Sonntag, 28. Juni 2020

Sind so kleine Biere, Teil CI: Verstraete Papegaei 2018 (8,0% Vol.)

Das ist nun endlich einmal wieder ein wirklich "kleines Bier": in nur etwa 150 Gaststätten wird es ausgeschenkt und auch der Vertrieb ist sehr stark regional begrenzt: fast nur in der Gegend direkt an der belgischen Küste ist es zu finden. Das Papegaei von Adam Verstraete ist nach dem Gebäude in Diksmuide benannte, in dem er residiert und in dem es das Bier nicht nur zu kaufen, sondern auch zu verkosten gibt. Früher war es eine Vollzeitkneipe und hieß eben De Papegaei - und genau dieses Tier ziert denn auch das schön gestaltete Etikett. Adam hat als Haus- und Hobbybrauer begonnen, nach eigenen Angaben tingelte er einige Zeit durch die Lande und brachte seine Biere mit Wechseletiketten "an den Mann", d.h. in diesem Fall: an wechselnde Gastronomen. Seit 2009 hat er nun sein "eigenes" Bier, welches aber nicht in dem kleinen Häuschen in Diksmuide gebraut wird, sondern bei Deca in Woesten-Vleteren. 

Das ist eine ganz interessante Brauerei: einerseits machen sie einige eigene Biere, unter anderem das Vleteren (nicht zu verwechseln mit dem benachbarten, aber von Mönchen gebrauten Westvleteren!); andererseits haben aber andere Brauer, die sich z.B. eine große eigene Anlage nicht leisten können, die Möglichkeit, ihre Biere bei Deca zu brauen - wie es eben auch Adam Verstraete gemacht hat. Eine schöne Übersicht über alle "Gastbrauer" gibt es übrigens hier.


Art und Herkunft: Blond, Belgien (Westflandern).

Sonntag, 21. Juni 2020

Das Heilige Petrus, Teil III: Tripel vs. Aged Red

So, jetzt aber! Nachdem ich letzte Woche ganz gentlemanlike zurückgetreten bin, damit Plattfuss und Jan B. ihre Verkostung der neuesten Edition von whic.de zeitnah raushauen konnten, bin ich nun endlich dran mit dem letzten Teil meiner Miniserie über das Petrus von De Brabandere. Diese beiden werden wohl recht ausdrucksstark sein; sie bringen auch mit acht bzw. achteinhalb Umdrehungen ordentlich "wumms" mit. Das Aged Red ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem relativ neuen Red by Petrus: zwar enthalten beide das klassische foederbier und Kirschen, jedoch gehört zum Aged Red noch eine gehörige Portion des Dubbel, das ich hier ebenfalls schon in seiner Reinform verkostet habe.


Petrus Tripel (8,0% Vol.)

Art und Herkunft: Tripel, Belgien (Westflandern).

Besonderheiten: Aus Gerste und Weizen, mit Zuckerzusatz.

Sonntag, 14. Juni 2020

Einsendungen, Teil XII: Glenrothes 22 J. (58,8% Vol.) (Whic Amazing Whiskies 1/30)

Wenn ich morgens um fünf nicht mehr schlafen kann, dann würde ich gerne behaupten, es liegt an dem neuen Whisky, den ich von Melisa von whic.de zugeschickt bekommen habe, aber ich fürchte fast, es liegt an meinem dauerhaft schlechten Gewissen. Wegen meiner sündhaften Jugend und so ... ihr wisst ja.

Nun, dennoch gibt es Aufregendes zu vermelden: Whic hat eine neue Reihe gestartet, die irgendwann einmal 30 Teile umfassen soll. Die Amazing Whiskies sollen uns "mehr Action, mehr Spannung und mehr Knall" bringen - so verspricht es zumindest der Werbetext. Sehr hübsch aufgemacht war die Sendung aus Bremen schon: außer dem Probierfläschchen lag ein kleines Beiblatt im Stil der alten amerikanischen Pulp-Hefte im Karton. Wer denkt da also in Verbindung mit dem Serientitel nicht gleich an das klasssische  SciFi-Magazin Amazing Stories? Und auch noch einen anderen Grund gäbe es für unsere Schlaflosigkeit: Von (The) Glenrothes hatten wir hier noch nie eine offizielle Verkostung. Nur von einem sehr bekannten Blend, in dem diese Destillerie als einer der Lead Malts vertreten ist: Cutty Sark.

Die Brennerei entstand im Jahre 1878 als Ergebnis eines crowdfundings: ein lokaler Gottesmann - selbst eher dem Abstinenzlertum zuneigend - war sich im klaren darüber, dass nur der Bau einer Whiskydestillerie die dringend benötigten Arbeitsplätze schaffen könne und machte sich daran, bei seinen reicheren "Schäfchen" Geldspenden für den Bau aufzutreiben. Über einen Umweg namens Highland Distillers kam Glenrothes Ende des 20. Jahrhundert zur Edrington (Group), von der u.a. auch Macallan und Highland Park stammen. Im Firmenportfolio von Edrington ist die Destillerie in Rothes eher eine der "Stillen". Wie oben schon gesagt geht der größte Teil ihrer Whiskys in die firmeneigenen Blends. Stefan Gabányi beschreibt den Stil von Glenrothes (übrigens eine der seltenen schottischen Brennereien, die sich noch eine eigene Küferei leistet) als ein "komplexes, sherrybetontes Halbschwergewicht".


Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Rothes).

Sonntag, 7. Juni 2020

Das Heilige Petrus, Teil II: Dubbel vs. Aged Pale

Nachdem ich letzte Woche schon ziemlich viel über die Geschichte der Brauerei De Brabandere erzählt habe, wollte ich mich noch einmal auf deren Webseite umschauen, ob es da sonst noch irgendwas Interessantes gibt. Und ja: da sind noch ein paar schöne Sachen. Zum Beispiel ihr Imagefilm, den man zwar ohne Niederländischkenntnisse nicht so hundertprozentig verstehen wird, aber zumindest sieht man die Brauerei mal von innen, unter anderem auch den Saal mit den wunderschönen foeders aus Eichenholz. Reinschauen lohnt sich meines Erachtens auf jeden Fall. Außerdem gefallen mir auf der Seite über die Geschichte der Firma die alten Fotos mit den Bierwagen und den ernst dreinblickenden Männern in schwarzweiß.

Heute verkosten wir zwei Biere, welche die Grundlage für das in der letzten Woche besprochene Petrus Rood Bruin darstellen: das Dubbel, ein klassischer belgischer Bierstil (think Doppelbock) sowie das Aged Pale, das "Basisbier" der Sour Beers-Reihe, welches in allen anderen Sauerbieren der Firma mit am Werke ist. Es reift zwei Jahre lang im Eichenholzfass, bevor es abgefüllt wird.


Petrus Dubbel (7,0% Vol.)

Art und Herkunft: Dubbel, Belgien (Westflandern).

Besonderheiten: Mit Zucker.

Aussehen und Aroma: Rotbraun, mit ockerfarbener Krone. Ein sehr deutlicher Geruch wie von Malzbier, mit mehr als nur einem Hauch Kaffee.

Geschmack: Nicht so süß wie befürchtet, angenehm prickelnd auf der Zunge. Wieder ein Hieb Gute-Morgen-Röstung sowie etwas dezente Schokolade.