Samstag, 30. August 2014

Bushmills Single Malt 10 J. (40% Vol.)

Es hat sich viel getan in Irland in den letzten beiden Jahren. Das ist mir heute aufgefallen, als ich auf einen alten Blogeintrag aus 2012 zurückblickte, den Beginn meines Irischen Stundenbuchs. Damals gab es ganze vier (produzierende) Destillerien auf der Grünen Insel; heute sind es derer neun, wobei einige noch nicht in der Lage sind, Whiskey auf den Markt zu bringen, da die entsprechenden Abfüllungen noch nicht lange genug reifen konnten. 

Insbesondere in Nordirland, wo die Old Bushmills viele Jahre lang den alleinigen Platzhirsch spielte, kann man sich über die Eröffnung einer neuen Brennerei freuen: die Echlinville in Newtonards. Diese wird allerdings noch ein Weilchen benötigen, bis sie Irland und uns mit guten Tröpfchen versorgen kann, denn die Produktion lief erst letztes Jahr an. So müssen wir uns, wenn es um den Norden der Insel geht, doch noch eine Weile an die große alte Dame aus Antrim halten, die nun schon gut zehn Jahre im Besitz von Diageo ist.

(Old) Bushmills brüstet sich - wohl zu Recht - damit, die älteste lizenzierte Whiskybrennerei der Welt zu sein, denn das königliche Privileg zur Destillation erhielt der Gouverneur von Antrim, Sir Thomas Phillipps, bereits 1608 vom britischen König Jakob I. (in Großbritannien James genannt, das ist der von der King James-Bibel). Im Sinne einer echten Produktionsanlage für den kommerziellen Betrieb gibt es die Firma aber erst seit 1784. Genau wie alle anderen irischen Destillerien der Zeit litt Bushmills sehr unter der amerikanischen Prohibition, konnte sich aber gerade so bis zu deren Ende über die Runden retten. Bis in die Siebziger des 20. Jahrhunderts befand man sich in (wechselndem) Privatbesitz, bis schließlich Irish Distillers (ID) "den Laden aufkauften" und anschließend das Monopol auf die gesamte Whiskeyproduktion in Irland erlangten. 1988 folgte der Aufkauf von ID durch Pernod Ricard und - wie oben gesagt - die Übernahme von Bushmills durch Diageo nach der Jahrtausendwende.

Zurzeit werden sechs Produkte aktiv beworben: Der Bushmills Original (auch White Label oder White Bush genannt), der wohl bekannteste Blend der Firma, weiterhin der Black Bush, ein Premium-Blend, sowie der Irish Honey, welcher relativ neu am Markt ist. Darüber hinaus gibt es auch drei Single Malts, von denen der jüngste uns heute am meisten interessiert: einen Zehnjährigen, einen Sechzehnjährigen und einen Einundzwanzigjährigen. Der Bushmills 10 ist an seinem grünen Etikett gut zu erkennen. Er reift sowohl in amerikanischen Bourbon- als auch in Olorosofässern und der Zusatz von Wasser wird von Master Distiller Colum Egan ausdrücklich empfohlen. Wie in Irland üblich wird er dreifach destilliert. Er ist in Deutschland recht häufig zu finden und kostet in der Regel zwischen 23,- und 27,- EUR. Ich habe ihn Anfang des Sommers bei real für 22,95 gesehen und deshalb auch sofort zugegriffen.


Art und Herkunft: Single Malt, Irland (Old Bushmills)

Aussehen und Aroma: Bernsteinfarben mit schönem warmem Schimmer. Deutliches, aber nicht aufdringliches Bourbonfass. Wenig vom Sherry zu spüren, höchstens als unterschwelliges Thema. Süß, Jellybeans und Vanille. Etwas Bienenwachs, nussig.

Geschmack: Zuerst deutliche Süße: gelbe Gummibärchen, Marillen, Papaya. Später trockener. Bourbonfass, dunkle Schokolade. Leider auch ein bisschen alkoholscharf.

Abgang: Relativ lang. Herber und scharfer Nachbrenner. Trocken. Eine spürbare Bananennote bleibt auf der Zunge zurück.

Fazit/Tipp: Ein sehr fruchtiger Single Malt, jedoch nicht ganz ohne Haken und Ösen. Insgesamt aber stimmig komponiert. Der Zusatz von Wasser (wie empfohlen) macht ihn sehr bananig; dies sollte man auf jeden Fall einkalkulieren. Für 22,95 absolut okay - ob ich jedoch regelmäßig 27,- EUR dafür hinblättern würde? Da bin ich unsicher.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint ausnahmsweise einen Tag später, am 7. September 2014.

