Sonntag, 29. Dezember 2013

Zwischendurch: Termine Januar 2014

Lokal und Regional

Nüscht los!


National

Hanse Spirit Hamburg (Hamburg: 31. Januar bis 2. Februar)


International

25th Exeter & East Devon Beer Festival (Exeter, England: 10. und 11. Januar)


21. Winterbierfestival (Gouda, Niederlande: 19. Januar)

Manchester Beer & Cider Festival (Manchester, England: 22. bis 25. Januar)


Interessante Veranstaltung gefunden? Nachricht an uns, bitte!


Haftungsausschluss: Alle Angaben ohne Gewähr. Änderungen und Irrtümer vorbehalten. Änderungen von Veranstaltungsorten und/oder -terminen liegen in der Verantwortung des jeweiligen Veranstalters. Informieren Sie sich daher zusätzlich bitte auf den offiziellen Veranstaltungsseiten.

Samstag, 28. Dezember 2013

Deutscher Moonshine (55% Vol.)

Ich kann nichts dafür, dass diese Verkostung anfing wie ein schlechter Agentenkrimi. Das Einzige, was nicht ganz stilecht war, war das Setting: Nicht in einem monegassischen Spielcasino sondern auf einer recht gut besuchten Grillparty in der Schrebergartenkolonie begann sie. Aber, wie man sehen wird, geheimnisvoll genug war sie auf jeden Fall. Hochsommer 2013 und - wie gesagt - ich war auf einer Grillparty in den lokalen Kleingärten eingeladen. Als ich mich gerade an der Bar versorgt hatte, trat ein Typ auf mich zu, den ich zwar vorher schon mal gesehen, jedoch noch nie wirklich gesprochen hatte und den ich auch nicht weiter einordnen konnte (Name, Beruf, sexuelle Orientierung, ...). Aber irgendwie so etwas wie der Freund eines Freundes eines Bekannten, das beschreibt es wohl recht gut. Er quatschte mich auch sofort an und fragte, ob ich nicht Tomas Aquinas sei. Als ich bejahte, sagte er mir, er habe etwas für mich, was ich beizeiten einmal verkosten solle. Und stellte das unten abgebildete Einmachglas vor mich hin.

Auf meine fragenden Blicke erwiderte er, es sei der schwarz gebrannte (richtiger wohl: geheim gebrannte) Moonshine eines seiner Bekannten. Über den Bekannten könne er mir natürlich weiter nichts verraten, das Ganze sei ja bekanntlich illegal. Dafür hatte ich natürlich Verständnis, fragte aber, ob der Bekannte denn wohl zumindest für ein Interview, gerne auch per email über anonyme Adressen wie z.B. Guerrillamail, bereit sei. Denn mich hätte die Arbeit eines echten Geheimbrenners natürlich brennend (kein Wortspiel beabsichtigt) interessiert. Aber da man mich anscheinend vom Blog her kannte und als Testperson ausgewählt hatte, war die Frage wohl vorauszusehen gewesen: Nein, wurde mir gesagt - der Geheimbrenner habe keinerlei Wunsch, mit mir in Kontakt zu treten und werde auch sonst keine Fragen beantworten. Nun gut, damit musste ich mich wohl zufriedengeben, bestand aber aus Sicherheitsgründen darauf, dass der geheimnisvolle Bote, bevor er seinen Abschied nahm, noch einen guten Schluck aus dem Einmachglas tat. Die Gründe dafür brauche ich wohl weiter nicht zu erläutern, sie zeigen jedoch, dass ich ein durchaus misstrauischer Mensch bin.

