Samstag, 28. Juli 2012

Zwischendurch: Verarschen kann ick mir alleene

Ärgert es Sie auch so, dass man das Gefühl hat, als Kunde nicht immer ganz ernst genommen zu werden? Besonders, wenn man eventuell nicht die optischen Erwartungen des Verkaufspersonals erfüllt? Im Bereich der hochwertigen Spirituosen scheint es mir manchmal so, als müsse man als Kunde in einem MG oder Aston Martin vorfahren, komplett mit Blazer, Einstecktuch und Clubkrawatte. Sonst - und diese Erfahrung habe ich schon mehr als einmal gemacht - wird sich entweder gar nicht um einen gekümmert, oder man wird von oben herab behandelt oder, und das finde ich persönlich am Übelsten, man wird mit ein paar Falschinformationen abgespeist, bekommt irgendetwas in die Hand gedrückt und wird schleunigst zur Kasse gebeten.

Negativbeispiel Eins habe ich hier schon einmal geschildert: meine Frau bekommt in einem Laden in der Osnabrücker Innenstadt, dessen Hauptgeschäft darin besteht, Öle, Spirituosen und Anderes fassweise zu lagern und nach Bedarf abzufüllen, die Auskunft: "Es gibt nur einen Auchentoshan" anstatt die Auskunft, die korrekt gewesen wäre: "Es tut mir Leid: diesen speziellen Auchentoshan führen wir nicht".

Negativbeispiel Nummer Zwei: Ich fahre mit meiner alten, verbeulten Vespa vor einem alteingesessenen Wein- und Spirituosenhandel - ebenfalls leider hier am Orte - vor und frage nach Rum. Die Verkäuferin (nachdem sie mich von oben bis unten gemustert hat): "Wir haben aber nur teuren Rum". Gut für Euch, Schätzchen. Euren teuren Rum könnt Ihr schön selbst saufen.

Und Negativbeispiel Nummer Drei: Ausnahmsweise nicht von hier sondern aus Berlin. Meine liebe Frau begibt sich, bewaffnet mit zwei eng beschriebenen DIN-A4-Seiten mit meinen Lieblingswhiskys, in ein Berliner Fachgeschäft, welches sich rühmt, Spezialist für Edelspirituosen zu sein. Anhand der Liste der Lieblingswhiskys möge das Verkaufspersonal doch einen Whisky empfehlen, der mir schmecken könnte, aber den ich noch nicht habe. Nach dem üblichen Marketinggeseiere ("Wir haben unsere eigene Whiskyabfüllung. Wir fliegen jedes Jahr mit dem Firmenjet nach Schottland und suchen uns die besten Fässer aus" - jaja, träum weiter. Horst Lüning hat in seinem Hörbuch schon mehr als deutlich erklärt, warum diese Art von Story ins Reich der Märchen gehört) wird ein "Whisky von Islay" empfohlen. Telefonisch sagts mir meine Frau. Oh, was ich wohl bekomme? Einen Ardbeg? Einen Laphroaig? Einen Bowmore? Zuhause wird ausgepackt: Clynelish. "Und die haben wirklich gesagt von Islay, nicht etwa ähnlich wie lslay?" "Nee, von". Ich checke die Homepage. Da steht Speyside. Das ist zwar auch falsch, Clynelish ist ein Highland Malt, aber das ist ja eigentlich eh schon wurscht. Als "Islay" darf man ihn so oder so niemandem andrehen.

Nu, würde mein ehemaliger Nachbar Rabbi Rosenzweig sagen. Was will man machen? Hauptsache, der Whisky schmeckt. Ja, aber es geht hier ums Prinzip. Ich habe einfach keine Lust, mich als Kunde (und ich investiere jedes Jahr relativ viel Geld in Alkohol) für blöde verkaufen zu lassen, weder so noch so.

Dass es auch anders geht - und das verbinde ich jetzt mal mit einer gezielten Gratiswerbung - zeigte mir neulich Ruud Goos vom Whiskyhäuslein im Emsland. Nach einer langen Fahrt auf der A30 und A31 fühlte ich mich willkommen und als Besucher/Kunde ernstgenommen. Das reimt sich zwar, soll aber gleichzeitig ein Aufruf ans uns als Konsumenten sein, beim Geldausgeben auch darauf zu achten.

