Donnerstag, 28. November 2013

2. Inoffizielles Whiskybefürworter-Treffen, Teil I

Fast genau zwei Jahre waren es nun bald, seit Plattfuss die Whiskyselbsthilfegruppe zu sich nach Hause eingeladen hatte, um sie zum Erfahrungsaustausch nebst Konsum von Haggis und Dudelsackspiel zu bewegen. Viel zu lange her, so war das einhellige Urteil. Daher ließ P. sich dankenswerterweise breitschlagen, seine mehr als luxuriösen Räumlichkeiten erneut zur Verfügung zu stellen. Die Gästeliste hatte sich zwar seit 2012 etwas geändert, die gemeldeten Alkoholika waren erheblich umfangreicher geworden ... aber der Haggis wurde auch dieses Mal als traditionelle Stärkung gereicht und die folkloristische musikalische Untermalung passte ebenfalls - wenn auch nicht mehr live gespielt wurde.

Den Bericht über das Tasting werde ich diesmal etwas anders gestalten als 2012, daher wird er sich aber - aufgrund der großen Menge an verkosteten Whiskys - über drei Teile erstrecken müssen, die ich alle noch vor Weihnachten posten möchte. Es gibt also zu jedem Whisky meine vollständigen Verkostungsnotizen, aufgelockert durch ein paar Bilder, jedoch ohne allzu ausführliche Hintergrundgeschichte, sonst werden wir ja nie fertig. Die Reihenfolge, in der die guten Tropfen hier vorgestellt werden, entspricht der Reihenfolge, wie wir sie an dem Abend probiert haben, wobei wir versuchten, einigermaßen von den eher leichten - jedenfalls was wir dafür hielten - zu den schwereren überzugehen.

Nachstehend zur besseren Verständlichkeit noch einmal die Anwesenden und die Whiskys, die sie eingebracht haben. Es flogen noch ein paar Blends in der Gegend rum, zu denen ich mir aber keine Notizen gemacht habe und die daher weiter hinten im Bericht auch nicht mehr auftauchen. Die Zahlen in Klammern zeigen die chronologische Reihenfolge bei der Verkostung. Wir beginnen im ersten Teil des Berichts also mit [1].
  • Plattfuss (Gastgeber)
    • Inchmurrin 15 J. Signatory [4]
    • Tullibardine John Black [6]
    • Glen Keith 17 J. Signatory [10]
    • Tomintoul Peaty Tang [13]
    • Caol Ila Moch [14]
  • Black Arab
    • Balvenie Doublewood [1]
    • Redbreast 15 J. [5]
    • Glenlivet 18 J. [8]
    • Glenfarclas Probierset (15, 21, 25) [9]
  • Nobody
    • Der Falckner 10 J. [7]
    • Bowmore 15 J. [11]
    • Dimple, Teacher's
  • Tomas Aquinas
    • Kavalan Concertmaster [2]
    • Blaue Maus [3]
    • Inchmurrin 15 J. Originalabfüllung [4]
    • Benriach Septendecim 17 J. [12]
    • Kilchoman Machir Bay 2013 [15]

[1] Balvenie Doublewood 12 J. (40% Vol.)

Zu diesem Whisky habe ich bereits einen ausführlichen Bericht geschrieben; bitte hier klicken.


Bild: TAQ

[2] Kavalan Concertmaster Port Cask Finish NAS (40% Vol.)

Die Destillerie Kavalan sitzt in Taiwan und ist relativ jung: erst im Jahre 2008 wurde der erste Whisky abgefüllt. Sie befindet sich im Besitz der King Car Group, die viele verschiedene Lebensmittel, auch Getränke, herstellt. Das gesamte Know-how wurde aus Schottland importiert. Die Whiskys sind mit drei bis vier Jahren sehr jung, sollen aber aufgrund des warmen und feuchten Klimas in Asien erheblich schneller reifen als vergleichbare Produkte aus z.B. Europa.  Ich habe den Concertmaster zum Geburtstag geschenkt bekommen; er kostet online um die 60,- EUR.

