Sonntag, 30. Oktober 2016

Sind so kleine Biere, Teil XLI: Insel Saison vs. Übersee Hopfen-Australien (Rügener Insel-Brauerei)

So, jetzt aber zackzack, ran an den heutigen Text. Vielen Dank für die Geduld. Es ist mir in dieser Woche aus verschiedenen Gründen leider sehr schwer gefallen, den üblichen Termin (Samstag) einzuhalten. Ich würde ihn deswegen, bis auf weiteres, auch gerne regelmäßig auf den Sonntag verschieben, dann habe ich etwas mehr Luft. 

Zum heutigen Thema habe ich mich recherchemäßig eh schwer getan. Die Webseite der Rügener Insel-Brauerei (RIB) ist zwar sehr schön gestaltet, geizt aber wirklich mit Hintergrundinformationen zur Geschichte. Gottseidank habe ich dann doch noch diesen längeren Artikel gefunden, in dem der Gründer und Firmeninhaber Markus Berberich deutlich mehr aus dem Nähkästchen plaudert und wo man auch etwas über die dahinter stehenden Produktionsanlagen, den Ausstoß und die Verbreitung erfährt. Demnach ist die RIB gar nicht mehr sooo klein, obwohl sie erst 2014 gegründet wurde, denn Berberichs Geschichte ist eben nicht die eines Bier-Nerds, der über Umwege zum Brauen und quasi über Nacht zum Erfolg kommt. Sie ist vielmehr die Geschichte eines kühl kalkulierenden Experten und Unternehmers, der sich den Erfolg planmäßig und durchdacht aufgebaut hat. Da gibt es denn auch keine Zwischenschritte mit dem Brauen im Hinterhof bei blakender Petroleumlampe, was ja auch ein beliebter Topos der Craftbierszene ist.

Ein paar Gedanken sind bei jedem der zwölf Biere der RIB (es gibt drei Serien á vier Biere) verwirklicht: Der Verzicht auf das Brauen nach dem deutschen Reinheitsgebot (es können also andere traditionelle Zutaten wie Haferflocken verwendet werden), die Verwendung obergäriger Hefen aus traditioneller Herstellung sowie die Flaschengärung. Oh, und wo wir gerade bei Flaschen sind: die für die Brauerei typische Papierverpackung.

Heute probieren wir zwei verschiedene Biere in der großen 0,75er-Pulle. Das Insel Saison aus der Reihe Insel Expedition sowie das Übersee Hopfen-Australien aus der Reihe Meeres Expedition*. Was fehlt, ist dieses Mal ein Bier aus der Nationalpark Expedition, z.B. das Baltic Ale oder das Baltic Stout, aber das können wir ja beim nächsten Mal machen.

*Die so genannte Deppenleerstelle in den Namen der einzelnen Serien verantwortet übrigens die Brauerei selber, nicht ich. Da gehören selbstverständlich eigentlich Bindestriche hin.

Freitag, 28. Oktober 2016

Zwischendurch: Kleine Verzögerung

Sorry, der wöchentliche Beitrag ist noch nicht fertig. Hatte einfach beruflich und privat zu viel zu tun diese Woche. Ich reiche ihn am Sonntag im Laufe des Tages nach.

- Euer Tomas Aquinas



Samstag, 22. Oktober 2016

Sind so kleine Biere, Teil XL: Adnams American Laid Back IPA, M&S Edition (4% Vol.)

Ein etwas überraschender Vertreter für unsere vierzigste Folge von Sind so kleine Biere, aber wie es der Zufall nun mal so will - er kommt nicht nur in der Blechdose, sondern er ist sogar noch eine Sonderabfüllung für den britischen Kaufhaus- und Gemischtwarengiganten Marks & Spencer, von dem ich bis neulich übrigens noch gar nicht wusste, dass er Fillialen außerhalb der britischen Inseln hat. Hat er aber wohl doch, denn die freundliche grüne Dose fand ich neulich in einem waschechten Marks and Sparks im niederländischen Den Haag, warum auch immer.

Okay, wie gesagt: das Bier wurde exklusiv für die Kette abgefüllt, ist also nirgendwo anders erhältlich, auch nicht vom Brauer, der Firma Adnams, die neben Bier auch den Einzelhandel, den Wein und die Gastronomie bzw. Hotellerie zu ihren Geschäftsfeldern zählt. Allerdings gehört das Brauen zu den Grundlagen der Firmengeschichte, denn damit ging es bereits an der heutigen Stelle im Jahre 1345 (sic!) los. Im Familienbesitz der Adnams ist die Brauerei allerdings "erst" seit 1872. Hergestellt wird einerseits ein Grundsortiment stets verfügbarer Biere, unter anderem Kreationen wie das Ghost Ship oder das Explorer. Andereseits aber stellt man eine fast unübersehbare Schar von Saisonbieren, Bieren zu besonderen Gelegenheiten und eben "Kollaborationen" (Auftragswerke für den Einzelhandel, aber auch für Restaurant- bzw. Kneipenketten) her, die ich hier nun nicht alle auflisten will. Die Brauerei hält sich einiges auf ihr Engagement für die Umwelt zugute; neben dem Einsatz von Solarzellen für die Energiegewinnung wird auch das Regenwasser einer sinnvollen Verwendung (z.B. für den Betrieb der Firmentoiletten) zugeführt. Das heute besprochene IPA ist übrigens nicht das einzige Dosenbier, welches Adnams für M&S produziert: es gib auch noch ein American Pale Ale mit etwas mehr Umdrehungen. Das Laid Back IPA hat derer nur vier - es wird daher auch, gerade auf britischen Webseiten, als Session Beer bezeichnet, also als ein Bier, dass man den ganzen Abend lang trinken kann.

