Samstag, 26. September 2015

Soho-City Cocktailbar (Osnabrück)

Nach langer, langer, langer, langer, langer Zeit ist es endlich mal wieder so weit: Plattfuss und ich gehen nicht nur in eine Bar - wir schreiben sogar noch drüber. Als Ziel haben wir uns heute das Soho-City (mit Bindestrich) in der Herderstraße 40 ausgesucht. Alteingesessene Osnabrücker werden die Adresse als vormaligen Sitz des zuletzt glücklosen Chinarestaurants Lotus erkennen, in dessen Räumlichkeiten das Soho-City nun residiert. Gleich nebenan findet sich weiterhin die Pizzeria La Taverna. Die Cocktailbar wurde im April diesen Jahres eröffnet und ist ein Projekt des Ehepaars Faber und zugleich dessen erstes eigenes Lokal. Es ist nun also schon fast ein halbes Jahr verstrichen, Zeit wird's, sich das Ganze mal anzuschauen. Cocktailbars gibt es in der Stadt ja schon einige, aber für etwas Gutes findet sich immer ein Plätzchen.

Ob die Bar nach dem Londoner oder dem New Yorker Stadtteil benannt wurde, ist nicht bekannt, das Logo ziert jedoch auf jeden Fall eine metropolitane Skyline. Das Innere ist recht stylisch und farbig ausgeleuchet, natürlichen Lichteinfall gibt es nicht. Ansonsten kann man das Dekor am besten als retro-futuristisch bezeichnen. An den Wänden die obligatorischen Flatscreens, auf denen kontinuierlich Musikvideos laufen und so eher den Loungecharakter des Ganzen unterstreichen. Die Musik (uffta uffta uffta uffta) war jetzt nicht so wirklich unsere, aber wir sind eventuell etwas älter als die Zielgruppe und zweitens keine Musikkritiker, also sei's drum. Ansonsten ist recht viel Platz: Oben ist noch ein Raucherbereich (auch für Shisha) und hinter der Bar findet sich ein zubuchbarer Eventbereich.

Wir waren an einem Mittwoch da und bis 20 Uhr die einzigen Gäste, soweit wir sehen konnten. Dienstage und Donnerstage im September sind Studententage, ich vermute mal, dann ist es voller. Das Gute war, dass wir das Personal mehr oder für uns alleine hatten; schneller Service war also vorprogrammiert. Man wurde auch recht nett empfangen und bedient.

Die Cocktailkarte ist nach Ländern (Kuba, Russland, Italien) gegliedert, bzw. nach den Hauptingredienzien der Getränke. Unter "Kuba" findet man also welche, die auf Rum basieren, unter "Russland" Wodka, usw. Die alkoholhaltigen Cocktails beginnen bei 4,50 und klettern bis maximal etwa 6,50, alkoholfreie sind etwas günstiger.

Verzehrt haben wir Folgendes; bei meinen Drinks habe ich mir kurze Notizen gemacht:

Plattfuss: 
  1. Irish Buck
  2. Brazilian Julep
  3. Patriot's Punch
Tomas Aquinas:
  1. Campari Mojito (ganz erfrischend, gut komponiert)
  2. Lynchburg Lemonade (mit einem Pre-Mix aufgegossen, dieser schmeckte sehr künstlich)
  3. Everybody's Irish (ein Strong, bei dem die Chartreuse leider sehr stark vom Tennessee Whisky übertönt wurde) 
Alles in allem war Plattfuss etwas zufriedener mit seinen Getränken, bei mir hatte nur der Mojito meine uneingeschränkte Zustimmung. Allerdings denke ich, mein Cocktail Nummer Drei hätte sicherlich besser geschmeckt, wenn außer Jack Daniel's und Jim Beam (den einzigen beiden Whiskeys der Bar) ein schottischer (ich könnte mir einen leicht rauchigen vorstellen, zB einen Ardmore) oder natürlich ein irischer zur Verfügung gestanden hätte. Wäre ja eventuell mal eine Überlegung wert. Ansonsten verstand der Barmann sein Handwerk, soviel wurde deutlich.

Für die sechs Cocktails haben wir dann (ohne Trinkgeld) 45,- berappt, was man als fair bezeichnen muss.

Fazit: Ich müsste mal sehen, wie viel am Wochenende in dem Laden los ist. Sicherlich kommen die gesamte Einrichtung, Musik und Atmosphäre bei vollem Haus besser zur Geltung. Die Cocktails sind, mit einigen Abstrichen (s. oben), absolut in Ordnung, gerade auch im Hinblick auf die demokratischen Preise. Vom Service her gibt es nichts zu meckern.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 3. Oktober 2015.

- Euer Tomas Aquinas


Samstag, 19. September 2015

Quengelware, Teil IV: Avicourt NAS (36% Vol.)

