Sonntag, 1. August 2021

Sind so kleine Biere, Folge CXXVIIIb: Klosterbrauerei Weißenohe (2. Teil)

Nachdem Jan letzte Woche über die ersten drei Biere unseres Hamburger "Fischzuges" mit Weißenoher Bier berichtet hat, bin ich heute mit der zweiten Charge dran. Neulich fragte mal jemand bei Plattfuss im Garten - als wir gerade über den Blog sprachen - wie wir uns denn die Biere "einteilen" ... gemeint war: in welcher Reihenfolge wir sie verkosten. Grundsätzlich machen wir es uns recht einfach und trinken sie in der Reihenfolge von "leicht" bis "schwer", was auch bei anderen Getränken wie Whisky, aber auch bei Speisen, common sense ist. Der Grund ist natürlich, dass wenn man - sagen wir mal - einen zwanzig Jahre im Barriquesfass gereiften Doppelbock zuerst trinkt und dann erst zum klassischen "Hellen" aus Bayern übergeht, letzteres praktisch gar nicht mehr schmeckt. Wir sortieren die "Proben" vor dem Tasting also nicht nach Alkoholgehalt, sondern nach (vermutlicher) geschmacklicher "Stärke", wobei beides natürlich auch öfters mal auf dasselbe hinausläuft. Heute also die Biere aus der Klosterbrauerei, die wir dem ersten Anschein nach für die kräftigeren hielten:

Kloster-Sud (5,4% Vol.)

Art und Herkunft: "Spezialbier" bzw. Märzen, Deutschland (Bayern).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Bernstein mit kräftigem rötlichen Schimmer und kleiner cremefarbener Krone, die recht flüchtig bleibt. Süßlich und fruchtig-reif in der Nase. Dezentes Malz.

Geschmack: Reife Frucht, wenige Röstaromen, leicht alkoholisch.

Abgang: Mittellang und zum Schluss überraschend herb.

Fazit/Tipp: Reichhaltig und voluminös auf der Zunge. Feinperlig. Süffig.


Altfränkisches Klosterbier (5,0% Vol.)

Art und Herkunft: Helles bzw. Rotbier, siehe oben.

Besonderheiten:

Aussehen und Aroma: Rötliches Kupfergold, kleine cremefarbene Krone. Süßliche und malzige Aromen.

Sonntag, 25. Juli 2021

Sind so kleine Biere, Folge CXXVIIIa: Klosterbrauerei Weißenohe (1. Teil)

Als wir neulich gemeinsam in Hamburg waren, sprang Tom und mir tatsächlich eine Reihe von Bieren ins sprichwörtliche Auge. Logischerweise mussten wir sie dann auch - trotz Geld-, Zeit-, und Platzmangels - kaufen und mitnehmen. Weißenoher kommt aus dem Fränkischen und das ist ja bekanntlich die Gegend Deutschlands, wo es massenhaft bekannte und unbekannte, kleine und große Brauereien gibt und die daher auch immer für eine Überraschung gut ist.

Die Brauerei gehörte seit dem Hochmittelalter tatsächlich zu einem Benediktinerkloster, das Anfang des 19. Jahrhunderts im Zuge der bayrischen Säkularisation "von oben" aufgehoben und verkauft wurde. Im Jahr 1827 wurde sie dann von den Stammeltern der heutigen Eigentümerfamilie übernommen. Neben einem Brauereiverkauf gibt es seit etwa 20 Jahren auch wieder eine angeschlossene Gastwirtschaft.

Die sechs Biere, die Tom und ich diese und nächste Woche vorstellen, sind keineswegs das gesamte Sortiment von Weißenohe. Neben diesen und weiteren eher traditionell ausgerichteten Bieren gibt es u.a. noch saisonale Spezialitäten sowie eine "craftige" Reihe unter dem Namen greenMONKey (Single-Hop-Pilsener mit unterschiedlichen Hopfensorten). Die Brauerei verfügt über ihr eigenes Quellwasser.


Glocken Hell (5,0% Vol.)

Art und Herkunft: Helles, Deutschland (Bayern).

Besonderheiten: 

"Damals wie heute kündet das Geläut vom Weißenoher Kirchturm nicht nur Momente der Andacht und Einkehr an. Es bestimmt auch den profanen Tagesrhythmus. Einer der schönsten Momente des Tages ist sicherlich der, in dem der Feierabend eingeläutet wird. Mit unserem Glocken Hell bringen wir den Klang der Weißenoher Glocken zu Ihnen."

Aussehen und Aroma: Goldgelb mit kleiner schneeweißer Krone. Hefige Nase, nasses Segeltuch.

Sonntag, 18. Juli 2021

From Russia with Love: Baltika (2. Teil)

Ich hatte es letzte Woche schon geschrieben: obwohl der Hauptsitz und die ursprüngliche Braustätte von Baltika sich in Sankt Petersburg befinden, besitzt das Brauereikonglomerat weitere Produktionsstätten - auch subsidiärer Natur (wie z.B. Mälzereien) in ganz Russland. Diese Brauereien sind nicht alle von der heutigen Firma gebaut worden, sondern wurden - wie z.B. die in Jaroslawl oder Rostow am Don - ursprünglich von anderen gebaut und betrieben und als "Morgengabe" in einer Vielzahl von Aufkäufen und Fusionen eingebracht.

Wie ich ebenfalls erwähnt hatte, werden in diesen regionalen Brauereien auch viele Produkte hergestellt, welche nicht den Namen "Baltika" tragen, sondern teilweise ältere, traditionsreiche Marken noch aus Sowjetzeiten repräsentieren. 

Unsere Verkostung heute widmet sich dem zweiten Teil des Portfolios der Stammmarke; nachdem wir letzte Woche die eher leichteren Biere im Programm hatten, wird es wohl heute etwas kräftiger zur Sache gehen - hoffen wir jedenfalls.



Baltika 3 Classic (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Lager, Russland (St. Petersburg).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellgelb, mit mittlerer Krone. Hefig und leicht zitronig im Geruch.

Geschmack: Sehr neutral, mit sehr wenig Malz und nur einer leichten Bitterkeit.

Abgang: Mittellang.

Fazit/Tipp: Dieser "Klassiker" ist komplett unauffällig und hat auf lange Sicht nur einen etwas seltsamen Nachgeschmack aufzubieten.


Baltika 4 Original (5,6% Vol.)

Art und Herkunft: Wiener Lager, siehe oben.

Sonntag, 11. Juli 2021

From Russia with Love: Baltika (1. Teil)

Nachdem ich mir hier ein paar Wochen Auszeit genommen hatte, war ich nicht besonders glücklich, meinen Wiedereinstand mit einer Verkostung der russischen Brauerei Baltika (St. Petersburg) beginnen zu sollen. Russland ist bestimmt ein sehr schönes Land und die Menschen sicher auch sehr nett, aber spätestens seit der Sache mit der Krim 2014 bin ich - politisch gesehen - so eher gar kein Fan des russischen Staates in seiner jetzigen Verfasstheit. Außerdem begrenzt sich meine Erfahrung mit Bieren von dort auf homöopathische Dosen; es ist ja nicht auch wirklich als DAS russische Getränk bekannt (wobei ich Wodka auch nur wenig abgewinnen kann).

