeilten Herren nuckelten eher lustlos an den Resten herum. So blieb es yours truly überlassen, sich zumindest noch einen weiteren Absinth hinter die Binde zu kippen. Nicht mitgebracht hatte ich den Finsbury Gin (einer der Standard London Drys, angenehm aber nichts überraschendes) und den Smirnoff Red Label, den ich durchaus sehr akzeptabel fand, obwohl ich mir aus Wodka nicht viel mache. Langsam verwandelte ich mich durch das Einfüllen der verschiedenen Alkoholika gegen 01:00 in mein beliebtes Zombie-Alter Ego, so dass ich mich an den anregenden Gesprächen und überraschenden Verbandelungen nicht mehr beteiligen konnte. Der Morgen fand mich dann seltsamerweise dahingestreckt auf dem Bärenfell vor dem Kamin

Es spricht für die Qualität der Getränke, dass ich nicht auch nur einen Hauch von Kopfschmerz verspürte, nur einen gewissen Weltschmerz, gepaart mit dem Gefühl, von einem Bus überrollt worden zu sein. Den Sailor Jerry hatten wir uns für den zweiten Abend aufgespart, so dass wir uns ihm wieder frisch und guten Mutes widmen konnten. Das Treffen begann dann auch mit einer Rückschau des vorigen Abends (inklusive der tatsächlichen oder nur erdachten Kopulationen) sowie dem Vernichten der Essens- und Getränkereste. Sailor Jerry Rum besticht zunächst durch die niedliche Aufmachung der Flaschenlabels (Tätowierkunst nach Art von Sailor Jerry eben, auf der Rückseite des Etiketts enthült sich, nachgerade der Flüssigkeitspegel sinkt, eine weitere charmante Überraschung), dann durch das volle und reiche Vanille- und Aprikosenaroma. Im Geschmack dann viel Vanille, im Abgang eher trocken als süß. Sehr weich, rund. In Prinzip ähnlich dem Captain Morgan Spiced Gold, jedoch etwas weniger künstlich und runder im Geschmack. Insgesamt war dann auch die Nachfeier so etwas wie ein zweiter Partyhöhepunkt, relativ verschwommen war mir am Ende des langen Tages nun doch auch wieder zumute:


Insgesamt möchte ich, wegen seiner herausragenden Qualität, den El Dorado als "Gesamtsieger" beider Abende sehen. Der Tabu Strong rangierte in der Beliebtheitsskala deutlich am anderen Ende der Skala, allerdings halte ich ihn, wie schon angedeutet, für ein verkanntes Genie, das aber Potenzial hat.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 16. Juli 2011. Dann mit der Verkostung des Myers's Original Dark Jamaica Rum.
Picture Credits: "Where the Streets Have No Name": PF

Mittwoch, 6. Juli 2011

Der Härtetest zum Wiegenfest, Teil I: Dramatis Personae

Mein lieber Freund L. ("Plattfuss") hatte Anfang Juli Gelegenheit, seinen Geburtstag zu feiern und verschickte - in der ihm angeborenen Großzügigkeit - Massen an Einladungen für eine zweitägige Party mit Grillgut und Getränken, die in ihren Ausmaßen den Namen "Orgie" nach spätrömischen Maßstäben zwar vielleicht nicht verdiente, aber viel wird nicht gefehlt haben. Selbstverständlich wollte sich Blog Blong Dring zu diesem Anlass auch nicht lumpen lassen, so dass ich in den Genuss kam, eine kleine Sonderverkostung starten zu können, weshalb ich meine Zelte und Flaschen am Rande der Lichtung aufschlug, auf der die Feiernden dem Geburtstagskind huldigten. Im Einzelnen hatte ich besorgt:
  • Spiced Caribbean Gold (Rum aus Panama, 40 Vol., Produkt der Haromex)
  • El Dorado Spiced Rum (Guyana, 37,5 Vol., Demerara)
  • Sailor Jerry Spiced (US Virgin Islands, 40 Vol., Sailor Jerry)
  • Heaven Hill Old Style Bourbon (Kentucky, 40 Vol., Hausmarke der Heaven Hill Distilleries)
  • Tabu Absinth Strong (Deutschland, 73 Vol., 35 mg Thujon, Felix Rauter)