P.S.: In der Zwischendurch-Kolumne habe ich ja normalerweise die Kommentarfunktion deaktiviert ... aber wenn jemand noch andere "schöne" Beispiele hat, warum nicht?


Diplomatico Reserva 8 J. (40% Vol.)

Venezuela hatte ja in letzter Zeit nicht so besonders gute Presse: Der mehr als seltsame Staatschef mit einer eigenen Fernsehshow, einer seltsamen Vorliebe für rote Oberhemden und noch seltsameren Freunden rund um die Welt (z.B. Herrn Ahmadihastenichgesehn aus dem Iran). Dazu noch andere Problemchen wie Armut, Korruption, Unterdrückung der Opposition und was es sonst noch so in der Sockenschublade Lateinamerikas gibt. Aber wie immer hat es auch hier einen Silberstreifen am Horizont, der, wenn es so läuft wie in allen anderen Ländern der Welt, auch in Venezuela der Bevölkerung helfen dürfte, die Mittelmäßigkeit und Piesepampeligkeit des Lebens an sich für eine Weile zu vergessen: der Alkohol. Und da wir in Venezuela sind, hauptsächlich der Rum.

Venezolanischer Rum hat unter Kennern schon seit - keine Ahnung wie lange - einen hervorragenden Ruf und gilt als besonders schwer und aromatisch. Vor einiger Zeit hatte ich bereits Gelegenheit, den sehr bekannten und sehr leckeren Cacique 500, der von Diageo produziert wird, zu probieren. Nun also der Diplomatico Reserva. Diplomatico gehört seit 2002 zur Gruppe Destilerias Unidas, als Diageo sein südamerikanisches Portfolio bereinigte und die Anteile somit zurück in heimische Hände kamen. DUSA besitzt darüber hinaus auch die Rummarken Canaima, Cinco Estrellas, Naiguata und Tepuy. Unter dem Namen Diplomatico werden insgesamt fünf Rums vermarktet, angefangen vom Blanco bis hin zum Ambassador im Premiumsegment. Der hier vorgestellte achtjährige Reserva deckt in etwa das hochwertige mittlere Niveau ab. Die Brennerei verwendet drei verschiedene Destillationsverfahren, nämlich mit Hilfe von Pot Stills, Column Stills und den - eher seltenen - Batch Stills. Aus der Batch-Destillation wird denn auch der Reserva gewonnen. Alle Diplomatico-Rums entstehen aus Zuckerrohrmelasse.


Aussehen und Aroma: Vorweg eine kurze Anmerkung zur Flasche selbst: sie sieht mit ihrem mattierten Look sehr edel aus, war aber im Test unmöglich schwer zu öffnen; ich rätselte stundenlang, ob es irgendeinen versteckten Mechanismus gebe ... ohne Erfolg. Am Ende war die Flasche zwar offen, der Ausgießer jedoch überstand die Prozedur nicht. Der Rum selbst ähnelt, farblich gesehen, am ehesten schwarzem Tee. In der Nase sehr deutliche Akzente von Trauben und Zimt.

Geschmack: Der Reserva ist sehr vollmundig und mild und zeigt eine anhaltende Süße. Im Mittelteil halten sich einige Bitterstoffe (Chinarinde?).

Abgang: Ein mittellanger Abgang, der zum Ende hin trockener wird.

Fazit: Ein sehr weicher und milder Rum, daher zum Mischen eher weniger zu empfehlen sondern am besten pur zu genießen. Weniger kräftig als gedacht. Im Handel für um die 20,- EUR erhältlich.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 4. August 2012.

Picture Credits: "Diplomatico Reserva": KRT

Sonntag, 22. Juli 2012

Termine August 2012

Lokal / Regional

9. Osnabrücker Weintage (Osnabrück: 16. bis 19. August)

National

16. Internationales Bierfestival Berlin (Berlin: 3. bis 5. August)

Oechsle Messe (Lahr: 10. und 11. August)

4. Whiskymesse Mecklenburg-Vorpommern (Neubrandenburg: 31. August und 1. September)

International

The Farsons Great Beer Festival (Ta'Qali, Malta: 27. Juli bis 5. August)
 
14. Belgisches Bierwochenende (Brüssel, Belgien: 31. August bis 2. September)

Interessante Veranstaltung gefunden? Nachricht an uns, bitte!

