Dienstag, 30. Oktober 2012

Zwischendurch: The Angels' Share - Ein Schluck für die Engel

Filmkritik kann ich nicht so gut, darum fasse ich mich kurz. Plattfuss und ich waren gestern endlich in der langerwarteten Aufführung von The Angels' Share - ein Schluck für die Engel (diese blöde Angewohnheit, bei jedem fremdsprachigen Filmtitel noch einen deutschen dazu zu erfinden, stört mich schon seit Ewigkeiten dermaßen, ich finde keine Worte dafür). Ein kurzes Googeln genügt für massenhaft Treffer zum Inhalt, daher hier nur so viel: Vier Loser aus den Armenvierteln Glasgows entdecken ihre Liebe zum Whisky und beschließen, den Inhalt eines Fasses Malt Mill, eines mythischen Weißen Wals der Whiskywelt, der für gut .eine Million Pfund zur Versteigerung ansteht, zu entwenden, um vom Erlös ein neues Leben zu beginnen. 

Gedreht wurde on location in Schottland, in den Destillerien Glengoyne (die hier allerdings als Deanston firmiert, diese war den Filmemachern wohl nicht fotogen genug) sowie Balblair. Der Whiskyexperte Charles Maclean hat mehr als nur einen Cameo-Auftritt und spielt (fast) sich selbst, als "Rory McAllister". Horst Lüning fand in seiner Besprechung des Films diesen zu düster und brutal zu Beginn. Ich kann dieser Einschätzung nur bedingt zustimmen; sicherlich ist der Anfang, in dem erst einmal der Leidensdruck der jungen Außenseiter dramaturgisch aufgebaut werden muss, düsterer als der weitere Verlauf. Allerdings wird hier aber auch kein Trainspotting 2 geboten. Es bleibt bei einer Prügelszene und ein bis zwei Verfolgungsjagden durch die Straßen Glasgows. 

Wenn ich etwas am Film auszusetzen habe, dann dass ich die erste halbe Stunde eher langatmig finde, bis es dann endlich ans Eingemachte (sprich: an den Whisky) geht. Auch sind die Charaktere recht stereotyp gezeichnet: Da haben wir den väterlichen Sozialarbeiter, den prügelnden Rowdy, der sein Leben ändern will, den abgedrehten Sidekick, die vorlaute Göre usw. Auf der Habenseite steht, dass die Story nach etwa 30 bis 40 Minuten zunehmend flotter und leichter wird. Zum Schluss ein gutes, altes Happy End ohne Ambivalenzen. Für den Whiskykenner bietet The Angels' Share wenig Erhellendes, aber dennoch ein paar "hab ich auch schon mal getrunken"-Erlebnisse. Es kommt gerade so viel Information über das Whiskygeschäft rüber, dass Laien sich nicht gelangweilt fühlen dürften, aber zumindest rudimentär informiert werden. 

Alles in allem fast zwei Stunden solide Unterhaltung gewürzt mit viel Whisky und etwas Sozialkritik. Nicht unbedingt ein Film, den man sich zehnmal anschauen wird, aber auch keiner, bei dem es einem ums Eintrittsgeld Leid tut.

Samstag, 27. Oktober 2012

Irisches Stundenbuch, Teil III: Greenore 8 J. (40% Vol.)


Wie bereits schon einmal angeklungen ist, tut man sich in Irland generell schwer mit der Anschaffung eines halbwegs günstigen Rauschzustands. Die Spirituosenpreise im Einzelhandel sind, zumindest im Vergleich zu West- und Mitteleuropa, schon fast kriminell hoch und man sollte so etwa 30 Prozent Aufschlag gegenüber Deutschland einkalkulieren. Generell gesehen ist es - wenigstens was leichte Alkoholika wie Bier betrifft - schon beinahe günstiger, einen Pub aufzusuchen, als Getränke im Einzelhandel zu erstehen ... wobei es dort natürlich auch so etwas wie Sonderangebote oder Aktionen gibt, die hier nicht berücksichtigt werden können. Mit einem Preis von 3,50 bis 3,70 EUR für einen Pint Bier liegt man aber in der Regel nicht so schlecht, wenn man dies mit deutschen Kneipenpreisen vergleicht.

