Samstag, 31. Oktober 2015

Zirndorfer Landbier (5,0% Vol.)

Eigentlich hatte ich ja vor, als mir das auf Traditionsbier gemachte Zirndorfer in die Hände fiel, die nunmehr 27. Folge von Sind so kleine Biere in Angriff zu nehmen, aber dann musste ich feststellen, dass die Brauerei Zirndorf im schönen Frankenlande mitnichten eine kleine, aber feine Familienklitsche ist, sondern - mit dem Umweg über die Tucher Bräu zur Radeberger Gruppe gehört. Vor Ort wird allerdings immer noch gebraut, selbst einige der Biere unter dem Markennamen Tucher sollen hier entstehen.

Gegründet wurde das Brauhaus Ende des 17. Jahrhunderts mit markgräflichem Privileg. Insgesamt umfasst das Portfolio zurzeit vier Produkte: neben dem heute verkosteten "typisch fränkischen" Landbier gibt es auch noch ein Weizenbier, ein Kellerbier und ein auf letzterem basierendes Radler. Bevor die Verkostung startet, möchte ich zu bedenken geben, dass "Landbier" kein standardisierter Biertyp, sondern eher ein Marketingbegriff ist, unter dem sich viele recht unterschiedliche Biere tummeln. Manche Exportbiere nennen sich so. Oder Naturtrübe. Oder Biere nach traditioneller Rezeptur. Zirndorf beschreibt das Bier folgendermaßen:
Nach alt-fränkischer Tradition gebraut ist es besonders süffig. Feinhopfig und mit bernsteinfarbenen Glanz ist Zirndorfer Landbier in den bayrischen Landgaststätten beheimatet. Als Gaumenfreude serviert, passt es ideal zu deftigen Speisen. Ein Muß (sic!) bei jedem Stammtisch. 

Art und Herkunft: "Landbier" (Export/Helles), Bayern

Aussehen und Aroma: Bernsteinfarben mit orangefarbenen Reflexen. Mittlere und feste, jedoch flüchtige Krone. Deutlich malzig mit einigen Röstaromen. Frisch geschnittenes Brot? Vielleicht ein bisschen heller Honig?

Geschmack: Nur schwach kohlensäurelastig und relativ süß im Antritt. Nur sehr leicht herb aber deutlich malzig mit einer ganz, ganz leichten Kaffeenote. Ein fruchtiges Thema ist dezent im Hintergrund, schwer zu definieren. Quitte?

Abgang: Eher kurz und unauffällig. Der fruchtige Hauch bleibt noch ein wenig hängen.

Fazit/Tipp: Ein gut trinkbares, nicht anstrengendes Bier für alle Tage. Keine bösen Überraschungen aber auch keine himmlischen Höhepunkte. Ein eher typisches Helles, eventuell ein bisschen interessanter als vergleichbare Durchschnittsprodukte. Für mich ganz persönlich dürfte es mehr Kohlensäure sein.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 7. November 2015.

- Euer Tomas Aquinas

Samstag, 24. Oktober 2015

The Red Shamrock (Osnabrück)

Es hat ein paar Jahre gedauert, aber seit dem 10. Oktober ist es wieder so weit: Osnabrück hat einen Irish Pub. Und das gar nicht so weit entfernt von dem, der vor vielen Jahren seine Tore schloss und die Hasestadt publos zurückließ - was für eine Gemeinde von dieser Größe schon recht ungewöhnlich ist. Auch unter den nicht repatriierten Briten/Nordiren der ehemaligen Garnison hat sich all die Jahre leider niemand gefunden, der ein solches Projekt hätte anstoßen wollen oder auch können.

So blieb es also einem ehemaligen Bankkaufmann mit dem schönen irischen Namen Janosch Roloff überlassen, die Lücke zu füllen, die viel zu lange Zeit im gastronomischen Herzen der Stadt geklafft hat. Das Red Shamrock befindet sich an der Dielingerstraße nahe der Altstadt: bis vor einiger Zeit ging es mit dem Habana Loca dort noch eher karibisch-kubanisch zu. Da der Pub wie gesagt erst vor Kurzem eröffnet wurde, dachten Plattfuss und ich, wir könnten unseren üblichen Mittwochsabendstammtisch mal spontan von der üblichen Location in die neue verlegen und schauen, was jetzt im Endeffekt daraus geworden ist. 

