Sonntag, 18. August 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXVIII: The Wild Mill Blond vs. The Wild Mill Tripel

Jeremy Vermolen ist so etwas wie der Steffen Henssler der Niederlande. Ein sehr bekannter "Fernsehkoch" (der Beruf "Fernsehkoch" ist ja auch erst seit gut 15 Jahren ein Beruf) mit Schwerpunkt Barbecue und/oder Grillen. Nebenher - wenn man so will - betreibt er in Roosendaal nahe der belgischen Grenze ein BBQ-Steakhouse. Wie könnte es auch anders sein?

Vor einiger Zeit kam er auf die Idee, ein paar eigene Hausbiere zu kreieren, die sich besonders zum Verzehr zum Barbecue eignen sollen. Brauen tut er sie allerdings nicht selbst; dies übernimmt - wie einem die Informationen auf einschlägigen Lieferantenseiten deutlich sagen - die Brauerei Vermeersen im etwa 70 Kilometer entfernten Hulst. Genannt hat Herr Vermolen sein Bier Wild Mill, was etwas putzig ist, denn Molen heißt auf Deutsch Mühle, heißt auf Englisch Mill. Super, nicht?


The Wild Mill Blond (6,5% Vol.)

Art und Herkunft: Blond, Niederlande (Zeeland/Nord-Brabant)

Besonderheiten: "Mit einem Hauch von Koriander und Apfelsinenschale".

Sonntag, 11. August 2019

Projekt Braugarten, Teil IX: Braugarten Mild Session Ale (3,0% Vol.)

Unser neuestes Bier haben wir genau am Himmelfahrtstag diesen Jahres gebraut. Es war ein sehr angenehmer Tag im Braugarten und die Arbeit ging uns gut von der Hand. Hoffen wir, dass sich das auch in der Qualität unseres Bieres niedergeschlagen hat. Dieses Mal wollten wir ein Session Ale machen, also etwas mit weniger Volumenprozenten, mit gefälliger Note, was man auch einmal einen ganzen Sommerabend lang trinken könnte. Damit das Ganze einen weichen, nicht zu anstrengenden Geschmack bekommt, haben wir noch einmal auf den Standardhopfen für solche Zwecke - den Tettnanger - zurückgegriffen.

Das Mild Session Ale wird für einige Zeit wohl das letzte "neue" Bier sein, welches wir brauen. Nachdem wir nun für drei oder vier unserer Rezepte von mehreren Seiten gelobt worden sind, geht es für die nähere Zukunft nicht mehr so sehr darum, immer neue Experimente zu wagen, sondern das, was wir können, verlässlich und in größeren Mengen herzustellen und - in weiterer Zukunft - auch irgendwann einmal an den Mann oder an die Frau zu bringen. Schauen wir, ob auch das neue Gebräu das Potenzial hat, in unsere core range aufgenommen zu werden.


Art und Herkunft: Session Ale, Deutschland (Niedersachsen).

Sonntag, 21. Juli 2019

Auf dem 6. Osnabrücker Bierfest

Zum Beginn unserer redaktionellen Sommerpause sprechen wir heute mal nicht über ein spezielles Getränk - sei es nun Bier, Rum, Whisky oder sonst irgendwas - sondern über ein Event. Genauer gesagt über das nunmehr 6. Osnabrücker Bierfest, organisiert von der Szenekneipe GiG Linden, die auch noch drei weitere Ableger in anderen Städten hat. Anders als bei den regionalen oder sogar lokalen Bierfesten, die alle Besucher*innen unseres Blogs von unseren Berichten her kennen werden, handelt es sich hier um eine "Tour" durch Deutschland - ähnlich einem Wanderzirkus - wobei in diesem Jahr 15 verschiedene Städte angefahren werden bzw. schon wurden.

Nun ist dies nicht das erste Mal, dass unsere Redaktion bei der Osnabrücker Ausgabe dabei war. Wie man hier, hier und hier noch einmal nachlesen kann, waren unsere Reaktionen - unabhängig vom jeweiligen Autor - jedes Mal durchaus durchwachsen. Grundsätzlich muss ich sagen, dass wir es für eine gute Sache halten, dass es so ein Angebot hier bei uns überhaupt gibt. Osnabrück ist ja mit Veranstaltungen rund um das Essen oder Trinken ganz gut versorgt, aber warum es bis vor einigen Jahren bei uns gleich zwei Wein- und keine Bierveranstaltung gab, obwohl Nordwestdeutschland ja eher Bier- als Weinland ist, habe ich nie ganz verstanden.