Art und Herkunft: Single Malt, Taiwan

Aussehen und Aroma: Rostbraun und rötlich in der Farbe. Nase: Früchte, auch exotische. Papaya, Granatapfel, Rhabarber.

Geschmack: Weniger fruchtig als man dem Geruch nach erwartet hätte. Das Portweinfass kommt sehr stark durch, sehr süßlich und schillernd. In Weinbrand eingelegte Pflaumen. Im Mittelteil recht trocken.

Abgang: Mittellang und trocken. Aftershave.

Fazit/Tipp: Mit etwas Wasser kommt etwas mehr Getreide durch. In der Nase entwickeln sich zusätzliche Zitrusnoten. Insgesamt etwas enttäuschend, der Concertmaster. Das Aroma verspricht, was der Geschmack nicht hält. Mir persönlich zu parfümiert-aufdringlich.

Bild: TAQ

[3] Blaue Maus 2002/2013 (40% Vol.)

Robert Fleischmann gebührt die Ehre, der erste deutsche Destillateur gewesen zu sein, der einen rein deutschen Single Malt herstellte (die Brennerei nahm 1983 ihren Betrieb auf). Beim hier verkosteten Whisky handelt es sich um einen elf Jahre alten Single Cask (Fass Nr. 2), den ich in einer 0,2 l-Probierflasche in München erstanden habe. Eine ausgewachsene Flasche kostet um die 40,- EUR. Das Produkt ist nicht gefärbt und nicht kaltfiltriert.

Art und Herkunft: Single Malt, Deutschland (Franken)

Aussehen und Aroma: Offiziell "bernstein", ich selbst finde ihn etwas heller, strohgolden. Geruchlich gewöhnungsbedürftig: leerstehender Heuschober. Frisches Holz und Bootslack. Trockenfutter. Weihnachtliche Noten im Hintergrund: Persipan, Zimt.

Geschmack: Leicht trocken, muffige Zwischentöne. Naphthalin. Süßliche Eindrücke wie von Amaretto. Shiitake-Pilze.

Abgang: Mittel, leicht staubig.

Fazit/Tipp: Huch, was ist denn da los? Natürlich ist einer der Reize (aber auch eine der Gefahren) beim Single Cask, dass das Produkt großer Veränderlichkeit unterliegt, da Geschmack, Aroma, usw. ja sehr stark vom jeweiligen Fasscharakter abhängen. Ganz ehrlich gesagt hat mir diese Blaue Maus nicht so besonders zugesagt. Ich finde die Probe, die ich zu beurteilen hatte, insgesamt irgendwie muffig.

[4] Inchmurrin 15 J. (1997/2012), Originalabfüllung (46% Vol.) und Inchmurrin 15 J. (1996/2011), Signatory (43% Vol.)

Diese beiden Whiskys habe ich vor kurzer Zeit schon einmal gemeinsam besprochen; bitte hier klicken.

[5] Redbreast 15 J. (46% Vol.)

Redbreast ist ein Produkt von Irish Distillers, die auch andere wichtige irische Whiskeys wie Jameson's und Green Spot herstellen. Die Basisabfüllung ist der zwölfjährige, der hier vorgestellte ältere Bruder ist deutlich seltener und auch teurer (er kostet in der Regel locker über 60,- EUR). Er ist nicht kaltfiltriert.

Art und Herkunft: Single Pot Still, Irland (Midleton)

Aussehen und Aroma: Dunkler Bernstein mit einem schönen Schimmer. Eher würzig als süß. Starkes Eichenfass. Kampfer.

Geschmack: Kräftig im Antritt. Klebstoff. Ethanolschärfe im Mittelteil. Ebenfalls sehr starkes Fass. Strengere Noten zum Ende hin. Kettenöl.

