Sonntag, 29. Dezember 2019

Saint-Omer/Lidl: Abbaye de Vauclair Bière Blanche (4,5% Vol.)

Für das heutige Bier war mal wieder ein kleines bisschen Recherche nötig. Abbaye de Vauclair ist eine Handelsmarke von Lidl (Deutschland und zumindest auch Niederlande), unter deren Namen mehrere Spezialbiere (ein "dunkles Starkbier" haben wir auch noch irgendwo rumfliegen) verkauft werden. Hersteller ist hier jedoch jeweils die Brasserie de Saint-Omer, deren Standort auf der Flasche mit Douai angegeben wird.

Die Webseite wirkt ein wenig altbacken, aber wenn man mal auf die Seite der Brasserie Goudale im benachbarten Arques geht, sieht man, dass dort auch ein Link zu Saint-Omer zu finden ist. Wenn man dann noch ein bisschen im Netz rumsucht, stößt man schnell auf einen dritten Namen: Les brasseurs de Gayant. Alle Links, denen man folgen kann, enden aber entweder im Nichts oder auf der oben genannten Seite von Goudale. Puh, verwirrend, oder? Macht ganz schön durstig und so, ne? Aber keine Sorge, es ist eigentlich ganz einfach:

Alle drei Marken gehören derselben Familie, den Pecqueurs. Und Gayant ist die ursprüngliche Bezeichnung der Ur-Brauerei in Douai (gegründet 1919), deren Name auf eine lokale Sage zurückgeht (über einen "Riesen" = "Gigant" = "Gayant"). Die Saint-Omer ist sogar noch älter und stammt schon von 1866. Beide Brauereien kamen zu verschiedenen Zeitpunkten in den Besitz der Pecqueurs. Weitere An- und Verkäufe brauchen hier nicht weiter besprochen zu werden. Irgendwann reichten die Produktionskapazitäten von Gayant nicht mehr aus; die Gebäude in Douai ließen sich nicht vergrößern. So zog diese Brauerei nach Arques um, wobei sie gleichzeitig den Namen in Goudale änderte. Dies war erst 2016. Saint-Omer befindet sich weiterhin in Douai.

In einem Interview im Jahr 2015 ging André Pacqueur, der Patriarch der Familie, auf die verschiedenen Rollen der beiden Schwesterbrauereien ein: bei Goudale werden die eher "craftigen" Biere hergestellt, bei Saint-Omer die "mainstreamigen". Zum Portfolio der Gesamtfirma gehören auch bekanntere Marken wie Grain d'Orge (früher der Name einer eigenständigen Brauerei, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen belgischen Firma) oder Belzebuth. Saint-Omer braut nach eigenen Angaben (und das passt ja heute auch zum Thema) "jedem sein eigenes Bier", was man auch als "Auftragsarbeiten" beschreiben kann.

Das heutige Bier jedenfalls ist ein "Weißbier nach belgischer Art" (auch Witbier genannt), welches klar vom bayrischen "Weißbier" abzugrenzen ist. Bekannter Vertreter der erstgenannten Gattung ist z.B. das belgische Hoegaarden.

Art und Herkunft: Witbier, Frankreich (Dept. Nord).

Sonntag, 22. Dezember 2019

Einsendungen, Teil VIII: Glen Moray 11 J. 2007/2019 (51,1% Vol.) (Whic Nymphs of Whisky Batch #2)

Anfang Dezember hat whic eine neue Abfüllung in der Reihe Nymphs of Whisky (nunmehr bereits Batch #2) herausgebracht: wie bereits letzten Mai ist es ein elfjähriger Glen Moray; diesmal aber 2007/2019 anstatt 2007/2018. Außerdem hat er gut zehn Umdrehungen weniger als sein Vorgänger, der übrigens bereits längst ausverkauft ist.

Glen Morays hatten wir - unter anderem auch als Glen Turner verkleidet - schon öfter in unserem Blog. So richtig gute Kritiken (im Sinne von "enthusiastisch) waren noch nicht dabei, allerdings auch keine schlechten. Glen Moray gilt, wenn ich mal für meine heute abwesenden Blogkollegen mitsprechen darf, bei uns in der "Redaktion" als einsteigerfreundlicher Whisky ohne große Ecken und Kanten ... was ja per se nichts schlechtes ist. Der heutige Vertreter von whic (danke für das Sample, Melisa!) soll im Großgebinde (0,7 Liter) 59,90 EUR kosten. Schauen wir mal, was er so kann.


Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Lossie).

Sonntag, 15. Dezember 2019

Schröder's (Berentzen) Alte Liebe NAS (30,0% Vol.)

Es ist immer so eine Sache, mit der "Alten Liebe"..... Da unser Blog-Kollege Tomas derzeit mit seiner alten Liebe im wohlverdienten Urlaub ist, darf ich heute mal wieder ein paar Zeilen zum Besten geben. Ist schon eine ganze Weile her, dass ich die Alte Liebe zum letzten Mal getrunken habe. Genau gesagt, hab ich sie nur und ausschließlich während meiner Wehrdienstzeit 1999 getrunken. Damals war ich in Fürstenau stationiert, also in unmittelbarer Nähe zum Emsland, wo der edle Tropfen herkommt. Ja, es handelt sich um ein Produkt aus dem Hause Berentzen. War auch nicht schwer zu erraten! Seit 1758 wird bei den Fuselbrennern alles "gebrannt", was auch nur etwas Alkohol hergibt. Und wenn nicht, wird einfach Neutralsprit mit Geschmack gemischt. Das Portfolio beinhaltet heute ein große Bandbreite an alkoholischen und nicht alkoholischen Getränken, wie Apfelkorn, Puschkin-Vodka, Doornkaat, Dethleffsen-Produkte (Bommerlunder, Dirty Harry, Echt Stonsdorfer, Hansen Rum und Springer Urvater), aber auch Mineralbrunnen und Konzessionen für Pepsi und Sinalco. Mehr zur heutigen Berentzen-Gruppe hatte Tomas schon einmal hier zusammengetragen.

Berentzen selbst:
Schröder’s Alte Liebe ist unter Mitverwendung von mehr als 10% Weindestillat hergestellt. Unsere besondere Schröder-Rezeptur bürgt für einen köstlich-milden Genuss, der pur oder als Longdrink gemixt mit Cola, Orangen- oder Zitronenlimonade zu genießen ist. Schröder´s Alte Liebe überzeugt mit vollem Bouquet und weichem Geschmack. Tipp: Handwarm aus dem Cognacschwenker servieren oder mit Cola, Orangen- oder Zitronenlimonade mixen.
Ich war also kürzlich in einem örtlichen Supermarkt unterwegs und entdecke dort in einem Gondelkopfregal die Alte Liebe (hier eine Sonderedition) wieder. Kurz nachgedacht und entschieden, für €5,99 bist du mein! Damals kostete ne Flasche überall DM 9,99.


