Samstag, 23. Juli 2016

Rumlungern und rumtrinken, Teil IV: Ron Botucal Reserva Exclusiva NAS (12 J.) (40% Vol.)

Als ich den bärtigen alten Mann auf der Miniaturflasche sah, hatte ich ein Déjà-vu: woher kannte ich ihn? Schnell mal den eigenen Blog durchsucht, mit dem Lemma Botucal natürlich. Kein Treffer. Komisch. Dann nochmal scharf überlegt: selbe Destillerie, anderer Markenname? Also nochmal alle Artikel mit dem Tab "Rum" durchsucht. Und siehe da, tatsächlich: seinen jüngeren Bruder habe ich vor langer Zeit schon einmal probiert. Warum beide Brüder unterschiedliche Namen tragen? Lustige Geschichte: tun sie eigentlich gar nicht. Botucal heißt der Rum nur in Deutschland, und zwar seit 2012. Warum? Vorher hieß er eben Diplomatico, aber Aldi (sic!) hatte die Markenrechte an einem Weinbrand namens Diplomat geltend gemacht. So musste der Hersteller Destilerias Unidas aus Venezuela ihren Rums in Deutschland einen anderen Namen geben. In diesem Falle Botucal, einen Ortsnamen im örtlichen Dialekt (heißt so viel wie "grüner Hügel"). Damals, also bei der Verkostung des Achtjährigen, hatte ich dann wohl eine Flasche aus der Zeit vor dem Gerichtsurteil erwischt.

Alle Rums der Marke Diplomatico/Botucal werden aus Zuckerrohrmelasse hergestellt. Zum Einsatz kommen sowohl Coffey Stills als auch Pot Stills. Der Reserva Exclusiva besteht aus Rums beider Brennverfahren und trägt keine Altersangabe; die in ihm verwendeten Destillate sind jedoch "bis zu 12 Jahre alt". Das Sortiment umfasst zur Zeit außer ihm und dem vor vier Jahren besprochenen Reserva noch den Blanco Reserva (sechs Jahre, Eichenfass mit anschließender Filtration), den Single Vintage (Jahrgangsangabe) sowie den Ambassador (12 Jahre, Finishing im Sherryfass). Die heute verkostete Flasche würde "in groß" zur Zeit um die 32,- EUR kosten.




Art und Herkunft: Rum, Venezuela

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Sehr dunkler Bernstein. Aromatisch und schwer. Mandelhörnchen und dunkle Schokolade. Malagaeis. Weihnachtspunsch.

Geschmack: Käftig und würzig. Schokolade und Aprikosengelee. Sachertorte?? Süß-karamellig. Nelken und Vanille.

Abgang: Eher lang. Trocken und deutlich schokoladig. Fruchtiger Nachbrenner.

Fazit/Tipp: Ein Rum wie ein ganzes Weihnachtsdessert. Zum Mixen vielleicht schon zu schade, da sehr ausdrucksstark. Kaufempfehlung!

Mit diesem Beitrag verabschiede ich mich erstmal in die Sommerferien. Das heißt nicht, dass ich nicht vielleicht kurzfristig doch noch ein paar Zeilen schreibe. Auch will Plattfuss vielleicht noch etwas beisteuern. Aber der nächste Beitrag, den ich fest versprechen möchte, erscheint erst wieder am 13. August 2016.

- Euer Tomas Aquinas


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