Von außen fiel mir zunächst einmal auf, dass man kaum erkennt, dass unter den Arkaden an der Dielinger jetzt irisch getrunken und musiziert wird. Nur ein Guinness-Leuchtschild und zwei dezente Banner verraten den Standort der Kneipe. Eigentlich gehört zu einem Irish Pub ein richtig schönes großes Holzschild über der Tür, aber es mag sein, dass der Vermieter der Immobilie etwas dagegen hatte, schwer zu sagen. Das Innere besteht im wesentlichen aus zwei großen Gasträumen mit recht hoher Decke sowie einem kleineren, durch eine Tür abgetrennten Raucherraum. Im Eingangsbereich geht es eher irisch-traditionell mit Zweiertischen und Barhockern zu, im nächsten Raum finden dann die größeren Gruppen Platz. Auch zwei Sessel und ein bequem aussehendes Sofa stehen dort. Vom Dekor her hat man sich um das Irische einigermaßen gekümmert, manche der objets de conversation könnten aber genausogut irgendwo anders stehen, zum Beispiel bei meiner Oma im Wohnzimmer. Für einen echten irischen Pub finde ich es alles etwas zu hell und weitläufig, irgendwie nicht urig genug, aber naja, was will man machen? Es ist halt kein Altbau mit dunklen Holzstreben und Parkettböden.

In beiden Räumen gibt es eine Theke nebst Personal, daher wurden wir recht schnell und kompetent bedient. Für einen Mittwochabend war es auch nicht einmal besonders leer. Ganz im Gegenteil: nach und nach füllten sich die Plätze fast wie von selbst. Das Publikum ist ein eher junges, also keine wirklich authentische Kneipenmischung aus Banker und Bergmann, aber das ist eventuell auch einfach der Tatsache geschuldet, dass erstens Osnabrück eine Studentenstadt ist und zweitens der Wirt und das Team selbst eher zur jungen Generation gehören. Stellenweise war es mir dann schon ein bisschen zu hipsterlastig, aber vielleicht mischen sich die sozialen Schichten bei vollem Haus am Wochenende besser.



Die Getränke (Kilkenny, Guinness, Kilbeggan, Black & Tan (der im Red Shamrock allerdings Black & Pale genannt wird)) waren allesamt in Ordnung. Kassiert wurde direkt nach jeder Runde. Deckelchen wäre schön, aber vielleicht muss man sich ja auch erst zum Stammgast hochtrinken. Ein ganz billiges Vergnügen ist das Trinken allerdings nicht. Die beiden Black & Pales (die übrigens stilecht mit dem praktisch nur für diesen Zweck gebrauten Pale Ale von Kilkenny gemacht werden; brav) waren mit 4 EUR für 0,3 Liter schon fast das Erschwinglichste - wenn man denn nicht auf Biere wie Flensburger umsteigen möchte. Der Pint halbe Liter Guinness bzw. Kilkenny zu 4,90 geht auch noch einigermaßen in Ordnung, aber 8,90 EUR für eine kleine Flasche Belhaven Oat Stout ... nein, sorry: das ist Wahnsinn (Einzelhandelspreis um die 2,00 EUR). Ähnlich sieht es beim Whisk(e)y aus: Kilbeggan für 4 EUR war das Günstigste, was zu kriegen war. Zehn Euronen für einen Schluck Green Spot werde ich in diesem Leben aber wohl nicht mehr hinlegen (übrigens auch definitiv keine 5,50 für einen Johnnie Walker Red) ... es sei denn, ich brauche wirklich dringend einen Drink.

Zeit für das Fazit: Insgesamt eine Erfahrung, die okay war. Allerdings fremdele ich aus oben beschriebenen Gründen doch noch etwas mit dem Laden. Ich werde ihm jedoch sicherlich noch mindestens einen weiteren Besuch abstatten, vorzugsweise am Wochenende. Einen Sonderbonus bekommt das Red Shamrock auf jeden Fall dafür, dass es endlich mal wieder einen Irish Pub in Osnabrück gibt. Allerdings habe ich meine Zweifel, dass ich ihm in näherer Zukunft einen Preis für typisch irische Gemütlichkeit verleihen werde.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 31. Oktober 2015.

