Mittwoch, 30. November 2011

Bitte halte meine Haare, während ich mich erbreche: Trinkkultur der 80er, Teil II

Für einen Auslandsdeutschen, zumal noch aus einem etwas genussfreudigeren Land wie Belgien kommend, war Deutschland, und insbesondere unsere kleine Hasestadt, ein rechter Kulturschock. Etwa so als ob man einen partywütigen Vollzeit-Sambatänzer aus Rio in ein Abstinenzlerkloster in der Schweiz verfrachtet. Mal davon abgesehen, dass es meinen geliebten Pisang Orange hier schlicht nicht gab ... alleine schon das Erlebnis, zum ersten Male in einen ALDI zu gehen, brachte mich fast um den Verstand. Glücklicherweise kam ich auf eine sehr gute Schule und fand auch ein paar sehr gute Freunde, die auch viele Jahre meine Freunde blieben. 

Ende der Achtziger konsumierte ich nur noch wenig Martini (das hätte ohnehin sehr wenig street credibility gehabt, ich war zwischenzeitlich vom New Wave zum Heavy Metal umgeschwenkt, auch vom Aussehen her) sondern widmete mich eher dem Bierkonsum. Angesagt war damals der Conti Herforder von der Tankstelle. Der schlimmste Exzess, der damals gerade noch so glatt über die Bühne ging, war bei der legendären Party in der Augustenburger Straße, bei der ich in kürzester Zeit etwa 32 Bier verschlang (jedenfalls hörte ich da auf zu zählen) und nicht mal mehr merkte, dass ein fürsorglicher Bekannter ab ca. Bier Nummer 34 selbiges mit etwas Wasser streckte. Gegen vier Uhr morgens erwachte ich sitzend in der Bushaltestelle am Heinrich-Lübke-Platz und hatte passenderweise meinen ersten und letzten Filmriss. Meine weißen Turnschuhe (Achtziger!) waren bedeckt mit den Resten des Abendessens und der Weg zurück nach Hause eine einzige Quälerei. 



Kurze Zeit später ließ ich mich von meinem Kumpel T. auf einer Geburtstagsparty in Hellern zu einem Tequila-Duell (Sierra) überreden und verbrachte nach dem Ende der ersten Flasche einen guten Teil des Abends auf der Gästetoilette, während meine liebe Freundin F. sich hingebungsvoll um mich kümmerte (daher ist der Titel des heutigen Artikels auch ihr gewidmet). T. hatte insgesamt weniger Glück, er entleerte sich im Wohnzimmer in einen bereitgestellten Eimer, was der Party natürlich eine gewisse wehmütige Schwere verlieh. 

Ansonsten benahmen wir uns aber um 1988 bis 1990 mehr oder weniger normal, außer dass wir aus verschiedenen Gründen - auf die ich jetzt nicht weiter eingehen möchte - es schafften, dreimal ein einmonatiges Hausverbot im damaligen Tucher (bayerische Bierwirtschaft) an der Osterberger Reihe (das heutige Bottled) zu erhalten. Einmal wegen unerlaubten Fingerhakelns, einmal wegen des "Kuckuck-Spiels" und einmal ... aber das führt jetzt wirklich zu weit. Wie ich das Abi geschafft habe, ist mir auch heute nicht ganz klar. 

Meine letzte Investition in Schnaps während der 80er war in ein unerträglich süßes Gesöff namens Pepino Peach, welches anscheinend auch heute noch verkauft wird. Damals wurde es jedenfalls gerne mit Cola gemischt und schmeckte dann doch nicht so gut wie man gedacht hatte. Jedenfalls endeten die achtziger Jahre für mich, als ich endlich den letzten Rest der Flasche ausgetrunken hatte ... also am 13. März 1996.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 5. Dezember 2012. Dann mit einer Verkostung des Captain Blood Spiced von Felix Rauter.