Spirituosen gibt es üblicherweise in Supermärkten wie SuperValu zu kaufen, allerdings kann dies von Gemeinde zu Gemeinde bzw. von Bezirk zu Bezirk variieren. Es gibt Orte, in denen in normalen Geschäften kein Alkohol (oder lediglich Bier) verkauft werden darf. Dort kann man in der Regel auf die so genannten Off-Licences (manchmal auch mit dem Begriff Off-Sales bezeichnet) zurückgreifen. Das System ähnelt den amerikanischen Liquor Stores oder auch dem schwedischen Systembolaget und bedeutet, dass in den entsprechenden Geschäften Spirituosen und andere alkoholische Getränke verkauft, jedoch nicht konsumiert werden dürfen. Hiervon unterscheidet sich die On-Licence: was dort verkauft wird, darf auch nur dort getrunken werden (also in der Regel eine Kneipe oder Gastwirtschaft). Manche Besitzer eines Pubs haben beide Lizenzen, dürfen also Alkoholika ausschenken und verkaufen. Der Off-Licence ist in solchen Fällen aber von den Gasträumen getrennt. In Nordirland wiederum gibt es nur wenige Off-Licences, da neue Verkaufslizenzen erst dann vergeben werden, wenn eine alte verfallen ist (z.B. durch Geschäftsaufgabe). Dafür findet man aber in vielen Supermärkten eine größere Auswahl (TESCO, ASDA, ...).

Warum das Trinken auf der Grünen Insel so teuer und kompliziert ist, habe ich nicht herausgefunden. Ich vermute, es ist ähnlich wie in Großbritannien und Skandinavien, wo man durch die Erhöhung der Spritpreise den Konsum begrenzen wollte ... was sehr gut geklappt hat, wie jeder weiß, der einmal einen Abend mit ein paar Schweden verbracht hat (Ironie aus).

Für den heutigen Test habe ich etwas Besonderes besorgt ... und das zu einem relativ humanen Preis. Allerdings musste ich dafür warten, bis ich im Travel Value am Dubliner Flughafen war. Die Flasche Greenore kostet da um die 28,- EUR, was nicht viel teurer ist als in Deutschland ... dennoch leider kein richtiges Schnäppchen, aber nun gut. Der Greenore ist deswegen so relativ rar, weil er einer der wenigen Single Grains ist, die in größerem Umfang verkauft werden (einen schottischen Single Grain, den Cameron Brig, habe ich hier schon einmal vorgestellt). Gebrannt wird der Tropfen in der Brennerei Cooley, nicht weit von der nordirischen Grenze. In der Nähe findet sich auch der Tiefwasserhafen Greenore, nach welchem der Whiskey benannt ist. Zur Zeit umfasst das aktiv beworbene Portfolio folgende Sorten: einen Sechsjährigen, der ursprünglich für den skandinavischen Markt aufgelegt wurde; den hier getesteten Achtjährigen, sowie jeweils eine Sorte mit 18 und mit 19 Jahren.


Art und Herkunft: Single Grain, Republik Irland (Cooley)

Aussehen und Aroma: Der Greenore ist hellgelb in der Farbe, mit einem leichten Goldstich, relativ dünne Legs. In der Nase dominieren Kaffee und Haselnuss, in geringerem Maße finden sich auch Karamell und Toffee.

Geschmack: Das Kaffeearoma setzt sich auch hier fort und ist sehr intensiv auf der Zunge. Weiterhin kommen deutlich dunkle Schokolade sowie ein süßer Mittelteil mit Anklängen an Zimt.

Abgang: Kurz bis mittel, sanft, zum Schluss erscheint eine dezente Grain-Bitterkeit.

