Samstag, 12. Oktober 2013

Inchmurrin 15 J. Originalabfüllung vs Inchmurrin 15 J. Signatory

Manchmal diktiert ganz klar der Zufall, was hier im Blog erscheint. Ich bestelle online ein Fläschchen fünfzehn Jahre alten Inchmurrin als Originalabfüllung (official bottling - OB); Plattfuss bestellt zur gleichen Zeit, ohne dass ich davon weiß, ebenfalls einen selbigen, allerdings von Signatory. Das daraus resultierende und spontan angesetzte Tasting hat dann natürlich seinen ganz eigenen Reiz, denn sooo oft hat man ja auch nicht Gelegenheit, einmal eine OB und eine unabhängige Abfüllung desselben Alters miteinander zu vergleichen. Auch jahrgangsmäßig liegen die beiden nicht weit auseinander: Das Original wurde 1997 hergestellt und 2012 auf Flaschen gezogen; die Signatory 1996 bzw. 2011.

Was sollte man unbedingt über Inchmurrin wissen? Zunächst einmal, dass es keine Brennerei dieses Namens gibt, denn der Whisky wird bei Loch Lomond in Alexandria (das schottische natürlich, nicht das ägyptische) hergestellt, allerdings in Brennblasen mit besonderen Kondensatoreinsätzen, die den Produktionsprozess somit von dem für die unter dem Namen Loch Lomond vermarkteten Whiskys unterscheidet. Und das ist wahrscheinlich auch gut so, denn wenn man das Blog-Archiv durchforstet, stellt man fest, dass ich von den beiden bisher verkosteten Loch Lomonds wenig bzw. weniger als wenig begeistert war. Die Brennerei ist wohl eine der unattraktivsten und industriell wirkendsten Anlagen in der Maltbranche ... das kommt noch erschwerend hinzu. Besondere Werbung macht Loch Lomond gar nicht für die Marke Inchmurrin; es gibt keine eigene Webseite (wobei die der Mutterfirma ja ohnehin schon notorisch schwach gestaltet ist), lediglich im Onlineshop wird man dann irgendwann fündig. Weitere Whiskys der Brennerei Loch Lomond sind - neben Loch Lomond und Inchmurrin -  Inchfad, Inchmoan (was witzig ist, wenn man weiß, dass moan das englische Wort für jammern ist), Old Rhosdhu und Croftengea (torfig). Die Brennerei hatte wegen der Vielzahl ihrer verschiedenen Brennblasen und der Tatsache, dass dort zum Beispiel in Coffey Stills auch Malt Whisky hergestellt wurde/wird, in der Vergangenheit öfter einmal Ärger mit der Scotch Whisky Association (SWA), sodass die Firma bis heute nicht Mitglied in dieser Lobbyvereinigung geworden ist. In den vergangenen zwei bis drei Jahren kamen auch Umsatzeinbußen und Outsourcing von Arbeitsplätzen dazu; Anfang 2013 gab es Gerüchte über den Verkauf an einen amerikanischen Finanzinvestor.

Die Firma Signatory (eigentlich Signatory Vintage Scotch Whisky Company Ltd) gibt es schon seit Ende der achtziger Jahre, um genau zu sein seit 1988, als sie aus einer Vorgängerfirma (deren Gründungsdatum mir nicht bekannt ist) namens Laserblend Ltd hervorging. Die Brüder Brian und Andrew Symington hatten ursprünglich die Idee (die nicht umgesetzt wurde), jede Flasche von einer berühmten Persönlichkeit (Filmstars, Rockstars, ...) unterschreiben zu lassen, daher der Name. Signatory hat leider keine eigene Webseite, gelegentlich wird auf die Homepage von Edradour verwiesen. Diese Brennerei wurde bereits 2002 von Signatory gekauft, die Suche auf der Webseite verläuft dann aber trotzdem im Sande. Federführend bei der nunmehr verschmolzenen Firma in der Nähe von Pitlochry ist Andrew Symington, und der hat es anscheinend nicht so mit der Webpräsenz - auch die Seite von Edradour ist ja mehr als lahm. Anyway, Signatory - seit nun mehr als zehn Jahren mit eigener Brennerei in der Hinterhand - war auch bereits vor dem Kauf einer der größten und wichtigsten unabhängigen Abfüller Schottlands, mit eigenem, sehr umfangreichen Fasslager. Im wesentlichen beschränkt sich das Portfolio auf drei Bereiche: die "normale" Reihe (ohne Farbstoff), die unchillfiltered collection und die cask strength collection (beide Namen dürften selbsterklärend sein). Der heute besprochene Inchmurrin von Signatory kostete online knapp 33,- EUR, die Originalabfüllung lag etwa 6,- EUR darüber.