Art und Herkunft: Weinbrandspirituose, Deutschland (Niedersachsen).

Sonntag, 8. Dezember 2019

Winterpunsch 2019

In diesem Jahr empfiehlt das Team von Blog Blong Dring mal wieder einen Klassiker; heuer machen wir einen Hot Toddy. Seelenverwandt ist er von weitem dem Grog, wird aber in der Regel mit mehr Zutaten und mit Whisky hergestellt, wobei letzteres dem Geschmack des Einzelnen überlassen bleibt.

Die Variante, die wir euch heute vorstellen, ist etwas alkoholischer und weniger süß als andere. 



Hot Toddy

(ein Glas bzw. eine Tasse)

4 cl einfacher Bourbon oder Rum oder Brandy
1 Esslöffel Honig
2 Teelöffel Zitronensaft
1 Zitronenscheibe
2 Nelken
kochendes Wasser

Zubereitung: Alle Zutaten zusammengeben und das Behältnis mit kochendem Wasser auffüllen. Umrühren, mit Zitronenscheibe garnieren. Fertig.

Allen Leser*innen einen schönen 2. Advent!

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 15. Dezember 2019.

Text: Jan B.


Sonntag, 1. Dezember 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXXVII: The Musketeers Party on a Jamaican Beach (5,5% Vol.)

Ich muss es ehrlich zugeben: obwohl ich ursprünglich aus Belgien komme (und mein Kollege, der hier am Tastingtisch neben mir sitzt, einen sehr großen Teil seines Lebens hier verbracht hat), ist das Waasland in Ostflandern wahrscheinlich diejenige Region unserer geliebten Heimat, die wir am wenigsten kennen. Darüber waren wir uns einig, als wir für diesen Artikel die geografische Lage von Sint-Gillis-Waas rausgesucht haben, wo seit 2019 die Brauerei The Musketeers steht. Jan meint, er habe mal einen Ausflug (!) zum Atomkraftwerk Doel (!!) mitmachen dürfen (!!!) und ich erinnere mich dunkel, mal eine Liebschaft in Rupelmonde (!!!!) gehabt zu haben (das muss Anfang der 80er gewesen sein), aber sonst: niks.

"Die Musketiere" sind hierhin umgezogen, weil ihr Betrieb einfach zu groß geworden ist. Angefangen haben sie jedoch schon vor zwanzig Jahren, in der Küche und mit den Pötten und Pannen von Mitgründer Kristof de Roos Mutter. Bekannt wurde die Brauerei eigentlich mit ihren Bieren der Troubadour-Reihe sowie dem Antigoon, das nach einer Sagenfigur der Region benannt ist. Das Party on a Jamaican Beach, welches wir heute probieren wollen, gehört zur Bucket List Series, also zu den Produkten, "die sie immer schon mal brauen wollten" und die auch alle ähnlich ausgefallene Namen tragen.


Art und Herkunft: New England IPA (NEIPA), Belgien (Ostflandern).

Besonderheiten: Kalthopfung.

Sonntag, 24. November 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXXVI: Trots (H)Op Eanske vs. 1325 (Eanske)

Es ist schon mehr als zwei Jahre her, dass wir hier im Blog etwas von der Enscheder Craftbrauerei Eanske hatten, nämlich das Donkere Dagen, das unter anderem an die Feuerwerkskatastrophe von 2000 erinnern soll. 

Seitdem hat sich einiges getan: erstens ist das Standardsortiment deutlich größer geworden - und das ist zweitens der Tatsache geschuldet, dass man mittlerweile über eine eigene Produktionsstätte verfügt und nicht mehr darauf angewiesen ist, sich bei anderen Brauereien "einzumieten". Tatsächlich ist die Kapazität mittlerweile so ausreichend, dass Eanske nun selbst anbietet, seine Anlagen von Interessenten (z.B. Hobbybrauern) nutzen zu lassen.

Die Kleinbrauerei befindet sich mittlerweile auf einem kleinen Platz vor der Twentsche Foodhall und ist nicht ohne Voranmeldung besuchbar. Auch verfügt sie über keine angeschlossene Bar oder ähnliches, wie wir bei unserem Besuch im vergangenen Sommer leider feststellen mussten.

Probieren tun wir heute ein Bier aus dem schon erwähnten Standardsortiment (das 1325 verweist auf das Jahr, in dem Enschede die Stadtrechte verliehen bekam und es war außerdem das erste Bier, welches überhaupt von Eanske hergestellt wurde) sowie ein "Spezialbier", das Trots (H)Op  Eanske, welches wiederum die hopfigere Variation eines anderen Bieres (das Trots Op Eanske heißt) darstellt.


Eanske 1325 (5,8% Vol.)

Art und Herkunft: American Pale Ale, Niederlande (Twente).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Satt bernsteinfarben mit einer knackigen, stabilen Krone. Eine sehr typische APA-Nase mit tropischem Früchtecocktail und etwas Bienenhonig sowie frisch gemähtem Gras.

Sonntag, 17. November 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXXV: Tynt Meadow (7,4% Vol.)

Auf das heutige Bier habe ich mich schon die ganze Woche gefreut: nicht, weil es unbedingt eines ist, das ich alltags trinken würde, sondern weil es ein relativ seltenes und von mir auch zum ersten Mal im Regal gesehenes ist.

Das Tynt Meadow wird in der Zisterzienserabtei (da es Trappisten sind, natürlich OCSO, nicht OCist)  Mount Saint Bernard gebraut, einer von nur zwölf (sic!) Brauereien, die sich mit dem Siegel Authentic Trappist Product (ATP) schmücken dürfen. Folgende Bedingungen müssen erfüllt sein, damit man das Recht erhält, Mitglied dieses exklusiven "Vereins" zu werden:
  • das Bier muss in einer Trappistenabtei gebraut worden sein, von den Mönchen selbst oder unter ihrer Aufsicht
  • die Bierproduktion darf nicht der Hauptzweck der Abtei sein und die Herstellung und der Verkauf dürfen "den mönchischen Regeln nicht zuwiderlaufen"
  • das Bier darf nicht in der Absicht hergestellt werden, Gewinn zu erwirtschaften. Die Erlöse sollen die Kosten der klösterlichen Gemeinschaft decken. Überschüsse müssen für gute Zwecke verwendet werden
Aus o.a. Gründen sind "echte" Trappistenbiere notorisch schwer zu bekommen (siehe Westvleteren) und dementsprechend natürlich sehr begehrt.

