Sonntag, 27. Oktober 2019

Einsendungen, Teil VI: Ballechin 12 J. (59,3% Vol.) (Whic The War of the Peat I of XIII by Signatory Vintage)

Ende September hat whic.de eine neue Serie herausgebracht, die sich The War of the Peat nennt und in dreizehn Folgen (wir behandeln heute die erste von ihnen) dem - wie man aus dem Titel unschwer verstehen wird - rauchigen bis torfigen Single Malt verschrieben hat. Zur Namensgebung sagt uns das Pressematerial folgendes:
[...] Manche Aromen scheinen wie nicht von dieser Welt. Geschmacksexplosionen voll brachialer Rauchnoten, Motoröl und Speck. Für diese Whiskys, die anecken und das Extreme darstellen, brauchte es auch den richtigen Namen und das richtige Aussehen, was diese Aromenspektakel einfing. Als Sience [sic!] Fiction Fan fand ich Inspiration bei einem literarischen Klassiker „Der Krieg der Welten“ [...]
Zum Einstand gibt es einen 12-jährigen Ballechin in Zusammenarbeit mit Signatory (immer noch keine eigene Webseite; die angeschlossene Brennerei Edradour hat aber eine, auch wenn diese etwas altbacken rüberkommt).

Ballechin? Es gibt keine heute noch existierende Brennerei dieses Namens; die ursprüngliche Destillerie schloss bereits 1927 die Pforten. Unter der Marke kommen heute Whiskys von Edradour (s.o.) in die Flasche, seit Anfang der Nullerjahre - bis dahin untypisch - auch torfige Malts. Die streng limitierte Auflage unseres heutigen Tröpfchens (305 Flaschen) reifte im Refill-Sherry-Fass und soll bei whic knapp 85,- EUR kosten.



Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (Central).

Besonderheiten: Nicht kaltfiltriert, nicht gefärbt, Fassstärke, Single Cask.

Sonntag, 20. Oktober 2019

Asbach Uralt NAS (36,0% Vol.)

Gestern hatten wir unseren zweiten Versuch im Braugarten, das diesjährige Weihnachtsbier auf den Weg zu bringen. Kesseldienst hatten diesmal Plattfuss und ich. Eigentlich wollten wir eine neue Einsendung von whic.de verkosten, aber diese blieb dann aus Versehen doch zuhause liegen. Aber gottlob hatten wir noch (zum ersten Mal!) eine unangebrochene Flasche Asbach Uralt im Garten, über die wir uns dann auch – zwecks Vertreibung der morgendlichen Kälte – zügig hermachten.

Asbach Uralt ist - wie der Name nahelegt - eine Legende in deutschen Regalen. Nur wenige heimische Alkoholmarken, gerade im Weinbrandbereich, dürften so geläufig und den meisten Menschen jederzeit abrufbar sein wie diese. Daneben kennt man in der Regel nur wenige "Standards", meistens noch den Mariacron und den Chantré. Alle drei sind Weinbrände aus Deutschland (allerdings nicht "Deutsche Weinbrände", denn wer diese Bezeichnung führen möchte, muss mindestens 38 Volumenprozente haben) und - wie gesagt - bereits seit Jahrzehnten hier heimisch. Tatsächlich ist der Asbach einst der allererste in Deutschland (1892) produzierte Weinbrand gewesen. Selbstverständlich wurde er damals noch nicht "Weinbrand", sondern "Cognac" oder "Kognak" genannt. Das ist übrigens nicht erst seit den EU-Verträgen verboten, sondern wurde den Deutschen schon im Versailler Vertrag untersagt. Die Bezeichnung "Weinbrand" gibt es laut Gesetz nunmehr seit dem Jahr 1923. Die Marke Asbach ist schon seit den frühen Neunzigern des letzten Jahrhunderts nicht mehr in Familienbesitz; nach mehreren Übernahmen kreuz und quer gehört sie mittlerweile zur Underberg AG.

Nun dachte ich immer, die meisten Kneipengänger trinken ihren Asbach gerne mit Cola (tatsächlich gibt es ihn auch fertig gemixt mit Cola in der Dose, was dann Coola heißt), aber die Frage ist, ob er dafür nicht eigentlich zu schade ist. Wir probieren ihn also heute natürlich pur. Im Übrigen hat das Haus Asbach noch höherwertige, teilweise sehr hochpreisige Produkte im Angebot, bis hin zu einer Jahrgangsabfüllung von 1972, die um die 2000,- EUR kosten soll. Eine Flasche Uralt sollte jedoch in der Regel für um die 10,- EUR zu bekommen sein.


