Samstag, 17. August 2013

Das totale Kriek, Teil I: Kriek Boon 2012 vs Kriek Boon Mariage Parfait 2009

Um es ganz deutlich vorneweg zu sagen: der Titel des Beitrags enthält keine Grammatik- bzw Rechtschreibfehler. Das totale Kriek war eigentlich ursprünglich eine Marketingidee von Plattfuss und mir, nämlich der Name, unter dem wir unser eigenes Kriek verkaufen wollten. Ideen, die morgens um drei geboren werden eben. Nachdem dieser Plan aus nahe liegenden Gründen auf die lange Bank geschoben wurde, beschlossen wir, den ach so lustigen Titel für eine Miniserie über belgische Kirschbiere zu verwenden. Daher also.

Anders als in der deutschen Wikipedia geschrieben steht (auch in der niederländischen Version wird dies nur kurz angerissen), muss ein Kriek heutzutage nicht mehr unbedingt Lambic/Lambiek enthalten (was das genau ist, habe ich hier bereits einmal erklärt) - mittlerweile gibt es auch Kirschbiere, die aus Weiß- oder Braunbieren gemacht werden, wie sich im weiteren Verlauf auch noch zeigen wird. Traditionell ist aber tatsächlich die Zubereitung mit Lambiek. Allerdings gibt es - wie bei den meisten Produkten - den kleinen, aber feinen Unterschied zwischen "traditionell" und traditionell ... und die heute getesteten Biere sind ein hervorragendes Beispiel, da es sich um Erzeugnisse ein und der selben Brauerei, jedoch mit verschiedenen Zielgruppen handelt.

Bereits seit 1680 lässt sich in Lembeek (einem Stadtteil der Stadt Halle im Tal der Senne in der Provinz Flämisch-Brabant) ein Brauhaus nachweisen, welches verschiedene Male den Besitzer wechselte und erst 1975 in die Hände der Familie Boon kam. Natürlich produziert man hier hauptsächlich Lambiek, denn nach Auffassung Vieler geht der Name Lambiek überhaupt auf den Namen der Gemeinde zurück, wo sie erfunden wurde (andere Versionen sagen, Lambiek käme vom Wort alambic, was natürlich ebenso gut sein kann). Wie auch immer, bereits seit 1875 wird hier Lambic gebraut und Geuze "gestochen", es ist also ein altehrwürdiges Handwerk hier in der Gegend. Grundsätzlich stellt die Brauerei so ziemlich alles her, was man traditionell aus Lambiek herstellt, also reine Geuze sowie auch diverse Fruchtbiere und Faro. Wie ich schon einmal im oben bereits verlinkten Artikel angemerkt habe, waren auch die Kirschbiere in alter Zeit ein reines Naturprodukt, welche Bier als Grundstoff sowie mehr oder weniger Kirschen enthielten, vorzugsweise die sauren aus dem Brüsseler Stadtteil Schaarbeek. Nun ist es ja so, und das hat sich auch bei anderen Getränken gezeigt, dass der heutige Konsument es lieber süß hat als herb oder sauer (oder woher kam sonst wohl der Trend mit den Biermischgetränken?). Also haben sich die "massentauglichen" (oder, neutraler formuliert, "konsumentenorientierten") Fruchtbiere ebenfalls dahingehend weiterentwickelt. Im Laufe der Zeit ging man dazu über, die Biere mit Zucker und Süßstoff zu süßen. In manchen Krieks aus Großproduktion sind auch teilweise gar keine Kirschen sondern nur noch Kirschsirup oder Kirscharoma vorhanden. Boon ist so weit nicht gegangen, bietet aber gleich drei verschiedene Krieks an, nämlich das "normale" (für den süßeren Zahn), das "alte" (hergestellt aus sehr adstringierender Alter Geuze, heute nicht im Test) sowie das Mariage Parfait, welches nach überlieferter Rezeptur hergestellt wird. Beide verkosteten Biere kommen in der traditionellen champagnerähnlichen Flasche, mit Naturkorken. Lambiek und seine Ableitungen sind sehr lange haltbar, das "normale" Kriek (hergestellt 2012) hat als MHD das Jahr 2016, das Mariage Parfait (2009) das Jahr 2031.


Bild: TAQ

Kriek Boon 2012 (4% Vol.)

Art und Herkunft: Kriek aus Lambiek (sechs Monate alt, mit 25% Kirschzusatz, gesüßt), Belgien (Flämisch-Brabant)

Aussehen und Aroma: Dunkel rubinrot, nur sehr wenig Schaum. Ein starkes Aroma von Kirschen, süß-säuerlich.

Geschmack: Spritzig; der relativ jung gebliebene Lambiek schlägt säuerlich durch. Erfrischend und weniger süß als erwartet.

Abgang: Sehr kurz, mit einem leicht herb-säuerlichen Nachbrenner.

Fazit/Tipp: Wie alle Krieks sollte auch dieses relativ kalt getrunken werden (die Brauerei empfiehlt den Konsum bei 6° Celsius). Schon ein massentaugliches Kriek, aber dankenswerterweise weniger süß und künstlich als so manch anderes. Boon verwendet echte Kirschen für den Geschmack (drei verschiedene Sorten, darunter Schaarbeeker), das zahlt sich in der Qualität definitiv aus.


Kriek Boon Mariage Parfait 2009 (8% Vol.)

Art und Herkunft: Kriek aus Lambiek (ein Jahr alt, Zusatz von 4 Kilo Kirschen auf einen Liter Bier, kein Zucker und kein Süßstoff, weitere sechs Monate Nachgärung auf Flaschen), Belgien (Flämisch-Brabant)

Aussehen und Aroma: Völlig undurchsichtig, dunkelrot bis schwarz. Mehr Schaum als der jüngere Bruder, sehr stark säuerliche Nase, die Kirschen treten schon eher in den Hintergrund.

Geschmack: Wow! Wirklich sauer, der Gaumen zieht sich merklich zusammen. Kaum Süße, die Fruchtigkeit der Kirschen tritt erst im Mittelteil auf, dann aber schon spürbar.

Abgang: Kurz aber nicht unauffällig. Recht trocken.

Fazit/Tipp: Ebenfalls kalt genießen. Die Brauerei empfiehlt, die Flaschen noch einige Jahre im Keller zu lassen, bevor man sie trinkt. Bei einer Mindesthaltbarkeit von 20 Jahren kein großes Problem. Kriek, wie es früher einmal schmeckte. Muss man probiert haben, ist aber kein ganz einfacher Genuss.

Gesamtfazit: Ich muss leider gestehen, dass mir das "normale" Kriek von Boon etwas besser runtergeht, das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass auch ich verweichlicht bin mit der Zeit. Das traditionelle Kriek sollte allerdings seinen Platz in der Welt der Biere auf jeden Fall behalten und ist jedem Bierliebhaber zumindest hin und wieder wärmstens ans Herz zu legen.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 24. August 2013.





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