Die Abtei Mount Saint Bernard war das erste katholische Kloster, welches in England nach der Reformation neu gegründet wurde (1835). Außerdem ist sie der einzige Produzent von Trappistenbier auf den Britischen Inseln und auch noch das allerjüngste Mitglied der oben erwähnten ATP-Familie. Bier gebraut wird hier sowieso erst seit 2018 und der Ausstoß ist - wie nicht anders zu erwarten - überschaubar: gerade mal um die 30.000 Flaschen wurden bis Mitte diesen Jahres hergestellt.

Es lohnt sich übrigens - auch wenn man mit Religion im allgemeinen oder auch Katholizismus im besonderen nichts am Hut hat - die ausführliche Beschreibung der Brautätigkeit der Mönche auf ihrer eigenen Webseite nachzulesen: sie erklärt Sinn, Zweck und Form des modernen monastischen Brauens besser als ich es in meinen eigenen Worten wiedergeben könnte. Darum beschränke ich mich, bevor ich an die Verkostung gehe, auf die Übersetzung des Psalms, den die Brüder ihrer Brautätigkeit vorangestellt haben:
Er lasset grünes Gras wachsen für das Vieh und Pflanzen zum Nutzen der Menschheit | Um Brot hervorzubringen aus der Erde | Und Wein, der das Herz der sterblichen Menschen erfreut (Psalm 104:14-15)


Das Bier heißt übrigens offiziell "nur" Tynt Meadow und nicht etwa Mount Saint Bernard Tynt Meadow, weil es anscheinend namensrechtliche Auseinandersetzungen mit der belgischen Brauerei St. Bernardus gab. Einen eigentlich angemessenen "Pokal" für das Trappist habe ich übrigens nicht ... einer von Berliner Weiße wird es tun müssen.

Art und Herkunft: Dubbel, England.

Sonntag, 10. November 2019

Wolfburn Aurora NAS (46,0% Vol.)

Aurora ist erstens einmal der Name der römischen Göttin der Morgenröte (Eos bei den Griechen). Andererseits ist es unter anderem der (angebliche) Name eines supergeheimen amerikanischen Projekts zum Bau eines Hyperschall-Aufklärungsflugzeugs. Wer den Namen also gegoogelt hat und hier gelandet ist, dem sei zu Beginn gesagt, dass es hier heute nur um Whisky geht.

Die Flasche ist schon seit dem Sommer in Anbruch; Tom hatte sie zum Geburtstag von seiner Frau bekommen. Zeit also, ihn endlich mal offiziell zu verkosten. Vor einigen Jahren hatten wir schon mal einen Whisky von Wolfburn in Thurso hier im Blog, den First General Release (ebenfalls o.J.), der uns damals anscheinend ganz gut gefiel.

Die Destillerie wurde erst vor acht Jahren neu gegründet; auf einen Zwölfjährigen müssen wir nach Adam Riese also noch ein bisschen warten (gebrannt wird gerade mal seit sechs Jahren) ... WENN er denn kommt. Seit einiger Zeit geht das Single-Malt-Geschäft ja insgesamt in Richtung NAS. Habe ich neulich beim Betrachten der Dalmore-Sammlung eines Freundes wieder mal gedacht. 

Der Aurora gehört zu den mittlerweile vier Standards (hinzu kommen noch zwei kleinere Serien, Kylver und Small Batch). Er reifte sowohl in Ex-Bourbon- als auch in Oloroso-Fässern.



Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (Northern).

Sonntag, 3. November 2019

Einsendungen, Teil VII: Caol Ila 9 J. (56,8% Vol.) (Whic The War of the Peat II of XIII by Signatory Vintage)

Another week, another whisky. Kurz nach dem Sample des Ballechin 12 kam schon das nächste von whic.de. Diesmal ein Caol Ila, auf den wir uns die ganze Woche gefreut haben. Von der Brennerei hatten wir schon eine ganze Weile (Januar 2018!) nichts mehr im Blog, damals war es ein sehr junger Sechsjähriger von Douglas Laing.

Anders als der letzte Whisky aus der Serie reifte dieser hier im Eichenfass, was sowohl meinem Kollegen Jan als auch mir entgegenkommt. Wie auch beim letzten Mal stand hier Signatory als Kooperationspartner zur Verfügung. Im Vorfeld gab es einige Verwirrung über Stärke und Alter des guten Tröpfchens, aber die o.a. Daten sollen nun wohl korrekt sein. Bei Whic sind beide Ausgaben des War of the Peat auch schon wieder vergriffen ... da haben wohl einige Leute auf der Lauer gelegen.



Art und Herkunft: Single Malt, Islay.

Besonderheiten: Nicht kaltfiltriert, nicht gefärbt, in Fassstärke abgefüllt.

Sonntag, 27. Oktober 2019

Einsendungen, Teil VI: Ballechin 12 J. (59,3% Vol.) (Whic The War of the Peat I of XIII by Signatory Vintage)

Ende September hat whic.de eine neue Serie herausgebracht, die sich The War of the Peat nennt und in dreizehn Folgen (wir behandeln heute die erste von ihnen) dem - wie man aus dem Titel unschwer verstehen wird - rauchigen bis torfigen Single Malt verschrieben hat. Zur Namensgebung sagt uns das Pressematerial folgendes:
[...] Manche Aromen scheinen wie nicht von dieser Welt. Geschmacksexplosionen voll brachialer Rauchnoten, Motoröl und Speck. Für diese Whiskys, die anecken und das Extreme darstellen, brauchte es auch den richtigen Namen und das richtige Aussehen, was diese Aromenspektakel einfing. Als Sience [sic!] Fiction Fan fand ich Inspiration bei einem literarischen Klassiker „Der Krieg der Welten“ [...]
Zum Einstand gibt es einen 12-jährigen Ballechin in Zusammenarbeit mit Signatory (immer noch keine eigene Webseite; die angeschlossene Brennerei Edradour hat aber eine, auch wenn diese etwas altbacken rüberkommt).