Das Ambiente auf dem historischen Marktplatz ist natürlich so gut wie immer ein Gewinn und diesmal waren die Biere auch kaltgestellt ... etwas, was nicht jedes Mal funktioniert hat in der Vergangenheit. Weiterhin auf der Habenseite möchten wir verbuchen, dass es tatsächlich einige neue Biere zu probieren gab, unter anderem von der Brauerei Bernard aus Tschechien oder auch Friedensreiterbräu aus dem nahen Steinfurt (Braustätte ist allerdings in Brakel). Wir waren auch früh genug da (nämlich direkt um 17 Uhr zum Anstoß) und konnten so das Gesamtbild erstmal ein wenig auf uns einwirken lassen, bevor dann etwa eine Stunde später es sich merklich füllte. Nun, offensichtlich wird die Veranstaltung gut angenommen. Auch ein Pluspunkt, sicherlich.


Sonntag, 14. Juli 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXVII: Hoop Summer Session Tropical IPA (4,5% Vol.)

Kongresshotels sind so eine Sache: einerseits hat man da normalerweise wenig mit alkoholisierten Engländer*innen zu tun, die Junggesell*innenabschied feiern. Auch Schulklassen sucht man am Frühstücksbuffet (gottlob!) vergebens. Andererseits: sobald das letzte Meeting beendet ist und man sich (wie ich in der Regel) erfolgreich vor dem obligatorischen Conference Dinner gedrückt hat, gibt es meistens wenig zu tun, denn für gewöhnlich sind diese Hotels halt etwas weiter weg von allen Attraktionen, Kneipen, usw.  entfernt. Damit man sich aufs Business konzentrieren kann, ne? Gestern Abend schlich ich mich also aus meinem Kongresshotel am Rande der kleinen niederländischen Großstadt hinaus - die Grüppchen rauchender Kongressteilnehmer*innen vorsichtig umschiffend - schloss diskret das hoteleigene Mietfahrrad auf und machte mich auf den etwa drei Kilometer langen Weg in die Innenstadt. Nach ein paar Stunden unterschiedlichster Vergnügungen, die ich hier nicht näher beschreiben muss, fielen mir plötzlich zwei sehr wichtige Dinge ein:
  1. Ich habe nichts mehr zu trinken in der Minibar.
  2. Ich habe noch nichts für den Blog geschrieben, obwohl ich diese Woche dran bin.
Also wieder auf das Rad geschwungen und auf zum nächsten Albert Heijn gemacht. Da findet man mittlerweile in der Bierabteilung eigentlich immer irgendetwas Neues. Und so konnte ich dann tatsächlich noch meine oben beschriebenen beiden Probleme lösen. 

Eine Flasche, die mir wegen ihres schönen Designs ins Auge stach, war die der Brauerei Hoop aus Zaandijk. Erst 2016 gegründet; dennoch bereits kräftig auf Expansionskurs. Im fernen Dublin (ja, dem Dublin in Irland) gibt es bereits eine "Schwesterbrauerei", die Hope Brewery. Über die niederländische Firma sollte man wissen, dass zwei verschiedene Biermarken dort entstehen: einmal Breugem und einmal, wie wohl offensichtlich ist, Hoop. Das heute verkostete Summer Session Tropical IPA ist eines der so genannten Seasonals und auf der Webseite gar nicht zu finden. Was es gibt, ist ein Summer Session IPA, ohne Tropical, aber dafür mit 0,5 Umdrehungen weniger. So wird das "tropische" IPA wohl das Seasonal eines Seasonal sein, möchte ich mal vermuten.



Art und Herkunft: (Oatmeal) IPA, Niederlande (Nordholland).

Sonntag, 7. Juli 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXVI: SweetWater 420 Extra Pale Ale (5,7% Vol.)