Nachteil an der ganzen Sache ist, dass ich nun leider gar keine weiteren Hintergrundinformationen zu dem Produkt liefern kann. Man kann natürlich spekulieren, so viel man will: fest steht a) dass das private Brennen von Spirituosen in Deutschland illegal ist und b) deshalb bestraft werden kann, je nach Schwere des Vergehens (in der Regel Geldstrafe). Gehen wir davon aus, dass es sich bei unserem Mr. X um einen Hobbybrenner handelt, der das Ganze aus Spaß an der Freud macht und nicht, um mit illegalem Schnaps richtig Kohle zu scheffeln. In dem Fall hat er vielleicht nur eine kleine Destille in der Garage oder im Geräteschuppen, die sich einfach zerlegen und tarnen lässt. Wie dieser Link zeigt, gibt es für recht kleines Geld ja schon durchaus ansehnliche kupferne Mini-Stills, die vom Amt teilweise toleriert werden, sofern man keinen Schindluder damit treibt (Destilliervermögen maximal 0,5 Liter). Grundsätzlich reichen aber auch ein paar Haushaltspötte, einfache Kühlmittel sowie ein paar Teile aus dem Chemiebaukasten, Eimer, Trichter usw.

Bild: TAQ

Art und Herkunft: New Make Spirit/Moonshine, Deutschland [unbekannter Brenner]

Aussehen und Aroma: Farbe - na was denkt Ihr wohl? Durchsichtig! Keine Trübungen, keine Schwebeteilchen erkennbar. Geruchlich teilweise streng, teilweise stechend bis süßlich. Aceton. Blumenerde und frische Sägespäne. Ein Hauch von Wacholder?

Geschmack: Im Antritt sehr raß. Im Mittelteil deutlich besser und süßer. Erdig und leichter Torf. Wieder Wacholder.

Abgang: Sehr kurz, heiß.

Fazit/Tipp: Mit etwas Wasser deutlich milder und noch etwas süßer. Ein Hauch von Zitrus weht hindurch. Wirkt dennoch etwas künstlich. Wegen des Nervenkitzels insgesamt eine gute Note, ein interessantes Experiment. Gut, so etwas mal zu probieren aber nichts für den täglichen Gebrauch. Wegen der fehlenden Infos schwer zu kategorisieren. Aufgrund des deutlichen Wacholderthemas eventuell sogar ein angehender Gin?

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 4. Januar 2014.

Dienstag, 24. Dezember 2013

Samstag, 21. Dezember 2013

Sazerac Rye 6 J. (45% Vol.)

Hach ja ... New Orleans. Lang, lang ist es her, dass ich da gelebt und gearbeitet habe. Ein junger Mensch war ich damals, voller Hoffnungen und Ideale, schnief (man imaginiere an dieser Stelle bitte mich, heimlich eine Träne vergießend). Obwohl, naja ... Ideale: nebbich. Wie dem auch sei: das alles war einige Jahre vor dem großen Sturm, der aus der Stadt eine andere gemacht hat. Allerdings: feiern kann man dort wohl immer noch wie eh und je und es ist eine der wenigen Städte in den USA, die es mit dem Alkohol ja normalerweise etwas enger sehen, wo man auch auf der Straße (zumindest im Touristenviertel des French Quarter) dem Trunke frönen darf, insbesondere in der Form von Cocktails. Einer der ältesten dieser Gattung ist der so genannte Sazerac, welcher wohl vor dem amerikanischen Bürgerkrieg in New Orleans erfunden wurde und der heute in Prinzip in jeder anständigen Bar der Welt erhältlich sein müsste. Der Sazerac, der laut wikipedia im Jahre 2008 vom Parlament des Staates Louisiana zum "offiziellen Cocktail der Stadt New Orleans" ernannt wurde, basierte ursprünglich auf einem französischen Cognac gleichen Namens, welcher aber später von einem amerikanischen Rye Whiskey (der per Definition aus mindestens 51 Prozent Roggenmaische bestehen muss) als Ingredienz verdrängt wurde. 

Nun sitzt nicht allzu weit von New Orleans die größte, privat geführte Spirituosenfirma auf amerikanischem Boden, die Sazerac Company, welche nach dem Cocktail benannt ist und folglich auch einen Rye Whiskey herstellt, der als Zutat für diesen dienen kann und ebenfalls Sazerac heißt. Zur selben Firma gehören auch sehr bekannte Marken wie Buffalo Trace (Bourbon), House of Harris (Gin) sowie viele - hauptsächlich für den amerikanischen Markt hergestellte - Scotchs und American Whiskeys (also meistens Blends).