Ballechin? Es gibt keine heute noch existierende Brennerei dieses Namens; die ursprüngliche Destillerie schloss bereits 1927 die Pforten. Unter der Marke kommen heute Whiskys von Edradour (s.o.) in die Flasche, seit Anfang der Nullerjahre - bis dahin untypisch - auch torfige Malts. Die streng limitierte Auflage unseres heutigen Tröpfchens (305 Flaschen) reifte im Refill-Sherry-Fass und soll bei whic knapp 85,- EUR kosten.



Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (Central).

Besonderheiten: Nicht kaltfiltriert, nicht gefärbt, Fassstärke, Single Cask.

Sonntag, 20. Oktober 2019

Asbach Uralt NAS (36,0% Vol.)

Gestern hatten wir unseren zweiten Versuch im Braugarten, das diesjährige Weihnachtsbier auf den Weg zu bringen. Kesseldienst hatten diesmal Plattfuss und ich. Eigentlich wollten wir eine neue Einsendung von whic.de verkosten, aber diese blieb dann aus Versehen doch zuhause liegen. Aber gottlob hatten wir noch (zum ersten Mal!) eine unangebrochene Flasche Asbach Uralt im Garten, über die wir uns dann auch – zwecks Vertreibung der morgendlichen Kälte – zügig hermachten.

Asbach Uralt ist - wie der Name nahelegt - eine Legende in deutschen Regalen. Nur wenige heimische Alkoholmarken, gerade im Weinbrandbereich, dürften so geläufig und den meisten Menschen jederzeit abrufbar sein wie diese. Daneben kennt man in der Regel nur wenige "Standards", meistens noch den Mariacron und den Chantré. Alle drei sind Weinbrände aus Deutschland (allerdings nicht "Deutsche Weinbrände", denn wer diese Bezeichnung führen möchte, muss mindestens 38 Volumenprozente haben) und - wie gesagt - bereits seit Jahrzehnten hier heimisch. Tatsächlich ist der Asbach einst der allererste in Deutschland (1892) produzierte Weinbrand gewesen. Selbstverständlich wurde er damals noch nicht "Weinbrand", sondern "Cognac" oder "Kognak" genannt. Das ist übrigens nicht erst seit den EU-Verträgen verboten, sondern wurde den Deutschen schon im Versailler Vertrag untersagt. Die Bezeichnung "Weinbrand" gibt es laut Gesetz nunmehr seit dem Jahr 1923. Die Marke Asbach ist schon seit den frühen Neunzigern des letzten Jahrhunderts nicht mehr in Familienbesitz; nach mehreren Übernahmen kreuz und quer gehört sie mittlerweile zur Underberg AG.

Nun dachte ich immer, die meisten Kneipengänger trinken ihren Asbach gerne mit Cola (tatsächlich gibt es ihn auch fertig gemixt mit Cola in der Dose, was dann Coola heißt), aber die Frage ist, ob er dafür nicht eigentlich zu schade ist. Wir probieren ihn also heute natürlich pur. Im Übrigen hat das Haus Asbach noch höherwertige, teilweise sehr hochpreisige Produkte im Angebot, bis hin zu einer Jahrgangsabfüllung von 1972, die um die 2000,- EUR kosten soll. Eine Flasche Uralt sollte jedoch in der Regel für um die 10,- EUR zu bekommen sein.


Art und Herkunft: Weinbrand, Deutschland (Hessen).

Besonderheiten: -

Sonntag, 13. Oktober 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXXIV: Crazy Black Cat Dry Dublin Stout (6,8% Vol.)

Die Einleitung zum heutigen Artikel wird relativ kurz, denn viel gibt die Webseite von Crazy Black Cat (CBC) an Informationen nicht preis. Es handelt sich um eine winzigkleine Kleinbrauerei (wir nennen das - in Anlehnung an den Begriff Microbrewery - auch ganz gerne eine Nanobrauerei) aus Enschede, die aber über keine eigene Anlage verfügt, sondern ihre Produkte bei der ebenfalls kleinen, aber dennoch etwas größeren De Koperen Ster (haben eine Webseite, die ich aber nicht verlinke, weil sie, wie ich gestern feststellen musste, leider komplett verbuggt ist). Eine Besonderheit bei CBC ist, dass sie sich gänzlich der Herstellung von irischen Bieren verschrieben haben. Neben dem heute vorgestellten Stout gibt es noch ein Stout mit Poteen/Poitin-Infusion sowie zwei verschiedene Red Ales.

Art und Herkunft: Irish/Dry Stout, Niederlande (Twente).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Die Farbe ist - wie kaum anders zu erwarten war - als Schwarz zu bezeichnen. Eine sehr flüchtige, mittelstarke, dunkelbraune Schaumkrone. Vor dem Nosing habe ich das Bier erst einmal ein bisschen mit den Händen angewärmt, denn die empfohlene Trinktemperatur beträgt 9°C. In der Nase finden wir sehr, sehr dominanten Kaffee mit einem leicht metallischen Unterton sowie etwas Lakritze.

Sonntag, 6. Oktober 2019

Goose Island Midway IPA vs. Lagunitas 12th of Never Ale

Drei Gemeinsamkeiten haben die beiden heute besprochenen Biere (außer natürlich, dass es Biere sind): Erstens - sie sind beide in schicken neuen Dosen verpackt. Zweitens - sie kommen beide aus den USA. Drittens - es sind beides ehemalige Craftbrauereien, die von Riesenkonzernen übernommen wurden. Im Falle von Goose Island war das im Jahre 2011 die AB InBev, im Falle der Lagunitas im Jahre 2015 Heineken International (ich hatte mich bei meinem kürzlichen Urlaub in den Niederlanden schon gewundert, warum dort das IPA von Lagunitas mittlerweile zum festen Sortiment jeder x-beliebigen Kneipe gehört).

Diese Brauerei heißt so, weil sie im gleichnamigen Ort in Kalifornien gegründet wurde, und zwar schon im Jahr 1993 von einem Hobbybrauer namens Tony Magee. Nach nur recht kurzer Zeit war ihm seine Anlage in der Stadt Lagunitas aber schon zu klein, daher zog er mit seinem nicht mehr so kleinen Betrieb in die nahe gelegene Stadt Petaluma um (beide Orte liegen nördlich von San Francisco). Fast forward: 18 Jahre später wurde es Herrn Magee auch dort zu eng, und man bemühte sich weiter nach Osten, genauer gesagt nach Chicago. Und so blieb es dann auch bis zur Übernahme durch Heineken. Das heute besprochene 12th of Never Ale gehört zum sehr umfangreichen Standardportfolio.