- Euer Tomas Aquinas


Samstag, 17. Oktober 2015

Bonne Nuit Tristesse: Kneipentour in der Dodesheide

Das hier ist unser letzter, aber wirklich auch allerletzter Versuch, in Osnabrück außerhalb der Innenstadt so etwas wie einen bar crawl aufzuziehen. Vor einigen Jahren haben wir es ja mal mit der Iburger Straße gemacht, was schon damals nicht ganz einfach war und heutzutage schlicht unmöglich ist. Ansonsten konnten wir - trotz schärfsten Nachdenkens - keine längere Straße hier in der Hasestadt benennen, wo es auf einer Strecke von drei bis vier Kilometern noch mehr als zwei oder drei Kneipen gibt. Das Einzige, was uns noch einfällt ist der Stadtteil Dodesheide, wo Plattfuss einst wohnte und sich dunkel zu erinnern glaubt: dort gäbe es noch einige Spelunken zum Ausprobieren. Auch ein Blick ins Branchenbuch stimmt uns zuversichtlich also - oh jugendlicher Leichtsinn! - setzen wir uns in den Bus mit der Nummer 51 und fahren ab in die Außenbezirke. Auf dem Weg wird mir allerdings schon recht mulmig zumute, denn an jeder zweiten Ecke höre ich Plattfuss dräuen: "Moment, war hier nicht mal das (Kneipennamen einsetzen)?"

Das Grammophon am oberen Ende der Ellerstraße ist der Ausgangspunkt. Soll ja eine Legende sein, die Gäste wirken heute Abend aber eher müde: Briten, die nach dem Abzug der Armee hier hängengeblieben sind. Das Innere erinnert mich ein bisschen an das Pfadfindervereinslokal meiner Kindheit. Ansonsten stauben in den Regalen die Flaschen. Die verblichene Karte draußen avisiert Malt Whiskys zu unterschiedlichen Preisen. Es gibt dann doch nur Glen Grant. Und Pils. Bevor das Darts-Freundschaftsspiel mit der Royal British Legion beginnt, suchen wir das Weite. Weiter die Ellerstraße runter. Hier war doch früher mal ... jaja bringt uns jetzt auch nix mehr. Schon bin ich ungehalten über den langen, durstigen Weg. Viele Gehminuten später winkt ein kleines Karree: Dammer Hof. Mit Dönerbude, Fahrschule, Lottobude, Blumenladen und Gaststätte hat das Viertel somit alles, was es braucht. Also rein ins Görtemöller. Es sind wohl bayerische Wochen. Das Dirndl steht dennoch nur zwei Dritteln der Bedienung. Die jüngste und hübscheste ist auch die Unzufriedenste: wenn doch die Vorgesetzte nicht wäre. Es gibt Oktoberfestbier von Paulaner, furchtbar knarzigen Obstler von Specht und einen mir unbekannten Korn mit Kirsch. Die Haxen scheinen gut zu gehen, nebenan wird gekegelt. Die Truppe kommt peu á peu an den Tresen: drei Mann, um zwei Biere zu zahlen. Das Pissoir ist ganz lustig:




