Freitag, 15. August 2014

Sommerbiere, Teil I

Mit Bier experimentieren wir gern, das weiß jeder, der sich auf unserem Blog schon einmal umgeschaut hat. Aber irgendwann, wenn das Thermometer auf über 30 Grad steigt, ist auch mal Schluss mit den ganzen Trappistenbieren, Stouts, Porters und Fruchtbieren verschiedener Provenienz. Als wir so im Schatten von Plattfuss' Laube saßen, und gemeinsam mit dem Grillgut in der heißen Sonne brieten, sehnten wir uns nach ein paar Schluck gutem, hellem, erfrischenden Bier. Mit letzter Kraft schwangen wir uns also auf unsere Fahrräder und pesten in den nächstgelegenen Getränkemarkt, wobei wir natürlich nicht unbedingt ein x-beliebiges Pils im Sinn hatten, sondern durchaus gute, hochwertige Brauspezialitäten aus heimischen, aber auch aus allen anderen möglichen Gefilden.

So entstand dann auch die Miniserie über "Sommerbiere", die wir in insgesamt zwei Folgen präsentieren wollen. Wie ich oben schon angedeutet habe, ist der Begriff "Sommerbier" so zu verstehen, dass wir intuitiv die jeweiligen Biere für den Verzehr an heißen Sommertagen angepeilt hatten; dies ist aber nicht unbedingt die Interpretation (oder Marketingstrategie), die die jeweiligen Brauereien vertreten. Ob die jeweiligen Biere tatsächlich das Zeug zum sommerlichen Durstlöscher haben, ist natürlich eine der zentralen Fragen, der wir bei den Verkostungen nachgingen.

Die heutige Folge behandelt zwei Produkte aus Deutschland sowie zwei aus Übersee, nämlich aus Großbritannien und den USA. Fast alle hatten wir - wie oben beschrieben - im lokalen Getränkemarkt erstanden; eine Ausnahme bildete lediglich das Strandräuber Sanddorn, welches mir ein wohlmeinender Bekannter aus dem Urlaub an der Ostsee mitgebracht hatte.

Verlieren wir zunächst ein paar Worte über die beteiligten Brauereien: Zuerst wäre da Brewdog aus Schottland. Die Firma wurde 2007 von zwei Twentysomethings gegründet, die nach eigenen Angaben "keine Lust mehr auf industriell hergestellte Biere hatten". Daher beschlossen sie, selber Bier zu brauen (hört man in der Firmengeschichte von Craftbrauereien wirklich relativ häufig). Sie begannen mit zwei Angestellten (sich selber) und einem Ausstoß von 1.050 Hektolitern im Jahr und stehen jetzt bei über 200 Angestellten und gut 54.000 hl Bier. Im Moment werden vier verschiedene Produktserien hergestellt: Die Headliners sind das stets verfügbare Basissortiment, zu denen auch das heute verkostete Dead Pony Club gehört. Es wurde in den vergangenen Monaten in Dead Pony Pale Ale umbenannt und auch - wie alle anderen Biere - neu verpackt. Auf dem Foto unten ist noch die alte Ausstattung zu sehen. 


Als zweite ausländische Brauerei haben wir dann die Anchor Brewing Company, ein, wenn nicht sogar das Urgestein der Mikrobrauereien. In der heutigen Form existiert sie seit 1971 in San Francisco, geht aber auf eine Gründung (durch deutsche Auswanderer namens Baruth, Schinkel und Brekle) im Jahre 1896 zurück, die auch schon unter demselben Namen firmierte. Die Brauerei ist relativ bekannt für das so genannte Steam Beer, welches seit den Siebzigern produziert wird. Das hier vorgestellte Old Foghorn basiert auf traditionellen englischen Barley Wine-Rezepturen.


Das Strandräuber Sanddorn war - wie schon gesagt - ein Mitbringsel von der Ostsee. Hergestellt wird es von der Störtebeker Braumanufaktur in Stralsund. Wenn ich das richtig sehe, handelt es sich hier um die Umwidmung bzw. Neuausrichtung einer ehemaligen Großbrauerei, nämlich der früheren Stralsundischen Vereinsbrauerei (in der DDR dann: VEB Stralsunder Brauerei, hiarrrrr). Ist auch irgendwie ironisch, dass sich eine Brauerei in einer ehemaligen Hansestadt ausgerechnet nach dem Public Enemy Number One der Hanse benennt, aber okay. Unter dem Namen Störtebeker jedenfalls finden sich die Stammprodukte der Brauerei (sehr umfangreiches Portfolio). Als Strandräuber hingegen wird eine Serie von (Bio-) Biermixen unterschiedlicher Geschmacksrichtungen bezeichnet. Vor der Verkostung muss ich anmerken, dass der Sanddorn leider nicht zu meinen Lieblingsgewächsen (was den Geschmack betrifft) zählt; das sollte man bei der Bewertung im Hinterkopf behalten.