Freitag, 25. November 2011

Im kalten Licht der Neonleuchten: Trinkkultur der 80er, Teil I

Wenn ich mich an die 80er zurückerinnere, dann hauptsächlich in Form von Geruch, Geräusch und Geschmack. Geruch: Reinigungsmittel, Urin und Radreifenabrieb in der Metro. Geräusch: Disco. Phil Collins. In the Air Tonight. Geschmack: Der erste Big Mac. Martini. Und ich erinnere mich, dass mich die Frage "C64 oder Sinclair Spectrum" ewig lange beschäftigte. Aber weil ich keine Lust auf BASIC hatte, holte ich mir am Ende doch "nur" den Atari 2600

Wann habe ich wohl mein erstes richtiges Bier getrunken? Ich schätze mal mit so ungefähr 12, in irgendeiner Kneipe. Hey, das waren die Achtziger. Da hatte man noch nicht so viel Angst um seine Brut. Außerdem galt - zumindest in Belgien - Bier nicht wirklich als alkoholisches Getränk. Zumindest nicht die gängigen Pils- und Lagerbiersorten. Stella Artois konnte ich schon damals nicht so gut verknusen; lieber trank ich Jupiler oder Maes Pils. So ab 14; wenn ich schon mal öfter alleine in die Brüsseler Innenstadt fuhr (wie ich schon sagte: man hatte damals noch nicht so viel Angst um seine Brut), machte ich auf dem Rückweg immer noch mal eine kurze Pause in dem kleinen Café im Metrobahnhof Rogier (das Café hieß denn auch: Rogier). Zeit für ein kleines Jupiler und eine heimliche Zigarette (haha, alleine damit hätte ich heute in Deutschland mindestens drei bis vier Gesetze gebrochen). Wie traurig sich die Zeiten verändert haben, wurde mir klar, als ich neulich mal wieder in der Metro war und bei Rogier ausstieg. Das Café war zu und sah so aus, als ob es lange Zeit nicht mehr aufmachen würde.

Rauchen durften wir freilich zu Hause nicht, das war einer der verbotenen Genüsse. Ganz zu Beginn trafen wir uns also ab und zu bei einem Freund und suchten den nächstgelegenen Supermarkt auf, wo wir eine Flasche Sekt der Marke Witte Producten/Produits Blancs (der Beginn des Konzepts der Handelsmarken) erstanden, und, wenn wir Glück hatten, auch Zigaretten kaufen konnten. Beides wurde dann auf dem Feldweg hinter dem Bahndamm einträchtig verzehrt. Recht harmloser Zeitvertreib, im Gegensatz zu heutigen Verhältnissen, aber wir kamen uns trotzdem cool vor.



Etwas später, bei den ersten Discobesuchen (Hof ter Heide) gab es dann meistens entweder Martini Bianco (was auch sonst, es waren die Achtziger) oder Pisang Orange, ein in Deutschland wahrscheinlich niemals bekannt gewesenes und in Belgien heute praktisch vergessenes Mixgetränk aus, naja, Pisang Ambon (einem grünen Bananenlikör) und Orangensaft. Und natürlich Bacardi-Cola, was mir neulich bei einem anderen Artikel auch wieder einfiel. Schnaps pur gab es allerdings damals (zumindest für uns) nicht, sieht man mal vom Martini ab.

Die Discos waren sowieso eine Sache für sich: im Vergleich zu heute finde ich sie rückblickend sehr hell, wahrscheinlich damit man sich beim Posen noch in den verspiegelten Wänden und Böden beobachten konnte. Welchen Sinn hätte die Anschaffung von Docksides, Leinenhose und anderem Pastellfarbigen auch sonst gehabt? Und noch so Einiges lief nebenher ab, aber plötzlich war 1988, und wir zogen aus Brüssel fort. Und damit war der Spaß erstmal vorbei; allerdings nicht lange. Aber das ist eine andere Geschichte. 

Der zweite Teil zur Trinkkultur der achtziger Jahre erscheint am 30. November 2011.

Wenn jemand etwas zur Trinkkultur der frühen 80er (so um 1980-1986) in Deutschland beisteuern kann, wäre mir das als Kommentar oder auch als email sehr willkommen.