Da, wohin Lagunitas erst nach langer Zeit umziehen musste, saß Goose Island schon immer: The Windy City. John und Greg Hall gründeten die Brauerei "nach einem Trip durch Europa", wo sie schmackhaftes Bier kennen und schätzen gelernt hatten. Sie beschlossen, es insbesondere den Engländern nachzutun. Das Ganze passierte in den späten Achtzigern; ansonsten war die Entwicklung ähnlich wie bei Lagunitas: immer größere Expansion über ca. 20 Jare, dann Übernahme durch einen Großkonzern. Das Midway Session IPA wird auf ihrer Webseite nicht großartig beworben, auf jeden Fall gehört es (nicht mehr? noch nicht?) zu ihren "Standards".



Goose Island Midway Session IPA (4,1% Vol.)

Art und Herkunft: Session IPA, USA (Illinois). 

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Goldgelb und nur ganz leicht trübe. Kleine, feste Krone. Unaufdringliches Aroma mit Gras- und Melonennoten.

Geschmack: Säuerlich-herber Antritt mit Zitronenzeste auf der Zungenspitze. Schwarzer Tee. Recht erfrischend und weniger herb als vermutet.

Sonntag, 29. September 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXXIII: Blue Sheep Blue Monday Saison (6,2% Vol.)

Letztes Wochenende war mir ein bisschen langweilig und ich dachte, ich könnte mal wieder ein halbes Kilo Gouda oder ähnliches aus den Niederlanden holen, also bin ich einfach ins Auto gesprungen und nach Hengelo gefahren. Ist eine Weile her, dass ich da war, aber dankenswerterweise haben sie dort nun auch eine eigene Craftbierbrauerei, mit dem schönen altniederländischen Namen Blue Sheep Brewery

Das ist nun wirklich keine Klein- sondern eine Kleinstbrauerei, wo das meiste noch von den beiden Gründern (2017) Roy - von Haus aus Bäcker und Konditor - und Brian, der vorher bzw. nebenher einen ganz normalen Bürojob hat(te)selber gemacht wird. Umso froher bin ich, dass im lokalen Supermarkt (Albert Heijn) tatsächlich ein paar Flaschen zu haben waren. Zurzeit sind fünf verschiedene Sorten im Angebot, nämlich zwei IPAs, ein Tripel, ein zur Herbstzeit passendes Bockbier sowie das heute zu verkostende Saison. Unsere beiden Craftbrauer versprechen dem Tester dieses Bieres süßsaure Noten und eine ausbalancierte Bitterkeit. Der Tester ist gespannt!

Art und Herkunft: Saison, Niederlande (Twente).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Goldgelb und mit anständiger fester und mittelgroßer Krone. Leicht trübe. In der Nase viel Hefe und ein eher dezenter grasig-würziger Hauch von Sommerwiese.

Geschmack: Leicht säuerlicher, moussierender Antritt. Eine Ahnung von Weißwein (Trauben) und Mirabellen. Ansonsten Brotteig, wenige kräftige Hopfennoten. Erfrischend.

Sonntag, 22. September 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXXII: Van Moll Doerak (6,3% Vol.)

Begonnen hat bei Van Moll in Eindhoven alles als Brewpub. Heute - gute sechs Jahre nach der Gründung - gibt es den immer noch, aber die Biere dieser jungen Brauerei findet man mittlerweile auch landauf/landab im gut sortierten Getränkeregal. Also: in den Niederlanden natürlich. Hier in Deutschland wohl eher nicht. Zum Standardprogramm gehören mittlerweile sechs Biere; wie jeder gute Craftbierproduzent es macht sind auch hier zusätzlich wechselnde Specials im Angebot. Manchmal - aber nicht immer - in Kollaboration mit anderen Herstellern produziert.

Das heute hier vor uns stehende Doerak gehört zur core range. Fast alle dieser Biere kommen in einheitlichem Flaschendesign mit niedlichen Tierchen auf dem Etikett. Beim Doerak ist es ein Dachs, der einige meiner Kumpels in der Bier-Selbsthilfegruppe an diesen niedlichen kleinen Kerl aus Guardians of the Galaxy erinnert haben soll. Der Name des Biers kommt übrigens tatsächlich vom russischen Wort дурак, welches angeblich während der napoleonischen Kriege von Kosaken des Zaren in die Niederlande gebracht worden sein soll. Im Russischen bedeutet дурак wohl so etwas wie "Dummkopf"; in der niederländischen Sprache heißt es eher "Tunichtgut" oder "kleiner Racker", ist also deutlich liebevoller gemeint. Ansonsten verspricht man uns von Seiten der Brauerei ein leicht bitteres, sehr tropischfruchtiges IPA. Wir sind sehr gespannt.


Art und Herkunft: IPA, Niederlande (Nordbrabant).

Sonntag, 15. September 2019

Meantime Raspberry Wheat (5,0% Vol.)

Zum Titel des Beitrags heute gab es innerhalb der Redaktion eine kurze, aber intensive Diskussion. Sollte ein Artikel über die Meantime Brewery aus Greenwich zu unserer Reihe Sind so kleine Biere gehören oder nicht? Wir sind mit den Maßstäben dabei ja nicht so streng, zeigen uns auch schon mal kulant, was einen etwas höheren Jahresausstoß angeht usw. Schließlich lässt sich lange darüber streiten, was denn nun ein Craftbier oder auch eine Mikrobrauerei ist. Mit der Meantime verhält es sich nun so, dass wir sie bei unserem letzten Bericht über eines ihrer Biere noch dezidiert als Craftbrauerei angesprochen hatten. Das war allerdings schon 2015 und seitdem ist eine Menge Wasser die Themse heruntergeflossen. Im selben Jahr nämlich wurde die Firma, die 1999 von Alastair Hook gegründet worden war, vom Großkonzern SABMiller (mittlerweile selbst von AB InBev geschluckt) aufgekauft. Ein Jahr später ging es dann aber - nicht ohne ein "Skandälchen" zwischendurch - direkt weiter in das Firmenimperium von Asahi - einem der großen Global Player im Getränkesegment. Ach so ... was das erwähnte Skandälchen war? So in der Zeit kurz nach der Übernahme durch SABMiller kam heraus, dass die Biere aus der Brauerei - um die Produktionsmenge zu erhöhen - mit in den Niederlanden bei Grolsch gebrautem Bier "unterfüttert" worden waren. Die Rede war von etwa zehn Prozent. Nachdem wir alle diese Fakten noch einmal selbst nachrecherchiert haben, sind wir (oder zumindest die Hardliner im Team) zu dem Schluss gekommen, dass wir für die Brauerei Meantime das Lemma "kleine Biere" nicht mehr verwenden möchten. Nicht, dass es die jucken wird, natürlich. 

