Sonntag, 5. Juli 2020

Einsendungen, Teil XIII: Inchgower 21 J. (59,3% Vol.) (Whic Amazing Whiskies 2/30)

"Hast du schon was für den Blog geschrieben?" "Nein, hast du?" "Nee, auch nicht. Und Plattfuss?" "Ich glaube, der auch nicht!"

Gut, dass ein Sample von Whic auf mich wartete, als ich eben die Haustüre hinter mir aufschloss. Der zweite Whisky aus der neuen Reihe Amazing Whiskies; den Glenrothes hatten wir neulich schon mal hier. Wenn ihr den heute verkosteten Inchgower aus dem Sherryfass haben möchtet, müsst ihr um die 95,- EUR hinblättern. Wenn ihr die gerade nicht übrig habt, lest gerne trotzdem weiter, aber nicht, dass ihr nachher meckert.

Inchgower (keine Webseite!) ist eine weitere recht unbekannte - oder soll ich sagen: unauffällige - Brennerei. Der allergrößte Teil ihrer Produktion (auf Wikipedia steht was von 99%) fließen in die Produktion von Blends, unter anderem von Bell's. Sie gehört schon seit vielen Jahren zu Diageo und Diageo bewirbt ja seine "Nischenmalts" ohnehin nicht. Stefan Gabányi schreibt, es habe vor einiger Zeit mal eine Originalabfüllung in deren Flora & Fauna-Reihe gegeben, aber an und für sich bekommt man die Malts von Inchgower wohl meistens nur von unabhängigen Abfüllern. Der Werbetext von Whic verspricht mir Apfelringe, Orange, altes Papier, Erdbeeren und Vanille. Na, da sind wir aber gespannt.


Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Lower).

Besonderheiten: Sherryfass, nicht gefärbt, nicht kaltfiltriert, Fassstärke.

Sonntag, 28. Juni 2020

Sind so kleine Biere, Teil CI: Verstraete Papegaei 2018 (8,0% Vol.)

Das ist nun endlich einmal wieder ein wirklich "kleines Bier": in nur etwa 150 Gaststätten wird es ausgeschenkt und auch der Vertrieb ist sehr stark regional begrenzt: fast nur in der Gegend direkt an der belgischen Küste ist es zu finden. Das Papegaei von Adam Verstraete ist nach dem Gebäude in Diksmuide benannte, in dem er residiert und in dem es das Bier nicht nur zu kaufen, sondern auch zu verkosten gibt. Früher war es eine Vollzeitkneipe und hieß eben De Papegaei - und genau dieses Tier ziert denn auch das schön gestaltete Etikett. Adam hat als Haus- und Hobbybrauer begonnen, nach eigenen Angaben tingelte er einige Zeit durch die Lande und brachte seine Biere mit Wechseletiketten "an den Mann", d.h. in diesem Fall: an wechselnde Gastronomen. Seit 2009 hat er nun sein "eigenes" Bier, welches aber nicht in dem kleinen Häuschen in Diksmuide gebraut wird, sondern bei Deca in Woesten-Vleteren. 

Das ist eine ganz interessante Brauerei: einerseits machen sie einige eigene Biere, unter anderem das Vleteren (nicht zu verwechseln mit dem benachbarten, aber von Mönchen gebrauten Westvleteren!); andererseits haben aber andere Brauer, die sich z.B. eine große eigene Anlage nicht leisten können, die Möglichkeit, ihre Biere bei Deca zu brauen - wie es eben auch Adam Verstraete gemacht hat. Eine schöne Übersicht über alle "Gastbrauer" gibt es übrigens hier.


Art und Herkunft: Blond, Belgien (Westflandern).

Sonntag, 21. Juni 2020

Das Heilige Petrus, Teil III: Tripel vs. Aged Red

So, jetzt aber! Nachdem ich letzte Woche ganz gentlemanlike zurückgetreten bin, damit Plattfuss und Jan B. ihre Verkostung der neuesten Edition von whic.de zeitnah raushauen konnten, bin ich nun endlich dran mit dem letzten Teil meiner Miniserie über das Petrus von De Brabandere. Diese beiden werden wohl recht ausdrucksstark sein; sie bringen auch mit acht bzw. achteinhalb Umdrehungen ordentlich "wumms" mit. Das Aged Red ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem relativ neuen Red by Petrus: zwar enthalten beide das klassische foederbier und Kirschen, jedoch gehört zum Aged Red noch eine gehörige Portion des Dubbel, das ich hier ebenfalls schon in seiner Reinform verkostet habe.


Petrus Tripel (8,0% Vol.)

Art und Herkunft: Tripel, Belgien (Westflandern).

Besonderheiten: Aus Gerste und Weizen, mit Zuckerzusatz.

Sonntag, 14. Juni 2020

Einsendungen, Teil XII: Glenrothes 22 J. (58,8% Vol.) (Whic Amazing Whiskies 1/30)

Wenn ich morgens um fünf nicht mehr schlafen kann, dann würde ich gerne behaupten, es liegt an dem neuen Whisky, den ich von Melisa von whic.de zugeschickt bekommen habe, aber ich fürchte fast, es liegt an meinem dauerhaft schlechten Gewissen. Wegen meiner sündhaften Jugend und so ... ihr wisst ja.

Nun, dennoch gibt es Aufregendes zu vermelden: Whic hat eine neue Reihe gestartet, die irgendwann einmal 30 Teile umfassen soll. Die Amazing Whiskies sollen uns "mehr Action, mehr Spannung und mehr Knall" bringen - so verspricht es zumindest der Werbetext. Sehr hübsch aufgemacht war die Sendung aus Bremen schon: außer dem Probierfläschchen lag ein kleines Beiblatt im Stil der alten amerikanischen Pulp-Hefte im Karton. Wer denkt da also in Verbindung mit dem Serientitel nicht gleich an das klasssische  SciFi-Magazin Amazing Stories? Und auch noch einen anderen Grund gäbe es für unsere Schlaflosigkeit: Von (The) Glenrothes hatten wir hier noch nie eine offizielle Verkostung. Nur von einem sehr bekannten Blend, in dem diese Destillerie als einer der Lead Malts vertreten ist: Cutty Sark.