Fazit: Ein extrem angenehmer Schluck; für einen Grain Whiskey sehr ausdrucksstark. Kaufempfehlung!

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 3. November 2012.

Picture Credits: "Greenore": TAQ 


Donnerstag, 25. Oktober 2012

Termine November 2012


Lokal / Regional

Uncorked 2012 (Osnabrück: 2. November)

Weihnachtsmarkt 2012 (Osnabrück: 26. November bis 22. Dezember)

National

6. WhiskyBotschaft (Rostock: 17. November)

14. InterWhisky (Frankfurt/Main: 23. bis 25. November)

International

Bubbles in Brussels (Brüssel, Belgien: 1. November bis 31. Dezember) 

Cape Town Festival of Beer (Kapstadt, Südafrika: 23. bis 25. November)

Vinum Laugaricio (Trencin, Slowakei: 29. und 30. November)


Interessante Veranstaltung gefunden? Nachricht an uns, bitte!

Haftungsaussschluss: Alle Angaben ohne Gewähr. Änderungen und Irrtümer vorbehalten. Änderungen von Veranstaltungsorten und/oder -terminen liegen in der Verantwortung des jeweiligen Veranstalters. Informieren Sie sich daher zusätzlich bitte auf den offiziellen Veranstaltungsseiten.

Samstag, 20. Oktober 2012

Irisches Stundenbuch, Teil II: O'Connell's vs Coleraine (beide 40% Vol.)

Was die Pubkultur in Irland angeht, so hat die lange britische Besatzungszeit wohl doch ihre Spuren hinterlassen. Die Trinkhallen (teach tábhairne) ähneln denen in Großbritannien in Mobiliar und Ausstattung sehr: Ein ländlicher Pub besteht in der Regel aus einer langen Theke, dunklem, teilweise sehr massiven Holzmobiliar und den unvermeidlichen Handpumpen (ohne Kohlensäurepatronen!) für das Bier. Manche Sitten ähneln sich ebenfalls: zum Beispiel die, dass man sich seine Getränke am Tresen selbst bestellt und holt (Ausnahme sind Pubs mit angeschlossener Speisewirtschaft, dort kann man in der Regel auch am Tisch bestellen). Oder dass man für die Getränke am Tresen kein Trinkgeld gibt.  Andererseits ist auch Einiges anders als in Großbritannien: die Öffnungszeiten sind hier deutlich liberaler gehandhabt; in Prinzip kann jede Gemeinde selbst entscheiden, wann (und ob) Sperrstunde ist. Auch ist in den irischen Pubs die Livemusik - nicht nur am Wochenende - regelmäßiger Bestandteil der Unterhaltung. Generell ist es, je nachdem, was man trinken möchte, günstiger im Pub, als wenn man sich seine Alkoholika aus dem Supermarkt oder dem Schnapsladen holt (zu den Getränkepreisen sage ich in der nächsten Folge noch etwas). Grundsätzlich kann man in normalen, nicht allzusehr touristisch geprägten Kneipen einen Pint (568 ml) Guinness für etwa 3,50 bis 4,00 EUR erwarten, zur Happy Hour oder ähnlichen Gelegenheiten wird es teilweise noch einmal günstiger. Generell ist die Atmosphäre gesellig und locker. Auf unserer Reise haben wir in der ganzen Zeit nicht ein böses Wort gehört. Die lockere Plauderei gehört dabei aber auch zum guten Ton. Insbesondere dann, wenn klar ist, dass man Ausländer/Tourist ist, sollte man zu einer Runde Smalltalk willens und bereit sein. Es ist übrigens unüblich, Getränke getrennt zu bezahlen (wenn auch nicht so gänzlich unbekannt wie in Großbritannien). Stattdessen schmeißt man Runden. Hat man nicht genug Geld (z.B. weil die Runde sehr groß ist), um sich zu revanchieren, ist die zweitbeste Möglichkeit, der Person, der man die Runde schuldet, das Geld für das ausgegebene Getränk diskret (!) und mit entsprechendem Hinweis auf die mangelnde Liquidität zuzustecken.