Aber nun gut, Jan und ich waren neulich in der Stadt bei diesem neuen Laden namens DOMA ("Dein Café/Markt für osteuropäischen Genuss"), wo es doch schon einiges an Auswahl gibt, was Bier und bierähnliche Getränke betrifft. Ein paar seltsam geformte PET-Flaschen "außer der Reihe" haben wir auch mitgenommen, aber "für den Blog" bzw. die Verkostung in Plattfuss' Garten wollten wir doch am liebsten Biere einer einzigen Brauerei haben. Und da bot sich Baltika einfach an, denn (fast) die gesamte Serie stand im Regal.

Baltika bzw. Балтика пивоваренная компания wurde 1978 gegründet bzw. mit dem Bau der Brauerei wurde begonnen. Wie im fortschrittlichen Sozialismus üblich, war sie dann auch schon 12 Jahre später betriebsfertig. Damals wurde noch unter verschiedenen Markennamen produziert, die ich aber alle nicht kenne bzw. die mir auch nichts sagen. "Baltika" heißt die Mehrheit der Biere erst seit 1992. Wobei es immer noch viele der "alten" Marken (Zhigulevskoe, Arsenalnoe, usw.) im Portfolio gibt. Auf jeden Fall ist das ein gigantisch großer Konzern (Acht Brauereien, fast 10.000 Mitarbeitende), welcher seit 2008 zur internationalen Carlsberg-Gruppe gehört.

Die russischstämmigen Kollegen von Plattfuss hatten uns von Baltika Nr. 1 (alle Biere sind - anscheinend wahllos - durchnummeriert) abgeraten, tatsächlich stand es auch nicht im Laden. Es ist angeblich mittlerweile umbenannt worden in Lite, jedoch auf der Homepage ebenfalls nicht zu finden. Im Übrigen verwenden wir für unsere Verkostungsnotizen die "internationalen" Handelsnamen, nicht die russischen (wo möglich).


Baltika 8 Wheat Beer (5,0% Vol.)

Art und Herkunft: Weizenbier, Russland (St. Petersburg).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellgolden, mit einer kleinen weißen Krone. Untypisch säuerliche Nase, Stachelbeeren?

Geschmack: Vollmundig und unerwartet süßlich-bananig. Noch andere Früchte, aber was? Erdbeere?

Abgang: Mittellang.

Fazit/Tipp: Deutlich an ein deutsches Weizen, nicht an ein belgisches Witbier angelehnt. dennoch recht ungewöhnliche Fruchtnoten. Eher süß als frisch.


Baltika 5 Solotoje (5,3% Vol.)

Art und Herkunft: Golden/Pale Lager, siehe oben.

Sonntag, 4. Juli 2021

Sind so kleine Biere, Folge CXXVII: Altenburger

Das trifft sich gut: letzte Woche im Beitrag über Leikeim hatte ich schon gesagt, dass diese vor "genau" 20 Jahren (1991) die heutige Altenburger Brauerei übernommen hat. Tatsächlich ist sie von den beiden sogar die ältere (gegründet 1871 vs. 1887). In der DDR war sie natürlich "Volkseigener Betrieb", überlebte die Wende bzw. den Übergang in die Marktwirtschaft nicht ohne große finanzielle Einbußen und wurde dann folgerichtig kurz danach "geschluckt".

Wie bei Leikeim gibt es die Altenburger Biere heute nur noch in der praktischen Bügelflasche. Das gegenwärtige Sortiment umfasst sieben verschiedene Biere. Bei unserer Einkaufstour waren jedoch nur drei Stück erhältlich.


Premium Pils (4,9% Vol.)

Art und Herkunft: Pils, Deutschland (Thüringen).

Besonderheiten: -

Sonntag, 27. Juni 2021

Sind so kleine Biere, Folge CXXVI: Leikeim

Leikeim ist eigentlich nicht wirklich eine "kleine Brauerei", die haben mehrere 100.000 Hektoliter Ausstoß im Jahr, aber sei es drum: sie sind zumindest eine Familienbrauerei in fünfter Generation (gegründet 1887). Im Jahr 1991 übernahm sie zusätzlich die Altenburger Brauerei in Thüringen. Gegenwärtig teilt sich das Biersortiment von Leikeim (es gibt auch noch Limonaden und Schnäpse) in die Bereiche "Bierspezialitäten" (= Klassiker) und "Brauschätze" (Craftbierartiges). Die beiden Reihen unterscheiden sich auch optisch in der Gestalt der Etiketten ein wenig voneinander. Wir hatten pünktlich zum Ende des Lockdowns für die Redaktion eine kleine Mischkiste bestellt und durften sie neulich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder gemeinsam probieren.


Premium Pils (4,9% Vol.)

Art und Herkunft: Pils, Deutschland (Bayern).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellgold mit schneeweißer Krone. Reiner und frischer Geruch. Etwas Zitrone?

Geschmack: Genügend spritzig. Feinherb und nur sehr dezent hopfig.

Abgang: Relativ lang, die bitteren Noten bleiben recht lange erhalten.

Fazit/Tipp: Ein Standard-Pilsener. Solide umgesetzt.


Hell (4,9% Vol.)

Art und Herkunft: Helles, siehe oben.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellgold, mit einer Minikrone. Kaum etwas zu riechen.

Geschmack: Leicht malziger Antritt, nur wenige Bitterstoffe. Eine leichte Süße mit einem etwas "seifigen" Nachklang.

Abgang: Kurz.

Fazit/Tipp: Ein typischer Vertreter dieses Bierstils, ohne besondere Ecken und Kanten.


Landbier (5,4% Vol.)

Art und Herkunft: Export, siehe oben.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Goldgelb, mit einer kleinen aber festen Krone. In der Nase deutliche Hefe und viel frisches Getreide.

Geschmack: Auch auf der Zunge Getreide: Backstube, Windmühle. Kräftigerer Hopfen als beim Hellen.

Abgang: Mittellang und herb.

Fazit/Tipp: Bis jetzt das ausdrucksstärkste Bier der Brauerei. Kernig.


Weizen (5,4% Vol.)

Art und Herkunft: Weizenbier, siehe oben.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Bernsteinfarben und leicht trüb. Nur wenig bananige Aromen, eher "brotig". Frisch gewaschene Wäsche.

Sonntag, 20. Juni 2021

Vier von Hacker-Pschorr

Ich kann nicht behaupten, dass ich schon viel von Hacker-Pschorr getrunken habe. Wenn man im Süden wohnt, kommt man wohl nicht drumrum, aber hier in nördlichen Gefilden ist es doch schon so ein ganz kleiner Exot, zumindest in der Gastronomie. Bei unserem letzten Lauf zum Getränkemarkt waren aber genau vier verschiedene Sorten vorrätig (die Brauerei hat allerdings erheblich mehr - 13 Stück insgesamt, wenn ich richtig gezählt habe).

Gegründet im heutigen Sinne wurde Hacker-Pschorr im Jahr 1793, obwohl es an derselben Stelle schon seit dem späten Mittelalter ein Brauhaus gab. Das Familienunternehmen wurde bereits 1841 zwischen zwei Erben geteilt; so entstanden zwei getrennte Firmen ("Zum Pschorr" und "Hacker-Brauerei"), die erst 1972 (sic!) wieder zusammenfanden. Ganze sieben Jahre später war es dann aber schon wieder vorbei mit dem familiären Touch: Hacker-Pschorr wurde von der Schörghuber-Gruppe aufgekauft, deren Tochtergesellschaft Paulaner Brauerei Gruppe für das Getränkegeschäft zuständig ist.