Danach brauchen wir auch was. Döner. Mit Scharf. Der Verkäufer gibt mir einen Extraschleez der roten Soße und feixt sich eins. Einen Kilometer weiter: gottseidank, endlich wieder was trinken. Das Vorderhall teilt sich die Location mit einer Pizzeria. Der Raum ist dunkel; groß wie ein Schiffsbug ragt die massivhölzerne Bar mit den Lichtspots uns entgegen. Der italienische Wirt und ein einsamer Gast sind ebenfalls in den Siebzigern hängengeblieben. Im Fernsehen läuft Goldstar TV, ein Beatles-Hit nach dem anderen. Bis vor ner Stunde hat hier der Bär gesteppt. Ja, is klar. Neben dem obligatorischen Pils gibt es Osborne Veterano. Dünnes Stöffchen, wärmt daher auch nicht gut. Der Ewige Gast und wir tauschen Runden aus. Egal was er nimmt - er trinkt es mit Cola. Bacardi. Osborne. Metaxa. Den leisen Tönen des Wirts entnehme ich: lange geht es nicht mehr gut mit der Kneipe. Weiter, weiter. Durch das Schulzentrum abkürzen, direkt zum Sportlertreff des SSC Dodesheide. Da ist auch Bayern, das Oktoberfest des Vereins. Nun, die Dirndl passen und sitzen hier besser: ist das Sabber oder verschüttetes Bier auf dem Tresen vor mir? Ich habe keine Ahnung, was wir gerade trinken, der Metaxa aus der vorherigen Kneipe tut nun endlich sein Werk. Wir bleiben nicht lange; es ist keine geschlossene Gesellschaft aber halt doch irgendwie.

Schleppen wir uns also weiter. Nach gut fünfzig Schritten bin ich schon wieder durstig. Nimmt das denn kein Ende? Lerchenstraße: Zum Adlerhorst. Prächtig, jetzt fehlt nur noch "Zur Wolfsschanze", dann bin ich bedient. Wieder Kneipenstyle der Siebziger, gelbliche Fenster, grünbraune Stühle. Aber gut besucht und entsprechend stark verraucht. Das Grevensteiner wirkt fast etwas deplaciert. Plattfuss findet sofort Anschluss zu seinem Tresennachbarn. Der leicht ungesund wirkende Fünfzigplusser greift ihn bei der Hand: Mensch, ewig nicht gesehen. Kennst du noch den ... und den ... und den ...? Plattfuss sagt zu allem ja und amen. Ich frage, woher er den Mann kennt. Ich? Den kenn ich überhaupt nicht. Allerdings hat er die Thekenkräfte schon mal gesehen, früher waren sie im Sportlertreff. Eine Liga abgestiegen? Relegation nicht gepackt?

Der letzte Weg ist der längste. Erst am Hasetor gibt es wieder was. Attermeyer. Wir wanken rein, schauen uns um. Ups. Rough crowd, würde mein englischer Kumpel sagen. Halbwelt, mein Vater. "Halbwelt" klingt so edel, sage ich. Viertelwelt vielleicht. Mit Staunen höre ich später: mehrere mir ganz gut bekannte Personen gehen öfter und gerne hin. Vielleicht an anderen Abenden? Vielleicht übertüncht der Alkohol meine Aufnahmefähigkeit und ich bin tatsächlich in einer Versammlung fein- und schöngeistiger Bürger gelandet? Who knows. Ich glaube, ich nehme ein Frankenheim Alt und irgendwas Kurzes.

Am Ende sitzen wir im Bus nach Belm. Und wissen nicht, warum.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 24. Oktober 2015.

- Euer Tomas Aquinas

Samstag, 10. Oktober 2015

Emil Dauns Williams-Christ Birnenbrand (40% Vol.)

Bei der Besprechung des Korns letzte Woche hatte ich ja schon gesagt, dass - soweit es die Existenz einer deutschen "Nationalspirituose" angeht, die Republik deutlich zweigeteilt ist: in den nördlichen Bundesländern dominiert der Korn, in den südlichen der Obstler, recte: Obstbrand. Obwohl ich nun mehr als zwanzig Jahre hier oben im Norden wohne (regelmäßige Besucher werden wissen, dass ich nur Zugewanderter bin), muss ich allerdings gestehen, dass ich in dieser Beziehung dann wohl doch eher süddeutsch fühle.

Ein Obstbrand muss, laut EU-Verordnung, aus Obst destilliert worden sein. Er unterscheidet sich dadurch vom Obstgeist, bei dem das Obst nur zur Aromatisierung eines Neutralalkohols verwendet wird, üblicherweise durch Mazeration. Außerdem muss die so gewonnene Spirituose einen Alkoholgehalt von mindestens 37,5 Volumenprozent aufweisen.

