Sonntag, 23. September 2018

Wat ben jij Stout, zeg!

Nix kapiert beim Titel? Okay, ist auch wieder mal ein recht preziöses Wortspiel von mir, das darauf beruht, dass das englische Hauptwort Stout (womit das Bier gemeint ist) und das niederländische Adjektiv stout (ungezogen, unartig) gleich geschrieben werden. Den Rest kann sich bitte jede(r) selber erarbeiten; nächste Woche schreiben wir einen Test 😉.

So wie wir vor ein paar Wochen drei Porter aus dem östlichen Nachbarland da hatten, haben wir dieses Mal eben drei niederländische und belgische Stouts im Angebot, die wir beim letzten Redaktionsausflug nach Enschede aus dem örtlichen Getränkehandel befreit hatten. Alle drei Brauereien, die Scheldebrouwerij, Vandestreek sowie SNAB hatten wir teilweise schon mehrmals mit anderen Produkten hier im Blog. Vandestreek hat hier mit der jungen Hobbybrauerei Populus 6921 kooperiert.

Alle drei Biere sind - wie schon erwähnt - klassische Stouts bzw. Imperial Stouts und sollten daher kräftig Bumms und vor allem auch Umdrehungen haben. Die Gattung des (Russian) Imperial Stout geht auf das 18. Jahrhundert zurück, als es von einer Londoner Brauerei (Thrale, später Barclay Perkins, später Courage) exklusiv für den Hof Katharinas der Großen hergestellt wurde. Der Bierstil geriet später langsam in Vergessenheit, wurde aber Ende des 20. Jahrhunderts "wiederentdeckt" und ist mittlerweile in der Craftbierszene (und auch sonst) recht beliebt.



Scheldebrouwerij Oesterstout (8,5% Vol.)

Art und Herkunft: Stout, Belgien (Antwerpen).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Schwarz, mit einer kleinen, braunen, flüchtigen Krone. Sehr malzig in der Nase, metallische Noten.

Geschmack: Recht spritzig und dezent süßlicher Antritt. Röstaromen ja - aber mehr Schwarzbrot als Kaffee. Ein Hauch von Portwein?

Abgang: Mittel, etwas bitterer und sonst ohne böse Überraschungen.

Fazit/Tipp: Ein konsensorientiertes Stout, das auch Anfängern gefallen kann.


SNAB Czaar Peter (8,5% Vol.)

Art und Herkunft: Imperial Stout, Niederlande (Nordholland) und Belgien (Ostflandern)

Besonderheiten: Mit Zusatz von Kakao.

Aussehen und Aroma: Schwarz mit rötlichem Schimmer. Kleine und stabile Krone. Starke Sedimetierung in der Flasche. Im Aroma finden sich Milchsäure und metallische Noten. Eisenträger. Karamellbonbon.

Geschmack: Weich und süßlich. Sanfte Röstaromen. Malzig und leicht wässrig. "Blümchenkaffee". Ein paar bittere Untertöne.

Abgang: Kurz und süßlich.

Fazit/Tipp: Eher süßlich und schweflig und mir persönlich nicht spritzig genug.


Vandestreek/Populus 6921 NachtStout (10,0% Vol.)

Art und Herkunft: Imperial Stout, Niederlande (Utrecht/Gelderland)

Besonderheiten: Wie alle Projekte von Populus 6921 ist dieses Bier ausschließlich bei der Getränkemarktkette Mitra erhältlich.

Aussehen und Aroma: Schwarz, mit gigantischer dunkelbrauner, sehr stabiler Krone. Melasse und Lakritze im Geruch.

Geschmack: Deutlich Kaffee, aber auch medizinische Noten. Hustensaft. Starke Bitterkeit.

Abgang: Lang. Die bitteren Eindrücke klingen sehr ausdauernd nach.

Fazit/Tipp: Ein recht extremes Geschmackserlebnis mit sehr vielen verschiedenen, teils auch sehr widersprüchlichen, Eindrücken.

Gesamtfazit: Das NachtStout ist wirklich recht "stout" im niederländischen Sinne. Ein Bier für Experimentierfreudige. Das Oesterstout ist hingegen auch für diejenigen geeignet, die noch nicht so viele Erfahrungen mit diesem Bierstil gesammelt haben. Das Czaar Peter war uns insgesamt etwas zu lasch.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 7. Oktober 2018.

Verkostung: Jan B., Plattfuss, Tomas A.

Text: Tomas A.


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