Dienstag, 30. Dezember 2014

Talisker Distillers Edition 2001/2012 (45,8% Vol.)

Da unsere letzte Verkostung des Jahres einer Destillerie gewidmet ist, über die wir schon so gut wie alles gesagt haben, was wir sagen wollten, kann ich genauso gut die Zeit und den Platz dafür nutzen, im Namen des Teams von blog blong dring all unseren Besuchern und treuen Lesern Danke zu sagen für nunmehr vier Jahre Treue. In Kürze werden wir die magische Zahl von 50.000 Lesern knacken und dafür sind wir jedem und jeder Einzelnen von euch dankbar. Wir sind letzten Endes nur ein kleines Team und ein kleiner Blog und wir verdienen unsere Brötchen mit ganz anderen Sachen als mit dem Schreiben über Alkohol. Darum freuen wir uns über alle neuen und alten Besucher, denn so wissen wir, dass die Arbeit, die wir in dieses Projekt stecken, gratis aber nicht umsonst ist.

Auf dem Prüfstand steht zum Abschluss des Jahres 2014 der Talisker Distillers Edition  (ich musste mich erst einmal vergewissern, ob das besitzanzeigende Apostroph gesetzt werden muss oder nicht). Da es sich um eine Jahrgangsabfüllung handelt, ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass wir nicht über die aktuell beworbene und allseits erhältliche Version 2002/2013 sprechen, sondern über die - mittlerweile in den meisten Fällen ausgelistete - "Vorgängerversion". Bitte also nicht unbedingt von dem einen Geschmack auf den anderen schließen. Die Distillers Edition kostet und kostete online in der Regel schon deutlich über 50,- EUR, ich habe sie jedoch durch Zufall in einem kleinen Hinterhofgeschäft in Hamburg-Blankenese für "nur" 45,- EUR erstanden (was mich sehr glücklich gemacht hat).


Art und Herkunft: Single Malt, Islands (Skye)

Besonderheiten: Nachreifung in Oloroso/Amoroso-Sherry-Fässern.

Aussehen und Aroma: Dunkles Gold mit einem deutlichen Kupferstich. Das Sherryfass kommt deutlich durch. Traubenmost und Holzfeuer. Etwas parfümiert, Pflaume in Madeira. Leichte Hintergrundnoten von Zitrusfrüchten, eventuell Limette.

Geschmack: Kräftig und prickelnd, ähnlich wie der Zehnjährige. Süße Aprikosen und Orangen. Schwarzer Pfeffer und wieder einiges an Holzrauch.

Abgang: Lang und pfeffrig, wie es sich für einen Talisker gehört.

Fazit/Tipp: Ein sehr fruchtiger und auch etwas schwererer Tropfen. Gut komponiert und mit deutlichen Reserven für die Wasserzugabe (er wird dadurch sogar noch etwas fruchtiger). Extrem trinkbar und ein echter Botschafter der Insel Skye. Fairerweise muss man jedoch zugeben, dass er im Endeffekt trotzdem nicht viel mehr ist als ein "nachgebesserter" Zehnjähriger (nicht falsch verstehen: ich liebe den Talisker 10). Der Aufenthalt im Sherryfass hat ihm gutgetan - ob man dafür aber nun wirklich über 50,- EUR aufrufen muss, lasse ich mal dahingestellt sein. 

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 3. Januar 2015.

Das Team von blog blong dring wünscht allen Leserinnen und Lesern einen guten Rutsch und alles Gute für das kommende Jahr.

- Euer Tomas Aquinas



Montag, 29. Dezember 2014

Zwischendurch: Termine Januar 2015

Lokal und Regional

Außer Spesen nix gewesen. ;-)


National

0711 Spirits (Stuttgart: 30. Januar bis 1. Februar)


International

22e Winterbierfestival (Gouda, Niederlande: 18. Januar)


Manchester Beer & Cider Festival (Manchester, England: 21. bis 24. Januar)

9th Annual Jupiter Craft Brewers' Festival (Jupiter, FL, USA: 24. Januar)


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Haftungsausschluss: Alle Angaben ohne Gewähr. Änderungen und Irrtümer vorbehalten. Änderungen von Veranstaltungsorten und/oder -terminen liegen in der Verantwortung des jeweiligen Veranstalters. Informieren Sie sich daher zusätzlich bitte auf den offiziellen Veranstaltungsseiten.

Samstag, 20. Dezember 2014

Wenn Lidl in Belgien Bier verkauft: Nobelaner Pils vs Finkbräu Kriek

Der griechische Dichter Aristophanes (um 400 v. Chr.) prägte in einer seiner Komödien die Redensart "Eulen nach Athen tragen", die sich darauf bezog, dass es unsinnig sei, in das ohnehin schon so reiche Athen noch mehr Geld (auf den Athener Münzen war eine Eule abgebildet) hineinzupumpen, Mit anderen Worten: "Eulen nach Athen tragen" bedeutet so viel wie: etwas Überflüssiges tun (im Englischen sagt man carrying coals to Newcastle). Wenn also ein deutscher Discounter wie Lidl (dessen Aktivitäten ja mittlerweile bis in Länder wie Island oder Großbritannien reichen) in Belgien Bier verkauft, und dann sogar noch ein "Kriek" darunter ist, dann - ja dann - hat wohl jemand Eulen nach Athen gebracht.

Als ich mit meiner Frau im Herbst in den Ardennen war, machten wir - gegen unsere Gewohnheit, denn in der Regel versuchen wir im Urlaub, in "einheimischen" Geschäften einzukaufen - doch mal einen Stopp beim ersten Lidl, den wir hinter der Grenze in Eupen, in den so genannten Ostkantonen (also dem deutschsprachigen Teil Belgiens) antrafen. Gekauft haben wir dann doch tatsächlich etwas, hauptsächlich einheimischen Käse und Wurstwaren, unter anderem eine wirklich akzeptable paté. Das angebotene Biersortiment jedoch beäugte ich durchaus skeptisch, denn erstens dachte ich sofort an Aristophanes und zweitens waren es auch durchgängig Marken, die ich von Lidl Deutschland nicht kenne, dort reüssiert ja als Eigenmarke das Grafenwalder. Nachdem ich auch niemanden von den Einheimischen sah, der die Biere palettenweise hinausschleppte, entschied ich mich einfach für die beiden billigsten Produkte, die zu haben waren, stilecht in Aludosen abgefüllt. Vorsichtig wie ich bin, beließ ich es dennoch bei jeweils einer einzigen Stichprobe.