- Euer Tomas Aquinas

Samstag, 23. August 2014

Sommerbiere, Teil II

Für die zweite Charge unserer Sommerbiere haben wir einzig und alleine auf deutsche Erzeugnisse zurückgegriffen, wobei der Süden der Republik deutlich dominiert: drei der vier Kandidaten stammen aus dem schönen Freistaat Bayern; das einzige Nordlicht ist zudem auch noch das einzige Bier, das aromatisiert ist.

Und da wir es nun schon genannt haben, beginnen wir doch auch am besten gleich damit. Das Neuzeller Ginger Bier (nervig: das Deppenleerzeichen) wird hergestellt und vertrieben von der Neuzeller Kloster-Bräu (NKB). Das Unternehmen sieht sich als Nachfolger der 1589 gegründeten und 1892 abgebrannten ehemaligen Klosterbrauerei (Neuzelle war eine Gründung der Zisterzienser in der Lausitz). Allerdings gab es auch zwischendurch noch Bierproduktion am Orte, vor der Privatisierung in den Neunzigern natürlich als VEB. Die NKB braut eine ganze Palette sowohl traditioneller (Schwarzbier, Bockbier, Fruchtbier, ...) als auch moderner/innovativer (Wellnessbier, Anti-Aging-Bier, ...) Spezialitäten. Weiterhin bietet man auch Biere mit personalisiertem Etikett als Geschenkidee an. Abgelegen im äußersten Winkel Mitteldeutschlands, wie die Brauerei nun einmal ist, verlässt man sich wohl hauptsächlich auf das Versandgeschäft, hat aber offensichtlich doch auch einige potente regionale und überregionale Vertriebspartner gewinnen können. Das verkostete Ingwerbier hat einen relativ geringen Alkoholgehalt und kostet zwischen 1,66 und 2,48 EUR pro Flasche, abhängig von der Gebindegröße. Die Aromatisierung wird durch Zugabe von 0,6% Ingwerextrakt erreicht.

Die Brauerei Maisel aus der Wagnerstadt Bayreuth ist natürlich nicht nur ein wenig größer, sondern auch landauf landab gut im Einzelhandel und Gastronomie vertreten. Neben dem schon recht großen normalen Portfolio hat man nun vor kurzem beschlossen, auf den Fahrt aufnehmenden Craft-/Spezialbierzug aufzuspringen und tut dies vornehmlich unter dem Label Maisel & Friends. Die Projekthomepage führt dazu aus:
Maisel & Friends unterstreicht den Stellenwert von Bier durch ganz neue, kreative und innovative Interpretationen bestehender Biertypen und lädt ein zu einer Entdeckungsreise durch die Welt des Bieres. Mit Freunden gebraut – mit Freunden genießen: Maisel & Friends verlässt sich nicht nur auf den eigenen Geschmack, sondern sucht bewusst neue Inspirationen bei Freunden, die einen unterschiedlichen Genuss-Background haben, die aber eines eint: Die Liebe zum Bier.
Konkret gibt es zur Zeit drei verschiedene Produkte in dieser Serie, nämlich Jeff's [Jeff Maisel] Bavarian Ale, Marc's [Marc Goebel] Chocolate Bock und eben Stefan's Indian Ale, welches wir uns hier einmal genauer anschauen. Der Namensgeber Stefan Sattran ist von Haus aus Winzer und Sommelier, der in Bayreuth ebenfalls ein Delikatessengeschäft betreibt. Alle Biere von Maisel und Friends gibt es ausschließlich in der 0,75 -Literflasche, die online mit jeweils 4,95 zu Buche schlagen.

In Baden-Württemberg, genauer gesagt in Crailsheim, sitzt seit 1877 die Biermanufaktur Engel, welche sich immer noch in Besitz der Gründerfamilie Fach befindet. Ende der 1960er wurde die Brauerei modernisiert und versteht sich seitdem als "Handwerksbrauerei". Abgesehen von zahlreichen Limonaden und alkoholfreien Bieren stellen die Fachs eine große Palette an verschiedenen Bieren her, zusätzlich zu den üblichen hellen und dunklen Varianten auch noch einige Weizen-, Spezial- und Festbiere. Insgesamt wird der jährliche Bierausstoß mit 65.000 Hektoliter angegeben. Das mehrfach prämierte Landbier enthält ausschließlich Hallertauer Hopfen der Sorten Magnum und Perle.