Sofern eine Gaststätte Speisen anbietet, so sind dieses häufig Klassiker der irischen Küche wie Irish Stew oder Shepherd's Pie. Manchmal gibt es auch ein einzelnes Tagesgericht. An Bieren darf man aus dem Zapfhahn in der Republik Irland in der Regel Guinness und Smithwick's (ein Ale aus der selben Brauerei wie das in Deutschland bekannte Kilkenny, welches in Irland weniger ausgeschenkt wird) erwarten, neuerdings auch das Smithwick's Pale Ale, ein IPA. Ferner Harp Lager, ebenfalls aus der Guinness-Brauerei. Die Biere werden im angelsächsischen Stil gezapft, sind für den normalen Pilstrinker also etwas "arm an Bläschen", wie mein Opa immer sagte. Allerdings, so finde ich zumindest, wenigstens etwas kühler als die lauwarme Cervisia bei den Briten. Wer einen etwas pilsigeren Geschmack möchte, findet meist ein oder zwei ausländische Sorten (Heineken, Nastro Azzurro, Stella Artois) ebenfalls an einem Zapfhahn, diese werden dann auch eher kontinentaleuropäisch serviert. Beliebt sind auch amerikanische Leichtbiere wie Bud Light oder Coors Light. Erfrischende Alternative zum Bier ist übrigens meist der Cider, aus dem Hahn oder aus der Flasche (z.B. von Bulmer's, aber auch - man höre und staune - von Stella Artois).

Spirituosentechnisch meistens keine großen Überraschungen: Jameson, Bushmills, Crested Ten (Premiumsegment von Jameson), Powers Gold Label (angeblich einer der oder der beliebteste Whiskey in Irland, ich persönlich fand ihn nicht so toll, habe aber auch andere Meinungen gehört) und natürlich auch einige Rums, Gins und was es auch in deutschen Kneipen so alles gibt. Wenige schottische Whiskys, außer in der Touristenhochburg Dublin. Seltsamerweise auch wenig(er) Tullamore Dew. Wird er hauptsächlich exportiert?

Bleibt noch die Verkostung für heute: es duellierten sich zwei irische Blends, die man hier in Deutschland nur sehr selten zu sehen bekommen dürfte. Gleichzeitig ein friedlicher Vergleich zwischen der Republik Irland und Ulster/Nordirland. In der rechten Ecke der O'Connell's NAS aus der  Destillerie Cooley: von dieser wird er aktiv nicht beworben. Über drei bis vier Ecken fand ich heraus, dass es sich hierbei wohl um eine Marke von Cooley handelt, welche normalerweise für den Export nach Frankreich vorgesehen ist (wer übrigens Infos zu unbekannten irischen Whiskeys braucht, der sei auf die Seite Irish Whiskey Chaser hingewiesen). Der Produktionsüberschuss wird dann anscheinend im eigenen Lande abverkauft. Die Flasche war für irische Verhältnisse übrigens ein Schnäppchen, mit 14,- EUR im Supermarkt. Etwa ebenso teuer war die Flasche Coleraine NAS, welche von der Coleraine Distillery Ltd. in Belfast (Nordirland) hergestellt wird und auch fast nur in Nordirland bzw. im Grenzgebiet zu kaufen ist. Da es keine Coleraine Distillery (mehr) gibt, muss dieser Whiskey logischerweise von der einzigen nordirischen Brennerei - Bushmills - kommen.




Art und Herkunft: Blended Whiskey, Republik Irland (Cooley)

Aussehen und Aroma: Relativ hell, dünne und engsitzende Legs. Ein angenehmes Aroma von Butterscotch und Toffee.

Geschmack: Der O'Connell's bietet im Antritt einen leichten Anflug von Vanille, gepaart mit einer milden Süße. Im Mittelteil dann deutliche Getreidenoten (Hafer?).

Abgang: Mittellang, für einen Blend schon eher lang, wärmend.

