Sonntag, 22. November 2020

Sind so kleine Biere, Teil CXI: Vet & Lazy

Die Brauerei Vet & Lazy aus Rotterdam gibt es bereits seit 2015, als zwei Jungs (Ruben und Okke) beschlossen, selber Bier zu brauen - zunächst in einem Weck-Kocher mit 30 Liter, dann schon in einer eigenen Anlage (die aber laut deren Webseite auch schon letztes Jahr erweitert werden sollte) für 800 Liter. Die mengenmäßig sehr gut "laufenden" Biere werden oder wurden darüber hinaus auch bei anderen Brauereien hergestellt. Zurzeit sind vier verschiedene Sorten im Dauersortiment; saisonale und andere Ware kommt bei Gelegenheit dazu.

Tom hat uns von seinem Urlaub in Rotterdam neben dem Bierpaket von Kaapse Brouwers auch noch einen niedlichen Viererträger mit drei Standards und einem "Spezial" von Vet & Lazy mitgebracht. Die Flaschen sehen sehr schön aus und haben alle liebevoll gestaltete Etiketten. Auch die "witzischen" Namen gehören heute auf jeden Fall dazu 😉.


Vet & Lazy Dubbel Wit Zomerfit (7,0% Vol.)

Art und Herkunft: Witbier, Niederlande (Südholland).

Besonderheiten: Mit Kardamom, Szechuanpfeffer, Orangen-, Grapefruit-, und Limonenschale.

Aussehen und Aroma: Dunkles Gelbweiß und wenig Krone. Starke Ablagerungen. Die Orangenschale ist in der Nase sehr dominant.

Geschmack: Vollmundig und für ein Witbier überraschend herb. Auch hier wieder viel Zitrusfrucht.

Abgang: Mittellang und herb.

Fazit/Tipp: Tatsächlich sehr sommerlich und durstlöschend. Die verschiedenen Gewürze kommen nicht so recht gegen die fruchtigen Noten an. Alles in allem sehr gefällig.


Sweet Baby Jesus (5,6% Vol.)

Art und Herkunft: Weizenbier, siehe oben.

Sonntag, 15. November 2020

Projekt Braugarten, Teil X: Mosaic IPA (6,2% Vol.)

Wir sind etwas nachlässig gewesen mit unseren Verkostungsnotizen: seit dem Mild Session Ale haben wir ja - außer dem turnusmäßigen Weihnachtsbier - schon drei weitere Biere hergestellt: Das 4-40 Oatmeal Stout, das Vorstandspils und das Mosaic IPA. Beim Stout müssen wir mal schauen, ob wir noch irgendwo eine Flasche rumfliegen haben, um das Pils kümmere ich mich ein anderes Mal und das IPA ... ja, das IPA machen wir heute.

Ein IPA zu brauen war uns schon lange ein großes Anliegen, aber irgendwie haben wir es immer vor uns hergeschoben. Und: wir haben ja den Anspruch, Biere zu brauen, die wir auch selbst gerne trinken würden. Und da gehen die Meinungen, wie ein IPA zu schmecken hat, im Team doch teilweise sehr stark auseinander. Der eine mag keine starke Bitterkeit, der andere keine würzigen bzw. grasigen Noten, usw. usw.

Der Kompromiss war, ein sehr fruchtiges IPA zu brauen; mit der entsprechenden Kombination des richtigen Hopfens mit der richtigen Hefe sollte das kein Problem sein. Entschieden haben wir uns letztendlich für eine Zusammenarbeit von Mosaic (und zwar NUR Mosaic) sowie der SafAle S-33 von Fermentis. Für den richtigen Hopfenwumms haben wir uns der guten alten Kalthopfung bedient und eine ordentlich Schaufel Mosaic in die Gärbottiche geworfen. Leider ist die Gesamtausbeute nicht ganz so groß wie erhofft: in einer der Chargen ist die Hefe wohl durch andere Bakterien infiziert worden und der Inhalt des Bottichs ist "umgekippt". Sehr schade, aber aus Schaden wird man klug (wenn auch niemals reich).

Art und Herkunft: Single Hop IPA, Deutschland (Niedersachsen).

Sonntag, 8. November 2020

Sind so kleine Biere, Teil CX: Wentersch

 Eines mal ganz schnell vorweg, bevor wir uns in die Haare kriegen. Die Brauerei wird nicht "WenterSCH" ausgesprochen, so mit einem dicken fetten "sch" wie in Schwamm oder Scheiße oder so. Das niederländische "sch" am Ende des Wortes wird wie ein etwas vernuscheltes "s" gesprochen. Auch nach knapp 35 Jahren in Deutschland treibt mich das echt in den Wahnsinn, wenn Deutsche das "sch" so grauenvoll verhunzen. Und wo wir gerade davon reden: der niederländische Fußballer und Trainer wird nicht "Ruth Gullitt" ausgesprochen, sondern "Rüüd Chüllid". Und der belgische Fußballer heißt nicht "Käwin die Bräune", sondern "Kevin de (kurz!) Bröjjne". Um Himmels Willen nochmal ...

Räusper. Sorry für den Rant. Es geht also heute um niederländische Biere der Marke Wentersch (nett, mit deutscher Version). Der Name bezieht sich auf die Gemeinde Winterswijk im Achterhoek; die lokale Mundart bezeichnet man als Niedersächsisch bzw. Nedersaksisch, was jedoch sehr wenig bis gar nichts mit dem gleichnamigen deutschen Bundesland zu tun hat. Die Brauerei wurde 2016 gegründet und produziert, wenn ich es richtig mitbekommen habe, seit 2017. Die Webseite vermeldet, dass die Brauanlage von der österreichischen Firma Labu Buchrucker gebaut wurde, welche sich auf den Bedarf großer Hobbybrauer bzw. kleiner gewerblicher Brauer spezialisiert hat. Bei meinem letzten Besuch in Enschede (kurz vor dem 2. Kapitel dieser saudämlichen Pandemie) habe ich einfach mal im Albert Heijn kräftig ins Regal gegriffen und ein paar Flaschen in den Einkaufswagen gelegt.


Wentersch Gevloerd (6,0% Vol.)

Art und Herkunft: Spezialbier/Weizenbier, Niederlande (Gelderland).

Besonderheiten: Das Malz kommt von einem traditionellen Malzboden aus der Region.

Aussehen und Aroma: Hellgelb, trüb, mit großer, stabiler Krone. Ganz leichte Zitrusnoten.

Geschmack: Beginnt wie ein traditionelles Witbier, hat aber gleich einen kräftigen sauren Nachlauf. Etwas fruchtig, Brausebonbon.

Abgang: Kurz und schmerzlos.

Fazit/Tipp: Kann man gut trinken; zuerst etwas überraschend, aber nicht unangenehm.


Wentersch Pomp 4 (10,0% Vol.)

Art und Herkunft: Quadrupel, siehe oben.

Besonderheiten: Mit Zusatz von Kandiszucker.

Aussehen und Aroma: Rotbraun und noch leicht durchsichtig; die Probe hatte (anders als auf den Werbefotos der Brauerei) praktisch gar keine Krone. In der Nase Wein oder Weingummi. Röstaromen von Schwarzbrot.