Mittwoch, 23. November 2011

Termine Dezember 2011

Lokal/Regional

Osnabrücker Weihnachtsmarkt (Osnabrück, noch bis zum 22. Dezember 2011)

Redaktionelles Jahresend-Rumtrinken (Osnabrück, 31. Dezember 2011)
[interne Veranstaltung]

National

5. Whisky-Botschaft (Rostock, 3. Dezember 2011)

International
(Trentschin, Slowakei, 1. und 2. Dezember 2011)

Kerstbierfeest (Essen, Belgien, 17. und 18. Dezember 2011)

Hogmanay (Edinburgh, Schottland, 31. Dezember 2011)

Interessante Veranstaltung gefunden? Email ans uns, bitte!


Sonntag, 20. November 2011

Kilbeggan NAS

Vor einiger Zeit stand Plattfuss weinend bei mir vor der Tür (naja, eigentlich stimmt das nicht ganz, hört sich aber spannender an) und überreichte mir eine Flasche Kilbeggan. Das machte mich natürlich erstmal stutzig, denn normalerweise muss man ihm alles Flüssige aus den toten, kalten Fingern winden. Aber er hatte ihm wohl nicht gemundet. Auch das treibt mir die Sorgenfalten ins Gesicht. Was soll denn auf unser für nächstes Jahr projektierten Irlandreise werden, wenn dem Herrn der Irish Whiskey nicht schmeckt? Nach dem Paddy war das jetzt schon der zweite Fehlgriff. 

Nun, sei es drum: zurück zum Kilbeggan. Wie ich, glaube ich, schon einmal geschrieben habe, gab es lange Zeit einen Konzentrationsprozess in der irischen Destillerielandschaft. Das ging so weit, dass in den siebziger Jahren sich das gesamte Whiskeygeschäft in den Händen der Irish Distillers Group (IDG) befand. Erst dann setzte wieder eine Diversifizierung ein. Aktuell gibt es erneut vier Brennereien in Irland, nämlich Cooley (die einzige in irischer Hand: Kilbeggan, Tyrconnell, Connemara und Greenore, ein seltener Single Grain Whiskey), Old Bushmills (Diageo: Bushmills White Label, Black Bush, Bushmills Malt 10, 16, 21), New Midleton (Pernod-Ricard: Jameson, Tullamore Dew, Redbreast, Green Spot, Paddy, usw) und Kilbeggan (ehemals Locke's, wiedereröffnet 2007). Wie? Kilbeggan wird gar nicht von Kilbeggan hergestellt? Nein, denn die Whiskeys der "neuen" Brennerei Kilbeggan sind noch nicht bereit für den Verkauf (da erst vor vier Jahren gebrannt), mit Ausnahme von kleinen Sammlereditionen. 

 

Die Marke Kilbeggan wird wie gesagt bei Cooley gebrannt und nur bei Kilbeggan gelagert. Klingt verwirrend? Ist auch so. Bei dem, was als Kilbeggan Irish Whiskey verkauft wird, handelt es sich um eine Komposition von Noel Sweeney, Cooleys Master Blender. Das Produkt hat keine Altersangabe, jedoch muss irischer Whiskey mindestens drei Jahre gereift sein, bevor er sich Whiskey nennen darf.

In der Farbe ist er wie dunkles Stroh, die erste Nase ist durchaus vielschichtig: etwas Holz, etwas Pfeffer, etwas frisches Heu. Am Gaumen erst weich, Toffee, dann etwas würziger, mehr Schärfe. Im Abgang eher länger, allerdings wenige in Erinnerung bleibende Noten. Dem vernichtenden Urteil von Plattfuss kann ich mich definitiv nicht anschließen. Es ist ein netter Blend für den Alltag. Nichts was einen umhaut - bei Gott nicht - aber dennoch ein gut verdauliches Tröpfchen, das nach meinem Geschmack noch etwas weicher sein dürfte. Plattfuss goutierte wohl die leichte Tendenz ins Marzipanig-Süße nicht (welches ich nicht besonders ausgeprägt finde). 40% Vol. Um die 14,- EUR. 