Und schließlich das Brauhaus Faust. Den Slogan auf der Startseite finde ich übrigens richtig gut. Ansonsten wirbt man gerne mit "so schmeckt Bayern" und weißblauen Verpackungen, dabei liegt das heimische Miltenberg doch in Franken (seit 1816 erst bayrisch) ... ts ts ts. Ich dachte, für sowas wird man in der Gegend gelyncht. Auf eine stolze Tradition von 350 Jahren kann man aber auf jeden Fall zurückblicken und angeboten wird das ganze Produktspektrum, welches man von einer bayrischen (huch, jetzt hab' ich es selbst gesagt) Brauerei erwarten kann: Pils, Helles, Festbier, Weizen, Dunkles, ...





Brewdog Dead Pony Club / Dead Pony Pale Ale (3,8% Vol.)

Art und Herkunft: "Californian" Pale Ale, Schottland

Aussehen und Aroma: Leicht trüb und rötlich. Sieht ein bisschen aus wie Rhabarberschorle. Fast keine Schaumkrone. Sehr fruchtiges Aroma, Melone. Frisch. Etwas Schwefel?

Geschmack: Spritzig. Zuerst etwas metallisch. Dann jedoch erfrischende, bittere Töne. Hopfig. Ein wenig Kaffee im Hintergrund?

Abgang: Mittel. Bitterer Nachhall.

Fazit/Tipp: Zuerst relativ uneinheitlich und daher gewöhnungsbedürftig. Dann aber wird es sehr erfrischend. Kalt trinken.


Anchor Brewing Old Foghorn (8,8% Vol.)

Art und Herkunft: Ale, USA

Aussehen und Aroma: Dunkelrot-braun. Kleine, feste Krone, welche sich nicht lange hält. Sehr, sehr dezentes Aroma. Malzig.

Geschmack: Süßlich. Extrem viel Malz. Kaffeebohnen. Im Hintergrund irgendwo auch Banane. Feinperlig und wenig spritzig.

Abgang: Mittel. Hopfig und ziemlich alkoholisch.

Fazit/Tipp: Ich finde es schon wirklich sehr süß. Fast wie ein belgisches Tripel; für ein "Sommerbier" ist es mir etwas zu schwer. Eher ein Bier für einen verregneten Herbsttag.


Strandräuber Sanddorn (2,1% Vol.)

Art und Herkunft: Biermischgetränk (40% Weizenbier,  60% Erfrischungsgetränk), Deutschland

Aussehen und Aroma: Spritzig und gelbweiß. Trüb. Säuerliche, fruchtige Nase. Der Sanddorn kommt bereits jetzt stark durch.

Geschmack: Sehr süß, sehr zuckrig. Ein dumpfiger Sanddorngeschmack, jedoch eher verhalten.

Abgang: Kurz, nur noch leicht süß.

Fazit/Tipp: Sanddorn ist und bleibt einfach nicht so meins, gerade auch nicht im Bier. Aber auch von diesem speziellen Aroma abgesehen finde ich den Limonadenanteil zu hoch. Insgesamt viel zu süß für meinen Geschmack.


Faust Bayrisch Hell (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Helles, Deutschland

Aussehen und Aroma: Laut Brauerei Faust: "leuchtend gelb". Naja, meinetwegen. Leicht trüb, keine Krone. Praktisch kein Eigengeruch. Feine Hefe.

Geschmack: Leicht, spritzig. Deutliche Hopfennoten. Zitrusfrüchte.

Abgang: Kurz. Kein Nachbrenner.

Fazit/Tipp: Meines Erachtens ein typisches Helles: leicht zu trinken, erfrischend. Keine Ecken und Kanten. Die leichte Zitrusnote hat mir gut gefallen an einem heißen Tag.

Gesamtfazit: Von den heute getesteten Bieren/Biermischgetränken kann ich eigentlich nur das Faust und das Brewdog als "Sommerbiere" empfehlen. Dem Nebelhorn aus San Francisco würde ich an einem kalten Tag noch eine zweite Chance geben.

Der zweite Teil der "Sommerbiere" erscheint am 23. August 2014.

- Euer Tomas Aquinas



 

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