Sonntag, 12. März 2017

Einsendungen, Teil I: C&S Dram

Vor einiger Zeit bekam ich über unsere alte Kontaktadresse (mittlerweile hat ja Jan die Kommunikation mit der Öffentlichkeit übernommen) eine Nachricht von Caminneci Wine & Spirit Partner (CWSP) aus Meckenheim mit der Frage, ob wir nicht Lust hätten, ein paar ihrer Samples für unseren Blog zu verkosten. Natürlich hatten wir Lust - zumal bereits beim ersten Email-Verkehr deutlich wurde, dass man von dort aus keineswegs darauf bestand, uns bei der Beurteilung irgendwelche Zügel anlegen zu wollen (worauf wir uns natürlich eh nicht eingelassen hätten). Nachdem also in dieser Hinsicht schönste Eintracht herrschte, meldete Jan uns nur ein paar Tage später, dass drei Fläschchen wohlbehalten bei ihm angekommen seien. Diese haben wir vorgestern bei Plattfuss zuhause im Rahmen einer längeren Veranstaltung ausführlich betrachtet, beschnuppert und be getrunken.

Wir hatten CWSP immer noch in guter Erinnerung, denn in der Vergangenheit haben ihre Produkte stets positiv bei uns abgeschnitten: im Jahre 2012 ein zehnjähriger Ben Nevis aus ihrer Dram Collection und dann 2014 der sechsjährige Islay (2nd Ed.) aus der Dram Regional-Serie. Die Firma wurde 2005 von Andrea Caminneci gegründet, nachdem er viele Jahre lang zunächst in der Gastronomie und dann später speziell auch im Vertrieb von hochwertigen Spirituosen tätig war. Es werden neben der eigenen Abfüllung unter dem Namen C&S einige weitere Produktlinien vertreten, unter anderem von The Malt Whisky Company und von Thistly Cross Cider. Das Portfolio, welches in der Reihe C&S Dram erscheint, umfasst heute die Serien Dram Collection (die Standardserie in Fassstärke), Dram Regional (Whiskys ohne Angabe der Destillerie, zurzeit der heute verkostete "Lowlands Edition No. 1" - der anscheinend kein Blended Malt (mehr) ist, sondern ein Single Malt - und der "Islay North"), Dram Good (auf Trinkstärke herabgesetzt, im Moment ausgelistet) sowie Dram Senior (Fassstärke, älter als 20 Jahre).

Was gibt es also heute? Da haben wir, zunächst einmal, den nicht näher benannten Lowlands. Infrage kommen da ja nun nicht so viele Destillerien, wenn man die ganz neuen einmal abzieht. Außerdem ein Glen Garioch, der fünf Jahre auf dem Buckel hat. Schließlich ein Loch Lomond, der uns vorher ein bisschen Sorge machte, denn unsere Erfahrungen mit dieser Brennerei sind ziemlich gemischt. Eine der ersten - im Rückblick sogar noch relativ wohlwollenden - Verkostungen hier im Blog war der gute alte "Blue Label". Auch sein torfiger Bruder, der "Green Label", mundete uns noch im selben Jahr keineswegs besser. Einzig der Inchmurrin, der aus derselben Quelle stammt, gefiel uns durchaus. Aber nun scheint ja seit 2014 (Verkauf an einen privaten Investor) Loch Lomond eine Neubewertung ihres Portfolios vorzunehmen (neue Serien, neue Verpackung, neue Preise); seien wir also gespannt. Unter dem Foto der Samples geht es weiter zur Verkostung.



C&S Dram Regional Lowlands Edition No. 1 6 J. (46% Vol.)

Art und Herkunft: Single Malt, Lowlands

Besonderheiten: nicht kaltfiltriert, keine Farbstoffe (gilt für alle C&S Dram-Whiskys)

Aussehen und Aroma: Sehr helles Gelb. Eine Nase aus Schaumzucker und Holzleim. Frisch, mit deutlichem Aceton. Tintenkiller. Später Lakritze. Grapefruit?

Geschmack: Ein unerwartet süßer Antritt. Wieder diese Jahrmarkteindrücke: Zuckerwatte, gebrannte Mandeln. Nach dem ersten Schluck stellt sich eine merkbare, aber nicht unangenehme Schärfe ein.

Abgang: Mittel bis lang. Deutlich trockener. Am Schluss leicht bitter.

Fazit/Tipp: Wasserzugabe führt zu mehr Lakritze im Geruch. Ledriger. Sein Volumen reicht aber nicht ganz für die Verdünnung. Lieber ein paar Minuten atmen lassen. Insgesamt gut trinkbar ohne Ausreißer. Der Geschmack ist deutlich solider als der Geruch.


C&S Dram Collection Glen Garioch (2011/2017) 5 J. (60,5% Vol.)

Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (Eastern)

Besonderheiten: wie oben, Bourbonfass

Aussehen und Aroma: von den drei Samples der Dunkelste, aber immer noch sehr hell. Sehr botanisch: Süßholz, Liebstöckel. Etwas Aprikose und Klebstoff (je mehr, desto länger er steht). Nach Zugabe von Wasser: Fruchtcocktail in Zuckersirup aus der Dose.

Geschmack: Ein süßlich-scharfer Antritt. Vanille und Kakao. Dunkle Brombeeren und Rosinen. Zedernholz. Mit Wasser deutlich weicher und schokoladiger.

Abgang: Lang, mehr Klebstoff.

Fazit/Tipp: Wieder ein Whisky, der im Geschmack ganz anders ist als im Geruch. Sehr angenehm und nachmittäglich. Er kann mit oder ohne Wasser genossen werden. Wer Wert auf ein samtigeres Mundgefühl legt, sollte ruhig ein paar Tropfen dazugeben.


C&S Dram Collection Loch Lomond (2011/2017) 6 J. (60,2% Vol.)

Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (Western)

Besonderheiten: wie oben, Hogshead

Aussehen und Aroma: Extrem hell, fast farblos.  Macht keinen besonders viskosen Eindruck. Relativ trockene Nase. Schiefertafel und Tabak. Dezent torfig. Ein leicht modriger Unterton: Gewölbe einer schottischen Burg, stockfleckiges Leder. Pattex. Nach ein paar Minuten des Atmens deutlich maritimer.

Geschmack: Süß. Unverdünnt mit viel Alkohol auf der Zunge, Leicht speckig und gleichzeitig fruchtig. Quitten. Wasser bringt die Frucht deutlicher zum Vorschein.

Abgang: Mittel und trocken.  Im Nachhall fruchtige Eindrücke.

Fazit/Tipp: Ein sehr viel besserer Loch Lomond als die alten Herstellerabfüllungen. Mit Wasser wird er deutlich maritimer und interessanter. Er hat eben - aufgrund seiner relativen Jugend - nicht allzuviel Körper.

Gesamtfazit: Alle drei heute vorgestellten Whiskys kann man sich, je nach eigener Vorliebe, bedenkenlos auf den Tisch stellen. Wenn es so etwas wie einen "Sieger" des Abends gäbe, müsste es nach allgemeiner Meinung der Tester der Glen Garioch sein. Der Loch Lomond soll hier noch einmal lobend hervorgehoben werden, weil er uns positiv überrascht hat.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 19. März 2017.

- Euer Jan B., Plattfuss und Tomas Aquinas


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