Schließen möchte ich der Jahreszeit angemessen mit einem Rezept für einen Hot Irish Whiskey, direkt von der Webseite von Kilbeggan: Man nehme 2 cl oder 4 cl Whiskey, eine mit vier Nelken gespickte Zitronenscheibe, Zucker nach Belieben sowie heißes Wasser und gebe zuerst den Whiskey und die Zitrone, dann das Wasser und den Zucker in eine Tasse oder ein hitzebeständiges Teeglas. Soll im Winter Wunder wirken.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 25. November 2011. Dann hoffentlich endlich mit dem Artikel zur Trinkkultur der 80er. Wenn nicht, dann mit etwas anderem.

Dienstag, 15. November 2011

Dickes B

Den Hype um Berlin habe ich irgendwie nie so richtig verstanden ... okay, die Stadt ist laut, bunt, auch ganz spannend - aber das Zentrum ist kalt und leblos: Beton, Glas, Stahl. Das Regierungsviertel um den Reichstag eine aufgehübschte Mondlandschaft mit wenig beeindruckenden Monumentalbauten; fast wünscht man sich die Professoren Troost und Speer zurück. Spannend ist Berlin da, wo die Menschen wohnen und einkaufen. Wo kleine Clubs und Bars auf- und wieder zumachen und kein Hahn danach kräht. Also lass Dir mal wieder ein bisschen Hauptstadtluft um die Nase wehen, war das Motto am letzten Wochenende. 

Eine Gourmet- oder Verkostungsreise war es zwar nicht, aber ein paar schöne Eindrücke und Getränke sind hängengeblieben. Das Kim Qui, ein vietnamesisches Café/Restaurant in der Oranienstraße 168. Lecker Sommerrollen und schöne Nudelgerichte und endlich mal ein Bier, das ich noch auf dem Programm hatte: Saigon. Das Bier wird in Ho-Chi-Minh-Stadt gebraut, in Kooperation mit den deutschen Brauereiexperten des ehemaligen Brauhaase-Konzerns. Wie die meisten asiatischen Biere wird Saigon Export (damit ist aber wohl die Exportqualität gemeint, nicht die Brauart) nicht mit Gerste sondern mit Reis gebraut, was ein relativ mildes Endprodukt ergibt. Ansonsten hat es 4,9 Umdrehungen und schmeckt feinherb und frisch. Serviert wird es - wie in Vietnam üblich - sehr kalt. Kann man ohne Vorbehalte empfehlen

Außerdem war ich in den Galeries Lafayette und stürzte mich sofort in die Feinkost- und Spirituosenabteilung. Leider war ich zu faul und auch zu knapp bei Kasse, sonst hätte ich den ein oder anderen Cognac oder Armagnac erstehen mögen. Whiskys und Rums waren eher unterrepräsentiert (und teurer als üblich), wobei mich ein Platte Valley Corn Whiskey (hergestellt von McCormick) sehr anlachte; ich hatte aber keine Lust, den ganzen Tag eine dicke Steingutflasche mit mir rumzutragen. Muss ich mal online kaufen. 38,- EUR bei den Galeries; gibt es im Internet viel günstiger. 