Haftungsaussschluss: Alle Angaben ohne Gewähr. Änderungen und Irrtümer vorbehalten. Änderungen von Veranstaltungsorten und/oder -terminen liegen in der Verantwortung des jeweiligen Veranstalters. Informieren Sie sich daher zusätzlich bitte auf den offiziellen Veranstaltungsseiten.


Samstag, 21. Juli 2012

Johnnie Walker Gold Label 18 J. (40% Vol.)

Ungern nehme ich das Ergebnis der Verkostung vorweg - aber dies ist die Geschichte einer großen Enttäuschung. Sie beginnt vor etwa einem Jahr in Rom.

Meine Frau und ich saßen eines warmen Augustabends im Al Braciere an der Via della Chiesa Nummer 12 (ein Restaurant, welches man guten Gewissens empfehlen kann, übrigens) und verdauten gerade die diversen Gänge, die wir uns einverleibt hatten. Man brachte den Espresso. Man brachte den Limoncello. Man brachte den Whisky. Dieser stand als "Whisky" auf der Karte und wurde mir eiskalt serviert, aber ohne Eiswürfel. Das war natürlich etwas ungewöhnlich ... jedoch when in Rome, do as the Romans do, wie meine Großmutter zu sagen pflegte. Aber die Überraschung war perfekt, als mir ein kühles, wunderbar geschmeidiges, seidiges und honigsüßes Getränk die Innenwände der Kehle netzte. Nun, so sollte man sagen, hättest Du mal am besten gleich die Bedienung gefragt, aus welcher Flasche das Getränk stammte, dann hättest Du's in Deutschland für Deinen Barschrank erwerben können. Schon richtig. Leider erfordern jedoch Gespräche mit Frauen im Allgemeinen und Gespräche mit meiner eigenen Frau im Besonderen in der Regel meine gesamte Konzentration (leider leide ich unter einem gewissen Aufmerksamkeitsdefizit, was Klatsch, Tratsch, Taschen, Schuhe, Juwelen usw. betrifft), so dass ich einfach im Laufe des Abends die entscheidende Frage aus dem Sinn bekam, nämlich die, welcher Whisky es denn nun war.



Zurück in Deutschland war die Ratlosigkeit groß. Ich musste diesen Whisky haben, sofort, für zu Hause. Aber was tun? Im Al Braciere anrufen und fragen? Leider reichen meine Italienischkenntnisse irgendwie nicht aus, ein längeres Gespräch, insbesondere übers Telefon, wo es keine Möglichkeit des Gestikulierens gibt, aufrecht zu erhalten. Die einzig andere Idee: So lange Whiskybeschreibungen lesen, bis eine dabei ist, die zu passen scheint.

Einige Zeit später blätterte ich im Katalog von whisky.de und entdeckte folgende Beschreibung sub voce Johnnie Walker Gold Label:

Auf wenig würzigen Rauch und viel Honigsüße wurde geachtet. Seidig im Geschmack sowie lang und angenehm im Abgang. 
Wäre es möglich? Könnte es tatsächlich sein? Natürlich bemühte ich mich sofort um detailliertere Besprechungen und tatsächlich: "Seidigkeit" und "Honigsüße" wurden allerorten gelobt und bejubelt. Das machte mir wirklich Hoffnung, obwohl ich - wie alle Welt weiß - kein besonderer Fan von Johnnie Walker bin. Den Roten finde ich zu kratzig, den Blauen finde ich überteuert und überbewertet, den Schwarzen ... nun ja, den finde ich gar nicht sooo schlecht, aber das wusste ich damals noch nicht. Außerdem schlägt der Gold Label mit Preisen ab 50,- EUR doch so einigermaßen stark ins Portemonnaie. Was also tun? Es riskieren? Leider gibt es nicht so viele Bars, wo der Goldene angeboten wird, sonst hätte man da ja mal ein Schlückchen probieren können. Tagelang ging ich mit dieser Problematik schwanger.