Die Brennerei entstand im Jahre 1878 als Ergebnis eines crowdfundings: ein lokaler Gottesmann - selbst eher dem Abstinenzlertum zuneigend - war sich im klaren darüber, dass nur der Bau einer Whiskydestillerie die dringend benötigten Arbeitsplätze schaffen könne und machte sich daran, bei seinen reicheren "Schäfchen" Geldspenden für den Bau aufzutreiben. Über einen Umweg namens Highland Distillers kam Glenrothes Ende des 20. Jahrhundert zur Edrington (Group), von der u.a. auch Macallan und Highland Park stammen. Im Firmenportfolio von Edrington ist die Destillerie in Rothes eher eine der "Stillen". Wie oben schon gesagt geht der größte Teil ihrer Whiskys in die firmeneigenen Blends. Stefan Gabányi beschreibt den Stil von Glenrothes (übrigens eine der seltenen schottischen Brennereien, die sich noch eine eigene Küferei leistet) als ein "komplexes, sherrybetontes Halbschwergewicht".


Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Rothes).

Sonntag, 7. Juni 2020

Das Heilige Petrus, Teil II: Dubbel vs. Aged Pale

Nachdem ich letzte Woche schon ziemlich viel über die Geschichte der Brauerei De Brabandere erzählt habe, wollte ich mich noch einmal auf deren Webseite umschauen, ob es da sonst noch irgendwas Interessantes gibt. Und ja: da sind noch ein paar schöne Sachen. Zum Beispiel ihr Imagefilm, den man zwar ohne Niederländischkenntnisse nicht so hundertprozentig verstehen wird, aber zumindest sieht man die Brauerei mal von innen, unter anderem auch den Saal mit den wunderschönen foeders aus Eichenholz. Reinschauen lohnt sich meines Erachtens auf jeden Fall. Außerdem gefallen mir auf der Seite über die Geschichte der Firma die alten Fotos mit den Bierwagen und den ernst dreinblickenden Männern in schwarzweiß.

Heute verkosten wir zwei Biere, welche die Grundlage für das in der letzten Woche besprochene Petrus Rood Bruin darstellen: das Dubbel, ein klassischer belgischer Bierstil (think Doppelbock) sowie das Aged Pale, das "Basisbier" der Sour Beers-Reihe, welches in allen anderen Sauerbieren der Firma mit am Werke ist. Es reift zwei Jahre lang im Eichenholzfass, bevor es abgefüllt wird.


Petrus Dubbel (7,0% Vol.)

Art und Herkunft: Dubbel, Belgien (Westflandern).

Besonderheiten: Mit Zucker.

Aussehen und Aroma: Rotbraun, mit ockerfarbener Krone. Ein sehr deutlicher Geruch wie von Malzbier, mit mehr als nur einem Hauch Kaffee.

Geschmack: Nicht so süß wie befürchtet, angenehm prickelnd auf der Zunge. Wieder ein Hieb Gute-Morgen-Röstung sowie etwas dezente Schokolade.

Sonntag, 31. Mai 2020

Das Heilige Petrus, Teil I: Blond vs. Rood Bruin

In der Vorweihnachtszeit ist es zuhause in Belgien immer ganz interessant in den Supermärkten: die meisten Brauereien - gerade die, die man in Deutschland nur aus dem Spezialbierhandel kennt - bringen allerlei Geschenkpakete unters Volk bzw. in die Regale. Dann gibt es mal Packungen mit schönen Gläsern dabei oder Probierpackungen mit verschiedenen Bieren derselben (oder auch unterschiedlicher) Brauerei(en). Als ich letzten Dezember auf dem Weg nach Brüssel war - das war noch vor dieser verdammten Pandemie - machte ich auf dem Weg wie üblich an einem größeren Hypercarrefour halt, um die Mitbringeslwünsche von Familie, Freunden und mir selbst zu befriedigen. Und bei dieser Gelegenheit fand ich das, was euch und mir eine Miniserie von drei Verkostungen sechs unterschiedlicher Biere der Brauerei De Brabandere bescheren wird: ein sehr schönes Probierpaket ihrer Biere der Marke Petrus.

De Brabandere hieß vor ein paar Jahren noch Bavik, und vielen Bierliebhabern ist sie auch noch unter diesem Namen bekannter. Tatsächlich ist der "neue" Name aber auch gleichzeitig der ältere: die Brauerei wurde im Jahre 1894 von Adolphe de Brabandere und seinem Sohn Jozef gegründet, wobei der Sohn wohl erst richtig Schwung in die Bude brachte, als er das Geschäft komplett übernahm. Er änderte auch das erste Mal den Namen: von De Brabandere zu Sint-Antonius. Ab den Fünfzigern hieß die Brauerei dann wieder De Brabandere und lieferte hauptsächlich direkt an die Endkunden und an die Gastronomie (der Vertrieb von Bier über den Einzelhandel steckte damals noch in den Kinderschuhen). Die Eigentümerfamilie war und ist auch selbst in der Gastronomie tätig und dieses Standbein wurde über die Jahre so wichtig, dass in den 90ern die Gastro-Sparte von der Brauerei abgetrennt wurde (die letztere wurde damals in Bavik umbenannt, nach einem der bekanntesten Produkte der Firma, dem Bavik Super Pils). Heute, nach der erneuten Umbenennung, ist nunmehr die fünfte Generation der Gründerfamilie (Albert de Brabandere) am Ruder. Aus meiner subjektiven Empfindung ging damit in den letzten paar Jahren eine deutliche Verbesserung der Sichtbarkeit der Marke einher. 

Das Portfolio der Firma umfasst heute eine relativ große Bandbreite von Marken und Bierstilen, die bekanntesten dürften Bavik, Kwaremont, Petrus und Wittekerke sein. Innerhalb der Sparte Petrus gibt es noch eine weitere Teilung: Petrus Tradition (Blond, Dubbel, Tripel) sowie Petrus Sour Beers (wie der Name schon sagt, alles "typisch" flandrische Sauerbiere, die in den traditionellen Eichenfässern - den foeders - reifen). Das oben erwähnte Probierpaket enthielt von jeder Familie drei Stück, sodass ich dachte, es wäre eine schöne Idee, wenn man jeweils eines aus der einen und eines aus der anderen vorstellt.



Petrus Blond (6,5% Vol.)

Art und Herkunft: Blond, Belgien (Westflandern).

Besonderheiten: Nur mit Aromahopfen gebraut.

Sonntag, 24. Mai 2020

Sind so kleine Biere, Teil C: Het Anker Gouden Carolus Indulgence Hopscure 2018 (8,0% Vol.)