Dann fuhr ich an der Dunmore Cave vorbei, einem Irish Pub in der Pannierstraße. Seltsamerweise mit einer Leuchtreklame von Kriek St Louis. In der Nähe der Sonnenallee dann noch das Ratzeputz, eine der neueren, minimalistischen Kneipen (minimalistisch heißt: es werden eine Theke, ein paar Tische und Stühle reingestellt und die Hälfte der Glühlampen rausgedreht - presto!). Spezialität des Hauses ist der Ingwerschnaps gleichen Namens aus dem Hause Baland & Langebartels. Scharf, aber bestimmt gesund. Ich hielt mich dann, im Gegensatz zu meinen Begleiterinnen, an ein Glas Jameson Irish Whiskey, weil ich den lange nicht mehr probiert hatte. Kurz zusammengefasst: sehr mild, süß, Vanille. Eher mittlerer Abgang. 
Letztendlich dann noch ein Abstecher in Das Gift, Ecke Weichsel- und Donaustraße, eine ebenfalls minimalistische schottische Kneipe (gehört dem Keyboarder der Band Mogwai, Barry Burns) mit einer akzeptablen, aber nicht aufregenden Auswahl von Single Malts. Zumindest weiß man da, wie ein Single Malt serviert wird: den kleinen Dekanter stillen Wassers gab es anstandslos dazu. Neben einem Laphroaig 10 probierte ich den Ardbeg 10 und war nicht allzu angetan. Alle Eigenschaften seiner älteren Brüder sind in ihm bereits erkennbar, aber für mich ist der Ardbeg nach 10 Jahren einfach noch nicht so weit. Im Aroma Phenol, Zigarrenrauch, auf der Zunge ein süßer Kern (wie auch der Laphroaig), jedoch mehr Aceton und Speck. Im Abgang mittellang, mit Wasser öliger und speckiger. Im Vergleich gefällt mir der Laphroaig besser, da die Note von Räucherspeck im Ardbeg mich etwas irritiert (ist z.B. im Supernova auch vorhanden, jedoch gemildert durch andere Eindrücke). 



Letztendlich noch ein Geheimtipp, der ausnahmsweise mal nicht mit Alkohol zu tun hat: Wer nach Berlin fährt, in der Ecke "Kreuzkölln" unterwegs ist und nach einem originellen Souvenir sucht, sollte sich mal bei Dederon-Design in der Muskauer Straße 45 umtun. Außer spaßig gestalteten Dederon-Taschen gibt es auch noch Frühstücksbrettchen, Retrogeschirr, Sparelefanten wie früher bei der Dresdner Bank und noch so einiges sonst. Reinschauen lohnt sich.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 20. November 2011. Dann verkoste ich noch einen weiteren irischen Standardwhiskey, nämlich Kilbeggan.


Donnerstag, 10. November 2011

Brugal Extra Viejo Gran Reserva Familiar

Vor einiger Zeit habe ich den jüngeren Bruder dieses Rums verkostet und war durchaus angetan von dessen Gesamteindruck. Allerdings muss ich zugeben, dass es wohl ein taktischer Fehler war, damals bereits so ziemlich alles aufzuschreiben, was es über das Haus Brugal zu sagen gibt. Auf jeden Fall erreichte mich die Flasche Extra Viejo Gran Reserva Familiar (im Folgenden nur noch EVGRF genannt) auf dem Geschenkwege von meiner lieben Schwester in der Freien und Hansestadt. 

Gekauft hat sie ihn beim Getränke-Paradies Wolf an der Schanzenstraße und fühlte sich gut beraten, was ich hiermit lobend hervorhebe. Brugal hat eine etwas merkwürdige Produktpolitik: Wenn man die deutsche Vertriebsseite mit der dominikanischen Heimatseite vergleiche, dann fällt mir immer wieder sehr stark auf, dass die Sortimente erheblich voneinander abweichen. Kommunikationsprobleme oder Resultat verschiedener Vertriebswege (Generalimporteur vs Import aus Drittländern vs Travel Value)? Keine Ahnung. Die offizielle Homepage kennt keinen EVGRF; nur den Extra Viejo Reserva, bei dem nicht nur ein paar Worte sondern auch ein paar Jährchen fehlen. Er reift nämlich nur etwa drei bis acht Jahre, der EVGRF laut Importeur acht bis 12 Jahre. Allerdings ist dieser sich selbst nicht ganz sicher, etwas weiter oben steht beim selben Artikel ebenfalls "drei bis acht" Jahre. Wurde der Extra Viejo Reserva zugunsten des EVGRF aus dem Verkehr gezogen und es sind nicht alle Texte richtig geändert worden? Oder ist man beim Importeur genau so verwirrt wie ich von der Namens- und Produktvielfalt? 