Abgang: Mittel bis lang. Wärmend. Die Zunge wird leicht taub.

Fazit: Ein eher würziger Whiskey, der nicht so mein Geschmack ist. Die öligen Eindrücke nach dem Mittelteil stören mich etwas. Ansonsten sauber destilliert.

Zwischenfazit: Bei der ersten Runde der Verkostung machten diejenigen Whiskys, die ich bereits vorher verkostet hatte, auch den besten Eindruck - also der Balvenie und die beiden Inchmurrins. Ansonsten fand ich den Redbreast noch ganz okay.

Der nächste Teil des Tastings erscheint am 7. Dezember 2013.



Dienstag, 26. November 2013

Zwischendurch: Termine Dezember 2013

Lokal und Regional

Historischer Weihnachtsmarkt (Osnabrück: 25. November bis 22. Dezember)

National

Ein Weihnachtsmarkt in Ihrer Nähe! ;-)


International

18th Portland Holiday Ale Festival (Portland, OR, USA: 4. bis 8. Dezember)

12th Harwich and Dovercourt Bay Winter Ale Festival 
(Dovercourt, England: 4. und 5. Dezember)

Kerstbierfestival (Essen, Belgien: 14. und 15. Dezember)



Interessante Veranstaltung gefunden? Nachricht an uns, bitte!

Haftungsausschluss: Alle Angaben ohne Gewähr. Änderungen und Irrtümer vorbehalten. Änderungen von Veranstaltungsorten und/oder -terminen liegen in der Verantwortung des jeweiligen Veranstalters. Informieren Sie sich daher zusätzlich bitte auf den offiziellen Veranstaltungsseiten.

Samstag, 23. November 2013

Blairmhor 8 J. (40% Vol.)

Ich hatte neulich schon irgendwann mal geschrieben, dass ich für 2013 eigentlich den guten Vorsatz hatte, mehr Blended Malt zu konsumieren bzw. auch "nebenbei" zu besprechen. So ganz viele sind es in der Rückschau nun doch nicht geworden, allerdings liegen ein paar Notizen tatsächlich noch auf Halde, die ich jetzt mal so Schritt für Schritt abbauen will.

Beginnen wir heute also mal mit dem Blairmhor ("Großes Feld"). Die Flasche, die unten abgebildet ist, stammt noch aus dem Jahr 2012, das Design wurde meines Wissens in der Zwischenzeit geändert. Im Internet spukt auch noch ein Single Malt selben Namens herum, allerdings bisher meines Wissens nur im Forum von dem Hotte seiner Frau ihrem Laden nachweisbar. Seltsam. Nun gut: ich erstand den Blairmhor irgendwann Anfang des Jahres in Enschede, unserer nächstgrößeren niederländischen Stadt, bei einem der Spirituosenläden (Gall & Gall oder Mitra, ich weiß nicht mehr).  Schnaps ist ja in den Niederlanden teurer als bei uns, so kaufte ich erstmal nur eine halbe Flasche (0,35 l), die alleine schon 11,90 kostete. Bei uns ist er deutlich günstiger, eine ganze Flasche gibt es in Deutschland schon für unter 20,- EUR. Er ist auch nicht wirklich unbekannt, im Netz findet man eine ganze Menge; er soll aus über 20 Single Malts verschnitten sein, was nicht schlecht wäre.

Laut Etikett wird er hergestellt von R. Carmichael & Sons Ltd, Airdrie (Lanarkshire). Dahinter steckt natürlich niemand anderes als Inver House, einer der wirklich ganz Großen im Whiskygeschäft. Die Firma wurde bereits 1964 gegründet, war aber bereits damals nicht unabhängig sondern Tochterfirma einer amerikanischen Gruppe. Seit 2001 gehören sie aber zu InterBev, ihrerseits ein Zweig von ThaiBev. Inver House ist deshalb so wichtig, weil ihr ganze fünf Maltbrennereien gehören, nämlich Balblair, Balmenach (keine Webseite), Knockdhu/Ancnoc , (Old) Pulteney und Speyburn. Irgendwelche von denen werden also wohl auch im Blairmhor vertreten sein.