Für alle diejenigen, die in der Schule keine römischen Ziffern hatten: Heute ist die 100. Folge unserer Serie über Biere aus kleinen (oder mittelgroßen) Brauereien gekommen. Der allererste Beitrag erschien schon am 6. April 2012; damals habe ich fast die ganze Arbeit hier im Blog noch alleine gemacht und besprach ein Bier von Rotingdorfer aus der Nähe von Bielefeld.

Welches Bier wir hier zum 100. Jubiläum vorstellen, haben wir uns nicht groß überlegt. So war es denn auch wohl eher Zufall, dass es ein Bier aus einer Brauerei ist, der ich ebenfalls in der Frühzeit (sogar in der Anfangszeit) des Blogs einen längeren Erfahrungsbericht widmete, als ich nämlich das (durch die Dürftigkeit der Unterkunft etwas geminderte) Vergnügen hatte, in der Brauerei Het Anker nicht nur zu verkosten und zu speisen, sondern auch zu übernachten. Lange ist es also her, fast zehn Jahre. Seitdem bin ich weder in Mechelen noch bei Het Anker gewesen und auch was Verkostungen derer Produkte hier im Blog - sei es durch meine Kollegen oder mich - angeht: Fehlanzeige.

Wie ich in meinem ausführlichen Beitrag im Jahr 2011 schon geschrieben hatte: die Firma in ihrer heutigen Form wurde in den Siebzigerjahren des 19. Jahrhunderts gegründet. Sie gehört immer noch der Gründerfamlie, wenn auch natürlich über einige Ecken. Neben etlichen Bieren der Marke Gouden Carolus enthält das umfangreiche Portfolio noch Maneblusser (ein Blondes und ein Weißes), das Boscoli (ein Weißbier mit Fruchtsaft) sowie Single Malt (ebenfalls unter dem Namen Gouden Carolus).

Das Bier, welches wir heute verkosten, kommt aus der Reihe Indulgence, in der nur einmal im Jahr eine neue Kreation präsentiert wird. Het Anker schreibt dazu, es seien alles exklusive Wonnen für besondere Momente oder zum Teilen mit besonderen Menschen. Die 2018er Edition, das Hopscure, wurde aus Anlass des zehnjährigen Jubiläums des Hopsinjoor (eines mehrfach preisgekrönten Pale Ale) kreiert und man verspricht uns ein verfeinertes Gleichgewicht von fünf Hopfensorten sowie Röstmalzen.

Art und Herkunft: Dark Ale, Belgien (Antwerpen).

Sonntag, 17. Mai 2020

Wat ben jij Stout, zeg! (Teil II)

Dank der großzügigen Gastfreundschaft von Plattfuss hatten wir neulich einmal Gelegenheit - unter Wahrung der Sicherheitsabstände, wie ich betonen möchte - in seinem Garten ein paar Stouts aus den Niederlanden zu verkosten, was mir insofern besonders gut auskommt, weil es mir Gelegenheit gibt, an meinen Beitrag Wat ben jij Stout, zeg! vom September 2018 anzuknüpfen. 

Bei gutem - aber nicht supergutem - Wetter gab es diesmal Stouts von Muifel, Emelisse und Uiltje. Von Emelisse hatten wir schon öfter was im Blog, unter anderem hier, darum verzichte ich auf große Einleitungen. Über Muifel haben wir noch nichts weiter berichtet, aber beim Bierfestival in Leiden im letzten Jahr hatten meine Blogkollegen ein paar von ihren Bieren, die sie ingesamt ganz positiv in Erinnerung behalten haben. Die Geschichte der Brauerei und ihres Namens ist ganz witzig. Ursprünglich (2002) war sie eine reine Hobby- und Spaßbrauerei ohne Verkaufsabsichten, ein Projekt von Martin Ostendorf aus Megen an der Maas. Ein paar Jahre später (2006) hatte wohl irgendjemand einen Probesud von ihm in die Finger bekommen, rief an und bat um 500 Liter Bier für ein Weihnachtsgeschenk, das an ausgesuchte Kunden verteilt werden sollte. Da Martin keine Kapazitäten hatte, um einfach so mal 500 Liter zu brauen, musste er das Bier woanders produzieren lassen, natürlich nach seinem eigenen Rezept. So machte er dann ein paar Jahre lang weiter und wuchs und wuchs, bis er 2016 endlich in ein größeres Gebäude ziehen konnte, wo er seit letztem Jahr auch eine passende Brauanlage betreibt. Neben Kreationen für den Eigenvertrieb ist Muifel auch in größerem Stil als Auftragsbrauer tätig. So kann dort z.B. die Gastronomie oder der Handel "eigene" Biere herstellen lassen. Warum nun also Muifel? Eines der ersten Biere, die Martin gebraut hat, war eine Kopie des belgischen Duvel, was auf Hochniederländisch Duivel hieße. Der Name war ihm aber zu nahe an der ursprünglichen Marke, darum wollte er es Megense Duivel nennen, aber weil Betrunkene das nicht gut aussprechen können, bürgerte sich die "Kurzform" Muifel ein. So also.

Uiltje in Haarlem ist viel jünger (2015) und begann auch als dezidiertes Craftbierprojekt von Robbert Uyleman (daher auch der Name). Die Brauerei hat ein sehr umfangreiches Portfolio von Standards und saisonalen Spezialitäten. Viele davon werden - wieder modern! - in Dosen angeboten. Das heute verkostete SGT. Nightvision ist (zumindest über den Onlineshop der Brauerei) nicht mehr erhältlich.


Muifel Black Bastard (9,5% Vol.)

Art und Herkunft: Imperial Stout, Niederlande (Nordbrabant).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Schwarz, mit großer ockerfarbener Krone. In der Nase wuchtige Röstaromen, Metall (Eisenträger), Lorbeer, Jod.

Sonntag, 10. Mai 2020

Quengelware, Teil XI: McIllroy Blended Scotch (40,0% Vol.)

Kurz vor der Maskenpflicht stand ich beim örtlichen Penny-Markt und schaute etwas lustlos an der Kasse herum, als ich plötzlich dieses wunderschön aufgemachte Plastikfläschchen mit echtem schottischem Whisky sah ... sogar eine (schottische?) Burgruine und ein Fantasiewappen zieren das Etikett. Da muss ja der Inhalt noch besser sein? Oder? Oder??