Ganz weit im Süden der Republik schließlich, in Kempten, befindet sich das Allgäuer Brauhaus, welches auf eine mehr als 600-jährige Geschichte zurückblicken kann. Wie man auf der Homepage unschwer erkennt, stehen unter einem gemeinsamen Dach eigentlich zwei Marken, nämlich das Allgäuer Brauhaus an sich (unter anderem Pils und Export, aber auch die Untermarke Altenmünster) sowie auf der anderen Seite das Allgäuer Büble Bier, das sich auf die Tradition der Allgäuer Hof- und Gaststättenbrauereien bezieht. Alle Produkte dieser Reihe (u.a. Festbier, Radler) werden in Bügelflaschen geliefert. Die Brauerei empfiehlt das hier vorgestellte Edelbräu zu deftigen und kräftigen Speisen.





Neuzeller Ginger Bier (3,6% Vol.)


Art und Herkunft: Helles mit Ingwerextrakt, Deutschland 


Aussehen und Aroma: Hellgolden mit orangefarbener Schattierung. Feste, dichte Krone. Herbes, leicht fruchtiges Aroma. Nur dezente Ingwernoten.

Geschmack: Weiches, schaumiges Mundgefühl. Erst eher säuerlich, der Ingwer setzt erst im Mittelteil ein. Im Hintergrund auch süßliche Komplexe.

Abgang: Relativ lang. Die Ingwerschärfe steht noch eine Weile nach.

Fazit/Tipp: Ziemlich süß, aber auch scharf genug für ein Ingwerbier. Gefällig im Geschmack, gut zu trinken.


Maisel & Friends Stefan's Indian Ale (7,3% Vol.)

Art und Herkunft: IPA, Deutschland

Aussehen und Aroma: Dunkler Bernstein. Kleine, unbeständige Krone. Hefearomen, "typisch IPA": leicht fruchtig.

Geschmack: Deutlich schwerer. Dunkle Noten von Kaffee, Kakaobohnen, Karamellbonbon. Sehr malzig.

Abgang: Mittel. Etwas fruchtig im Ausklang. Bananenbrot?

Fazit/Tipp: Kein ganz leichtes, dafür süffiges Bier. Malz muss man aber mögen.


Engel Landbier Hell (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Helles, Deutschland

Aussehen und Aroma: Hellgelb mit kleiner, mittelstabiler Krone. Nur ganz schwache Nase. Leicht herb.

Geschmack: Feinperlig, leicht cremig. Wenig ausgeprägter Charakter. Frisch. Nur leicht bitter, Deutliche Hefe, ldezent hopfig.

Abgang: Ziemlich kurz. Spät stellt sich noch ein wenig Süße ein.

Fazit/Tipp: Ein Bier ohne große Höhen und Tiefen. Im Sommer sehr trinkbar, da erfrischend.


Allgäuer Büble Edelbräu (5,5% Vol.)

Art und Herkunft: Export, Deutschland

Aussehen und Aroma: Sehr kleine und flüchtige Krone. Dunkelgelb bis goldfarben. Nahezu kein Eigenaroma. Ein ganz leichter, süßlich-parfümierter Hauch.

Geschmack: Ordentlich prickelnd und lebhaft. Ansonsten wenig los am Gaumen. Deutlich malzig. Honig?.

Abgang: Kurz, hopfig und malzig. Kaum ein Nachklang bleibt im Mund übrig.

Fazit/Tipp: Im Gegensatz zum Aroma geschmacklich doch überzeugender. Malzig und süß, jedoch nicht zu süß. Süffig.

Gesamtfazit: Alle getesteten Biere sind gut trinkbar, es gibt keine Ausfälle. Das Maisel's ist mir für wirklich warme Tage allerdings definitiv zu schwer. Das Allgäuer Büble ist meines Erachtens ein guter Kompromiss zwischen Geschmack und Erfrischung.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 30. August 2014.

