Sonntag, 20. September 2020

Sind so kleine Biere, Teil CVIII: Kaapse Brouwers

Die Geschichte der Kaapse Brouwers beginnt - laut ihrer Webseite - eigentlich mit der Rückkehr ihres Gründers Tsjomme Zijlstra aus London. Dort hatte er einige Zeit in der legendären Bierbar The Rake (Southwark) gearbeitet und beschlossen, zuhause in Rotterdam mal selbst mit dem Bierbrauen anzufangen. Vor gut sechs Jahren dachte er sich dann, aus seinem Hobby könne man ja genausogut einen Beruf machen, holte sich professionelle Unterstützung und eine gebrauchte Anlage und ging ans Werk. Gleichzeitig ist Tsjomme zusammen mit anderen Unternehmer*innen einer der Gründer*innen der Fenix Food Factory, wo auch der Brewpub von Kaapse Brouwers, Kaapse Kaap, angesiedelt wurde. Ich hatte das Glück, die Location im letzten Jahr, noch lange vor dieser ganzen 💩💩💩 mit Corona, besuchen zu können und war angetan von den internationalen Garküchen, dem Blick auf die Skyline von Rotterdam (die FFF liegt auf der anderen Seite der Erasmusbrücke im Stadtteil Katendrecht) sowie natürlich den vielen verschiedenen und teilweise sehr exotischen Bierchen der Brauerei.

Die Hauptarbeit wird in einem anderen Teil von Rotterdam, in einem unscheinbaren Industriegebiet am Hafen geleistet. Dort entsteht ein Großteil des Bierausstoßes der Firma. Darüber hinaus gibt es noch einen Bottleshop in fußläufiger Nähe zur Food Factory sowie das Kaapse Maria in der Innenstadt, wo es mehr um das Essen und Trinken bzw. das Food Pairing geht als rein um das Biertrinken ...

Kaapse Brouwers hat ein unheimlich großes Bierportfolio zu bieten, das ich hier gar nicht groß aufzählen mag. Alleine in der Kategorie "Blond" gibt es zehn verschiedene Sorten zu kosten, natürlich - wie heute üblich - einige in Zusammenarbeit mit anderen Brauereien entstanden. Der Einfachheit halber habe ich von meinem diesjährigen Besuch in R'dam mal eine Probierpackung mitgebracht, die vier eher "massentaugliche" Biere umfasst und unter dem Namen Kaapse Kwartet verkauft wird. Die haben wir dann auch sofort Mitte dieser Woche bei unserer Redaktionssitzung verkostet ...

Kaapse Nelis (4,6% Vol.)

Art und Herkunft: Pils, Niederlande (Südholland).

Besonderheiten: Zusatz von Reisflocken.

Aussehen und Aroma: Satt goldgelb und klar. Kaum Schaumkrone. Feinherbe Aromen, leichte Frucht. Vielleicht Honigmelone?

Geschmack: Herber als vermutet, sehr erfrischend. Die leicht süßliche Frucht bleibt uns erhalten.

Abgang: Kurz und konsequent wie bisher.

Fazit/Tipp: Ein sehr trinkbares, kühlendes und überraschend fruchtiges Pils, das sogar ganz leicht "IPA-ig" schmeckt, wenn der Wind richtig steht und der Mond voll ist.


Kaapse Harrie (6,1% Vol.)

Art und Herkunft: Saison, siehe oben.

Sonntag, 13. September 2020

Sind so kleine Biere, Teil CVII: Neuzeller Klosterbräu

Schon die zweite "Klosterbrauerei" innerhalb weniger Wochen ... suspekt, suspekt. Aber reiner Zufall natürlich und auch aus einer ganz anderen Ecke des Landes.

Neuzelle bzw. das Kloster Neuzelle gibt es bereits seit dem Mittelalter in der Lausitz. Mönche wohnten hier zwischen 1817 und 2017 zwar nicht, seit ein paar Jahren ist aber wieder eine kleine Gemeinschaft (österreichischer) Zisterzienser vor Ort. Die Klosterbrauerei Neuzelle (der Shop hat übrigens eine komplett andere Webseite) hat in ihrer heutigen Form nichts mehr mit dem Kloster an und für sich zu tun, bezieht sich aber natürlich auf die Tradition der ehemaligen Klosterbrauerei, die seit 1589 auch zu gewerblichen Zwecken Bier brauen durfte. Seit 1992 befindet sich die (neue) Brauerei wieder in Privatbesitz, während sie zu DDR-Zeiten natürlich ein VEB war.

Viel interessanter finde ich persönlich jedoch, dass eines ihrer Produkte, der Schwarze Abt (den wir heute auch verkosten), Gegenstand des so genannten "Brandenburger Bierkriegs" Anfang des 21. Jahrhunderts. Die Brandenburger Landesregierung bestand darauf, dass dieses Schwarzbier, welches traditionell mit Zuckerzusatz gebraut wurde und wird, nicht unter dem Namen "Bier" verkauft werden dürfe, weil es laut Deutschem "Reinheitsgebot" verboten ist, einem Bier Zucker zuzusetzen. Glücklicherweise gewann die Klosterbrauerei Neuzelle 2005 letztinstanzlich den Rechtsstreit; ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Sieg übrigens für mich und alle anderen Bierfreunde, die das "Reinheitsgebot" als völlig überflüssiges Relikt aus uralter Zeit betrachten.

Außer dem Schwarzen Abt hat Neuzeller noch einige andere - teilweise recht urige - Bierspezialitäten im Angebot; wir haben einfach mal querbeet bestellt und neulich an einem der letzten wirklich heißen Tage in Plattfuss' Gartenlaube verkostet.


Spargel Bier (sic!) (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Spezialbier, Deutschland (Brandenburg).

Besonderheiten: Mit Spargelsaft. Deppenleerstelle auf dem Etikett.

Aussehen und Aroma: Hellgold und klar. Mittlere Krone. Der Spargel kommt nur ganz dezent in die Nase. Mineralisch. Sommer im Freibad.

Geschmack: Spritziger Antritt. Erdig. Spargel jetzt auf der Zunge deutlicher, aber dezent. Leicht salzig.

Abgang: Kurz.

Fazit/Tipp: Wenn man weiß, dass Spargel drin ist, schmeckt man ihn auch durch. Wenn man es nicht weiß, könnte man auch an ein "kartoffeliges" Aroma denken. Alles in allem ganz zischig und gut trinkbar.


Schlaubetaler Landbier (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Lager, siehe oben.