McIllroy ist eine Auftragsarbeit für Penny. Den Vertrieb in Deutschland verantwortet - wenn man das so sagen darf - die Bimmerle KG in 77855 Achern-Mösbach. Kein Nobody, sondern Großhersteller von Obstbränden der Marke Lörch und anderer Spirituosen. Nun, da es ein Scotch ist, haben sie ihn natürlich nur importiert und nicht selbst gebrannt. Sie gönnen ihm auch keinen Eintrag auf ihrer Firmenhomepage; wahrscheinlich wissen sie, warum. Ill heißt im Englischen übrigens "krank": Ich hoffe, das ist kein böses Omen. Es gibt diesen Whisky auch im "richtigen" Großgebinde (0,7 Liter) zu etwa 8,- EUR. Nach Abzug von Kosten für Transport, Flasche, Etikett usw. dürfte nur sehr wenig Geld für den Whisky selber übrig geblieben sein.

Art und Herkunft: Blended Scotch, Schottland.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Blassgelb, eine Farbe wie Weißwein, in der Nase sehr spritig mit wenigen eindeutigen Aromen: Getreidemalz, Vanillin, Backpulver.

Geschmack: Sehr wässriges Mundgefühl und ein unangenehm scharf-ethanolischer Antritt. Kuchenbodenteig. Das war's.

Abgang: Kurz, aber leider mit Nachbrenner.

Fazit/Tipp: Ein günstiger Rachenputzer ohne jegliche Eigenschaften - außer, man zählt Ruppigkeit als Eigenschaft. Hier sind jede Menge Grain Whiskys und nur ganz wenige (junge) Malts am Werke. Geschmacklich gesehen kann man genausogut zu Wodka oder Doppelkorn greifen.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 17. Mai 2020.

Verkostung und Text: Jan B.

Sonntag, 3. Mai 2020

Sind so kleine Biere, Teil XCIX: Gallivant Maori Madness vs. Brouwersnös Frolijke Frans

Über die Brauerei Brouwersnös, ihre Gründer und ihre internationalen Beteiligungen habe ich vor gut zwei Monaten schon einmal geschrieben, die drei "Querschnittsbiere" von ihnen hat unsere Redaktion damals sehr positiv bewertet. Heute nun noch einmal eines ihrer Standards, das Frolijke Frans: ein Pale Ale, welches von den Brauern als herrlich frisch und fruchtig, etwas bitter mit Nuancen von Mandarinen beschrieben wird. Wir sind gespannt; Plattfuss, der es nicht so mit zitruslastigen Hopfensorten hat, eventuell etwas weniger 😉.

Gallivant aus Hengelo ist hingegen hier im Blog - und im Real Life auch fast noch - ein Newcomer. Das Projekt begann 2018 als geistiges Kind von Pim (damals angehender Journalist), Geert (Kneipier und Hobbybrauer) sowie Freek (studierter Wirtschaftswissenschaftler). Vor genau zwei Jahren und einem Tag kam dann ihr erstes Bier in den gastronomischen Umlauf: es war ein kräftiges Weißbier, welches heute natürlich immer noch im Portfolio zu finden ist, zusammen mit einem Tripel, einem Amber einem Bock und eben dem Maori Madness, einem "Pacific Ale". Ich setze den Begriff hier mal in Anführungszeichen, denn es gab vor ein paar Jahre einen etwas bizarren, aber sehr ernsten Rechtsstreit darüber, ob der Begriff einen bestimmten Bierstil (Pale Ales mit Zutaten aus Ozeanien) beschreibt oder ob es sich um ein geschütztes Markenzeichen einer Brauerei handelt, die einem ihrer Produkte diesen Namen gegeben hatte und behauptete, Käufer würden den Begriff automatisch mit ihrem Produkt in Verbindung setzen. Wer sich für sowas interessiert, kann alles (auf Englisch) hier einmal nachlesen. Auf jeden Fall nennt Gallivant das Bier ein "Pacific Ale", weil es mit Hopfen aus Neuseeland gebraut wird.


Gallivant Maori Madness (7,0% Vol.)

Art und Herkunft: Pacific Ale, Niederlande (Overijssel).

Besonderheiten: Gebraut mit Hopfen aus Neuseeland.

Aussehen und Aroma: Weißgelb mit kleiner Krone. Trüb mit starker Sedimentierung.  In der Nase viel Orangen, Pink Grapefruit, Vitaminbrausetablette. 

Sonntag, 26. April 2020

Sind so kleine Biere, Teil XCVIII: Du Bocq Deugniet (7,5% Vol.)

Die Brauerei Du Bocq aus dem Condroz ist eine von denen, die wir hier noch niemals ausführlich im Blog vorgestellt haben, von der wir aber schon einige Produkte auf den verschiedenen Bierfesten der letzten Jahre probieren durften. Ganze zehn Biere habe ich hier auf der Liste, nur eines (das furchtbar quietschige Agrumbocq) haben wir negativ bewertet; alle anderen haben mindestens eine neutrale oder - in den meisten Fällen - positive Punktzahl.

Die Gründung von Du Bocq geht zurück auf einen Herrn Martin Belot, seines Zeichens Landwirt. Wie die meisten Bauern in früheren Zeiten braute er für sich und sein  Gesinde (Familie, Mägde, Knechte) im Winter, wenn wenig bis nichts auf den Feldern zu tun war, Bier. Damit begann er im Jahre 1858. Nach einiger Zeit merkte er, dass er mittlerweile eher Brauer als Bauer geworden war und machte sich konsequent daran, das Unternehmen weiter auszubauen. Nach dem Zweiten Weltkrieg vergrößerte sich die Brauerei durch Zukauf, blieb aber bis in die Sechzigerjahre hinein zusätzlich noch ein Landwirtschaftsbetrieb. Ab den Fünfzigern ging man Schritt für Schritt dazu über, die eigenen Produkte nicht mehr selbst auszuliefern (einige Ältere werden noch die klassischen - teilweise noch von Pferden gezogenen - Bierwagen in Erinnerung haben) und begann mit dem Verkauf über den Zwischenhandel bzw. über die Gastronomie. Bis zum Jahr 2015 blieb die Firma im Besitz der Gründerfamilie, danach wurde sie an eine andere "Brauerdynastie", die Familie Keersemaekers aus dem flämischen Turnhout verkauft. Die Keersemaekers hatten allerdings auch schon vorher Anteile an Du Bocq: dort wurde ihre eigene Biermarke Corsendonk hergestellt.