- Euer Tomas Aquinas



Freitag, 15. August 2014

Sommerbiere, Teil I

Mit Bier experimentieren wir gern, das weiß jeder, der sich auf unserem Blog schon einmal umgeschaut hat. Aber irgendwann, wenn das Thermometer auf über 30 Grad steigt, ist auch mal Schluss mit den ganzen Trappistenbieren, Stouts, Porters und Fruchtbieren verschiedener Provenienz. Als wir so im Schatten von Plattfuss' Laube saßen, und gemeinsam mit dem Grillgut in der heißen Sonne brieten, sehnten wir uns nach ein paar Schluck gutem, hellem, erfrischenden Bier. Mit letzter Kraft schwangen wir uns also auf unsere Fahrräder und pesten in den nächstgelegenen Getränkemarkt, wobei wir natürlich nicht unbedingt ein x-beliebiges Pils im Sinn hatten, sondern durchaus gute, hochwertige Brauspezialitäten aus heimischen, aber auch aus allen anderen möglichen Gefilden.

So entstand dann auch die Miniserie über "Sommerbiere", die wir in insgesamt zwei Folgen präsentieren wollen. Wie ich oben schon angedeutet habe, ist der Begriff "Sommerbier" so zu verstehen, dass wir intuitiv die jeweiligen Biere für den Verzehr an heißen Sommertagen angepeilt hatten; dies ist aber nicht unbedingt die Interpretation (oder Marketingstrategie), die die jeweiligen Brauereien vertreten. Ob die jeweiligen Biere tatsächlich das Zeug zum sommerlichen Durstlöscher haben, ist natürlich eine der zentralen Fragen, der wir bei den Verkostungen nachgingen.

Die heutige Folge behandelt zwei Produkte aus Deutschland sowie zwei aus Übersee, nämlich aus Großbritannien und den USA. Fast alle hatten wir - wie oben beschrieben - im lokalen Getränkemarkt erstanden; eine Ausnahme bildete lediglich das Strandräuber Sanddorn, welches mir ein wohlmeinender Bekannter aus dem Urlaub an der Ostsee mitgebracht hatte.

Verlieren wir zunächst ein paar Worte über die beteiligten Brauereien: Zuerst wäre da Brewdog aus Schottland. Die Firma wurde 2007 von zwei Twentysomethings gegründet, die nach eigenen Angaben "keine Lust mehr auf industriell hergestellte Biere hatten". Daher beschlossen sie, selber Bier zu brauen (hört man in der Firmengeschichte von Craftbrauereien wirklich relativ häufig). Sie begannen mit zwei Angestellten (sich selber) und einem Ausstoß von 1.050 Hektolitern im Jahr und stehen jetzt bei über 200 Angestellten und gut 54.000 hl Bier. Im Moment werden vier verschiedene Produktserien hergestellt: Die Headliners sind das stets verfügbare Basissortiment, zu denen auch das heute verkostete Dead Pony Club gehört. Es wurde in den vergangenen Monaten in Dead Pony Pale Ale umbenannt und auch - wie alle anderen Biere - neu verpackt. Auf dem Foto unten ist noch die alte Ausstattung zu sehen. 


Als zweite ausländische Brauerei haben wir dann die Anchor Brewing Company, ein, wenn nicht sogar das Urgestein der Mikrobrauereien. In der heutigen Form existiert sie seit 1971 in San Francisco, geht aber auf eine Gründung (durch deutsche Auswanderer namens Baruth, Schinkel und Brekle) im Jahre 1896 zurück, die auch schon unter demselben Namen firmierte. Die Brauerei ist relativ bekannt für das so genannte Steam Beer, welches seit den Siebzigern produziert wird. Das hier vorgestellte Old Foghorn basiert auf traditionellen englischen Barley Wine-Rezepturen.


Das Strandräuber Sanddorn war - wie schon gesagt - ein Mitbringsel von der Ostsee. Hergestellt wird es von der Störtebeker Braumanufaktur in Stralsund. Wenn ich das richtig sehe, handelt es sich hier um die Umwidmung bzw. Neuausrichtung einer ehemaligen Großbrauerei, nämlich der früheren Stralsundischen Vereinsbrauerei (in der DDR dann: VEB Stralsunder Brauerei, hiarrrrr). Ist auch irgendwie ironisch, dass sich eine Brauerei in einer ehemaligen Hansestadt ausgerechnet nach dem Public Enemy Number One der Hanse benennt, aber okay. Unter dem Namen Störtebeker jedenfalls finden sich die Stammprodukte der Brauerei (sehr umfangreiches Portfolio). Als Strandräuber hingegen wird eine Serie von (Bio-) Biermixen unterschiedlicher Geschmacksrichtungen bezeichnet. Vor der Verkostung muss ich anmerken, dass der Sanddorn leider nicht zu meinen Lieblingsgewächsen (was den Geschmack betrifft) zählt; das sollte man bei der Bewertung im Hinterkopf behalten.