Gehen wir mal davon aus, dass der hier besprochene Rum seine acht bis 12 Jahre gereift ist, und zwar, wie man am Aroma unschwer erkennt, wahrscheinlich in Eichenfässern. Außer der Holznote dominieren noch Gerüche von Kakao, eventuell von Nüssen (Mandeln?). Im Geschmack ist er sehr weich, ein wenig wässrig, mit einem süßen Kern, Holz, Kakao. Sehr wenig Gewürze, mild. Der Abgang ist nicht allzu lang, aber angenehm trocken. Ein sehr süffiger Rum, der sich ganz ausgezeichnet zum Purverzehr eignet. In der Milde kann er sich fast mit dem 15 Jahre alten Pusser's Nelson's Blood messen, allerdings ist er nicht ganz so ausdrucksstark und vollmundig wie dieser. Mag auch daran liegen, dass er "nur" 38% Vol hat; vielleicht fehlen ihm die letzten zwei Umdrehungen ein bisschen. Mit einem Preis von ca. 22,- jedoch auch auffallend günstig für seine Klasse. Mischen possible. Ein sehr schönes Produkt, wegen des guten Preises auch gut geeignet für Anfänger.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 15. November 2011. Das Thema muss ich mir noch überlegen.

Picture Credits: "Brugal EVGRF": KRT

Samstag, 5. November 2011

Bacardi Oakheart

Als Plattfuss und ich neulich auf dem Weg in die Niederlande waren, um unsere Vorräte aufzustocken, sprachen wir auch über die Firma Bacardi. Wir konnten uns beide noch gut daran erinnern, dass "Bacardi" vor gar nicht allzu langer Zeit, zumindest in Deutschland, synonym mit "Rum" war. Leider bin ich bis jetzt noch nicht dazu gekommen, meinen Artikel über die Trinkkultur der 80er zu schreiben, aber Bacardi müsste definitiv in den Erinnerungen an den Beginn meiner Liebesbeziehung mit dem Alkohol eine wichtige Rolle spielen. Natürlich verlangte man damals an der Theke einen "Bacardi-Cola", was auch sonst? An andere Rum-Marken kann ich mich praktisch bis in die 90er gar nicht erinnern, es sei denn man zählt heimische Erzeugnisse wie Pott, Hansen, usw. dazu. In unserer Diskussion dachte ich an einen sehr lesenswerten Artikel auf drinkblog.de, der auf die Veränderungen im Image bei Bacardi einging. Ohne den Artikel hier wiederzugeben sei hier nur der Gedanke erwähnt, dass nicht nur die Konkurrenz von anderen Produkten wie Havana Club oder Varadero der Marke Bacardi schwer zu schaffen gemacht hat, sondern auch teilweise völlig verfehlte Marketingstrategien, die das Produktimage von "hochwertige Zutat für Cocktails" zu "Massenprodukt" änderten. In sehr kurzer Zeit wurden immer neue Produkte gehypt, so unter anderem der - für mich - unsägliche Bacardi Razz

