Dienstag, 29. Oktober 2013

Zwischendurch: Termine November 2013

Lokal und Regional

Uncorked 2013 (Osnabrück: 15. November)

Historischer Weihnachtsmarkt (Osnabrück: 25. November bis 22. Dezember)

National

7. WhiskyBotschaft (Rostock: 16. November)


InterWhisky (Frankfurt: 22. bis 24. November)

International

8th Williamsburg Cask Beer Festival (Brooklyn, NY, USA: 1. bis 4. November)

20. Weekend der Belgische Bieren (Hasselt, Belgien: 8. bis 10. November)

Barbados Food & Wine & Rum Festival (Barbados: 22. bis 25. November)


4th Caribbean Rum and Beer Festival
(Grenada: 22. und 23. November)



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Haftungsausschluss: Alle Angaben ohne Gewähr. Änderungen und Irrtümer vorbehalten. Änderungen von Veranstaltungsorten und/oder -terminen liegen in der Verantwortung des jeweiligen Veranstalters. Informieren Sie sich daher zusätzlich bitte auf den offiziellen Veranstaltungsseiten.

Samstag, 26. Oktober 2013

Sind so kleine Biere, Teil XIII: De 7 Deugden

Die Brauerei De 7 deugden im äußersten Westen Amsterdams existiert erst seit dem Jahr 2010, feierte also heuer ihren dritten Geburtstag. Dennoch wurde die gesamte Einrichtung, die man wahrscheinlich ursprünglich gebraucht übernommen hatte, in diesem Jahr komplett erneuert (neue Braukessel, neue Lagertanks, usw). Nur die Webseite hinkt noch etwas hinterher und wimmelt nur so von lorem ipsum. Die Brauerei "zu den sieben Tugenden" (obwohl hier die sieben "himmlischen Tugenden", nämlich Demut, Wohltätigkeit, Keuschheit, Geduld, Mäßigung, Wohlwollen und Fleiß gemeint sind, handelt es sich nicht um eine kirchliche Firma) legt im alltäglichen Handeln allerdings tatsächlich Wert auf Tugendhaftigkeit. Sie beschäftigt hauptsächlich - und zu meinem positiven Erstaunen musste ich feststellen, dass sie damit in den Niederlanden nicht die einzige Brauerei ist - Personen, die einen "Rückstand" (so die Übersetzung aus dem Niederländischen) gegenüber anderen haben und "für die eine normale Arbeitsstelle nicht selbstverständlich ist." Mit anderen Worten: die Brauerei ist den beschützenden Werkstätten zuzuordnen. 

Angeboten werden insgesamt sieben Biere, deren Namensgebung sich an das Thema "Tugendhaftigkeit" irgendwie anlehnt. So gibt es dann Biere mit Namen wie Arm+Zindelijk (Arm und/aber ehrlich), die aber auch auf das jeweilige Geschmacksthema Bezug nehmen (Zomer+Hooi, Sommer und Heu). Ausdrücklich versteht die Firma sich als Hersteller von Spezialbieren, also Bieren mit einem besonderen, oft auch exotischem Geschmack. Vielfach findet sich auch die Angabe, dass man eine bestimmte Brautradition oder Sorte bei der Herstellung im Auge gehabt habe. Wirklich viel Gewinn fällt zur Zeit wohl noch nicht an; bei den oben erwähnten Renovierungsarbeiten mussten Spender und freiwillige Helfer mittun.

Bild: TAQ

Scherp+Zinnig (5% Vol.)

Art und Herkunft: "Pilsartiges Bier", Nordholland

Aussehen und Aroma: Hell, wie man erwarten sollte, leicht trüb. Kleine, feste Krone. Leicht und frisch in der Nase, etwas fruchtige Untertöne.

Geschmack: Leicht bitter. Noten von Obstkorb. Kochbanane.

Abgang: Recht hopfig und trocken.

Fazit: Ein angenehmes und frisches, allerdings auch wenig aufregendes Bier. Für den deutschen Pilstrinker gut geeignet.


Dubbel+Dik (6,5% Vol.)

Art und Herkunft: "Nach dem Vorbild der belgischen Dubbels", Nordholland

Aussehen und Aroma: Sehr viel Schaum, farblich wie dunkles Holz, trüb. Dunkler Bodensatz. Schon deutlich fruchtiger, interessante Nuancen von Zitrusfrüchten.

