Samstag, 15. Oktober 2016

Polskie piwa, część I

Manchmal kann die Übersetzungsfunktion von Google ja doch ganz praktisch sein- wenn man weiß, wie man sie richtig benutzt. So bin ich relativ sicher, dass der Titel des heutigen Beitrags tatsächlich Polnische Biere, Teil I bedeutet und nicht etwas irgendjemandes Mutter beleidigt oder so.

Tatsächlich wollte ich eigentlich schon lange mal etwas über Bier aus dem östlichen Nachbarland schreiben; man sieht ja einige der unten abgebildeten üblichen Verdächtigen durchaus öfter mal im Supermarkt oder auch beim Ein-Euro-Laden um die Ecke. Da traf es sich gut, dass eine sehr entfernte Bekannte sich bereiterklärte, vom nächsten Heimaturlaub mal ein paar typische Exemplare polnischer Braukunst mitzubringen. Sie kamen alle in der praktischen Halbliterdose, das Zywiec habe ich der Vollständigkeit halber im polnischen Laden um die Ecke ("leider" in der Flasche) nachgekauft.

An und für sich haben wir heute zwar einen Vergleich vierer verschiedener Biere, die auch aus vier verschiedenen Brauereien stammen, aber hinter diesen vier Brauereien stehen zwei polnische Brauereigiganten, hinter denen jeweils wieder ein internationaler Brauereigigant steht.

Beginnen wir mit AB InBev, dem überhaupt weltgrößten Bierkonzern, mit satt über 25% Marktanteil (Beck's, Corona, Stella Artois, Jupiler, Franziskaner, Diebels, usw.). Ihr gehört die polnische Kompania Piwowarska (auf Deutsch: "Brauereigesellschaft") in Posen. Sie betreibt insgesamt drei Brauereien, nämlich die Dojlidy (heute nichts dabei), die Tychy (mit dem Tyskie) aus Oberschlesien und die Lech (mit dem gleichnamigen Bier). Auf der anderen Seite haben wir Heineken International, dem Mehrheitseigner (61%) von Grupa Zywiec S.A. Unter diesem gemeinsamen Dach finden wir sogar gleich fünf Brauereien, die namensgebende Zywiec, die (vor dem Zweiten Weltkrieg deutsche) Elbrewery, die Lezajsk (mit der Marke Tatra), die Warka sowie die Cieszyn.

Die heutigen Biere sind allesamt Vertreter der Kategorie Helles Lager und in Polen sehr beliebt. Wir sollten uns bei der nachfolgenden Verkostung keine allzugroßen geschmacklichen Kapriolen vorstellen.




Tyskie Gronie (5,5% Vol.)

Art und Herkunft: Helles Lager, Polen (Schlesien)

Besonderheiten: Der Claim polnischer Hopfen - polnische Seele

Aussehen und Aroma: Eine kleine, feste Krone. Hellgelbes Bier. Eine sehr metallisch wirkende Nase (wir haben es natürlich nicht aus der Dose getrunken). Hefig. Sonst keine bleibenden Eindrücke.

Geschmack: Sehr spritzig. Leicht säuerlich bis herb. Sonst wieder nichts Aufregendes.

Abgang: Sehr kurz und schmerzlos.

Fazit/Tipp: Ein Bier ohne herausragende Eigenschaften, das man bedenkenlos als Wasserersatz verwenden kann, wenn nichts anderes vorrätig ist. Dennoch das Autofahren bitte sein lassen.


Tatra Jasne Pelne (6,0% Vol.)

Art und Herkunft: Helles Lager, Polen (Karpatenvorland)

Besonderheiten: Der Claim tiefgründiger Geschmack

Aussehen und Aroma: Etwas dunkler als das Tyskie. Kleine, feste Krone. Sehr unaromatisch. Feuchtes Stroh? Leicht seifig.

Geschmack: Eher feinperlig. Leicht salzig im Antritt. Fruchtig-malzig. Später mehr schweflig-süßlich (was ich uncharmanterweise gerne als "furzig" bezeichne).

Abgang: Kurz bis mittel. Immer noch süßlich.

Fazit/Tipp: Auf der Habenseite steht: es hat mehr Geschmack als das Tyskie. Andererseits: dieser gefällt mir nicht sehr.


Lech Premium (5,2% Vol.)

Art und Herkunft: Helles Lager, Polen (Großpolen)

Besonderheiten: Der Claim erfrischender Geschmack und ein Label, das anzeigt, ob das Bier kalt genug ist.

Aussehen und Aroma: Eine mittelprächtige aber feste Krone. Hellgelb. Leicht hefige Noten; es kommt ein wenig Hopfen durch.

Geschmack: Angenehm prickelnd. Deutlich mehr Hefe als in den bisherigen Kandidaten. Sonst aber nicht wirklich etwas zu erschmecken.

Abgang: Kurz bis mittel. Leicht metallisch.

Fazit/Tipp: Schmeckt wie ein etwas lasches Weißbier. Warum nicht, an einem warmen Tag?


Zywiec Premium (5,6% Vol.)

Art und Herkunft: Helles Lager, Polen (Schlesien)

Besonderheiten: keine

Aussehen und Aroma: Sattes Gelb und eine kleine, stabile Krone. Sehr dezenter Geruch. Feinherb.

Geschmack: Auch im Mund eher zurückhaltend. Sensorisch sehr angenehm, aber ein etwas unangenehmer süßlich-salziger Unterton.

Abgang: Kurz bis mittel. Süßlich.

Fazit/Tipp: Ähnlich wie sein Bruder Tatra. An und für sich okay, aber mit einer mir etwas fatalen süßlich-schwefligen Note.

Gesamtfazit: Die Verkostungsnotizen machen es deutlich: die polnischen Lagerbiere für den Massengebrauch sind in etwa so spannend unterschiedlich wie deutsche Pilsbiere für den Massengebrauch. Wenn ich mir unbedingt zwei Sieger rauspicken muss, dann nehme ich das Tyskie und das Lech. Plattfuss sieht das Lech und das Tatra auf den ersten beiden Plätzen.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 22. Oktober 2016.

- Euer Tomas Aquinas



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