Zurzeit stellt Du Bocq neben den eigenen Marken noch ein paar "Fruchtbiere" her, die eher für den Export gedacht sind und unter anderen Namen verkauft werden. Das Kernportfolio umfasst insgesamt 15 verschiedene Biere, mit dem Fokus auf Weißbieren (Blanche de Namur) sowie verschiedenen anderen traditionellen Sorten (in der Reihe Gauloise). Das heute hier vor uns in der großen Flasche stehende Deugniet ("Tunichtgut") ist laut Firmenangaben ein fruchtiges und leicht blumiges Tripel, das Etikett spricht allerdings etwas "durch die Blume" von einem goldblonden belgischem Spezialbier.

Art und Herkunft: Tripel, Belgien (Namur).

Sonntag, 19. April 2020

Sind so kleine Biere, Teil XCVII: Kompaan Vrijbuiter vs. Bronckhorster Nightporter

Zum Abschluss dieser kleinen "Serie in der Serie" haben wir nun noch einmal zwei Biere aus den Niederlanden. Zur Stunde bangt unsere Redaktion ja um den Besuch des Van Moll Fest 2020 in Eindhoven, das für Ende August geplant ist ...

Sowohl von Bronckhorster  als auch von Kompaan (die haben jetzt in der Coronakrise einen "Drive Thru") hatten wir ja schon Biere im Blog, von ersterer sogar vor kurzem noch, als deren Hoptimist sang- und klanglos verrissen wurde. Bei Kompaan aus Den Haag ist es gut drei Jahre her, damals kam ihr Bondgenoot gut an. Von beiden Brauereien gibt es heute ein kräftiges Porter; sie waren bei unserer "langen Nacht der Verkostungen" auch die beiden letzten Kandidaten.

Kompaan Vrijbuiter (7,1% Vol.)

Art und Herkunft: Double/Strong Porter (historisch: Stout), Niederlande (Südholland).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Dunkelbraun bis schwarz mit einer kleinen elfenbeinfarbenen Krone. In der Nase reichhaltige Aromen von Kaffee, Lakritze und Veilchenbonbons.Gelder

Geschmack: Kräftige dunkle Schokolade (aber nicht diese ganz trockene!) sowie schwarze Johannisbeeren und ein großer Schluck kalter Kaffee.

Abgang: Mittellang und eher herb als malzig. Immer noch Lakritze.

Fazit/Tipp: Ein wirklich kräftiges Porter, das aber sehr harmonisch wirkt und angenehm runtergeht.


Bronckhorster Nightporter (8,0% Vol.)

Art und Herkunft: Double/Strong Porter (s. oben), Niederlande (Gelderland).

Besonderheiten: -

Sonntag, 12. April 2020

Sind so kleine Biere, Teil XCVI: Battin Fruitée (4,3% Vol.)

Als es um das Verteilen der Arbeitsaufgaben bei den Notizen für unseren niederländisch-luxemburgischen Verkostungsmarathon ging, habe ich mich bei diesem Bier direkt freiwillig gemeldet, denn ich bin - wie jeder, der diesen Blog schon länger verfolgt, weiß - ein großer Fan von Fruchtbieren gleich welcher Art, seien es nun Krieks oder auch mal ein Mongozo Banana aus der Kokosnussschale 😋.

Das heute verkostete Fruitée von Battin ist deren einziges Fruchtbier. Ansonsten bietet die Brasserie Nationale unter dieser Marke hauptsächlich Sorten an, die in der BENELUX ebenfalls zu den traditionellen gehören: Tripels (siehe Jans Verkostung letzte Woche), Blonde, Braune, ... So ganz handwerklich geht die Brauerei bei der Herstellung des Fruitée nicht vor, denn anders als z.B. bei einigen ganz traditionellen Bieren aus Belgien, an die man denken könnte, sind hier wohl keine ganzen Früchte verwertet worden, sondern man spricht von "Fruchtaromen". Nun ja, für die Massenproduktion bietet sich das sicherlich - vom Kostenstandpunkt her gesehen - auch eher an. Was das food pairing angeht, empfiehlt die Webseite die Kombination mit Obstkuchen, Schokoladenpudding oder auch Fruchtsorbets.

Art und Herkunft: Fruchtbier, Luxemburg (Capellen).

Besonderheiten: Mit Fruchtaromen von Brombeere, Pflaume und Kirsche.

Aussehen und Aroma: Rosé bis kirschrot und mit einer leicht rosafarbenen luftigen Krone. 

Sonntag, 5. April 2020

Sind so kleine Biere, Teil XCV: Battin Triple vs. Simon Okult Triple

Heute im direkten Vergleich: zwei weitere Biere aus Luxemburg, beides Tripel. Warum heißt das eigentlich so? Diese Sorte wird traditionell mit einer größeren Menge Malz ("dreimal so viel") gebraut wie normale Pale Ales (Tripel ist eine Variation davon), darum. Zumindest ist das eine Erklärung, nicht unbedingt die Erklärung. Auf jeden Fall kommt dieser Bierstil ursprünglich aus Belgien; nachweisbar ist der Name seit 1956, als er bei der Brauerei Westmalle zum ersten Mal verwendet wurde.

Die beiden luxemburgischen Vertreter kommen aus Brauereien, die wir schon im ersten Beitrag über Biere aus dem Großherzogtum vorgestellt hatten: Battin (Brasserie Nationale) und Simon. Bei Simon ist Okult eine eigene Markenfamilie, in der vor allem "Spezialbiere" gebraut werden. Das Tripel wird aus drei verschiedenen Getreidesorten gemacht, nämlich Gerste, Weizen und Hafer. Battin verspricht uns "fruchtige Aromen und frische würzige Noten". Alle beide haben kräftig Umdrehungen, wie sich das für Tripels gehört.

Battin Triple (8,0% Vol.)

Art und Herkunft: Tripel, Luxemburg (Capellen).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Goldgelb in der Farbe, mit kleiner Schaumkrone. In der Nase ein süßer Hauch von Nichts, ganz dezente (wirklich sehr dezente!) Röstaromen.

