Sonntag, 25. April 2021

Sind so kleine Biere, Folge CXXIIb: Rhaner (2.Teil)

So, ich schließe heute mit dem zweiten Teil unserer Verkostung der Mischbox von Rhaner an den Bericht von Tom in der letzten Woche an und gleichzeitig ab. Im Programm sind (viele, aber nicht einzig und alleine) Weizenbiere der Brauerei, sowie ein oder zwei Spezialitäten und die Craftbiere der Rhaner Biermanufaktur.

Rhaner Leichtes Weizenbier (3,2% Vol.)

Art und Herkunft: Alkoholreduziertes Weizenbier, Deutschland (Bayern).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellgolden und trübe, mit einer kleinen und stabilen Krone. Geruchlich eher hefig und teigig. Frische Weizenbrötchen. Ein säuerlicher Touch.

Geschmack: Sehr wässrig, säuerliches Prickeln auf der Zunge. Ansonsten wenig. Feine Hefe.

Abgang: Sehr kurz.

Fazit/Tipp: Wie viele alkoholreduzierte Weizenbiere schmeckt dieses wie ein Weizenbier, in das man (zu viel) Wasser gekippt hat. Ein extrem dünnes Stöffchen. Einige wirklich alkoholfreie Weizenbiere haben mehr Ausdruckskraft.


Rhaner Traditions-Weißbier (5,2% Vol.)

Art und Herkunft: Weizenbier, s.o.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Goldgelb, trübe, sehr feste Krone. Sehr wenig in der Nase, dezentes Getreide.

Geschmack: Keine "Banane", eher säuerlich und brotig.

Abgang: Kurz bis mittel und etwas trocken.

Fazit/Tipp: Der große Bruder des Leichten Weizen. Etwas weniger schlapp.


Rhaner Panduren-Weisse (5,3% Vol.)

Art und Herkunft: Weizenbier, s.o.

Besonderheiten: Gebraut als Reverenz an Freiherr von der Trenck, den Anführer der berüchtigten Panduren, die auch durch Rhan kamen.

Aussehen und Aroma: Goldgelb, trüb, mittelgroße luftige Krone. In der Nase auch sehr zurückhaltend. Leichte Hefe.

Geschmack: Durchaus vielschichtig mit Getreide und Dörrobst. Fruchtig-feine Säure.

Abgang: Mittel, etwas malziger als bei den Vorgängern.

Fazit/Tipp: Etwas "runder" und gefälliger als die Traditions-Weisse.


Rhaner Schwarzer Pandur (5,2% Vol.)

Art und Herkunft: Dunkles Weizenbier, s.o.

Besonderheiten: s.o.

Aussehen und Aroma: Kastanienbraun und klar. Feste kleine Krone. Ganz leicht bananig, sonst wenig. 

Geschmack: Etwas Frucht, etwas Malz, etwas gebranntes Karamell.

Abgang: Mittellang, ein Hauch von Kaffee.

Fazit/Tipp: Guter Middle of the Road. Für ein Weizen fast erstaunlich vollmundig.


Rhaner Festbier "Dahoam" (5,6% Vol.)

Art und Herkunft: Festbier/Märzen, s.o.

Besonderheiten: In "normalen" Zeiten vom Fass. Wegen der Pandemie und dem Ausfall der "Festbiersaison" in Flaschen abgefüllt.

Sonntag, 18. April 2021

Sind so kleine Biere, Folge CXXIIa: Rhaner (1. Teil)

Seit über 12 Monaten sind meine Kollegen und ich kaum in der Gastronomie gewesen, haben kaum Bierläden oder gar -messen besuchen können ... woher bekommen wir also unseren Nachschub? Nicht nur getrunken, sondern auch verkostet und gebloggt will ja weiterhin werden. Ganz einfach: das ganze letzte Jahr über haben wir abwechselnd und in regelmäßigen Abständen Bierproben bestellt. Entweder direkt beim Brauer oder - auch sehr häufig - über verschiedene Biermarktplätze wie (zum Beispiel; es gibt natürlich viele, viele mehr!) beertasting.com oder auch biershop-bayern.de. Aber egal, ob im Direktbezug oder vom Zwischenhändler: am liebsten sind uns immer noch die bunten Probierboxen, in denen für jeden was dabei ist ... zumindest soweit die Brauerei mehr als nur ein einziges Bier braut 😉.