Geschmack: Sehr süßer Antritt mit roten Johannisbeeren. Feinperlig und vollmundig. Ganz dezenter kaffeeartiger Nachbrenner.

Abgang: Mittellang, der süßliche Beerengeschmack vom Anfang bleibt uns - mit einigen herben Nuancen - erhalten.

Fazit/Tipp: Das Pomp 4 hat uns gut geschmeckt, aber wir waren uns einig, dass es doch recht schwer ist und man eventuell vorher eine kleine "Grundlage" im Magen haben sollte.


Wentersch IPA (6,5% Vol.)

Art und Herkunft: IPA, siehe oben.

Besonderheiten: Diese Edition ist anscheinend ausgelistet. Das gegenwärtige IPA hat ein anderes Etikett und auch 1/2 ABV mehr.

Aussehen und Aroma: Goldgelb, feste große Krone mit sehr starker Sedimentierung. Leichte tropische Frucht.

Sonntag, 1. November 2020

Sind so kleine Biere, Teil CIX: "Who the Fuck is Knaust?"

 Um die Frage nun endlich gleich zu Anfang zu beantworten: Heinrich Knaust war ein frühneuzeitlicher (1520-1580) Theologe und Autor. Im Jahr 1575 erschien zu Erfurt sein umfangreiches Werk mit dem Titel Fünff Bücher Von der Göttlichen und Edlen Gabe der Philosophischen, hochthewren und wunderbaren Kunst, Bier zu brawen. Es bietet nicht nur einen Überblick über die zu seiner Zeit in Deutschland hergestellten Biersorten, sondern auch über ihre Herstellungsweise:

"Wie man ein Bier auf natürliche Weise wohlschmeckend wie Wein macht und das man gut im Sommer trinken kann: in ein  leeres Fass von Beerenwein füllen, dann nimmt es den Geschmack des Weines an und wird schön lauter. Die kölnischen und holländischen Biere (dieser Brauart? - JHB) sind dermaßen gelungen, dass sie oft für Wein gehalten werden (oder genau so gerne getrunken werden - JHB)."

Barrel aging nennt man das heute wohl. Knausts historisches Verdienst ist es, dass wir dank ihm relativ gut über die Zubereitung und auch den Geschmack der damaligen Biere informiert sind, da er ebenfalls Verkostungsnotizen angefertigt hat. Eine Art Bierblogger avant la lettre, könnte man sagen 😉.

Who the Fuck is Knaust ist ein Projekt der Brauereien Überquell (Hamburg), Freigeist Bierkultur (Stolberg) und dem Atelier der Braukünste (Vogelsberg). Gemeinsam haben sie zum 500. Geburtstag von Knaust drei Bierkreationen auf den Markt bzw. in die Flasche gebracht, die zumindest "historische Wurzeln" (in Knaustens Werk?) haben sollen.


Überquell Who the Fuck is Knaust? (5,5% Vol.)

Art und Herkunft: "Historic Ale"/Ale, Deutschland (Hamburg).

Besonderheiten: Gebraut mit Gerste, Emmer, Einkorn, Roggen, Weizen. Lavendel, Meersalz, Kardamom und Wacholderbeeren.

Aussehen und Aroma: Hellbraun bis goldbraun, trüb. Keine Krone. Sehr dezenter Geruch, etwas staubig. Cola?

Geschmack: Salziger Antritt (!), der Wacholder kommt deutlich durch, weiches Mundgefühl.

Abgang: Kurz und leicht süßlich.

Fazit/Tipp: Trotz der exotisch anmutenden Zutatenliste mühelos trinkbar. Web´niger auffällig als gedacht.


Atelier der Braukünste Who the Fuck is Knaust? (6,3% Vol.)

Art und Herkunft: "Kartoffelbockwurstweizen"/Weizen, Deutschland (Hessen).

Besonderheiten: Weizen, Gerste, Hafer und Kartoffeln. Die Malze wurden "beim Metzger" geräuchert.

Sonntag, 25. Oktober 2020

Entsorgung

Heute habe ich es endlich getan: ich habe meinen Barschrank und mein Partykeller-Regal aufgeräumt. Vor vielen Jahren habe ich als humorigen Anreißer für einen Beitrag mal das Dilemma des "guten Gastgebers", der gleichzeitig noch "guter Trinker" sein will, geschildert: mit der Zeit sammelt man allerlei Flaschen an, die man meinte, um der lieben Gäste willen vorrätig haben zu müssen und die dann doch verschmäht wurden. Meistens hat man - des schlechten Gewissens wegen - dann selbst mal einen Schluck genommen. Toll ... nun war die Flasche nicht nur verschmäht worden, sie war auch noch angebrochen.

Schweigen will ich noch von den vielen Geschenken, manche nett gemeint aber nicht wirklich durchdacht (von irgendjemandem habe ich vor Jahren offensichtlich mal eine Flasche Rhabarber-Vanille-Likör geschenkt bekommen. Warum weiß ich leider nicht. Von wem gottlob auch nicht mehr); bei denen ist es ähnlich.

Nun ist das Problem bei Alkoholika, dass sie zwar ungeöffnet eine gefühlte Ewigkeit haltbar sind, wobei trotz geschlossener Flasche eine gewisse Verdunstung unvermeidlich ist. Geöffnete Spirituosen aber bleiben nicht auf immer gut. Zwar wird man sich auch mit einem dreißig Jahre lang geöffnet im Schrank stehenden Whisky nicht vergiften können, aber bei Sahnelikören sieht es schon ganz anders aus. Und: ALLE Spirituosen verlieren mit der Zeit mal mehr und mal weniger an geschmacklicher Qualität. Als vor einigen Jahren mein Vater verstarb, "erbte" ich von ihm eine Batterie Kristallkaraffen mit Schnaps und Likören (das Umfüllen von Alkohol in Karaffen war eine Unsitte der 1970er), unter anderem einen Crême de Menthe, der den Geschmack der Gummidichtung des Karaffenstopfens angenommen hatte ... widerlich.

Nun haben verschiedene Alkoholika verschiedene "Haltbarkeiten" im geöffneten Zustand (eine kleine Übersicht findet sich hier), darum war ich bei meiner Aufräumaktion nicht daran interessiert, alles wegzukippen, was nicht niet- und nagelfest bzw. was angebrochen war, sondern ich habe mich bewusst auf die Flaschen konzentriert, die ich nachweislich (!) seit mindestens 24 Monaten nicht mehr in der Hand gehabt hatte. Das Resultat kann man unten bestaunen: es kamen einige Literchen zusammen.


Im letzten Moment tat es meinem Säuferherzen doch noch Leid, aber ich blieb stark. Wozu soll ich im Barschrank und im Keller Spirituosen stehen haben, die weder ich noch jemand anderes jemals trinken werden?

Danziger Goldwasser, Haselnussspirituose, Anislikör mit Kräuteraroma, ein grauenvoller Rum, eine grauenvolle Whiskyspirituose, Pfirsichlikör, Wodkalikör, billiger Obstbrand vom Discounter, usw. Was soll ich damit??

