Samstag, 14. November 2015

Bierwochenende in Hasselt, Teil I: Kabul oder nach Hause?

Hasselt, die Hauptstadt von Belgisch-Limburg, ist auch als Hauptstadt des Jenevers bekannt. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass sie, als in den einstigen südlichen Niederlanden im frühen 17. Jahrhundert ein Verbot der Spirituose angeordnet wurde, hiervon gnädig verschont blieb, weil sie zur damaligen Zeit zum Fürstbistum Lüttich gehörte. In und um Hasselt herum wird heute auch noch einiges an Jenever hergestellt und selbstverständlich auch getrunken. Sowohl das Nationale Jenevermuseum als auch die altehrwürdigen Jeneverfeesten sind hier beheimatet. 

Aber nicht der Spirituose, sondern des Bieres wegen sind Plattfuss und ich in diesem November nach Hasselt gefahren: zum nunmehr 22. Mal organisierten die Limburger Bierfreunde das Weekend der Belgische bieren und nach all den Jahren in Brüssel und Brügge wollten wir uns das nun auch einmal ansehen. Die Anreise von Deutschland aus gestaltete sich unproblematisch, wenn auch langatmig (Feierabendverkehr im Ruhrgebiet) und als Hotel hatten wir uns das relativ markante Radisson Blu ausgesucht, welches nur wenige hundert Meter vom Veranstaltungsort, dem Kulturzentrum Hasselt (CCHA) entfernt liegt. 

Hasselt ist architektonisch nicht ganz so spektakulär wie einige andere alte Städte Flanderns, aber es ist eine gemütliche und einladende Stadt, in der man sich schnell wohlfühlt und auch zurechtfindet. Der Fußmarsch zum Veranstaltungsort war daher ohne Probleme zu bewerkstelligen. Der Rückweg sollte dann schon schwieriger werden, aber so weit sind wir noch nicht. Im CCHA waren ein großer Ausstellungsraum und ein etwas kleinerer Empfangs- und Ausweichraum gebucht worden. Der Einlass funktionierte reibungslos, auch zu späterer Stunde. Wie bei vielen Bierfestivals üblich, war zunächst ein Probierglas (0,15) zu erstehen, wahlweise auch im "Starterset" mit Flaschenöffner, Booklet und einigen Jetons (= Biermarken). Denn auch hier sollten die Biere nicht bar bezahlt werden, sondern zunächst war Geld in Jetons zu wechseln (1,70 EUR für einen), und mit diesen konnten dann die Getränke (und auch einige kleinere Snacks) erstanden werden. 



Anders als etwa in Brügge, wo die Brauereien selbst den Bierverkauf übernehmen, sollten die Besucher aber möglichst nicht die ganze Zeit über von Stand zu Stand tingeln. Vielmehr war eine lange Tresenmeile errichtet worden, zu der die Durstigen eilen konnten. Dort wurden die Getränke an gut gekennzeichneten Stellen (die Biere waren durchnummeriert) über Zuruf oder Bestellzettel von den Biervrienden bzw. ihren Helferlein ausgeschenkt. Danach konnte und sollte man an den reichlich aufgestellten Tischen Platz nehmen. Tatsächlich waren so viele vorhanden, dass ich in der ganzen Zeit kaum jemand länger habe stehen sehen. Neben einem gewissen Halt zu vorgerückter Stunde bot dieses Sitzarrangement natürlich auch die Möglichkeit zum Austausch mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. 

Das Einzige, was uns mithin ein bisschen fehlte, war der von den anderen Bierfesten gewohnte Austausch mit den Brauern - ansonsten gab es nichts, worüber man sich beklagen musste. Der Thekenservice war gut organisiert und man hatte in der Regel fast umgehend das Gewünschte in der Hand. Verkauft wurden im Verhältnis (bei insgesamt knapp über 120 verschiedenen Produkten) deutlich mehr Biere aus der Flasche (teilweise auch aus zu zweit schwer zu leerenden 0,75er Gebinden) als vom Fass (davon gab es nur etwa 16). Die Auswahl an Bieren stellte uns absolut zufrieden; es waren sehr viele Neuentdeckungen dabei. Insgesamt fanden wir auf unserer Vorbereitungs- und Bewertungsliste nur sechs Biere vor, die wir bereits bei anderer Gelegenheit verkostet hatten. Auffällig fand ich persönlich, dass viele Kleinstbrauereien vertreten waren, welche sich (noch) keine eigenen (oder keine ausreichend großen) Produktionsanlagen leisten und daher ihre Biere bei anderen Herstellern produzieren lassen. Ein Beispiel dafür war der dänische Craftbrauer Mikkeller, der zusammen mit Lindemans ein Geuze mit Basilikum (!) hergestellt hat.



Am Freitag war das Bierfest zwischen 18 Uhr und Mitternacht geöffnet, sodass wir bereits einen Teil des Reisetages noch gut ausnutzen konnten. Am Sonnabend und am Sonntag öffneten die Pforten jeweils zwischen 14 und 24 Uhr. Die späte Sonntagsöffnung war allerdings ein kleiner Wermutstropfen, denn wir mussten ja auch wieder zurück nach Deutschland. 

Freitagnacht, als wir bereits sehr angeschlagen waren (und auch noch ein paar Kneipen, die mehr oder weniger am Weg lagen aufgesucht hatten), zeigte sich dann auch, dass das Hotel doch gar nicht so einfach wiederzufinden war. Jedenfalls nicht mit 20 Bieren im Magen und unterschiedlichen Vorstellungen über die weitere Reiseroute. Plattfuss äußerte mehrmals, er wolle noch zum "Kabul" (unser interner Name für die Nachtkioske, wegen der putativen Herkunft ihrer Betreiber), ich hingegen plädierte für "n'chause".

Ein Unterhaltungsprogramm (Musik usw.) fehlte während der Bierverkostungen fast vollständig und wurde von uns auch nicht vermisst. Eine Ausnahme war die stündlich stattfindende Tombola, bei der Plattfuss am Samstag tatsächlich einen der Hauptpreise gewann: 24 Flaschen belgischen Bieres (verschiedene Sorten) sowie 6 Biergläser. Glückspilz.



Als wir Sonntag abreisten, waren wir mit dem Bierwochenende in Hasselt mehr als zufrieden und überlegten bereits, im nächsten Jahr wieder hinzufahren. Biere zu testen gibt es noch genug: am Ende haben wir doch nur knapp 50 geschafft.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 21. November 2015. Dann mit der Bewertung aller Biere, die wir verkostet haben.

- Euer Tomas Aquinas


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