Hier hat die Rhanerbräu aus 93488 Schönthal-Rhan (Oberpfalz) besonders eindrucksvoll abgeschnitten: ganz 20 verschiedene Biere (keine Doppelten!) lagen in der sehr schweren Kiste, die schon vor einiger Zeit von einem fluchenden und schwitzenden Paketboten vor Jans Haustüre abgeladen wurde. Gegründet wurde die Brauerei, wenn auch vielleicht nicht in ihrer heutigen Form, bereits 1283 (sic!). Sie gehört damit - ohne dass wir das bei unabhängigen Quellen verifiziert hätten - zu den " ... 15 ältesten Unternehmen Deutschlands und zu den weltweit 5 ältesten Brauereien, die von Gründung an bis heute ohne Unterbrechung Bier brauen ...", was natürlich nun wirklich nicht schlecht ist. Ich verzichte an dieser Stelle auf einen großen historischen Überblick über die letzten +/- 730 Jahre Brauereigeschichte, denn das macht die Rhaner auf ihrer Webseite ohnehin selbst schon. Gesichert ist auf jeden Fall, dass das Unternehmen sich seit 1776 in Familienbesitz befindet. Wenn ich die Webseite richtig interpretiert habe, enthielt unser Mixpaket auch tatsächlich jedes einzelne Bier, das überhaupt dort hergestellt wird (zweites Standbein ist - wie bei vielen Brauereien mittlerweile - die Saft-, Schorlen - und Limonadensparte). Neben einem umfangreichen Sortiment "klassischer" Bräue konnten wir also auch die vier Vertreter der Craftbierlinie, der so genannten Rhaner Biermanufaktur probieren.

Der erste Teil unserer Verkostung also - auch rein mengenmäßig gar nicht anders möglich - heute. Der zweite Teil folgt dann am nächsten Sonntag. Hervorheben möchten wir übrigens noch, dass dem Paket von Rhaner (was heute auch nicht mehr üblich zu sein scheint) zumindest ein paar Prospekte, wenn auch keine Bierdeckel o.ä.) beilagen.



Rhaner 1283 Hell (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Helles, Deutschland (Bayern).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellgolden, nur eine dezente Krone. In der Nase ein Hauch von Nichts.

Geschmack: Sehr süßlicher und runder Antritt, kräftiges Malz.

Abgang: Kurz und leicht trocken.

Fazit/Tipp: Für ein Helles sogar recht ausdrucksstark. Sehr angenehm und süffig.


Rhaner Export Hell (5,2% Vol.)

Art und Herkunft: Export, s. oben.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellgelb und sehr klar. Kleine und feste Krone. Reiner Geruch, nichts Hervorstechendes.

Geschmack: Ziemlich deutlich fruchtig-malziger Antritt. So etwas wie unreife Pflaume?

Abgang: Mittel, etwas trockener - aber mit süßlichem Nachbrenner.

Fazit/Tipp: Auf der Zunge sehr viel kräftiger als in der Nase. Besser kellerkalt als kühlschrankkalt zu trinken.


Rhaner Pils (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Pils, s. oben.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellgelb mit sehr flüchtiger Krone. Leicht malzig und leicht hopfig im Aroma.