Sonntag, 6. September 2020

Einsendungen, TeiL XVI: Glenrothes 13 J. 2006/2020 (61,8% Vol.) (Whic Tarot 1: The Magician)

 Und schon wieder eine neue Serie bei whic: diesmal sind es schön aufgemachte Fläschchen mit Tarotkartenmotiven. Teil 1 zeigt den Magier. Diese Karte ist in manchen Traditionen auch als Der Jongleur bekannt und symbolisiert - je nach Anlass und Auslegung - den Willen oder auch die Brücke zwischen der irdischen und der geistigen Sphäre. Anscheinend soll die fertige Serie ein komplettes Tarotdeck abbilden; wird also am Ende 22 Whiskys umfassen. Ich bin gespannt.

Wir hatten gerade erst vor zwei Monaten einen Glenrothes von whic hier; darum spare ich mir mal die Wiederholung der Infos zu dieser Brennerei. Damals war es allerdings ein 22-jähriger. Die heutige Abfüllung kommt in Kooperation mit Signatory Vintage auf den markt; knapp unter 100,- EUR sollte sie kosten, bevor sie auch schon wieder ausverkauft war. Der Promotext verspricht uns unter anderem gebrannte Mandeln, cremige Nussnougatnoten und süße Tonkabohne mit Vanillecreme in der Nase sowie wärmende Schokolade mit Chiliflocken auf der Zunge. Genau das Richtige, jetzt, da es wieder kühler wird. Also her mit dem Nosingglas und frisch eingeschenkt. Diese Verkostung mache ich heute mal alleine, denn ich habe gestern vergessen, das Sample zu unserem wöchentlichen Stammtisch mitzunehmen. Mea culpa. mea culpa.


Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Rothes).

Sonntag, 30. August 2020

Heute wegen Krankheit geschlossen!

Liebe Leser*innen,

eigentlich solltet ihr an dieser Stelle heute eine Verkostung von ein paar Bieren der Neuzeller Klosterbräu finden. Leider hat uns Krankheit einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir liefern den Beitrag am 13. September nach. Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 6. September 2020.



Sonntag, 23. August 2020

Sind so kleine Biere, Teil CVI: Klosterbrauerei Baumburg

Gleich zu Beginn ein kleines Geständnis: obwohl auf dem Bild unten fünf Biere zu sehen sind, verkosten wir hier für euch nur vier. Dass Weissbier Bock (ich schreibe es so, wie es auf der Flasche steht ...) mussten wir leider wegen der Hitze und des Durstes "einfach" so trinken. Sorry, ist leider so. Ihr habt aber nichts besonderes verpasst: ich habe es als ein recht typisches, wenn auch etwas schwereres "bananiges" Weizenbier in Erinnerung.

Die Klosterbrauerei Baumburg steht in Altenmarkt an der Alz, in der Nähe von Traunstein. Offiziell existiert sie seit 1612, als den Augustinerchorherren vom Kloster Baumburg der Verkauf ihres Bieres gestattet wurde, das sie vorher nur selbst hatten trinken dürfen. Etwas weniger als 200 Jahre später (1802-1803) wurde das Kloster säkularisiert; die Liegenschaften wurden teilweise in private Hände verkauft. Im Falle der Brauerei ohne größeren Erfolg: der Betrieb lag zwischenzeitlich ein gutes Jahrzehnt über still. Seit den 1870er Jahren liegen die Geschäfte in Händen der Familiendynastie Dietl. Mönche brauen das Bier also schon eine ganze Weile nicht mehr.

Nach eigenen Angaben stößt die Firma pro Jahr etwa 6.500 Hektoliter Bier aus; für die Verkostung haben wir uns spaßeshalber mal auf ihre Bockbiere (und ein Märzen) konzentriert. Natürlich haben sie aber noch eine ganze Bandbreite mehr oder weniger "herkömmlicher" Biere zu bieten, also z.B. Pils, Weißbier, Dunkles, ...

Baumburg Heller Bock (6,8% Vol.)

Art und Herkunft: Heller Bock/Maibock, Deutschland (Bayern).

Besonderheiten: Unfiltriert.

Aussehen und Aroma: Bernsteinfarben, kleine und feste Krone. Seltsam "chemisch" anmutender Geruch. Klostein. Viel Hefe.

Geschmack: Süßlich-öliger Antritt. Überreife Ananas. Wenig sonstige Eindrücke.

Abgang: Gottseidank kurz. Süßlich.

Fazit/Tipp: Man merkt es schon: dieser Maibock hat uns kollektiv nicht gemundet. Süßlich und kräftig, etwas "flepp".


Baumburg Stopfbock (6,8% Vol.)

Art und Herkunft: Bockbier, siehe oben.

Besonderheiten: Basiert anscheinend auf dem Hellen Bock, mit fünf Hopfensorten "gestopft".

Sonntag, 16. August 2020

Sind so kleine Biere, Teil CV: De Glazen Toren Ondineke (8,5% Vol.)

Die Brauerei De Glazen Toren aus Erpe-Mere (man sollte es nicht glauben, aber ein sehr guter Freund aus Kindertagen wohnt da, wie ich unlängst feststellen durfte) konzentriert sich nach den Angaben auf der eigenen Webseite (Notiz an alle Besucher*innen: die Texte unterscheiden sich inhaltlich in den vier angebotenen Sprachen leicht voneinander) hauptsächlich auf den Export ihrer Biere in andere europäische Länder und nach Übersee. Genannt werden - in dieser Reihenfolge - die USA, Italien, Norwegen, Schweden, Japan, Österreich, Kanada (aus irgendeinem Grunde wird speziell British Columbia genannt) sowie seit kurzem die Niederlande, Frankreich und Großbritannien. Tatsächlich kann ich mich daran erinnern, die unverwechselbaren Flaschen mit dem Papierwickel vor zwei Jahren mal im Eataly in Rom gesehen zu haben. Die heutige Flasche stammt allerdings aus einer Sammelbestellung mit meinen Blogkollegen bei Belgiuminabox.               

Also, wie gesagt: die große Menge der Produktion von De Glazen Toren (DGT) geht ins Ausland. Allerdings sagen sie auch, dass sie mit ausgewählten Einzelhändlern zusammenarbeiten, um das "Profil der Marke auf dem heimischen Markt zu stärken" und sie machen wohl auch sowas wie Biere auf Anfrage, z.B. zu besonderen Festen. Ihr Standardsortiment besteht aus acht verschiedenen Bieren. Ihr Ondineke, welches heute vor uns steht, trägt die Bezeichnung Oilsjtersen tripel. "Tripel" heißt Tripel und das andere - für Nichtflamen schwer auszusprechende - Wort ist die dialektale Version des Namens der Stadt Aalst, zu dessen "Stadtbier" das Ondineke erklärt wurde. Der Name des Biers stammt aus einer Erzählung von Louis Paul Boon.

Art und Herkunft: Tripel, Belgien (Ostflandern).