Den Sazerac Rye Whiskey gibt es in drei Variationen: sechs Jahre alt (Standard, hier vorgestellt), 18 Jahre alt und Thomas Handy (Sonderedition o.J., in Erinnerung an den Gründer der Firma). In Deutschland ist der Sazerac 6 für einen amerikanischen Whiskey schon recht hochpreisig, er kostet meistens so um die 50,- EUR.


Bild: TAQ

Art und Herkunft: Rye Whiskey, USA

Aussehen und Aroma: Sehr dunkler Bernstein, macht einen öligen Eindruck im Glas. Sehr intensiv mit süßen Noten: Rosenblütentee und Vanillepudding. 

Geschmack: Zuerst etwas Schärfe und Eichenholz, ganz wenig Nelken. Bourbonvanille. Rumrosinen.

Abgang: Lang und wärmend. Hier vielleicht eher ein Hauch von Anis zum Ende hin?

Fazit/Tipp: Mit einem Schuss Wasser gibt es noch mehr Vanille im Geschmack, ebenso mehr Nelken. Eine Andeutung von Kakao. Außer in Cocktails auch sehr gut pur oder als Longdrink genießbar. Ich habe seit einiger Zeit nicht mehr so viel amerikanischen Whiskey getrunken aber der Sazerac ist wirklich hervorragend würzig und vielschichtig. Kaufempfehlung!

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 28. Dezember 2013.


Samstag, 14. Dezember 2013

2. Inoffizielles Whiskybefürworter-Treffen, III. und letzter Teil

Schließlich waren wir nun bei den - wie wir vermuteten - kräftigsten und torfigsten Vertretern ihrer Art angekommen. So wie man ja auch beim Käseessen mit dem milden Butterkäse anfängt und mit dem anderthalb Jahre alten Höhlenkäse aufhört ... Nach Abschluss der letzten Verkostung gingen wir dann stillschweigend zum Wirkungstrinken über.

[11] Bowmore Darkest 15 J. (43% Vol.)

Die Destillerie Bowmore rühmt sich, historisch die erste auf Islay nachgewiesene Brennerei gewesen zu sein, da sie bereits 1779 gegründet wurde. Der Darkest reift zunächst in traditionellen Bourbonfässern, bevor er einem dreijährigen Finishing in Sherryfässern unterzogen wird. Er kostet im Laden so um die 52,- EUR.

Art und Herkunft: Single Malt, Islay

Aussehen und Aroma: Er trägt den Namen eventuell zu Recht. Als Farbton schlage ich gebrannte Siena vor. Ein stark rötlich-dunkler Einschlag. Erdig und ausdrucksstark. Menthol, Fichte. Torffeuer. Vielleicht etwas Tang? Oder Essiggurke?

Geschmack: Süß und prickelnd im Antritt, aber irgendwie ein bisschen wässrig wirkend. Kräftiges Sherryfass. Nur wenig Torf.

Abgang: Lang und sehr trocken. Eine pelzige Zunge bleibt zurück.

Fazit/Tipp: Solide gemacht, jedoch kein "typischer Islay", da wenig torfig. Sehr starker Fasscharakter. Die Verdünnung mit Wasser ist geschmacklich nicht zu empfehlen, er wird schnell fad. Geruchlich kommen mit H2O einige Zitrusnoten hinzu.


Bild: TAQ

[12] BenRiach  Septendecim Peated 17 J. (46% Vol.)

Die Brennerei BenRiach (oder Benriach) wurde 1798 erbaut und gehört zu den wenigen schottischen Herstellern, die noch eigene Mälzböden unterhalten. Seit einiger Zeit produziert man in geringem Umfang auch Speyside-untypische, sprich: getorfte Whiskys, so auch den Septendecim seit Anfang 2012. Er ist nicht kaltfiltriert und nicht gefärbt. Zur Herstellung wird - wie bei allen Produkten des Hauses - eigenes Quellwasser verwendet.

Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Lossie)

Aussehen und Aroma: Samtig und hellgolden. Fruchtig und torfig im Ausdruck, Apfelsaft. Medizinische Themen, Phenol. Frische Walnüsse?

Geschmack: Zuerst süß und deutlich torfig. Haselnusscreme, schokoladig. Sehr kräftig. Heiß. Trockener Lehmboden. Kreide und Leder.