Sonntag, 11. April 2021

Sind so kleine Biere, Folge CXXI: Ettl-Bräu

Ich muss es unumwunden zugeben: selten ist es uns so dermaßen schwer gefallen, ein paar Informationen über die zu besprechende Brauerei zusammenzutragen. Zwar hat die Firma gleich zwei Domains gepachtet, einmal unter dem Firmennamen (Ettl-Bräu), und einmal unter dem Markennamen des Biers (Teisnacher), aber wer daraufklickt, wird von zweimal dem gleichen Inhalt "überrascht" - und der ist recht überschaubar: ein Impressum (klar!), ein Veranstaltungskalender (zur Zeit nichts los) und schließlich ein Link zum Shopsystem (bei beertasting.com). Und dort findet man schließlich ein paar Infos zur Brauerei, die sich auf deren Webseite vielleicht auch nicht schlecht gemacht hätten: Gegründet als Gasthof mit Brauwirtschaft (was es heute noch ist) 1543, Verwendung regionaler Rohstoffe, "klassische offene Gärung" (also im Bottich, nicht im Tank). Okay, das war es dann auch schon. Auf der Seite der Gemeinde Prackenbach wird noch erwähnt, dass die Ettl-Bräu 2017 den Besitzer gewechselt hat. Nun ja.

Konzentrieren wir uns also auf das Bier: Tom hatte für uns einen Mixkarton mit sieben Biersorten bestellt, die jeweils doppelt vorhanden waren, sodass jedes Redaktionsmitglied etwas zur Verkostung beisteuern konnte - auch in Lockdownzeiten 😷. Das waren dann auch so ziemlich alle Biere, welche die Brauerei herstellt; ein Bock und ein Festbier fehlten (saisonal bedingt, vermuten wir) leider zum vollen Portfolio. Dafür waren ein schöner Bierkrug (der nun bei mir im Partykeller steht) sowie ein Weißbierglas (das jetzt bei Tom im Glasschrank steht) inkludiert.

Teisnacher Pils (4,5% Vol.)

Art und Herkunft: Pils, Deutschland (Bayern).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Goldgelb, mit kleiner und fester Krone. Feinherb im Geruch.

Geschmack: Spritzig, eher süßlich als herb, frisches Brot.

Abgang: Kurz, unauffällig.

Fazit/Tipp: Ein deutsches Pils, wie es wohl sein soll: gut trinkbar und ohne allzu deutlich hervorstechende Merkmale.


Teisnacher Hell (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Helles, siehe oben.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Ähnlich wie das Pils im Aussehen. Wie ein Helles in der Nase zu sein hat: sehr dezent. Eine ganz feine Zitrusnote.

Geschmack: Weit weniger lebhaft als das Pils. Leicht herb und blumig, mit einem etwas ungewöhnlich Unterton von Plastik.

Abgang: Mittellang und eher herb. Süßlicher Nachhall.

Fazit/Tipp: Ein Helles, das pilsiger schmeckt als das Pils ... seltsam. Eine etwas künstlich wirkende Note am Gaumen stört uns ein wenig.


Teisnacher Zwickl (4,9% Vol.) 

Art und Herkunft: Zwickel/Kellerbier, siehe oben.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellgolden und etwas trüb (was ja auch Sinn und Zweck eines Zwickels ist). Leicht malzige Nase, sonst wenig zu erriechen.

Geschmack: Deutlich süß-malziger Antritt mit mehr als nur einer Ahnung von Honig.

Abgang: Mittellang und weiterhin süßlich, feiner Hopfen.

Fazit/Tipp: Nach dem Hellen nun wieder ein echter Lichtblick: schön malzig und sehr süffig.


Teisnacher Weiße (5,2% Vol.)