Sonntag, 9. August 2020

Sind so kleine Biere, Teil CIV: Bergmann Brauerei (Dortmunder Bergmann Bier)

Als ich vor etwa einer Million Jahren noch im Studentenheim wohnte, hatten wir da auch einen Partykeller (jeden Mittwoch Bierkeller-Abend!). Und einen Getränkeautomaten. Im Getränkeautomaten gab es außer Cola und so auch halbe Liter von Dortmunder Union (Export und Siegel Pils). Das war natürlich noch vor der Craftbierwelle, die Geschmäcker waren damals nicht so anspruchsvoll, aber geschmeckt hat es meiner Erinnerung nach ganz gut. Und wer kennt nicht das große goldene "U" der Brauerei in Dortmund, das man z.B. Zug aus gut sehen kann? Wie in diesem sehr interessanten Artikel beschrieben ist, war Dortmund früher eine "der" deutschen Bierstädte: Anfang des 20. Jahrhunderts gab es dort noch etwa 30 Brauereien, mit teilweise sehr bekannten Namen. Aber gegen Ende des Jahrhunderts waren durch verschiedene Übernahmen nur noch wenige big player übrig geblieben.

Die Bergmann Brauerei mit ihrer Marke Dortmunder Bergmann Bier (Devise: "Harte Arbeit, ehrlicher Lohn") führt die Tradition einer ehemaligen Brauerei weiter, welche 1972 die Tore schloss, ist jedoch ansonsten eine komplette Neugründung. Thomas Raphael kaufte die Markenrechte im Jahr 2005 eher als "Gag", beschloss dann aber, zumindest mal ein paar Flaschen mit "seinem" Bier in Händen halten zu wollen und ließ eine erste Charge in einer Brauerei in Hagen herstellen. Als das neue Bergmann-Bier immer mehr Liebhaber fand, war der Einstieg ins "richtige" Geschäft ein folgerichtiger Schritt. Seit 2010 werden die Biere von DBB selbst gebraut. Wie die meisten neueren Brauereiprojekte umfasst das Portfolio zahlreiche Sondereditionen und Probesude; für unsere Verkostung hatte ich aber nur vier "Klassiker" bestellt. Die Lieferung per Paket dauerte zwar etwas, dafür lag aber auch Werbematerial bei.

Bergmann Pils (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Pils, Deutschland (Nordrhein-Westfalen).

Besonderheiten: -

Sonntag, 2. August 2020

Einsendungen, Teil XV: Glenlivet 12 J. (46,0% Vol.) (Whic Amazing Whiskies 3/30)

Okay, Glenlivet - amaze us! Das letzte Mal hatten wir 2014 einen hier im Blog - damals war es auch ein Zwölfjähriger, aber aus dem bei der Brennerei eher traditionellen Weißeichenfass, während diese Sonderabfüllung von whic.de aus dem Sherryfass kommt. Wie meine Blogkollegen muss auch ich gestehen, dass ich kein allzugroßer Fan der Brennerei bin, denn bei den paar Malen, wo ich eines ihrer Produkte probiert habe, haben sie mich relativ kalt gelassen. Aber nun gut - wir geben auch dem hier eine faire Chance. Vielleicht wirkt sich der Fasscharakter ja positiv aus die Ausdrucksstärke aus. Die schön aufgemachte "große" Flasche soll bei Whic knapp 65,- EUR kosten.



Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Livet).

Besonderheiten: Sherryfass, nicht gefärbt, nicht kaltfiltriert.

Sonntag, 26. Juli 2020

Sind so kleine Biere, Teil CIII: Trim Tab Six: Peanut Butter Coffee Imperial Stout (9,0% Vol.)

Birmingham, Alabama, ist eine historisch gesehen nicht ganz unbedeutende Stadt. Gerade in den unruhigen Sechzigern hat sie sich durch rassistische Attentate und davon ausgelöste Unruhen einen schlechten Ruf erworben. Auch in den Neunzigern war sie noch einmal negativ in den Schlagzeilen, als ein christlicher Extremist einen Bombenanschlag auf eine "Abtreibungsklinik" verübte.

Aber gottlob gibt es auch Gutes zu berichten: eine pulsierende Kulturszene soll es da geben, einen schönen botanischen Garten und ... hier muss ich die Kurve weg vom Tourismus hin zum Bier kriegen ... eine ebenso pulsierende Craft-Bier-Szene gibt es natürlich auch. Hier sitzt auch die Trim Tab Brewing Co., die im Jahr 2014 von einem Jurastudenten namens Harris Stewart gegründet. Laut Bhamwiki (Bham = Birmingham) begannen sie mit zwei Biertanks aus Kanada, in denen 3.500 Barrel Bier pro Jahr gebraut werden können. Aus Kapazitätsgründen hat Trim Tab die Produktion von zwei ihrer umsatzstärksten Biere an eine Brauerei in Louisiana "augelagert". Mehrere Preise und Bestenlisten wurden schon erobert, u.a. "eine der zehn besten Brauereien in den USA". Zusätzlich zu den drei Bieren der core range - Pale Ale, IPA, Berliner Weiße mit Himbeere - bietet Trim Tab noch eine große Auswahl an saisonalen, experimentellen und anderen Suden an, die allesamt in schön gestalteten Dosen an den Mann oder die Frau gebracht werden.

Das heute vorgestellte Six: Peanut Butter Coffee war ein Jubiläumsprojekt zum sechsjährigen Bestehen. Die Dose sieht sehr funky aus.


Art und Herkunft: Imperial Stout, USA (Alabama).

Sonntag, 19. Juli 2020

Einsendungen, Teil XIV: Caol Ila 6 J. 2013/2020 (61,8% Vol.) (Whic The War of the Peat V of XIII by Signatory Vintage)

Endlich kommt man wieder ein neuer torfiger Whisky bei whic.de heraus. Der letze in der Reihe War of the Peat, den wir hier besprochen haben, war auch ein Caol Ila, allerdings ein neunjärhiger, der zweite in der Serie. Ist auch schon ein paar Monate her; "vor Corona", wie man neuerdings sagt, so wie man früher "vor dem Krieg" zu sagen pflegte. 😒

Nun, anyway. Gestern war Brautag im Braugarten (der zweite Anlauf für ein Pilsener), und da haben die Drei von der Tankstelle vom Blog die Gelegenheit genutzt, um das neueste Sample zu verkosten. Obwohl es von Caol Ila mittlerweile auch ungetorfte Single Malts gibt, freuten wir uns dennoch auf diesen etwas - zumindest putativ - kräftigeren Dram von der Brennerei in Port Askaig, der man - zu Recht - nachsagt, der Charakter des nahen Meeres finde sich in ihren Whiskys wieder.



Art und Herkunft: Single Malt, Islay.

Samstag, 11. Juli 2020

Sind so kleine Biere, Teil CII: Blaugies La Bière Darbyste (5,8% Vol.)