Nun liegt es alles im Abwasserkanal, das Glas säuberlich getrennt im Glascontainer. Ich fühle mich befreit.

Schauen wir doch mal in die Reklameprospekte; ich glaube, ich müsste mal wieder ein paar Schnapsvorräte für eventuelle Gäste anlegen.

Text: Tomas A.

Sonntag, 18. Oktober 2020

The Dalmore 12 J. (40% Vol.)

Diesen Blog gibt es nun bald ein Jahrzehnt, und es ist erst der dritte Dalmore, den wir hier verkosten. Ich habe es bei anderer Gelegenheit schon einmal geschrieben: man kann wirklich nicht behaupten, dass die Destillerie aus Alness zu unseren absoluten Lieblingen gehört. Vor vielen Jahren habe ich mal einen Fünfzehnjährigen im Travel Value in Schwechat erstanden; der wurde dann auch sehr wohlwollend besprochen. Ansonsten letztes Jahr noch der Achtzehnjährige beim Whiskbefürwortertreffen bei Black Arab. Da war die Kritik aber auch schon deutlich harscher. Ich persönlich finde die Brennerei nach wie vor etwas überbewertet - sowohl was die Wertschätzung vieler, als auch was den Flaschenpreis angeht. Das heißt aber nicht, dass ich nicht offen bin für eine Korrektur meiner Meinung ... wenn sie denn erforderlich sein sollte.

Dalmore gehört immer noch zu Whyte & Mackay, welche zur Zeit meiner Besprechung des Dalmore 15 noch zur indischen UD Group/USL gehörte, ein Jahr später aber zur philippinischen Emperador Inc./Alliance Global wechselte. 

Die heutige Flasche stammt von Jan; er hat sie letztes Jahr von einer Kollegin zum Abschied geschenkt bekommen (ein großzügiges Geschenk, eine Flasche Dalmore 12 kostet online so um die 40,- EUR) und sie neulich zusammen mit dem Ledaig 10 beim Haggis-Abend in seinem Haus angebrochen. Die Hauptreifung erfolgt in Ex-Bourbon-Fässern, das Finishing in Oloroso-Sherry-Fässern.

Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (Northern).

Besonderheiten: -

Sonntag, 11. Oktober 2020

Ledaig 10 J. (46,3% Vol.)

Als wir vor ein paar Jahren - so lange ist das übrigens gar nicht her, etwa 11 Jahre werden es wohl sein - mit dem Single Malt anfingen, kam einem echten (deutschen) "Malthead" möglichst niemals etwas ins Glas, das jünger als 12 Jahre alt war. Vieles hat sich seitdem geändert. Vor einiger Zeit beginn das "große Zeitalter" der Abfüllungen ohne Altersangabe, teilweise einfach der Tatsache geschuldet, dass den Whiskybrennereien die älteren Jahrgänge knapp wurden, die sie ja auch teilweise brotnötig haben, weil sie damit auch bestimmte Blends unterfüttern müssen u.ä. Mittlerweile ist es gang und gäbe, dass die Flaggschiff-Malts der großen Destillerien ohne Nennung des Alters auskommen.

So gesehen ist der heutige Ledaig mit seinen 10 Jahren schon fast ein Methusalem, der so um 2010 vielen Leuten noch "zu jung" gewesen wäre. Nicht, dass das viel ausgemacht hätte, denn wie Tom vor längerer Zeit in einem ausführlichen Bericht festgehalten hat, hat man bei Ledaig (bzw. Tobermory, wo dieser Whisky hergestellt wird) nicht wirklich eine riesengroße Auswahl an verschiedenen Abfüllungen: jeweils zwei "Standards" unter dem Namen Tobermory (nicht torfig) bzw, Ledaig (torfig) - 12 und 23, 10 und 18 - sowie für jede "Marke" noch einmal zwei Limited Editions.

Die gestern im Rahmen eines redaktionellen Haggis-Essens bei mir zuhause erstmals geöffnete Flasche stand etwa fünf Jahre bei mir im Keller; sie war ein Geburtstagsgeschenk. Heute müsste man um die 40,- EUR für sie ausgeben.


Art und Herkunft: Single Malt, Islands (Mull).

Sonntag, 4. Oktober 2020

Winterpunsch 2020

Wir sind dieses Jahr ein bisschen früher dran mit unserem Punschrezept, aber die ersten kalten Nächte werden wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen - da wollen wir uns doch nicht sagen lassen, wir seien nicht gut gerüstet.

Es handelt sich - genau genommen - um eine Variation des Rezepts vom letzten Jahr, allerdings so stark abgewandelt, dass etwas ganz Neues dabei herauskommt. Ich habe es neulich zum ersten Mal versucht, als ich eine Erkältung herannahen fühlte ... und was soll ich sagen? Am nächsten Morgen war ich symptomfrei.




Heiße Apfeltasse
(geht auch im hitzebeständigen Glas)

4 bis 5 cl Calvados (ich habe Boulard Grand Solage genommen)
1 Esslöffel Honig
2 Teelöffel frischen Zitronen- oder Orangensaft
4 Nelken
Apfelschnitz
kochendes Wasser

Zubereitung: Alle Zutaten zusammengeben und das Behältnis mit kochendem Wasser auffüllen. Umrühren, Tassenrand mit Apfelschnitz garnieren. Fertig. Das Rezept ist etwas stärker und etwas "nelkiger" als das vom letzten Jahr. Am Calvados würde ich nicht sparen, damit das Getränk am Ende einen richtig schönen, natürlichen Bratapfeldampf bekommt.

Eine Variation wäre z.B. ein kleiner Schuss Amaretto für richtiges "Weihnachtsmarktfeeling".

Prost!

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 11. Oktober 2020.

Text: Tomas A.

Sonntag, 27. September 2020

Espero Liqueur Creole Coconut & Rum NAS (40,0% Vol.)

Na endlich! Mal wieder was anderes als Whisky und Bier! Diesen schönen Likör aus Rum und Kokosnussaromen habe ich schon letzte Weihnachten geschenkt bekommen. Bis jetzt stand er ungeöffnet im Barschrank; nun ist er fällig.

Wo kommt er her? Ich musste erst etwas recherchieren; die Marke Ron Espero ist auf dem deutschen Markt noch nicht so lange vertreten. Die englischsprachige Webseite ist leider erstens etwas holprig übersetzt und zweitens gibt es zur "Geschichte" nur ein bisschen Blabla über den Namen. Wenn man auf der Kontaktseite schaut, stößt man auf den Mutterkonzern, die Albert Michler Distillery Int. Ltd. in Bristol, die unter anderem für einen Austrian Imperial Navy Rum unter eigenem Namen verantwortlich zeichnet. Sie bezieht sich auf die Tradition der bis zum Zweiten Weltkrieg existierenden, fast gleichnamigen Firma aus Buchsdorf (heute Buková) im österreichischen Teil Schlesiens.