Art und Herkunft: Helles Hefeweizen, siehe oben.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellgold und trüb, mit großer und sehr kräftiger Krone. Erdige und fruchtige Töne dominieren das Aroma: Banane, Kartoffel, leichte Säure,

Sonntag, 4. April 2021

Sind so kleine Biere, Folge CXX: Brasserie 28

Bei der Recherche für heute habe ich mich erst einmal kräftig vertan und bei der falschen Brauerei geschaut ... peinlich peinlich. Aber von vorne: als die Flaschen der Brasserie 28 zum ersten Mal vor uns standen, und ich in Erfahrung gebracht hatte, dass sie zu einer Firma namens Caulier Sugar Free gehören, dachte ich, diese Firma sei identisch mit der Brauerei Caulier aus Péruwelz im Hennegau, von der wir vor vielen, vielen Jahren auf den ersten Bierfesten in Brüssel schon einige (hauptsächlich aus der Reihe Bon Secours) probiert hatten. Aber Pustekuchen: es handelt sich um eine komplett andere Firma, die auch kein Bier unter dem Namen Caulier herstellt, Caulier Sugar Free (CSF) jedoch schon.

Brasserie 28 gibt es - als Bier - auch erst (wieder) seit 2008. Damals entschloss sich der Geschäftsmann Eric Coppieters (Le Pain Quotidien!), eine alte Marke quasi wieder auferstehen zu lassen und finanzierte das ganze über ein Crowdlending. Im Grund genommen ist CSF aber nur eine Marketingfirma, die bis 2017 gar keine eigenen Brauanlagen besaß und das Bier unter ihrer Marke von der Proefbrouwerij herstellen ließ. Aber - diesem sehr interessanten Artikel zufolge - passierte dann etwas sehr Spannendes: Brasserie 28 und die italienische Toccalmatto (Fidenza) gingen ein Joint Venture ein: an und für sich sollten alle Biere dann zunächst in Italien gebraut und gemeinsam vermarktet werden, bis in der Nähe von Brüssel eine zweite Braustätte gebaut worden wäre. Nach einem Facebookpost von 2020 ist daraus wohl (vorerst) nichts geworden; gebraut werden die "belgischen" Biere anscheinend immer noch in Lochristi. Brasserie 28 betreibt eine größere Anzahl von Brewpubs bzw. Gastropubs in Belgien und Italien.

Die große Spezialität der Marke sind Low-Carb-Biere und auch glutenfreie Biere. Sie nimmt für sich in Anspruch, ein Pionier auf dem Gebiet des Low-Carb-Craftbrewing gewesen zu sein und wirbt damit, dass ihre Biere gut 30% weniger Kalorien als vergleichbare Sorten bzw. Produkte haben.


28 Pils (5,3% Vol.)

Art und Herkunft: Pils, Belgien (Hennegau/Ostflandern).

Besonderheiten: Low Carb.

Aussehen und Aroma: Hellgelb und sehr viel trüber als ein "Standardpils". Sehr kleine, flüchtige Krone, unbestimmt fruchtig und getreidig.

Geschmack: Seltsamer Antritt mit hopfig-herben, aber auch fruchtigen Noten (Litschi??). Säuerlicher Unterton.

Abgang: Mittellang und recht trocken.

Fazit/Tipp: Für ein Pils eigentlich "zu fruchtig". Auf jeden Fall ungewöhnlich.


Caulier Gluten Free Blonde (6,8% Vol.)

Art und Herkunft: Blond, siehe oben.

Freitag, 2. April 2021

Danke!

Heute vor genau zehn Jahren, am 2. April 2011, begann unser Projekt Blog Blong Dring. Am Anfang hatte ich nur im Hintergrund und in unterstützender Funktion damit zu tun; die Hauptlast der Arbeit wurde von Plattfuss und Tom gemacht. Letzterer war es dann auch, der den ersten "richtigen" Beitrag - eine Verkostung des Loch Lomond NAS (Blue Label) - erstellte.

Viel hat sich seit damals getan, aber wir freuen uns immer noch, euch jede Woche einen kleine Reise in die Welt der Alkoholika anbieten zu können 😊.

Mittlerweile wurde unser Blog über 200.000 Mal angeklickt. Wir danken allen unserer Leser*innen - egal ob einmalig oder regelmäßig - für euer Interesse und eure Treue.

Ad multos annos!

Jan für das Team von Blog Blong Dring