So, nachdem ich den Kollegen letzte Woche schnöde "hängen ließ", wie ich lesen musste, nehme ich dieses Mal die entsagungsvolle Aufgabe an, eines unserer neuen Biere verkosten zu "müssen". Ich Armer, oh weh, oh weh, etc.

Ebenfalls kein niederländisches Bier, obwohl dort gekauft, sondern aus dem Süden der Vereinigten Staaten, genauer gesagt aus der schönen Stadt Atlanta. Zumindest nehme ich an, sie ist schön, da ich selber noch nie dagewesen bin. Auf jeden Fall gibt es dort eine Brauerei mit Namen SweetWater Brewing Company. Laut Chronik der Firma begann die Konstruktion des ersten Brauhauses schon 1996. Das erste kommerziell verwertbare Bier lief dann ein Jahr später vom Band. Übrigens wohl das heute verkostete 420, welches so heißt, weil es an einem 20. April "erfunden" wurde. Daneben gibt es noch einige weitere Biere, die teilweise auf dem Erstling aufbauen, sowie - heute schon Standard - mehrere saisonale Kreationen und Spezialitäten. Auf jeden Fall hat sich die Brauerei seit den ersten Tagen (nun auch schon wieder mehr als 20 Jahre zuvor) kräftig vergrößert; unter anderem wurden 2016 noch einige neue Räumlichkeiten zum Lagern und auch zum Probieren geschaffen.


Art und Herkunft: (Extra) Pale Ale, USA (Georgia).

Sonntag, 30. Juni 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXV: La Pirata Viakrucis (6,0% Vol.)

Puuh, ist das wieder heiß heute. Und die Kollegen lassen mich hängen. Müssen im KGV Pflichtarbeiten erledigen, müssen noch ganz schnell Zeugnisnoten ausrechnen, müssen ... müssen ... müssen ... Na gut, dann muss ich eben alleine dieses Bier verkosten, was die Mitautoren und ich neulich aus den Niederlanden mitgebracht haben. Ein bisschen Arbeit ist damit sogar auch verbunden, denn die Webseite des Herstellers Cerveses La Pirata ist nicht gerade supertoll (sei es von Mensch oder Maschine) ins Englische übersetzt.

Auf jeden Fall kann man dort lernen, dass La Pirata im Jahre 2004 als Hobbybrauprojekt gegründet wurde und gute acht Jahre so vor sich hindümpelte, bis immer mehr und mehr Leute mal einen Schluck probieren wollten und es so möglich wurde, kommerziell einzusteigen. In den nächsten drei Jahren ließ man die Biere bei anderen Firmen brauen, bevor dann 2015 die eigene Braustätte stand. Stehen tut diese übrigens in der Ortschaft Súria (musste ich auch googeln), etwa 80 Kilometer nordwestlich von Barcelona.

Wie die meisten modernen Craftbrauereien, die etwas auf sich halten, hat La Pirata nicht nur ein Standardsortiment im Angebot, sondern auch einige "Kollaborationen" mit anderen Brauern sowie "Experimente", die hier in Súria LAB (von LABoratorium, kapiert?) genannt werden. Uns interessiert heute aber ein Vertreter aus dem Brot-und-Butter-Geschäft, sogar das allererste Bier, das überhaupt hergestellt wurde: das Viakrucis American Pale Ale. An Hopfen werkeln CTZ (aka Columbus), Summit und Citra, es wird also hoffentlich bitter bis fruchtig.


Art und Herkunft: American IPA, Spanien (Katalonien).

Sonntag, 23. Juni 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXIV: Brixton Brewery Low Voltage (4,3% Vol.)

Es wird Sommer bei uns im Braugarten und im Blog. Man spürt das unter anderem daran, dass Plattfuss nur noch in der Badehose rumläuft, Tomas wieder Rieseneisbecher verdrückt und ich gerne in den Keller gehe, um dort nach dem Rechten zu sehen. Aber am meisten merkt man es daran, dass unser Konsum von Spirituosen zurückgeht und der Konsum von Bier hochgefahren wird. Neulich waren wir mal wieder mit "Allemann" in Enschede und haben uns - in Aussicht auf einen langen, heißen Sommer - mit allen möglichen Bieren eingedeckt, die wir in den nächsten Monaten nach und nach verkosten können.

