Donnerstag, 28. November 2013

2. Inoffizielles Whiskybefürworter-Treffen, Teil I

Fast genau zwei Jahre waren es nun bald, seit Plattfuss die Whiskyselbsthilfegruppe zu sich nach Hause eingeladen hatte, um sie zum Erfahrungsaustausch nebst Konsum von Haggis und Dudelsackspiel zu bewegen. Viel zu lange her, so war das einhellige Urteil. Daher ließ P. sich dankenswerterweise breitschlagen, seine mehr als luxuriösen Räumlichkeiten erneut zur Verfügung zu stellen. Die Gästeliste hatte sich zwar seit 2012 etwas geändert, die gemeldeten Alkoholika waren erheblich umfangreicher geworden ... aber der Haggis wurde auch dieses Mal als traditionelle Stärkung gereicht und die folkloristische musikalische Untermalung passte ebenfalls - wenn auch nicht mehr live gespielt wurde.

Den Bericht über das Tasting werde ich diesmal etwas anders gestalten als 2012, daher wird er sich aber - aufgrund der großen Menge an verkosteten Whiskys - über drei Teile erstrecken müssen, die ich alle noch vor Weihnachten posten möchte. Es gibt also zu jedem Whisky meine vollständigen Verkostungsnotizen, aufgelockert durch ein paar Bilder, jedoch ohne allzu ausführliche Hintergrundgeschichte, sonst werden wir ja nie fertig. Die Reihenfolge, in der die guten Tropfen hier vorgestellt werden, entspricht der Reihenfolge, wie wir sie an dem Abend probiert haben, wobei wir versuchten, einigermaßen von den eher leichten - jedenfalls was wir dafür hielten - zu den schwereren überzugehen.

Nachstehend zur besseren Verständlichkeit noch einmal die Anwesenden und die Whiskys, die sie eingebracht haben. Es flogen noch ein paar Blends in der Gegend rum, zu denen ich mir aber keine Notizen gemacht habe und die daher weiter hinten im Bericht auch nicht mehr auftauchen. Die Zahlen in Klammern zeigen die chronologische Reihenfolge bei der Verkostung. Wir beginnen im ersten Teil des Berichts also mit [1].
  • Plattfuss (Gastgeber)
    • Inchmurrin 15 J. Signatory [4]
    • Tullibardine John Black [6]
    • Glen Keith 17 J. Signatory [10]
    • Tomintoul Peaty Tang [13]
    • Caol Ila Moch [14]
  • Black Arab
    • Balvenie Doublewood [1]
    • Redbreast 15 J. [5]
    • Glenlivet 18 J. [8]
    • Glenfarclas Probierset (15, 21, 25) [9]
  • Nobody
    • Der Falckner 10 J. [7]
    • Bowmore 15 J. [11]
    • Dimple, Teacher's
  • Tomas Aquinas
    • Kavalan Concertmaster [2]
    • Blaue Maus [3]
    • Inchmurrin 15 J. Originalabfüllung [4]
    • Benriach Septendecim 17 J. [12]
    • Kilchoman Machir Bay 2013 [15]

[1] Balvenie Doublewood 12 J. (40% Vol.)

Zu diesem Whisky habe ich bereits einen ausführlichen Bericht geschrieben; bitte hier klicken.


Bild: TAQ

[2] Kavalan Concertmaster Port Cask Finish NAS (40% Vol.)

Die Destillerie Kavalan sitzt in Taiwan und ist relativ jung: erst im Jahre 2008 wurde der erste Whisky abgefüllt. Sie befindet sich im Besitz der King Car Group, die viele verschiedene Lebensmittel, auch Getränke, herstellt. Das gesamte Know-how wurde aus Schottland importiert. Die Whiskys sind mit drei bis vier Jahren sehr jung, sollen aber aufgrund des warmen und feuchten Klimas in Asien erheblich schneller reifen als vergleichbare Produkte aus z.B. Europa.  Ich habe den Concertmaster zum Geburtstag geschenkt bekommen; er kostet online um die 60,- EUR.

Art und Herkunft: Single Malt, Taiwan

Aussehen und Aroma: Rostbraun und rötlich in der Farbe. Nase: Früchte, auch exotische. Papaya, Granatapfel, Rhabarber.