Die Firmenwerbung beschreibt den Whisky als smooth und uncomplicated, was natürlich nicht immer positiv sein muss.

Bild: TAQ

Art und Herkunft: Blended/Vatted Malt, Speyside und Highlands (Northern)

Aussehen und Aroma: Heller Honig, mittelgold. Intensive Nase, fruchtigsüß. Honig und etwas Bohnerwachs? Karamellbonbon.

Geschmack: Geschmeidig. Etwas Pfeffer auf der Zungenspitze. Bienenhonig. Ganz vereinzelte Getreidenoten. Gerste. Wenig Torf in der Hinterhand. Erdig.

Abgang: Mittel bis lang. Sanft. Etwas Pfeffer.

Fazit: Gut ausbalanciert und gut zu trinken. Weder extrem auffällig noch extrem banal. Für den Preis (Deutschland!) absolut okay. Wenn jemand den Antritt zu pfeffrig findet, kann man gut noch etwas Wasser dazugeben. Dadurch verzögert sich der Kick etwas. Ein wenig Heidekraut kommt dazu. Insgesamt lag das Etikett gar nicht so daneben ...

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint ausnahmsweise schon am 28. November 2013.

Samstag, 16. November 2013

Glen Orchy 8 J. (40% Vol.)

Irgendwann im letzten Frühling war ich mal wieder bei Lidl - wo ich sonst nicht so oft bin - und schaute mir mal die Spirituosen an. Eigentlich war ich auf dem Weg zu meiner Mutter und wollte ihr noch schnell ein Fläschchen mitbringen. Sie war damals noch auf dem Trip, den Scotch von Lidl (Queen Margot) trinken zu müssen, nicht dass hier alle denken, ich würde für mein altes Mütterchen nur Schnaps vom Discounter springen lassen. Mittlerweile habe ich ihr den Dämon allerdings etwas ausgetrieben und sie bekommt jetzt regelmäßige Infusionen mit Black Grouse, immerhin. Aber das ist ja ein anderes Thema. Also ... ich stand vor dem Schnapsregal und sah die Flasche Glen Orchy in der Zone für nicht ständig am Lager seiende Produkte stehen ... und schlug für 11,99 dann doch spontan zu. Ein Vatted Malt, acht Jahre alt, immerhin.

Aber bevor ich sie trank, wollte ich unbedingt wissen, wo sie herkam. So aus Neugier. Und überhaupt und so. Also, Beginn der Detektivarbeit. Die Flasche ist ziemlich auffällig, dreieckig. Ich dachte natürlich sofort an Grant's (von William Grant & Sons). Aber was steht auf dem Etikett? The Clydesdale Scotch Whisky Company (CSWC). Nun gab es mal eine Clydesdale Destillery in den Lowlands, diese schloss allerdings schon kurz nach dem 1. Weltkrieg ihre Tore, also wohl keine Verwandtschaft. Weiterhin gibt es eine Clydesdale Original Scotch Whisky Company (die übrigens nicht in Schottland sondern in Tunbridge Wells, Kent, sitzt) - aber die sind eigentlich unabhängige Abfüller von Single Malts und haben auch einen Disclaimer auf ihrer Webseite, wo sie darauf hinweisen, dass sie eine ganz andere Firma sind als die Clydesdale Scotch Whisky Company. Puuh. Na gut, also doch eine Handelsmarke von Lidl? Nein.