Und schließlich das Brauhaus Faust. Den Slogan auf der Startseite finde ich übrigens richtig gut. Ansonsten wirbt man gerne mit "so schmeckt Bayern" und weißblauen Verpackungen, dabei liegt das heimische Miltenberg doch in Franken (seit 1816 erst bayrisch) ... ts ts ts. Ich dachte, für sowas wird man in der Gegend gelyncht. Auf eine stolze Tradition von 350 Jahren kann man aber auf jeden Fall zurückblicken und angeboten wird das ganze Produktspektrum, welches man von einer bayrischen (huch, jetzt hab' ich es selbst gesagt) Brauerei erwarten kann: Pils, Helles, Festbier, Weizen, Dunkles, ...





Brewdog Dead Pony Club / Dead Pony Pale Ale (3,8% Vol.)

Art und Herkunft: "Californian" Pale Ale, Schottland

Aussehen und Aroma: Leicht trüb und rötlich. Sieht ein bisschen aus wie Rhabarberschorle. Fast keine Schaumkrone. Sehr fruchtiges Aroma, Melone. Frisch. Etwas Schwefel?

Geschmack: Spritzig. Zuerst etwas metallisch. Dann jedoch erfrischende, bittere Töne. Hopfig. Ein wenig Kaffee im Hintergrund?

Abgang: Mittel. Bitterer Nachhall.

Fazit/Tipp: Zuerst relativ uneinheitlich und daher gewöhnungsbedürftig. Dann aber wird es sehr erfrischend. Kalt trinken.


Anchor Brewing Old Foghorn (8,8% Vol.)

Art und Herkunft: Ale, USA

Aussehen und Aroma: Dunkelrot-braun. Kleine, feste Krone, welche sich nicht lange hält. Sehr, sehr dezentes Aroma. Malzig.

Geschmack: Süßlich. Extrem viel Malz. Kaffeebohnen. Im Hintergrund irgendwo auch Banane. Feinperlig und wenig spritzig.

Abgang: Mittel. Hopfig und ziemlich alkoholisch.

Fazit/Tipp: Ich finde es schon wirklich sehr süß. Fast wie ein belgisches Tripel; für ein "Sommerbier" ist es mir etwas zu schwer. Eher ein Bier für einen verregneten Herbsttag.


Strandräuber Sanddorn (2,1% Vol.)

Art und Herkunft: Biermischgetränk (40% Weizenbier,  60% Erfrischungsgetränk), Deutschland

Aussehen und Aroma: Spritzig und gelbweiß. Trüb. Säuerliche, fruchtige Nase. Der Sanddorn kommt bereits jetzt stark durch.

Geschmack: Sehr süß, sehr zuckrig. Ein dumpfiger Sanddorngeschmack, jedoch eher verhalten.

Abgang: Kurz, nur noch leicht süß.

Fazit/Tipp: Sanddorn ist und bleibt einfach nicht so meins, gerade auch nicht im Bier. Aber auch von diesem speziellen Aroma abgesehen finde ich den Limonadenanteil zu hoch. Insgesamt viel zu süß für meinen Geschmack.


Faust Bayrisch Hell (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Helles, Deutschland

Aussehen und Aroma: Laut Brauerei Faust: "leuchtend gelb". Naja, meinetwegen. Leicht trüb, keine Krone. Praktisch kein Eigengeruch. Feine Hefe.

Geschmack: Leicht, spritzig. Deutliche Hopfennoten. Zitrusfrüchte.

Abgang: Kurz. Kein Nachbrenner.

Fazit/Tipp: Meines Erachtens ein typisches Helles: leicht zu trinken, erfrischend. Keine Ecken und Kanten. Die leichte Zitrusnote hat mir gut gefallen an einem heißen Tag.

Gesamtfazit: Von den heute getesteten Bieren/Biermischgetränken kann ich eigentlich nur das Faust und das Brewdog als "Sommerbiere" empfehlen. Dem Nebelhorn aus San Francisco würde ich an einem kalten Tag noch eine zweite Chance geben.

Der zweite Teil der "Sommerbiere" erscheint am 23. August 2014.