Endlich mal wieder ein echtes "kleines" Bier! Die Brasserie de Blaugies aus der Borinage erfüllt dieses Lemma perfekt, denn zu Beginn der Tätigkeit konnten nach eigenen Angaben pro Jahr nur etwas 750 hl Bier gebraut werden. Nach Zuschüssen der EU und der wallonischen Regionalregierung konnte die Kapazität ab 2018 in einem ersten Schritt auf 2.400 hl erhöht werden; weitere Schritte sollten folgen.

An und für sich ist die Brauerei nur ein Anhängsel des Restaurants Le Fourquet. Beides gehört der Familie Carlier-Pourtois. Gebraut wird seit 1988. Mittlerweile teilen sich die beiden Söhne des Gründerehepaars und ihre Ehefrauen die Arbeit im Restaurant und in der Brauerei. Insgesamt werden fünf Biere angeboten, von welchen das La Moneuse (und seine Weihnachtsedition)  das wahrscheinlich bekannteste ist.

Das Bière Darbyste, das wir heute in der großen 0,75er Flasche vor uns stehen haben, hat seinen Namen von den Darbysten (oder Darbisten), einer evangelischen Freikirche, die in Deutschland Brüderbewegung heißt. Gegründet wurde sie von einem anglikanischen Geistlichen namens John Nelson Darby, daher auch der Name. Die Darbysten widmeten sich - und daher auch der regionale Bezug - der Seelsorge an den in der Borinage tätigen Bergleuten, die ein sehr hartes Leben führten. Es heißt, sie hätten dem Genuss von Alkoholika ablehnend gegenübergestanden, aus irgendeinem Grunde aber das Trinken eines leicht alkohlischen Getränks aus fermentiertem Feigensaft erlaubt. Auf dieser Geschichte basiert auch unser heutiges Bier, welches ebenfalls unter Zusatz von Feigen gebraut wird und - wie uns die Familie Carlier-Pourtois versichert - auf einer "Rezeptur aus Großmutters Zeiten" beruht.



Art und Herkunft: Belgian Farmhouse Ale/"Regionales Spezialbier", Belgien (Hennegau).

Sonntag, 5. Juli 2020

Einsendungen, Teil XIII: Inchgower 21 J. (59,3% Vol.) (Whic Amazing Whiskies 2/30)

"Hast du schon was für den Blog geschrieben?" "Nein, hast du?" "Nee, auch nicht. Und Plattfuss?" "Ich glaube, der auch nicht!"

Gut, dass ein Sample von Whic auf mich wartete, als ich eben die Haustüre hinter mir aufschloss. Der zweite Whisky aus der neuen Reihe Amazing Whiskies; den Glenrothes hatten wir neulich schon mal hier. Wenn ihr den heute verkosteten Inchgower aus dem Sherryfass haben möchtet, müsst ihr um die 95,- EUR hinblättern. Wenn ihr die gerade nicht übrig habt, lest gerne trotzdem weiter, aber nicht, dass ihr nachher meckert.

Inchgower (keine Webseite!) ist eine weitere recht unbekannte - oder soll ich sagen: unauffällige - Brennerei. Der allergrößte Teil ihrer Produktion (auf Wikipedia steht was von 99%) fließen in die Produktion von Blends, unter anderem von Bell's. Sie gehört schon seit vielen Jahren zu Diageo und Diageo bewirbt ja seine "Nischenmalts" ohnehin nicht. Stefan Gabányi schreibt, es habe vor einiger Zeit mal eine Originalabfüllung in deren Flora & Fauna-Reihe gegeben, aber an und für sich bekommt man die Malts von Inchgower wohl meistens nur von unabhängigen Abfüllern. Der Werbetext von Whic verspricht mir Apfelringe, Orange, altes Papier, Erdbeeren und Vanille. Na, da sind wir aber gespannt.


Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Lower).

Besonderheiten: Sherryfass, nicht gefärbt, nicht kaltfiltriert, Fassstärke.

Sonntag, 28. Juni 2020

Sind so kleine Biere, Teil CI: Verstraete Papegaei 2018 (8,0% Vol.)

Das ist nun endlich einmal wieder ein wirklich "kleines Bier": in nur etwa 150 Gaststätten wird es ausgeschenkt und auch der Vertrieb ist sehr stark regional begrenzt: fast nur in der Gegend direkt an der belgischen Küste ist es zu finden. Das Papegaei von Adam Verstraete ist nach dem Gebäude in Diksmuide benannte, in dem er residiert und in dem es das Bier nicht nur zu kaufen, sondern auch zu verkosten gibt. Früher war es eine Vollzeitkneipe und hieß eben De Papegaei - und genau dieses Tier ziert denn auch das schön gestaltete Etikett. Adam hat als Haus- und Hobbybrauer begonnen, nach eigenen Angaben tingelte er einige Zeit durch die Lande und brachte seine Biere mit Wechseletiketten "an den Mann", d.h. in diesem Fall: an wechselnde Gastronomen. Seit 2009 hat er nun sein "eigenes" Bier, welches aber nicht in dem kleinen Häuschen in Diksmuide gebraut wird, sondern bei Deca in Woesten-Vleteren. 

Das ist eine ganz interessante Brauerei: einerseits machen sie einige eigene Biere, unter anderem das Vleteren (nicht zu verwechseln mit dem benachbarten, aber von Mönchen gebrauten Westvleteren!); andererseits haben aber andere Brauer, die sich z.B. eine große eigene Anlage nicht leisten können, die Möglichkeit, ihre Biere bei Deca zu brauen - wie es eben auch Adam Verstraete gemacht hat. Eine schöne Übersicht über alle "Gastbrauer" gibt es übrigens hier.


Art und Herkunft: Blond, Belgien (Westflandern).

Sonntag, 21. Juni 2020

Das Heilige Petrus, Teil III: Tripel vs. Aged Red

So, jetzt aber! Nachdem ich letzte Woche ganz gentlemanlike zurückgetreten bin, damit Plattfuss und Jan B. ihre Verkostung der neuesten Edition von whic.de zeitnah raushauen konnten, bin ich nun endlich dran mit dem letzten Teil meiner Miniserie über das Petrus von De Brabandere. Diese beiden werden wohl recht ausdrucksstark sein; sie bringen auch mit acht bzw. achteinhalb Umdrehungen ordentlich "wumms" mit. Das Aged Red ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem relativ neuen Red by Petrus: zwar enthalten beide das klassische foederbier und Kirschen, jedoch gehört zum Aged Red noch eine gehörige Portion des Dubbel, das ich hier ebenfalls schon in seiner Reinform verkostet habe.


Petrus Tripel (8,0% Vol.)

Art und Herkunft: Tripel, Belgien (Westflandern).

Besonderheiten: Aus Gerste und Weizen, mit Zuckerzusatz.

Sonntag, 14. Juni 2020

Einsendungen, Teil XII: Glenrothes 22 J. (58,8% Vol.) (Whic Amazing Whiskies 1/30)

Wenn ich morgens um fünf nicht mehr schlafen kann, dann würde ich gerne behaupten, es liegt an dem neuen Whisky, den ich von Melisa von whic.de zugeschickt bekommen habe, aber ich fürchte fast, es liegt an meinem dauerhaft schlechten Gewissen. Wegen meiner sündhaften Jugend und so ... ihr wisst ja.

Nun, dennoch gibt es Aufregendes zu vermelden: Whic hat eine neue Reihe gestartet, die irgendwann einmal 30 Teile umfassen soll. Die Amazing Whiskies sollen uns "mehr Action, mehr Spannung und mehr Knall" bringen - so verspricht es zumindest der Werbetext. Sehr hübsch aufgemacht war die Sendung aus Bremen schon: außer dem Probierfläschchen lag ein kleines Beiblatt im Stil der alten amerikanischen Pulp-Hefte im Karton. Wer denkt da also in Verbindung mit dem Serientitel nicht gleich an das klasssische  SciFi-Magazin Amazing Stories? Und auch noch einen anderen Grund gäbe es für unsere Schlaflosigkeit: Von (The) Glenrothes hatten wir hier noch nie eine offizielle Verkostung. Nur von einem sehr bekannten Blend, in dem diese Destillerie als einer der Lead Malts vertreten ist: Cutty Sark.

Die Brennerei entstand im Jahre 1878 als Ergebnis eines crowdfundings: ein lokaler Gottesmann - selbst eher dem Abstinenzlertum zuneigend - war sich im klaren darüber, dass nur der Bau einer Whiskydestillerie die dringend benötigten Arbeitsplätze schaffen könne und machte sich daran, bei seinen reicheren "Schäfchen" Geldspenden für den Bau aufzutreiben. Über einen Umweg namens Highland Distillers kam Glenrothes Ende des 20. Jahrhundert zur Edrington (Group), von der u.a. auch Macallan und Highland Park stammen. Im Firmenportfolio von Edrington ist die Destillerie in Rothes eher eine der "Stillen". Wie oben schon gesagt geht der größte Teil ihrer Whiskys in die firmeneigenen Blends. Stefan Gabányi beschreibt den Stil von Glenrothes (übrigens eine der seltenen schottischen Brennereien, die sich noch eine eigene Küferei leistet) als ein "komplexes, sherrybetontes Halbschwergewicht".


Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Rothes).

Sonntag, 7. Juni 2020

Das Heilige Petrus, Teil II: Dubbel vs. Aged Pale

Nachdem ich letzte Woche schon ziemlich viel über die Geschichte der Brauerei De Brabandere erzählt habe, wollte ich mich noch einmal auf deren Webseite umschauen, ob es da sonst noch irgendwas Interessantes gibt. Und ja: da sind noch ein paar schöne Sachen. Zum Beispiel ihr Imagefilm, den man zwar ohne Niederländischkenntnisse nicht so hundertprozentig verstehen wird, aber zumindest sieht man die Brauerei mal von innen, unter anderem auch den Saal mit den wunderschönen foeders aus Eichenholz. Reinschauen lohnt sich meines Erachtens auf jeden Fall. Außerdem gefallen mir auf der Seite über die Geschichte der Firma die alten Fotos mit den Bierwagen und den ernst dreinblickenden Männern in schwarzweiß.

Heute verkosten wir zwei Biere, welche die Grundlage für das in der letzten Woche besprochene Petrus Rood Bruin darstellen: das Dubbel, ein klassischer belgischer Bierstil (think Doppelbock) sowie das Aged Pale, das "Basisbier" der Sour Beers-Reihe, welches in allen anderen Sauerbieren der Firma mit am Werke ist. Es reift zwei Jahre lang im Eichenholzfass, bevor es abgefüllt wird.


Petrus Dubbel (7,0% Vol.)

Art und Herkunft: Dubbel, Belgien (Westflandern).

Besonderheiten: Mit Zucker.

Aussehen und Aroma: Rotbraun, mit ockerfarbener Krone. Ein sehr deutlicher Geruch wie von Malzbier, mit mehr als nur einem Hauch Kaffee.

Geschmack: Nicht so süß wie befürchtet, angenehm prickelnd auf der Zunge. Wieder ein Hieb Gute-Morgen-Röstung sowie etwas dezente Schokolade.

Sonntag, 31. Mai 2020

Das Heilige Petrus, Teil I: Blond vs. Rood Bruin

In der Vorweihnachtszeit ist es zuhause in Belgien immer ganz interessant in den Supermärkten: die meisten Brauereien - gerade die, die man in Deutschland nur aus dem Spezialbierhandel kennt - bringen allerlei Geschenkpakete unters Volk bzw. in die Regale. Dann gibt es mal Packungen mit schönen Gläsern dabei oder Probierpackungen mit verschiedenen Bieren derselben (oder auch unterschiedlicher) Brauerei(en). Als ich letzten Dezember auf dem Weg nach Brüssel war - das war noch vor dieser verdammten Pandemie - machte ich auf dem Weg wie üblich an einem größeren Hypercarrefour halt, um die Mitbringeslwünsche von Familie, Freunden und mir selbst zu befriedigen. Und bei dieser Gelegenheit fand ich das, was euch und mir eine Miniserie von drei Verkostungen sechs unterschiedlicher Biere der Brauerei De Brabandere bescheren wird: ein sehr schönes Probierpaket ihrer Biere der Marke Petrus.

De Brabandere hieß vor ein paar Jahren noch Bavik, und vielen Bierliebhabern ist sie auch noch unter diesem Namen bekannter. Tatsächlich ist der "neue" Name aber auch gleichzeitig der ältere: die Brauerei wurde im Jahre 1894 von Adolphe de Brabandere und seinem Sohn Jozef gegründet, wobei der Sohn wohl erst richtig Schwung in die Bude brachte, als er das Geschäft komplett übernahm. Er änderte auch das erste Mal den Namen: von De Brabandere zu Sint-Antonius. Ab den Fünfzigern hieß die Brauerei dann wieder De Brabandere und lieferte hauptsächlich direkt an die Endkunden und an die Gastronomie (der Vertrieb von Bier über den Einzelhandel steckte damals noch in den Kinderschuhen). Die Eigentümerfamilie war und ist auch selbst in der Gastronomie tätig und dieses Standbein wurde über die Jahre so wichtig, dass in den 90ern die Gastro-Sparte von der Brauerei abgetrennt wurde (die letztere wurde damals in Bavik umbenannt, nach einem der bekanntesten Produkte der Firma, dem Bavik Super Pils). Heute, nach der erneuten Umbenennung, ist nunmehr die fünfte Generation der Gründerfamilie (Albert de Brabandere) am Ruder. Aus meiner subjektiven Empfindung ging damit in den letzten paar Jahren eine deutliche Verbesserung der Sichtbarkeit der Marke einher. 