Die spärlichen Informationen auf den Verpackungen erlaubten relativ wenige Rückschlüsse. Auf jeden Fall wird das Nobelaner Pils in Deutschland hergestellt, laut Aufdruck bei der Bayern-Bräu Nürnberg, die auch ein begrenztes Billigsortiment an Weißbier oder Hellem für den deutschen Markt bereithält. Hinter dieser Firma steht laut Handelsregister allerdings die große Brauerei Tucher. Auf jeden Fall ist das Bier nach dem deutschen Reinheitsgebot hergestellt.

Das Finkbräu Kriek ist da etwas mysteriöser. So richtig erfährt man zum Beispiel gar nicht, wo es denn nun eigentlich hergestellt wird, sondern nur für wen (Lidl natürlich). Es gibt auch ein "normales" Finkbräu Pils, welches sogar so eine Art Kultanhängerschaft auf Facebook hat. Jedoch lernt man auch da nicht wirklich viel über die Marke. Es ist nicht ganz ausgeschlossen, dass Finkbräu bei der Karlsberg hergestellt wird, sagen wir mal so. Aber was Genaues weiß man nicht. Es ist natürlich kein Kriek auf Basis von Lambiek, das ist überhaupt schon mal klar. Die Zutatenliste an sich lässt mich jedoch auch sofort das Schlimmste befürchten. Dort stehen nämlich (außer Wasser, Gerstenmalz und Hopfenextrakt) so leckere Sachen wie: Ammoniak-Karamell (Farbstoff) und etwas, das sich "Kirsch-Multifrucht-Basis" nennt (fermentierter Gerstenmalzextrakt, Apfelsaftkonzentrat, Wasser, Zitronensaftkonzentrat, Kirschsaftkonzentrat sowie Karottenkonzentrat). Mmmh. Hört sich toll an.



Nobelaner Pils (4,9% Vol.)

Art und Herkunft: Pils, Deutschland (Franken)

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellgelb, die Krone bricht sofort zusammen. Leicht frischer Geruch. Ein Hauch von Nichts. Blech.

Geschmack: Wässrig und leicht süßlich. Feinperlig. Erinnert geschmacklich ein wenig an ein Kölsch.

Abgang: Sehr kurz.

Fazit/Tipp: Nichtssagend aber auch unproblematisch. In der Discounter-Preisklasse in Ordnung.


Finkbräu Kriek (4,3% Vol.)

Art und Herkunft: Bier mit Kirschsaft, Herkunft unbekannt

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellrot bis rosa. Extrem künstlich mit einer unangenehmen Note. Rote Hustendrops mit Klostein.

Geschmack: Zuerst pilsig-herb, danach süßlich bis faulig mit deutlichem Einschlag von Brausepulver mit Kirschgeschmack. Sehr chemisch.

Abgang: Kurz, aber ein sehr pelziger, künstlicher Nachbrenner.

Fazit/Tipp: Ich muss es leider so deutlich sagen: Ich fand das Finkbräu Kriek praktisch ungenießbar. Neben dem wirklich offensichtlichen Aroma von öffentlicher Toilette ist es darüber hinaus ein sehr, sehr künstliches Bier, das zudem noch schlecht ausbalanciert ist.

Gesamtfazit: Ich würde von den beiden getesteten Bieren nur das Nobelaner noch ein zweites Mal trinken - und auch nur dann, wenn nichts anderes da wäre. Ob man mit diesen Produkten in einem Bierland wie Belgien wirklich Furore machen kann, möchte ich doch stark bezweifeln.

Wegen der Feiertage gibt es in der nächsten Woche keinen neuen Artikel. Der nächste planmäßige Beitrag erscheint daher ausnahmsweise an einem Dienstag, nämlich am 30. Dezember 2014.

Die Crew von blog blong dring wünscht allen Leser(inne)n frohe Weihnachten!

- Euer Tomas Aquinas


Samstag, 13. Dezember 2014

Finlaggan Old Reserve NAS vs Finlaggan The Original Peaty Cask Strength NAS

Nachdem mich der Basis-Finlaggan Anfang des Jahres positiv überrascht hatte, griff ich ein paar Monate später gerne zu, als sein Bruder, der Old Reserve, vor mir im Regal stand. Der Name ist nicht ganz selbsterklärend, denn so "alt" wie der Old Reserve tut, wird er wohl nicht sein - auch hier fehlt die Altersangabe (der Einzige, der bei Finlaggan eine hat, ist übrigens ein Zehnjähriger). Auf jeden Fall kostet er in der Regel etwa genau so viel wie bzw. geringfügig mehr als die Basisversion, was ja auch ganz nett ist. Auf der Verpackung findet sich ein Zitat von Whiskypapst (naja, einem der Whiskypäpste) Jim Murray persönlich, welches angeblich aus dem Jahr 2004 stammt:
BRILLIANT. This is simply awesome. If you don’t get a bottle of this, you’ll regret it for the rest of your life!
Nun gut, wir glauben das einfach mal. So dreist lügen würde die Vintage Malt Whisky Company ja hoffentlich nicht.

Einige Zeit, nachdem ich den Old Reserve gekauft und getrunken hatte, war ich mal wieder beim nächstgelegenen Verbrauchermarkt, um mir einen möglichst torfigen, möglichst günstigen Single Malt so "für alle Tage" zu holen. Die Auswahl im von mir angepeilten Preissegment war nicht groß, so griff ich - vermeintlich - zu einem alten Bekannten, nämlich dem Original Peaty, der dort in der üblichen Pappschachtel stand. Ich schaute nicht rein, der Karton war ja voll. Die Kassiererin schaute rein, aber nur auf die Banderole. Als ich zu Hause ankam, merkte ich dann, dass in der Pappschachtel gar nicht der Original Peaty, sondern der Original Peaty Cask Strength steckte. Und so konnte es denn auch zum heutigen Doppelreview kommen. 

Man kann mir nun natürlich vorwerfen, ich sei nicht ganz ehrlich gewesen: Schließlich ist der Cask Strength doch gut sechs EUR teurer als der "Normale". Kann ich nicht ganz von der Hand weisen. Aber

- ich hatte die Schachteln nicht selbst vertauscht
- ich wusste nicht, dass die Schachteln vertauscht worden waren
- die Kassiererin hatte auch nichts bemerkt, trotz Nachschauens
- wäre ich zurückgefahren, hätte ich nochmal Zeit und Sprit für gut 35 km verbraucht

Ganz ehrlich gesagt war ich aufgrund der oben aufgezählten Gründe geneigt, den Whisky zu behalten und zu hoffen, dass es sich karmisch nicht allzu negativ auswirken wird.


Finlaggan Old Reserve NAS (40% Vol.)

Art und Herkunft: Single Malt, Islay

Besonderheiten: farbjustiert

Aussehen und Aroma: Dunkles Strohgold. Der Torf steht deutlich im Raum. Beim zweiten Schnüffeln Zitrus, frisch gemähtes Gras. Sommerwiese, Kräuter. Recht frisch. Seeluft.