Die Rums und Rumliköre von Espero kommen natürlich nicht aus Großbritannien oder Tschechien oder Österreich, sondern aus karibischen Ländern. Der heute verkostete Coconut & Rum (nicht zu verwechseln mit dem ähnlichen, aber mit weißem Rum kreierten Coco Caribe) stammt laut Etikett aus der Dominkanischen Republik.

Art und Herkunft: Likör auf Rumbasis, Dominikanische Republik/Großbritannien.

Sonntag, 20. September 2020

Sind so kleine Biere, Teil CVIII: Kaapse Brouwers

Die Geschichte der Kaapse Brouwers beginnt - laut ihrer Webseite - eigentlich mit der Rückkehr ihres Gründers Tsjomme Zijlstra aus London. Dort hatte er einige Zeit in der legendären Bierbar The Rake (Southwark) gearbeitet und beschlossen, zuhause in Rotterdam mal selbst mit dem Bierbrauen anzufangen. Vor gut sechs Jahren dachte er sich dann, aus seinem Hobby könne man ja genausogut einen Beruf machen, holte sich professionelle Unterstützung und eine gebrauchte Anlage und ging ans Werk. Gleichzeitig ist Tsjomme zusammen mit anderen Unternehmer*innen einer der Gründer*innen der Fenix Food Factory, wo auch der Brewpub von Kaapse Brouwers, Kaapse Kaap, angesiedelt wurde. Ich hatte das Glück, die Location im letzten Jahr, noch lange vor dieser ganzen 💩💩💩 mit Corona, besuchen zu können und war angetan von den internationalen Garküchen, dem Blick auf die Skyline von Rotterdam (die FFF liegt auf der anderen Seite der Erasmusbrücke im Stadtteil Katendrecht) sowie natürlich den vielen verschiedenen und teilweise sehr exotischen Bierchen der Brauerei.

Die Hauptarbeit wird in einem anderen Teil von Rotterdam, in einem unscheinbaren Industriegebiet am Hafen geleistet. Dort entsteht ein Großteil des Bierausstoßes der Firma. Darüber hinaus gibt es noch einen Bottleshop in fußläufiger Nähe zur Food Factory sowie das Kaapse Maria in der Innenstadt, wo es mehr um das Essen und Trinken bzw. das Food Pairing geht als rein um das Biertrinken ...

Kaapse Brouwers hat ein unheimlich großes Bierportfolio zu bieten, das ich hier gar nicht groß aufzählen mag. Alleine in der Kategorie "Blond" gibt es zehn verschiedene Sorten zu kosten, natürlich - wie heute üblich - einige in Zusammenarbeit mit anderen Brauereien entstanden. Der Einfachheit halber habe ich von meinem diesjährigen Besuch in R'dam mal eine Probierpackung mitgebracht, die vier eher "massentaugliche" Biere umfasst und unter dem Namen Kaapse Kwartet verkauft wird. Die haben wir dann auch sofort Mitte dieser Woche bei unserer Redaktionssitzung verkostet ...

Kaapse Nelis (4,6% Vol.)

Art und Herkunft: Pils, Niederlande (Südholland).

Besonderheiten: Zusatz von Reisflocken.

Aussehen und Aroma: Satt goldgelb und klar. Kaum Schaumkrone. Feinherbe Aromen, leichte Frucht. Vielleicht Honigmelone?

Geschmack: Herber als vermutet, sehr erfrischend. Die leicht süßliche Frucht bleibt uns erhalten.

Abgang: Kurz und konsequent wie bisher.

Fazit/Tipp: Ein sehr trinkbares, kühlendes und überraschend fruchtiges Pils, das sogar ganz leicht "IPA-ig" schmeckt, wenn der Wind richtig steht und der Mond voll ist.


Kaapse Harrie (6,1% Vol.)

Art und Herkunft: Saison, siehe oben.

Sonntag, 13. September 2020

Sind so kleine Biere, Teil CVII: Neuzeller Klosterbräu

Schon die zweite "Klosterbrauerei" innerhalb weniger Wochen ... suspekt, suspekt. Aber reiner Zufall natürlich und auch aus einer ganz anderen Ecke des Landes.

Neuzelle bzw. das Kloster Neuzelle gibt es bereits seit dem Mittelalter in der Lausitz. Mönche wohnten hier zwischen 1817 und 2017 zwar nicht, seit ein paar Jahren ist aber wieder eine kleine Gemeinschaft (österreichischer) Zisterzienser vor Ort. Die Klosterbrauerei Neuzelle (der Shop hat übrigens eine komplett andere Webseite) hat in ihrer heutigen Form nichts mehr mit dem Kloster an und für sich zu tun, bezieht sich aber natürlich auf die Tradition der ehemaligen Klosterbrauerei, die seit 1589 auch zu gewerblichen Zwecken Bier brauen durfte. Seit 1992 befindet sich die (neue) Brauerei wieder in Privatbesitz, während sie zu DDR-Zeiten natürlich ein VEB war.

Viel interessanter finde ich persönlich jedoch, dass eines ihrer Produkte, der Schwarze Abt (den wir heute auch verkosten), Gegenstand des so genannten "Brandenburger Bierkriegs" Anfang des 21. Jahrhunderts. Die Brandenburger Landesregierung bestand darauf, dass dieses Schwarzbier, welches traditionell mit Zuckerzusatz gebraut wurde und wird, nicht unter dem Namen "Bier" verkauft werden dürfe, weil es laut Deutschem "Reinheitsgebot" verboten ist, einem Bier Zucker zuzusetzen. Glücklicherweise gewann die Klosterbrauerei Neuzelle 2005 letztinstanzlich den Rechtsstreit; ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Sieg übrigens für mich und alle anderen Bierfreunde, die das "Reinheitsgebot" als völlig überflüssiges Relikt aus uralter Zeit betrachten.

Außer dem Schwarzen Abt hat Neuzeller noch einige andere - teilweise recht urige - Bierspezialitäten im Angebot; wir haben einfach mal querbeet bestellt und neulich an einem der letzten wirklich heißen Tage in Plattfuss' Gartenlaube verkostet.


Spargel Bier (sic!) (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Spezialbier, Deutschland (Brandenburg).

Besonderheiten: Mit Spargelsaft. Deppenleerstelle auf dem Etikett.

Aussehen und Aroma: Hellgold und klar. Mittlere Krone. Der Spargel kommt nur ganz dezent in die Nase. Mineralisch. Sommer im Freibad.

Geschmack: Spritziger Antritt. Erdig. Spargel jetzt auf der Zunge deutlicher, aber dezent. Leicht salzig.

Abgang: Kurz.

Fazit/Tipp: Wenn man weiß, dass Spargel drin ist, schmeckt man ihn auch durch. Wenn man es nicht weiß, könnte man auch an ein "kartoffeliges" Aroma denken. Alles in allem ganz zischig und gut trinkbar.


Schlaubetaler Landbier (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Lager, siehe oben.