Ich weiß gar nicht, ob das allgemein bekannt ist, aber es gibt zwei verschiedene Spirituosenhersteller mit Namen Heydt: Einmal die ziemlich große H. Heydt aus Haselünne im Emsland (HKT, Schinkenhäger, usw.) und dann die R(einhard) Heydt in Ascheberg (ohne Webseite). Von letzterer, die, soweit ich weiß, mit der anderen Heydt weder verwandt noch verschwägert ist, muss heute die Rede sein, denn von ihr stammt der Weinbrand Avicourt, den wir neulich aus dem Grabbelregal beim örtlichen Kaufland gezogen haben.

Offenbar besitzt R. Heydt mehrere Standorte bzw. Produktionsanlagen, denn als Herstelleradresse wurde Altenburg, nicht Ascheberg, angegeben. Tatsächlich stößt man nach kurzer Suchmaschinenbedienung auf die Altenburger Destillerie & Liqueurfabrik GmbH (ADL) und da sind wir dann wohl auch richtig. Es gibt auf der Webseite durchaus umfangreiche Informationen zur Geschichte und zum Sortiment der Firma; verraten sei schon einmal, dass wir es hier nicht mit einer kleinen Hinterhofbrennerei zu tun haben. Dies war die ADL höchstens in ihren Anfangsjahren, nachdem sie 1948 als volkseigener Betrieb (VEB Altenburger Likörfabrik) gegründet worden war. Getrunken wurde in der DDR ja bekanntlich nicht wenig bzw. war an Schnaps und Bier niemals Mangel. Das Zugpferd jener Jahre war anscheinend der Altenburger Klare, der auch heute noch Teil des Portfolios ist. Ansonsten lernen wir, dass gegenwärtig auf insgesamt acht Abfüllstraßen jährlich 30 Millionen Flaschen Schnaps die Firma verlassen, was tatsächlich eine ganze Menge ist.

Einen Weinbrand namens Avicourt findet man im offiziellen Sortiment zwar nicht, das sollte aber nicht weiter überraschen: es handelt sich mit Sicherheit um eine Exklusivabfüllung für Kaufland. Zwei Weinbrände finden sich allerdings dennoch auf der Seite der ADL: der Altenburger Goldbrand mit 28 Umdrehungen sowie der Excellence mit 36 - und da dies der selbe Wert ist wie beim Avicourt, gehe ich davon aus, dass wir hier eventuell einen Treffer haben. Die kleine Probierflasche des Avicourt hat uns 1,29 EUR gekostet; es gibt auch ein 0,7er Gebinde für knapp unter sechs.


Art und Herkunft: Weinbrand, Deutschland (Thüringen)

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Dunkles Gold, bräunlich. Spritige Nase, Spiritus. Nur sehr wenig Holz. Karamellkaubonbon.

Geschmack: Zuerst ziemlich weich, später zieht er dann doch noch merklich an. Sehr wenige definierbare Noten. Etwas Traubensaft und deutlich mehr Vanille.

Abgang: Mittellang. Ein etwas pelzig-trockenes Gefühl verbleibt auf der Zunge.

Fazit/Tipp: Nicht so harsch wie man nach der ersten Nase voll befürchtet hatte aber auch nicht so geschmeidig wie man ihn eigentlich gerne hätte. Mit dem Preis im Hinterkopf kann man ihm jedoch nicht wirklich ein schlechtes Zeugnis ausstellen: für ein "befriedigend" reicht es allemal. Was man ihm vorhalten kann, ist, dass er geschmacklich nicht wirklich viele Facetten zu bieten hat.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 26. September 2015.

- Euer Tomas Aquinas





Sonntag, 13. September 2015

Zwischendurch: Si tacuisses ...

In der Welt Online wird Michael Möller, der Chef der Hofbräu-Brauerei München, wie folgt zitiert: 
(...) Auf dem Oktoberfest würde keines der neuen Craft-Biere funktionieren", glaubt Möller. "Das sind zwar geschmacklich hochinteressante Biere, aber die sind nicht darauf ausgelegt, größere Mengen davon zu trinken." Man habe nach einer Flasche genug (...)
Nun, das mit den größeren Mengen variiert von Person zu Person. Ich persönlich habe meistens nach dem ersten (in der Regel ja doch eher schlecht eingeschenkten) Liter Münchner Durchschnittsfestbierplörre genug, aber naja.

Viel schlimmer ist, dass der Chef einer Brauerei sich so wenig mit Bier auskennt. Es sollte sich auch bis ins Alpenvorland herumgesprochen haben, dass Craftbier kein eigener Braustil ist, man also auch keine allgemeinverbindlichen Geschmacks- oder Trinkbarkeitsurteile abgeben kann.

