Sonntag, 19. Januar 2020

West Cork Rum Cask NAS (46,0% Vol.)

Vor fast genau einem Jahr habe ich an dieser Stelle die über unsere erste Verkostung eines Whiskeys von West Cork Distillers (WCD) geschrieben, und zwar die des Peat Charred Cask, der mir damals ganz gut gefallen hat. Wenn ich so zurückdenke, stand er noch bis Mitte des Jahres in meinem Regal, bis ich ihn dann irgendwann beim Restetrinken "zum Abschuss freigegeben" habe. Unter dem Strich also solide Qualität im Alltag, die jedoch nicht automatisch zum nächsten und übernächsten Glas verleitete. Heute nun also aus derselben Destillerie ein weiterer Single Malt ohne Jahresangabe, diesmal im Rumfass from the West Indies nachgereift. Übrigens nicht dieser Whiskey auf deren Homepage, denn wer genau hinschaut, bemerkt, dass die Volumenprozente nicht übereinstimmen.

Überhaupt scheinen sehr viele neue oder neu interpretierte Produkte in der Röhre zu sein, wenn man nach der Häufigkeit des Tags coming soon geht. Hauptsächlich gehen WCD jetzt wohl konsequent in Richtung verschiedener Finishings; die Whiskeys mit Altersangabe sind hingegen mittlerweile von der Homepage verschwunden. Nebenher werden aber auch immer noch Gin und Wodka (unter den Marken Two Trees bzw. Garnish Island) hergestellt. Die heute hier vor uns stehende Flasche, die ein Weihnachtsgeschenk war, ist online für um die 28,- EUR zu haben.


Art und Herkunft: Single Malt, Irland (Cork).

Sonntag, 12. Januar 2020

Gran Duque de Alba Xtra Old NAS (40,0% Vol.)

Wie viele spanische Weinkellereien in dem Gebiet rund um Jerez tragen auch die Bodegas Williams & Humbert einen englisch oder zumindest britisch klingenden Namen (siehe z.B. auch Osborne). Die Briten entwickelten im 17. und 18. Jahrhundert einen derart großen Durst nach dem in der Gegend heimischen Likörwein, den sie Sherry nannten, dass einige findige britische Kaufleute auf die Idee kamen, doch lieber selbst dort Weingüter und -kellereien zu gründen, als sich auf den damals recht unzuverlässigen Import zu verlassen.

Auch Williams & Humbert (W&H) geht auf so eine Initiative zurück. Gegründet wurde die Bodega im Jahr 1877 von Sir Alexander Williams (der ansonsten so unauffällig gelebt haben muss, dass er noch nicht einmal einen Eintrag bei Wikipedia hat) und Arthur Humbert (dito). Sie ist heute jedoch nicht mehr im Besitz der Gründerfamilie, sondern wurde schon vor einigen Jährchen von der Firma Luis Paez gekauft, die sich damals zu jeweils 50% im Besitz von José Medina & Co. sowie der niederländischen Ahold (Albert Heijn!) befand. Im Jahr 2005 kauften die Medinas die Niederländer aus und seitdem heißt diese Tochtergesellschaft nicht mehr Luis Paez, sondern Williams & Humbert.

Wie die meisten dieser großen Bodegas verdienen W&H ihr Geld bei weitem nicht nur mit Wein und Weinbrand: hergestellt werden unter anderem auch Rums, Liköre, Gin (!) nebst Lebensmitteln wie Käse und Schinken. Der Brandy der Firma wird - wie üblich - nach dem Solera-Verfahren "vermählt" (verschnitten), sodass keine konkreten Altersangaben möglich sind. Der heute vorgestellte Grand Duque de Alba (ein sehr unglücklicher Name für Bewohner der ehemaligen spanischen Niederlande) Xtra Old wurde verschnitten aus zwei anderen Brandys, nämlich dem normalen Gran Duque de Alba sowie dem Gran Duque de Alba Oro. Er kostet online so Pi mal Daumen 45,- EUR.


Art und Herkunft: Brandy/Weinbrand, Spanien (Andalusien).

Sonntag, 5. Januar 2020

Sind so kleine Biere, Teil LXXXVIII: Maallust De Pauper Spelt Bier (5,5% Vol.)

Das Dorf Veenhuizen kannte ich bisher noch nicht, aber die Recherche für diesen Artikel hat so viel Interessantes zutage gefördert, dass ich beschlossen habe: da fahre ich mal hin! Es wurde bereits im 14. Jahrhundert zur Urbachmachung der großen Sumpfgebiete in der Umgebung gegründet. Im 19. Jahrhundert siedelte die niederländische "Gesellschaft für die Wohlfahrt" dort arme Menschen, Bettler, Landstreicher und Waisenkinder an, damit diese außerhalb der überfüllten Armenghettos in den großen Städten einen Lebensunterhalt erwerben konnten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts übernahm der Staat die Siedlung und widmete sie zu einem großen Gefängniskomplex um, in dem die Strafgefangenen sich im Rahmen des Möglichen selbst versorgen sollten. Seit 1981 ist Veenhuizen wieder für die Allgemeinheit zugänglich, aber Gefangene leben und arbeiten dort noch immer.

Neben ein paar gastronomischen Betrieben gibt es hier seit 2011 auch die Brauerei Maallust, die von einer Gruppe von 25 Investoren gegründet wurde. Sie befindet sich in denjenigen Gebäuden der Gefängniskolonie, die früher die Getreidemühle, die Molkerei und das Getreidesilo beherbergten - ein passender Ort also. Angeschlossen ist ebenfalls eine Kneipe, in der die Produkte der Brauerei in aller Ruhe verkostet werden können. Das gegenwärtige Portfolio umfasst zehn Biere, die allesamt Namen tragen, die irgendwie mit der Geschichte Veenhuizens zu tun haben. Das heute verkostete Dinkelbier (Dinkel ist eine sehr alte, traditionell schon immer zum Brauen verwendete Getreidesorte) heißt z.B. De Pauper, auf Deutsch: Der (oder Die) Arme.

Art und Herkunft: Spezialbier/Blond, Niederlande (Drenthe).

Besonderheiten: Aus Dinkelmalz gebraut.

Aussehen und Aroma: Die Brauerei empfiehlt den Verzehr aus einem Pokalglas. Unter diesen Umständen hat das De Pauper keine Schaumkrone. In der Farbe ist es goldblond. In der Nase zeigen sich Noten von frischem Brot und leichter Orangenzeste, mit deutlich süßem Malz.