Sonntag, 6. September 2020

Einsendungen, TeiL XVI: Glenrothes 13 J. 2006/2020 (61,8% Vol.) (Whic Tarot 1: The Magician)

 Und schon wieder eine neue Serie bei whic: diesmal sind es schön aufgemachte Fläschchen mit Tarotkartenmotiven. Teil 1 zeigt den Magier. Diese Karte ist in manchen Traditionen auch als Der Jongleur bekannt und symbolisiert - je nach Anlass und Auslegung - den Willen oder auch die Brücke zwischen der irdischen und der geistigen Sphäre. Anscheinend soll die fertige Serie ein komplettes Tarotdeck abbilden; wird also am Ende 22 Whiskys umfassen. Ich bin gespannt.

Wir hatten gerade erst vor zwei Monaten einen Glenrothes von whic hier; darum spare ich mir mal die Wiederholung der Infos zu dieser Brennerei. Damals war es allerdings ein 22-jähriger. Die heutige Abfüllung kommt in Kooperation mit Signatory Vintage auf den markt; knapp unter 100,- EUR sollte sie kosten, bevor sie auch schon wieder ausverkauft war. Der Promotext verspricht uns unter anderem gebrannte Mandeln, cremige Nussnougatnoten und süße Tonkabohne mit Vanillecreme in der Nase sowie wärmende Schokolade mit Chiliflocken auf der Zunge. Genau das Richtige, jetzt, da es wieder kühler wird. Also her mit dem Nosingglas und frisch eingeschenkt. Diese Verkostung mache ich heute mal alleine, denn ich habe gestern vergessen, das Sample zu unserem wöchentlichen Stammtisch mitzunehmen. Mea culpa. mea culpa.


Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Rothes).

Sonntag, 30. August 2020

Heute wegen Krankheit geschlossen!

Liebe Leser*innen,

eigentlich solltet ihr an dieser Stelle heute eine Verkostung von ein paar Bieren der Neuzeller Klosterbräu finden. Leider hat uns Krankheit einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir liefern den Beitrag am 13. September nach. Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 6. September 2020.



Sonntag, 23. August 2020

Sind so kleine Biere, Teil CVI: Klosterbrauerei Baumburg

Gleich zu Beginn ein kleines Geständnis: obwohl auf dem Bild unten fünf Biere zu sehen sind, verkosten wir hier für euch nur vier. Dass Weissbier Bock (ich schreibe es so, wie es auf der Flasche steht ...) mussten wir leider wegen der Hitze und des Durstes "einfach" so trinken. Sorry, ist leider so. Ihr habt aber nichts besonderes verpasst: ich habe es als ein recht typisches, wenn auch etwas schwereres "bananiges" Weizenbier in Erinnerung.

Die Klosterbrauerei Baumburg steht in Altenmarkt an der Alz, in der Nähe von Traunstein. Offiziell existiert sie seit 1612, als den Augustinerchorherren vom Kloster Baumburg der Verkauf ihres Bieres gestattet wurde, das sie vorher nur selbst hatten trinken dürfen. Etwas weniger als 200 Jahre später (1802-1803) wurde das Kloster säkularisiert; die Liegenschaften wurden teilweise in private Hände verkauft. Im Falle der Brauerei ohne größeren Erfolg: der Betrieb lag zwischenzeitlich ein gutes Jahrzehnt über still. Seit den 1870er Jahren liegen die Geschäfte in Händen der Familiendynastie Dietl. Mönche brauen das Bier also schon eine ganze Weile nicht mehr.

Nach eigenen Angaben stößt die Firma pro Jahr etwa 6.500 Hektoliter Bier aus; für die Verkostung haben wir uns spaßeshalber mal auf ihre Bockbiere (und ein Märzen) konzentriert. Natürlich haben sie aber noch eine ganze Bandbreite mehr oder weniger "herkömmlicher" Biere zu bieten, also z.B. Pils, Weißbier, Dunkles, ...

Baumburg Heller Bock (6,8% Vol.)

Art und Herkunft: Heller Bock/Maibock, Deutschland (Bayern).

Besonderheiten: Unfiltriert.

Aussehen und Aroma: Bernsteinfarben, kleine und feste Krone. Seltsam "chemisch" anmutender Geruch. Klostein. Viel Hefe.

Geschmack: Süßlich-öliger Antritt. Überreife Ananas. Wenig sonstige Eindrücke.

Abgang: Gottseidank kurz. Süßlich.

Fazit/Tipp: Man merkt es schon: dieser Maibock hat uns kollektiv nicht gemundet. Süßlich und kräftig, etwas "flepp".


Baumburg Stopfbock (6,8% Vol.)

Art und Herkunft: Bockbier, siehe oben.

Besonderheiten: Basiert anscheinend auf dem Hellen Bock, mit fünf Hopfensorten "gestopft".

Sonntag, 16. August 2020

Sind so kleine Biere, Teil CV: De Glazen Toren Ondineke (8,5% Vol.)

Die Brauerei De Glazen Toren aus Erpe-Mere (man sollte es nicht glauben, aber ein sehr guter Freund aus Kindertagen wohnt da, wie ich unlängst feststellen durfte) konzentriert sich nach den Angaben auf der eigenen Webseite (Notiz an alle Besucher*innen: die Texte unterscheiden sich inhaltlich in den vier angebotenen Sprachen leicht voneinander) hauptsächlich auf den Export ihrer Biere in andere europäische Länder und nach Übersee. Genannt werden - in dieser Reihenfolge - die USA, Italien, Norwegen, Schweden, Japan, Österreich, Kanada (aus irgendeinem Grunde wird speziell British Columbia genannt) sowie seit kurzem die Niederlande, Frankreich und Großbritannien. Tatsächlich kann ich mich daran erinnern, die unverwechselbaren Flaschen mit dem Papierwickel vor zwei Jahren mal im Eataly in Rom gesehen zu haben. Die heutige Flasche stammt allerdings aus einer Sammelbestellung mit meinen Blogkollegen bei Belgiuminabox.               

Also, wie gesagt: die große Menge der Produktion von De Glazen Toren (DGT) geht ins Ausland. Allerdings sagen sie auch, dass sie mit ausgewählten Einzelhändlern zusammenarbeiten, um das "Profil der Marke auf dem heimischen Markt zu stärken" und sie machen wohl auch sowas wie Biere auf Anfrage, z.B. zu besonderen Festen. Ihr Standardsortiment besteht aus acht verschiedenen Bieren. Ihr Ondineke, welches heute vor uns steht, trägt die Bezeichnung Oilsjtersen tripel. "Tripel" heißt Tripel und das andere - für Nichtflamen schwer auszusprechende - Wort ist die dialektale Version des Namens der Stadt Aalst, zu dessen "Stadtbier" das Ondineke erklärt wurde. Der Name des Biers stammt aus einer Erzählung von Louis Paul Boon.

Art und Herkunft: Tripel, Belgien (Ostflandern).

Sonntag, 9. August 2020

Sind so kleine Biere, Teil CIV: Bergmann Brauerei (Dortmunder Bergmann Bier)

Als ich vor etwa einer Million Jahren noch im Studentenheim wohnte, hatten wir da auch einen Partykeller (jeden Mittwoch Bierkeller-Abend!). Und einen Getränkeautomaten. Im Getränkeautomaten gab es außer Cola und so auch halbe Liter von Dortmunder Union (Export und Siegel Pils). Das war natürlich noch vor der Craftbierwelle, die Geschmäcker waren damals nicht so anspruchsvoll, aber geschmeckt hat es meiner Erinnerung nach ganz gut. Und wer kennt nicht das große goldene "U" der Brauerei in Dortmund, das man z.B. Zug aus gut sehen kann? Wie in diesem sehr interessanten Artikel beschrieben ist, war Dortmund früher eine "der" deutschen Bierstädte: Anfang des 20. Jahrhunderts gab es dort noch etwa 30 Brauereien, mit teilweise sehr bekannten Namen. Aber gegen Ende des Jahrhunderts waren durch verschiedene Übernahmen nur noch wenige big player übrig geblieben.

Die Bergmann Brauerei mit ihrer Marke Dortmunder Bergmann Bier (Devise: "Harte Arbeit, ehrlicher Lohn") führt die Tradition einer ehemaligen Brauerei weiter, welche 1972 die Tore schloss, ist jedoch ansonsten eine komplette Neugründung. Thomas Raphael kaufte die Markenrechte im Jahr 2005 eher als "Gag", beschloss dann aber, zumindest mal ein paar Flaschen mit "seinem" Bier in Händen halten zu wollen und ließ eine erste Charge in einer Brauerei in Hagen herstellen. Als das neue Bergmann-Bier immer mehr Liebhaber fand, war der Einstieg ins "richtige" Geschäft ein folgerichtiger Schritt. Seit 2010 werden die Biere von DBB selbst gebraut. Wie die meisten neueren Brauereiprojekte umfasst das Portfolio zahlreiche Sondereditionen und Probesude; für unsere Verkostung hatte ich aber nur vier "Klassiker" bestellt. Die Lieferung per Paket dauerte zwar etwas, dafür lag aber auch Werbematerial bei.

Bergmann Pils (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Pils, Deutschland (Nordrhein-Westfalen).

Besonderheiten: -

Sonntag, 2. August 2020

Einsendungen, Teil XV: Glenlivet 12 J. (46,0% Vol.) (Whic Amazing Whiskies 3/30)

Okay, Glenlivet - amaze us! Das letzte Mal hatten wir 2014 einen hier im Blog - damals war es auch ein Zwölfjähriger, aber aus dem bei der Brennerei eher traditionellen Weißeichenfass, während diese Sonderabfüllung von whic.de aus dem Sherryfass kommt. Wie meine Blogkollegen muss auch ich gestehen, dass ich kein allzugroßer Fan der Brennerei bin, denn bei den paar Malen, wo ich eines ihrer Produkte probiert habe, haben sie mich relativ kalt gelassen. Aber nun gut - wir geben auch dem hier eine faire Chance. Vielleicht wirkt sich der Fasscharakter ja positiv aus die Ausdrucksstärke aus. Die schön aufgemachte "große" Flasche soll bei Whic knapp 65,- EUR kosten.



Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Livet).

Besonderheiten: Sherryfass, nicht gefärbt, nicht kaltfiltriert.

Sonntag, 26. Juli 2020

Sind so kleine Biere, Teil CIII: Trim Tab Six: Peanut Butter Coffee Imperial Stout (9,0% Vol.)

Birmingham, Alabama, ist eine historisch gesehen nicht ganz unbedeutende Stadt. Gerade in den unruhigen Sechzigern hat sie sich durch rassistische Attentate und davon ausgelöste Unruhen einen schlechten Ruf erworben. Auch in den Neunzigern war sie noch einmal negativ in den Schlagzeilen, als ein christlicher Extremist einen Bombenanschlag auf eine "Abtreibungsklinik" verübte.

Aber gottlob gibt es auch Gutes zu berichten: eine pulsierende Kulturszene soll es da geben, einen schönen botanischen Garten und ... hier muss ich die Kurve weg vom Tourismus hin zum Bier kriegen ... eine ebenso pulsierende Craft-Bier-Szene gibt es natürlich auch. Hier sitzt auch die Trim Tab Brewing Co., die im Jahr 2014 von einem Jurastudenten namens Harris Stewart gegründet. Laut Bhamwiki (Bham = Birmingham) begannen sie mit zwei Biertanks aus Kanada, in denen 3.500 Barrel Bier pro Jahr gebraut werden können. Aus Kapazitätsgründen hat Trim Tab die Produktion von zwei ihrer umsatzstärksten Biere an eine Brauerei in Louisiana "augelagert". Mehrere Preise und Bestenlisten wurden schon erobert, u.a. "eine der zehn besten Brauereien in den USA". Zusätzlich zu den drei Bieren der core range - Pale Ale, IPA, Berliner Weiße mit Himbeere - bietet Trim Tab noch eine große Auswahl an saisonalen, experimentellen und anderen Suden an, die allesamt in schön gestalteten Dosen an den Mann oder die Frau gebracht werden.

Das heute vorgestellte Six: Peanut Butter Coffee war ein Jubiläumsprojekt zum sechsjährigen Bestehen. Die Dose sieht sehr funky aus.


Art und Herkunft: Imperial Stout, USA (Alabama).

Sonntag, 19. Juli 2020

Einsendungen, Teil XIV: Caol Ila 6 J. 2013/2020 (61,8% Vol.) (Whic The War of the Peat V of XIII by Signatory Vintage)

Endlich kommt man wieder ein neuer torfiger Whisky bei whic.de heraus. Der letze in der Reihe War of the Peat, den wir hier besprochen haben, war auch ein Caol Ila, allerdings ein neunjärhiger, der zweite in der Serie. Ist auch schon ein paar Monate her; "vor Corona", wie man neuerdings sagt, so wie man früher "vor dem Krieg" zu sagen pflegte. 😒

Nun, anyway. Gestern war Brautag im Braugarten (der zweite Anlauf für ein Pilsener), und da haben die Drei von der Tankstelle vom Blog die Gelegenheit genutzt, um das neueste Sample zu verkosten. Obwohl es von Caol Ila mittlerweile auch ungetorfte Single Malts gibt, freuten wir uns dennoch auf diesen etwas - zumindest putativ - kräftigeren Dram von der Brennerei in Port Askaig, der man - zu Recht - nachsagt, der Charakter des nahen Meeres finde sich in ihren Whiskys wieder.



Art und Herkunft: Single Malt, Islay.

Samstag, 11. Juli 2020

Sind so kleine Biere, Teil CII: Blaugies La Bière Darbyste (5,8% Vol.)

Endlich mal wieder ein echtes "kleines" Bier! Die Brasserie de Blaugies aus der Borinage erfüllt dieses Lemma perfekt, denn zu Beginn der Tätigkeit konnten nach eigenen Angaben pro Jahr nur etwas 750 hl Bier gebraut werden. Nach Zuschüssen der EU und der wallonischen Regionalregierung konnte die Kapazität ab 2018 in einem ersten Schritt auf 2.400 hl erhöht werden; weitere Schritte sollten folgen.

An und für sich ist die Brauerei nur ein Anhängsel des Restaurants Le Fourquet. Beides gehört der Familie Carlier-Pourtois. Gebraut wird seit 1988. Mittlerweile teilen sich die beiden Söhne des Gründerehepaars und ihre Ehefrauen die Arbeit im Restaurant und in der Brauerei. Insgesamt werden fünf Biere angeboten, von welchen das La Moneuse (und seine Weihnachtsedition)  das wahrscheinlich bekannteste ist.

Das Bière Darbyste, das wir heute in der großen 0,75er Flasche vor uns stehen haben, hat seinen Namen von den Darbysten (oder Darbisten), einer evangelischen Freikirche, die in Deutschland Brüderbewegung heißt. Gegründet wurde sie von einem anglikanischen Geistlichen namens John Nelson Darby, daher auch der Name. Die Darbysten widmeten sich - und daher auch der regionale Bezug - der Seelsorge an den in der Borinage tätigen Bergleuten, die ein sehr hartes Leben führten. Es heißt, sie hätten dem Genuss von Alkoholika ablehnend gegenübergestanden, aus irgendeinem Grunde aber das Trinken eines leicht alkohlischen Getränks aus fermentiertem Feigensaft erlaubt. Auf dieser Geschichte basiert auch unser heutiges Bier, welches ebenfalls unter Zusatz von Feigen gebraut wird und - wie uns die Familie Carlier-Pourtois versichert - auf einer "Rezeptur aus Großmutters Zeiten" beruht.



Art und Herkunft: Belgian Farmhouse Ale/"Regionales Spezialbier", Belgien (Hennegau).

Sonntag, 5. Juli 2020

Einsendungen, Teil XIII: Inchgower 21 J. (59,3% Vol.) (Whic Amazing Whiskies 2/30)

"Hast du schon was für den Blog geschrieben?" "Nein, hast du?" "Nee, auch nicht. Und Plattfuss?" "Ich glaube, der auch nicht!"

Gut, dass ein Sample von Whic auf mich wartete, als ich eben die Haustüre hinter mir aufschloss. Der zweite Whisky aus der neuen Reihe Amazing Whiskies; den Glenrothes hatten wir neulich schon mal hier. Wenn ihr den heute verkosteten Inchgower aus dem Sherryfass haben möchtet, müsst ihr um die 95,- EUR hinblättern. Wenn ihr die gerade nicht übrig habt, lest gerne trotzdem weiter, aber nicht, dass ihr nachher meckert.

Inchgower (keine Webseite!) ist eine weitere recht unbekannte - oder soll ich sagen: unauffällige - Brennerei. Der allergrößte Teil ihrer Produktion (auf Wikipedia steht was von 99%) fließen in die Produktion von Blends, unter anderem von Bell's. Sie gehört schon seit vielen Jahren zu Diageo und Diageo bewirbt ja seine "Nischenmalts" ohnehin nicht. Stefan Gabányi schreibt, es habe vor einiger Zeit mal eine Originalabfüllung in deren Flora & Fauna-Reihe gegeben, aber an und für sich bekommt man die Malts von Inchgower wohl meistens nur von unabhängigen Abfüllern. Der Werbetext von Whic verspricht mir Apfelringe, Orange, altes Papier, Erdbeeren und Vanille. Na, da sind wir aber gespannt.


Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Lower).

Besonderheiten: Sherryfass, nicht gefärbt, nicht kaltfiltriert, Fassstärke.

Sonntag, 28. Juni 2020

Sind so kleine Biere, Teil CI: Verstraete Papegaei 2018 (8,0% Vol.)

Das ist nun endlich einmal wieder ein wirklich "kleines Bier": in nur etwa 150 Gaststätten wird es ausgeschenkt und auch der Vertrieb ist sehr stark regional begrenzt: fast nur in der Gegend direkt an der belgischen Küste ist es zu finden. Das Papegaei von Adam Verstraete ist nach dem Gebäude in Diksmuide benannte, in dem er residiert und in dem es das Bier nicht nur zu kaufen, sondern auch zu verkosten gibt. Früher war es eine Vollzeitkneipe und hieß eben De Papegaei - und genau dieses Tier ziert denn auch das schön gestaltete Etikett. Adam hat als Haus- und Hobbybrauer begonnen, nach eigenen Angaben tingelte er einige Zeit durch die Lande und brachte seine Biere mit Wechseletiketten "an den Mann", d.h. in diesem Fall: an wechselnde Gastronomen. Seit 2009 hat er nun sein "eigenes" Bier, welches aber nicht in dem kleinen Häuschen in Diksmuide gebraut wird, sondern bei Deca in Woesten-Vleteren. 

Das ist eine ganz interessante Brauerei: einerseits machen sie einige eigene Biere, unter anderem das Vleteren (nicht zu verwechseln mit dem benachbarten, aber von Mönchen gebrauten Westvleteren!); andererseits haben aber andere Brauer, die sich z.B. eine große eigene Anlage nicht leisten können, die Möglichkeit, ihre Biere bei Deca zu brauen - wie es eben auch Adam Verstraete gemacht hat. Eine schöne Übersicht über alle "Gastbrauer" gibt es übrigens hier.


Art und Herkunft: Blond, Belgien (Westflandern).

Sonntag, 21. Juni 2020

Das Heilige Petrus, Teil III: Tripel vs. Aged Red

So, jetzt aber! Nachdem ich letzte Woche ganz gentlemanlike zurückgetreten bin, damit Plattfuss und Jan B. ihre Verkostung der neuesten Edition von whic.de zeitnah raushauen konnten, bin ich nun endlich dran mit dem letzten Teil meiner Miniserie über das Petrus von De Brabandere. Diese beiden werden wohl recht ausdrucksstark sein; sie bringen auch mit acht bzw. achteinhalb Umdrehungen ordentlich "wumms" mit. Das Aged Red ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem relativ neuen Red by Petrus: zwar enthalten beide das klassische foederbier und Kirschen, jedoch gehört zum Aged Red noch eine gehörige Portion des Dubbel, das ich hier ebenfalls schon in seiner Reinform verkostet habe.


Petrus Tripel (8,0% Vol.)

Art und Herkunft: Tripel, Belgien (Westflandern).

Besonderheiten: Aus Gerste und Weizen, mit Zuckerzusatz.

Sonntag, 14. Juni 2020

Einsendungen, Teil XII: Glenrothes 22 J. (58,8% Vol.) (Whic Amazing Whiskies 1/30)

Wenn ich morgens um fünf nicht mehr schlafen kann, dann würde ich gerne behaupten, es liegt an dem neuen Whisky, den ich von Melisa von whic.de zugeschickt bekommen habe, aber ich fürchte fast, es liegt an meinem dauerhaft schlechten Gewissen. Wegen meiner sündhaften Jugend und so ... ihr wisst ja.