Fazit: Sehr angenehm zu trinken, keine bösen Überraschungen. Sehr mild. Ein guter Blend der unteren Mittelklasse.


Art und Herkunft: Blended Whiskey, Nordirland (Bushmills)

Aussehen und Aroma: Der Coleraine ist eher safrangelb und von der Konsistenz ähnlich wie der O'Connell's.  In der Nase hat er frischere Impulse als dieser, viel Gras, leider auch deutlich das Ethanol im Hintergrund.

Geschmack: Zuerst zeigt er sich süßlich, mit einem fruchtigen Geschmack (Aprikose), im Mittelteil kommen die Grain Whiskeys mit ihrer charakteristischen Bitterkeit stärker durch.

Abgang: Mittellang, leider zum Ende hin etwas ruppig.

Fazit: Ebenfalls ein akzeptabler Durchschnittsblend, der sich ganz gut trinken lässt und keinen Ärger macht.

Gesamtfazit: Alles in allem muss ich doch dem O'Connell's den Vorzug geben, Beide Whiskeys sind durchaus vergleichbar in der Qualität, jedoch ist der Coleraine merklich harscher, ohne besonders viel Charakter zu entwickeln.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 27. Oktober 2012.

Picture Credits: alle TAQ.


Samstag, 13. Oktober 2012

Irisches Stundenbuch, Teil I: Danny Boy Premium vs Dunphy's Finest Old (beide 40% Vol.)

Ich beginne heute mit einer insgesamt sechsteiligen Serie über das Trinken in Irland, wobei ich einerseits mich auf einzelne Aspekte der Trinkkultur dort konzentrieren will, andererseits aber auch jeden Post mit der Verkostung von einer bis zwei Spezialitäten verknüpfe. Wer sich also weder für Irland, noch für Bier, noch für irischen Whiskey interessiert, der muss erst wieder gegen Ende November hier vorbeischauen ... es sei denn, er sucht im Archiv nach Anderem. Der erste Beitrag nach der Miniserie dreht sich dann aber garantiert nicht um Whisk(e)y, das schwöre ich, so wahr ich Tamos Aqiunas heiße ;-)

Das Ganze hier ist das Ergebnis einer Urlaubs- bzw. Recherchereise von Plattfuss, dem Kleinen Roten Traktor, ein paar Freunden und mir auf dem Shannon-Erne Waterway im Norden der Grünen Insel, im gerade vergangenen September 2012. Da ich hier so gut wie nicht auf die generellen touristischen Aspekte der Reise eingehen will, empfehle ich - bei Interesse - einen Besuch auf meinem anderen Blog, wo parallel hierzu eine kleine Reihe über die (wie soll ich sagen) hausbooturlaubsartigen Aspekte läuft (mit Tipps, Sehenswürdigkeiten usw).

Ok, beginnen wir mit Teil Eins der allgemeinen Belehrung: Wie ich an anderer Stelle (wo genau weiß ich nicht mehr und bin gerade auch zu faul, es herauszusuchen) irgendwo mal geschrieben habe, streiten sich die Iren und die Schotten schon seit ewigen Zeiten darum, wer von beiden Völkern den Whiskey (die Schotten schreiben ihn bekanntlich ohne "e", aber solange wir über Irland berichten, bleiben wir mal bei der regionalen Schreibweise) erfunden hat. Bis jetzt ist es noch niemandem gelungen, die Sache abschließend zu klären, nicht einmal ausgewiesenen Experten wie Jim Murray. Belassen wir es für heute dabei, dass man gemeinhin davon ausgeht, dass der Whiskey (oder uisce beatha) ursprünglich in Irland erfunden wurde (wobei man diesen zuerst sicher mehr in der Art eines Potcheen genoss), dass jedoch die Schotten "leider" die erste urkundliche Erwähnung über die Herstellung vorweisen können (1494). Quel malheur, wie der Ire sagt.