Geschmack: Im Mund sehr weich und sanft. Am Gaumen malzig aber sonst wenig los. Vielleicht Schokolade im Hintergrund?

Abgang: Kurz und sanft.

Fazit: Süffig und einfach zu trinken. Wenig Aufregung.


Scheepsrecht (7% Vol.)

Art und Herkunft: "Nach dem Vorbild der belgischen Tripels", Nordholland

Aussehen und Aroma: Farbe wie dunkles Heu. Kleine Krone. Nach Brauereiangaben mit Nelken gewürzt; dies spürt man deutlich im Geruch.

Geschmack: wieder deutlich die Nelken im Antritt, schweflig-süßer Mittelteil.

Abgang: Kurz, etwas Gewürz (Kardamon?)

Fazit: Das Scheepsrecht wird sehr schnell fade im Glas. Recht frisch angesichts der Tatsache, dass es ein Tripel ist, im Geschmack für mich persönlich dennoch eher durchschnittlich.

Gesamtfazit: Tendenziell sehr schöne Bierchen, die man gut trinken kann. Das Scheepsrecht ist von den verkosteten Dreien deutlich das Schlusslicht. Schade, dass man Produkte von De 7 deugden wohl nicht sehr häufig im Laden sehen wird.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 2. November 2013.

Samstag, 19. Oktober 2013

Old Pulteney 12 J. (40% Vol.)

Die Stadt Wick ist so ziemlich das nördlichste Stück Schottland, das man betreten kann, ohne sich die Füße nass zu machen oder ein Schiff zu besteigen. Mithin ist die Brennerei (Old) Pulteney die nördlichste auf dem britischen Festland (Highland Park und Scapa liegen noch weiter nördlich, allerdings auf den Orkney-Inseln). Die Destillerie und der Whisky haben übrigens ihren Namen von Sir William Pulteney, nach dem auch die Stadt Pulteneytown, wo das Werksgelände sich befindet, benannt war, bevor sie nach Wick eingemeindet wurde. Übrigens ist auch der Name Wick keineswegs schottischen Ursprungs, sondern kommt aus dem Altnorwegischen (Wick ist eine Gründung der Wikinger) und bedeutet so viel wie Bucht. Der Name kommt auch in Deutschland einige Male vor, z.B. im Kieler Stadtteil Wik oder in der Inselstadt Wyk auf Föhr.

Pulteney gehört seit 1995 zu Inver House, welches seinerseits zwischen 2006 und 2008 schrittweise von International Beverage Holdings aus Hong Kong geschluckt wurde. Der Hausstil wird allgemein als maritim beschrieben, was auf der Firmenhomepage auch durchgängig visuell umgesetzt ist. Die Flaschen von Old Pulteney ziert seit jeher ein Fischerboot, was auch Sinn ergibt, da dessen Heimatstadt Wick einst ein wichtiger Fischereihafen war. Die Brennerei hat heute nur noch zwei Stills, eine davon ist eine etwas ungewöhnliche wash still, da ihr der typisch gebogene "Schwanenhals" fehlt. Der mündlichen Tradition zufolge wurde dieser beim Aufbau abgeschnitten, da er sonst nicht in das Gebäude gepasst hätte. Auf jeden Fall sind die Whiskyflaschen der Firma in der Form dieser wash still nachempfunden. Die Lagerung des Whiskys erfolgt bei Pulteney traditionell in Bourbonfässern; das Lager fasst etwa 30.000 Stück. Ein guter Teil der Produktion geht in die Blends von Ballantine's.

Im Brennereiportfolio finden sich aktuell die Altersstufen 12, 17, 21 und 30 sowie ein Whiskylikör und eine Limited Edition, die nach bekannten Booten aus der Region benannt ist, aktuell der Spectrum WK217. Das Design wurde in den letzten zwei Jahren einer moderaten Erneuerung unterzogen, das Bild unten zeigt noch die alte Aufmachung der Flasche. Für einen Single Malt ist der heute besprochene 12-jährige recht günstig, es gibt ihn immer noch für unter 30,- EUR zu kaufen. Meine Flasche habe ich für 28,- im Fachhandel erstanden.

Vor den eigentlichen Verkostungsnotizen muss ich eben noch das Akustikdesign der Brennerei loben, der Whisky gab ein wunderschönes, tieftönendes gluck gluck gluck beim Einschenken.

Bild: TAQ

Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (Northern)

Aussehen und Aroma: Bernsteinfarben. Im Geruch wirklich extrem maritim: Jod, Seegras, Seebrise, Möwengeschrei. Fruchtige Untertöne von Pflaume und Papaya.