Geschmack: Ein weiches Mundgefühl, jedoch etwas dünn. Eukalyptus und Orangenzeste auf der Zunge. Im Mittelteil weihnachtlich. Nelken. Spürbarer aber nicht übertriebener Torf. Nasses Heu und deutliche Süße.

Abgang: Lang und ledrig. Räucherspeck.

Fazit/Tipp: Für um die 30,- EUR ein sehr trinkbarer Whisky. Kaufempfehlung! Insgesamt recht frisch und würzig. Der Zusatz von Wasser lohnt sich nicht unbedingt, der Old Reserve hat dafür nicht genug Reserven ...



Finlaggan The Original Peaty Cask Strength (58% Vol.)

Art und Herkunft: Single Malt, Islay

Besonderheiten: farbjustiert, in Fassstärke abgefüllt

Aussehen und Aroma: Goldgelb. Sehr kräftige Nase. Einerseits duftige Noten, die an Lösungsmittel oder Lacke denken lassen. Holzlasur? Andererseits auch süßlich-torfige Einflüsse, leicht medizinisch. Auch etwas erdig. Moos.

Geschmack: Ein sehr aggressiver, scharfer Antritt. Stark wärmend. Zunächst eine gewisse traubige Süße auf der Zunge, danach setzt ein Prickeln ein, welches durchaus an Chilischoten erinnert. Anders als bei einem Talisker etwa sitzen diese aber direkt vorne in der ersten Reihe. Im Mittelteil finden wir dann recht ordentlich Torf - allerdings eher Torfboden, weniger Torffeuer.

Abgang: Sehr lang und warm. Die Süße dauert bis zum Ende hin. Es wird dann auch extrem trocken auf der Zunge.

Fazit/Tipp: Ein sehr anständiger Whisky mit ordentlich Bums. Ein paar Minuten des Atmens tun ihm definitiv gut. Er ist unverdünnt aber auch nix zum Runterkippen. Etwas Wasser kann er definitiv gut vertragen, denn er wird damit definitiv runder und weicher am Gaumen. Gleichzeitig wird die Süße intensiver, die Schärfe auf der Zungenspitze bleibt jedoch (glücklicherweise) erhalten.

Gesamtfazit: Für einen Sieger im Duell möchte ich mich nicht entscheiden, dafür sind die beiden Whiskys doch zu unterschiedlich. Mit keinem von beiden macht man etwas verkehrt, sollte aber die eigenen Neigungen berücksichtigen, wenn es um ein entweder/oder geht. Der Old Reserve ist mir zum Beispiel etwas lieber, wenn es nur ein Schluck nebenbei sein soll. Auf den Cask Strength muss man sich stärker einlassen.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 20. Dezember 2014.

- Euer Tomas Aquinas




Samstag, 6. Dezember 2014

Sind so kleine Biere, Teil XIX: St. Feuillien Saison (6,5% Vol.)

Irgendwie haben es die wallonischen Brauer nicht so mit mir und meinen Besuchen. Ich bin ja schon einmal kräftig von Saint-Monon enttäuscht worden, allerdings muss ich zugestehen, dass Ostersonntag damals eventuell nicht die beste Besuchszeit war.

Die Mikrobrauerei Marckloff in Durbuy hat allerdings keine solche Entschuldigung: mir war glaubhaft versichert worden, man empfange Dienstags durchaus Interessierte. Als ich allerdings an der verschlossenen Tür rüttelte, bedeutete mir der herbeigeeilte junge Mann ebenfalls überzeugend, gerade heute sei ebenfalls rein zufällig kein Besuch möglich. Was blieb mir also anderes übrig, als in die nächstbeste Touristenabzocke zu wanken und mir zumindest ein anderes regionales Mikrobier zu besorgen?

Das Saison von St. Feuillien habe ich übrigens auf dem Bierfest in Brüssel 2011 noch negativ bewertet; das wusste ich allerdings nicht mehr, als ich die Flasche aus dem Regal nahm und bezahlte. Um so besser: eine unvoreingenommene zweite Chance hat ja bekanntlich jeder verdient. Das Bier ist benannt nach einem irischen Mönch des 7. Jahrhunderts, der wohl Teil der iroschottischen Mission Europas war und im heutigen Belgien, ganz in der Nähe der heutigen Brauerei, zum Märtyrer wurde. Danach stand am Ort auch noch bis zur Revolution ein Prämonstratenserkloster, wo ebenfalls schon Bier hergestellt wurde. Im Jahr 1873 übernahm die Familie Friart den Besitz und die Brautradition, sodass einige Biere von St. Feuillien auch heute noch als "Abteibiere" bezeichnet werden. Mittlerweile sind die Friarts bereits in vierter Generation hier tätig. Zurzeit umfasst das Portfolio gut zehn verschiedene Biere, darunter auch Fruchtbiere der Marke Grisette. Das heute verkostete Saison wurde 2009 zunächst speziell für den amerikanischen Markt entwickelt, wo sehr hopfige Biere nachgefragt werden. Es hat bereits verschiedene internationale Preise gewonnen. Als traditionelles Saisonbier wird es im Winter gebraut und ist im Sommer verzehrfertig.


Art und Herkunft: "Belgian Farmhouse Ale" / Saison, Belgien (Hennegau)

Besonderheiten: Ungefiltert. Obergäriges Bier, Nachgärung in der Flasche.

Aussehen und Aroma: Goldorange. Schaumige, mittlere, instabile Krone. Geruch nach Orangenlimonade. Sehr viel Hopfen.

Geschmack: Spritzig und moussierend. Orangenschale oder Kumquat. Deutliche Hopfenbitterkeit.

Abgang: Mittel, aber längerer hopfiger Nachklang.

Fazit/Tipp: Ein erfrischendes und sehr spritziges Sommerbier. Recht hopfig, wie in den USA gewünscht. Meine negative Kritik von 2011 relativiere ich also hiermit.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 13. Dezember 2014.

- Euer Tomas Aquinas




Dienstag, 2. Dezember 2014

Zwischendurch: Weihnachtlicher Whiskywechsel bei Aldi Nord (nicht bei Aldi Süd)

Gerade gesehen: Am 11. Dezember kommt bei Aldi Nord der mittlerweile traditionelle Weihnachtswhisky zu 19,99 in die Regale.

Größte Neuerung ist, dass der Whisky heuer als Originalabfüllung vertrieben wird, nicht unter der Marke Blackstone, wie in den letzten Jahren.

Laut Prospekt ist es nun also ein Speyburn Bradan Orach. Den haben wir hier bereits einmal ausführlich besprochen. Der bei Aldi aufgerufene Preis liegt übrigens im Rahmen dessen, was auch üblicherweise für einen Bradan Orach fällig wird.

