Samstag, 10. September 2011

Bierfest Brüssel 2011, Teil I: Notizen aus dem Nirgendwo

Die Grenzen des Wachstums
Das Bierfest (bzw. das 13th Belgian Beer Weekend) ist, wie es een formuliert hat, Opfer seines eigenen Erfolgs. Was einmal als kleine aber feine Fachmesse begonnen hat, ist zu einem touristischen Spektakel allerersten Ranges geworden. Mehr als 80 Prozent der Besucher sind mittlerweile Ausländer; die weiteste Anreise hatte wohl eine Gruppe aus Brasilien. Der Große Markt kann, jedenfalls im bisherigen Arrangement, diese Massen nicht mehr aufnehmen. Eventuell sind die Rettungs- und Umgehungswege auch zu großzügig bemessen; es wird ja nur eine relativ kleine Fläche des Marktes genutzt. Die Verhältnisse zu Stoßzeiten, sprich am Samstagnachmittag und -abend sind extrem unattraktiv durch das immense Geschiebe und Gedrängel. Eventuell ziehen Plattfuss und ich die Konsequenzen und besuchen künftig eines der kleineren, unbekannteren Festivals.

Verpflegung
Zu empfehlen war - wie jedes Jahr - der kleine Stand am Südende des Platzes, der Muscheln, Austern und  - ganz besonders lecker - Seeschnecken in Pfefferbrühe anbietet. Und für den größeren Hunger empfiehlt sich in der Nähe der Börse das Manneken Frites (Ecke Rue du Midi/Zuidstraat und Rue de Pierres/Steenstraat). Die Fritten sind durchschnittlich, aber die Merguez ist ein Gedicht.


The Buzz
Erfreulicherweise sind jetzt mehr kleinere Brauereien als früher auf dem Bierfest zu Gast, mit einigen sehr interessanten Sortimenten, z.B. Des Legendes, mit einem reichhaltigen Angebot verschiedener Frucht- und Biobiere oder auch St Jozef, die beide ebenfalls bei der Verkostung gut abschnitten. Keine wirklich kleine Brauerei, dennoch recht interessant für den deutschen Endverbraucher ist die Brauerei Martens aus Bocholt (Belgien). Insgesamt sind nur drei oder vier Biere im Portfolio, aber eines davon - das Martens Pils - wird in Deutschland als Maternus bei Aldi verkauft. Am Stand von Martens erfuhren wir, dass der Erfolg der PET-Flasche von Maternus in Deutschland dazu geführt hat, dass auch Martens Pils in Zukunft in PET-Flaschen erhältlich sein wird, in den Gebindegrößen 33, 50 und 100 cl. Allerdings in grünen Flaschen, für den Hauptmarkt Niederlande.

Brauerei Caulier
Die Brauerei Caulier ist für uns der beste "Newcomer" des Jahres - da wir letztes Jahr nicht in Brüssel waren, muss der Begriff leider in Anführungszeichen stehen. Die Brauerei hat eine stolze Tradition, die mindestens bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann und kommt aus der Nähe von Ath im Hennegau. Probiert wurden von uns die Fruchtbiere Bonsecours Framboise (Himbeere) und Myrtille (Heidelbeere), welche beide zu sehr hohen Wertungen kamen (durchschnittlich drei von vier Punkten). Das Personal am Stand war sehr hilfsbereit und konnte uns einige interessante Details verraten: einmal, dass ein weiteres Produkt von Caulier, das Abbaye Paix Dieu, nur zu jedem Vollmond gebraut wird und somit einer natürlichen Verknappung unterliegt. Das Andere war, dass Caulier die Idee hatte, unter dem Namen La Sultane eine Art alkoholfreies Kriek (0,0 Prozent Alkohol, offiziell ein "Malzgetränk") herzustellen und insbesondere für den Verbrauch in muslimischen Ländern zu vermarkten. Wir wünschen Erfolg!

Persönliches Fazit
Die redaktionelle Leistung wurde im Vergleich zu 2009 deutlich gesteigert. Damals verkosteten wir zu dritt 88 Biere, diesmal nur zu zweit ganze 82 verschiedene Sorten. Nachteil: noch mehr als üblich waren unsere sonstigen Aktivitäten ganz auf die Ilot Sacré beschränkt.

Unsere Sieger
Sieger des Gewinnspiels (5 Verzehrmarken) wurden (unbeabsichtigt) Anna und Christoph aus Bünde. Zu ihren liebsten Bieren kürten sie Leffe Blond (AB InBev) und Delirium Red (Huyghe). Schöne Grüße in die Zigarrenhauptstadt!

Am 15. September 2011 erscheint die komplette Wertung für das 13. Bierfest in Brüssel. Am 20. September 2011 dann der Bericht zur Verkostung des Strathisla 12 yo.

Picture Credits: "Hazy Brussels": PLF

1 Kommentar:

Plattfuss hat gesagt…

Ja, auch für mich war es mal wieder ein Fest, mit TA das einst so schnuckelige Bierfest zu besuchen. Aber diese immer größer werdenden Menschenmassen lassen es kaum noch zu, den neuen Bierkreationen der belgischen Braumeister die nötige Aufmerksamkeit zu widmen… Auch das so wundervolle Ambiente des Grand Place ging dieses Mal im Gedränge unter.
An dieser Stelle möchte ich einmal die Bahn loben: nur 20 Minuten Verzögerung insgesamt – bei Hin- und Rückfahrt! Na ja, das Personal war wie immer lahm und nicht gerade auskunftsfreudig. Auf dem Heimweg gab das Bord-Bistro nur noch eine Flasche Pils her….und dann auch noch Becks. Wurden meine Geschmacksknospen nicht schon genug strapaziert bei der Verkostung von 82 unterschiedlichen Bieren??? Bitte nicht falsch verstehen! Viele belgische Biere haben durchaus eine Daseinsberechtigung.....