Schließlich marschierte ich zu meinem Hoflieferanten und kaufte eine Flasche zu 55,- EUR. Da stand sie und glänzte mich an. Hübsch sieht sie aus, eine massive, etwas kantige Flasche, sehr "wertig", in einem luxuriösen goldenen Karton. Wirklich eine Schönheit. Aber sollte ich sie öffnen? Was, wenn es nicht der Richtige ist? Also wartete ich erneut ein Weilchen. Die Lösung kam auf einem Trip nach Amsterdam (nicht auf einem Trip in Amsterdam). Ich schlenderte mal wieder so am Fenster von HP de Vreng auf dem Nieuwendijk vorbei, als mir eine Miniatur des Johnnie Walker Gold quasi ins Auge sprang. Heureka! So konnte man ihn endlich probieren, ohne die große Flasche riskieren zu müssen. Natürlich war der Literpreis für die Miniatur höher als der Literpreis der normalen Flasche, aber was will man machen?

Endlich kam der große Tag. Vorher hatte ich mich noch ein bisschen eingelesen: Beworben wird der Gold Label als der Centenary Blend, denn er wurde zum 100. Geburtstag des Unternehmens im Jahre 1920 kreiert. Es handelt sich um einen Blended Scotch Whisky; neben Malts enthält er also auch Grain Whisky. Allerdings: da er als 18jähriger Blend angesprochen wird, darf der jüngste in ihm enthaltene Malt Whisky laut Gesetz nicht jünger als 18 Jahre sein. Als Lead Whiskys gelten der Cardhu und der Clynelish. Vermarktet wurde er - aufgrund seiner geringen Rauchigkeit - in der Vergangenheit wohl eher auf dem asiatischen Markt.



Anmerkung: Dies ist die Miniatur, nicht die viel schönere Normflasche

Aussehen und Aroma: In der Farbe ist er, wie es seinem Namen geziemt, dunkelgolden mit hellbraunen Nuancen. In der Nase sehr blumig, mit viel Honig und einem dezenten Apfelaroma.

Geschmack: Auf der Zungenspitze findet sich doch ein ganz klein wenig Rauch, sonst tatsächlich recht süß, mit deutlichen Anklängen an Mandelcreme. Leider aber - meines Erachtens - nicht so seidig und cremig wie versprochen, sehr ausdrücklich fand ich auch einige Eichenfassnoten sowie doch etwas Schärfe im Mittelteil.

Abgang: Ein langer Abgang, der aber bedauerlicherweise nicht ganz mild ist, sondern zum Schluss einen deutlichen Nachbrenner zeigt. Dieses wurde durch Zugabe von etwas Wasser (bei 40 Volumenprozent sonst nicht unbedingt angesagt) dann noch etwas angenehmer.

Fazit: Sehr schade, denn dies ist definitiv nicht der Whisky aus Rom, den ich mir so sehr gewünscht hatte. Er ist (für mich) im Ganzen auch eher nicht das, was ich mir vorgestellt habe, denn ich vermisse die angekündigte Seidigkeit und Cremigkeit - falls ich diese Begriffe nicht anders definiere als der Rest der Welt. Natürlich ist der Gold Label kein schlechter Whisky ... aber ob man dafür 50,- EUR ausgeben will, muss, wie immer, jeder selbst entscheiden. Optisch macht er auf jeden Fall etwas her.

Die Geschichte ist damit aber noch nicht ganz zu Ende. Was sollte ich jetzt mit der - nicht angebrochenen - großen Flasche machen? Weiterverschenken? Ich verschenke nicht gerne Whiskys, die mich nicht überzeugen. Es sei denn, jemand wünscht sich genau diese Flasche. Plattfuss fiel als Empfänger aus, er hatte ebenfalls von der Miniatur gekostet und mochte den Gold Label auch nicht so sehr. Also zurückbringen? Aber dann las ich auf mehreren Webseiten, auch in Shops, dass Johnnie Walker empfehle, diesen Whisky eisgekühlt zu trinken! War das des Rätsels Lösung? War das doch mein römischer Freund? Hatte ich ihn nur verkannt, weil ich ihn nicht, wie in Rom, eiskalt getrunken hatte? Sofort nach Hause und den Rest der Miniatur ins Gefrierfach gelegt. Einen Tag später dann die Zweitverkostung ... nein. Definitiv nein. Jetzt zwar weniger scharf in der Mitte, aber viel zu viel Holz. Am nächsten Tag retournierte ich die Flasche meinem Hoflieferanten,

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 28. Juli 2012.

Picture Credits: "Roma 23" und "JW Gold Label Miniatur": KRT


Samstag, 14. Juli 2012

Sind so kleine Biere, Teil V: Gouverneur Speciale 140 (5,5% Vol.)