Bild: TAQ

Inchmurrin 15 J. (1997/2012), Originalabfüllung (46% Vol.)

Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (Western)

Aussehen und Aroma: Eine sehr hochwertig aussehende Metalltube umschließt eine recht hohe, schlanke Flasche mit modernem Design. Der Whisky selbst ist relativ hell und weißlich gelb, wie ein Veltliner Wein vielleicht. Laut Etikett ist er non-chillfiltered und unpeatedDer Geruch ist im ersten Moment etwas scharf mit deutlichem Aceton. Dann satte, süße Eindrücke von Trauben und Rosinen, eventuell Pfirsich. Warmer Stein am Strand.

Geschmack: Im Antritt ebenfalls wieder deutlich scharf, mit traubiger Süße. Zitrusfrüchte im Hintergrund. Sandelholz. Zimt. Vielleicht ein bisschen Honig.

Abgang: Mittel, weniger Holz als zu Anfang.

Fazit/Tipp: Ein Schluck Wasser ist durchaus angemessen; das leicht spritige Element verschwindet dadurch fast ganz und er wird auch noch etwas zitruslastiger. Alles in allem ein doch sehr ordentlicher, nicht rauchiger Whisky, deutlich besser gebrannt als die Whiskys mit Namen Loch Lomond.


Bild: TAQ

Inchmurrin 15 J. (1996/2011), Signatory (43% Vol.)

Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (Western)

Aussehen und Aroma: Die Standardverpackung von Signatory in den Farben (kupfer)rot und beige finde ich jetzt nicht soooo schön und auch etwas altbacken, aber das Etikett zeigt, wie bei der Firma üblich, einige interessante Zusatzinformationen (Art des Fasses, Fassnummer, Flaschennummer, Anzahl der insgesamt abgefüllten Flaschen). Der Whisky ist dunkler als der der OB, eher dunkelgelb, wie länger gelagertes Heu. Eine sehr angenehme Nase mit vielen Nuancen: Traube, Mirabelle, frisches Eigelb, Banane, frisches Holz, Haselnuss.

Geschmack: Zunächst recht weich, mit ebenfalls deutlichen Spuren von Banane und etwas Grapefruit. Später dann ein wenig Schärfe, Vollmilchschokolade und Marshmallows. Deutliches Eichenholzfass.

Abgang: Lang, viel Holz.

Fazit/Tipp: Bei Zugabe von Wasser wandeln sich die starken Holznoten mehr in Zitrusfrucht um. Andererseits wird er dann doch sehr schlapp, die Verdünnung ist also insofern nicht unbedingt zu empfehlen. Ansonsten ebenfalls ein gut gestalteter Single Malt, der ein durchaus vielseitiges Erlebnis bieten kann.

Gesamtfazit: Das Duell Original gegen Unabhängiger Abfüller geht in diesem Falle mehr oder weniger unentschieden aus. Beides sind gut trinkbare, gefällige Tropfen mit ein paar geringfügigen Abstrichen. Letztendlich ist es eine Geschmacksfrage:  Wer mehr Holz im Geschmack möchte, ist beim Signatory besser aufgehoben, dafür punktet die Brennereiabfüllung mit etwas mehr Würze und Feuer. Up to you.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 19. Oktober 2013.

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