Ich muss bekennen, dass ich, seit mir die große weite Welt des Rums offensteht, kein besonders großer Fan des Hauses bin ... zu durchschnittlich im Geschmack, viel zu unübersichtlich im Sortiment (hier eine ausführliche Zusammenstellung auf Wikipedia). Mehr gewollt als gekonnt, das ist so meine Einstellung gegenüber den Rums von Bacardi. Wobei die Firma natürlich auch nichts dafür kann, dass nun seit einiger Zeit der kubanische Rum (ohne Grund) als das Nonplusultra gilt. Vor ein paar Jahren begann dann ebenfalls die Wiederentdeckung des Gewürzrums, mit heute so exponierten Anbietern wie Captain Morgan und Sailor Jerry. Bacardi hat diese Entwicklung nicht verschlafen - denn seit Anfang des 21. Jahrhunderts hatte man den Bacardi Spiced im Portfolio - aber auch nicht mitbestimmt (denn wo hat man dieses Produkt jemals gesehen). Seit man nun mit dem Seven Tiki einen Gewürzrum im Premiumsegment anbietet (in Deutschland meines Wissens noch nicht erhältlich), hat sich anscheinend die Marketingabteilung entschlossen, den Bacardi Spiced einzustellen und stattdessen den Bacardi Oakheart zu lancieren. Anscheinend handelt es sich technisch gesehen um einen Blend von Bacardi Gold und Bacardi Superior, zusammen mit einer Gewürzinfusion, in Eichenholzfässern gelagert. Das Pressematerial jubelt: 
Entwickelt von den Bacardi Masterblendern, hat sich BACARDI Oakheart bereits in zahlreichen Pre-Tests bewährt. Neben Geschmack und Namen überzeugte dabei auch das Flaschendesign als echter Blickfang im Spirituosen-Regal: maskulin, lebendig, mit einer leichten Wellenstruktur, die der Flasche ein dynamisches und gleichzeitig robustes Aussehen verleiht. Der würzig vanillige BACARDI OakHeart ist eine Hommage an die Abenteurer von heute – junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren, die füreinander einstehen und gemeinsam etwas erleben wollen. Diese Haltung spiegelt sich in Design, Geschmack und Namen wider. 
Na schade, dass schon ein Anderer auf die Masche mit den Piraten gekommen ist ... sowas von schade aber auch. Mal davon abgesehen, dass auch die leichte Wellenstruktur nicht ganz neu ist (wie man in meinem Review des Captain Morgan Private Stock lesen kann). Aber was soll's. 



Greifen wir uns mal lieber die dynamische und robuste Flasche und schauen wir, was drin ist. Mein Testexemplar wurde neulich bei Netto um 9,99 verramscht, der reguläre EVP liegt wohl so bei 12,99. Das Getränk hat nur 35% Vol, darf also nicht als "Rum" verkauft werden, sondern nur als "Spirituose auf Rumbasis". In der Farbe ist der Oakheart schön dunkelgolden (Farbabstimmung mit Zuckerkulör). Aromatisch ähnlich anderen Gewürzrums, süß, Gummibärchen, Holz, getrocknete Aprikosen. Auf der Zunge dann überraschend mild, Holz, kaum rauchig, leicht trocken und mit einem süßen Kern. Die im Pressetext angekündigten Noten von Ahorn und Honig schmecke ich nicht, leicht herb ist er aber. Im Abgang kurz, trocken. 

In den englischsprachigen Ländern wirbt das in den Bars ausgelegte Ansichtsmaterial mit "Oak and Coke", der Rum soll also sozusagen von Natur aus mit Coca-Cola genossen werden (simples Co-Branding, aber gleichzeitig vielleicht auch ein Versuch, an alte "Bacardi-Cola"-Zeiten anzuknüpfen); ich glaube der Slogan in Deutschland ist nicht ganz so catchy, um mal in der Sprache unserer Zeit zu bleiben. Tun wir der PR-Abteilung also den Gefallen und versuchen wir ihn mit Coke. Ist auch besser so, denn nach etwa 10 Minuten des Ventilierens bricht der Oakheart in punkto Aroma und Geschmack in sich zusammen: dominantes Ethanol, sehr spritig. In der Nase habe ich mit Cola jetzt eher so etwas wie Ahorn oder Honig, im Geschmack auch etwas mehr Honig, aber auch noch viel Holz, trocken. Fazit: Der Bacardi Oakheart haut mich nicht vom Hocker, ist aber für den avisierten Endpreis von um die 12,- EUR in Ordnung. Pur nur schnell zu verzehren, nach etwa zehn Minuten an der Luft ziemlich ekelhaft. Mit Cola als Longdrink okay, keine unangenehmen Überraschungen.

Am 10. November 2011 erscheint der nächste planmäßige Beitrag. Dann teste ich den Brugal Extra Viejo Gran Reserva Familiar (muss gut sein bei so einem langen Namen).