Das heute verkostete Raspberry Wheat gibt es schon ein paar Jahre lang (ich habe Verkostungen gesehen, die mindestens bis 2012 zurückgehen), dennoch gehört es laut Webseite der Brauerei nicht zur core range.

Art und Herkunft: Fruchtweizenbier, England.

Sonntag, 8. September 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXXI: Babylone vs. Jungle Joy (Brussels Beer Project)

Vor ein paar Monaten hatten wir hier schon einmal etwas vom Brussels Beer Project hier im Blog; damals verkostete ich mutterseelenalleine ihr "Ur-Bier", das Delta IPA. Meine Ankündigung eines Brauereibesuchs konnte ich bis jetzt noch nicht wahrmachen, aber im Winter werde ich es wohl doch endlich schaffen ... freue mich schon darauf. Neulich fielen mir zufällig noch zwei weitere Produkte von ihnen in die Hand. Auch diese beiden gehören zu ihren All-Stars, mit anderen Worten: zum Standardsortiment.

Beim Babylone ist das Besondere, dass es unter Zuhilfenahme von Brot gebraut wird. Daher auch der Name: im alten Babylon wurde Bier gebraut, indem man Brotlaibe in Wasser vergären ließ, da der Zusammenhang zwischen Hefestämmen, Maische und Bier noch nicht bekannt war. Das Jungle Joy wird als moderne Interpretation eines Fruchtbiers beschrieben, komm jedoch ohne künstliche Zusatzstoffe oder Zucker aus.


Brussels Beer Project Babylone (7,0% Vol.)

Art und Herkunft: Bitter, Belgien (Brüssel).

Besonderheiten: In der Maische wurden 20 Prozent des Malzes durch unverkauftes frisches Brot ersetzt.

Aussehen und Aroma: Rotbraun und leicht trübe. Große Krone. In der Nase frische Melasse, Brotteig und Tortenboden.

Sonntag, 1. September 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXX: Columbus vs. Flink vs. I.P.A. ('t IJ)

Vor ein paar Jahren haben wir hier im Blog schon einmal über die Brauerei 't IJ (benannt nach diesem relativ auffälligen Gewässer bei Amsterdam) berichtet. Und noch nicht einmal sehr positiv, wenn ich mal eben nachschaue. Da sich an der Geschichte der Firma nichts geändert hat, bitte bei Interesse dort ebenfalls nachlesen. Allerdings ist 't IJ in den letzten Jahren doch sehr viel größer geworden; der jährliche Ausstoß hat sich seit damals mehr als verdoppelt.

"Ij" ist ein Homophon (= ein Wort, das genauso klingt wie ein anderes, welches jedoch anders geschrieben wird) zur niederländischen Aussprache von "Ei", daher bieten sich allerlei Wortspiele wie zum Beispiel "Ei" des Columbus (eines der heute verkosteten Biere) natürlich geradezu an. Das Columbus ist eine Sorte aus dem jederzeit verfügbaren Standardsortiment, darüber hinaus auch noch aus rein biologisch angebauten Zutaten gebraut. Auch die beiden anderen Kandidaten - das I.P.A. und das Flink - stehen jahrein, jahraus auf dem Programm.



't IJ Flink (4,7% Vol.)

Art und Herkunft: Pale Ale, Niederlande (Nordholland).

Besonderheiten: -

Sonntag, 25. August 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXIX: Stanislaus Brewskovitch Sunmilk vs. Gulpener Spicy Roger

Bei unserem letzten Ausflug nach Enschede ist es uns - wie schon einmal berichtet - gelungen, eine stattliche Anzahl von interessanten Bieren aus dem örtlichen Getränkehandel zu befreien, nicht zuletzt, damit wir wieder etwas zu trinken und zu schreiben haben. Nicht alles sind niederländische Biere, aber die beiden heutigen Kandidaten schon, auch wenn sie sonst wenig miteinander zu tun  haben. Die einzige weitere Gemeinsamkeit dürfte wohl sein, dass beide "so eine Art von" IPA darstellen; jedes aber für sich mit einer ganz besonderen Auslegung dieses recht diversen Bierstils.

Einmal haben wir hier vor uns das Sunmilk von Stanislaus Brewskovitch. Über diese Enscheder Brauerei und ein weiteres ihrer Biere haben wir vor einiger Zeit schon einmal hier berichtet. Das heutige Bier wird von der Brauerei als "angenehm bitter, subtil und fruchtig" beschrieben. Beim Brauprozess wurde unter anderem auch Laktose (Milchzucker) zugesetzt, was dem Bier eine etwas süßere Note verleihen soll.

Über Gulpener haben wir hier bis jetzt noch nie etwas geschrieben, obwohl die Marke durchaus recht bekannt ist, zumindest in niederländischen Supermarktregalen. Es ist auch keine ganz kleine Brauerei, denn der Jahressausstoß liegt bei deutlich über 100.000 Hektolitern pro Jahr. Wir nehmen sie aber dennoch zu unseren "kleinen Bieren", denn immerhin ist sie auch fast 200 Jahre nach ihrer Gründung (1825) eine der wenigen, die immer noch in Familienhand sind. Das angebotene Portfolio ist sehr groß; genau 20 verschiedene Sorten zähle ich beim Überfliegen der Webseite. Darunter viele Standards wie Pilsener oder das in den Niederlanden sehr beliebte Oud Bruin, jedoch auch viele moderne collaborations und saisonale Stile. Das heute getestete Double IPA (einfach gesagt: ein starkes IPA) hat als besondere "Zugabe" guten alten  Chilipfeffer.


Stanislaus Brewskovitch Sunmilk (5,7% Vol.)

Art und Herkunft: Tropical (Milk) IPA, Niederlande (Twente).

Sonntag, 18. August 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXVIII: The Wild Mill Blond vs. The Wild Mill Tripel

Jeremy Vermolen ist so etwas wie der Steffen Henssler der Niederlande. Ein sehr bekannter "Fernsehkoch" (der Beruf "Fernsehkoch" ist ja auch erst seit gut 15 Jahren ein Beruf) mit Schwerpunkt Barbecue und/oder Grillen. Nebenher - wenn man so will - betreibt er in Roosendaal nahe der belgischen Grenze ein BBQ-Steakhouse. Wie könnte es auch anders sein?

