Samstag, 28. März 2015

Quengelware, Teil II: Käpt'n Flint Jamaica Rum Verschnitt NAS (38% Vol.)

Das heutige Exemplar der Quengelware habe ich an einem etwas kühlen Abend an einer Tankstelle in Hamburg-Eidelstedt erstanden. Nach einem ganzen Tag auf den Beinen und mehreren Stunden im (sehr empfehlenswerten) Miniaturwunderland brauchte ich doch noch eine kleine innere Stärkung und Wärmung. Wie also besser den Tag beschließen als mit einem kräftigen Schluck aus der Kleinpackung Rum-Verschnitt? Was das ist? Nun ja, jeder hat ihn wahrscheinlich schon einmal gesehen, wie er - gut camoufliert und meistens ein bis zwei Euro günstiger - neben den "richtigen" Rums (oft aus dem selben Hause) im Regal steht. Rechtlich gesehen muss ein Rum-Verschnitt (der als "Spirituose" gekennzeichnet ist) mindestens fünf Prozent echten Rum enthalten, der Rest ist Industriealkohol. Außerdem gilt ein Mindestalkoholgehalt von 37,5%. Der Rum für Rum-Verschnitt wird extra für diesen Zweck (meist in Jamaika) produziert und nennt sich German Flavour Rum. Er ist sehr hochprozentig und aromatisch. Warum der Verschnitt hier in Deutschland traditionell verwurzelt ist, wird in diesem sehr ausführlichen Artikel zur Genüge beschrieben, daher hier nur der kurze Hinweis, dass ursprünglich die Steuergesetzgebung "Schuld" war. 

Produziert wird der Käpt'n Flint (gääähn, noch ein Pirat) bei der August Ernst GmbH in Bad Oldesloe, jedoch - anders als viele bekannte Produkte aus dem Haus - nicht beworben. Allerdings gibt es unter derselben Marke auch noch einen echten sowie einen Spiced Rum. Das Unternehmen selbst wurde 1898 gegründet und hat seit dem letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts durch Zukäufe, unter anderem in Mitteldeutschland, kräftig expandiert. Der Korn der Marke Oldesloer ist laut Firmenangaben der meistverkaufte Korn Deutschlands. Unter den Tochtermarken Meeraner, Greizer und Specht werden Weinbrände, Wodka und "Klarer", beziehungsweise Liköre und Kräuterschnäpse respektive zu guter Letzt auch Obstbrände verschiedener Güte an den Mann oder auch an die Frau gebracht.



Art und Herkunft: Spirituose auf Rumbasis (Rum-Verschnitt), Jamaika/Deutschland

Besonderheiten: keine

Aussehen und Aroma: Sehr dunkles Braun, wie schwarzer Tee. Starke Vanillearomen, künstlich wirkend. Aceton. PVC-Bodenbelag.

Geschmack: Relativ weicher Antritt, buttrig. Wenige Geschmacksnuancen, hauptsächlich wieder Vanille. Karamellbonbon. Im Hintergrund spürbare Bitterkeit, wohl durch den Neutralsprit.

Abgang: Mittel bis lang. Ein unangenehm spritiger Nachbrenner.

Fazit/Tipp: Zum Purverzehr eher weniger geeignet, da einerseits ziemlich schwach auf der Brust. Andererseits relativ harsch und ethanolig. Auch mit Cola nicht wirklich toll. Schmeckt sehr künstlich.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 4. April 2015.

- Euer Tomas Aquinas

Samstag, 21. März 2015

Sind so kleine Biere, Teil XXIII: Lindemans Faro (4,5% Vol.)