Geschmack: Weniger fruchtig als man dem Geruch nach erwartet hätte. Das Portweinfass kommt sehr stark durch, sehr süßlich und schillernd. In Weinbrand eingelegte Pflaumen. Im Mittelteil recht trocken.

Abgang: Mittellang und trocken. Aftershave.

Fazit/Tipp: Mit etwas Wasser kommt etwas mehr Getreide durch. In der Nase entwickeln sich zusätzliche Zitrusnoten. Insgesamt etwas enttäuschend, der Concertmaster. Das Aroma verspricht, was der Geschmack nicht hält. Mir persönlich zu parfümiert-aufdringlich.

Bild: TAQ

[3] Blaue Maus 2002/2013 (40% Vol.)

Robert Fleischmann gebührt die Ehre, der erste deutsche Destillateur gewesen zu sein, der einen rein deutschen Single Malt herstellte (die Brennerei nahm 1983 ihren Betrieb auf). Beim hier verkosteten Whisky handelt es sich um einen elf Jahre alten Single Cask (Fass Nr. 2), den ich in einer 0,2 l-Probierflasche in München erstanden habe. Eine ausgewachsene Flasche kostet um die 40,- EUR. Das Produkt ist nicht gefärbt und nicht kaltfiltriert.

Art und Herkunft: Single Malt, Deutschland (Franken)

Aussehen und Aroma: Offiziell "bernstein", ich selbst finde ihn etwas heller, strohgolden. Geruchlich gewöhnungsbedürftig: leerstehender Heuschober. Frisches Holz und Bootslack. Trockenfutter. Weihnachtliche Noten im Hintergrund: Persipan, Zimt.

Geschmack: Leicht trocken, muffige Zwischentöne. Naphthalin. Süßliche Eindrücke wie von Amaretto. Shiitake-Pilze.

Abgang: Mittel, leicht staubig.

Fazit/Tipp: Huch, was ist denn da los? Natürlich ist einer der Reize (aber auch eine der Gefahren) beim Single Cask, dass das Produkt großer Veränderlichkeit unterliegt, da Geschmack, Aroma, usw. ja sehr stark vom jeweiligen Fasscharakter abhängen. Ganz ehrlich gesagt hat mir diese Blaue Maus nicht so besonders zugesagt. Ich finde die Probe, die ich zu beurteilen hatte, insgesamt irgendwie muffig.

[4] Inchmurrin 15 J. (1997/2012), Originalabfüllung (46% Vol.) und Inchmurrin 15 J. (1996/2011), Signatory (43% Vol.)

Diese beiden Whiskys habe ich vor kurzer Zeit schon einmal gemeinsam besprochen; bitte hier klicken.

[5] Redbreast 15 J. (46% Vol.)

Redbreast ist ein Produkt von Irish Distillers, die auch andere wichtige irische Whiskeys wie Jameson's und Green Spot herstellen. Die Basisabfüllung ist der zwölfjährige, der hier vorgestellte ältere Bruder ist deutlich seltener und auch teurer (er kostet in der Regel locker über 60,- EUR). Er ist nicht kaltfiltriert.

Art und Herkunft: Single Pot Still, Irland (Midleton)

Aussehen und Aroma: Dunkler Bernstein mit einem schönen Schimmer. Eher würzig als süß. Starkes Eichenfass. Kampfer.

Geschmack: Kräftig im Antritt. Klebstoff. Ethanolschärfe im Mittelteil. Ebenfalls sehr starkes Fass. Strengere Noten zum Ende hin. Kettenöl.

Abgang: Mittel bis lang. Wärmend. Die Zunge wird leicht taub.

Fazit: Ein eher würziger Whiskey, der nicht so mein Geschmack ist. Die öligen Eindrücke nach dem Mittelteil stören mich etwas. Ansonsten sauber destilliert.

Zwischenfazit: Bei der ersten Runde der Verkostung machten diejenigen Whiskys, die ich bereits vorher verkostet hatte, auch den besten Eindruck - also der Balvenie und die beiden Inchmurrins. Ansonsten fand ich den Redbreast noch ganz okay.

Der nächste Teil des Tastings erscheint am 7. Dezember 2013.



Keine Kommentare: