Samstag, 11. Juli 2020

Sind so kleine Biere, Teil CII: Blaugies La Bière Darbyste (5,8% Vol.)

Endlich mal wieder ein echtes "kleines" Bier! Die Brasserie de Blaugies aus der Borinage erfüllt dieses Lemma perfekt, denn zu Beginn der Tätigkeit konnten nach eigenen Angaben pro Jahr nur etwas 750 hl Bier gebraut werden. Nach Zuschüssen der EU und der wallonischen Regionalregierung konnte die Kapazität ab 2018 in einem ersten Schritt auf 2.400 hl erhöht werden; weitere Schritte sollten folgen.

An und für sich ist die Brauerei nur ein Anhängsel des Restaurants Le Fourquet. Beides gehört der Familie Carlier-Pourtois. Gebraut wird seit 1988. Mittlerweile teilen sich die beiden Söhne des Gründerehepaars und ihre Ehefrauen die Arbeit im Restaurant und in der Brauerei. Insgesamt werden fünf Biere angeboten, von welchen das La Moneuse (und seine Weihnachtsedition)  das wahrscheinlich bekannteste ist.

Das Bière Darbyste, das wir heute in der großen 0,75er Flasche vor uns stehen haben, hat seinen Namen von den Darbysten (oder Darbisten), einer evangelischen Freikirche, die in Deutschland Brüderbewegung heißt. Gegründet wurde sie von einem anglikanischen Geistlichen namens John Nelson Darby, daher auch der Name. Die Darbysten widmeten sich - und daher auch der regionale Bezug - der Seelsorge an den in der Borinage tätigen Bergleuten, die ein sehr hartes Leben führten. Es heißt, sie hätten dem Genuss von Alkoholika ablehnend gegenübergestanden, aus irgendeinem Grunde aber das Trinken eines leicht alkohlischen Getränks aus fermentiertem Feigensaft erlaubt. Auf dieser Geschichte basiert auch unser heutiges Bier, welches ebenfalls unter Zusatz von Feigen gebraut wird und - wie uns die Familie Carlier-Pourtois versichert - auf einer "Rezeptur aus Großmutters Zeiten" beruht.



Art und Herkunft: Belgian Farmhouse Ale/"Regionales Spezialbier", Belgien (Hennegau).

Besonderheiten: Gebraut mit Gerstenmalz, Weizenmalz und Feigensaft.

Aussehen und Aroma: Altgoldfarben und relativ klar. Praktisch keine Krone. In der Nase eine feine Säure mit dezentem Essig und Honignoten. Getreide und Würze. Weißer Pfeffer?

Geschmack: Angenehm moussierend, mit einem deutlich fruchtig-säuerlichen Antritt. Die Feigen kommen merkbar durch. Auch so etwas wie ganz frische Pflaumen? Nicht süß.

Abgang: Mittellang, mit nachklingender Fruchtsäure.

Fazit/Tipp: Sehr traditionell, sehr rustikal, sehr gut!

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 19. Juli 2020.

Verkostung: Jan B. und Tomas A.

Text: Tomas A.


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