Das Portfolio der Firma umfasst heute eine relativ große Bandbreite von Marken und Bierstilen, die bekanntesten dürften Bavik, Kwaremont, Petrus und Wittekerke sein. Innerhalb der Sparte Petrus gibt es noch eine weitere Teilung: Petrus Tradition (Blond, Dubbel, Tripel) sowie Petrus Sour Beers (wie der Name schon sagt, alles "typisch" flandrische Sauerbiere, die in den traditionellen Eichenfässern - den foeders - reifen). Das oben erwähnte Probierpaket enthielt von jeder Familie drei Stück, sodass ich dachte, es wäre eine schöne Idee, wenn man jeweils eines aus der einen und eines aus der anderen vorstellt.



Petrus Blond (6,5% Vol.)

Art und Herkunft: Blond, Belgien (Westflandern).

Besonderheiten: Nur mit Aromahopfen gebraut.

Sonntag, 24. Mai 2020

Sind so kleine Biere, Teil C: Het Anker Gouden Carolus Indulgence Hopscure 2018 (8,0% Vol.)

Für alle diejenigen, die in der Schule keine römischen Ziffern hatten: Heute ist die 100. Folge unserer Serie über Biere aus kleinen (oder mittelgroßen) Brauereien gekommen. Der allererste Beitrag erschien schon am 6. April 2012; damals habe ich fast die ganze Arbeit hier im Blog noch alleine gemacht und besprach ein Bier von Rotingdorfer aus der Nähe von Bielefeld.

Welches Bier wir hier zum 100. Jubiläum vorstellen, haben wir uns nicht groß überlegt. So war es denn auch wohl eher Zufall, dass es ein Bier aus einer Brauerei ist, der ich ebenfalls in der Frühzeit (sogar in der Anfangszeit) des Blogs einen längeren Erfahrungsbericht widmete, als ich nämlich das (durch die Dürftigkeit der Unterkunft etwas geminderte) Vergnügen hatte, in der Brauerei Het Anker nicht nur zu verkosten und zu speisen, sondern auch zu übernachten. Lange ist es also her, fast zehn Jahre. Seitdem bin ich weder in Mechelen noch bei Het Anker gewesen und auch was Verkostungen derer Produkte hier im Blog - sei es durch meine Kollegen oder mich - angeht: Fehlanzeige.

Wie ich in meinem ausführlichen Beitrag im Jahr 2011 schon geschrieben hatte: die Firma in ihrer heutigen Form wurde in den Siebzigerjahren des 19. Jahrhunderts gegründet. Sie gehört immer noch der Gründerfamlie, wenn auch natürlich über einige Ecken. Neben etlichen Bieren der Marke Gouden Carolus enthält das umfangreiche Portfolio noch Maneblusser (ein Blondes und ein Weißes), das Boscoli (ein Weißbier mit Fruchtsaft) sowie Single Malt (ebenfalls unter dem Namen Gouden Carolus).

Das Bier, welches wir heute verkosten, kommt aus der Reihe Indulgence, in der nur einmal im Jahr eine neue Kreation präsentiert wird. Het Anker schreibt dazu, es seien alles exklusive Wonnen für besondere Momente oder zum Teilen mit besonderen Menschen. Die 2018er Edition, das Hopscure, wurde aus Anlass des zehnjährigen Jubiläums des Hopsinjoor (eines mehrfach preisgekrönten Pale Ale) kreiert und man verspricht uns ein verfeinertes Gleichgewicht von fünf Hopfensorten sowie Röstmalzen.

Art und Herkunft: Dark Ale, Belgien (Antwerpen).

Sonntag, 17. Mai 2020

Wat ben jij Stout, zeg! (Teil II)

Dank der großzügigen Gastfreundschaft von Plattfuss hatten wir neulich einmal Gelegenheit - unter Wahrung der Sicherheitsabstände, wie ich betonen möchte - in seinem Garten ein paar Stouts aus den Niederlanden zu verkosten, was mir insofern besonders gut auskommt, weil es mir Gelegenheit gibt, an meinen Beitrag Wat ben jij Stout, zeg! vom September 2018 anzuknüpfen. 

Bei gutem - aber nicht supergutem - Wetter gab es diesmal Stouts von Muifel, Emelisse und Uiltje. Von Emelisse hatten wir schon öfter was im Blog, unter anderem hier, darum verzichte ich auf große Einleitungen. Über Muifel haben wir noch nichts weiter berichtet, aber beim Bierfestival in Leiden im letzten Jahr hatten meine Blogkollegen ein paar von ihren Bieren, die sie ingesamt ganz positiv in Erinnerung behalten haben. Die Geschichte der Brauerei und ihres Namens ist ganz witzig. Ursprünglich (2002) war sie eine reine Hobby- und Spaßbrauerei ohne Verkaufsabsichten, ein Projekt von Martin Ostendorf aus Megen an der Maas. Ein paar Jahre später (2006) hatte wohl irgendjemand einen Probesud von ihm in die Finger bekommen, rief an und bat um 500 Liter Bier für ein Weihnachtsgeschenk, das an ausgesuchte Kunden verteilt werden sollte. Da Martin keine Kapazitäten hatte, um einfach so mal 500 Liter zu brauen, musste er das Bier woanders produzieren lassen, natürlich nach seinem eigenen Rezept. So machte er dann ein paar Jahre lang weiter und wuchs und wuchs, bis er 2016 endlich in ein größeres Gebäude ziehen konnte, wo er seit letztem Jahr auch eine passende Brauanlage betreibt. Neben Kreationen für den Eigenvertrieb ist Muifel auch in größerem Stil als Auftragsbrauer tätig. So kann dort z.B. die Gastronomie oder der Handel "eigene" Biere herstellen lassen. Warum nun also Muifel? Eines der ersten Biere, die Martin gebraut hat, war eine Kopie des belgischen Duvel, was auf Hochniederländisch Duivel hieße. Der Name war ihm aber zu nahe an der ursprünglichen Marke, darum wollte er es Megense Duivel nennen, aber weil Betrunkene das nicht gut aussprechen können, bürgerte sich die "Kurzform" Muifel ein. So also.

Uiltje in Haarlem ist viel jünger (2015) und begann auch als dezidiertes Craftbierprojekt von Robbert Uyleman (daher auch der Name). Die Brauerei hat ein sehr umfangreiches Portfolio von Standards und saisonalen Spezialitäten. Viele davon werden - wieder modern! - in Dosen angeboten. Das heute verkostete SGT. Nightvision ist (zumindest über den Onlineshop der Brauerei) nicht mehr erhältlich.