Update: Ab dem 11. Dezember bietet auch Aldi Süd einen Single Malt an, hier bleibt es bei der Marke Blackstone, diesmal ist es ein Fünfzehnjähriger.

- Euer Tomas Aquinas

Samstag, 29. November 2014

Douglas Laing's Double Barrel Speyside & Islay NAS (46% Vol.)

Als langjähriger Bewohner der Friedensstadt Osnabrück fahre ich ja bekanntlich nicht so gerne nach Münster (wer sich in der Region nicht auskennt: das ist so wie Köln und Düsseldorf), aber neulich habe ich mal eine Ausnahme gemacht, weil es um was Wichtiges ging. In Münster gibt es seit einer Zeit den Whisky Dungeon, eine Bar mit angeschlossenem Shop. Und da es so etwas Schönes - ich muss es gestehen - chez nous leider nicht gibt, machten Plattfuss und ich uns eines grauen, trüben Tages dann doch auf den Weg. Die Bar fanden wir, wie antizipiert, "urig" und den Laden (der nicht viel Grundfläche hat) erstaunlich und erfreulich gut sortiert. Dort erstand ich dann auch den heutigen Gegenstand der Verkostung. Er hat mich etwa 45,- EUR gekostet. 

Das Double Barrel-Projekt war und ist eine Idee des renommierten Glasgower Abfüllers Douglas Laing, der neben seinen ganzen Single Malts auch stark auf dem Gebiet der Vatted oder auch Blended Malts engagiert ist. Als einer der bekanntesten Vertreter wäre da zum Beispiel der Big Peat zu nennen, den wir bereits vor einigen Jahren einmal besprochen haben. Die Double Barrels begannen laut Firmenangaben einst mit einem Vatting von Macallan und Laphroaig. Besonderes Kennzeichen der Serie, die Douglas Laing zum Premiumsegment zählt, ist, dass für die Verschneidung nur Single Casks der jeweiligen Brennereien verwendet werden. Außergewöhnlich ist darüber hinaus, dass die enthaltenen Whiskys auf der Verpackung deutlich angegeben werden - etwas, wofür die Hersteller ihr Plazet erteilt haben müssen.



Art und Herkunft: Vatted/Blended Malt, Schottland (Speyside und Islay)

Besonderheiten: Verschnitt von Single Casks aus den Destillerien Caol Ila und Braeval. Nicht kaltfiltriert.

Aussehen und Aroma: Strohgold, wie Apfelsaft. Süße Nase mit Vanille und gelben Früchten. Marillen. Erdig, nur dezenter Torfrauch.

Geschmack: Sehr weich. Leichte Schärfe im Antritt. Danach herbstliche Noten von Obst, insbesondere Äpfeln, und Laubfeuern. Honig und Vanille sorgen für eine angenehme Hintergrundsüße.

Abgang: Mittel bis lang. Eine gewisse Schärfe bleibt auch auf der Zunge zurück, genau wie ein Hauch Apfel und Torf.

Fazit/Tipp: Ein Whisky, welcher die Stärken der Speyside mit denen von Islay harmonisch verbindet. Ausgeglichen und gefällig. Der Torf ist vorhanden, aber nicht aufdringlich. Schön süß und fruchtig, mit dem richtigen Kick. Der Zusatz von Wasser entfaltet den Torfrauch im Aroma mehr und macht den Abgang etwas würziger und trockener. Insgesamt definitiv eine Kaufempfehlung.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 6. Dezember 2014.

- Euer Tomas Aquinas

Donnerstag, 27. November 2014

Zwischendurch: Termine Dezember 2014

Lokal und Regional

Historischer Weihnachtsmarkt (Osnabrück: noch bis 22. Dezember)


National

2014 Holiday Ale Festival (Portland, OR, USA: 3. bis 7. Dezember)


Hibrewnation I (Harrisburg, PA, USA: 13. Dezember)

Het O.B.E.R. Kerstbierfestival (Essen, Belgien: 20. und 21. Dezember)


Brew Year's Eve (Chicago, IL, USA: 31. Dezember)




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Samstag, 22. November 2014

Zuidam Single Barrel Zeer Oude Genever (38% Vol.)

Vor ein paar Wochen hatte ich an dieser Stelle den Millstone, einen hervorragenden niederländischen Whisky von Zuidam besprochen und bereits damals darauf hingewiesen, dass in meinem Barschrank noch ein anderes, eher typisch niederländisches Erzeugnis der selben Firma seiner Verkostung harrt. Endlich bin ich jetzt mal dazu gekommen, mich darum zu kümmern. Der Morgen ist grau, das Glas mit dem Jenever (man schreibt auch Genever) ist schon wieder leer - also frischauf ans Werk!

Über die Firma Zuidam aus Baarle-Nassau habe ich beim Millstone-Artikel schon Einiges erzählt, darum beschäftige ich mich lieber noch ein wenig mit der Geschichte des Jenever. Leider kann man die deutschsprachige Wikipedia in diesem Punkt kaum zu Rate ziehen, da sich dort außer ein paar Allgemeinplätzen wenig Brauchbares findet (außer einem obskuren Verweis auf Thomas Mann). Empfehlenswert sind, sofern man Niederländisch kann oder den gängige Übersetzungsfunktionen traut, die niederländischsprachige Wikipedia sowie die sehr gut gemachte Webseite des (belgischen) Jenevermuseums in Hasselt (es gibt übrigens auch eine deutsche Version, die ist aber nur bruchstückhaft ausgeführt).

Die traditionelle Methode, um Jenever herzustellen, geht ungefähr so: Aus gemälzter Gerste (wie beim Single Malt) plus Roggen plus Mais wird so genannter moutwijn ("Malzwein") gebrannt. Dieser hat eine Stärke von etwa 46 Volumenprozent und wird in der Regel noch einem zweiten Destillationsprozess und/oder einer Verschneidung (Blending) zu einem Endprodukt unterzogen und nicht als eigenes Produkt verkauft. Heutzutage ist der Malzwein meistens durch Industriealkohol (vulgo Neutralsprit) ersetzt worden, falls es sich um Massenware handelt. Dies wirkt sich natürlich ungünstig auf den Geschmack aus. Werden dem Ausgangsprodukt in einer weiteren Destillation noch Kräuteressenzen, insbesondere Wacholder, zugesetzt, so spricht man von Jenever (vom lateinischen Namen der Wacholderpflanze juniperus). Wird kein Wacholder zugesetzt, aber ein hoher Anteil von Malzwein verwendet (min. 51 Prozent), nennt man es hingegen einem "Kornwein" (korenwijn). Generell lässt sich sagen, dass der heutige junge Jenever (weiß) meistens aus Neutralalkohol besteht und kalt getrunken wird. Der alte Jenever (braun) enthält unterschiedlich hohe Anteile an Malzwein - je teurer das Produkt, desto mehr Getreideschnaps sollte darin verarbeitet sein. Ihn trinkt der Kenner bei Zimmertemperatur. Selbstverständlich gibt es noch viele Unterarten des Jenever, insbesondere den auch in Deutschland beliebten bessenjenever, dem - wie der Name schon sagt - Beerensäfte bzw. -aromen zugesetzt wurden. Jenever ist im Übrigen eine geschützte geografische Bezeichnung: nur Produkte aus Belgien, den Niederlanden und aus bestimmten Grenzregionen Deutschlands und Frankreichs dürfen so heißen. Der große Bruder des Getränks im angelsächsischen Raum ist selbstverständlich der Gin.

