Sonntag, 1. Mai 2011

Glenalmond NAS

Mein Freund L. ("Plattfuss") hatte den Glenalmond relativ günstig bei ebay ersteigert, so um EUR 15,-. Normalerweise soll er im Einzelhandel ca. EUR 25,- kosten. 

Zur Herkunft konnte ich folgendes eruieren: Es handelt sich bei Glenalmond um einen so genannten Bastard Malt, das heißt einen Whisky, der nicht unter der Marke seiner Ursprungsdestillerie(n) vermarktet wird, sondern unter einem Phantasienamen. Andere Beispiele wären z.B. der Finlaggan (von der selben Firma) oder Ben Wyvis der dritten Generation (nicht zu verwechseln mit Ben Nevis). Vertrieben wird der Glenalmond von der Vintage Malt Whisky Co. in Glasgow. Die Firmenwebseite sagt folgendes zum Produkt:

To produce Glenalmond we have chosen only the best malts from a small group of Scotlands finest malt whisky distilleries. Carefully placed together in a vatting and left until the right marriage of flavours was achieved , the result can only be described as perfection.

Ahaaa. Da sind wir also schon mal schlauer. Es handelt sich hier also nicht um einen Single Malt, einen reinen Malt Whisky aus einer einzigen Destillerie (wie z.B. Highland Park) und auch nicht um einen Blended Scotch Whisky - eine Mischung verschiedener Malt Whiskies und Grain Whiskies (wie z.B. Ballantine's) - sondern um einen sogenannten Vatted Malt oder Blended Malt, eine Mischung verschiedener Malt Whiskies aus verschiedenen Destillerien ... wie z.B. der Big Peat ein Vatted Malt aus verschiedenen Islay-Malts ist.

Weiter im Text: Die selbe Firma verkauft auch als Handelsmarke den Finlaggan (anscheinend einen Single Malt mit Ursprung Islay), den Tantallan, einen Speyside Single Malt, und The Coopers Choice, eine Sammlung von Whiskys verschiedener Herkunft.

Jeder, der mich kennt, weiß: ich bin kein Snob - oder höchstens ein kleiner. Aber als ich die lieblose Pappschachtel sah, in der der Glenalmond geliefert wurde, hatte ich schon eine Ahnung, was die Stunde geschlagen hatte. Die erste Nase war bereits ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte: ein extrem charakterloses Aroma, eventuell mit leichten Zitrusnoten und bereits jetzt leicht ölig.

Der erste Schluck dann noch öliger, auch mit dem obligatorischen Schuss stillen Wassers. Ein leicht fruchtiges Zentrum, das jedoch sehr monoton ist und nach einiger Zeit jäh zusammenbricht. Unendlich harscher Abgang, extrem spritig und unangenehm. Im Mund verbleiben blutende Furunkel (ok, das ist übertrieben - aber es fühlt sich so an). Wer meine Kritik zum Loch Lomond Blue Label gelesen hat, wird verstehen, was es bedeutet, wenn ich schreibe, dass dieser um Längen milder im Abgang ist als der Glenalmond (!).

Mehr möchte ich dazu echt nicht sagen; es reicht wohl, wenn ich hinzufüge, dass die Flasche am Ende des Abends genau so voll war wie zu Anfang (abzüglich der Probeschlucke). Wenn dieses Getränk wirklich um EUR 25,- im Einzelhandel verkauft wird, dann ist das Chuzpe.

Gottlob gabs an dem Abend auch noch eine Verkostung des Speyburn 10, was meine lädierten Geschmacksknospen erstmal etwas entschädigte. Aber das ist eine andere Geschichte

(Die Verkostung des Speyburn erscheint am 06. Mai 2011)

Kommentare:

Plattfuss hat gesagt…

Das hast Du noch alles viel zu nett formuliert, mein lieber TAquinas!
All die Auszeichnungen, die dieser Whiskey erhalten hat, sind für mich absolut nicht nachvollziehbar. Ich erinnere mich nur noch an ein starkes Brennen in der Nase, im Mund, im Hals und letzendlich im Magen - wie furchtbar! Auch mit vielen Schlücken belgischer Bierbraukunst war diese unschöne Erfahrung nur sehr schwer aus dem Schluckapparat wieder zu entfernen.
3/4 der ersten Flasche haben wir am Ende dann ins Lagerfeuer gespuckt, immerhin brannte er auch da, was wohl auch seine eigentliche Bestimmung ist. Meine Empfehlung: Finger weg! L

Plattfuss hat gesagt…

Der totale Hohn: siehe Ebay Artikelnummer: 380342385518
Ich kann es kaum glauben, dass dieses "Getränk" noch weiterhin frei verkauft werden darf. Und noch viel weniger kann ich glaube, dass jemand so viel Geld für 1,4 l Grillanzünder bezahlt.
...nur ein kurzer Nachtrag