Mittwoch, 27. April 2022

Der lange Abschied*

Dieser Blog ist jetzt mehr als zehn Jahre alt. Am 2. April 2011 erschien der erste Beitrag von Tom, damals über den alten Loch Lomond Blue Label. Meine eigene Geschichte bei Blog Blong Dring beginnt an und für sich auch schon im selben Jahr, als Tom mich für eine launige Miniserie über die "Trinkkultur" der Siebziger und Achtziger "interviewte". Ansonsten dauerte es aber noch einige Zeit, bis ich eine aktivere Rolle hier im Blog übernahm; meistens beschränkte ich mich auf die "stille" Teilnahme an Verkostungen, der Mitarbeit an Texten usw. bis meine Freunde Tom und Plattfuss mich irgendwann baten, die Hauptverantwortung für den Betrieb der Seite und auch das Texten zu übernehmen.

Wie gesagt: zehn Jahre lang haben wir drei Euch - unsere lieben Leser:innen - mit allem versorgt, was wir über die große Welt der Alkoholika an Wissenswertem zusammentragen konnten. Wir sind viel gereist, haben viel verkostet, viel Geld und viel Zeit investiert. Aber nun ist es so, dass alle Mitglieder unseres Redaktionskollektivs in dem angekommen sind, was man in der Regel "ein gesetzteres Alter" nennt. Sprich: wir haben beruflich, familiär und auch, was unsere anderen Interessen betrifft, so viel zu tun, dass wir einfach nicht mehr garantieren können, euch jede Woche etwas Neues anzubieten - und, um ehrlich zu sein: es fehlt uns auch einfach manchmal die Motivation und besonders auch das Material.

Wir denken darum, dass es am besten ist (vorläufig) aufzuhören, solange es noch schön und keine Qual ist. Wir danken Euch für die vielen Klicks und die lustigen Jahre, die wir miteinander erleben durften. Und obwohl diese Worte wie ein finales Lebewohl klingen mögen, hoffen Plattfuss, Tom und ich doch - genauso wie die Hauptfigur in Raymond Chandlers im *Titel referenziertem Roman - dass es kein "langer Abschied" sein möge, sondern einfach nur eine:


Slàinte mhòr und bis irgendwann!

- Jan B. für das Redaktionskollektiv



Sonntag, 24. April 2022

Der Obstler Alte Williams (40,0% Vol.)

Die Flasche, die ich heute für euch verkoste, habe ich erst am Sonntag vor einer Woche auf einem Mittelaltermarkt in Bad Iburg erstanden. Auf solchen Märkten interessiert mich grundsätzlich sowieso eher das, was dort angeboten bzw. verkauft wird als das, was an "Spektakel" vorhanden ist - und bei dem Angebotenen ganz konkret natürlich auch besonders die Alkoholika. Früher gab es bei uns in der Gegend noch den "Kleinen Whisky-Kobold", aber seine Facebookseite wurde seit 2013 nicht mehr aktualisiert und die dazu gehörende Webseite ist auch down ... PLUS wir haben ihn seit vielen Jahren nicht mehr irgendwo angetroffen.

Umso froher war ich, mal wieder jemanden auf einem Markt zu treffen, der mehr anbietet als nur den obligatorischen Met. "Der Obstler" heißt eigentlich Markus Seitz und kommt aus Asendorf im Kreis Diepholz, was mich besonders freute, weil einer meiner Großväter aus dieser Gegend stammt (wo ich im übrigen seit 20 Jahren auch nicht mehr gewesen bin). Seitz beschreibt auf seiner Homepage sehr anschaulich, wie er von einem "gutbürgerlichen" Beruf zu dem des Marktbeschickers und auch Kleindarstellers auf Mittelalterfesten und ähnlichen Events (die er regelmäßig bedient) umgeschwenkt ist.

Sein Hauptgeschäft scheint das mit Beeren- und Fruchtweinen zu sein (auf allen Etiketten steht denn auch groß "Beerenweinvertrieb"), aber er bietet direkt und auch online ebenfalls eine eindrucksvolle Menge Spirituosen an. Meine "Alte Williams" habe ich in der großen (0,7 Liter) Flasche für knapp 33,- EUR erstanden. Die Herstellung dieses Schnapses erfolgt auf traditionelle Weise mit Obstmaische für den Brand und unter Zusatz eines Honiglikörs.


Art und Herkunft: Spirituose aus Obstbrand (Williams-Christ-Birne) und Honiglikör, Deutschland (Niedersachsen).