Abgang: Lang, teilweise sehr lang. Trocken. Auf der Zunge bleibt Süße und Pfeifentabak.

Fazit/Tipp: Er vereint trockene und süßlich-phenolische Töne. Torfig aber nicht maritim. Ein Single Malt, wie eine Landschaft gemalt. Zur Zeit einer meiner absoluten Lieblinge. Grandios.

[13] Tomintoul Peaty Tang NAS (40% Vol.)

Noch eine Brennerei aus der (Sub-) Region Speyside, die sich bemüht, auch mehr Torf in den Vordergrund zu bringen (was übrigens vor vielen Jahren für die Speyside gar nicht sooo untypisch gewesen sein soll). Irgendjemand hatte mir neulich erzählt, er sei womöglich in der Whiskyspirituose Celp enthalten, aber das kann eigentlich nicht sein, da die Ultimate Whisky Company auf den Etiketten des Celp angibt, er enthalte einen Whisky von Islay. Der Peaty Tang trägt wie die anderen Produkte des Portfolios die geografische Herkunftsbezeichnung Glenlivet, die nichts mit der Brennerei The Glenlivet zu tun hat (siehe den Beitrag von letzter Woche).

Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Livet)

Aussehen und Aroma: Hellgolden bis hellorange. Maritimer Charakter. Seetang. Menthol und Kapern (das Gemüse, nicht die Tätigkeit ;-)).

Geschmack: Ein süß-salziger Antritt. Dann süße Zuckerwatte. Würzig, aber auch scharf. Dunkle Schokolade und auch noch etwas mehr Bitterkeit zum Ende hin.

Abgang: Mittel bis lang. Die Zunge bleibt warm bis zum Schluss.

Fazit/Tipp: Ein sehr schöner und maritimer, wenn auch jugendlich-stürmischer Malt, der mir gut gefällt. Ich kann verstehen, warum man bei ihm an den Celp denken muss.

[14] Caol Ila Moch NAS (43% Vol.)

Laut Firmenwebseite (bei den Classic Malts von Diageo) ist der Moch ("Morgendämmerung") der "erste Single Malt von Caol Ila, der nur nach dem Geschmack, nicht nach Alter, Finishing, ... ausgewählt wurde". Klingt nach einer weiteren Erklärung für das Phänomen der immer weiter zunehmenden Abfüllungen ohne Jahresangabe. Ist ja auch okay, so oder so. Auf jeden Fall gut bezahlbar, liegt in der Regel so um die 35,- EUR.

Art und Herkunft: Single Malt, Islay

Aussehen und Aroma: Wenig kräftige Farbe, am ehesten hellgelb. Sehr dezenter Rauch. Leicht maritim und frisch. Ein Hauch von Zitrus. Limone? Ebenfalls erdige Noten, jedoch eher feucht. Wattwanderung?

Geschmack: Ein deutlich süßer Single Malt, der ein wenig an Gebäck erinnert. Teilweise kommen sehr gedämpfte, rauchige Einflüsse zum Tragen. Kein Torfmonster.

Abgang: Kurz bis mittel. Trocken. Geht warm die Kehle hinunter.

Fazit/Tipp: Nicht schlecht - aber nicht das, was ich bei einem Caol Ila (welche ohnehin nicht meine Lieblingsbrennerei von Islay ist) suche. Er ist durchaus geschmackvoll, aber irgendetwas fehlt mir (und damit meine ich nicht den Torf).

Bild: TAQ

[15] Kilchoman Machir Bay 2013 NAS (46% Vol.)

Kilchoman ist die jüngste tatsächlich produzierende Brennerei auf Islay.  Gegründet 2005 als Farm Distillery, in der man stolz ist, seine Gerste nicht nur selbst zu mälzen, sondern auch anzubauen. Bis auf wenige Ausnahmen werden die Kilchomans in der Regel ohne Altersangabe abgefüllt; vom hier besprochenen Machir Bay gibt es jedes Jahr eine neue Ausgabe. Alle Whiskys sind nicht kaltfiltriert und nicht gefärbt. Da das Produktionsvolumen begrenzt ist (etwa nur ein Zehntel z.B. der Kapazität von Bruichladdich), sind die Produkte entsprechend hochpreisig. Für den Machir Bay, den "Basiswhisky" der Firma, muss man um die 44,- EUR hinlegen.