Sonntag, 29. März 2020

Sind so kleine Biere, Teil XCIV: Heupink Othmar Blond vs. Bronckhorster Hoptimist

In diesen Tagen denke ich gerne mit meinen Kollegen vom Blog daran zurück, was wir in den letzten Jahren so alles gemeinsam verkostet, unternommen und gesehen haben. Da war ein sehr schöner Ausflug in das kleine Örtchen Ootmarsum, bei strahlendem Sonnenschein vor etwas mehr als einem Jahr. Unter anderem haben wir uns damals die kleine Brennerei Sculte angeschaut, wo unter anderem auch Whisky hergestellt wird. Was wir hingegen an diesem Tag nicht mehr geschafft haben, war ein Besuch bei der ebenfalls ortsansässigen Brauerei Heupink (eigentlich Ootmarsummer Bierbrouwerij Heupink & Co., scheinen jetzt aber dazu über zu gehen, ganz unter dem Markennamen Othmar zu firmieren). Im Jahre 1999 gegründet, nach einem Umzug im Jahr 2017 mittlerweile eine Kapazität von 20 Hektolitern pro Braugang - und das alles nach dem deutschen Reinheitsgebot (warum auch immer). Das feste Sortiment umfasst zurzeit 10 Sorten, worunter auch z.B. "natürlich" ein Bockbier, ein Tripel, usw. Das heute verkostete Blond ist nach Angaben der Brauerei geeignet für viele Momente, sowohl für warme Tage auf der (Café-)Terrasse als auch nach einem intensiven Arbeitstag. Das hört man doch gerne.

Von Bronckhorster hatte ich vor zwei Jahren hier schon mal etwas im Glas, und zwar deren Bockbier, das ich zusammen mit ein paar anderen Bieren der gleichen Sorte verkostet und für meine Verhältnisse (eher pessimistische Einstellung gegenüber Bockbieren) sogar ganz gut bewertet hatte. Mit einer UVP von 3,49 für 33 cl ist das Hoptimist ein eher hochpreisiges Bier aus ihrem Sortiment.

Othmar Blond (6,5% Vol.)

Art und Herkunft: Blond, Niederlande (Overijssel).

Besonderheiten: Nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut.

Aussehen und Aroma: Dunkelblond und etwas trübe. Sehr große und feste Krone. Ziemlich fruchtig, mit Noten von Aprikose, Pfirsich und Zitrone. Ein Hauch von frischer Zuckerwatte.

Geschmack: Würzig und malzig mit geröstetem Brot. Eine relativ starke alkoholische Note. Überreifer Rucola.

Abgang: Mittel und alkoholisch-malzig.

Fazit/Tipp: Eher einem belgischen "Strong Blond" (think Duvel) nachempfunden.


Bronckhorster Hoptimist (9,5% Vol.)

Art und Herkunft: Imperial (Double) IPA, Niederlande (Gelderland).

Sonntag, 22. März 2020

Einsendungen, Teil XII: Bunnahabhain Staoisha 5 J. 2014/2020 (60,4% Vol.) (Whic War of the Peat III of XIII)

Eine echte Premiere im Blog heute: wir haben hier noch niemals - in all den Jahren nicht - einen Whisky von Bunnahabhain verkostet. Warum nicht? Gute Frage. Wahrscheinlich, weil Bunnahabhain als eine der "weniger torfigen" Destillerien von Islay gilt, wobei dieser Ruf offensichtlich nicht so ganz begründet ist, wenn er nun schon in der War of the Peat-Reihe von Whic auftaucht (und auch schon wieder ausverkauft ist). Jedenfalls ist ja unsere Redaktion schon seit geraumer Zeit stramm auf Torf-Kurs, sodass wir die Brennerei aus Port Askaig bislang vielleicht nicht ganz so stark beachtet haben.

Whisky von Bunnahabhain wurde zum ersten Mal im Jahre 1883 hergestellt. In den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts war die Destillerie einige Zeit lang geschlossen; das Flaggschiff der Firma - den zwölfjährigen Single Malt - gibt es erst seit 1979. Nach mehreren Besitzerwechseln gehört das Unternehmen seit nunmehr sieben Jahren zur südafrikanischen Distell-Gruppe (unter anderem auch Tobermory und Deanston). Seit 2010 werden die Whiskys nicht mehr kaltfiltriert oder gefärbt. Zu finden sind sie unter anderem in bekannten Blended Scotches wie Black Bottle oder Cutty Sark.

Ich tue mich schwer damit, den Staoisha (der nach einem in der Nähe der Brennerei gelegenem See benannt ist) als Originalabfüllung zu finden. Wird er eventuell nur an bzw. über Unabhängige abgegeben? Die ersten hundert Treffer oder so auf Google sind jedenfalls meistens Abfüllungen von Signatory oder von Ultimate Whisky. Naja, und jetzt halt von Whic.



Art und Herkunft: Single Malt, Islay.

Sonntag, 15. März 2020

Sind so kleine Biere, Teil XCIII: Diekirch Unfiltered vs. Diekirch Grand Cru

Als ich mich an die Tastatur gesetzt habe, dachte ich darüber danach, ob ich in diesen Tagen - den Tagen der weltweiten "Corona-Pandemie" - irgendwas dazu schreiben, oder ob ich einfach wortlos zur Tagesordnung übergehen soll. Da das Virus mittlerweile auch Einfluss auf das Leben von uns harmlosen Alkoholbloggern nimmt, dachte ich aber, ich sage vielleicht doch ein, zwei Worte dazu. Der wöchentliche Stammtisch unserer Redaktion findet zurzeit bei jeweils einem von uns zuhause statt; zwei von uns haben eigentlich für nächstes Wochenende ein Whiskytasting gebucht und wissen nicht, ob es stattfindet, usw. Das Ganze natürlich wie bei allen anderen on top of Änderungen im Berufsleben, Sorgen um die eigene Gesundheit und die anderer.

Jan, der Literaturwissenschaft studiert hat, meinte, wir könnten es ja machen wie Fürst Prospero in Die Maske des Roten Todes und uns mit all unseren Biervorräten in ein abgelegenes Schloss zurückziehen, aber in Ermangelung eines solchen bleibt es zunächst bei der oben erwähnten Verlagerung unseres Stammtisches in den privaten Rahmen.

Heute folgt, wie schon im letzten Beitrag von mir angekündigt, ein weiteres Ergebnis unseres redaktionellen Verkostungs-Marathons niederländischer und luxemburgischer Biere. Auch im eigentlichen Sinne keine "kleinen" Biere, denn die herstellende Brasserie de Luxembourg (BdL) gehört zum belgisch-amerikanisch-internationalen Braumoloch AB InBev, aber sei es drum. Zumindest ist das Verbreitungsgebiet des Bieres ja trotz allem überschaubar. Ich kann mich nicht erinnern, es jemals außerhalb von Luxemburg gesehen zu haben.

