Sonntag, 14. Januar 2018

Spezielles aus den Niederlanden, Teil II

So, weiter geht's. Nachdem wir letzte Woche  drei ganz unterschiedliche Biere besprochen haben, geht es heute mehr oder weniger nur um Stouts und deren Derivate. Solche dunklen, schweren Biere mochten die meisten aus unserer Crew (Plattfuss ist eventuell eine Ausnahme) in jungen Jahren überhaupt nicht. Dementsprechend vorsichtig haben wir uns über die Jahre herangetastet. Ich selber trinke zwischendurch gerne mal etwas in der Richtung und experimentiere auch wohl gelegentlich.

Duits & Lauret wurde 2009 von Danielle Duits und Marco Lauret gegründet. Wie die meisten Hobby- und Kleinbrauer begannen sie mit einer bescheidenen Brauanlage (Kapazität: 60 Liter), in der sie ihre Rezepte entwickelten. Die eigentlichen Chargen entstanden dann in der - unseren Lesern mittlerweile bekannten - Proefbrouwerij im belgischen Lochristi. Seit 2015 befindet sich das künftige Produktionszentrum komplett auf heimischer Erde, in einer alten Festung in der Nähe von Utrecht. Das heute vorgestellte Stout war übrigens das allererste von Duits & Lauret kommerziell produzierte Bier.

Von Emelisse aus dem seeländischen Goes haben wir heute sogar zwei Produkte im Programm, beides Stouts mit einem "besonderen" Extra. Seit 2016 gehört die Brauerei einem ortsansässigen Hotel (welches ebenfalls ein eigenes Bier herstellt), dem Slot Ostende. Gegründet wurde sie aber bereits ein paar Jahre nach der Jahrtausendwende. Zum regelmäßigen Sortiment von Emelisse gehören zurzeit 14 Biere, darunter nicht nur Stouts, sondern auch ein paar IPAs verschiedener Zusammensetzung.


De Molen in Bodegraven schließlich ist von den dreien - was die Kapazität angeht - sicherlich die Größte, denn seit 2016 können um die 10.000 Hektoliter per annum gebraut werden, mit Tendenz nach oben. Hinter dieser Firma steht ein gelernter Bierbrauer, Menno Olivier, der vor vielen Jahren in seiner eigenen Garage zu brauen begann (damals noch unter dem Namen De Salamander). Die heutige Marke De Molen stammt aus dem Jahre 2oo4, als die Brauerei in eine alte Mühle umzog. Der Vertrieb liegt in den Händen von De Koningshoeven (La Trappe), mit denen ein entsprechender Kooperationsvertrag existiert. Die Anzahl der Biere von De Molen ist fast unüberschaubar und kann in ihrer Beerography abgerufen werden. Es wird viel mit Fasslagerungen (u.a. in Fässern von Port Charlotte bzw. Bruichladdich) experimentiert.




Duits & Lauret Stout (6,5% Vol.)

Art und Herkunft: Stout, Niederlande (Utrecht)/Belgien (Ostflandern).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Ganz schwarz, fast keine Schaumkrone. Sehr wenig zu erschnüffeln. Leichte Kaffeearomen, sonst kaum etwas. Süßlich. Melasse?

Geschmack: Kräftiger Antritt der Röstaromen. Kaffee und Malz. Nicht süß.

Abgang: Kurz und trocken, eher bitter.

Fazit/Tipp: Sehr trinkbar. Für ein Stout recht mild und wenig kräftig. Etwas eindimensional.


Emelisse Vanille Ice Cream Stout (5,5% Vol.)

Art und Herkunft: (Milk) Stout, Niederlande (Zeeland).

Besonderheiten: Mit Zusatz von Milchzucker und Vanille.

Aussehen und Aroma: Extrem schwarz mit starker Krone. Das Testexemplar stand unter großem Druck und flog uns praktisch "um die Ohren" (trotz ruhiger Lagerung). Im Geruch sehr süßlich und malzig.

Geschmack: Stark kohlensäurehaltig. Geschmacklich etwas verwirrend: süß und bitter gleichzeitig. Die Vanille kommt nur sehr verhalten durch.

Abgang: Mittellang und bitterer als im Hauptteil.

Fazit/Tipp: Ganz angenehm, aber deutlich anstrengender als das Duits & Lauret.


Emelisse Espresso Stout (9,5% Vol.)

Art und Herkunft: (Coffee) Stout, siehe oben.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Pechschwarz und viskos. Keine Krone. Unerwartet dezent im Geruch. Schokolade und Rotwein.

Geschmack: Kaffee bis zum Abwinken. Dabei aber süßlich, nicht bitter. Auch das Weinaroma kehrt zurück. Ziemlich flepp, wenig Kohlensäure.

Abgang: Länglich. Viel Kaffee. Kalte Butter.

Fazit/Tipp: Sicherlich ein gutes Bier, aber: puuuuh! Anstrengend! Mit fehlt ein wenig Spritzigkeit.


De Molen Hel & Verdoemenis (10,0% Vol.)

Art und Herkunft: Imperial Stout, Niederlande (Südholland)

Besonderheiten: Laut Brauerei bei 10° Celsius zu trinken.

Aussehen und Aroma: Tiefschwarz wie eine mondlose Nacht auf der sonnenabgewandten Seite des Neptun. Sehr dickflüssig; es poltert förmlich ins Glas. Kleine, feste Krone. Starke Fruchtnoten: Brombeeren und Kranbeeren.

Geschmack: Wenig Kohlensäure.  Sehr cremiges Mundgefühl. Schwer im Geschmack: Kaffee und Früchte. Geröstete Kakaobohnen. Schwarzwälder Kirschtorte. Kanne Espresso.

Abgang: Lang. Kaffee. Bitterer werdend. Sehr starker "Kaffeesatz".

Fazit/Tipp: Gar nicht mal unangenehm, aber nichts für schwache Nerven. Ich finde es etwas zu grobkörnig; es hat etwas von Eingekochtem. Sicherlich nicht kistenweise zu verzehren´.

Gesamtfazit: Als Sieger des heutigen Teils sehe ich die beiden Extreme: das unauffälligste (Duits & Lauret) sowie das auffälligste (De Molen) Stout. Wirklich falsch machte der Liebhaber aber mit keinem der Vier.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 21. Januar 2018.

- Euer Jan B.

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