Obwohl ich, wie oben ausgeführt, eher ein Anhänger des Obstlers als des Korns bin, darf man sich das nicht so vorstellen, dass ich ihn in größerem Maßstab (so wie etwa den Whisky) trinke. Ab und an halt mal, manchmal auch lange Zeit gar nicht. Aber ist eben auch eine der Sachen, die man im Haus hat oder haben sollte, wenn mal die oft erwähnten aber nie näher definierten sprichwörtlichen "Gäste" kommen. Vor ein paar Jahren wurden mir von Bekannten die Produkte aus dem Hause Emil Dauns wärmstens empfohlen; dementsprechend wollte ich dem Weingut an der Mosel dann auch endlich mal eine Chance zu geben. Um es gleich zu sagen (man merkt es auch bei Ansicht der Homepage): Die Brennerei ist wohl nicht der Haupterwerb der Dauns, das wird eher der Wein sein (und eventuell die Unterkunft). Die Bestellung ist kompliziert wie in den Neunziger Jahren, was ein bisschen nervt, aber auch gleichzeitig einen gewissen altmodischen Charme hat, wenn man nicht ungeduldig ist. Man muss sich erst die Preisliste kommen lassen (auch per Post!), dann kann man per email oder Brief (telefonisch eventuell auch) bestellen. Online-Shop? . Angeboten werden verschiedene (anscheinend auch wechselnde) Obst- und Tresterbrände, unter anderem Kirsch oder Weinbergpfirsich. Der hier besprochene Williams-Christ Birnenbrand kostet 13,00 EUR. Aufgrund der recht hohen Versandkosten empfiehlt sich trotzdem die Abnahme mehrerer Gebinde.




Art und Herkunft: Birnenbrand, Deutschland (Rheinland-Pfalz)

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Er ist natürlich klar. In der Nase sehr mild, sehr angenehm. Keine störenden "spritigen" Einflüsse. Sehr süß, ganz deutliche Birne. Junges Holz.

Geschmack: Im Antritt sehr weich und süß. Aromatisch, reife Birne. Erst später eine gewisse alkoholische Schärfe.

Abgang: Relativ lang, wärmend. Die Birne steht lange nach, wird zum Ende hin jedoch merklich trocken und wieder leicht holzig.

Fazit/Tipp: Ich möchte mich nicht allzuweit aus dem Fenster lehnen, aber anders als beim Korn habe ich schon ein wenig mehr Erfahrung mit Obstbränden und insbesondere auch Williams-Christ-Birne: Ich halte diesen hier für ein echtes Spitzenprodukt. Anders als einigen anderen, die ich kenne, fehlt ihm völlig diese etwas aufdringlich-alkoholische Spritigkeit, die einem über den Gaumen fährt. Auch wenn er etwas schwierig zu beschaffen ist: eine dicke, fette Kaufempfehlung.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 17. Oktober 2015.

- Euer Tomas Aquinas



Samstag, 3. Oktober 2015

Quengelware, Teil V: Berentzen Traditions-Korn NAS (32% Vol.)

Heute ist Tag der Deutschen Einheit; ein silbernes Jubiläum sogar. Und da liegt wohl kaum etwas näher, als sich mit der wohl deutschesten aller deutschen Spirituosen zu beschäftigen: dem Korn. Halt: so ganz stimmt das natürlich nicht. Eigentlich ist Korn zuerst mal eine norddeutsche Spezialität. In südlichen Gefilden nimmt der Obstler dessen Platz ein. Aus Fairnessgründen sagen wir also mal: eine der beiden deutschen Nationalspirituosen wird heute besprochen. Nächste Woche ist dann was von jenseits der Mainlinie dran.

Obwohl ich schon lange Jahre in Norddeutschland wohne, bin ich, ehrlich gesagt, mit dem Korn nie so richtig warm geworden, obwohl er dem (modernen) Jenever meiner Heimat nicht ganz unähnlich ist. Als ich noch jung und unschuldig war, gab es bei den Tennenfesten unserer Verwandten auf dem Land immer Cola-Korn oder auch Sprite-Korn. Für ganz mutige auch mal Fanta-Korn. Und Anfang der Neunziger dann auf Feten auch gerne mal süße Liköre auf Kornbasis, mit Kirsche, Zitrone, usw. Aber pur konnte ich dem Ganzen immer wenig abgewinnen und habe es auch gar nicht wirklich versucht. 