Erwähnenswert ist die geradezu lächerlich geringe Anzahl von Destillerien in Irland; es sind derer nämlich nur noch (oder genauer gesagt: wieder) vier: (Old) Bushmills (in Ulster bzw. Nordirland, Diageo), (New) Midleton (Republik Irland, Pernod Ricard), Cooley (Republik Irland, Aktiengesellschaft) sowie Kilbeggan (Republik Irland, gehört zu Cooley). Aus diesen kommt alles, aber wirklich alles, was sich zur Zeit Irischer Whiskey nennen darf. Früher gab es mehr Brennereien, viele in Familienbesitz, aber der große Schlag kam mit der Prohibition in den USA Anfang des 20. Jahrhunderts, als der größte Exportmarkt für irischen Schnaps plötzlich wegbrach.

Irischer Whisky unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht vom schottischen Whisky. Erstens ist hier nicht der Single Malt die Norm, sondern der so genannte Pure Pot Still Whiskey, welcher aus gemälzter sowie ungemälzter Gerste besteht und in Pot Stills destilliert worden sein muss. Nicht zu verwechseln mit dem Pot Still Whiskey, der in einer Pot Still destilliert wurde, jedoch anstatt der ungemälzten Gerste auch anderes Getreide enthalten kann. Alles klar so weit? Es gibt darüber hinaus eine sehr große Zahl an Blends, jedoch nur wenige Single Malts. Zweitens ist irischer Whiskey in der Regel weicher und milder als schottischer, denn er wird  - von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen - dreifach destilliert. Schließlich wird beim Mälzen (bis auf die Connemara-Reihe von Cooleys) niemals Torffeuer verwendet, sondern ausschließlich Holz- oder Kohlenfeuer.

Die beiden ersten Whiskeys, die wir heute verkosten, sind "typische" Iren, also Blends mit jeweils 40 Volumenprozent und entstammen zwei verschiedenen Brennereien. Es sind beides Produkte, die man in Irland im Supermarkt findet. Der Danny Boy Premium kostete 30,- EUR (!), der Dunphy's Finest Old etwa 18,- EUR - zu den Getränkepreisen in Irland sage ich in einer der nächsten Folgen noch etwas. Den Preisunterschied zwischen beiden Whiskeys beim Lesen der Bewertung aber bitte im Hinterkopf behalten. Wir beginnen mit dem Danny Boy Premium (Danny Boy ist auch der Titel einer beliebten irischen Ballade). Er wird damit beworben, dass er in Fässern aus amerikanischer Weißeiche reifen konnte.


Art und Herkunft: Blended Whiskey, Republik Irland (Cooley)

Aussehen und Aroma: Hellgelb, wie ein Lagerbier, relativ viskos. Dünne, schnelle Legs, wie bei dem Alkoholgehalt und dem vermuteten Alter nicht anders zu erwarten. Ein relativ reiches Aroma von Rosinen, Vanille (die amerikanischen Fässer?) und etwas Pflaume.

Geschmack: Zuerst sehr scharf auf der Zungenspitze, deutlich Vanille und sehr viel Holz.

Abgang: Nur gerade so eben mittellang, eher kurz. Trockener.

Fazit: Nicht unangenehm, das Holz kommt für meinen Geschmack etwas stark heraus. In Deutschland würde ich nicht annähernd 30,- EUR dafür ausgeben wollen.

Weiter zum Dunphy's Finest Old. Er ist von Irish Distillers, also Pernod Ricard.


Art und Herkunft: Blended Whiskey, Republik Irland (Midleton)

Aussehen und Aroma: Dunkler Bernstein, von der Konsistenz ähnlich wie die Konkurrenz :-). Sehr wenig in der Nase, etwas Mandeln, leicht spritig.

Geschmack: Ebenfalls scharfes Ethanol im Antritt, etwas Süße im Mittelteil, sonst nichts los. Eventuell ein bisschen Vanille.

Abgang: Kurz, trocken.

Fazit: Ein Whiskey mit wenig Ausdruckskraft und deutlicher Schärfe.

