Sonntag, 2. Juli 2017

Bierwochenende in Antwerpen, Teil I: Die Mühen der Ebene

Nachdem ich letztes Jahr in Hasselt schon einmal als Gast-Verkoster und Nachhausefahrer (der Fluch dessen, der im Team das größte Auto hat) fungieren durfte, war ich gerne bereit, die Erfahrung dieses Jahr zu wiederholen, obwohl es das Bierfest in Hasselt ja leider so nicht mehr gibt (als Ersatz haben sie wohl ein kleines, eintägiges Event aufgezogen). Also ging es diesmal (erstmals) nach Antwerpen, wo zum bereits 18. Mal das Bierpassie Weekend stattfand. Organisiert wird das Ganze von Ben Vinken, einem in Belgien sehr bekannten Biersommelier und Autor, der auch öfter mal in Kochsendungen im Fernsehen auftaucht.

Nachdem wir Tom in der Nähe von Brüssel rausgeschmissen hatten (er wollte da "Bierrezepte recherchieren" hüstel hüstel), dauerte es nicht mehr allzulange, bis Plattfuss und ich auf dem Antwerpener Ring waren - und da fingen unsere Probleme erst einmal richtig an. Anscheinend ist die Stadt dabei, den inner- und außerstädtischen Verkehr komplett neu zu regeln ... was dann im Jahre 2019 wohl endlich vollendet sein soll. Bis dahin ist in Prinzip die gesamte Innenstadt (für die, die noch nie da waren: Antwerpen hat immerhin über eine halbe Million Einwohner) eine gigantische Baustelle und es geht buchstäblich weder vorwärts noch rückwärts. Mit kurzen Zwischenstopps hatte unsere Fahrt bis Antwerpen etwa drei Stunden gedauert; in der Stadt selbst haben wir noch einmal zwei gebraucht, bis wir endlich einigermaßen gemütlich auf einem Parkplatz standen und unseren Zimmerschlüssel in Händen hielten. Das Hotel war übrigens tatsächlich einigermaßen grauenvoll, aber zumindest sehr zentral gelegen, so dass wir zum Groenplaats nicht mehr als ein paar Minuten zu Fuß zu laufen hatten. Dieser Platz im Zentrum ist nicht - wie der benachbarte Grote Markt - im Alltag eine Touristenattraktion ersten Ranges, sondern ein etwas unauffälligerer, aber nicht reizloser Ort, wo man sich auf einer der zahlreichen Bänke niederlässt oder in einem der zahlreichen Cafès eine Kleinigkeit zu sich nehmen kann. Hier also stand die Zeltstadt des Bierwochenendes.

Die meisten Stände teilten sich zwei Brauereien, allerdings gab es auch mehrere Stände, die zu ein und derselben Brauerei (z.B. Duvel Moortgat) gehörten. Snackgelegenheiten suchte man (außer einem oder zwei Tresen, an denen Käse verkauft wurde) vergebens, dafür gab es ja in der direkten Umgebung mehr als genug Auswahl an Frittenbuden usw. Ansonsten war das Prinzip ähnlich wie jenes, das ich von unseren Tagen beim Bierfest in Brüssel vor einigen Jahren in Erinnerung habe: Man ging zuerst zu einer Bude, wo man ein Probierglas für fünf Euro erwerben musste. Die Bezahlung der Biere erfolgte dann ausschließlich über Jetons á zwei Euro. Die Gläser wurden an jedem Stand abgespült (das fand ich in Hasselt letztes Jahr übrigens besser; da gab es in der Regel immer ein "neues" Glas) und frisch befüllt.


Das kleine musikalische Rahmenprogramm ("wandernde" Jazzbands und auch ein Konzert einer lokalen Band am Sonnabend) hat mich nicht weiter gestört, obwohl ich beim Biertrinken an und für sich keine Musik brauche, um glücklich zu sein. Ansonsten war es nicht allzu voll; der Sonnabend war sicherlich besucherstärker als der Freitag - und es waren auch die üblichen Verdächtigen da (Biernerds aller Herren Länder, "natürlich" besonders Briten sowie Junggesell*innenabschiede). Es ist friedlich geblieben und ab und an ergaben sich auch mal ein paar Gespräche, allerdings kochten die meisten Grüppchen (wir inklusive) doch eher im eigenen Saft.



Den ausführlichen Bewertungsbogen gibt es nächste Woche; vorerst lassen sich aber schon ein paar Fakten zusammenfassen:

  • Wir waren mal wieder sehr effizient und haben ganz genau 70 Biere verkostet
  • Insgesamt hat das Team von Blog Blong Dring damit - alleine auf Bierfesten - seit Beginn der Aufzeichnungen 2009 (Tomas sagte mir, einige Jahrgänge seien "lückenhaft") mindestens 551 verschiedene Biere verkostet
  • Mehrere Brauer berichteten uns, dass der Trend in der Gastronomie (nicht bei den Liebhabern!) hin zu leichteren Bieren mit weniger Alkohol gehe
  • Ein weiterer allgemeiner Trend ist der hin zu (noch mehr) Fruchtbieren ... zum Beispiel hat Liefmans neben dem Fruitesse jetzt auch das Yell'Oh (mit gelben Früchten) im Angebot
  • Außerdem immer noch und noch mehr Hopfen: es gibt viele neue IPAs und Derivate
  • Und schließlich der Barrel Aged-Hype. Wir haben Biere getrunken, die in so ziemlich jedem nur denkbaren Fass (nach)gereift waren, unter anderem Whisky, Rum, Burgunder.
Ganz offen gesagt zum letzten Punkt: Ich bin kein großer Freund davon. Die Verwendung von Eichenfässern, in denen zuvor Spirituosen gelagert wurden, führt meiner Erfahrung nach dazu, dass der Eigengeschmack des Bieres von dem des Schnapses gnadenlos niedergebügelt wird. Besonders unangenehm ist mir unter anderem das Duvel Barrel Aged (Bourbonfass!) in Erinnerung.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 9. Juli 2017.

- Euer Jan B. und Plattfuss


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