Getränke mit der Bezeichnung Korn müssen

  • aus Deutschland oder einem Land mit Deutsch als Amtssprache stammen
  • aus Getreide destilliert sein
  • mindestens 32 Umdrehungen haben (ab 37,5 dürfen sie dann Doppelkorn, Edelkorn oder Kornbrand heißen

Vom Wodka unterscheidet sich der Korn unter anderem dadurch, dass er in der Regel weniger oft gefiltert wird. Während ersterer möglichst "rein" bzw. neutral schmecken soll, darf letzterer eigentlich gerne ein paar Aromastoffe behalten.

Das heutige Kleingebinde habe ich aus dem Supermarkt um die Ecke für etwa einsfuffzich erstanden. Interessant fand ich ihn, weil er von Berentzen stammt, einer der großen alten Kornbrennereien (seit 1758 im Emsland ansässig). Leider ist die Firma seit 2008 kein Familienunternehmen mehr, sondern gehört nunmehr einer internationalen Investmentgesellschaft. Berentzen war einer der ersten großen Spirituosenhersteller in Deutschland, die in den letzten Jahren massiv in das Geschäft mit alkoholfreien Getränken investierten. Diese Aktivitäten sind unter dem Namen Vivaris (Emsland Quelle, Mio Mio, usw.) gebündelt. Aber selbstverständlich ist und bleibt das Spirituosenportfolio umfangreich und ansehnlich. Neben den Wodkas der Marke Puschkin werden bekannte Aquavite (Bommerlunder), Rums (Hansen) und eine ganze Menge anderer feiner Sachen hergestellt. Bei den Körnern gibt es neben dem heute besprochenen Traditionskorn natürlich noch einen Doppelkorn sowie einen Edelkorn, der in Eichenfässern reift.



Art und Herkunft: Korn, Deutschland (Niedersachsen)

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Wie jeder normale Korn ist er klar. Der Geruch ist ziemlich scharf, es reicht zum Freimachen der Nebenhöhlen. Ansonsten süßlich-gedämpft. Frische Sägespäne?

Geschmack: Auf der Zungenspitze ebenfalls recht scharf, weiter hinten am Gaumen nicht so sehr. Er ist nicht ohne Geschmack, allerdings sind nur wenige Nuancen zu unterscheiden. Die Süße ist jetzt sehr dezent, aber spürbar. Erinnert mich ein bisschen an diese Halstropfen, die es früher gab (Meditonsin hießen die, glaube ich). Oder an diese violetten Bonbons mit Veilchenaroma.

Abgang: Mittellang, mit einem deutlich wärmenden "Nachbrenner".

Fazit/Tipp: Nicht unangenehm. Mir fehlen ein bisschen die Vergleichswerte mit anderen Produkten - aber ich vermute mal, das ist einer von den ganz akzeptablen einfachen Kornschnäpsen. Die Gattung an sich wird mich allerdings wahrscheinlich niemals wirklich fesseln, genauso wenig wie Wodka oder ähnliche Produkte.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 10. Oktober 2015. Dann haben wir einen Obstbrand im Programm, wie versprochen.

- Euer Tomas Aquinas


Donnerstag, 1. Oktober 2015

Zwischendurch: Termine Oktober 2015

Lokal und Regional

Hollager Oktoberfest (Hollage: 23. und 24. Oktober) [unsere Red. ist teilweise auch da]


National

5th German Rum Festival (Berlin: 3. und 4. Oktober)

182. Oktoberfest (München: noch bis 5. Oktober)

170. Cannstatter Volksfest (Stuttgart: noch bis 11. Oktober)

1. Villinger Whiskymesse (Villingen: 24. und 25. Oktober)

International

2. Salon du Rhum (Spa, Belgien: 10. und 11. Oktober)

UK Rumfest 2015 (London, England: 17. und 18. Oktober)

10th Ohio Brew Week (Athens, OH, USA: 23. Oktober bis 1. November)

7. Diesters Bierfestiva
(Diest, Belgien: 24. Oktober)

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