Samstag, 10. November 2012

Irisches Stundenbuch, Teil V: Inishowen NAS (40% Vol.)


Am letzten Abend unserer Reise waren wir also in Dublin. Davon mal abgesehen, dass nach einer Woche auf dem Boot uns diese quirlige Großstadt wie ein Bild aus Dantes Inferno vorkam, hatten wir bei den Pubs und Bars natürlich freie Auswahl. Tatsächlich gibt es in Dublin (aber in gewisser Weise auch in ganz Irland) quasi an jeder Ecke eine Kneipe, welche im täglichen Leben der Menschen einen ähnlich großen Stellenwert einnimmt wie in meiner belgischen Heimat. Sie ersetzt Vielen das heimische Wohnzimmer als Ort des Austauschs und der Entspannung und die arbeitende Bevölkerung, bis hoch zum Banker oder Manager, sucht sie gerne nach Dienstschluss zu einem Feierabendbier auf und tat dies bereits lange bevor es den Begriff After Work Party gab. In der Hauptstadt Irlands gibt es selbstverständlich eine so große Auswahl an Pubs, dass für jeden Geschmack etwas dabei sein dürfte ... angefangen vom urtypischen Gasthaus an der Ecke bis hin zum mehrfach aufgebrezelten Pub/Sportsbar-Hybrid, wie dem Parnell. Apropos Sportsbar: Fernsehen läuft ohnehin in den meisten Kneipen, vorzugsweise mit Sport (und hier wiederum sehr gerne Pferde- oder Hunderennen oder der Nationalsport Gaelic Football).


Wer es besonders lebhaft mag, begibt sich abends am besten in den Bezirk Temple Bar (der Name hatte ursprünglich nichts mit Bar im Sinne von Trinken zu tun). Hier drängt sich alles, was jung, unternehmungslustig und/oder Tourist ist. Ein Partyerlebnis erster Kajüte, vergleichbar der Reeperbahn ohne sichtbare Prostitution oder der Bourbon Street in New Orleans. Allerdings natürlich auch dementsprechend teuer und stilistisch konfektioniert. Ein Muss ist wahrscheinlich die Temple Bar, welche immer brechend voll ist und sich brüstet, über 450 Whisk(e)ys aus aller Welt im Sortiment zu führen. In der Realität musste der Bartender leider doch recht oft passen, wenn er nach einer etwas exotischeren Flasche gefragt wurde, die auf der Karte stand, jedoch mysteriöserweise gerade nicht aufzufinden war. Die Preise in der Temple Bar sind mörderisch (Glas Connemara Cask Strength 13,50 EUR, Glas Whyte & Mackay immer noch stolze 5,80) - aber man muss wahrscheinlich mindestens einmal im Leben da gewesen sein.

Der heutige Whiskey war ein Kauf von Plattfuss am bereits erwähnten Dubliner Flughafen. Ein Blend aus dem reichhaltigen Sortiment von Cooley, geht in Irland für etwa 25,- EUR über die Ladentheke und ist somit kein ganz billiges Vergnügen, soll aber der einzig nennenswert torfige Blend aus Irland sein. Die Marke ist benannt nach der großen Halbinsel Inishowen ganz im Norden des Landes. Von einigen Experten wie Jim Murray wurde er positiv bewertet.


Art und Herkunft: Blended Whiskey, Republik Irland (Cooley)

Aussehen und Aroma: Er zeigt sich strohgelb in der Farbe und macht einen recht dünnflüssigen Eindruck. Wenig stark ausgeprägte Aromen; unterscheiden lassen sich frisches Gras, etwas Tabak und Asche.

Geschmack: Der Inishowen ist erdig und - wie angekündigt - leicht rauchig. Sonst fand ich relativ wenig, im Abschluss kommt noch ein wenig Tabak durch. Süßliche Untertöne.

Abgang: Eher kurz, malziger Nachgeschmack.

Fazit: Ich persönlich finde ihn wenig ausdrucksstark, aber insgesamt okay. Von der Empfindung her nichts wirklich Besonderes; gut trinkbar. Der Preis ist meines Erachtens für das, was geboten wird, etwas zu hoch.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 17. November 2012.

Picture Credits: "Temple Bar": Plattfuss; "Inishowen": TAQ

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