Vor einiger Zeit hatte ich schon einmal angemerkt, dass die Biere von Lindemans aus Vlezenbeek objektiv betrachtet nicht unbedingt wirklich etwas unter dem Lemma "Sind so kleine Biere ..." zu suchen haben, denn im Sinne der Craft-Beer-Bewegung ist Lindemans wirklich keine kleine Brauerei mehr. Der Ausstoß an Bier beträgt ja immerhin deutlich mehr als 80.000 Hektoliter im Jahr. Sagen wir einmal, ich räume der Firma diesen Platz ehrenhalber ein, einerseits wegen der allgemeinen und langjährigen Verdienste um die belgische Bierkultur und andererseits, weil sie mit einigen wenigen anderen belgischen Brauereien zumindest den Titel einer "Familienbrauerei" für sich in Anspruch nehmen kann (man ist auch Mitglied im Zirkel der Belgian Family Brewers ). Der Gründer, ein Joos Frans Lindeman, war noch ein echter Bauer, der in einen lukrativen Hof mit einem böse klingenden Namen ("Hof der bösen Wege") eingeheiratet hatte. Das Bierbrauen trieb er - wie viele - damals noch zuerst nebenher, hauptsächlich als Erwerbsquelle für sich und sein Gesinde in der kalten Jahreszeit, wenn mit dem Landbau an sich kein Geld zu verdienen war. Laut Quellen der Familie betrug das Produktionsvolumen auch damals, ganz am Anfang, bereits gut 500 Hektoliter pro Jahr. Man darf sich Joos Frans also sicherlich nicht als armen Kleinbauern vorstellen, der nachts bei Kerzenlicht Bier in einem Holzbottich braut. Er war wohl eher das, was man heute als erfolgreichen Agrarunternehmer bezeichnen würde. Gute 20 Jahre später wurde er zum Bürgermeister seiner kleinen Gemeinde gewählt, was ebenfalls dafür spricht, dass er eher der landwirtschaftlichen Oberschicht zuzuordnen war

Lindemans braute und braut ausschließlich Lambiekbiere, die - wie schon öfters ausführlich dargestellt - nur durch spontane Gärung entstehen. "Schuld" daran sind die natürlich in der Umgebungsluft des Zennetals vorkommenden "wilden" Hefepilze der Gattung brettanomyces. Daher könnte die Firma - selbst wenn sie es wollte - niemals ihre Produktion in eine andere Region des Landes oder gar der Welt verlegen ... eine ganz besondere Art der Standortsicherung.

Das Faro von Lindemans, das ich heute bespreche, ist erst das zweite Faro insgesamt im Blog. Vor einer Weile habe ich über das von Cantillon ausführlicher geschrieben. Insgesamt gesehen führt die Sorte, wenn man sie mit anderen Lambiekderivaten wie Kriek usw. vergleicht, ein relatives Nischendasein. Das ist unter anderem mit dem etwas "speziellen" Geschmack dieser Biere zu erklären, die in der Regel mehr oder weniger ins Süßsaure tendieren. Ursprünglich galt das Faro als "Frauen- oder Kinderbier", denn reines Lambiek, welches sehr sauer ausfallen kann, konnte (und kann) nicht ohne weiteres von jedem Gaumen goutiert werden. Im Endeffekt handelt es sich also einfach nur um gesüßtes Lambiek. Ganz früher, als Zucker noch teurer war, wurden auch gerne einmal Melasse oder Rübensirup zu diesem Zwecke verwendet; heute nimmt man in der Regel Kandiszucker oder - wie Lindemans - eine Mischung aus Zucker und Süßstoffen. Da der Zucker erst nach dem Brauvorgang zugesetzt wird, wandelt er sich nicht mehr in Alkohol um: Faros sind daher in der Regel nur schwach alkoholisch (zwischen etwa 4,5 und 5,5 Volumenprozenten). Lindemans hat maßgeblich dazu beigetragen, die zwischenzeitlich vergessene Sorte Faro wieder bekannt zu machen, da sie ihres bereits 1978 am Markt platzierte.


Art und Herkunft: Faro aus Lambiek, Zucker und Süßstoffen, Belgien (Flämisch-Brabant)

Besonderheiten: Nachgärung in der Flasche, Naturkorken

Aussehen und Aroma: Rotbraun und moussierend. Eine sehr kleine, flüchtige Krone. Ein metallischer und säuerlicher Geruch. Alte Apfeltonne.

Geschmack: Süßsauer, aber süßer als Geuze. Saure Äpfel und überreife Kirschen. Später leicht bittere Noten. Kaffee?

Abgang: Kurz bis mittel. Apfelmus.

Fazit/Tipp: Relativ fruchtig, auch sehr süß. Etwas für diejenigen, denen normales Lambiek zu sauer ist. Dennoch muss man sich an den besonderen Geschmack etwas gewöhnen. Kalt trinken (empfohlen werden um die 6°), dann ist es sehr erfrischend.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 28. März 2015.

- Euer Tomas Aquinas

Samstag, 14. März 2015

Janneau Grand Armagnac VSOP 7 J. (40% Vol.)