Art und Herkunft: Single Malt, Islay

Aussehen und Aroma: Nur ganz hellgelb, fast schon farblos. Leicht grünliche Schattierung. In der Nase scharfe Töne: Zitronensaftkonzentrat, frisch geschlagenes Nadelholz. Etwas streng. Schuhcreme. Kochspeck. Pfefferminze.

Geschmack: Sehr kräftige Eröffnung. Holzig. Marmorkuchen. Süßlich, später trockener. Heiß, scharf und schokoladig im Rachen. Es zeigen sich Früchte. Pfirsich?

Abgang: Mittel bis lang und trocken. Staubig. Warmes Holz, über das ein Vanillehauch zieht. Ich habe am Ende eine etwas taube Zunge.

Fazit/Tipp: Ein richtiger kleiner Racker, dem man nicht lange böse sein kann, auch wenn er kratzt und beißt. Jung und ungestüm, aber auch leidenschaftlich, sogar ein bisschen erotisch. Von Kilchoman erwarte ich in der Zukunft noch Einiges. Der Machir Bay ist vielversprechend. Mit Wasser wird er noch deutlich süßer.

Zwischenfazit III: Wenn ich meine eigenen Whiskys in die Bewertung einbeziehen darf: Kilchoman, Ben Riach und Tomintoul als die Top 3. Wenn das zu unhöflich ist, dann Tomintoul als Sieger dieser Runde, gefolgt von Bowmore und (mit etwas Abstand) Caol Ila.

Gesamtfazit: Unter Berücksichtigung der Ergebnisse aller Gewichtsklassen, sprich den anderen Abschnitten des Tastings, sowie dem Weglassen der Whiskys, die ich selber mitgebracht hatte, sieht mein Siegerpodest des Abends wie folgt aus:

  1. Glen Keith 17 J. von Signatory
  2. Tomintoul Peaty Tang
  3. Inchmurrin 15 J. von Signatory

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 21. Dezember 2013.



Mittwoch, 11. Dezember 2013

Kommando zurück: Blackstone 12 J. (40% Vol.) bei Aldi Nord (2013)

Hüh und Hott - der Mann kann sich nicht entscheiden, liebe Besucher. Erst will er den Single Malt von Aldi Nord verkosten ... dann wieder nicht ... und jetzt doch? Was soll der ganze Mist? Tja nun, ich hatte ja nach meinem Wahnsinnseinkauf im Whiskyhäuslein am letzten Samstag gelobt: Kein Whisky mehr im alten Jahr. Aber wie es nun mal so ist: es biegt Plattfuss um die Ecke, zu unserem wöchentlichen Stammtisch und sagt was wie: "Du hast ja gelobt, keine Flasche Whisky vor 2014 mehr zu kaufen ... also hab ICH sie Dir gekauft!" Woran man mal wieder sieht, dass ich nicht nur eine gute Ehefrau sondern auch gute Freunde habe. Also, liebe Besucher, dankt dem Herrn Plattfuss recht fein, dass Ihr doch noch ein paar Notizen zum heurigen Blackstone bekommt.

Letztes Jahr war er bekanntlich 18 Jahre alt, nun nur noch 12 (wie übrigens auch 2007 und 2009 schon mal, wie Plattfuss richtig anmerkte). Da es ja ein Bastard Malt (= unbekannte Brennerei, Fantasieetikett) ist, kann Aldi natürlich z.B. seit letztem Jahr die Brennerei oder auch nur den Jahrgang gewechselt haben. Single Malt ist auch generell wieder teurer geworden (Nachfrage in Asien!), so dass selbstverständlich ein Zwölfender, der eh auf Halde lag, günstiger kommt und man den Kampfpreis von 19,99 halten kann. Bei whiskymania soll jemand ausführlich dargelegt haben, es handle sich dieses Jahr um Tomatin. Ich habe den Beitrag zwar nicht selber gelesen, aber Plattfuss konnte das Wichtigste wiedergeben. Die Argumentation, so wie ich sie gehört habe, schien mir schlüssig, jedoch bin ich gerade in diesem Fall etwas vorsichtig, denn wenn der Whisky ähnlich charakterschwach ist wie letztes Jahr, dürften logischerweise auch wenige Merkmale hervorstechen, die eine Identifizierung erleichtern würden. Aber egal, wie ich schon mal gesagt habe. So wichtig ist mir auch wieder nicht, was drin ist sondern eher wie es denn schmeckt.

