Samstag, 14. Dezember 2013

2. Inoffizielles Whiskybefürworter-Treffen, III. und letzter Teil

Schließlich waren wir nun bei den - wie wir vermuteten - kräftigsten und torfigsten Vertretern ihrer Art angekommen. So wie man ja auch beim Käseessen mit dem milden Butterkäse anfängt und mit dem anderthalb Jahre alten Höhlenkäse aufhört ... Nach Abschluss der letzten Verkostung gingen wir dann stillschweigend zum Wirkungstrinken über.

[11] Bowmore Darkest 15 J. (43% Vol.)

Die Destillerie Bowmore rühmt sich, historisch die erste auf Islay nachgewiesene Brennerei gewesen zu sein, da sie bereits 1779 gegründet wurde. Der Darkest reift zunächst in traditionellen Bourbonfässern, bevor er einem dreijährigen Finishing in Sherryfässern unterzogen wird. Er kostet im Laden so um die 52,- EUR.

Art und Herkunft: Single Malt, Islay

Aussehen und Aroma: Er trägt den Namen eventuell zu Recht. Als Farbton schlage ich gebrannte Siena vor. Ein stark rötlich-dunkler Einschlag. Erdig und ausdrucksstark. Menthol, Fichte. Torffeuer. Vielleicht etwas Tang? Oder Essiggurke?

Geschmack: Süß und prickelnd im Antritt, aber irgendwie ein bisschen wässrig wirkend. Kräftiges Sherryfass. Nur wenig Torf.

Abgang: Lang und sehr trocken. Eine pelzige Zunge bleibt zurück.

Fazit/Tipp: Solide gemacht, jedoch kein "typischer Islay", da wenig torfig. Sehr starker Fasscharakter. Die Verdünnung mit Wasser ist geschmacklich nicht zu empfehlen, er wird schnell fad. Geruchlich kommen mit H2O einige Zitrusnoten hinzu.


Bild: TAQ

[12] BenRiach  Septendecim Peated 17 J. (46% Vol.)

Die Brennerei BenRiach (oder Benriach) wurde 1798 erbaut und gehört zu den wenigen schottischen Herstellern, die noch eigene Mälzböden unterhalten. Seit einiger Zeit produziert man in geringem Umfang auch Speyside-untypische, sprich: getorfte Whiskys, so auch den Septendecim seit Anfang 2012. Er ist nicht kaltfiltriert und nicht gefärbt. Zur Herstellung wird - wie bei allen Produkten des Hauses - eigenes Quellwasser verwendet.

Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Lossie)

Aussehen und Aroma: Samtig und hellgolden. Fruchtig und torfig im Ausdruck, Apfelsaft. Medizinische Themen, Phenol. Frische Walnüsse?

Geschmack: Zuerst süß und deutlich torfig. Haselnusscreme, schokoladig. Sehr kräftig. Heiß. Trockener Lehmboden. Kreide und Leder.

Abgang: Lang, teilweise sehr lang. Trocken. Auf der Zunge bleibt Süße und Pfeifentabak.

Fazit/Tipp: Er vereint trockene und süßlich-phenolische Töne. Torfig aber nicht maritim. Ein Single Malt, wie eine Landschaft gemalt. Zur Zeit einer meiner absoluten Lieblinge. Grandios.

[13] Tomintoul Peaty Tang NAS (40% Vol.)

Noch eine Brennerei aus der (Sub-) Region Speyside, die sich bemüht, auch mehr Torf in den Vordergrund zu bringen (was übrigens vor vielen Jahren für die Speyside gar nicht sooo untypisch gewesen sein soll). Irgendjemand hatte mir neulich erzählt, er sei womöglich in der Whiskyspirituose Celp enthalten, aber das kann eigentlich nicht sein, da die Ultimate Whisky Company auf den Etiketten des Celp angibt, er enthalte einen Whisky von Islay. Der Peaty Tang trägt wie die anderen Produkte des Portfolios die geografische Herkunftsbezeichnung Glenlivet, die nichts mit der Brennerei The Glenlivet zu tun hat (siehe den Beitrag von letzter Woche).

Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Livet)

Aussehen und Aroma: Hellgolden bis hellorange. Maritimer Charakter. Seetang. Menthol und Kapern (das Gemüse, nicht die Tätigkeit ;-)).

Geschmack: Ein süß-salziger Antritt. Dann süße Zuckerwatte. Würzig, aber auch scharf. Dunkle Schokolade und auch noch etwas mehr Bitterkeit zum Ende hin.

Abgang: Mittel bis lang. Die Zunge bleibt warm bis zum Schluss.

Fazit/Tipp: Ein sehr schöner und maritimer, wenn auch jugendlich-stürmischer Malt, der mir gut gefällt. Ich kann verstehen, warum man bei ihm an den Celp denken muss.