Die BdL entstand erst im Jahr 2000 durch eine Fusion zweier anderer Großbrauereien. Die beiden Marken, die heute hergestellt werden - Diekirch und Mousel (keine eigene Webseite) - verweisen auf die beiden ursprünglichen Firmen, welche seit 1871 bzw. sogar schon seit 1825 bestanden hatten. Nach der Übernahme durch AB InBev im Jahre 2002 war kurz die Rede davon, die Produktion der beiden Biermarken solle ins belgische Hauptwerk in Leuven verlagert werden, aber nach lauten Protesten beschloss der Mutterkonzern, die Biere weiterhin in Diekirch selbst herstellen zu lassen.


Das "normale" Diekirch ist das Premium, ansonsten gibt es zurzeit noch einige weitere Produkte unter dem Markennamen, z.B. ein Weihnachtsbier, aber auch die beiden heutigen Testkandidaten.




Diekirch Unfiltered (5,5% Vol.)

Art und Herkunft: Lager, Luxemburg (Diekirch).

Sonntag, 8. März 2020

Einsendungen, Teil XI: Secret Speyside 14 J. 2005/2019 (64,1% Vol.) (Whic Nymphs of Whisky Batch #2)

Ja, sorry, liebes Team von whic.de. Aber so schnell, wie ihr den Schnaps verkauft, kann unsereins ihn ja gar nicht verkosten bzw. besprechen. Auch die letzte Abfüllung der zweiten Serie von Nymphs of Whisky ist schon wieder vergriffen: 318 Flaschen gab es von dem Secret Speyside, welcher im Sherryfass reifen durfte bzw. musste - je nach Standpunkt. Eine nicht näher genannte oder angedeutete Destillerie hat ihn gebrannt. Das bringt mich zum nächsten Problem: worüber soll ich den Einleitungstext schreiben, wenn ich gar nicht weiß, woher der Whisky kommt?

Vielleicht ein bisschen darüber, wie sich das "Lebenswasser" aus dieser Region in den letztenm Jahren verändert hat? Als ich anfing, Single Malts zu trinken (wie meine Blogkollegen eher deutlich nach der Jahrtausendwende), waren Speysider (Speyburn, Macallan, Balvenie u.a.) sowas wie unsere "Einstiegsdroge". Tatsächlich sagt man den Whiskys aus dieser Region nach, eher anfängertauglich zu sein, da ihr Erscheinungsbild typischerweise mild, eher süß und nicht sehr rauchig sei. Für viele Produkte aus der Speyside trifft das sicherlich zu, aber wenn man längere geschichtliche Zeiträume in den Blick nimmt, ist es schon deutlich schwieriger, von einem einheitlichen "Regionalcharakter" zu sprechen. Historisch gesehen hat es - gerade vor dem großen Boom ab Mitte des 19. Jahrhunderts - selbstverständlich auch kräftige, rauchige bis torfige Speysider gegeben.

Und: es gibt sie heute auch wieder. Alle größeren Brennereien, die etwas auf sich halten, haben mittlerweile mindestens einen eher torfigen Vertreter im Angebot. Da macht selbst Platzhirsch und Zugänglichkeitsweltmeister Glenfiddich keine Ausnahme. Und auch hier im Blog hatten wir schon öfter mal was im Angebot, zum Beispiel von Benriach oder von Tomintoul. Der heutige Bewerber wird aber eher kein "Ausreißer" in Richtung Torfigkeit sein, wenn ich Melisas Ankündigungsmail richtig gelesen habe: allerdings verspricht sie neben Marmelade und Rosinen auch Pfeifentabak und Leder, sodass es zumindest doch nicht nur süß werden wird. Woher er wohl kommt? Naja, Glenfarclas macht ja sehr viel mit Sherryfässern, also vielleicht daher? Man wird es wohl nie erfahren.



Art und Herkunft: Single Malt, Speyside.

Sonntag, 1. März 2020

Sind so kleine Biere, Teil XCII: Ourdaller Hanna vs. Funck-Bricher Blonde Bio

Wenn wir hier in den nächsten Wochen über Bier schreiben, dann sind die meisten Beiträge das Resultat einer Marathonsitzung unserer Autoren, die wir vor etwa drei Wochen abgehalten haben. Wir wollten nun endlich mal alle "Vorräte", die sich so über die Zeit angehäuft hatten, bei dieser Gelegenheit verkosten.

Als wir uns bei Jan trafen, stand also - neben einem kleinen Imbiss - eine ziemlich große Auswahl an luxemburgischen (von einem Kollegen von Jan gespendet) und niederländischen (von uns auf verschiedenen Ausflügen gesammelt) Bieren auf dem Tisch. Die beiden ersten, die wir verkosteten (und die ich heute vorstelle), waren diejenigen, die wir für die "leichtesten" hielten, tatsächlich zwei Stück aus Luxemburg. Keiner von uns weiß sehr viel über Luxemburger Biere; natürlich waren Jan und ich in unserer Kindheit und Jugend öfter dort, aber eigentlich - so behaupten wir mal - kennt man außerhalb der Grenzen des Großherzogtums wohl am ehesten die Marken Diekirch und Bofferding.

Das Letztgenannte ist wahrscheinlich das bekannteste Produkt der Brasserie Nationale (BN). Sie ist ab dem Jahr 1975 aus der Fusion dreier Brauereien - Funck-Bricher, Bofferding und Battin (diese wurde erst 2004 zugekauft) - hervorgegangen. Alle Biere der Firma werden heutzutage an einem einzigen Standort hergestellt, die ehemaligen Tochterfirmen treten nur noch als unterschiedliche Marken auf. Funck-Bricher ist dabei die älteste der drei, denn die ehemalige Brauerei wurde schon 1764 gegründet. Heutzutage vertritt sie die "Bio-Sparte" der BN und unter diesem Namen wird einzig und allein das Blonde hergestellt.


Bei der Brasserie Simon, einem weiteren big player (gegründet 1824), wird der zweite Kandidat des Abends gebraut. Im Jahr 2006 erwarb Simon die kleine Ourdaller Brauerei, in der bis auf weiteres die eher "craftigen" Biere der Firma hergestellt werden. Die Marke "Ourdaller" ist verbunden mit dem Naturpark Our, woher auch viele andere regionale Produkte stammen. Bei Ourdaller werden neben dem Hanfbier Hanna auch noch drei weitere Biere (Wellen, Karel und Waissen) gemacht.