Gesamtfazit: Qualitativ ist der Danny Boy etwas höher einzuschätzen ... allerdings hat auch dieser einige Haken und Ösen, so dass man sich überlegen kann, ob man für fast die Hälfte weniger nicht doch zum Dunphy's greift, wenn man (für irische Verhältnisse) einigermaßen günstig trinken will. So oder so lautet mein Tipp: Beide Whiskeys einige Minuten atmen lassen, dann verlieren sie etwas an Schärfe.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 20. Oktober 2012.

Picture Credits: "Danny Boy", "Dunphy's": TAQ

Samstag, 6. Oktober 2012

Tomatin 12 J. Sherry Cask (40% Vol.)

So, nachdem wir bereits letztes Mal über den Speyburn Bradan Orach gesprochen hatten, heute noch ein weiterer so genannter Einsteigerwhisky, diesmal von der Brennerei Tomatin. Der Zwölfjährige ist bereits für etwas über 20,- EUR im Einzelhandel zu bekommen und war deshalb unsere erste Wahl, als Novize Nobody sich mit einem Fläschchen an einer geselligen Runde bei Plattfuss beteiligen wollte. Die (teilweise) Lagerung im Sherryfass sowie die Herkunft aus den nördlichen Highlands sollten normalerweise für einen schmeichelnden, dennoch kräftigen ersten Eindruck sorgen.

Die Tomatin war lange Zeit eine der unauffälligen Destillerien. Sie hat viel weniger Publicity - jedenfalls als Hersteller von Single Malts - als andere Brennereien aus den Highlands, eventuell deshalb, weil sie zwar eine sehr hohe Produktionskapazität aufweist (theoretisch über 5 Mio. Liter reiner Alkohol pro Jahr, in den Siebzigern waren es bis zu 12 Mio. !), diese jedoch über viele Jahre fast ausschließlich in die Herstellung von Blends floss. Tomatin betreibt in seinen Anlagen insgesamt 12 Wash Stills und 11 Spirit Stills. Die Destillerie ist auch insofern etwas Besonderes, weil sie die erste schottische Brennerei war, die von Japanern aufgekauft wurde. Als sie 1985 pleite ging, fand sich in Takara Shuzo - einem japanischen Getränkekonzern - der sprichwörtliche weiße Ritter, der durch seine Investitionen die langfristige Gesundung von Tomatin einleitete. In den letzten Jahren hat man verstärkt versucht, das Profil als Hersteller von Single Malts zu schärfen. Mit The Antiquary und The Talisman werden aber weiterhin auch hochwertige Blends produziert. Der Zwölfjährige Single Malt hat den früher üblichen Zehnjährigen als Einstiegswhisky abgelöst; man scheint damit einem allgemeinen Trend bei schottischem Whisky zu folgen. Darüber hinaus gehören noch ein 15-, 18- und 30-jähriger zum Standardsortiment, nebst einigen Sonderabfüllungen und Raritäten.



Art und Herkunft: Single Malt, Highlands.

Aussehen und Aroma: Der Whisky hat eine dunkelgoldene Farbe. In der Nase zeigen sich bereits etwas Sherry und fruchtige Noten sowie ein eher dämpfender Eindruck von kalter Asche.

Geschmack: Ein ziemlich frischer Ausdruck mit leicht süßlich-fruchtigen Nuancen (Äpfel?) und trocken-nussigen Elementen. Etwas spritig im Mittelteil.

Abgang: Mittellang und trocken(er), ein bisschen bitter.

Fazit: Ein wenig komplexer Whisky, der sich tatsächlich ganz gut für erste Erfahrungen mit Single Malts eignet. Leider teilweise etwas ruppig.

Tipp: Obwohl er nur in regulärer Stärke abgefüllt ist, kann man ein ganz paar Tropfen Wasser gut dazugeben. Im Aroma zeigt sich dann eine Spur von Rhabarber und die scharfen Untertöne am Gaumen werden etwas gemildert.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 13. Oktober 2012.