[14] Caol Ila Moch NAS (43% Vol.)

Laut Firmenwebseite (bei den Classic Malts von Diageo) ist der Moch ("Morgendämmerung") der "erste Single Malt von Caol Ila, der nur nach dem Geschmack, nicht nach Alter, Finishing, ... ausgewählt wurde". Klingt nach einer weiteren Erklärung für das Phänomen der immer weiter zunehmenden Abfüllungen ohne Jahresangabe. Ist ja auch okay, so oder so. Auf jeden Fall gut bezahlbar, liegt in der Regel so um die 35,- EUR.

Art und Herkunft: Single Malt, Islay

Aussehen und Aroma: Wenig kräftige Farbe, am ehesten hellgelb. Sehr dezenter Rauch. Leicht maritim und frisch. Ein Hauch von Zitrus. Limone? Ebenfalls erdige Noten, jedoch eher feucht. Wattwanderung?

Geschmack: Ein deutlich süßer Single Malt, der ein wenig an Gebäck erinnert. Teilweise kommen sehr gedämpfte, rauchige Einflüsse zum Tragen. Kein Torfmonster.

Abgang: Kurz bis mittel. Trocken. Geht warm die Kehle hinunter.

Fazit/Tipp: Nicht schlecht - aber nicht das, was ich bei einem Caol Ila (welche ohnehin nicht meine Lieblingsbrennerei von Islay ist) suche. Er ist durchaus geschmackvoll, aber irgendetwas fehlt mir (und damit meine ich nicht den Torf).

Bild: TAQ

[15] Kilchoman Machir Bay 2013 NAS (46% Vol.)

Kilchoman ist die jüngste tatsächlich produzierende Brennerei auf Islay.  Gegründet 2005 als Farm Distillery, in der man stolz ist, seine Gerste nicht nur selbst zu mälzen, sondern auch anzubauen. Bis auf wenige Ausnahmen werden die Kilchomans in der Regel ohne Altersangabe abgefüllt; vom hier besprochenen Machir Bay gibt es jedes Jahr eine neue Ausgabe. Alle Whiskys sind nicht kaltfiltriert und nicht gefärbt. Da das Produktionsvolumen begrenzt ist (etwa nur ein Zehntel z.B. der Kapazität von Bruichladdich), sind die Produkte entsprechend hochpreisig. Für den Machir Bay, den "Basiswhisky" der Firma, muss man um die 44,- EUR hinlegen.

Art und Herkunft: Single Malt, Islay

Aussehen und Aroma: Nur ganz hellgelb, fast schon farblos. Leicht grünliche Schattierung. In der Nase scharfe Töne: Zitronensaftkonzentrat, frisch geschlagenes Nadelholz. Etwas streng. Schuhcreme. Kochspeck. Pfefferminze.

Geschmack: Sehr kräftige Eröffnung. Holzig. Marmorkuchen. Süßlich, später trockener. Heiß, scharf und schokoladig im Rachen. Es zeigen sich Früchte. Pfirsich?

Abgang: Mittel bis lang und trocken. Staubig. Warmes Holz, über das ein Vanillehauch zieht. Ich habe am Ende eine etwas taube Zunge.

Fazit/Tipp: Ein richtiger kleiner Racker, dem man nicht lange böse sein kann, auch wenn er kratzt und beißt. Jung und ungestüm, aber auch leidenschaftlich, sogar ein bisschen erotisch. Von Kilchoman erwarte ich in der Zukunft noch Einiges. Der Machir Bay ist vielversprechend. Mit Wasser wird er noch deutlich süßer.

Zwischenfazit III: Wenn ich meine eigenen Whiskys in die Bewertung einbeziehen darf: Kilchoman, Ben Riach und Tomintoul als die Top 3. Wenn das zu unhöflich ist, dann Tomintoul als Sieger dieser Runde, gefolgt von Bowmore und (mit etwas Abstand) Caol Ila.

Gesamtfazit: Unter Berücksichtigung der Ergebnisse aller Gewichtsklassen, sprich den anderen Abschnitten des Tastings, sowie dem Weglassen der Whiskys, die ich selber mitgebracht hatte, sieht mein Siegerpodest des Abends wie folgt aus:

  1. Glen Keith 17 J. von Signatory
  2. Tomintoul Peaty Tang
  3. Inchmurrin 15 J. von Signatory

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 21. Dezember 2013.



Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Toller Blog!
Ich bin gerade zufällig darüber gestolpert. In Zukunft werde ich hier öfter mitlesen!

Tomas Aquinas hat gesagt…

Danke, "Anonym". Jederzeit herzlich willkommen!

Plattfuss hat gesagt…

Es lohnt sich, hin und wieder mal reinzuschauen! Wir (bzw. Tomas) haben auch für die Zukunft noch so einige Verkostungen auf Lager... Willkommen "Anonym" ;-)