Bild: TAQ

Art und Herkunft: Single Malt, Highlands [unbekannte Destillerie]

Aussehen und Aroma: Die Flaschenaufmachung finde ich okay und nicht zu billig wirkend, wie auch schon letztes Jahr. Es wurde auch ein Korken spendiert (obwohl das für mich kein Muss ist). Farblich gesehen "golden", wie man sich Whisky halt so vorstellt. In der Nase ist nicht viel los, recht frisch für einen Zwölfjährigen. Junge Holzstämme, eine leichte fruchtige Note, die schwer zu definieren ist. Äpfel? Ja, diese Boskop oder wie die heißen. Im Mittelteil dann irgendwie noch Getreide. Mischbrot?

Geschmack: Recht herb im Antritt, schon etwas mehr Apfel, vielleicht auch ein bisschen Vanille. Später dann noch merklich scharf, leider auch etwas spritig. Zum Ende hin legt es sich aber wieder etwas.

Abgang: Maximal mittel, aber der Eindruck von Apfel bleibt lange im Rachen. Etwas rau in der Kehle.

Fazit/Tipp: Deutlich jünger (nicht nur vom Etikett her) als der 2012er. Sehr kräftiges Apfelthema, das sich wie ein roter Faden durch Aroma und Geschmack und Abgang zieht. Daher ist es durchaus möglich, dass es wirklich ein Tomatin ist. Ansonsten wird er wohl kein Liebling von mir, für knapp unter 20,- EUR aber noch okay, obwohl es in der Preisklasse eventuell auch schon ein oder zwei Alternativen gäbe, z.B. auch unter den Vatted Malts oder mittelpreisigen Blends. Leider doch ein paar Haken und Ösen. Ach, übrigens: längere Zeit an der Luft tut ihm definitiv nicht gut (deutliche Muffigkeit nach etwa 7-8 Minuten), daher am besten zügig trinken.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 14. Dezember 2013.


Samstag, 7. Dezember 2013

Zwischendurch: Unsere Pläne haben sich geändert.

Liebe Besucher, neulich hatte ich erst vollmundig angekündigt, dass ich mir am Montag den neuen Blackstone 12 von Aldi Nord holen und diesen dann am Dienstag hier vorstellen würde.

Heute muss ich Euch mitteilen, dass daraus leider nichts wird. Nachstehend als Erklärung die Aufnahme meiner heutige Einkäufe. Wenn ich jetzt am Montag noch einmal 20,- EUR für einen - wahrscheinlich - mittelmäßigen Whisky austue, riskiere ich meine Ehe. Ich bitte um Euer Verständnis. Freut Euch stattdessen auf Verkostungen von

  • Glayva Whisky Liqueur
  • Bowmore 2000/2013 von The Ultimate Whisky Company
  • Zuidam Single Barrel Zeer Oude Genever 3 J.
  • Millstone Peated
Bild: TAQ


Einen schönen 2. Advent wünschen Tomas Aquinas und die Crew von Blog blong dring!

2. Inoffizielles Whiskybefürworter-Treffen, Teil II

Zur Mitte des Tastings hin legten wir erst einmal eine kleine Verschnaufpause ein, um uns zu stärken und auch, um die Geschmacksknospen zu resetten. Plattfuss und ich hatten Haggis gekauft und Plattfuss war so freundlich gewesen, die Zubereitung auf sich zu nehmen. Wer es noch nie gegessen hat - Haggis ist das schottische Nationalgericht (Robert Burns hat ein sehr bekanntes Gedicht zu seinen Ehren verfasst) und besteht im wesentlichen aus Schafsmagen, mit Schafsinnereien, Zwiebeln, Hafergrütze und Fett gefüllt. Einfach lecker! Serviert wurde er traditionsbewusst mit Stampfkartoffeln, Steckrüben und furztrockenen Keksen (es müssen eigentlich Haferkekse sein, die hatten wir aber nicht bekommen).