Die drei Spiced Rums wollte ich einfach mal dem ultimativen Vergleichstest unterziehen, außerdem reizten mich die verschiedenen Herkunftsländer - eine Karibikkreuzfahrt für den Gaumen, wenn man so will. Den Absinth schuldete ich noch meiner lieben Bekannten G., die mich vor uranfänglichen Zeiten mit den dem Getränk nachgesagten aphrodisierenden Eigenschaften aufgezogen hatte. Nun sollte die Herausforderung angenommen werden, allerdings nicht mit Serpis, wie damals erwogen, weil der Tabu mir für die Aufgabe doch geeigneter schien. Den Heaven Hill fand ich reizvoll, weil die Destillerie zwar noch nicht so alt ist wie die der anderen bekannten Bourbons aus Kentucky, sich aber damit brüstet, die größte, noch im Familienbesitz befindliche Bourbon-Brennerei zu sein. Seit Beginn der Firmengeschichte ist immer ein Meisterdestillateur der Familie Beam im Hause tätig. Heaven Hill produziert eine Menge Whiskey unter Handelsmarken (auch für den deutschen Markt), sodass man bei der Aufschrift "Bardstown, Kentucky" häufig davon ausgehen kann, ein Produkt aus diesem Hause in der Hand zu halten. High-End-Produkt der Firma ist der Elijah Craig. Beim Heaven Hill Old Style Bourbon handelt es sich um die Hausmarke. 

Tatsächlich macht sich die Anwesenheit der Familie Beam offensichtlich bemerkbar, ein häufiger Kommentar war "n bisschen wie Jim Beam". In der Nase ist der Heaven Hill sehr aromatisch, pur auf der Zunge jedoch etwas unausgereift und ruppig. Irgendwo im Netz hat jemand geschrieben, dass eine längere Reifungszeit dem Whiskey wohlgetan hätte, und dieser Meinung muss ich mich anschließen. In Mixgetränken gewinnt er jedoch deutlich an Charakter, ist weich und vollmundig süß. Sehr angenehm - da die Flasche schnell leer war, nehme ich dies mal als Aussage zu seinen Gunsten. Kostentechnisch gesehen auch keine Fehlinvestition, obwohl ich alle Preise hier aus Diskretionsgründen verschweigen muss - die Getränke waren ja in Prinzip ein Geschenk für L. beziehungsweise für seine Party. (Fortsetzung folgt ...)

Der zweite Teil von Der Härtetest zum Wiegenfest erscheint am 11. Juli 2011.
Picture Credits: "Lineup": IB

Montag, 4. Juli 2011

In Memoriam: Richard Tieger

Richard C. Tieger war ein echter New Yorker: Aufgewachsen in der North Bronx, bzw. Riverdale, studierte er später auch am Lehman College der City University of New York. Ich traf ihn das erste Mal, als ich selber nach einer längeren Zeit in den Vereinigten Staaten an meine Hochschule in Deutschland zurückkehrte. Zufälligerweise wurden wir Mitbewohner, kamen aber erst durch seine genealogischen Interessen in engeren Kontakt: Seine Familie stammte ursprünglich aus Galizien und Bessarabien, die eigenen Urgroßeltern waren aber schon vor dem Ersten Weltkrieg in die Staaten ausgewandert.

Ich konnte ihm damals, etwa 1997, dabei helfen, einige Briefe seiner Vorfahren, die er irgendwo gefunden hatte, vom Jiddisch-Deutschen ins Englische zu übersetzen. Gemeinsam erkundeten wir das Nachtleben der Hasestadt, von der Iburger Straße bis hinunter zur EW-Fete und zum Grünen Jäger. Rich war nicht nur ein großer Trinker sondern auch ein großer Denker: obwohl er jüdischer Abstammung war, liebte er die deutsche Kultur und besonders die deutschen Philosophen. Beim Bier konnte er von Schopenhauer und Hegel sprechen wie kein Zweiter. Wie die meisten genialischen Menschen wirkte er auf Viele etwas befremdlich, aber er war einer der lustigsten, großzügigsten und loyalsten Freunde und Saufkumpane, die man sich wünschen kann. Nach seiner Rückkehr nach New York hatten wir Gelegenheit, uns noch einige Male dies- und jenseits des Atlantik zu treffen. 