Münchner Hell (5,0% Vol.)

Art und Herkunft: Helles, Deutschland (Bayern).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellgelb mit großer flüchtiger Krone. Wenig zu riechen; Getreide und Leichtmetall.

Geschmack: Leicht süßlich und leicht salzig (!) im Antritt. Danach nichts mehr.

Abgang: Mittellang, wässrig, leicht seifig.

Fazit/Tipp: Okay, wenn kein Wasser zur Hand ist. Muss aber sonst nicht unbedingt.


Kellerbier (5,5% Vol.)

Art und Herkunft: Zwickel, siehe oben.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Dunkler Bernstein, große Krone. Sehr dezente Nase, etwas Malz.

Geschmack: Ungewöhnlich - genau wie auf dem Etikett beschrieben. Malz, Honig. Erfrischend und mild. Bassd scho.

Abgang: Kurz und immer noch süßlich.

Fazit/Tipp: Sehr angenehm und süffig.


Hefe Weiße (5,5% Vol.)

Art und Herkunft: Weißbier, siehe oben.

Sonntag, 13. Juni 2021

Herren Premium (Getränke Hoffmann, Blankenfelde)

Neulich war Plattfuss und mir langweilig und wir brauchten neues Bier für "zwischendurch". Wir also rein in den Crossover-SUV und ab zu Getränke Hoffmann in Osnabrück (Bramscher Straße). Wir wollten schon immer mal deren Hausmarke Herren Premium versuchen, denn bekanntlich stehen wir ja bei Blog Blong Dring für schonungslosen Aufopferungswillen im Dienste des Trinkens im Allgmeinen und Besonderen.

Getränke Hoffmann ist schon so etwas wie ein Superlativ an sich: es ist mittlerweile wohl die größte deutsche Kette von Getränkemärkten und gehört seit den späten 1980ern zur Radeberger Gruppe (dem größten deutschen Brauer), die wiederum zur Dr. August Oetker KG - einem der "größten international tätigen deutschen Familienkonzerne" (Wikipedia) - gehört. Selbstverständlich hat man da auch eigene Handelsmarken, wie eben das Herren Premium, von dem es vier Sorten gibt: Pils, Export, Weizen, Radler. Letzteres haben wir mal im Regal stehen lassen, die anderen verkosten wir heute mal. Die Marke "Herren", so habe ich in einem recht interessanten Beitrag bei Werben & Verkaufen gelesen, gibt es wohl schon seit Gründung von Getränke Hoffmann (1966), aber sie wurde wohl 2015 (als der Artikel erschien) gerade "aufgewertet", wie das in Marketingkreisen wohl heißt. Damaliger (?) Claim anscheinend: "Trinken mit Stil".

Gebraut wird Herren übrigens - wie man verschiedenen Ortes nachlesen kann - nicht "bei Radeberger" (= in Radeberg), sondern bei der Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei in Berlin.


Pils (4,9% Vol.)

Art und Herkunft: Pils, Deutschland (Berlin).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellgelb mit einer Minikrone. Nullkommanull Aromen im Riechorgan.

Geschmack: Recht herber Antritt mit seifigen Ausläufern. Sonst wenig.

Abgang: Mittellang und etwas trockener.

Fazit/Tipp: Trinkbar, aber im Vergleich zum Werbetext ("Im Pilsglas bildet das feinherbe Pils eine feste Schaumkrone und verwöhnt den Gaumen seiner Trinker –  vom spritzigen Einstieg bis zum würzigen Abgang") doch eher ziemlich unspektakulär.


Export (5,2% Vol.)

Art und Herkunft: Export, siehe oben.

Besonderheiten: -

Sonntag, 6. Juni 2021

Sind so kleine Biere, Folge CXXVb: Brauhaus am Kreuzberg (2. Teil)

Wie letzte Woche schon gesagt: im zweiten Teil kommen die etwas "härteren Brocken" aus den Sudkesseln vom Brauhaus am Kreuzberg dran. Sie haben alle gemeinsam, dass sie in kleineren Gebinden (0,33 statt 0,5) geliefert werden und dass sie alle in den Whisky- und sonstigen Fässern der Tully Cross - Brände, welche Head Distiller Norbert schon seit gut drei Jahrzehnten aus dem Hut zaubert, nachreifen. Einige Fässer wurden sogar aus lokal geschlagenen Eichbäumen geküfert (oder wie immer man das Herstellen von Fässern auch nennen mag). Drei der vier Biere tragen denn auch ein komplett anderes Etikett als das "Mainstream-Portfolio"; eines ist in einem handwerklich wirkenden Papier eingewickelt.


Brauhaus am Kreuzberg Brauhaus Reserve (14,0% Vol.)

Art und Herkunft: Doppelbock, Deutschland (Bayern).

Besonderheiten: Fünf Jahre lang im Holzfass gereift.

Aussehen und Aroma: Rotbraun. Keine Krone. In der Nase wuchtige und fruchtige Aromen: Pflaume, Portwein, Melasse, Lakritze.

Geschmack: Überhaupt gar keine Kohlensäure, sehr alkoholisch. Brutal starker Holzcharakter, alte abgelagerte Rosinen, Rumtopf.

Abgang: Mittellang und süßlich. Vaters Aftershave.

Fazit/Tipp: Als Experiment recht interessant, aber uns etwas zu extrem.


Tully Cross RIP (Russian Imperial Porter) (10,0% Vol.)

Art und Herkunft: Imperial Porter/Stout, siehe oben.

Sonntag, 30. Mai 2021

Sind so kleine Biere, Folge CXXVa: Brauhaus am Kreuzberg (1. Teil)

Ich weiß gar nicht mehr, wie wir auf das Brauhaus am Kreuzberg gekommen sind; wenn ich mich recht erinnere, dachte Tom, es handele sich um eine Berliner Brauerei ... Aber Pustekuchen: aus Oberfranken kommt das Bier - und die Brauerei hat immerhin einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Sie ist übrigens nicht zu verwechseln mit der Brauerei des Franziskanerklosters Kreuzberg in der Rhön. Beide "Kreuzberge" haben jedoch in der Vergangenheit kooperiert, um gemeinsam einen Pilgertrunk herzustellen.

Die Brauerei am Kreuzberg aus Hallerndorf jedenfalls - um die es heute gehen soll - wurde bereits im 15. Jahrhundert gegründet und befindet sich immer noch (!) - natürlich über viele Verheiratungen und Erbschaften hinweg - im Besitz der Gründerfamilie Friedel-Winkelmann. Nach den Fotos auf der Webseite zu urteilen sind auch bereits die nächsten Nachfolgegenerationen gesichert. Neben der Brauerei und der angeschlossenen Restauration gibt es noch eine Brennerei, die neben einer ganzen Reihe von Obstbränden auch einen großen Schwung anderer Spirituosen unter der Marke Tully Cross herstellt, unter anderem Weinbrand, Gin, Rum, Grain Whisky und Single Malt.

Bei den Bieren haben wir uns einfach das saisonal verfügbare kommen lassen, also alles, was es gab - außer dem Hefeweizen, dem oben erwähnten Pilgertrunk sowie einem Schwarzbier namens Schlotfegerla. Die fassgereiften Biere, die ebenfalls unter dem Namen Tully Cross verkauft werden, besprechen wir nächste Woche; dieses Mal sind die eher "mainstreamigen" Produkte dran.


Brauhaus am Kreuzberg Edelhopf (4,9% Vol.)