Ein Blick ins offizielle britische Firmenregister schuf dann endlich Klarheit. Die CSWC wird dort unter der Nummer SC333869 geführt, als dormant company (inaktive Firma), das heißt, sie hat - mit ein paar Ausnahmen - keinen aktiven Zahlungsverkehr (mehr). Dies bedeutet nicht die Insolvenz, wird aber oft in Firmen so gehandhabt, deren Namen man schützen will (als Marke), da die Firma weiterexistiert. Adresse: 148 Terregles Avenue, Glasgow G414RR. Schauen wir mal auf Google Maps. Hmmm. Keine Firmengebäude weit und breit. Ein paar graue Ein- und Zweifamilienhäuser. Nach ein paar weiteren Klicks ist die Sache klar. Es ist eine Briefkastenfirma von (Trommelwirbel) Whyte & Mackay. Die sitzen ja immerhin auch in Glasgow. Ok, Endstation. Aber die beteiligten Destillerien kennen wir immer noch nicht. Wenn es von Whyte & Mackay ist, könnte Tamnavulin mit drin sein. Oder Jura. Oder Fettercairn. Oder Dalmore. Aber wer weiß. Auf zur Verkostung.

Auf der Flasche steht, er biete delicious flavours of creamy toffee, chocolate, marzipan and dried fruits.

Bild: TAQ

Art und Herkunft: Blended/Vatted Malt, Schottland

Aussehen und Aroma: Bernsteinfarben, relativ dunkel. Farbjustiert. Eine recht süße Nase. Junge Eiche, Vanille. Etwas Rosinen in der Hinterhand. Weichkaramellen.

Geschmack: Ein sehr weiches Mundgefühl. Kurz nach der ersten Benetzung der Zunge schon die erste Schärfe. Auch wieder recht süß. Toffee finde ich nicht so, aber das mit dem Marzipan kommt hin. Etwas Bitterkeit, Roggenbrötchen. Zartbitterschokolade.

Abgang: Mittel, kräftige Eiche. Warm.

Fazit: Ein ziemlich nivellierter, angepasster Schluck ohne Überraschungen. Leicht zu trinken. Wenige neue Eindrücke. Für den wirklich geringen Preis aber praktisch schon eine Kaufempfehlung.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 23. November 2013.

Samstag, 9. November 2013

The Big Smoke 60 NAS (2012) vs Big Peat Christmas Edition 2012 NAS

So, jetzt aber schnell! Die diesjährige Christmas Edition von Big Peat steht quasi vor der Tür und ich habe noch nicht mal die vom letzten Jahr besprochen. Für 2013 hatte ich mir eigentlich vorgenommen, mich mehr auf Vatted Malts zu konzentrieren - aber so ganz hat das wohl nicht geklappt. Okay, ein paar mehr als 2012 hatte ich ja tatsächlich probiert; leider sind es jedoch nicht so viele geworden, wie ich gehofft hatte. Nun, zumindest kann ich heute zwei echte Konkurrenten in den Ring steigen lassen, denn es sind beides Vatted Malts und kommen beide von Islay. Und werden beide von bekannten unabhängigen Abfüllern verantwortet.

Über die Standardedition von Big Peat habe ich vor gut zwei Jahren schon einmal was geschrieben, damals war ich noch nicht so fürs Torfige, mittlerweile trinke ich ihn aber - so wie andere Sachen in der gleichen Richtung - sehr gerne. Einiges hat sich mittlerweile getan, und damit meine ich nicht die regelmäßig erscheinenden Weihnachtsabfüllungen. Nein, am 1. Mai diesen Jahres hörte der Traditionsabfüller Douglas Laing (gegründet 1948) in seiner bisherigen Form auf zu existieren. Die beiden Firmeninhaber, Fred und Stewart Laing entschieden sich für eine brüderliche Trennung und Aufteilung der Aktiva und Passiva, mithin auch des Portfolios (für eine genauere Aufschlüsselung siehe hier). Fred Laing führt die (neue) Douglas Laing & Co, während Stewarts Unternehmen unter Hunter Laing & Co firmiert. Beide sitzen weiterhin in Glasgow. 