Nach dem Essen ging es dann weiter mit den fünf nächsten Whiskys, die wir in punkto Intensität so pi mal Daumen ins Mittelfeld einsortiert hatten.

[6] Tullibardine John Black NAS (40% Vol.)

Die Destillerie wurde erst Ende der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts gegründet und gehört somit zu den jüngeren Herstellern. Sie wurde Mitte der Neunziger von den damaligen Besitzern Whyte & Mackay stillgelegt, fuhr die Produktion aber 2003 wieder an. Inzwischen gehört sie auch einer französischen Firma. Die Serie "John Black" ist nach einem - mittlerweile verstorbenen - legendären Brennmeister von Tullibardine benannt. Es gibt oder gab unter dem selben Namen auch noch einen Vatted Malt. Der heute verkostete Whisky war sehr günstig: 15,99 bei trinkgut.

Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (Southern) bzw. Midlands

Aussehen und Aroma: Sehr hell, fast farblos. Sehr jung. Frisch: Äpfel, leichter Weißwein. Cidre.

Geschmack: Sehr leicht, eigentlich schon wässrig. Die Apfelnote kommt wieder durch. Sonst wenig los. Im Mittelteil Schärfe.

Abgang: Kurz. Etwas herb, dann Ende.

Fazit/Tipp: Für den Preis einen Single Malt, das hat schon was. Nicht schlecht aber viel, viel, viel zu jung und lasch.

Bild: TAQ

[7] Falckner Malt Whisky Limited Edition 10 J. (40% Vol.)

Als nächstes eine echte, obschon mysteriöse Rarität. Dieser Whisky wird auf ebay teilweise für um die 60,- EUR unters Volk gebracht; bei unserem Supermarkt um die Ecke gab es ihn für 16,99 - da habe ich mal ein paar Fläschchen geholt, so als Investition. Der Name stammt von einem längst untergegangenen DDR-Whisky (sic!), der vor Urzeiten bei der VEB Edelbrände Luckenwalde hergestellt wurde und angeblich gar grauslich schmeckte. Wie gesagt, er heißt so ... ist aber ein Kind unserer Tage, natürlich. Die Webseite der vertreibenden Firma ("Kloster Zinna 1759") hält sich einigermaßen bedeckt, was die Herkunft angeht. Dort gebrannt wurde er sicherlich nicht, tatsächlich fehlt jegliche Info, was nun eigentlich abgefüllt wurde.

Art und Herkunft: Blended/Vatted Malt (?), Herkunft unbekannt

Aussehen und Aroma: Warm, dunkles Stroh mit einem orangefarbenen Stich. Im Geruch deutlich das Eichenfass. Holzig. Leim. Zitrusfrüchte (Limetten), etwas scharf.

Geschmack: Im Antritt leicht salzig und auch erst etwas bitter. Eichenfass, Holzlineal. Im Mittelteil deutlich weicher und sanfter. Vanille und Butterkrem.

Abgang: Mittel bis lang. Eine leichte Bitterkeit. Wieder Holz.

Fazit/Tipp: Trotz der schleierhaften Herkunft (und für 16,- EUR) absolut trinkbar, wenn auch etwas uneinheitlich. Man muss aber wirklich Eichenfassfan sein, um ihn goutieren zu können.

[8] Glenlivet 18 J. (43% Vol.)

Einer der bekanntesten und am weitesten verbreiteten (zusammen mit Glenfiddich) Single Malts. Ursprünglich stand der Name nur für eine Unterregion der Speyside (nämlich das Tal des Flusses Livet), die Brennerei und der Whisky sind eigentlich THE Glenlivet (so wie es auch eine Brennerei gibt, die unter dem Namen THE Speyside firmiert). Es gab und gibt aber auch andere Destillerien, die Glenlivet hinter ihrem eigenen Namen als Herkunftsbezeichnung führen.

Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Livet)

Aussehen und Aroma: Dunkler Bernstein mit einem Kupferton. In der Nase fruchtig und süß. Mirabellen und Banane.