Sowohl Belgien als auch die Niederlande kennen heute jeweils eine eigene Region mit der Bezeichnung Limburg. Das ist weiter kein Wunder, denn diese Landschaft war früher (bis in die 1830er) eine nicht nur geographische sondern auch politische Einheit im Königreich der Vereinigten Niederlande. Als Belgien sich dann von den Niederlanden abspaltete, wurde auch Limburg geteilt. Vor einigen Jahren noch war das Gebiet sehr stark industriell geprägt, vor allem auch vom Kohlebergbau, heute wird die hügelige Landschaft aber auch immer mehr touristisch erschlossen.

In der Provinz Niederländisch-Limburg liegt ein kleines Dorf namens Neer, welches nur etwa 3.500 Einwohner zählt. Neben den üblichen Sehenswürdigkeiten wie Kirche und Wassermühle findet der Besucher hier auch die Brauerei Lindeboom (Lindenbaum), welche als Familienbrauerei angesprochen wird, da sie sich seit den Anfängen im Jahr 1870 im Besitz der Familie Geenen befindet. Als Willem Geenen im selbigen Jahr mit dem Brauen begann, gab es in dem kleinen Dorf sogar noch zwei weitere Brauereien, die aber schon lange das Zeitliche gesegnet haben. Wenige Jahre lang wurden die Produkte unter dem Namen Geenens Bier verkauft, aber seit den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts steht der Name Lindeboom endgültig fest. Nach einer vorsichtigen Modernisierung in den Siebzigern wird heute der meiste Umsatz trotzdem immer noch in der unmittelbaren Region bzw. im Tal der Maas gemacht, daher auch der Werbeslogan "'t Bier van Hier" (Übersetzung dürfte sich erübrigen). Die Brauerei ist sehr stolz auf ihre nachhaltige Produktionsweise; unter anderem ist zu bemerken, dass bestimmte Brauereiabfälle als Viehfutter wiederverwendet werden und dass das Unternehmen zu 100 Prozent mit Ökostrom betrieben wird.



Die Produktpalette umfasst mittlerweile neun verschiedene Sorten. Die älteste hiervon ist das seit 1912 gebraute Pilsener, daneben gibt es aber auch für fast jeden Geschmack etwas: Alt, Weißbier, Braunbier. An dieser Stelle besprechen wir heute ein obergäriges, blondes Bier aus der erfolgreichen Gouverneur-Serie: Das Gouverneur Speciale 140, welches seit 2010 hergestellt wird.

Aussehen und Aroma: Da es ein Blondes ist, ist es von der Farbe natürlich eher hell, es ist außerdem leicht trüb (was wohl durch die Nachgärung in der Flasche entsteht) und hatte -  zumindest im Test - eine recht kleine Schaumkrone. In der Nase zeigen sich nicht allzuviele Nuancen, der Gesamteindruck ist süßlich.

Geschmack: Das süßliche Hauptthema setzt sich auch auf der Zunge fort, ein Hauch von Frucht vielleicht und doch sehr malzig. Wenig Hopfenbitterkeit.

Abgang: Kurz und weich. Kaum erkennbare Nachklänge.

Fazit: Weniger ausdrucksstark als angekündigt und gedacht, dafür sehr gut trinkbar und frisch. Leicht im Geschmack, daher etwas für den ganzen Abend.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 21. Juli 2012.

Picture Credits: "Limburgs Landschap": Erwin Bolwidt auf flickr.com


Samstag, 7. Juli 2012

Jura 16 J. "Diurachs' Own" (40% Vol.)

Nachdem ich den jüngeren Bruder vor einiger Zeit schon einmal besprochen habe, widme ich mich heute dem sechzehnjährigen Single Malt von Jura, genannt Diurachs' Own. Der Name Diurach bezeichnet, wie schon damals erwähnt, die Bewohner der Insel. Die Destillerie, die mittlerweile wirtschaftlich und kulturell auf das Engste mit dem Leben der Menschen dort verwoben ist, bietet dem auswärtigen Interessenten ein - wie ich finde - sehr charmantes Kundenbindungsprogramm: Man kann dort Diurach ehrenhalber werden. Neben allerlei sonstigem Krimskrams wie einem Zertifikat, einer Mitgliedsnummer, dem Zugang zu Gewinnspielen usw. gibt es auch einen Nachlass auf der Fähre von Port Askaig sowie einen Gratisdrink pro Monat im einzigen Pub auf der Insel. Wie gesagt, alles sehr nett gemacht und eher down to earth, so wie ich es gerne habe.



