Freitag, 25. November 2011

Im kalten Licht der Neonleuchten: Trinkkultur der 80er, Teil I

Wenn ich mich an die 80er zurückerinnere, dann hauptsächlich in Form von Geruch, Geräusch und Geschmack. Geruch: Reinigungsmittel, Urin und Radreifenabrieb in der Metro. Geräusch: Disco. Phil Collins. In the Air Tonight. Geschmack: Der erste Big Mac. Martini. Und ich erinnere mich, dass mich die Frage "C64 oder Sinclair Spectrum" ewig lange beschäftigte. Aber weil ich keine Lust auf BASIC hatte, holte ich mir am Ende doch "nur" den Atari 2600

Wann habe ich wohl mein erstes richtiges Bier getrunken? Ich schätze mal mit so ungefähr 12, in irgendeiner Kneipe. Hey, das waren die Achtziger. Da hatte man noch nicht so viel Angst um seine Brut. Außerdem galt - zumindest in Belgien - Bier nicht wirklich als alkoholisches Getränk. Zumindest nicht die gängigen Pils- und Lagerbiersorten. Stella Artois konnte ich schon damals nicht so gut verknusen; lieber trank ich Jupiler oder Maes Pils. So ab 14; wenn ich schon mal öfter alleine in die Brüsseler Innenstadt fuhr (wie ich schon sagte: man hatte damals noch nicht so viel Angst um seine Brut), machte ich auf dem Rückweg immer noch mal eine kurze Pause in dem kleinen Café im Metrobahnhof Rogier (das Café hieß denn auch: Rogier). Zeit für ein kleines Jupiler und eine heimliche Zigarette (haha, alleine damit hätte ich heute in Deutschland mindestens drei bis vier Gesetze gebrochen). Wie traurig sich die Zeiten verändert haben, wurde mir klar, als ich neulich mal wieder in der Metro war und bei Rogier ausstieg. Das Café war zu und sah so aus, als ob es lange Zeit nicht mehr aufmachen würde.

Rauchen durften wir freilich zu Hause nicht, das war einer der verbotenen Genüsse. Ganz zu Beginn trafen wir uns also ab und zu bei einem Freund und suchten den nächstgelegenen Supermarkt auf, wo wir eine Flasche Sekt der Marke Witte Producten/Produits Blancs (der Beginn des Konzepts der Handelsmarken) erstanden, und, wenn wir Glück hatten, auch Zigaretten kaufen konnten. Beides wurde dann auf dem Feldweg hinter dem Bahndamm einträchtig verzehrt. Recht harmloser Zeitvertreib, im Gegensatz zu heutigen Verhältnissen, aber wir kamen uns trotzdem cool vor.



Etwas später, bei den ersten Discobesuchen (Hof ter Heide) gab es dann meistens entweder Martini Bianco (was auch sonst, es waren die Achtziger) oder Pisang Orange, ein in Deutschland wahrscheinlich niemals bekannt gewesenes und in Belgien heute praktisch vergessenes Mixgetränk aus, naja, Pisang Ambon (einem grünen Bananenlikör) und Orangensaft. Und natürlich Bacardi-Cola, was mir neulich bei einem anderen Artikel auch wieder einfiel. Schnaps pur gab es allerdings damals (zumindest für uns) nicht, sieht man mal vom Martini ab.

Die Discos waren sowieso eine Sache für sich: im Vergleich zu heute finde ich sie rückblickend sehr hell, wahrscheinlich damit man sich beim Posen noch in den verspiegelten Wänden und Böden beobachten konnte. Welchen Sinn hätte die Anschaffung von Docksides, Leinenhose und anderem Pastellfarbigen auch sonst gehabt? Und noch so Einiges lief nebenher ab, aber plötzlich war 1988, und wir zogen aus Brüssel fort. Und damit war der Spaß erstmal vorbei; allerdings nicht lange. Aber das ist eine andere Geschichte. 

Der zweite Teil zur Trinkkultur der achtziger Jahre erscheint am 30. November 2011.

Wenn jemand etwas zur Trinkkultur der frühen 80er (so um 1980-1986) in Deutschland beisteuern kann, wäre mir das als Kommentar oder auch als email sehr willkommen.



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