Muifel Black Bastard (9,5% Vol.)

Art und Herkunft: Imperial Stout, Niederlande (Nordbrabant).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Schwarz, mit großer ockerfarbener Krone. In der Nase wuchtige Röstaromen, Metall (Eisenträger), Lorbeer, Jod.

Sonntag, 10. Mai 2020

Quengelware, Teil XI: McIllroy Blended Scotch (40,0% Vol.)

Kurz vor der Maskenpflicht stand ich beim örtlichen Penny-Markt und schaute etwas lustlos an der Kasse herum, als ich plötzlich dieses wunderschön aufgemachte Plastikfläschchen mit echtem schottischem Whisky sah ... sogar eine (schottische?) Burgruine und ein Fantasiewappen zieren das Etikett. Da muss ja der Inhalt noch besser sein? Oder? Oder??

McIllroy ist eine Auftragsarbeit für Penny. Den Vertrieb in Deutschland verantwortet - wenn man das so sagen darf - die Bimmerle KG in 77855 Achern-Mösbach. Kein Nobody, sondern Großhersteller von Obstbränden der Marke Lörch und anderer Spirituosen. Nun, da es ein Scotch ist, haben sie ihn natürlich nur importiert und nicht selbst gebrannt. Sie gönnen ihm auch keinen Eintrag auf ihrer Firmenhomepage; wahrscheinlich wissen sie, warum. Ill heißt im Englischen übrigens "krank": Ich hoffe, das ist kein böses Omen. Es gibt diesen Whisky auch im "richtigen" Großgebinde (0,7 Liter) zu etwa 8,- EUR. Nach Abzug von Kosten für Transport, Flasche, Etikett usw. dürfte nur sehr wenig Geld für den Whisky selber übrig geblieben sein.

Art und Herkunft: Blended Scotch, Schottland.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Blassgelb, eine Farbe wie Weißwein, in der Nase sehr spritig mit wenigen eindeutigen Aromen: Getreidemalz, Vanillin, Backpulver.

Geschmack: Sehr wässriges Mundgefühl und ein unangenehm scharf-ethanolischer Antritt. Kuchenbodenteig. Das war's.

Abgang: Kurz, aber leider mit Nachbrenner.

Fazit/Tipp: Ein günstiger Rachenputzer ohne jegliche Eigenschaften - außer, man zählt Ruppigkeit als Eigenschaft. Hier sind jede Menge Grain Whiskys und nur ganz wenige (junge) Malts am Werke. Geschmacklich gesehen kann man genausogut zu Wodka oder Doppelkorn greifen.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 17. Mai 2020.

Verkostung und Text: Jan B.

Sonntag, 3. Mai 2020

Sind so kleine Biere, Teil XCIX: Gallivant Maori Madness vs. Brouwersnös Frolijke Frans

Über die Brauerei Brouwersnös, ihre Gründer und ihre internationalen Beteiligungen habe ich vor gut zwei Monaten schon einmal geschrieben, die drei "Querschnittsbiere" von ihnen hat unsere Redaktion damals sehr positiv bewertet. Heute nun noch einmal eines ihrer Standards, das Frolijke Frans: ein Pale Ale, welches von den Brauern als herrlich frisch und fruchtig, etwas bitter mit Nuancen von Mandarinen beschrieben wird. Wir sind gespannt; Plattfuss, der es nicht so mit zitruslastigen Hopfensorten hat, eventuell etwas weniger 😉.

Gallivant aus Hengelo ist hingegen hier im Blog - und im Real Life auch fast noch - ein Newcomer. Das Projekt begann 2018 als geistiges Kind von Pim (damals angehender Journalist), Geert (Kneipier und Hobbybrauer) sowie Freek (studierter Wirtschaftswissenschaftler). Vor genau zwei Jahren und einem Tag kam dann ihr erstes Bier in den gastronomischen Umlauf: es war ein kräftiges Weißbier, welches heute natürlich immer noch im Portfolio zu finden ist, zusammen mit einem Tripel, einem Amber einem Bock und eben dem Maori Madness, einem "Pacific Ale". Ich setze den Begriff hier mal in Anführungszeichen, denn es gab vor ein paar Jahre einen etwas bizarren, aber sehr ernsten Rechtsstreit darüber, ob der Begriff einen bestimmten Bierstil (Pale Ales mit Zutaten aus Ozeanien) beschreibt oder ob es sich um ein geschütztes Markenzeichen einer Brauerei handelt, die einem ihrer Produkte diesen Namen gegeben hatte und behauptete, Käufer würden den Begriff automatisch mit ihrem Produkt in Verbindung setzen. Wer sich für sowas interessiert, kann alles (auf Englisch) hier einmal nachlesen. Auf jeden Fall nennt Gallivant das Bier ein "Pacific Ale", weil es mit Hopfen aus Neuseeland gebraut wird.


Gallivant Maori Madness (7,0% Vol.)

Art und Herkunft: Pacific Ale, Niederlande (Overijssel).

Besonderheiten: Gebraut mit Hopfen aus Neuseeland.

Aussehen und Aroma: Weißgelb mit kleiner Krone. Trüb mit starker Sedimentierung.  In der Nase viel Orangen, Pink Grapefruit, Vitaminbrausetablette. 

Sonntag, 26. April 2020

Sind so kleine Biere, Teil XCVIII: Du Bocq Deugniet (7,5% Vol.)

Die Brauerei Du Bocq aus dem Condroz ist eine von denen, die wir hier noch niemals ausführlich im Blog vorgestellt haben, von der wir aber schon einige Produkte auf den verschiedenen Bierfesten der letzten Jahre probieren durften. Ganze zehn Biere habe ich hier auf der Liste, nur eines (das furchtbar quietschige Agrumbocq) haben wir negativ bewertet; alle anderen haben mindestens eine neutrale oder - in den meisten Fällen - positive Punktzahl.

Die Gründung von Du Bocq geht zurück auf einen Herrn Martin Belot, seines Zeichens Landwirt. Wie die meisten Bauern in früheren Zeiten braute er für sich und sein  Gesinde (Familie, Mägde, Knechte) im Winter, wenn wenig bis nichts auf den Feldern zu tun war, Bier. Damit begann er im Jahre 1858. Nach einiger Zeit merkte er, dass er mittlerweile eher Brauer als Bauer geworden war und machte sich konsequent daran, das Unternehmen weiter auszubauen. Nach dem Zweiten Weltkrieg vergrößerte sich die Brauerei durch Zukauf, blieb aber bis in die Sechzigerjahre hinein zusätzlich noch ein Landwirtschaftsbetrieb. Ab den Fünfzigern ging man Schritt für Schritt dazu über, die eigenen Produkte nicht mehr selbst auszuliefern (einige Ältere werden noch die klassischen - teilweise noch von Pferden gezogenen - Bierwagen in Erinnerung haben) und begann mit dem Verkauf über den Zwischenhandel bzw. über die Gastronomie. Bis zum Jahr 2015 blieb die Firma im Besitz der Gründerfamilie, danach wurde sie an eine andere "Brauerdynastie", die Familie Keersemaekers aus dem flämischen Turnhout verkauft. Die Keersemaekers hatten allerdings auch schon vorher Anteile an Du Bocq: dort wurde ihre eigene Biermarke Corsendonk hergestellt.