Geschmack: Zuerst viel Karamell, Süße. Merklich weniger maritim als in der Nase. Ein bisschen Salz, nur wenig Rauch. Eher frisch und fruchtig. Obstschnitte. Sherry.

Abgang: Mittellang, an der Grenze zu Lang. Immer deutlicher Pfeffer, dann auch noch mehr Salz.

Fazit/Tipp: Der Old Pulteney hat mir persönlich sehr gut gefallen, auch im Freundeskreis wurde er gerne genommen. Wer die Torfigkeit der (meisten) Islay-Whiskys nicht so mag, findet hier eventuell einen Malt mit Meerescharakter ohne den Rauch. Erinnert mich ein wenig an ähnliche Abfüllungen von Arran. Für den Preis eigentlich schon ein must have.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 26. Oktober 2013.


Samstag, 12. Oktober 2013

Inchmurrin 15 J. Originalabfüllung vs Inchmurrin 15 J. Signatory

Manchmal diktiert ganz klar der Zufall, was hier im Blog erscheint. Ich bestelle online ein Fläschchen fünfzehn Jahre alten Inchmurrin als Originalabfüllung (official bottling - OB); Plattfuss bestellt zur gleichen Zeit, ohne dass ich davon weiß, ebenfalls einen selbigen, allerdings von Signatory. Das daraus resultierende und spontan angesetzte Tasting hat dann natürlich seinen ganz eigenen Reiz, denn sooo oft hat man ja auch nicht Gelegenheit, einmal eine OB und eine unabhängige Abfüllung desselben Alters miteinander zu vergleichen. Auch jahrgangsmäßig liegen die beiden nicht weit auseinander: Das Original wurde 1997 hergestellt und 2012 auf Flaschen gezogen; die Signatory 1996 bzw. 2011.

Was sollte man unbedingt über Inchmurrin wissen? Zunächst einmal, dass es keine Brennerei dieses Namens gibt, denn der Whisky wird bei Loch Lomond in Alexandria (das schottische natürlich, nicht das ägyptische) hergestellt, allerdings in Brennblasen mit besonderen Kondensatoreinsätzen, die den Produktionsprozess somit von dem für die unter dem Namen Loch Lomond vermarkteten Whiskys unterscheidet. Und das ist wahrscheinlich auch gut so, denn wenn man das Blog-Archiv durchforstet, stellt man fest, dass ich von den beiden bisher verkosteten Loch Lomonds wenig bzw. weniger als wenig begeistert war. Die Brennerei ist wohl eine der unattraktivsten und industriell wirkendsten Anlagen in der Maltbranche ... das kommt noch erschwerend hinzu. Besondere Werbung macht Loch Lomond gar nicht für die Marke Inchmurrin; es gibt keine eigene Webseite (wobei die der Mutterfirma ja ohnehin schon notorisch schwach gestaltet ist), lediglich im Onlineshop wird man dann irgendwann fündig. Weitere Whiskys der Brennerei Loch Lomond sind - neben Loch Lomond und Inchmurrin -  Inchfad, Inchmoan (was witzig ist, wenn man weiß, dass moan das englische Wort für jammern ist), Old Rhosdhu und Croftengea (torfig). Die Brennerei hatte wegen der Vielzahl ihrer verschiedenen Brennblasen und der Tatsache, dass dort zum Beispiel in Coffey Stills auch Malt Whisky hergestellt wurde/wird, in der Vergangenheit öfter einmal Ärger mit der Scotch Whisky Association (SWA), sodass die Firma bis heute nicht Mitglied in dieser Lobbyvereinigung geworden ist. In den vergangenen zwei bis drei Jahren kamen auch Umsatzeinbußen und Outsourcing von Arbeitsplätzen dazu; Anfang 2013 gab es Gerüchte über den Verkauf an einen amerikanischen Finanzinvestor.