Art und Herkunft: Pils, Deutschland (Bayern)

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Goldgelb und leicht trüb, fast keine Krone. In der Nase fast nichts zu spüren.

Geschmack: Reife Mandarinen und leichte Bitterkeit.

Abgang: Kurz, mit etwas Hefe.

Fazit/Tipp: Beworben als "etwas anderes Pils". Unserer Meinung nach ordentlich, aber in keiner Weise auffällig. Ein eher "typisches" feinherbes Pils.


Brauhaus am Kreuzberg Zwickelbier (4,9% Vol.)

Art und Herkunft: Zwickel-/Kellerbier, siehe oben.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Dunkler Bernstein, keine nennenswerte Krone. Aromen von feuchter Asche, Aschenbecher, etwas vollreifer Frucht.

Geschmack: Kräftiger Antritt mit deutlicher Bitterkeit und etwas "holzig".

Abgang: Mittellang und trocken. Feuchtes Laub.

Fazit/Tipp: Paradoxerweise "hopfiger" als das Pils.


Brauhaus am Kreuzberg Leichtes Roggenbier (2,4% Vol.)

Art und Herkunft: Leichtbier, Roggenbier, siehe oben.

Samstag, 22. Mai 2021

Zwischendurch: Kurze Pause

 Liebe Lesende!

Die gesamte Redaktion macht am Pfingstwochenende - wo die Temperaturen und die Inzidenzen fallen - eine kurze Verschnaufpause im Garten, im Wald oder am Wasser.

Deswegen gibt es heute nichts zu lesen, nächste Woche - am 30. Mai - aber ganz bestimmt. Versprochen!

Schöne Pfingsten wünschen Plattfuss, Tom und Jan!



Sonntag, 16. Mai 2021

Sind so kleine Biere, Folge CXXIVb: Wacken Brauerei (2. Teil)

Es stellte sich heraus, dass Plattfuss nur ein einziges Foto seines Probierpakets der Wacken Brauerei besitzt, deswegen muss ich leider das von letzter Woche noch einmal verwenden. Was soll man machen? Sind harte Zeiten.

Außerdem fehlen in der Verkostung auch noch zwei Biere, die wir nicht mehr "geschafft" haben - einmal wegen Krankheit, einmal wegen Impfung: das Walkürenschluck DIPA sowie das Surtr Smoked Porter kann ich vielleicht bei Gelegenheit mal nachreichen ... oder auch nicht.😇

Heimdalls Willkomm (6,5% Vol.)

Art und Herkunft: Biermischgetränk, Deutschland (Schleswig-Holstein),

Besonderheiten: Bier und Met.

Aussehen und Aroma: Bernstein, kleine und feste Krone. Kräftige Honignoten in der Nase, die alles andere gnadenlos niederbügeln. Ein Hauch von Balsamicoessig?

Geschmack: Säuerlich-süßlicher Antritt, mit einer Ahnung von Heidekraut. Rundes Mundgefühl, aber wenig Kohlensäure. Honig und Estragon.

Abgang: Kurz bis mittellang.

Fazit/Tipp: Nun ja - als "experimentelles" Gebräu okay. Für den ganzen Abend aber viel zu anstrengend.


Freya Frühjahrsbock (6,3% Vol.)

Art und Herkunft: (Mai-) Bock, siehe oben.

Sonntag, 9. Mai 2021

Sind so kleine Biere, Folge CXXIVa: Wacken Brauerei (1. Teil)

Die Wacken Brauerei (ja, schreibt sich wirklich mit Leerstelle 🙊) wurde 2016 gegründet. Und sie ist eine GmbH. So viel lernt man auf jeden Fall auf der Webseite. Gottseidank haben wir noch einen älteren Artikel (aus dem Gründungsjahr) in der Norddeutschen Rundschau gefunden, denn über ihre eigene Historie erfährt man von der Brauerei nicht viel. Was es noch gibt, ist ein mittelkurzes Mission & Vision Statement, das ich hier in (fast) voller Länge zitiere, da mir auch nichts weiter einfällt:

Unsere Brauerei ist in Holstein, einem Landstrich abseits des Weltgeschehens. Einem Ländchen, oft grau und zuweilen flach, wie der fade Einheitsgeschmack von Industriebier, welches wir viel zu lange ertrugen. Wir glichen durstigen Beduinen, die durch eine brauereiarme und eintönige Bierwüste ziehen. Nun brauen wir selbst, und zwar in Wacken.

(...)

Wir setzen auf Kreativität, wollen neue Wege einschlagen aber auch alte, längst vergessene Pfade der Bierherstellung wiederbeleben.

Wir verwenden natürliche Zutaten, sparen nicht an erlesensten Hopfen und belassen das Bier, als das, was es ist: ein Naturprodukt, unfiltriert, nicht pasteurisiert, geschmackvoll und reich an Aromen.

Wir machen Biere mit Geschmack, moderne Biere mit Geschichte und Geschichten, runde Biere mit Ecken und Kanten…

Plattfuss war so freundlich, uns ein "ganz großes" Probierpaket der Brauerei zu bestellen; es gab "Doppelte" zuhauf, sodass wird die Beute gut unter uns dreien aufteilen konnten, ohne uns gleichzeitig alle treffen zu müssen. Die Biere haben übrigens alle "nordische" Namen und Aufmachung, hauptsächlich Gottheiten und Halbgottheiten aus der germanisch-skandinavischen Mythologie - also nicht wundern.


Sleipnir Schnelles Helles (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Helles, Deutschland (Schleswig-Holstein).

Besonderheiten: Mit Summit, Saphir und Celeia gebraut.

Aussehen und Aroma: Goldgelb mit kleiner Krone. Süßlich-frisch bzw. sogar "zitrusfrisch".

Geschmack: Frisch und gleichzeitig vollmundig. Etwas kräftiger als ein 08/15 Münchner Helles. Leichte Frucht, vielleicht etwas Pfirsich. Unseres Erachtens etwas mehr als nur "dezent" hopfig.

Abgang: Mittellang, herber.

Fazit/Tipp: Etwas untypisch für den Bierstil, aber sehr trinkbar.


Mjölnir Nordic Lager (5,3% Vol.)

Art und Herkunft: Pilsener, siehe oben.

Besonderheiten: Gehopft mit Summit und Cascade.

Aussehen und Aroma: Goldgelb mit großer Krone, würzig. Der Cascade kommt recht deutlich durch.

Sonntag, 2. Mai 2021

Sind so kleine Biere, Folge CXXIII: WOIF Biersieder

Woif, also "Wolf" ist Wolfgang Hartl, Bierliebhaber und Inhaber dieser Craftbierbrauerei in Seekirchen am Wallersee. Auf der Webseite seiner Firma erfahren wir, dass er zunächst mit dem Obstpressen und -saften begann, mit Cidre, Honigwein und Obstbrand weitermachte, bis er schließlich beim Bier landete, wo er auch blieb.

Das Sortiment ist relativ überschaubar, da nur aus regional (und tw. saisonal) verfügbaren Rohstoffen gebraut wird. Das von uns georderte Probierpaket umfasste vier der fünf gegenwärtigen Sorten - einzig das Hoiablia (ein Bier mit Holunderblüten) war nicht enthalten.


Weana Bazi (5,0% Vol.)

Art und Herkunft: Wiener Lager, Österreich (Salzburg).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Rotgold, kleine und feste Krone, leicht trüb. Malzige Noten und auch Frucht. Beeren?