Von seinem Studium der Philosophie und der Chemie war er erst seit kurzem mit Auszeichnung graduiert, als im Jahre 2000 bei Rich Leukämie diagnostiziert wurde. Den Kampf um sein Leben nahm er, wie immer, mit Mut und Humor auf, konnte ihn aber letztlich nicht mehr gewinnen. Er hatte auch keine Gelegenheit mehr, seine bereits projektierte Promotion über Friedrich Nietzsche zu beginnen. Kurz vor dem Ende, als die Ärzte ihm nichts mehr verweigern mochten, wünschte er sich noch einen Conti Herforder, den ich ihm über Nacht mit UPS nach New York schickte. Ich bin froh, dass er noch Gelegenheit hatte, ihn zu trinken.

Heute vor zehn Jahren, am amerikanischen Nationalfeiertag, dem 4. Juli 2001, ist Richard Tieger in New York gestorben. Er wurde nicht einmal dreißig Jahre alt. Heute Abend trinke ich auf ihn, egal wo er jetzt sein mag.

Sonntag, 3. Juli 2011

Zwischendurch: Die Macht der Prophetie

Einer der ersten Posts auf diesem noch jungen Blog betraf im April das in Deutschland neue Red Stag by Jim Beam. Wenn wir uns kurz mal selbst zitieren dürfen:
Eine neue Spirituose, die anscheinend jetzt (im Frühjahr 2011) relativ aggressiv in Deutschland beworben werden soll, nachdem sie in den Staaten schon etwas länger auf dem Markt ist. Irgendwo im Marketingmaterial habe ich auch gelesen, die Zielgruppe sei die der jungen Männer zwischen 19 und 34 Jahren.
Mittlerweile rollt die Marketingwelle auch im Fernsehen, nebenher beschert sie unserem damaligen Beitrag auch noch so einige neue Klicks. Schön, dass sich derlei Dinge schon frühzeitig im www ankündigen.

Freitag, 1. Juli 2011

Brauerei "Het Anker", Mechelen

Das Unternehmen führt seine Geschichte stolz bis 1471 zurück, als die in Mechelen (auf Deutsch: Mecheln) ansässigen Beginen mit dem Bierbrauen begannen. Die moderne Geschichte der Brauerei beginnt jedoch erst 1872, mit dem Kauf des Brauhauses durch den Gründer Louis van Breedam. Die Brauerei befindet sich noch immer in Familienbesitz; angeschlossen sind eine Brasserie/Restaurant (sehr empfehlenswert, hervorragende regionale flämische Küche, basierend auf den lokalen Bierspezialitäten) sowie das Hotel Carolus, das sich auf dem Gelände der Brauerei befindet, welches ich aber nicht unbedingt empfehlen kann (zu den Gründen siehe meine Kritik bei Trip Advisor). Vielleicht kann man ja woanders in Mechelen wohnen und trotzdem Brauerei und Brasserie genießen - es ist ohnehin keine ganz große Stadt (aber sehenswert).

Aber ich schweife ab. Das Portfolio von Het Anker ist beeindruckend, und vor meiner Reise dorthin versuchte ich mich zu erinnern, ob ich schon jemals eines ihrer Produkte probiert hatte. Und tatsächlich gibt der Wertungsbogen vom Bierfest 2009 in Brüssel Aufschluss: Das Maneblusser und das Lucifer hatten wir dort schon probiert, beide hatten sehr gute Wertungen erzielt (2 bzw. 3 Punkte). 