Geschmack: Sehr weich und cremig. Vollsüß. Etwas Marzipan im Antritt? Meines Erachtens eher in Richtung Mandelcreme. Biskuitteig.

Abgang: Mittel bis lang. Gleichbleibend sanft. Nussige Reste.

Fazit/Tipp: Ein sehr gut durchdachter, sehr typischer Speysider. Nicht mein Stil - aber gut.

[9] Glenfarclas 21 J. (43% Vol.)

Black Arab hatte drei kleine Probefläschchen mitgebracht, mir fiel der 21-jährige zu. Seinen jungen Bruder habe ich vor einiger Zeit ja schon besprochen. Grundsätzlich bin ich von der Brennerei bis jetzt noch nie enttäuscht worden.

Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Central) bzw. "Highlands"

Aussehen und Aroma: Dunkles Stroh. Fruchtiger Geruch: Pflaume, Pfirsich, Traube.

Geschmack: Sehr weich und geschmeidig. Traubenmost. Würzig, Eiche. Ein ganz klein wenig Rauch ist ebenfalls anwesend.

Abgang: Mittel und trocken. Ansonsten keine Auffälligkeiten.

Fazit/Tipp: Wie immer: verlässlich gut und qualitativ hochwertig. Interessanter als der Glenlivet.


Bild: TAQ

[10] Glen Keith  17 J. (1995/2013) Signatory (46% Vol.)

Eine unabhängige Abfüllung von einer lange geschlossenen - und jüngst neu gestarteten - Brennerei beschließt den heutigen Teil. Glen Keith gehörte schon ewig zu Chivas Brothers (Pernod Ricard) und war eine Schwesterbrennerei von Strathisla. Sie schloss 1999 die Pforten, wurde aber in diesem Jahr, genauer gesagt im Juni, feierlich wiedereröffnet. Der hier verkostete Whisky war logischerweise noch einer aus der "alten Zeit", gebrannt 1995 und abgefüllt 2013, aus einer Auflage von insgesamt nur 721 Flaschen, die normalerweise jeweils um die 180,- EUR kosten, die Plattfuss aber in einem Anfall von Glück für 40,- EUR (!!) erstanden hatte.

Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Isla)

Aussehen und Aroma: Sehr hell, frisches Stroh. Angenehm süß in der Nase, Melone. Salatgurke?

Geschmack: Samtig. Süßer Antritt. Mandeln und Toffee. Fruchtnoten von Pflaumen und Blutorangen.

Abgang: Lang und allmählich trockener werdend. Dezenter Anis oder Lakritze.

Fazit/Tipp: Wasser ist trotz der 46 Umdrehungen nicht unbedingt nötig. Ein lecker süßer, hervorragend komponierter Single Malt. 

Zwischenfazit II: Ganz eindeutig war der Glen Keith der beste Whisky aus der heute vorgestellten Gruppe. Knapp dahinter - meines Erachtens - der Glenfarclas. Aber, was lobenswert ist, anders als in der Charge der ersten fünf Getesteten gab es diesmal keine Totalausfälle.

Der letzte Teil des Berichts erscheint am 14. Dezember 2013.



Montag, 2. Dezember 2013

Zwischendurch: Er ist (bald) wieder da! Blackstone Single Malt bei Aldi Nord

Pünktlich zur Vorweihnachtszeit wirft Aldi Nord am nächsten Montag wieder einen schottischen Single Malt unter dem Handelsnamen Blackstone zum Kampfpreis von 19,99 auf den Gabentisch. Seinen Bruder vom letzten Jahr hatte ich ja auch pflichtschuldigst besprochen und für trinkbar befunden. 

Beim Lesen der Anzeige stellen wir allerdings fest, dass der Blackstone sich mirakulös verjüngt hat; es ist jetzt ein Zwölfender. Das ist wohl den steigenden Whiskypreisen geschuldet: man wollte vermutlich das Preissschild unter 20,- EUR halten.

Ich werde ihn mir wohl dennoch holen und auch sogleich verkosten. Wer also mit dem Gedanken spielt, den Blackstone sich oder anderen zu schenken, mag vielleicht einmal am Dienstag nächster Woche hier vorbeischauen.