Art und Herkunft: Weinbrand, Deutschland (Hessen).

Besonderheiten: -

Sonntag, 13. Oktober 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXXIV: Crazy Black Cat Dry Dublin Stout (6,8% Vol.)

Die Einleitung zum heutigen Artikel wird relativ kurz, denn viel gibt die Webseite von Crazy Black Cat (CBC) an Informationen nicht preis. Es handelt sich um eine winzigkleine Kleinbrauerei (wir nennen das - in Anlehnung an den Begriff Microbrewery - auch ganz gerne eine Nanobrauerei) aus Enschede, die aber über keine eigene Anlage verfügt, sondern ihre Produkte bei der ebenfalls kleinen, aber dennoch etwas größeren De Koperen Ster (haben eine Webseite, die ich aber nicht verlinke, weil sie, wie ich gestern feststellen musste, leider komplett verbuggt ist). Eine Besonderheit bei CBC ist, dass sie sich gänzlich der Herstellung von irischen Bieren verschrieben haben. Neben dem heute vorgestellten Stout gibt es noch ein Stout mit Poteen/Poitin-Infusion sowie zwei verschiedene Red Ales.

Art und Herkunft: Irish/Dry Stout, Niederlande (Twente).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Die Farbe ist - wie kaum anders zu erwarten war - als Schwarz zu bezeichnen. Eine sehr flüchtige, mittelstarke, dunkelbraune Schaumkrone. Vor dem Nosing habe ich das Bier erst einmal ein bisschen mit den Händen angewärmt, denn die empfohlene Trinktemperatur beträgt 9°C. In der Nase finden wir sehr, sehr dominanten Kaffee mit einem leicht metallischen Unterton sowie etwas Lakritze.

Sonntag, 6. Oktober 2019

Goose Island Midway IPA vs. Lagunitas 12th of Never Ale

Drei Gemeinsamkeiten haben die beiden heute besprochenen Biere (außer natürlich, dass es Biere sind): Erstens - sie sind beide in schicken neuen Dosen verpackt. Zweitens - sie kommen beide aus den USA. Drittens - es sind beides ehemalige Craftbrauereien, die von Riesenkonzernen übernommen wurden. Im Falle von Goose Island war das im Jahre 2011 die AB InBev, im Falle der Lagunitas im Jahre 2015 Heineken International (ich hatte mich bei meinem kürzlichen Urlaub in den Niederlanden schon gewundert, warum dort das IPA von Lagunitas mittlerweile zum festen Sortiment jeder x-beliebigen Kneipe gehört).

Diese Brauerei heißt so, weil sie im gleichnamigen Ort in Kalifornien gegründet wurde, und zwar schon im Jahr 1993 von einem Hobbybrauer namens Tony Magee. Nach nur recht kurzer Zeit war ihm seine Anlage in der Stadt Lagunitas aber schon zu klein, daher zog er mit seinem nicht mehr so kleinen Betrieb in die nahe gelegene Stadt Petaluma um (beide Orte liegen nördlich von San Francisco). Fast forward: 18 Jahre später wurde es Herrn Magee auch dort zu eng, und man bemühte sich weiter nach Osten, genauer gesagt nach Chicago. Und so blieb es dann auch bis zur Übernahme durch Heineken. Das heute besprochene 12th of Never Ale gehört zum sehr umfangreichen Standardportfolio.

Da, wohin Lagunitas erst nach langer Zeit umziehen musste, saß Goose Island schon immer: The Windy City. John und Greg Hall gründeten die Brauerei "nach einem Trip durch Europa", wo sie schmackhaftes Bier kennen und schätzen gelernt hatten. Sie beschlossen, es insbesondere den Engländern nachzutun. Das Ganze passierte in den späten Achtzigern; ansonsten war die Entwicklung ähnlich wie bei Lagunitas: immer größere Expansion über ca. 20 Jare, dann Übernahme durch einen Großkonzern. Das Midway Session IPA wird auf ihrer Webseite nicht großartig beworben, auf jeden Fall gehört es (nicht mehr? noch nicht?) zu ihren "Standards".



Goose Island Midway Session IPA (4,1% Vol.)

Art und Herkunft: Session IPA, USA (Illinois). 

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Goldgelb und nur ganz leicht trübe. Kleine, feste Krone. Unaufdringliches Aroma mit Gras- und Melonennoten.

Geschmack: Säuerlich-herber Antritt mit Zitronenzeste auf der Zungenspitze. Schwarzer Tee. Recht erfrischend und weniger herb als vermutet.