Sonntag, 10. April 2022

For Peat's Sake NAS (40,0% Vol.)

Für eine Firma, die schon "seit über 60 Jahren Erfahrung mit der Destillation, dem Abfüllen und dem Export von schottischem Whisky" hat, gibt Angus Dundee auf seiner Webseite leider nur sehr wenig über sich selbst preis. Anders als der "schottische" Name vermuten lässt, sitzt sie auf jeden Fall nicht in Glasgow, Aberdeen oder Edinburgh, sondern ganz schnöde im gänzlich unschottischen London. Sie befindet sich im Besitz der Familie Hillman, denen auch die Destillerien Tomintoul (seit 2005) sowie Glencadam (seit 2003) gehören.

Ein sehr großes Segment ihres Portfolios ist die Herstellung von Whiskys für andere Firmen, welche diesen unter ihrem eigenen Label verkaufen. Laut eigenen Angaben kann dabei Blended Scotch, Blended Malt, sowie Blended Grain angeboten werden. Sie betätigen sich allerdings auch als unabhängige Abfüller von "Bastard Malts" anderer Hersteller: unter anderem haben sie einen Whisky von Islay (den sie also auch nicht selbst brennen können) im Angebot, der Smokey Joe heißt. Schließlich arbeiten sie natürlich (siehe oben) auch als Blender auf eigene Rechnung, mit eigenen Marken wie The Dundee oder Parkers. Der heute vor uns stehende For Peat's Sake wird auf ihrer Homepage gar nicht aufgeführt, existiert aber mindestens schon seit 2019. Eine Flasche ist im Einzelhandel oder online für knapp unter 20,- EUR zu haben. Die Flasche ist recht schön gestaltet und es gibt auch eine kleine Anekdote zum Namen, aber die brauchen wir hier nicht groß zu wiederholen. Versprochen wird uns auf jeden Fall: "intensely smoky and peaty with an earthy full-bodied flavour".


Art und Herkunft: Blended Scotch.

Sonntag, 3. April 2022

Neues in der Bücherkiste: "Whisky aus Schottland" (whic)

Kurz vor Monatsende bekamen wir ein Rezensionsexemplar von whic. Ein sehr umfangreiches Paperback (über 560 Seiten) mit dem Titel: Whisky aus Schottland. Das große Nachschlagewerk zu Scotch Whisky. Das Werk gibt es für 14,99 im Shop bzw. ein Exemplar pro Haushalt für umme.

Es werden alle (ich habe es nicht weiter gecheckt) aktuellen bzw. bald eröffnenden schottischen Brennereien in alphabetischer Reihenfolge vorgestellt, und zwar jeweils mit einem Foto der Brennerei, allgemeinen Informationen, dem jeweiligen Hausstil, der Herstellung sowie der Geschichte der Destillerie.

 


Drei Punkte, die mir am Buch gefallen haben:

  • Auch wenn man es nicht geschenkt bekommt, ist so ein aktuelles und umfangreiches Nachschlagewerk für 14,99 wirklich ein erschwingliches Vademecum.
  • Wie bei den EBooks von whic gibt es auch hier einige grundlegende Informationen zur Herstellung von Whisky, was auch Neulingen den Einstieg erleichtert.

  • Es ist schön, dass nicht nur Single-Malt-Destillerien, sondern auch Hersteller von Grain-Whisky vorgestellt werden, die in manchen Publikationen eher stiefmütterlich behandelt werden.

Drei Punkte, die ich mir für zukünftige Neuauflagen wünschen würde:

  • Vielleicht zum jeweiligen Hausstil noch kurze (!) Tasting Notes zu einem Whisky der Brennerei, vielleicht dem populärsten oder so. Ist aber vielleicht auch ein Platzproblem.

  • Schließung der letzten verbliebenen "Lücken": so wurde z.B. die sehr große Graindestillerie North British ausgelassen/vergessen. Ja, ich weiß: Nörgeln auf hohem Niveau 😉.

  • Vielleicht zusätzlich zu dem Hausstil im Fließtext noch so etwas wie ein grafisches "Geschmacksprofil" zur schnellen Einordnung.

Alles in allem aber ein ansprechend gemachter und sehr aktueller Band, den man insbesondere bedenkenlos denen empfehlen kann, die nicht schon dreißig Bücher zu Whisky im Schrank stehen haben. Für letztere ist es aber natürlich dennoch eine schöne Komplettierung ihrer Sammlung.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 10.April 2022.

Text: Jan B.