Nun, die Firma Zuidam ist stolz darauf, nur "die allerbesten Getreidesorten und Kräuter" zu verwenden. Darauf basiert sicherlich auch der hervorragende Ruf, den ihre Produkte im In- und Ausland genießen. Im Portfolio befinden sich zurzeit elf verschiedene Jenever, vom jungen Getreidejenever bis hin zum 15 Jahre alten Kornwein. Mir wurde übrigens glaubhaft versichert, der dreijährige alte Jenever sei besser als der fünfjährige. Die Einliterflasche habe ich für recht günstige 27,- EUR in Deutschland erstanden. In den Niederlanden ist er durchweg - wie die meisten Alkoholika - teurer.

Art und Herkunft: Alter Jenever, Niederlande (Nordbrabant)

Besonderheiten: Lagerung in kleinen Fässern aus französischer Eiche mit nur 234 Litern Fassungsvermögen. Single Barrel (Flasche 152 von 190).

Aussehen und Aroma: Dunkle Bernsteinfarbe. Sehr würzig. Altes Holz und Kapern. Etwas Marzipan.

Geschmack: Sehr weiches und seidiges Mundgefühl. Nach etwa 20 Sekunden deutlich Pfeffer auf der Zunge. Vanille. Sehr viel Holz. Leicht blumig. Lavendel?

Abgang: Lang und wärmend. Ein Hauch von Nelken und Zimt zum Ende hin.

Fazit/Tipp: Ein hervorragender Tropfen, der den Vergleich mit einem Whisky oder Cognac nicht zu scheuen braucht. Sehr würzig und dennoch mild. Ideal zum Kaffee und/oder alleine als Digestif.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 29. November 2014.

- Euer Tomas Aquinas

Samstag, 15. November 2014

Islay Storm NAS (40% Vol.)

"Du Bastard!" ... so etwas hört natürlich niemand gerne und der Ausruf wäre, je nach Kulturkreis, entweder Anlass für eine Beleidigungsklage (in Deutschland) oder eine Schmarre mit dem Klappmesser (in ... na ihr wisst schon). Unser heutiger Whisky hat aber keinen Grund, angefressen zu sein, wenn wir ihn so bezeichnen - denn Bastard Malt ist der gängige Begriff für einen schottischen Single Malt, dessen eigentlicher Hersteller ungenannt bleiben möchte, und welcher daher unter einem anderen Markennamen vertrieben wird. Der Hauptgrund dafür ist nicht unbedingt, dass die eigentliche Brennerei mit dem Produkt "nichts zu tun haben möchte" (weil es z.B. minderwertig oder ähnliches wäre), sondern meistens ist die Ursache darin zu suchen, dass die Originalabfüller sich selbst sonst Konkurrenz machen würden, eventuell sogar in einem niedrigeren Preissegment.

Der Islay Storm wird vertrieben von einer Firma namens C.S. James & Sons in Glasgow (keine Webseite). Insgesamt vermute ich aber mal, ausgehend vom verfügbaren Material, dass es sich um eine eher kleinere Klitsche handelt, und dass sowohl Abfüllung, Verpackung und Versand outgesourced sind. Ein Herr Harry Brian Crook fungiert als Geschäftsführer (jedenfalls tat er das 2005). Das angegebene Firmenkapital beträgt stolze 100 GBP (in Worten: einhundert britische Pfund). Herr Crook ist für mich allerdings kein Unbekannter, denn er hat laut Firmenprofil bereits für die Vintage Malt Whisky Company (VMWC) gearbeitet (Produzenten des Glenalmond und des Finlaggan). Wenn man nun auf deren Webseite sucht, findet man die Information, dass die Vintage Malt im Jahr 1992 von einem Herrn Brian Crook gegründet wurde. Da wage ich doch einmal den educated guess, dass Harry Brian Crook und Brian Crook ein und dieselbe Person sind. Und damit hätten wir auch eine Erklärung für die Unscheinbarkeit von C.S. James & Sons. Es ist ganz einfach eine Tochterfirma (genauer gesagt: nur eine Briefkastenfirma) der VMWC.

Der Whisky selbst kommt, wie der Name schon sagt, von Islay. Manche glauben: von Laphroaig. Manche glauben: von Caol Ila. Ist mir, ehrlich gesagt, gar nicht so wichtig. Vom Geschmack her tendiere ich eher zu letzterem. Eine Flasche Islay Storm kostet im Einzelhandel um die 30,- EUR. Es gab auch noch eine Abfüllung mit 12 Jahren, die ist allerdings wohl nur noch selten erhältlich, jedenfalls in Deutschland (ich finde zurzeit nur ein einziges Angebot für ca. 37,- EUR).




Art und Herkunft: Single Malt, Islay

Besonderheiten: unbekannter Hersteller / Bastard Malt

Aussehen und Aroma: Hellgelb, frisches Stroh. Einige Schwebeteilchen unbekannter Herkunft. Süßlich-frische Nase, Seetang. Leicht medizinisch, Jod. Nicht so viel Torf.

Geschmack: Süß und cremig. Doch einiger Torf auf der Zunge. Seetang. Würzig, altes Leder. Eventuell etwas Bourbonfass?

Abgang: Eher lang und trocken. Tonerde. Auch zum Ende hin noch rauchig.

Fazit/Tipp: Sehr maritim und torfig, aber kein Torfmonster. Ziemlich gut ausbalanciert und kräftig. Bei Zusatz von Wasser neue Noten von Zitrus und Bienenwachs. Jedoch nicht zu empfehlen, da dem Whisky verdünnt doch schnell die Puste ausgeht. Für einen Preis von 30,- EUR fast schon ein Schnäppchen.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 22. November 2014.

- Euer Tomas Aquinas

Samstag, 8. November 2014

Caney Oro Ligero 5 J. (38% Vol.)