Geschmack: Nicht ganz frischer Antritt, mittlere Kohlensäure. Auf der Zunge Hopfenbittere, aber auch säuerlich-fruchtige Noten. Apfelschale.

Abgang: Kurz, süßlich-säuerlich.

Fazit/Tipp: Ungewöhnlich, wenn man diesen alten Bierstil noch nicht gut kennt. Kann man auch eins oder zwei mehr von trinken.


Stiawoscha (4,9% Vol.)

Art und Herkunft: Märzen, s. oben.

Besonderheiten: Aus 100% biologisch angebauten Zutaten.

Aussehen und Aroma: Hellgold, kleine Krone. Trüb. Fruchtige Nase, wenig Malz. Vielleicht Ananas oder Ananassaft aus dem Fruchtcocktail, aber dezent.

Geschmack: Ebenfalls eher milde Kohlensäure, fruchtiger Antritt. "Kumquat" meinte die Mehrheit. Doch recht hopfig, wie dieses typische Aroma in der Luft, wenn man in der Nähe einer Brauerei wohnt. Frischer Brotteig.

Abgang: Kurz bis mittel, Hefe. Ansonsten unauffällig.

Fazit/Tipp: Nicht unser Favorit bis jetzt. Weniger süffig als das Lager.


Oids Troad (5,2% Vol.)

Art und Herkunft: Pale Ale, s. oben.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Sattgolden und trübe, fast keine Krone. Der Geruch ist dezent Pale-Ale-typisch. Tropische Früchte. Papaya? Ananas?

Sonntag, 25. April 2021

Sind so kleine Biere, Folge CXXIIb: Rhaner (2.Teil)

So, ich schließe heute mit dem zweiten Teil unserer Verkostung der Mischbox von Rhaner an den Bericht von Tom in der letzten Woche an und gleichzeitig ab. Im Programm sind (viele, aber nicht einzig und alleine) Weizenbiere der Brauerei, sowie ein oder zwei Spezialitäten und die Craftbiere der Rhaner Biermanufaktur.

Rhaner Leichtes Weizenbier (3,2% Vol.)

Art und Herkunft: Alkoholreduziertes Weizenbier, Deutschland (Bayern).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellgolden und trübe, mit einer kleinen und stabilen Krone. Geruchlich eher hefig und teigig. Frische Weizenbrötchen. Ein säuerlicher Touch.

Geschmack: Sehr wässrig, säuerliches Prickeln auf der Zunge. Ansonsten wenig. Feine Hefe.

Abgang: Sehr kurz.

Fazit/Tipp: Wie viele alkoholreduzierte Weizenbiere schmeckt dieses wie ein Weizenbier, in das man (zu viel) Wasser gekippt hat. Ein extrem dünnes Stöffchen. Einige wirklich alkoholfreie Weizenbiere haben mehr Ausdruckskraft.


Rhaner Traditions-Weißbier (5,2% Vol.)

Art und Herkunft: Weizenbier, s.o.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Goldgelb, trübe, sehr feste Krone. Sehr wenig in der Nase, dezentes Getreide.

Geschmack: Keine "Banane", eher säuerlich und brotig.

Abgang: Kurz bis mittel und etwas trocken.

Fazit/Tipp: Der große Bruder des Leichten Weizen. Etwas weniger schlapp.


Rhaner Panduren-Weisse (5,3% Vol.)

Art und Herkunft: Weizenbier, s.o.

Besonderheiten: Gebraut als Reverenz an Freiherr von der Trenck, den Anführer der berüchtigten Panduren, die auch durch Rhan kamen.

Aussehen und Aroma: Goldgelb, trüb, mittelgroße luftige Krone. In der Nase auch sehr zurückhaltend. Leichte Hefe.

Geschmack: Durchaus vielschichtig mit Getreide und Dörrobst. Fruchtig-feine Säure.

Abgang: Mittel, etwas malziger als bei den Vorgängern.

Fazit/Tipp: Etwas "runder" und gefälliger als die Traditions-Weisse.


Rhaner Schwarzer Pandur (5,2% Vol.)

Art und Herkunft: Dunkles Weizenbier, s.o.

Besonderheiten: s.o.

Aussehen und Aroma: Kastanienbraun und klar. Feste kleine Krone. Ganz leicht bananig, sonst wenig. 

Geschmack: Etwas Frucht, etwas Malz, etwas gebranntes Karamell.

Abgang: Mittellang, ein Hauch von Kaffee.

Fazit/Tipp: Guter Middle of the Road. Für ein Weizen fast erstaunlich vollmundig.


Rhaner Festbier "Dahoam" (5,6% Vol.)

Art und Herkunft: Festbier/Märzen, s.o.

Besonderheiten: In "normalen" Zeiten vom Fass. Wegen der Pandemie und dem Ausfall der "Festbiersaison" in Flaschen abgefüllt.

Sonntag, 18. April 2021

Sind so kleine Biere, Folge CXXIIa: Rhaner (1. Teil)

Seit über 12 Monaten sind meine Kollegen und ich kaum in der Gastronomie gewesen, haben kaum Bierläden oder gar -messen besuchen können ... woher bekommen wir also unseren Nachschub? Nicht nur getrunken, sondern auch verkostet und gebloggt will ja weiterhin werden. Ganz einfach: das ganze letzte Jahr über haben wir abwechselnd und in regelmäßigen Abständen Bierproben bestellt. Entweder direkt beim Brauer oder - auch sehr häufig - über verschiedene Biermarktplätze wie (zum Beispiel; es gibt natürlich viele, viele mehr!) beertasting.com oder auch biershop-bayern.de. Aber egal, ob im Direktbezug oder vom Zwischenhändler: am liebsten sind uns immer noch die bunten Probierboxen, in denen für jeden was dabei ist ... zumindest soweit die Brauerei mehr als nur ein einziges Bier braut 😉.

Hier hat die Rhanerbräu aus 93488 Schönthal-Rhan (Oberpfalz) besonders eindrucksvoll abgeschnitten: ganz 20 verschiedene Biere (keine Doppelten!) lagen in der sehr schweren Kiste, die schon vor einiger Zeit von einem fluchenden und schwitzenden Paketboten vor Jans Haustüre abgeladen wurde. Gegründet wurde die Brauerei, wenn auch vielleicht nicht in ihrer heutigen Form, bereits 1283 (sic!). Sie gehört damit - ohne dass wir das bei unabhängigen Quellen verifiziert hätten - zu den " ... 15 ältesten Unternehmen Deutschlands und zu den weltweit 5 ältesten Brauereien, die von Gründung an bis heute ohne Unterbrechung Bier brauen ...", was natürlich nun wirklich nicht schlecht ist. Ich verzichte an dieser Stelle auf einen großen historischen Überblick über die letzten +/- 730 Jahre Brauereigeschichte, denn das macht die Rhaner auf ihrer Webseite ohnehin selbst schon. Gesichert ist auf jeden Fall, dass das Unternehmen sich seit 1776 in Familienbesitz befindet. Wenn ich die Webseite richtig interpretiert habe, enthielt unser Mixpaket auch tatsächlich jedes einzelne Bier, das überhaupt dort hergestellt wird (zweites Standbein ist - wie bei vielen Brauereien mittlerweile - die Saft-, Schorlen - und Limonadensparte). Neben einem umfangreichen Sortiment "klassischer" Bräue konnten wir also auch die vier Vertreter der Craftbierlinie, der so genannten Rhaner Biermanufaktur probieren.