- Euer Tomas Aquinas



 

Samstag, 9. August 2014

Bruichladdich Bere Barley 2006 (50% Vol.)

Die 1881 gegründete Bruichladdich ist, wie die Meisten wissen werden, immer für neue Abfüllungen und Ideen gut - und auch mächtig stolz darauf. Sie gehört ebenfalls zu den Produzenten, die offensiv von dem Gedanken weggehen, dass nur "alter" Whisky gleich "guter" Whisky ist und verzichtet daher (fast) konsequent auf Altersangaben im herkömmlichen Sinne. Im Gegenzug konzentriert man sich an den Ufern des Loch Indaal auf vielerlei Experimente mit der Torfigkeit, den Fässern, den Getreidesorten. 

Vor ein paar Wochen habe ich noch auf arte eine französische Dokumentation über Islay gesehen, in der Bruichladdich ziemlich oft vorkam (was damit zu tun haben mag - oder auch nicht - dass die Brennerei im Jahr 2012 von einem französischen Konzern, nämlich Rémy Cointreau, aufgekauft wurde). Außer dass der Erzähler die ganzen gälischen Namen, inklusive Bruichladdich (mit langem iiieeee) penetrant französisch aussprach, ist mir besonders im Gedächtnis haften geblieben, dass die Destillerie großen Wert darauf legt, lokal angebaute Gerste für die Whiskys zu verwenden und die Bauern in der Verwendung traditioneller Sorten zu unterstützen. 

So ist es wohl dazu gekommen, dass auch die Bere-Gerste (ausgesprochen wie das englische Wort bear) zur Herstellung eines Single Malts herangezogen wurde. Die Bere ist wahrscheinlich eine der ältesten, durchgängig in Großbritannien angebauten Kulturpflanzen; sie wird auch teilweise als "Wikinger-Gerste" bezeichnet, da diese sie angeblich im 9. Jahrhundert auf die britischen Inseln gebracht haben sollen. Das Wort bere ist übrigens auch einfach das altdeutsche Wort für "Gerste". 

Für den 2006er Bere Barley wurden die benötigten Pflanzen auf zwei speziell reservierten Feldern (Achaba und Achfad) einer einzigen Farm auf Islay (Kynagarry) angebaut, was, wie mittlerweile bei Bruichladdich üblich, auf der Verpackung vermerkt steht.

Der Whisky ist nicht gefärbt und nicht kaltfiltriert. Da er in einer relativ geringen Stückzahl (ca. 16.000 Flaschen) auf den Markt kam, ist er mittlerweile fast überall vergriffen. Ab und zu sieht man nochmal ein Fläschchen, das dann meistens so um die 70,- EUR kosten soll. Ich persönlich hatte ihn kurz nach seinem Erscheinen bereits 2012 gekauft, da meine Frau ihn gerne mal probieren wollte: damals war er so etwa 20,- EUR günstiger.



Art und Herkunft: Single Malt, Islay.

Aussehen und Aroma: Hell. Safran oder Flachs. Intensiver, aber stimmiger Geruch. Junge Eichen. Süß, Mandelcreme. Im Hintergrund ein wenig Kampfer.

Geschmack: Kräftiger Antritt, malzig. Mischbrot. Im Mittelteil sowohl Schärfe als auch Süße. Lavendel?

Abgang: Mittellang bis lang. Trocken, aber nicht streng.

Fazit/Tipp: Mit etwas Wasser ist er deutlich weniger scharf, jedoch viel blumiger und parfümierter. Meine Frau mochte ihn dann "ohne" trotzdem lieber. Insgesamt ein interessanter, nicht torfiger Bruichladdich. Wer süßlich-blumige Noten nicht schätzt, sollte definitiv auf den Zusatz von Wasser verzichten.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint ausnahmsweise etwas früher, nämlich am 15. August 2014.

- Euer Tomas Aquinas


Samstag, 2. August 2014

The Glenlivet 12 J. (40% Vol.)

Okay, wie angekündigt: noch ein Whisky aus der selben Region und Unterregion wie der Braeval letzte Woche - und außerdem ein Standard, bzw. ein Standard der Standards. Den älteren Bruder habe ich bei einer anderen Gelegenheit - nämlich dem Whiskytasting im Hause Plattfuss - schon einmal kurz besprochen.