Nun, dennoch gibt es Aufregendes zu vermelden: Whic hat eine neue Reihe gestartet, die irgendwann einmal 30 Teile umfassen soll. Die Amazing Whiskies sollen uns "mehr Action, mehr Spannung und mehr Knall" bringen - so verspricht es zumindest der Werbetext. Sehr hübsch aufgemacht war die Sendung aus Bremen schon: außer dem Probierfläschchen lag ein kleines Beiblatt im Stil der alten amerikanischen Pulp-Hefte im Karton. Wer denkt da also in Verbindung mit dem Serientitel nicht gleich an das klasssische  SciFi-Magazin Amazing Stories? Und auch noch einen anderen Grund gäbe es für unsere Schlaflosigkeit: Von (The) Glenrothes hatten wir hier noch nie eine offizielle Verkostung. Nur von einem sehr bekannten Blend, in dem diese Destillerie als einer der Lead Malts vertreten ist: Cutty Sark.

Die Brennerei entstand im Jahre 1878 als Ergebnis eines crowdfundings: ein lokaler Gottesmann - selbst eher dem Abstinenzlertum zuneigend - war sich im klaren darüber, dass nur der Bau einer Whiskydestillerie die dringend benötigten Arbeitsplätze schaffen könne und machte sich daran, bei seinen reicheren "Schäfchen" Geldspenden für den Bau aufzutreiben. Über einen Umweg namens Highland Distillers kam Glenrothes Ende des 20. Jahrhundert zur Edrington (Group), von der u.a. auch Macallan und Highland Park stammen. Im Firmenportfolio von Edrington ist die Destillerie in Rothes eher eine der "Stillen". Wie oben schon gesagt geht der größte Teil ihrer Whiskys in die firmeneigenen Blends. Stefan Gabányi beschreibt den Stil von Glenrothes (übrigens eine der seltenen schottischen Brennereien, die sich noch eine eigene Küferei leistet) als ein "komplexes, sherrybetontes Halbschwergewicht".


Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Rothes).

Sonntag, 7. Juni 2020

Das Heilige Petrus, Teil II: Dubbel vs. Aged Pale

Nachdem ich letzte Woche schon ziemlich viel über die Geschichte der Brauerei De Brabandere erzählt habe, wollte ich mich noch einmal auf deren Webseite umschauen, ob es da sonst noch irgendwas Interessantes gibt. Und ja: da sind noch ein paar schöne Sachen. Zum Beispiel ihr Imagefilm, den man zwar ohne Niederländischkenntnisse nicht so hundertprozentig verstehen wird, aber zumindest sieht man die Brauerei mal von innen, unter anderem auch den Saal mit den wunderschönen foeders aus Eichenholz. Reinschauen lohnt sich meines Erachtens auf jeden Fall. Außerdem gefallen mir auf der Seite über die Geschichte der Firma die alten Fotos mit den Bierwagen und den ernst dreinblickenden Männern in schwarzweiß.

Heute verkosten wir zwei Biere, welche die Grundlage für das in der letzten Woche besprochene Petrus Rood Bruin darstellen: das Dubbel, ein klassischer belgischer Bierstil (think Doppelbock) sowie das Aged Pale, das "Basisbier" der Sour Beers-Reihe, welches in allen anderen Sauerbieren der Firma mit am Werke ist. Es reift zwei Jahre lang im Eichenholzfass, bevor es abgefüllt wird.


Petrus Dubbel (7,0% Vol.)

Art und Herkunft: Dubbel, Belgien (Westflandern).

Besonderheiten: Mit Zucker.

Aussehen und Aroma: Rotbraun, mit ockerfarbener Krone. Ein sehr deutlicher Geruch wie von Malzbier, mit mehr als nur einem Hauch Kaffee.

Geschmack: Nicht so süß wie befürchtet, angenehm prickelnd auf der Zunge. Wieder ein Hieb Gute-Morgen-Röstung sowie etwas dezente Schokolade.

Sonntag, 31. Mai 2020

Das Heilige Petrus, Teil I: Blond vs. Rood Bruin

In der Vorweihnachtszeit ist es zuhause in Belgien immer ganz interessant in den Supermärkten: die meisten Brauereien - gerade die, die man in Deutschland nur aus dem Spezialbierhandel kennt - bringen allerlei Geschenkpakete unters Volk bzw. in die Regale. Dann gibt es mal Packungen mit schönen Gläsern dabei oder Probierpackungen mit verschiedenen Bieren derselben (oder auch unterschiedlicher) Brauerei(en). Als ich letzten Dezember auf dem Weg nach Brüssel war - das war noch vor dieser verdammten Pandemie - machte ich auf dem Weg wie üblich an einem größeren Hypercarrefour halt, um die Mitbringselwünsche von Familie, Freunden und mir selbst zu befriedigen. Und bei dieser Gelegenheit fand ich das, was euch und mir eine Miniserie von drei Verkostungen sechs unterschiedlicher Biere der Brauerei De Brabandere bescheren wird: ein sehr schönes Probierpaket ihrer Biere der Marke Petrus.

De Brabandere hieß vor ein paar Jahren noch Bavik, und vielen Bierliebhabern ist sie auch noch unter diesem Namen bekannter. Tatsächlich ist der "neue" Name aber auch gleichzeitig der ältere: die Brauerei wurde im Jahre 1894 von Adolphe de Brabandere und seinem Sohn Jozef gegründet, wobei der Sohn wohl erst richtig Schwung in die Bude brachte, als er das Geschäft komplett übernahm. Er änderte auch das erste Mal den Namen: von De Brabandere zu Sint-Antonius. Ab den Fünfzigern hieß die Brauerei dann wieder De Brabandere und lieferte hauptsächlich direkt an die Endkunden und an die Gastronomie (der Vertrieb von Bier über den Einzelhandel steckte damals noch in den Kinderschuhen). Die Eigentümerfamilie war und ist auch selbst in der Gastronomie tätig und dieses Standbein wurde über die Jahre so wichtig, dass in den 90ern die Gastro-Sparte von der Brauerei abgetrennt wurde (die letztere wurde damals in Bavik umbenannt, nach einem der bekanntesten Produkte der Firma, dem Bavik Super Pils). Heute, nach der erneuten Umbenennung, ist nunmehr die fünfte Generation der Gründerfamilie (Albert de Brabandere) am Ruder. Aus meiner subjektiven Empfindung ging damit in den letzten paar Jahren eine deutliche Verbesserung der Sichtbarkeit der Marke einher. 

Das Portfolio der Firma umfasst heute eine relativ große Bandbreite von Marken und Bierstilen, die bekanntesten dürften Bavik, Kwaremont, Petrus und Wittekerke sein. Innerhalb der Sparte Petrus gibt es noch eine weitere Teilung: Petrus Tradition (Blond, Dubbel, Tripel) sowie Petrus Sour Beers (wie der Name schon sagt, alles "typisch" flandrische Sauerbiere, die in den traditionellen Eichenfässern - den foeders - reifen). Das oben erwähnte Probierpaket enthielt von jeder Familie drei Stück, sodass ich dachte, es wäre eine schöne Idee, wenn man jeweils eines aus der einen und eines aus der anderen vorstellt.



Petrus Blond (6,5% Vol.)

Art und Herkunft: Blond, Belgien (Westflandern).

Besonderheiten: Nur mit Aromahopfen gebraut.