Vor etwa anderthalb Jahren hatte ich schon einmal einen französischen Weinbrand - damals einen Cognac - in der Verkostung und damals schrieb ich, der Armagnac sei sein sehr naher aber etwas in den Hintergrund geratener Verwandter. Tatsächlich ist er auch der Ältere von beiden, denn Cognac wird erst seit dem 17. Jahrhundert hergestellt, der Armagnac jedoch wird bereits im Text eines Mönchs aus dem Jahre 1310 erwähnt. Er darf damit als die älteste schriftlich belegte französische Spirituose gelten. Warum er also heutzutage weniger bekannt ist als der Cognac? Manche sagen, es läge daran, dass vom Armagnac viel weniger hergestellt wird als vom Cognac und dass er deshalb auch weniger oft im Regal anzutreffen sei. Andere behaupten, der Armagnac habe sich in den Jahren nach 1945, als die Qualität eine Zeit lang nachließ, einen schlechten Ruf erworben. Wie dem auch sei: die Webseite der Armagnacproduzenten bietet ausführliche Informationen zu diesem Weinbrand (auf Französisch oder Englisch) und ich kann jedem Interessierten nur einen kleinen Besuch empfehlen. An dieser Stelle beschränke ich mich daher auf die Zusammenfassung der wichtigsten Herstellungsmerkmale.

Sowohl der Armagnac als auch der Cognac werden aus Weißwein hergestellt. Die Brände lagern jeweils mehrere Jahre in Eichenfässern und werden (meistens) zum Schluss aus mehreren Jahrgängen verschnitten (man nennt dies marriage, Verheiratung). Sowohl Armagnac als auch Cognac sind geschützte Herkunftsbezeichnungen, wobei der Erstere aus dem Süden Frankreichs, nämlich aus der Gascogne, stammt. Für seine Herstellung sind nur zehn Traubensorten zugelassen und das Gebiet Armagnac teilt sich in drei Unterregionen auf: Bas-Armagnac, Ténarèze und Haut-Armagnac. Ein zentraler Unterschied zum Herstellungsprozess des Cognac ergibt sich daraus, dass Armagnac traditionell nur einfach destilliert wird. Hierbei wird kontinuierliche Destillation eingesetzt. Da dies mein erster Versuch mit Armagnac war, musste ich mich beim Kauf wieder einmal auf die Erfahrungen Anderer und meinen Instinkt verlassen. Ich entschied mich dann für ein Produkt eines bekannten Herstellers, welches weder zu teuer noch zu billig war (ich habe für die Flasche, die in einer sehr schönen Metalltube kommt, etwa 28,- EUR ausgegeben).

Die Firma Janneau wurde bereits 1861 in der Stadt Condom (ja, ich musste auch schmunzeln) gegründet und befindet sich heute immer noch bzw. wieder in Familienbesitz, allerdings nicht im Besitz der Gründerfamilie. Mithin gehören Produkte der Firma zur Herkunftsunterregion Ténarèze. Ein herausragendes Merkmal des Hauses ist, dass die Armagnacs - anders als üblich und oben beschrieben - zweifach destilliert werden. Diese Methode wurde bereits im Jahr 1972 eingeführt. Die Lagerung erfolgt in den firmeneigenen Kellern. Der heute verkostete Tropfen wird als VSOP (Very Superior Old Pale) bezeichnet, muss also mindestens fünf Jahre (tatsächlich ist es ein Siebenjähriger) gereift sein. Das Firmenportfolio ist recht umfangreich, es werden verschiedene Jahrgänge und auch "Single Casks" (wie man bei Whisky sagen würde) angepriesen. Der hier besprochene VSOP ist in dieser Ausstattung auf der Webseite nicht mehr zu sehen. Entweder wird er nicht mehr beworben oder er wurde durch den neuen VSOP Audace ersetzt.

Art und Herkunft: Armagnac, Frankreich

Besonderheiten: zweifach destilliert

Aussehen und Aroma: Heller Bernstein oder Akazienhonig. Im Geruch relativ viel Obst: Trockenpflaume, Banane, Birne. Das Holz kommt spürbar durch.

Geschmack: Sehr süß und ziemlich weich. Etwas künstliches Vanillin. Crème brûlée und Mandelcreme. Schokolade und Haselnüsse. Eine leichte Schärfe.

Abgang: Relativ lang und wärmer, aber nicht viel trockener werdend.

Fazit/Tipp: Ein wirklich sehr gutes Produkt und für den Preis fast ein Muss, wenn man einen französischen Weinbrand im Hause haben will. Ich trinke ihn mittlerweile sehr gerne zum Kaffee. Kaum Ecken und Kanten, die ihn ungefällig machen könnten.

Der nächste planmäßige Artikel erscheint am 21. März 2015.