Craftbiere, Herr Möller, sind zunächst einmal diejenigen Produkte, die nicht in industrieller Massenfertigung gebraut werden, sondern wo quasi noch "handwerklich" getüftelt und getan wird.




Samstag, 12. September 2015

Sind so kleine Biere, Teil XXVI: Zatte vs Natte (Brouwerij 't IJ, Amsterdam)

Weltstädte sind nicht immer schön. Wer schon einmal etwa in Mexico City gewesen ist, wird das bestätigen können. Auch Amsterdam, von dem heute im weiteren Sinne die Rede sein wird, findet sich zum Beispiel, auch wenn es sehr charmante Ecken hat, nicht unbedingt in meiner Top Ten-Liste der Lieblingsorte wieder. Aber was meines Erachtens eine Weltstadt zu einer Weltstadt macht, ist erstens ein gewisses Flair, ein je ne sais quoi , eine Atmosphäre. Zweitens eine Art Zukunftsoption auf Glück und Erfolg und natürlich auch Geld; das Versprechen, dass man, wie Sinatra es sang, es überall schaffen kann, wenn man es hier schafft.

Ähnliche Gedanken beseelten 1985 vielleicht auch Kaspar Peterson (von der damals in den Niederlanden sehr beliebten Band Drukwerk), als er beschloss, in einem der notorischen besetzten Häuser in der niederländischen Hauptstadt eine kleine Brauerei zu gründen, in der er Biere herstellen wollte, die im Stil den belgischen Bieren ähnelten, welche er auf seinen Konzertreisen kennen und schätzen gelernt hatte. Die (illegale) "Hausbrauerei" war aber sehr bald schon zu klein für Petersons Bedürfnisse und so fand er nach einiger Zeit neue Räumlichkeiten in einer ehemaligen städtischen Badeanstalt. Ungefähr um die Jahrtausendwende hatte er dann das Gefühl, etwas anderes machen zu müssen und verkaufte seine mittlerweile gut laufende Firma an zwei gleichgesinnte Geschäftsleute. Seit 2013 gibt es auch einen zweiten Standort in der Stadt, denn die alten Anlagen konnten der Nachfrage nicht mehr alleine Herr werden.

Heute beträgt der jährliche Ausstoß der Brauerei 't IJ (die übrigens nach dem gleichnamigen See im Norden Amsterdams benannt ist) knapp 10.000 Hektoliter Bier, die sich auf einige Stammsorten (die heute vorgestellten Natte und Zatte sowie ein IPA, ein Weizenbier und noch ein paar andere) aber auch saisonale Produkte und "Gelegenheitsbiere" verteilen. Ein paar der Standardsorten tragen das Label "biologisch", wurden also mit rein biologisch angebauten Zutaten gebraut.

Natte (6,5% Vol.)

Art und Herkunft: Dubbel, Niederlande (Nordholland)

Besonderheiten: Zutaten aus biologischem Anbau, nicht pasteurisiert, nicht gefiltert.

Aussehen und Aroma: Dunkelrotbraun. Leichte Röstaromen und Kakao (dieser alte Schulkakao aus der Plastikflasche), malzig.

Geschmack: Wieder geröstetes Getreide, mehr Kaffee. Etwas flach. Auch eine leicht fruchtig-faulige Note. Überreife Honigmelone?

Abgang: Kurz bis mittel. Leicht metallischer Nachgeschmack.

Fazit/Tipp: Ich bin eh kein besonders großer Fan von Dubbels und für das Natte brauche ich auch keine Ausnahme zu machen. Es ist zwar nicht schlecht, ich finde es aber irgendwie zu fade.


Zatte (8% Vol.)

Art und Herkunft: Tripel, Niederlande (Nordholland)

Besonderheiten: Zutaten aus biologischem Anbau, nicht pasteurisiert, nicht gefiltert. Das erste Bier, das überhaupt von der Brauerei hergestellt wurde.

Aussehen und Aroma: Goldgelb und trüb. Keine nennenswerte Krone. Trockener Geruch. Hefe. Cidre? Frische Sägespäne.

Geschmack: Malzig und süßlich. Brotteig. Auf der Zungenspitze ziemlich fruchtig. Mango. Spritzig.

Abgang: Mittel und etwas fruchtiger. Zum Schluss leicht schweflig.

Fazit/Tipp: Plattfuß fand es "etwas komisch". Ich dagegen hatte wieder diese fruchtige Fauligkeit (oder faulige Fruchtigkeit) im Mund. Für 8° erstaunlich leicht.

Gesamtfazit: Diese fruchtig-reife-schweflige Note könnte durchaus sowas wie der Hausstil von 't IJ sein. Beide Biere werden wohl eher keine Favoriten von mir; das Zatte finde ich aber trotzdem etwas ausgewogener und bekömmlicher.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 19. September 2015.

- Euer Tomas Aquinas