Samstag, 15. Oktober 2016

Polskie piwa, część I

Manchmal kann die Übersetzungsfunktion von Google ja doch ganz praktisch sein- wenn man weiß, wie man sie richtig benutzt. So bin ich relativ sicher, dass der Titel des heutigen Beitrags tatsächlich Polnische Biere, Teil I bedeutet und nicht etwas irgendjemandes Mutter beleidigt oder so.

Tatsächlich wollte ich eigentlich schon lange mal etwas über Bier aus dem östlichen Nachbarland schreiben; man sieht ja einige der unten abgebildeten üblichen Verdächtigen durchaus öfter mal im Supermarkt oder auch beim Ein-Euro-Laden um die Ecke. Da traf es sich gut, dass eine sehr entfernte Bekannte sich bereiterklärte, vom nächsten Heimaturlaub mal ein paar typische Exemplare polnischer Braukunst mitzubringen. Sie kamen alle in der praktischen Halbliterdose, das Zywiec habe ich der Vollständigkeit halber im polnischen Laden um die Ecke ("leider" in der Flasche) nachgekauft.

An und für sich haben wir heute zwar einen Vergleich vierer verschiedener Biere, die auch aus vier verschiedenen Brauereien stammen, aber hinter diesen vier Brauereien stehen zwei polnische Brauereigiganten, hinter denen jeweils wieder ein internationaler Brauereigigant steht.

Beginnen wir mit AB InBev, dem überhaupt weltgrößten Bierkonzern, mit satt über 25% Marktanteil (Beck's, Corona, Stella Artois, Jupiler, Franziskaner, Diebels, usw.). Ihr gehört die polnische Kompania Piwowarska (auf Deutsch: "Brauereigesellschaft") in Posen. Sie betreibt insgesamt drei Brauereien, nämlich die Dojlidy (heute nichts dabei), die Tychy (mit dem Tyskie) aus Oberschlesien und die Lech (mit dem gleichnamigen Bier). Auf der anderen Seite haben wir Heineken International, dem Mehrheitseigner (61%) von Grupa Zywiec S.A. Unter diesem gemeinsamen Dach finden wir sogar gleich fünf Brauereien, die namensgebende Zywiec, die (vor dem Zweiten Weltkrieg deutsche) Elbrewery, die Lezajsk (mit der Marke Tatra), die Warka sowie die Cieszyn.

Die heutigen Biere sind allesamt Vertreter der Kategorie Helles Lager und in Polen sehr beliebt. Wir sollten uns bei der nachfolgenden Verkostung keine allzugroßen geschmacklichen Kapriolen vorstellen.


Samstag, 8. Oktober 2016

Zuídam Rogge Genever 1 J. (35% Vol.)

Vor einigen Jahren habe ich schon zweimal ausführlich über Produkte aus dem Hause Zuidam berichtet. Einmal über den sehr gelungenen holländischen Whisky namens Millstone Peated (heute wohlweislich umbenannt in Lightly Peated) und das andere Mal über einen der hervorragenden Jenever, den Dreijährigen. In beiden Beiträgen finden sich einige Details über das Jenevergeschäft allgemein und die Firma im Besonderern, sodass ich mich heute mal auf das Wesentliche konzentrieren werde. Was also gibt es Neues in Baarle-Nassau, seit ich mich das letzte Mal dort umgeschaut habe? Nun, der Webseite nach zu urteilen gibt es nun auch Gin - was ich eigentlich wegen der nahen Verwandtschaft zwischen diesem und dem Jenever für überflüssig gehalten hätte - aber ich vermute mal, Gin lässt sich bei einem internationalen Publikum leichter platzieren. Auf jeden Fall bietet Zuidam nunmehr gleich drei verschiedene Gins unter der Marke Dutch Courage an, unter anderem einen Old Tom, der mich natürlich sehr interessieren würde.

Dennoch: für heute bleiben wir ganz traditionell niederländisch und verkosten einen weiteren Jenever, und zwar einen relativ jungen. Ein ganzes Jahr ist er alt und heißt, zwecks genauerer Unterscheidung, Roggejenever. Im Gegensatz zum "normalen" Jenever besteht er zu einhundert Prozent aus gemälztem und ungemälzten Roggen. Es handelt sich um einen Small Batch-Jenever, der dreifach destilliert wurde und danach ein Jahr lang in Fässern aus amerikanischer Weißeiche reifte. Er enhält Botanicals von Wacholderbeere, Anis und Süßholz. Auch dieses Produkt wurde anscheinend kürzlich einer Überholung unterzogen, denn neuere Flaschen tragen jetzt den englischen Aufdruck Rye, jedoch keine Altersangabe mehr. Sputen wir uns also zur Verkostung ... ;-)


Samstag, 1. Oktober 2016

Projekt Braugarten, Teil IV: Braugarten Starkes Lager (7% Vol.)

Es ist vollbracht: die Hobbybrauerei Braugarten, an der ich ganz unwesentlich beteiligt bin, hat das erste Bier erfolgreich aus der Taufe gehoben. Es ist nun, wie ursprünglich geplant, ein Lager geworden. Das Einzige, was sich gegenüber unseren einstigen Absichten geändert hat, ist der Alkoholgehalt. Wir haben das Rezept so weit angepasst, dass es etwas mehr "Bums" hat. 

Meine Kollegen haben versprochen, auf der Homepage ein paar Details über den Brauvorgang preiszugeben. Da ich dieses Mal nicht mit Hand angelegt habe, bin ich als mehr oder weniger (wohl eher weniger, um ehrlich zu sein) neutraler Verkoster gebeten worden, dem frisch gezapften Starken Lager näher auf den Zahn zu fühlen.