Samstag, 3. Oktober 2015

Quengelware, Teil V: Berentzen Traditions-Korn NAS (32% Vol.)

Heute ist Tag der Deutschen Einheit; ein silbernes Jubiläum sogar. Und da liegt wohl kaum etwas näher, als sich mit der wohl deutschesten aller deutschen Spirituosen zu beschäftigen: dem Korn. Halt: so ganz stimmt das natürlich nicht. Eigentlich ist Korn zuerst mal eine norddeutsche Spezialität. In südlichen Gefilden nimmt der Obstler dessen Platz ein. Aus Fairnessgründen sagen wir also mal: eine der beiden deutschen Nationalspirituosen wird heute besprochen. Nächste Woche ist dann was von jenseits der Mainlinie dran.

Obwohl ich schon lange Jahre in Norddeutschland wohne, bin ich, ehrlich gesagt, mit dem Korn nie so richtig warm geworden, obwohl er dem (modernen) Jenever meiner Heimat nicht ganz unähnlich ist. Als ich noch jung und unschuldig war, gab es bei den Tennenfesten unserer Verwandten auf dem Land immer Cola-Korn oder auch Sprite-Korn. Für ganz mutige auch mal Fanta-Korn. Und Anfang der Neunziger dann auf Feten auch gerne mal süße Liköre auf Kornbasis, mit Kirsche, Zitrone, usw. Aber pur konnte ich dem Ganzen immer wenig abgewinnen und habe es auch gar nicht wirklich versucht. 

Getränke mit der Bezeichnung Korn müssen

  • aus Deutschland oder einem Land mit Deutsch als Amtssprache stammen
  • aus Getreide destilliert sein
  • mindestens 32 Umdrehungen haben (ab 37,5 dürfen sie dann Doppelkorn, Edelkorn oder Kornbrand heißen

Vom Wodka unterscheidet sich der Korn unter anderem dadurch, dass er in der Regel weniger oft gefiltert wird. Während ersterer möglichst "rein" bzw. neutral schmecken soll, darf letzterer eigentlich gerne ein paar Aromastoffe behalten.

Das heutige Kleingebinde habe ich aus dem Supermarkt um die Ecke für etwa einsfuffzich erstanden. Interessant fand ich ihn, weil er von Berentzen stammt, einer der großen alten Kornbrennereien (seit 1758 im Emsland ansässig). Leider ist die Firma seit 2008 kein Familienunternehmen mehr, sondern gehört nunmehr einer internationalen Investmentgesellschaft. Berentzen war einer der ersten großen Spirituosenhersteller in Deutschland, die in den letzten Jahren massiv in das Geschäft mit alkoholfreien Getränken investierten. Diese Aktivitäten sind unter dem Namen Vivaris (Emsland Quelle, Mio Mio, usw.) gebündelt. Aber selbstverständlich ist und bleibt das Spirituosenportfolio umfangreich und ansehnlich. Neben den Wodkas der Marke Puschkin werden bekannte Aquavite (Bommerlunder), Rums (Hansen) und eine ganze Menge anderer feiner Sachen hergestellt. Bei den Körnern gibt es neben dem heute besprochenen Traditionskorn natürlich noch einen Doppelkorn sowie einen Edelkorn, der in Eichenfässern reift.



Art und Herkunft: Korn, Deutschland (Niedersachsen)

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Wie jeder normale Korn ist er klar. Der Geruch ist ziemlich scharf, es reicht zum Freimachen der Nebenhöhlen. Ansonsten süßlich-gedämpft. Frische Sägespäne?

Geschmack: Auf der Zungenspitze ebenfalls recht scharf, weiter hinten am Gaumen nicht so sehr. Er ist nicht ohne Geschmack, allerdings sind nur wenige Nuancen zu unterscheiden. Die Süße ist jetzt sehr dezent, aber spürbar. Erinnert mich ein bisschen an diese Halstropfen, die es früher gab (Meditonsin hießen die, glaube ich). Oder an diese violetten Bonbons mit Veilchenaroma.

Abgang: Mittellang, mit einem deutlich wärmenden "Nachbrenner".

Fazit/Tipp: Nicht unangenehm. Mir fehlen ein bisschen die Vergleichswerte mit anderen Produkten - aber ich vermute mal, das ist einer von den ganz akzeptablen einfachen Kornschnäpsen. Die Gattung an sich wird mich allerdings wahrscheinlich niemals wirklich fesseln, genauso wenig wie Wodka oder ähnliche Produkte.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 10. Oktober 2015. Dann haben wir einen Obstbrand im Programm, wie versprochen.

- Euer Tomas Aquinas


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