Den Superstition fand ich als Getränk ja besonders gelungen und der Diurachs' Own schien mir von der Beschreibung her ebenfalls sehr interessant, so als ob es auch mein Fall sein könnte:

Nurtured for sixteen long years, this is the whisky of choice for the people of Jura. It’s a subtle malt - unassuming, understated yet intriguing. Qualities often attributed to the Diurachs themselves. Understandably, the islanders are drawn to it above all others. To honour this unique bond, the symbol of the Diurachs adorns each and every pack.
 
Rich & full-bodied with hints of citrus fruit and toffee

Flavours of dark chocolate combined with oranges and spices leave a sweet toffee and honey finish.
Also wenn er hält, was man von Brennereiseite her verspricht, dann  haben wir Bingo. Die Flasche ist in der Form ähnlich wie die des Superstition, allerdings finde ich die Aufmachung jetzt nicht ganz sooo schön wie beim ersteren. Ein etwas langweiliger goldener Aufkleber dominiert visuell. Aber man soll einen Whisky ja nicht nach seinem Label beurteilen ...


Aussehen und Aroma: In der Farbe ist der Jura 16 J. hell kupferrot und relativ viskos im Glas. Er entwickelt eine schön intensive Nase von Honig und Rumrosinen. Es zeigt sich praktisch kein Rauch, im zweiten Eindruck eventuell ein Hauch von Tafelkreide und Erde.

Geschmack: Am Gaumen ist der Diurachs' Own seidenweich, mit einem deutlichen Antritt von Mandelcreme. Etwas Zitrusfrucht kommt hintendrein. Zum Ende hin ist er auch kräftiger, hat jedoch nur sehr wenige salzige Noten.

Abgang: Mittellang bis lang; er wird stetig trockener, behält jedoch bis zum Schluss ein gewisses Maß an Fruchtigkeit.

Fazit: Ebenfalls ein sehr angenehmer, gut zu trinkender, gelungener Single Malt von Jura. Zur Zeit bevorzuge ich trotz allem etwas mehr den Superstition, da mir dessen sehr maritime Note außerordentlich gut gefällt. Diese Note fehlt dem Diurachs' Own, aber dies ist ja auch wohl so gewollt. Dafür hat er viele Qualitäten, die ihn zwar komplex, aber nicht anstrengend machen, insbesondere seine Weichheit und schwere Süße. Wirklich geeignet für Genießer, die ausgeprägten Torfrauch nicht schätzen. Online erhältlich ab etwa 35,- EUR.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 14. Juli 2012.

Picture Credits: "Diurachs' Own": KRT.


Sonntag, 1. Juli 2012

Zwischendurch: Happy Birthday, Plattfuss!

Heute hat mein bester Freund und Co-Redakteur Geburtstag. Und weil gute Freunde und Redakteure auch etwas Gutes bekommen, haben ein paar Leute und ich zusammengeschmissen und schenken ihm diese Schönheit:


Der Bruichladdich Octomore 3_152 war der vierte in der Serie der schwer getorften Bruichladdichs (der dritte in der Serie hieß nämlich 2.2) und kam 2010 in einer Stückzahl von nur 18.000 Flaschen auf den Markt. Der Name der Reihe leitet sich von der Octomore-Quelle her, von der Bruichladdich das Wasser bezieht. Zur Zeit der Veröffentlichung war der 3_152 der torfigste Whisky der Welt (mit eben 152 ppm - parts per million), wurde aber mittlerweile von seinem jüngeren Bruder 4.2 Comus mit 167 ppm noch überholt.

Der 3_152 ist ein exklusiver Genuss, da Flaschen ab Destillerie nicht mehr erhältlich sind; alles was jetzt im Umlauf ist, ist der letzte Rest - oder, wie die Niederländer sagen: op = op.

Alles Liebe Dir, Plattfuss, zum Geburtstag. Sollten wir den Whisky wirklich mal tasten, bist DU für die Rezension verantwortlich :-) ... wir sind Dir aber auch nicht böse, wenn Du ihn als Wertanlage ins Schließfach legst.

Picture Credits: "3_152": KRT