Vor einiger Zeit kam er auf die Idee, ein paar eigene Hausbiere zu kreieren, die sich besonders zum Verzehr zum Barbecue eignen sollen. Brauen tut er sie allerdings nicht selbst; dies übernimmt - wie einem die Informationen auf einschlägigen Lieferantenseiten deutlich sagen - die Brauerei Vermeersen im etwa 70 Kilometer entfernten Hulst. Genannt hat Herr Vermolen sein Bier Wild Mill, was etwas putzig ist, denn Molen heißt auf Deutsch Mühle, heißt auf Englisch Mill. Super, nicht?


The Wild Mill Blond (6,5% Vol.)

Art und Herkunft: Blond, Niederlande (Zeeland/Nord-Brabant)

Besonderheiten: "Mit einem Hauch von Koriander und Apfelsinenschale".

Sonntag, 11. August 2019

Projekt Braugarten, Teil IX: Braugarten Mild Session Ale (3,0% Vol.)

Unser neuestes Bier haben wir genau am Himmelfahrtstag diesen Jahres gebraut. Es war ein sehr angenehmer Tag im Braugarten und die Arbeit ging uns gut von der Hand. Hoffen wir, dass sich das auch in der Qualität unseres Bieres niedergeschlagen hat. Dieses Mal wollten wir ein Session Ale machen, also etwas mit weniger Volumenprozenten, mit gefälliger Note, was man auch einmal einen ganzen Sommerabend lang trinken könnte. Damit das Ganze einen weichen, nicht zu anstrengenden Geschmack bekommt, haben wir noch einmal auf den Standardhopfen für solche Zwecke - den Tettnanger - zurückgegriffen.

Das Mild Session Ale wird für einige Zeit wohl das letzte "neue" Bier sein, welches wir brauen. Nachdem wir nun für drei oder vier unserer Rezepte von mehreren Seiten gelobt worden sind, geht es für die nähere Zukunft nicht mehr so sehr darum, immer neue Experimente zu wagen, sondern das, was wir können, verlässlich und in größeren Mengen herzustellen und - in weiterer Zukunft - auch irgendwann einmal an den Mann oder an die Frau zu bringen. Schauen wir, ob auch das neue Gebräu das Potenzial hat, in unsere core range aufgenommen zu werden.


Art und Herkunft: Session Ale, Deutschland (Niedersachsen).

Sonntag, 21. Juli 2019

Auf dem 6. Osnabrücker Bierfest

Zum Beginn unserer redaktionellen Sommerpause sprechen wir heute mal nicht über ein spezielles Getränk - sei es nun Bier, Rum, Whisky oder sonst irgendwas - sondern über ein Event. Genauer gesagt über das nunmehr 6. Osnabrücker Bierfest, organisiert von der Szenekneipe GiG Linden, die auch noch drei weitere Ableger in anderen Städten hat. Anders als bei den regionalen oder sogar lokalen Bierfesten, die alle Besucher*innen unseres Blogs von unseren Berichten her kennen werden, handelt es sich hier um eine "Tour" durch Deutschland - ähnlich einem Wanderzirkus - wobei in diesem Jahr 15 verschiedene Städte angefahren werden bzw. schon wurden.

Nun ist dies nicht das erste Mal, dass unsere Redaktion bei der Osnabrücker Ausgabe dabei war. Wie man hier, hier und hier noch einmal nachlesen kann, waren unsere Reaktionen - unabhängig vom jeweiligen Autor - jedes Mal durchaus durchwachsen. Grundsätzlich muss ich sagen, dass wir es für eine gute Sache halten, dass es so ein Angebot hier bei uns überhaupt gibt. Osnabrück ist ja mit Veranstaltungen rund um das Essen oder Trinken ganz gut versorgt, aber warum es bis vor einigen Jahren bei uns gleich zwei Wein- und keine Bierveranstaltung gab, obwohl Nordwestdeutschland ja eher Bier- als Weinland ist, habe ich nie ganz verstanden.

Das Ambiente auf dem historischen Marktplatz ist natürlich so gut wie immer ein Gewinn und diesmal waren die Biere auch kaltgestellt ... etwas, was nicht jedes Mal funktioniert hat in der Vergangenheit. Weiterhin auf der Habenseite möchten wir verbuchen, dass es tatsächlich einige neue Biere zu probieren gab, unter anderem von der Brauerei Bernard aus Tschechien oder auch Friedensreiterbräu aus dem nahen Steinfurt (Braustätte ist allerdings in Brakel). Wir waren auch früh genug da (nämlich direkt um 17 Uhr zum Anstoß) und konnten so das Gesamtbild erstmal ein wenig auf uns einwirken lassen, bevor dann etwa eine Stunde später es sich merklich füllte. Nun, offensichtlich wird die Veranstaltung gut angenommen. Auch ein Pluspunkt, sicherlich.


Sonntag, 14. Juli 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXVII: Hoop Summer Session Tropical IPA (4,5% Vol.)

Kongresshotels sind so eine Sache: einerseits hat man da normalerweise wenig mit alkoholisierten Engländer*innen zu tun, die Junggesell*innenabschied feiern. Auch Schulklassen sucht man am Frühstücksbuffet (gottlob!) vergebens. Andererseits: sobald das letzte Meeting beendet ist und man sich (wie ich in der Regel) erfolgreich vor dem obligatorischen Conference Dinner gedrückt hat, gibt es meistens wenig zu tun, denn für gewöhnlich sind diese Hotels halt etwas weiter weg von allen Attraktionen, Kneipen, usw.  entfernt. Damit man sich aufs Business konzentrieren kann, ne? Gestern Abend schlich ich mich also aus meinem Kongresshotel am Rande der kleinen niederländischen Großstadt hinaus - die Grüppchen rauchender Kongressteilnehmer*innen vorsichtig umschiffend - schloss diskret das hoteleigene Mietfahrrad auf und machte mich auf den etwa drei Kilometer langen Weg in die Innenstadt. Nach ein paar Stunden unterschiedlichster Vergnügungen, die ich hier nicht näher beschreiben muss, fielen mir plötzlich zwei sehr wichtige Dinge ein:
  1. Ich habe nichts mehr zu trinken in der Minibar.
  2. Ich habe noch nichts für den Blog geschrieben, obwohl ich diese Woche dran bin.
Also wieder auf das Rad geschwungen und auf zum nächsten Albert Heijn gemacht. Da findet man mittlerweile in der Bierabteilung eigentlich immer irgendetwas Neues. Und so konnte ich dann tatsächlich noch meine oben beschriebenen beiden Probleme lösen. 