Die Geschichte von Het Anker ist relativ interessant, was die Produktpalette anbetrifft. Bis in die sechziger Jahre produzierte man ein komplettes Sortiment, angefangen beim in Belgien noch anzutreffenden Tafelbier (leichtes Schankbier, um die 2 Vol.) über Pils ("Prager Pilsener", so entnehme ich es jedenfalls alten Reklametafeln) bis hin zu obergärigen Bieren. Laut Auskunft der Brauerei änderte sich in den Sechzigern jedoch der Massengeschmack, so dass man sich, um am Markt bestehen zu können, auf Lagerbiere und "Exoten" konzentrierte. In den letzten Jahren reifte jedoch der Wunsch, wieder ein komplettes Portfolio anbieten zu können. Daher wird heute - exklusiv für den lokalen Markt - auch wieder ein Pils angeboten. Und da das Anker Pils fast nur in und um Mechelen herum erhältlich ist, wollte ich es mir nicht entgehen lassen. Es ist, ehrlich gesagt, etwas nichtssagend im Geschmack, jedoch frisch, anständig herb und im Abgang recht malzig. Ein ehrliches Pils, macht seinen Job, bleibt aber nicht im Gedächtnis. 5 Umdrehungen. 

Ganz anders ist da das Hopsinjoor (ein Wortspiel aus hop - Hopfen - und Opsinjoor, einem Begriff, der mit der andauernden Fehde Mechelens mit Antwerpen zu tun hat.) Laut Firmenangaben ist es mit vier oder fünf verschiedenen Hopfenarten gebraut (die Informationen auf der Website und im gedruckten Material weichen von einander ab, der Braumeister konnte leider nicht befragt werden; genannt werden in der Broschüre jedenfalls Hallertau [Deutschland], Saaz [Tschechien], Spalter [Deutschland] und Goldings [England]), die dem Bier seinen Charakter verleihen. Ein obergäriges Blondes mit 8 Vol.; es entwickelt im Glas eine sehr schöne Blume und wirkt mächtig erfrischend, ist im Geschmack aber durch die starke Hopfigkeit sehr herb und im Abgang trocken. Löscht gut den Durst, ist aber sicherlich nichts für Beck's Gold-Trinker

Schließlich (ich habe nicht alle Biere durchprobiert; es gab noch andere Dinge zu tun und zu sehen) noch das Boscoullis, ein  typisch flandrisches Fruchtbier. Anders als in der Region um Brüssel ist hier die Basis nicht Geuze (die in der deutschen Wikipedia behauptete Verwandtschaft zur Gose ist übrigens höchstwahrscheinlich Unsinn, der Name stammt wohl vom ersten Brauort, der Geuzestraat in Brüssel) oder Lambic, sondern ein Weißbier. Zugesetzt werden 25% Fruchtsaft (Waldfrucht), das Bier hat einen Alkoholgehalt von nur 3,5 Vol. Süßstoff wird nicht verwendet. Im Glas ist das Boscoullis leicht moussierend und im Geschmack - da nicht aus Geuze bzw. Lambic hergestellt - nicht süß-sauer. Es dominiert ganz klar die Johannisbeere. Die Komposition muss man als gelungen bezeichnen: angenehm fruchtig, fein säuerlicher Abgang. Suchtgefahr! 

Außerdem getrunken: Mort Subite Xtreme Kriek (ein extrem kirschiges, auf Lambic basierendes Fruchtbier: Geschmacksexplosion, geht unheimlich in die Knie) und Timmermans Framboise (ein Himbeer-Lambic: gehört zur Lambic-Reihe von Anthony Martin und gefällt mir in den letzten Jahren immer weniger: relativ künstlich im Geschmack, dominantes Aspartam). Ich wollte noch trinken: Cristal Alken, das "zweite" Pils von Alken-Maes. Es wird immer noch beworben, scheint mir jedoch mehr und mehr marginalisiert zu sein: es bei zwei Kneipen, die ein Schild draußen hatten, versucht, beide Male war Cristal "aus". Schade. 

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 6. Juli 2011. Dann hoffentlich mit dem ersten Teil der Nachlese zu Plattfuss' (Plattfußens?) Geburtstagsparty.

Picture Credits: "Het Anker Brauhof": TAQ