Der erste Teil unserer Verkostung also - auch rein mengenmäßig gar nicht anders möglich - heute. Der zweite Teil folgt dann am nächsten Sonntag. Hervorheben möchten wir übrigens noch, dass dem Paket von Rhaner (was heute auch nicht mehr üblich zu sein scheint) zumindest ein paar Prospekte, wenn auch keine Bierdeckel o.ä.) beilagen.



Rhaner 1283 Hell (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Helles, Deutschland (Bayern).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellgolden, nur eine dezente Krone. In der Nase ein Hauch von Nichts.

Geschmack: Sehr süßlicher und runder Antritt, kräftiges Malz.

Abgang: Kurz und leicht trocken.

Fazit/Tipp: Für ein Helles sogar recht ausdrucksstark. Sehr angenehm und süffig.


Rhaner Export Hell (5,2% Vol.)

Art und Herkunft: Export, s. oben.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellgelb und sehr klar. Kleine und feste Krone. Reiner Geruch, nichts Hervorstechendes.

Geschmack: Ziemlich deutlich fruchtig-malziger Antritt. So etwas wie unreife Pflaume?

Abgang: Mittel, etwas trockener - aber mit süßlichem Nachbrenner.

Fazit/Tipp: Auf der Zunge sehr viel kräftiger als in der Nase. Besser kellerkalt als kühlschrankkalt zu trinken.


Rhaner Pils (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Pils, s. oben.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellgelb mit sehr flüchtiger Krone. Leicht malzig und leicht hopfig im Aroma.

Sonntag, 11. April 2021

Sind so kleine Biere, Folge CXXI: Ettl-Bräu

Ich muss es unumwunden zugeben: selten ist es uns so dermaßen schwer gefallen, ein paar Informationen über die zu besprechende Brauerei zusammenzutragen. Zwar hat die Firma gleich zwei Domains gepachtet, einmal unter dem Firmennamen (Ettl-Bräu), und einmal unter dem Markennamen des Biers (Teisnacher), aber wer daraufklickt, wird von zweimal dem gleichen Inhalt "überrascht" - und der ist recht überschaubar: ein Impressum (klar!), ein Veranstaltungskalender (zur Zeit nichts los) und schließlich ein Link zum Shopsystem (bei beertasting.com). Und dort findet man schließlich ein paar Infos zur Brauerei, die sich auf deren Webseite vielleicht auch nicht schlecht gemacht hätten: Gegründet als Gasthof mit Brauwirtschaft (was es heute noch ist) 1543, Verwendung regionaler Rohstoffe, "klassische offene Gärung" (also im Bottich, nicht im Tank). Okay, das war es dann auch schon. Auf der Seite der Gemeinde Prackenbach wird noch erwähnt, dass die Ettl-Bräu 2017 den Besitzer gewechselt hat. Nun ja.

Konzentrieren wir uns also auf das Bier: Tom hatte für uns einen Mixkarton mit sieben Biersorten bestellt, die jeweils doppelt vorhanden waren, sodass jedes Redaktionsmitglied etwas zur Verkostung beisteuern konnte - auch in Lockdownzeiten 😷. Das waren dann auch so ziemlich alle Biere, welche die Brauerei herstellt; ein Bock und ein Festbier fehlten (saisonal bedingt, vermuten wir) leider zum vollen Portfolio. Dafür waren ein schöner Bierkrug (der nun bei mir im Partykeller steht) sowie ein Weißbierglas (das jetzt bei Tom im Glasschrank steht) inkludiert.

Teisnacher Pils (4,5% Vol.)

Art und Herkunft: Pils, Deutschland (Bayern).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Goldgelb, mit kleiner und fester Krone. Feinherb im Geruch.

Geschmack: Spritzig, eher süßlich als herb, frisches Brot.

Abgang: Kurz, unauffällig.

Fazit/Tipp: Ein deutsches Pils, wie es wohl sein soll: gut trinkbar und ohne allzu deutlich hervorstechende Merkmale.


Teisnacher Hell (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Helles, siehe oben.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Ähnlich wie das Pils im Aussehen. Wie ein Helles in der Nase zu sein hat: sehr dezent. Eine ganz feine Zitrusnote.

Geschmack: Weit weniger lebhaft als das Pils. Leicht herb und blumig, mit einem etwas ungewöhnlich Unterton von Plastik.

Abgang: Mittellang und eher herb. Süßlicher Nachhall.

Fazit/Tipp: Ein Helles, das pilsiger schmeckt als das Pils ... seltsam. Eine etwas künstlich wirkende Note am Gaumen stört uns ein wenig.


Teisnacher Zwickl (4,9% Vol.) 

Art und Herkunft: Zwickel/Kellerbier, siehe oben.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellgolden und etwas trüb (was ja auch Sinn und Zweck eines Zwickels ist). Leicht malzige Nase, sonst wenig zu erriechen.

Geschmack: Deutlich süß-malziger Antritt mit mehr als nur einer Ahnung von Honig.

Abgang: Mittellang und weiterhin süßlich, feiner Hopfen.

Fazit/Tipp: Nach dem Hellen nun wieder ein echter Lichtblick: schön malzig und sehr süffig.


Teisnacher Weiße (5,2% Vol.)

Art und Herkunft: Helles Hefeweizen, siehe oben.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellgold und trüb, mit großer und sehr kräftiger Krone. Erdige und fruchtige Töne dominieren das Aroma: Banane, Kartoffel, leichte Säure,

Sonntag, 4. April 2021

Sind so kleine Biere, Folge CXX: Brasserie 28

Bei der Recherche für heute habe ich mich erst einmal kräftig vertan und bei der falschen Brauerei geschaut ... peinlich peinlich. Aber von vorne: als die Flaschen der Brasserie 28 zum ersten Mal vor uns standen, und ich in Erfahrung gebracht hatte, dass sie zu einer Firma namens Caulier Sugar Free gehören, dachte ich, diese Firma sei identisch mit der Brauerei Caulier aus Péruwelz im Hennegau, von der wir vor vielen, vielen Jahren auf den ersten Bierfesten in Brüssel schon einige (hauptsächlich aus der Reihe Bon Secours) probiert hatten. Aber Pustekuchen: es handelt sich um eine komplett andere Firma, die auch kein Bier unter dem Namen Caulier herstellt, Caulier Sugar Free (CSF) jedoch schon.

Brasserie 28 gibt es - als Bier - auch erst (wieder) seit 2008. Damals entschloss sich der Geschäftsmann Eric Coppieters (Le Pain Quotidien!), eine alte Marke quasi wieder auferstehen zu lassen und finanzierte das ganze über ein Crowdlending. Im Grund genommen ist CSF aber nur eine Marketingfirma, die bis 2017 gar keine eigenen Brauanlagen besaß und das Bier unter ihrer Marke von der Proefbrouwerij herstellen ließ. Aber - diesem sehr interessanten Artikel zufolge - passierte dann etwas sehr Spannendes: Brasserie 28 und die italienische Toccalmatto (Fidenza) gingen ein Joint Venture ein: an und für sich sollten alle Biere dann zunächst in Italien gebraut und gemeinsam vermarktet werden, bis in der Nähe von Brüssel eine zweite Braustätte gebaut worden wäre. Nach einem Facebookpost von 2020 ist daraus wohl (vorerst) nichts geworden; gebraut werden die "belgischen" Biere anscheinend immer noch in Lochristi. Brasserie 28 betreibt eine größere Anzahl von Brewpubs bzw. Gastropubs in Belgien und Italien.