Also ehrlich gesagt - und wer mich persönlich kennt, weiß das auch - bin ich kein großer Freund sozialistischer oder sonstiger Menschheitsbeglückungssysteme, welche die Welt auf Teufel komm raus zu einem besseren Ort machen wollen, auch wenn die Definition von "besserer Ort" durchaus umstritten ist bzw. man im Endeffekt die Leute zu ihrem Glück zwingen muss, da sie ja anscheinend zu blöde sind, selbst zu wissen, was gut für sie ist. Aus diesem Grunde konnte ich auch noch nie die Begeisterung meiner Altersgenossen und -genossinnen für Kuba so recht teilen. Sozialismus ist für mich immer gleich grenzdebil, ob er jetzt in den Karpaten oder unter Palmen stattfindet. Aber - Politik beiseite - eines gibt es, für das man die Insel Kuba sicherlich beneiden kann, nein, sogar muss: ihre reiche Tradition in der Destillation von Rum. Ihre Wurzeln reichen bis in das 17. Jahrhundert, sind also genau so altehrwürdig wie die Jamaikas.

Der bekannteste "kubanische" Rum ist wohl Bacardi, wobei die Anführungszeichen hier mehr als gerechtfertigt sind, denn seit der Revolution von 1959 sitzt die Firma bekanntermaßen gar nicht mehr auf Kuba, sondern gut zehn Stunden mit dem Flugzeug entfernt, in Hamilton, auf den Bermudas. Seit die Gründerfamilie vor Castro und seinen Mannen flüchtete, sind die Firma und der kubanische Staat, wie man bei uns zu Hause sagt, ein wenig brouilliert. Die Produktionsanlagen von Bacardi gingen in das "Volkseigentum" über und der hier aktuell produzierte Rum wird unter der Marke Caney verkauft. Die Firma ist anscheinend aber nicht mehr (komplett) im staatlichen Besitz, sondern gehört zu einer (wahrscheinlich eingeschränkt; kenne mich mit den Wirtschaftsgesetzen Kubas in dieser Hinsicht nur unzureichend aus) privatwirtschaftlich organisierten Unternehmensgruppe mit dem Namen CIMEX. In Deutschland werden aktuell vier Rums von Caney angeboten, nämlich zwei weiße (ein und drei Jahre alt) sowie zwei braune (fünf und sieben Jahre alt). Die Lagerung erfolgt, wie es die Tradition verlangt, in Eichenfässern. Der Oro Ligero ("leichtes Gold") kostet in der Regel im Supermarkt nur etwa 13,- EUR und hat laut Etikett mehrere Preise gewonnen, alle im sozialistischen In- und Ausland, nämlich in Plovdiv 1966, Leipzig 1967" und Havanna 1993.

Art und Herkunft: Rum, Kuba

Aussehen und Aroma: Hellgold (oro ligero, remember?) mit warmem Schimmer. Leichte Vanille in der Nase. Eichenfass. Kaffee?

Geschmack: Zuerst weich, samtig und buttrig. Vanille, eventuell etwas Kakao. Sonst wenig.

Abgang: Lang und zuerst wärmend. Ein leider recht scharfer Nachbrenner.

Fazit/Tipp: Für den geringen Preis ein akzeptabler Rum. Leider jedoch deutliche Schwächen, insbesondere die fehlenden Highlights im Geschmack sowie der doch ziemlich ruppige Abgang. Mehr kann man eventuell in dieser Klasse aber auch nicht erwarten.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 15. November 2014.

- Eure Tomas Aquinas


Samstag, 1. November 2014

Bowmore 12 J. 2000/2013 Ultimate Whisky Company (46% Vol.)

Es ist ein  Glück im Unglück, sozusagen, dass ich die Beiträge nicht immer gleich am selben Tag schreibe, an dem die Verkostung stattfindet. Einerseits erfordert es natürlich einen gewissen Grad an Organisation - etwa in Form eines Zettelkastens zwecks Gedächtnisstütze. Andererseits bin ich nicht darauf angewiesen, dass mein Geruchs- und Geschmackssinn jederzeit zu 100 Prozent funktionieren. Und das tun sie in der Tat heute nicht. Ich muss mir wohl endlich diesen ekligen Erkältungsvirus eingefangen haben, der seit Wochen auf der Arbeit grassiert und Kolleginnen und Kollegen links und rechts niedergestreckt hat. Jetzt habe ich schwer angeschwollene Nasenschleimhäute und rieche und schmecke genau nullkommanix. Aber, wie gesagt, ich habe ja meine Aufzeichnungen.

Den heutigen Whisky habe ich vor fast genau einem Jahr im Whiskyhäuslein im Emsland erstanden. Der Preis von 42,- EUR erschien mir angesichts der Limitierung (nur 350 Flaschen) sowie der Tatsache, dass es die letzte Flasche im Laden war, als durchaus angemessen. Schließlich ist die Ultimate Whisky Company (UWC) aus den Niederlanden auch keine Unbekannte für mich. Vor einiger Zeit hatte ich schon deren besondere Kreation, den Celp, verkostet und für gut befunden. Die Firma selbst ist ein eher kleiner, aber sehr feiner unabhängiger Abfüller aus Amersfoort und wurde bereits vor 20 Jahren von den Gebrüdern van Wees gegründet (in Listen unabhängiger Abfüller wird die UWC auch oft unter "van Wees" geführt). Das aktuelle Sortiment umfasst insgesamt 29 Whiskys, alle in begrenzter Stückzahl natürlich. Ein Pluspunkt auf der übersichtlichen Webseite ist übrigens die komplette bottling history, in der man also alle Abfüllungen der Firma finden kann, bis zurück ins Jahr 1994. Der heutige Whisky ist also auch katalogisiert, sub voce 2013, Bowmore und  Fassnummer 1438. Alle Produkte von UWC sind nicht kaltfiltriert und nicht gefärbt; es gibt so gut wie keine Abfüllungen mit weniger als 43 Volumenprozenten.

Art und Herkunft: Single Malt, Schottland (Islay)

Besonderheiten: Single Cask, nicht kaltfiltriert, nicht gefärbt.

Aussehen und Aroma: Hellgelb, safranfarben. In der Nase  süße Aromen. Rosinen, gebuttertes Popcorn. Fichtennadeln. Wenig Torf.

Geschmack: Eher dünnes Mundgefühl, jedoch kräftiger Antritt. Torfsoden und Meersalz. Im Mittelteil Lakritz und Minze.

Abgang: Lang und kräftig. Minze und Eukalyptus wirken noch lange nach.

Fazit/Tipp: Ein Bowmore, der weniger nach Meer als nach Wald schmeckt. Nur leicht süß und torfiger, als man zunächst denkt. Ich empfehle ausdrücklich den Zusatz von etwas Wasser, da man so nicht nur mehr Wald in der Nase, sondern auch mehr Süße auf der Zunge hat. Weiche, blumige Noten wie z.B. Lavendel kommen ebenfalls hinzu.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 8. November 2014.