Eine Flasche, die mir wegen ihres schönen Designs ins Auge stach, war die der Brauerei Hoop aus Zaandijk. Erst 2016 gegründet; dennoch bereits kräftig auf Expansionskurs. Im fernen Dublin (ja, dem Dublin in Irland) gibt es bereits eine "Schwesterbrauerei", die Hope Brewery. Über die niederländische Firma sollte man wissen, dass zwei verschiedene Biermarken dort entstehen: einmal Breugem und einmal, wie wohl offensichtlich ist, Hoop. Das heute verkostete Summer Session Tropical IPA ist eines der so genannten Seasonals und auf der Webseite gar nicht zu finden. Was es gibt, ist ein Summer Session IPA, ohne Tropical, aber dafür mit 0,5 Umdrehungen weniger. So wird das "tropische" IPA wohl das Seasonal eines Seasonal sein, möchte ich mal vermuten.



Art und Herkunft: (Oatmeal) IPA, Niederlande (Nordholland).

Sonntag, 7. Juli 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXVI: SweetWater 420 Extra Pale Ale (5,7% Vol.)

So, nachdem ich den Kollegen letzte Woche schnöde "hängen ließ", wie ich lesen musste, nehme ich dieses Mal die entsagungsvolle Aufgabe an, eines unserer neuen Biere verkosten zu "müssen". Ich Armer, oh weh, oh weh, etc.

Ebenfalls kein niederländisches Bier, obwohl dort gekauft, sondern aus dem Süden der Vereinigten Staaten, genauer gesagt aus der schönen Stadt Atlanta. Zumindest nehme ich an, sie ist schön, da ich selber noch nie dagewesen bin. Auf jeden Fall gibt es dort eine Brauerei mit Namen SweetWater Brewing Company. Laut Chronik der Firma begann die Konstruktion des ersten Brauhauses schon 1996. Das erste kommerziell verwertbare Bier lief dann ein Jahr später vom Band. Übrigens wohl das heute verkostete 420, welches so heißt, weil es an einem 20. April "erfunden" wurde. Daneben gibt es noch einige weitere Biere, die teilweise auf dem Erstling aufbauen, sowie - heute schon Standard - mehrere saisonale Kreationen und Spezialitäten. Auf jeden Fall hat sich die Brauerei seit den ersten Tagen (nun auch schon wieder mehr als 20 Jahre zuvor) kräftig vergrößert; unter anderem wurden 2016 noch einige neue Räumlichkeiten zum Lagern und auch zum Probieren geschaffen.


Art und Herkunft: (Extra) Pale Ale, USA (Georgia).

Sonntag, 30. Juni 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXV: La Pirata Viakrucis (6,0% Vol.)

Puuh, ist das wieder heiß heute. Und die Kollegen lassen mich hängen. Müssen im KGV Pflichtarbeiten erledigen, müssen noch ganz schnell Zeugnisnoten ausrechnen, müssen ... müssen ... müssen ... Na gut, dann muss ich eben alleine dieses Bier verkosten, was die Mitautoren und ich neulich aus den Niederlanden mitgebracht haben. Ein bisschen Arbeit ist damit sogar auch verbunden, denn die Webseite des Herstellers Cerveses La Pirata ist nicht gerade supertoll (sei es von Mensch oder Maschine) ins Englische übersetzt.

Auf jeden Fall kann man dort lernen, dass La Pirata im Jahre 2004 als Hobbybrauprojekt gegründet wurde und gute acht Jahre so vor sich hindümpelte, bis immer mehr und mehr Leute mal einen Schluck probieren wollten und es so möglich wurde, kommerziell einzusteigen. In den nächsten drei Jahren ließ man die Biere bei anderen Firmen brauen, bevor dann 2015 die eigene Braustätte stand. Stehen tut diese übrigens in der Ortschaft Súria (musste ich auch googeln), etwa 80 Kilometer nordwestlich von Barcelona.

Wie die meisten modernen Craftbrauereien, die etwas auf sich halten, hat La Pirata nicht nur ein Standardsortiment im Angebot, sondern auch einige "Kollaborationen" mit anderen Brauern sowie "Experimente", die hier in Súria LAB (von LABoratorium, kapiert?) genannt werden. Uns interessiert heute aber ein Vertreter aus dem Brot-und-Butter-Geschäft, sogar das allererste Bier, das überhaupt hergestellt wurde: das Viakrucis American Pale Ale. An Hopfen werkeln CTZ (aka Columbus), Summit und Citra, es wird also hoffentlich bitter bis fruchtig.


Art und Herkunft: American IPA, Spanien (Katalonien).

Sonntag, 23. Juni 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXIV: Brixton Brewery Low Voltage (4,3% Vol.)

Es wird Sommer bei uns im Braugarten und im Blog. Man spürt das unter anderem daran, dass Plattfuss nur noch in der Badehose rumläuft, Tomas wieder Rieseneisbecher verdrückt und ich gerne in den Keller gehe, um dort nach dem Rechten zu sehen. Aber am meisten merkt man es daran, dass unser Konsum von Spirituosen zurückgeht und der Konsum von Bier hochgefahren wird. Neulich waren wir mal wieder mit "Allemann" in Enschede und haben uns - in Aussicht auf einen langen, heißen Sommer - mit allen möglichen Bieren eingedeckt, die wir in den nächsten Monaten nach und nach verkosten können.

Tom und ich machen heute den Anfang mit einen Craftbier aus der Dose, nämlich dem Low Voltage von der Brixton Brewery aus London. Noch gar nicht so alt, im Jahre 2013 von zwei befreundeten Biernerd-Pärchen gegründet. Mittlerweile hat man kräftig expandiert; nachdem Heineken (mit einer Minderheitsbeteiligung, Puristen bitte abregen) als Investor ins Boot geholt werden konnte, wurde Ende letzten Jahres eine neue Produktionsstätte eröffnet, wo gut fünfmal so viel wie vorher (die Rede ist von 60.000 Pints die Woche) gebraut wird. Auch das Portfolio ist recht ansehnlich: neben der core range, die neun Biere umfasst, gibt es eine ziemlich große Anzahl von collaborations (z.B. eine Zusammenarbeit mit der Brüsseler Brasserie de la Senne), limited editions und specials.

Das Low Voltage, das heute vor uns steht, gehört zur eben erwähnten core range und komplementiert das um einiges stärkere Electric I.P.A., welches ebenfalls Teil des Standardsortiments ist.


Art und Herkunft: Session IPA, England.