Die Brennerei wurde 1824 gegründet, gehörte also zu den allerersten legalen Whiskyproduzenten (die Herstellung wurde in Schottland erst 1823 auf eine moderne Basis gestellt, was Lizenzierung, Versteuerung und Gesetzgebung betrifft). Ihr Stammvater George Smith hatte sich allerdings bereits vorher einen Namen als Schwarzbrenner gemacht; angeblich waren seine ehemaligen "Spießgesellen" (man darf sich diese Herren nicht so sehr als mafiöse Figuren vorstellen, vielmehr waren sie eher Gentlemanverbrecher, moderne Robin Hoods, wenn man so will) wenig angetan von Georges neu erlangter Ehrbarkeit. Das führte dazu, dass ihm mehrmals angedroht wurde, seine (nunmehr legale) Produktionsanlage würde niedergebrannt werden. Angeblich traute er sich nach einer Weile nur noch in Begleitung zweier Pistolen aus dem Haus, ließ sich aber ansonsten sein Geschäft nicht madig machen.

Heutzutage gehört die Firma über den Umweg Chivas Brothers zu Pernod Ricard. Das Produktionsvermögen ist recht gewaltig: die Glenlivet kann pro Jahr mehr als 10 Mio. Liter reinen Alkohol herstellen. Zusammen mit Glenfiddich gehören die Whiskys zu den meistverkauften Single Malts der Welt. Insgesamt rangierte die Firma im Jahr 2013, was die Verkaufszahlen anging, zwar hinter dem Erzrivalen aus Dufftown, jedoch noch weit vor dem Dritten im Bunde, Macallan. Nun sagen mir die reinen Verkaufszahlen nicht so sehr viel, denn ich denke mir immer, dass ein so massenhaft verkauftes Getränk eben auch massentauglich, sprich: gebügelt und gestriegelt sein muss. Das Portfolio von Glenlivet insgesamt ist ambitioniert, aber überschaubar. Die Standardabfüllungen beginnen mit dem Zwölfjährigen und gehen über 15, 18 und 21 hoch zum XXV, der, wen wundert es, ein Vierteljahrhundert alt ist. Unter dem Signet Guardians' Chapter vermarktet Glenlivet seine expressions, also verschiedene Stile, die in der Firmengeschichte einst gepflegt wurden ("süß", "fruchtig", "exotisch"). Ferner gibt es noch die Nadurra-Reihe (Fassstärke, nicht kaltfiltriert) sowie einige verschiedene Whiskys für die Travel Exclusives-Serie (nur an Flughäfen usw. erhältlich).

Der Glenlivet 12 wird traditionell in Fässern aus amerikanischer und europäischer Weißeiche gelagert. Er kostet in Deutschland online in der Regel knapp unter 24,- EUR, ebenso wie sein direkter Konkurrent aus dem Hause Glenfiddich.



Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Livet)

Aussehen und Aroma: Bernstein mit goldenen Schattierungen. Ein Hauch von Kaffee und Banane. Weiße Schokolade. Etwas störendes Element: Aceton (Nagellackentferner).

Geschmack: Sehr leicht. Crème brulée und/oder frischer Grießbrei. Im Mittelteil ein kurzer Eindruck von Bitterkeit. Schwarzer Tee?

Abgang: Nur mittel, teilweise schon als "kurz" anzusprechen. Trockener Nachklang.

Fazit/Tipp: Sicherlich kein schlechter Whisky, das hätte mich bei der Beliebtheit nun auch wirklich gewundert. Allerdings denke ich, diese ist größtenteils seiner tatsächlich herausragenden Leichtigkeit geschuldet. Er ist insgesamt also eher wenig ausdrucksstark, daher für Einsteiger sowohl preislich als auch geschmacklich gut geeignet. Mir persönlich - ehrlich gesagt - schon ein bisschen fad. Ich würde für das gleiche oder sogar etwas weniger Geld eventuell einen etwas kräftigeren Blend bevorzugen.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 9. August 2014.

-Euer Tomas Aquinas




Freitag, 1. August 2014

Zwischendurch: Termine August 2014

Lokal und Regional

Osnabrücker Weintage (Osnabrück: 7. bis 10. August)


National

18. Internationales Berliner Bierfestival (Berlin: 1. bis 3. August)


International

Brew at the Zoo (Syracuse, NY, USA: 1. August)


Burg Bieren Bierfeest 2014 (Ermelo, Niederlande: 2. August)

Great British Beer Festival (London, England: 12. bis 16. August)


5e Gents Bierfestival 
(Gent, Flandern, Belgien: 16. August)



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