- Euer Tomas Aquinas


Donnerstag, 30. Oktober 2014

Zwischendurch: Termine November 2014

Lokal und Regional

Historischer Weihnachtsmarkt (Osnabrück: 26. November bis 22. Dezember)


National

Whisk(e)y Pur Festival (Aschaffenburg: 8. und 9. November)

8. WhiskyBotschaft (Rostock, 15. November) 

InterWhisky (Frankfurt/Main: 21. bis 23. November)

International

21ste Weekend der Belgische Bieren (Hasselt, Belgien: 7. bis 9. November)


Belfast Beer & Cider Festival (Belfast, Nordirland: 13. bis 15. November)

Le Festival du Rhum Haiti (Port-au-Prince, Haiti: 15. und 16. November)


23rd Philadelphia Winter Beer Fest (Philadelphia, PA, USA: 29. November)




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Samstag, 25. Oktober 2014

Sind so kleine Biere, Teil XVIII: Lindemans Kriek Cuvée René (6% Vol.)

Über die Brauerei Lindemans im brabantischen Vlezenbeek habe ich Anfang des Jahres schon einmal kurz etwas gesagt, anlässlich der Verkostung ihres Johannisbeerbieres. Sie ist, wie damals auch schon angemerkt, keine ganz kleine Brauerei mehr, hat sich aber den Ruf eines Familienunternehmens bewahrt, da die Eigentümerschaft auch weiterhin von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Ich selbst bin mir nie so sicher, ob ich Lindemans eher lieben oder eher hassen soll, denn einerseits bin ich mit ihren Produkten quasi aufgewachsen, andererseits sehe ich, nun tausende Biere später, einige ihrer Produkte, die für den Massenmarkt und -geschmack gebraut sind - wie etwa die quietschsüßen Fruchtbiere aus dem Basissortiment - durchaus kritischer, jedenfalls vom Liebhabergesichtspunkt aus. Andererseits gestehe ich, dass ich an einem heißen Sommertag durchaus gerne doch mal eine knallrote und superzuckrige Framboos reinzische, wenn sie nur kalt genug ist. Und wegen einer Sache hat Lindemans eh bei mir einen Stein im Brett: Der Brauerei ist es mit zu verdanken, dass die Sorte Faro, die einst ein beliebtes Getränk bei Jung und Alt war, nicht ausgestorben ist, denn seit Ende der Siebziger bis etwa in die Neunziger war Faro von Lindemans (fast) eine der letzten Vertreterinnen ihrer Art, die mittlerweile und gottlob auch wieder bei etlichen anderen Herstellern im Sortiment vertreten ist.

Ansonsten ist die Firma im nicht mehr ganz so neuen Jahrtausend auch international gut aufgestellt: Belgisches Bier geht momentan ohnehin wie geschnitten Brot und für Deutschland werden alleine etwa 18 Verkaufsstellen (wobei ich nicht sicher bin, wie diese gezählt werden, denn mindestens zwei, die ich persönlich kenne, sind nicht aufgeführt) gelistet. Die meisten sitzen wohl eher im Westen als im Osten der Republik; dennoch habe ich auch neulich in Dresden ein Kriek von Lindemans genießen dürfen.

Neben der - sagen wir mal - "kommerziellen" Reihe, die einfach als Lindemans ... vermarktet wird, gibt es für den etwas anspruchsvolleren Geschmack auch noch die Cuvée René, unter der die traditionell gebrauten Lambieks bzw. Fruchtbiere angeboten werden. Der Unterschied liegt hier auch ganz klar in den Zutaten: Anstatt schnöden Kirschsafts und/oder -aromas werden beim  traditionellen oder "alten" Kriek (es gibt auch eine Geuze) selbstverständlich - wie früher - ganze Kirschen für die Herstellung verwendet. Dahingegen wird bei dieser Sorte generell auf den Zuckerzusatz verzichtet. Ferner gehören noch ungemälzter Hafer, Malz, Wasser und Hopfendolden zu den guten Dingen, die im Biere werkeln. Die von mir getrunkene Flasche war 2010 abgefüllt worden, hätte also - wie alle Geuzes/Lambieks bzw. deren Derivate, die in der Flasche nachgären - durchaus noch gut zwanzig Jahre liegen können. Aber so lange wollte ich nun auch nicht warten.


Art und Herkunft: Kriek aus Lambiek und Kirschen, Belgien (Flämisch-Brabant)

Aussehen und Aroma: Dunkles Rubinrot. Spritzige Krone, die schnell zerfällt. Ganz kleine Kirschstückchen sind sichtbar. Leicht säuerlicher Geruch, dominantes Sauerkirscharoma. Meine Frau sagt, der Geruch erinnere sie an Kirscheislollies.

Geschmack: Sehr spritzig auf der Zunge. Frisch, recht säuerlich. Nicht süß. Auch wieder deutliche Sauerkirschen.

Abgang: Sehr mild und kurz. Nicht trocken und nicht schweflig. Etwas Säure auf der Zunge. Kirschsaftkonzentrat?

Fazit/Tipp: Sehr gut ausbalanciertes altes Kriek. Keinerlei unangenehme Eindrücke. Sehr erfrischend und spritzig. Wer es irgendwo sieht: kaufen. Kann man sich auch noch einige Zeit in den Keller packen (liegend!). Übrigens wird empfohlen, es kalt zu trinken (5° Celsius).

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 1. November 2014.

- Euer Tomas Aquinas



Samstag, 18. Oktober 2014

Millstone Peated 5 J. (40% Vol.)

Wenn die Belgier Whisky brennen dürfen - wir haben es ja bereits mal angesprochen - dann werden es ihre nördlichen Nachbarn (nicht die Belgier, sondern die Niederländer sprechen gerne von den Nachbarländern als den buren - den Nachbarn. So werden die Deutschen zu den Oosterburen, den östlichen Nachbarn, und die Belgier zu den Zuiderburen, den südlichen Nachbarn) wohl auch dürfen und können. Und tatsächlich gibt es in den Niederlanden nicht nur einen, nein, mindestens drei Whiskys heimischer Herstellung. Da wäre zunächst einmal die Brennerei Us Heit mit dem Frysk Hynder. Wie der Name schon suggeriert, ein friesisches Produkt. Weiterhin der John White Blend von Rutte und eben der heute vorgestellte Millstone von Zuidam.