Die Firma Signatory (eigentlich Signatory Vintage Scotch Whisky Company Ltd) gibt es schon seit Ende der achtziger Jahre, um genau zu sein seit 1988, als sie aus einer Vorgängerfirma (deren Gründungsdatum mir nicht bekannt ist) namens Laserblend Ltd hervorging. Die Brüder Brian und Andrew Symington hatten ursprünglich die Idee (die nicht umgesetzt wurde), jede Flasche von einer berühmten Persönlichkeit (Filmstars, Rockstars, ...) unterschreiben zu lassen, daher der Name. Signatory hat leider keine eigene Webseite, gelegentlich wird auf die Homepage von Edradour verwiesen. Diese Brennerei wurde bereits 2002 von Signatory gekauft, die Suche auf der Webseite verläuft dann aber trotzdem im Sande. Federführend bei der nunmehr verschmolzenen Firma in der Nähe von Pitlochry ist Andrew Symington, und der hat es anscheinend nicht so mit der Webpräsenz - auch die Seite von Edradour ist ja mehr als lahm. Anyway, Signatory - seit nun mehr als zehn Jahren mit eigener Brennerei in der Hinterhand - war auch bereits vor dem Kauf einer der größten und wichtigsten unabhängigen Abfüller Schottlands, mit eigenem, sehr umfangreichen Fasslager. Im wesentlichen beschränkt sich das Portfolio auf drei Bereiche: die "normale" Reihe (ohne Farbstoff), die unchillfiltered collection und die cask strength collection (beide Namen dürften selbsterklärend sein). Der heute besprochene Inchmurrin von Signatory kostete online knapp 33,- EUR, die Originalabfüllung lag etwa 6,- EUR darüber.

Bild: TAQ

Inchmurrin 15 J. (1997/2012), Originalabfüllung (46% Vol.)

Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (Western)

Aussehen und Aroma: Eine sehr hochwertig aussehende Metalltube umschließt eine recht hohe, schlanke Flasche mit modernem Design. Der Whisky selbst ist relativ hell und weißlich gelb, wie ein Veltliner Wein vielleicht. Laut Etikett ist er non-chillfiltered und unpeatedDer Geruch ist im ersten Moment etwas scharf mit deutlichem Aceton. Dann satte, süße Eindrücke von Trauben und Rosinen, eventuell Pfirsich. Warmer Stein am Strand.

Geschmack: Im Antritt ebenfalls wieder deutlich scharf, mit traubiger Süße. Zitrusfrüchte im Hintergrund. Sandelholz. Zimt. Vielleicht ein bisschen Honig.

Abgang: Mittel, weniger Holz als zu Anfang.

Fazit/Tipp: Ein Schluck Wasser ist durchaus angemessen; das leicht spritige Element verschwindet dadurch fast ganz und er wird auch noch etwas zitruslastiger. Alles in allem ein doch sehr ordentlicher, nicht rauchiger Whisky, deutlich besser gebrannt als die Whiskys mit Namen Loch Lomond.


Bild: TAQ

Inchmurrin 15 J. (1996/2011), Signatory (43% Vol.)

Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (Western)

Aussehen und Aroma: Die Standardverpackung von Signatory in den Farben (kupfer)rot und beige finde ich jetzt nicht soooo schön und auch etwas altbacken, aber das Etikett zeigt, wie bei der Firma üblich, einige interessante Zusatzinformationen (Art des Fasses, Fassnummer, Flaschennummer, Anzahl der insgesamt abgefüllten Flaschen). Der Whisky ist dunkler als der der OB, eher dunkelgelb, wie länger gelagertes Heu. Eine sehr angenehme Nase mit vielen Nuancen: Traube, Mirabelle, frisches Eigelb, Banane, frisches Holz, Haselnuss.

Geschmack: Zunächst recht weich, mit ebenfalls deutlichen Spuren von Banane und etwas Grapefruit. Später dann ein wenig Schärfe, Vollmilchschokolade und Marshmallows. Deutliches Eichenholzfass.

Abgang: Lang, viel Holz.

Fazit/Tipp: Bei Zugabe von Wasser wandeln sich die starken Holznoten mehr in Zitrusfrucht um. Andererseits wird er dann doch sehr schlapp, die Verdünnung ist also insofern nicht unbedingt zu empfehlen. Ansonsten ebenfalls ein gut gestalteter Single Malt, der ein durchaus vielseitiges Erlebnis bieten kann.

Gesamtfazit: Das Duell Original gegen Unabhängiger Abfüller geht in diesem Falle mehr oder weniger unentschieden aus. Beides sind gut trinkbare, gefällige Tropfen mit ein paar geringfügigen Abstrichen. Letztendlich ist es eine Geschmacksfrage:  Wer mehr Holz im Geschmack möchte, ist beim Signatory besser aufgehoben, dafür punktet die Brennereiabfüllung mit etwas mehr Würze und Feuer. Up to you.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 19. Oktober 2013.