Die Big Peat-Reihe, die auch eine eigene Webseite hat, wird indes weiter für Douglas Laing hergestellt. Außer durch die Verpackung unterscheidet sich die Christmas Edition hauptsächlich durch die stärkere Abfüllung von der Standardausführung (diese hat stets 46 Umdrehungen) ... und sie geht als small batch durch (unsere Flasche kam aus Fass Nummer 36). Sie ist daher üblicherweise auch ein paar EURO teurer und durchbricht mitunter locker die 50er Schallmauer.

Der Big Smoke 60 wird von Duncan Taylor produziert, einem wichtigen unabhängigen Abfüller, der mittlerweile in Huntly in der Speyside angesiedelt ist und neben Whisky auch mit Rum handelt. Gegründet wurde die Firma sogar noch zehn Jahre früher als die Konkurrenz in Glasgow und sie spezialisiert sich auf recht bekannte Single Malt-Reihen wie Rarest of the Rare, aber eben auch Vatted Malts wie The Big Smoke und The Auld Reekie (ebenfalls ein Blended Malt von Islay, 10jährig). Ferner wird der Blended Scotch Black Bull angeboten. Den Big Smoke gibt es in der (hier vorgestellten) Variante mit 60% Vol. sowie in einer schwächeren mit 46% Vol. (früher 40). Die Flaschen wurden - gleichzeitig mit der Trinkstärkenumstellung der "Basisversion" - im Design geändert, nicht zu ihrem Vorteil, wie ich finde, aber das ist Geschmackssache. Das Foto unten zeigt jedenfalls noch die alte Ausstattung, die meiner Meinung nach mehr Klasse hat als die Neue. Gekostet hat mich die Flasche etwa 45,- EUR.

Bild: TAQ


The Big Smoke 60 NAS, 2012 (60% Vol.)

Art und Herkunft: Blended/Vatted Malt, Islay (Caol Ila, Bruichladdich, Ardbeg)

Aussehen und Aroma: Ziemlich hell, safranfarben. Eine mächtige Nase, männlich. Leder und Sattelfett. Stark jodlastig. Dichter Kiefernwald.

Geschmack: Im Antritt eher frisch und prickelnd. Dann plötzlich scharf, roter Pfeffer. Überwältigend. Trocken und erdig. Ganz versöhnlich zum Schluss ein Hauch Aprikose.

Abgang: Lang. Etwas Nelken und Zimt? Warm.

Fazit/Tipp: Ein fast schon brutaler Whisky, der provozieren will. Für Zwischentöne ist wenig Platz. Plattfuss klassifizierte den Geschmack als "irgendwo zwischen Smokehead und Peat's Beast". Mit Wasser ist er etwas milder und erhält einen kleinen Zitrus-Kick.

Bild: TAQ


Big Peat Christmas Edition 2012 NAS (53,6% Vol.)

Art und Herkunft: Blended/Vatted Malt, Islay (Ardbeg, Caol Ila, Bowmore, Port Ellen)

Aussehen und Aroma: Sehr hell, Weißwein. Ein ländliches Aroma: Holzfeuer, Räucherspeck. Menthol.

Geschmack: Süßer als die Konkurrenz. Mineralisch: Kreide, Schiefer. Schneller trocken wirkend.

Abgang: Ebenfalls lang. Recht trocken. Dunkle Schokolade. 

Fazit/Tipp: Mit Wasser wird er weicher aber auch glatter. Die Aromen sind dichter. Ein trockener Whisky der an Holzhütten und Räucheröfen denken lässt.

Gesamtfazit: Ich habe beide Whiskys genossen und kann mich schwer entscheiden. Der Big Peat wirkt etwas gefälliger und komponierter, dafür macht die rohe Kraft des Big Smoke Lust auf mehr. Ich würde sagen: unentschieden. Plattfuss bevorzugt klar den Big Peat.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 16. November 2013.