Zunächst war die Destillerie, die 1975 als Familienunternehmen gegründet wurde, gar nicht mit Whisky beschäftigt, sondern konzentrierte sich mehr auf traditionell niederländische Schnäpse und Liköre, wie etwa Genever (oder auch Jenever) - von einem eben solchen aus diesem Hause wird in einem späteren Beitrag noch einmal die Rede sein. Dies war auch naheliegend, denn der Stammvater des Hauses, Fred Zuidam, hatte zuvor zwanzig Jahre lang für de Kuyper gearbeitet und natürlich auch das Handwerk von der Pike auf gelernt. Heute steht die Brennerei immer noch im schönen Baarle-Nassau, welches an sich schon ein recht interessantes Örtchen ist, denn es handelt sich um eine Art "Doppeldorf", durch das mittenmang die Grenze zwischen den Niederlanden und Belgien verläuft - die belgische Seite heißt übrigens Baarle-Hertog. Hier begann Fred, wie gesagt, mit ein paar gebrauchten Brennblasen und einer kleinen Produktionslinie. In den Neunzigern wurde kurzzeitig sogar Wodka hergestellt. Heute umfasst das Firmenportfolio einige Liköre, Jenever, Rum und eben eine kleine Reihe Whiskys unter dem Namen Millstone, die zuerst 2007 auf den Markt kam. Hiervon gibt es einen Standard ohne Altersangabe, einen French Oak und einen American Oak (beide acht Jahre) und eben den Peated (fünf Jahre alt). Darüber hinaus verkaufen sie noch einen Roggenwhisky, der aber einfach nur Dutch Rye heißt.


Die Millstones jedenfalls werden alle in kupfernen pot stills gebrannt (Zweifachdestillation). Die gemälzte Gerste, die man dafür benötigt - darauf ist Zuidam stolz - wird ganz altertümlich in Windmühlen gemahlen. Reifen tut der Whisky zunächst auch stets in Fässern aus Weißeiche. Die Flaschen der getorften Edition sind nicht nur durchnummeriert (meine war die 295), es wird auch angegeben, aus welchen Fässern das Vatting gemacht wurde (hier: 621, 672, 673). Die Etiketten werden übrigens auch immer noch im Hause selbst entworfen. Eine Flasche ist leider nicht ganz billig; so knapp unter 60,- EUR muss man so gut wie immer hinlegen.



Art und Herkunft: Single Malt, Niederlande (Nordbrabant)

Aussehen und Aroma: Hellgolden. Der Geruch ist blumig und fruchtig. Trauben. Maiglöckchen. Frisches Holz, etwas Pfeffer. Nur ganz leichter Rauch. Honig?

Geschmack: Sehr weich und sanft. Süßer Honig oder Grafschafter Goldsirup. Nur wenige würzige Noten. Meersalz. Etwas Weißwein?

Abgang: Lang und warm. Trocken.

Fazit/Tipp: Ein sehr angenehmer, sehr gut gebrannter Whisky, der den Vergleich mit einem Produkt aus Schottland, insbesondere aus der Speyside, nicht zu scheuen braucht. Torf ... Torf findet man allerdings, trotz des Namens, nur dezent im Hintergrund. Der Zusatz von Wasser lohnt sich nicht wirklich.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 25. Oktober 2014.

- Euer Tomas Aquinas


Samstag, 11. Oktober 2014

Glen Moray 12 J. (40% Vol.)

Liebes Tagebuch Blog: Heute habe ich irgendwie gar keine rechte Lust, etwas zu schreiben. Hatte einen harten Tag im Büro, die außergewöhnliche Hektik war schon fast grotesk zu nennen. Ich motiviere mich mal mit einer Flasche Heineken, vielleicht geht es dann besser. Eventuell gewinne ich ja auch eine von diesen Städtereisen? Mal schnell den Code eingeben ... dum dum dum dum ... Mist, nichts gewonnen. Na egal, muss auch so gehen. Wenigstens ist das Bier schön kühl, obschon nicht mein Liebling. Aber einfach zu trinken.

Die Flasche, die ich heute bespreche, ist eine von meinen Dreißigern. Das heißt, sie kostet in der Regel um die dreißig Euro. Ich besitze eine Liste von Whisk(e)ys, in denen nur Flaschen in dieser Preisklasse zu finden sind. Warum? Na, ist doch klar: als Wunschliste für Geburtstag oder Weihnachten. Wer will denn, wenn er gefragt wird: "Was wünschst du dir?", antworten: "Och, so einen Port Ellen von 1982 - gibt's bestimmt irgendwo noch unter 400 Ocken ..."? Na, darum also die Liste.

Glen Moray ist als Destillerie noch gar nicht so außerordentlich alt, gegründet erst Ende des 19. Jahrhunderts (1897, um ganz genau zu sein). Vorher wurde an der gleichen Stelle Bier gebraut. Seit 2008 gehört die Firma zur französischen Gruppe La Martiniquaise. Diese besitzt unter anderem auch die Marke Glen Turner, von der ich ebenfalls noch eine Flasche "auf Halde" habe. Für eine Weile (vor der Übernahme) gehörte Glen Moray dem selben Eigentümer wie die Glenmorangie; beide Brennereien spezialisierten sich relativ früh (in den 1990ern) auf das Finishing in Weinfässern. Der heute verkostete Zwölfjährige war früher der Einstiegswhisky im Sortiment. Mittlerweile hat - wie bei einigen Konkurrenten auch - eine Abfüllung ohne Altersangabe (bei Glen Moray "Classic" genannt) diese Aufgabe übernommen. Darüber hinaus gibt es gegenwärtig noch die Altersstufen 10 (Chardonnay Cask), 16, 25 (Port Wood Finish) und 30. Alle Whiskys reifen zunächst jedoch in Ex-Bourbon-Fässern. In den letzten Jahren ist die Produktionsstätte erweitert worden -sowohl mit einem Besucherzentrum, als auch mit neuen Brennblasen, welche 2015 in Betrieb gehen sollen. Dafür wird das Gebäude umgebaut, das früher den hauseigenen Malzboden beherbergte.


Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Lossie)

Aussehen und Aroma: Hellgelb und sanft. Birne und Traube. Ganz leicht nussig? Ansonsten wenig los.

Geschmack: Wieder mit den selben Früchten wie in der Nase. Etwas pfeffrige Schärfe im Antritt. Weich am Gaumen. Später eine feine Bitterkeit. Pfefferminz?

Abgang: Lang. Schäfer als im Mittelteil. Trocken und warm.

Fazit/Tipp: Ein solide gemachter Speysider, sehr typisch. Für Einsteiger gut geeignet. Mir persönlich einen Hauch zu lustlos. Ein bisschen Wasser kann man gut dazugeben und gewinnt so eine noch fruchtigere Nase. Der Geschmack wird getreidiger und weicher.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 18. Oktober 2014.

- Euer Tomas Aquinas