Zurzeit stellt Du Bocq neben den eigenen Marken noch ein paar "Fruchtbiere" her, die eher für den Export gedacht sind und unter anderen Namen verkauft werden. Das Kernportfolio umfasst insgesamt 15 verschiedene Biere, mit dem Fokus auf Weißbieren (Blanche de Namur) sowie verschiedenen anderen traditionellen Sorten (in der Reihe Gauloise). Das heute hier vor uns in der großen Flasche stehende Deugniet ("Tunichtgut") ist laut Firmenangaben ein fruchtiges und leicht blumiges Tripel, das Etikett spricht allerdings etwas "durch die Blume" von einem goldblonden belgischem Spezialbier.

Art und Herkunft: Tripel, Belgien (Namur).

Sonntag, 19. April 2020

Sind so kleine Biere, Teil XCVII: Kompaan Vrijbuiter vs. Bronckhorster Nightporter

Zum Abschluss dieser kleinen "Serie in der Serie" haben wir nun noch einmal zwei Biere aus den Niederlanden. Zur Stunde bangt unsere Redaktion ja um den Besuch des Van Moll Fest 2020 in Eindhoven, das für Ende August geplant ist ...

Sowohl von Bronckhorster  als auch von Kompaan (die haben jetzt in der Coronakrise einen "Drive Thru") hatten wir ja schon Biere im Blog, von ersterer sogar vor kurzem noch, als deren Hoptimist sang- und klanglos verrissen wurde. Bei Kompaan aus Den Haag ist es gut drei Jahre her, damals kam ihr Bondgenoot gut an. Von beiden Brauereien gibt es heute ein kräftiges Porter; sie waren bei unserer "langen Nacht der Verkostungen" auch die beiden letzten Kandidaten.

Kompaan Vrijbuiter (7,1% Vol.)

Art und Herkunft: Double/Strong Porter (historisch: Stout), Niederlande (Südholland).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Dunkelbraun bis schwarz mit einer kleinen elfenbeinfarbenen Krone. In der Nase reichhaltige Aromen von Kaffee, Lakritze und Veilchenbonbons.Gelder

Geschmack: Kräftige dunkle Schokolade (aber nicht diese ganz trockene!) sowie schwarze Johannisbeeren und ein großer Schluck kalter Kaffee.

Abgang: Mittellang und eher herb als malzig. Immer noch Lakritze.

Fazit/Tipp: Ein wirklich kräftiges Porter, das aber sehr harmonisch wirkt und angenehm runtergeht.


Bronckhorster Nightporter (8,0% Vol.)

Art und Herkunft: Double/Strong Porter (s. oben), Niederlande (Gelderland).

Besonderheiten: -

Sonntag, 12. April 2020

Sind so kleine Biere, Teil XCVI: Battin Fruitée (4,3% Vol.)

Als es um das Verteilen der Arbeitsaufgaben bei den Notizen für unseren niederländisch-luxemburgischen Verkostungsmarathon ging, habe ich mich bei diesem Bier direkt freiwillig gemeldet, denn ich bin - wie jeder, der diesen Blog schon länger verfolgt, weiß - ein großer Fan von Fruchtbieren gleich welcher Art, seien es nun Krieks oder auch mal ein Mongozo Banana aus der Kokosnussschale 😋.

Das heute verkostete Fruitée von Battin ist deren einziges Fruchtbier. Ansonsten bietet die Brasserie Nationale unter dieser Marke hauptsächlich Sorten an, die in der BENELUX ebenfalls zu den traditionellen gehören: Tripels (siehe Jans Verkostung letzte Woche), Blonde, Braune, ... So ganz handwerklich geht die Brauerei bei der Herstellung des Fruitée nicht vor, denn anders als z.B. bei einigen ganz traditionellen Bieren aus Belgien, an die man denken könnte, sind hier wohl keine ganzen Früchte verwertet worden, sondern man spricht von "Fruchtaromen". Nun ja, für die Massenproduktion bietet sich das sicherlich - vom Kostenstandpunkt her gesehen - auch eher an. Was das food pairing angeht, empfiehlt die Webseite die Kombination mit Obstkuchen, Schokoladenpudding oder auch Fruchtsorbets.

Art und Herkunft: Fruchtbier, Luxemburg (Capellen).

Besonderheiten: Mit Fruchtaromen von Brombeere, Pflaume und Kirsche.

Aussehen und Aroma: Rosé bis kirschrot und mit einer leicht rosafarbenen luftigen Krone. 

Sonntag, 5. April 2020

Sind so kleine Biere, Teil XCV: Battin Triple vs. Simon Okult Triple

Heute im direkten Vergleich: zwei weitere Biere aus Luxemburg, beides Tripel. Warum heißt das eigentlich so? Diese Sorte wird traditionell mit einer größeren Menge Malz ("dreimal so viel") gebraut wie normale Pale Ales (Tripel ist eine Variation davon), darum. Zumindest ist das eine Erklärung, nicht unbedingt die Erklärung. Auf jeden Fall kommt dieser Bierstil ursprünglich aus Belgien; nachweisbar ist der Name seit 1956, als er bei der Brauerei Westmalle zum ersten Mal verwendet wurde.

Die beiden luxemburgischen Vertreter kommen aus Brauereien, die wir schon im ersten Beitrag über Biere aus dem Großherzogtum vorgestellt hatten: Battin (Brasserie Nationale) und Simon. Bei Simon ist Okult eine eigene Markenfamilie, in der vor allem "Spezialbiere" gebraut werden. Das Tripel wird aus drei verschiedenen Getreidesorten gemacht, nämlich Gerste, Weizen und Hafer. Battin verspricht uns "fruchtige Aromen und frische würzige Noten". Alle beide haben kräftig Umdrehungen, wie sich das für Tripels gehört.

Battin Triple (8,0% Vol.)

Art und Herkunft: Tripel, Luxemburg (Capellen).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Goldgelb in der Farbe, mit kleiner Schaumkrone. In der Nase ein süßer Hauch von Nichts, ganz dezente (wirklich sehr dezente!) Röstaromen.