Samstag, 2. November 2013

Islay Mist Deluxe NAS (40% Vol.)

Nicht jeder Neueinsteiger muss - oder sollte - meines Erachtens unbedingt gleich mit Single Malts anfangen. Die Gefahr, sich zu "vergreifen", gerade wenn man die Geschmacksknospen noch nicht ausgebildet hat, kann einem einen Schock für das Leben versetzen. Und einen auch wieder vom Whisky wegbringen. Ein schöner Blend wäre da eine nahe liegende Alternative, denn ein Blend ist ja in der Regel komponiert, um zu gefallen. Man muss ja deswegen auch nicht gleich langweilig trinken sondern kann sich natürlich auch für ein Produkt entscheiden, was ein wenig mehr Bums hat. Unter dem Gesichtspunkt habe ich heute mal einen Blended Scotch ausgewählt, den man zwar nicht sooo oft, aber doch ab und zu mal im Regal stehen sieht. Einen Blend, der damit wirbt, einen Gutteil Islay-Malts (in diesem Falle Laphroaig, heißt es in mehreren Quellen) zu enthalten. Da steht der Islay Mist zwar nicht alleine, siehe den hier bereits wohlwollend besprochenen Black Bottle, jedoch sticht er insofern hervor, als dass er von einem der etwas kleineren Blender (MacDuff International Ltd.) hergestellt wird und es ihn nicht nur in der Abfüllung ohne Altersangabe sondern auch noch in den Altersstufen 8, 12 und 17 gibt. Die Glasgower Firma MacDuff (keine Verbindung zur gleichnamigen Destillerie, die auch unter Glen Deveron firmiert) wurde 1992 gegründet und vertreibt neben der Islay Mist-Serie noch die Produkte Grand Macnish (Blended Scotch und Blended/Vatted Malt), Lauder's (Blended Scotch) sowie einen Gin, einen Wodka und eine Reihe von "Supermarktwhiskys" für den heimischen Markt (u.a. Cumbrae Castle und Regent). Der Islay Mist Deluxe (ohne Altersangabe) wird von der Firma mit folgenden Worten beworben: 

Islay Mist Deluxe was the first whisky to proudly bear the Great Seal of Islay. Using larger amounts and better quality single malts than any other blended whisky at its price, Islay Mist is the perfect blend both for newcomers to the wonders of Islay Scotch whiskies and to the hardened Islay fan looking for all the Islay experience without breaking the bank.

Er ist in der Regel für knapp unter 20,- EUR gut zu bekommen und liegt damit preislich ebenfalls in der Nähe des anderen "Islay-Blends" Black Bottle.


Bild: TAQ

Art und Herkunft: Blended Scotch, Lead Whisky(s) von Islay.

Aussehen und Aroma: Bernstein. Relativ dominanter Torfrauch, nasses Gras. Etwas Klebstoff. Schwarzwälder Schinken.

Geschmack: Wässrige sensorische Eindrücke. Im Antritt medizinisch. Etwas Süße im Mittelteil, ein Hauch von Kakao. Scharf.

Abgang: Mittel bis mittellang. Anhaltende Schärfe. Pelziges Mundgefühl. Ganz am Ende Kiefernfurnier.

Fazit: Nicht wirklich schlecht aber beileibe auch nicht wirklich gut. Für einen Blend in dieser mittleren Preisklasse doch schon überraschend scharf und unausgewogen. Im Vergleich ist z.B. der Black Bottle, auch unter dem Aspekt der Einsteigerverträglichkeit, doch deutlich stimmiger komponiert. Eventuell sollte man den älteren Abfüllungen des Islay Mist noch mal eine Chance geben, vielleicht wirken diese ja reifer und gefälliger. Ich persönlich werde mir vom Deluxe wohl eher keine weitere Flasche mehr holen.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 9. November 2013.