Ourdaller Hanna (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Spezialbier, Luxemburg (Clerf).

Besonderheiten: Mit Hanf aromatisiert. 

Aussehen und Aroma: Heller Bernstein und etwas trüb. Kleine und schnell verfliegende Krone. Dezente, aber "grasige" Nase. Plattfuss fühlte sich an ein Duschgel erinnert.

Geschmack: Feinperlig mit einem herben Antritt. Würzig-erdige noten von feuchtem Stroh. Plastik?

Sonntag, 23. Februar 2020

Sind so kleine Biere, Teil XCI: Ne Toffen vs. Willemken vs. Dikke Toon (Brouwersnös)

Der heutige Beitrag ist eine Art Nachklapp zu einem redaktionellen Beisammensein und Biertasting im Hause Plattfuss vor ein paar Wochen. Einige der Biere waren "außer Konkurrenz", aber die drei, über die ich heute berichte, hatten wir vorher noch nie probiert und sie weckten von Beginn an unser Interesse.

Wenn man sich die Flaschen anschaut, dann erinnern sie einen sehr stark an die Aufmachung der Produkte der Rügener Insel-Brauerei (RIB). Erst dachten wir: "schamlos abgekupfert", aber nein - die drei Gründer von Brouwersnös (Jos Oostendorp, Andries de Groen, Frans de Groen) sind laut ihrer Webseite gleichzeitig Miteigentümer bei der RIB, bei der Anderson Valley Brewing Co. (USA) sowie bei Wilderen (Belgien). Daher also kommt wohl die "Inspiration".

Brouwersnös selbst war so eine Art Auftragsarbeit. Die Bürgermeisterin von Groenlo (das liegt im so genannten Achterhoek, dicht an der Grenze zu Deutschland) war der Meinung, dass die Gemeinde eigentlich wieder (bis Anfang des 21. Jahrhunderts saß Grolsch hier) eine eigene Brauerei haben sollte. Die Stadt war auch bereit, potenziellen Investoren bzw. Gründern finanziell bzw. mit Immobilien entgegen zu kommen, und so konnte dann tatsächlich im Jahre 2018 die Produktion beginnen. Das -nös im Namen der Brauerei hat übrigens nichts mit dem niederländischen Wort neus = Nase zu tun, sondern kommt aus dem lokalen Dialekt ("Niedersächsisch") und bedeutet so viel wie "Nest".

Insgesamt sind zurzeit neun verschiedene Produkte im Angebot; getestet haben wir "querbeet" drei davon.


Brouwersnös Ne Toffen (3,8% Vol.)

Art und Herkunft: Amber Ale, Niederlande (Gelderland).

Besonderheiten: -

Samstag, 22. Februar 2020

Zwischendurch: PlagScan

Vor einiger Zeit fiel uns auf, dass in unseren Nutzungsstatistiken häufiger mal als Zugriffsquelle plagscan.com auftaucht. Wer es nicht kennt: das ist ein Online-Tool zum Auffinden von Plagiaten im Netz, aber auch in Textexzerpten. Man kann sich da einen Account einrichten (es gibt einen kleinen "Freibetrag" an Text, den man für umme testen lassen kann) und - sofern man dafür bezahlt - nach Lust und Laune Plagiate suchen gehen.

Nun, wer sollte Interesse daran haben, unseren harmlosen kleinen Blog nach Plagiaten zu durchsuchen? Ich vermute mal: findige (und potenziell sogar windige) "Abmahnanwälte" zum Beispiel. Da wir unsere Texte untereinander immer besprechen und ich hier als ViSdP für alle Beiträge geradestehe, lässt mich das ziemlich kalt, denn ich weiß ja, das alles, was wir schreiben, aus unseren Federn bzw. Keyboards bzw. Alkoholexzessen entspringt, und wenn wir wirklich mal was zitieren, dann machen wir das natürlich kenntlich, z.B. durch eine veränderte Type oder ähnliches und wenn tatsächlich aus irgend einem Grunde mal was sein sollte - wozu gibt es Anwälte und Rechtsschutzversicherungen?

Aber davon abgesehen: mich hat mal interessiert, wie Plagscan so funktioniert und was die fleißigen Nutzer, die damit unsere Seiten scannen, damit wohl finden oder zu finden hoffen. Ich habe mir also mal einen Testaccount geholt und mit dem geringen Anfangsguthaben einen unserer eigenen Texte analysieren lassen. Es handelt sich um diesen Beitrag vom 29. Juli 2018. Ich lasse die Suchfunktion also laufen und bämm! - es kommt die Rückmeldung: "PlagLevel" über 96% (siehe Screenshot).


Huch! Wie kann das denn sein?? Nun, klappen wir das Ergebnis mal auf. Es gibt die Möglichkeit, sich den Teil des Textes, der als "Plagiat" erkannt wurde, markieren zu lassen. Zur besseren Erkennbarkeit habe ich das mal im folgenden Screenshot zusätzlich mit einem Rahmen versehen:


Wie man sieht, handelt es sich bei der "beanstandeten" Textstelle um eine kurze Erwähnung einer Künstlerin, die für das Design eines Flaschenetiketts verantwortlich war. Offensichtlich haben wir diesen Text irgendwo "abgeschrieben", aber wo? Keine Sorge, Plagscan zeigt an, in welchen anderen Quellen dieser Text zu sehen ist, siehe im nächsten Screenshot:

Ihr merkt es selber, oder? Plagscan teilt mir mit, dass der Text auf Blog Blong Dring aus der Quelle Blog Blong Dring "plagiiert" wurde. Wir haben also bei uns selbst abgeschrieben, und zwar auch noch wortwörtlich, pfui Teufel. Ist auch kein Wunder, denn alle drei "Quellen" sind letztendlich der selbe Text: Quelle 1 (aus der Monatsübersicht Juli 2018), Quelle 2 (der eigentliche Text mit vollständigem Datumsstempel) und schließlich Quelle 3 (aus der Jahresübersicht 2018).

Ich glaube, man muss kein Genie sein, um an dem o.a. Beispiel die Schwachstelle dieser Art von Plagiatssuche zu sehen. Eine einfache Google-Suche mit Textexzerpt liefert übrigens ähnlich "gesicherte" Ergebnisse. 

Viel Spaß dann weiterhin beim Stöbern, Zwinkersmiley.

Text (ganz ehrlich wirklich selbst ausgedacht und geschrieben): Jan B.