Picture Credits: "Bacardi Oakheart": KRT


Donnerstag, 3. November 2011

Meine To Drink-Liste: Update November 2011

Diese kleine schnuckelige Liste habe ich fast gleichzeitig mit diesem Blog begonnen. Sie erinnert mich immer daran, wie viel noch zu tun ist. Die einzelnen Produkte sind weder nach Art, Name oder Preis geordnet, sondern erscheinen so, wie sie mir eingefallen sind. Schöne Nebenwirkung: wer noch was für Geburtstag, Weihnachten oder Tomas Aquinas Appreciation Day sucht, wird sicher hier fündig ...

- Auchentoshan Three Wood (Single Malt)
- Girvan (Single Grain)
- Seven Tiki Fijian Rum (gehört jetzt anscheinend mit zu Bacardi)
- Glendronach 25 (Single Malt)
- Green Island Spiced (Rum)
- Ginger Tam's (Whiskylikör)
- Jack Daniel's Single Barrel (Tennessee Whisky)
- Springbank 100 (Single Malt)
- Bowmore Enigma 12 yo (Single Malt)
- Jura Superstition (Single Malt)
- Port Ellen (Single Malt)
- Balblair 16 yo (Single Malt)
- Plymouth Gin
- Lamb's Navy Rum
- Dalmore 15 yo (Single Malt)
- Loch Lomond 21 yo Black Label (Single Malt)
- Aberlour 12 yo (Single Malt)
- anCnoc (Single Malt)
- Grey Goose (Wodka)
- Bombay Dry Gin (der trockene Bruder des Sapphire)
- Smokehead (Single Malt)
- Caorunn (Gin)
- Belmont Estate Coconut (Rum)
- Bulleit Bourbon Frontier Whiskey
- Mlechnij Put Vodka
- Pussers British Navy Overproof 75% (Rum)
- Chambord Liqueur Royale de France
- Rodnik's Absinthe Strong 85%
- Haymans Gin Liqueur
- Elements Eight Spiced Rum, St Lucia
- Jim Beam Ri One (Rye Whiskey)
- Auchroisk 10 yo (Single Malt)
- Aultmore 12 yo (Single Malt)
- Longmorn 15 yo
- Mannochmore South Africa Sherry Cask (Single Malt)
- Tamdhu 18 yo (Single Malt)
- Amrut (Single Malt)
- Tomatin 12 yo (Single Malt)
- Blair Athol 12 yo (Single Malt)
- Green Spot (Irish Blend)
- Suntory Hakushu 12 yo (Single Malt)
- Karuizawa 12 yo (Single Malt)
- Old Grand-Dad Kentucky Straight Bourbon
- Elijah Craig (Bourbon)
- Jim Beam Choice "Green Label" (Bourbon)
- Jim Beam Double Aged "Black Label" (Bourbon)
- George Dickel No. 8 (Tennessee Whiskey)
- George Dickel No. 12 (Tennessee Whiskey) 
- Captain Morgan Tattoo (Rum)
- Captain Morgan 100 Proof (Rum)
- Wood's Navy Rum
- Four Bells Navy Rum
- Crown Royal (Canadian Whisky)
- Horst Lünings Spezialliste:
  1. Macallan 12 yo Sherry Cask
  2. Glenlivet 18 yo
  3. Glenfarclas 25 yo
  4. Aberlour 18 yo
  5. Macallan 18 yo Fine Oak
  6. Balvenie 21 yo Port Wood
  7. Highland 25 yo 
  8. Strathisla 30 yo
  9. Talisker Destiller's Edition
  10. Lagavulin Destiller's Edition
  11. Ardbeg Uigeaidail
  12. Glenmorangie Signet
  13. Dalmore King Alexander III
- Horst Lünings Essentials:
  1. Glenfiddich 12 yo
  2. Lagavulin 16 yo
  3. Macallan 12 yo
  4. Strathisla 25 yo


...und mir fallen bestimmt noch welche ein...

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 5. November 2011. Dann mit der Verkostung des relativ neuen Bacardi Oakheart.