Die große Spezialität der Marke sind Low-Carb-Biere und auch glutenfreie Biere. Sie nimmt für sich in Anspruch, ein Pionier auf dem Gebiet des Low-Carb-Craftbrewing gewesen zu sein und wirbt damit, dass ihre Biere gut 30% weniger Kalorien als vergleichbare Sorten bzw. Produkte haben.


28 Pils (5,3% Vol.)

Art und Herkunft: Pils, Belgien (Hennegau/Ostflandern).

Besonderheiten: Low Carb.

Aussehen und Aroma: Hellgelb und sehr viel trüber als ein "Standardpils". Sehr kleine, flüchtige Krone, unbestimmt fruchtig und getreidig.

Geschmack: Seltsamer Antritt mit hopfig-herben, aber auch fruchtigen Noten (Litschi??). Säuerlicher Unterton.

Abgang: Mittellang und recht trocken.

Fazit/Tipp: Für ein Pils eigentlich "zu fruchtig". Auf jeden Fall ungewöhnlich.


Caulier Gluten Free Blonde (6,8% Vol.)

Art und Herkunft: Blond, siehe oben.

Freitag, 2. April 2021

Danke!

Heute vor genau zehn Jahren, am 2. April 2011, begann unser Projekt Blog Blong Dring. Am Anfang hatte ich nur im Hintergrund und in unterstützender Funktion damit zu tun; die Hauptlast der Arbeit wurde von Plattfuss und Tom gemacht. Letzterer war es dann auch, der den ersten "richtigen" Beitrag - eine Verkostung des Loch Lomond NAS (Blue Label) - erstellte.

Viel hat sich seit damals getan, aber wir freuen uns immer noch, euch jede Woche einen kleine Reise in die Welt der Alkoholika anbieten zu können 😊.

Mittlerweile wurde unser Blog über 200.000 Mal angeklickt. Wir danken allen unserer Leser*innen - egal ob einmalig oder regelmäßig - für euer Interesse und eure Treue.

Ad multos annos!

Jan für das Team von Blog Blong Dring



Sonntag, 28. März 2021

Sind so kleine Biere, Folge CXIXb: Pinzgau Bräu (2. Teil)

Wie versprochen machen wir heute weiter mit der Verkostung der eher dunkleren Biere aus der Mischkiste von Pinzgau Bräu. In der letzten Woche hatte ich schon angemerkt, dass das Stout auf der Webseite nicht (mehr?) bei den aktiven Bieren gelistet ist; stattdessen findet sich dort aktuell ein Bockbier, das bestimmt ebenfalls mal sehr interessant wäre.


Pinzga' Weizen Dunkel (5,2% Vol.)

Art und Herkunft: Weizenbier, Österreich (Salzburg).

Besonderheiten: Mit "hauseigener Hefezucht" gebraut.

Aussehen und Aroma: Sehr dunkles Braun, kleine feste Krone. Sehr dezentes Aroma, Backkakao.

Geschmack: Säuerlicher Antritt, eher an dunkle Beeren als an dunkle Schokolade erinnernd. Weniger deutliche Röstaromen, leicht bananig.

Abgang: Mittellang und weiterhin säuerlich.

Fazit/Tipp: Anders als angekündigt und erwartet: eher fruchtig als malzig.


Pinzga' Phönix aus der Asche (5,4% Vol.)

Art und Herkunft: Rauchbier, siehe oben.

Sonntag, 21. März 2021

Sind so kleine Biere, Folge CXIXa: Pinzgau Bräu (1. Teil)

Immer noch steigen die Inzidenzen in Deutschland und der Region; immer noch hält es das Team von Blog Blong Dring für besser, wenn wir uns nicht alle gleichzeitig zur Verkostung treffen. Darum haben wir auch dieses Mal wieder die Biere - heuer von Pinzgau Bräu (aus Bruck an der Großglocknerstraße - unter uns aufgeteilt und präsentieren sie euch über zwei Wochen verteilt und auch aus leicht unterschiedlichen Perspektiven.

Die Brauerei ist das Projekt von Hans Peter Hochstaffl und wurde von ihm im Jahr 2015 gegründet. Wie er zum Bierbrauen kam, schildert er in einem Interview mit Verena Arnold aus dem Jahr 2019:

... Nachdem ich als Hobbybierbrauer einfach mehr wissen wollte und damals die Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung nicht so einfach war, habe ich dann im Jahr 2002 eine Lehre als Bierbrauer begonnen.

Der Traum eines jeden Bierbrauers ist es doch, sein eigenes Bier zu brauen. Darum begann ich 2015 mit Unterstützung von Familie und Freunden den Ausbau einer angemieteten Gewerbehalle ...

Das aktive Portfolio von Pinzgau umfasst zurzeit - laut Webseite - sieben Biere. In unserem Probierpaket gab es allerdings noch ein zusätzliches Leichtbier sowie ein Stout anstelle des aktuellen Bockbiers. Das ebenfalls beigefügte Non Promillo (alkoholfrei) haben wir nicht verkostet.

Pinzga' Light (3,0% Vol.)

Art und Herkunft: Leichtbier, Österreich (Salzburg).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellgelb und trüb, mit merkbarer Sedimentierung. Nur sehr kleine Krone, unauffälliges Aroma, teigig.

Geschmack: Wässriges Mundgefühl und herber Antritt. Keine sonstigen besonderen Merkmale.

Abgang: Kurz bis mittellang und eher trocken.

Fazit/Tipp: Fast kein geschmacklicher oder sensorischer Unterschied zu einem guten Mineralwasser.😉


Pinzga' Zwickl (5,1% Vol.)

Art und Herkunft: Zwickel/Kellerbier, siehe oben.

Sonntag, 14. März 2021

Sind so kleine Biere, Folge CXVIII: Abbaye de La Cambre Blonde (5,6% Vol.)

Diese Flasche hat etwa zwei Jahre lang in meinem Bierkeller gelegen; ich hatte sie bei einem meiner letzten Besuche zu Hause in Brüssel (es wird wohl Sommer 2019 gewesen sein) in irgendeinem Laden erstanden. Man sieht die Marke Abbaye de La Cambre nicht allzuoft irgendwo in einem Regal (vor allem nicht außerhalb der Hauptstadt), darum war ich ganz froh, mal etwas mitnehmen zu können. Als mein knuffelcontact Plattfuss am Samstag zu Besuch kam, dachte ich, dass es mal eine gute Gelegenheit wäre, dieses Bier zu verkosten.

Die erste Enttäuschung vorweg: es handelt sich hier NICHT um ein "Abteibier" im eigentlichen Sinne. Die Union der Belgischen Brauer vergibt ein Gütesiegel unter dem Namen Anerkanntes Belgisches Abteibier; wer dieses führen möchte, muss einige (im verlinkten Artikel genannte) Kriterien erfüllen. La Cambre tut dies nicht; der Brauer Vincent Poswick hat 2013, als er die Marke gründete, die Namensrechte für einen Zeitraum von zehn Jahren erworben. Gebraut wird sein Bier allerdings bei der limburgischen Firma Anders!, einer relativ großen und bekannten Auftragsbrauerei. Tatsächlich gibt es im Herzen von Brüssel eine alte Abtei mit Namen La Cambre/Ter Kameren - diese liegt sehr malerisch in einem kleinen Tal an den Ausläufern der Avenue Louise/Louizalaan und ist definitiv einen kleinen Ausflug wert - welche 1798 säkularisiert wurde. Heute dient sie unter anderem als Sitz einer Kunsthochschule und des Nationalen Geografischen Instituts und beherbergte von 2013 bis 2020 tatsächlich wieder eine sehr kleine Gemeinschaft von Mönchen (Norbertiner bzw. Prämonstratenser). Aber wie schon gesagt: mit der Abtei oder gar mit Mönchen hat das Bier La Cambre - außer dem Namen nach - nichts zu tun.