- Euer Tomas Aquinas


Samstag, 7. März 2015

Sind so kleine Biere, Teil XXII: Oud Beersel Oude Kriek (6,5% Vol.)

Nur wenige Kilometer vor der Stadt Brüssel, nach Süden hin, liegt die Gemeinde Beersel mit ihren rund 25.000 Einwohnern. In meiner Jugend war sie (und, soweit ich weiß, ist sie es immer noch) ein beliebtes Ausflugsziel für die Hauptstädter, nicht zuletzt wegen der malerischen Burg. Tatsächlich haben die Brüsseler im 15. Jahrhundert Beersel belagert und eingenommen (wofür sie allerdings von Kaiser Maximilian hart bestraft wurden). Seit dieser Zeit tragen die Bewohner von Brüssel im Rest Flanderns auch den Spitznamen kiekenfretters (Hühnerfresser), denn die Legende berichtet, ihre Truppen hätten sich deshalb bei der Belagerung einer einzigen Burg so schwer getan, weil sie nur wenig Schwarzpulver, Kanonen und sonstiges Kriegsgerät, dafür aber massenhaft Rotwein und gebratene Hühner mit sich geführt haben sollen.

Nun, genug der mittelalterlichen Geschichte. Da Beersel im Tal des Flusses Zenne (Senne) liegt, gehört es zu dem Teil des Landes, in welchem die Hefepilze der Gattungen brettanomyces bruxellensis bzw. lambicus in der Umgebungsluft vorhanden sind, was die Produktion traditioneller Lambieks ermöglicht. So ist es auch nicht verwunderlich, dass diese Kleinstadt gleich zwei Traditionsbetriebe hat, in denen solche Biere hergestellt werden. Über die 3 Fonteinen habe ich an anderer Stelle schon einmal berichtet; somit ist heute Oud Beersel dran.

Die Brauerei wurde 1882 von Henri Vandervelden gegründet; die professionelle Herstellung von haltbaren Lambieks und anderen Spezialitäten war technisch jedoch erst seit den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts möglich. Im Jahr 2002 wurde die Firma für mehrere Jahre geschlossen und erst im November 2005 wiedereröffnet. Seit dieser Zeit ist sie auch nicht mehr im Besitz der Gründerfamilie. Heute werden durchaus nicht nur auf dem Lambiek basierende Biere angeboten: Oud Beersel führt unter der Marke Bersalis ebenfalls ein Tripel sowie ein leichteres "Helles" mit Namen Kadet. Das heute besprochene Oude Kriek wird, wie die Tradition es verlangt, ohne Zusatz von Konservierungs- oder Süßungsmitteln  hergestellt. Um es zu einem echten Kriek zu machen, werden pro Liter 400 Gramm Kirschen hinzugefügt. Wie man der Webseite entnehmen kann, hat es eine gute Menge Preise eingeheimst, unter anderem den Ersten Platz in der Kategorie "Kriek" bei den World Beer Awards 2009.



Art und Herkunft: Kriek aus Lambiek und Kirschen, Belgien (Flämisch-Brabant)

Besonderheiten: Außer echten Kirschen keine weiteren Zusatzstoffe.

Aussehen und Aroma: Dunkles, sehr samtiges Rubinrot. Überhaupt keine Krone. Sehr säuerliche und trockene Noten: Balsamessig. Nüsse? Starkes Eichenfass. Reife Kirschen.

Geschmack: Moussierend. Saurer und sehr erfrischender Antritt. Im Geschmack erstaunlich wenig Kirsche, vielmehr ein starker Eindruck von Johannisbeere.

Abgang: Relativ lang. Zitronenkonzentrat.

Fazit/Tipp: So trank der Opa sein Kriek. Sehr authentisch und handwerklich gut gemacht. Erfrischend, aber überhaupt nichts für jemanden, der es süß braucht.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 14. März 2015.

- Euer Tomas Aquinas

Montag, 2. März 2015

Termine März 2015

Lokal und Regional

Nix los!


National

Braukunst Live! (München: 6. bis 8. März)

2. Tarona Whisky-Messe (Erfurt: 7. und 8. März)

The Village Whisk(e)y-Messe (Nürnberg: 21. und 22. März)

International

Rum Trade Festival (Tulum, Q.R., Mexiko: 6. und 7. März)


Oak Aged Beer Festival (Rotterdam, Niederlande: 15. März)

9. Whiskyschiff Luzern (Luzern, Schweiz: 27. und 28. März)