Vincent Poswick hat in Louvain-la-Neuve Brauwesen studiert und von 2005 bis 2009 in den französischen Ardennen eine kleine Brauerei namens Ardwen aufgebaut und geleitet. Im Jahr 2013 gründete er dann das La-Cambre-Bier. Außerdem ist er Gemeinderatsmitglied von Sint-Genesius-Rode/Rhode-Saint-Gènese (eine politisch interessante Kommune übrigens: sie liegt in Flämisch-Brabant, ist heute aber mehrheitlich durch Zuzug aus der Wallonie französischsprachig geworden, was den Flamen natürlich ein Dorn im Auge ist).

Neben dem heute in Rede stehenden Blonde gibt es von Poswick noch das Triple, das Ambrée, das Hopsession (ein sehr leichtes IPA) sowie ein Winterbier.

Sonntag, 7. März 2021

Eifel Whisky 746.9 Single Peated Malt 9 J. (46,0% Vol.)

Ich weiß nicht, ob ich es schon einmal gesagt habe, aber bei deutschen Whiskys bin ich immer ein bisschen skeptisch. Nicht aus Snobismus, wenn ihr versteht. Es ist nur so, dass viele (nicht alle!) deutschen Whiskybrennereien eigentlich von "gelernten" Obstbrennern betrieben werden, die einen Whisky so herstellen wollen, wie sie auch einen Obstbrand herstellen würden ... und das ist FALSCH. Ich zitiere bei dieser Gelegenheit einmal ausführlich Stefan Gabányi (Schürmann's Whisk(e)y Lexikon, 1. Auflage 2015):

Am weitesten lehnen sich dabei jene [Brenner] aus dem Fenster, die offenbar der Meinung sind, Whisky sei eigentlich ein Obstbrand. Für sie hat die Reintönigkeit der Frucht, also die Sauberkeit des Brands, oberste Priorität und die Fasslagerung dient nur noch dazu, der Rechtslage Genüge zu tun [...] Diese Haltung ist der Grund dafür, dass so viele deutsche Whiskys kaum mehr zu bieten haben als feine Getreidearomen [...]

Eifel Whisky (Shop hier und seltsam altbacken aussehende Homepage hier) habe ich neulich in einem kleinen Spirituosenladen in Oldenburg zum ersten Mal gesehen und wollte doch einmal probieren ... die "halbe" Flasche hat mich etwa 30,- EUR gekostet. Ich habe mir mal die auf der HP verfügbare "Imagebroschüre" als PDF (!) heruntergeladen und auf jeden Fall hört sich das alles nicht so an, als wären hier Leute am Werk, die sich keine Gedanken um Whisky gemacht hätten. Sitz der Firma ist Koblenz, aber gebrannt wird wohl in Ochtendung in der Eifel, daher sicherlich auch der Name. Hauptbeteiligte sind nach Angaben der Brennerei Stephan Mohr (Inhaber und Master Blender), Hendrik Viefhus (Master Distiller) sowie Rüdiger Sasse (von Sasse Feinbrennerei), wobei die Art und der Umfang seiner Beteiligung als "Partner" im Werbematerial nicht detailliert beschrieben wird.

Gebrannt wird vorwiegend mit regionalen Malzen, nicht nur aus Gerste, sondern auch zu einem guten Teil aus Roggen. Die Brennerei setzt auf die Zweifachdestillation mit Coffey Stills und Pot Stills. Der heute verkostete getorfte Single Malt aus der 746.9 - Reihe wurde komplett aus belgischem Gerstenmalz gebrannt und reifte in Bourbon- und Moscatel-Fässern.

Art und Herkunft: Single Malt, Deutschland (Rheinland-Pfalz).

Sonntag, 28. Februar 2021

Quengelware, Folge XII: Mount Gay Black Barrel NAS (43,0% Vol.)

Mount Gay auf Barbados gilt als die älteste Rumbrennerei der Welt, weil sie - wenn auch unter anderem Namen - bereits seit 1703 nachweisbar ist. Mitte des 18. Jahrhunderts erbte sie ein Mann namens John Sober, was von der Firma selbst als "Ironie" bezeichnet wird, weil der Mann auf Deutsch Johann Nüchtern geheißen hätte. Anyhow - Mr. Sober hatte kein großes Interesse am Rumgeschäft bzw. eventuell auch kein Händchen dafür, so dass er einen Freund, Sir John Gay Alleyne, darum bat, die Destillerie zu managen. Dies tat er dann auch so erfolgreich, dass sie nach seinem Tod im Jahr 1801 in Mount Gay umbenannt wurde (vorher hieß sie Mount Gilboa). Die Firma blieb bis ins 20. Jahrhundert in Privatbesitz, gehört aber seit 1989 mehrheitlich zum Konzern Rémy Cointreau.

Die Destillerie brennt teilweise in Pot Stills, teilweise in Column- bzw. Coffey Stills, und zwar aus Zuckerrohrmelasse. Zurzeit sind sieben Sorten im aktiven Portfolio. Der Black Label reift in Ex-American-Whiskey-Fässern und erfährt ein Finishing in stark ausgekohlten Ex-Bourbon-Fässern. Eine Standardflasche dieses Rums kostet online so zwischen 25,- und 30,- EUR. Die Miniatur hat im Quengelregal 5,99 gekostet.


Art und Herkunft: Rum, Barbados.

Besonderheiten: Siehe Text.

Sonntag, 21. Februar 2021

Sind so kleine Biere, Folge CXVII: La Rulles Blonde (7,0% Vol.)

Die Brasserie de Rulles ist nach dem Ort in der Wallonie - nahe Virton - benannt, in dem sie liegt. Der historische Landstrich ist die Gaume (oder auch manchmal Belgisch-Lothringen genannt), eine Gegend in der belgischen Provinz Luxemburg (nicht zu verwechseln mit dem unabhängigen Staat Luxemburg, an den sie grenzt), in der ich als Kind viele schöne Zeltlagerferien verbracht habe. Hier gibt es besonders leckere Fleischgerichte, Käse und - natürlich auch Bier. 

Die Brauerei wurde schon vor über 20 Jahren von Grégory Verhelst gegründet, der von Haus aus Agraringenieur mit Spezialisierung im Brau- und Mälzwesen ist. Heute produziert die Brauerei nach eigenen Angaben etwa 4.000 Hektoliter pro Jahr, die sich auf insgesamt zehn Sorten verteilen. Das heute vorgestellte Blonde war das allererste Bier, welches hergestellt wurde. Ich habe es vor einiger Zeit von einer Reise mitgebracht und war sehr glücklich, es gefunden zu haben; auch in Belgien selbst sind die Produkte von La Rulles keine Ware, die in jedem Supermarkt landauf-landab zu finden wäre.


Art und Herkunft: Blond, Belgien (Belgisch-Luxemburg).