Tom und ich machen heute den Anfang mit einen Craftbier aus der Dose, nämlich dem Low Voltage von der Brixton Brewery aus London. Noch gar nicht so alt, im Jahre 2013 von zwei befreundeten Biernerd-Pärchen gegründet. Mittlerweile hat man kräftig expandiert; nachdem Heineken (mit einer Minderheitsbeteiligung, Puristen bitte abregen) als Investor ins Boot geholt werden konnte, wurde Ende letzten Jahres eine neue Produktionsstätte eröffnet, wo gut fünfmal so viel wie vorher (die Rede ist von 60.000 Pints die Woche) gebraut wird. Auch das Portfolio ist recht ansehnlich: neben der core range, die neun Biere umfasst, gibt es eine ziemlich große Anzahl von collaborations (z.B. eine Zusammenarbeit mit der Brüsseler Brasserie de la Senne), limited editions und specials.

Das Low Voltage, das heute vor uns steht, gehört zur eben erwähnten core range und komplementiert das um einiges stärkere Electric I.P.A., welches ebenfalls Teil des Standardsortiments ist.


Art und Herkunft: Session IPA, England.

Sonntag, 16. Juni 2019

Ben Bracken Single Malt Scotch Whisky Mini-Pack (Lidl)

Wer den Titel sperrig findet: ich habe ihn nur wortgetreu bei Lidl abgeschrieben, mehr nicht. und bevor noch mehr Whisky-Nerd-Tränen fließen: auch heute wird wieder mal das Geheimnis nicht gelüftet, aus welchen Destillerien der Ben Bracken denn nun eigentlich stammt.

Wie Tomas schon vor ein paar Jahren herausgefunden hat, ist der Markeninhaber, die Clydesdale Scotch Whisky Company, eine in Glasgow registrierte "dormant company", sie ist also inaktiv (laut Geschäftsbericht für 2017 machte sie in jenem Jahr keinerlei Umsätze und verfügte über ein Kapital von knapp 500 Britischen Pfund) und letztlich eine Tochterfirma von Whyte and Mackay. Dieser Firma (bzw. deren Eigentümerin, der Alliance Global Group) gehören insgesamt vier Malt-Distillerien und eine Grain-Brennerei: Fettercairn, Jura, Tamnavulin, Dalmore und Invergordon. Das heißt aber noch lange nicht, dass die Whiskys der Marke Ben Bracken aus einer dieser Distillerien stammen müssen. Denn nichts und niemand hindert Clydesdale/Whyte&Mackay/AGG daran, bei irgendwelchen anderen Mitbewerbern einzukaufen. Im Falle des Islay bleibt ihnen sowieso nichts anderes übrig, denn die eigenen Brennereien sind (mit Ausnahme von Jura) alles Speysider und/oder Highlander.

Das "Probierpaket" hatten wir vor unserem Brautag zu Christi Himmelfahrt direkt im Laden besorgt; wie man am obigen Link sieht, gibt es ihn aber auch noch online. An und für sich sind solche kleinen Gebinde nicht schlecht, wenn man nicht gleich das Risiko eingehen will, eine große Flasche zu kaufen, die einem dann nachher gar nicht schmeckt.


Ben Bracken Speyside NAS (40% Vol.)

Art und Herkunft: Single Malt, Speyside.

Sonntag, 9. Juni 2019

Gaffel SonnenHopfen Cologne Pale Ale (4,9% Vol.)

Diese Flasche verdanke ich meinem Nachbarn, mit dem ich öfter schon mal beim Whiskytasting und auf dem Bierfest in Lingen war. Als sich unsere Wege neulich kreuzten, drückte er mir freundlich die unten abgebildete Flasche in die Hand, mit der Ermahnung, sie vor dem Verzehr gut zu kühlen. Ich war gerade auf dem Weg zu meinem Schwiegervater, der ein Kronsberg nicht von einem Krombacher unterscheiden kann, also machte ich noch einmal kehrt, und barg den kostbaren Gerstensaft an meinem Busen im Kühlschrank im Keller.

Gaffel also ... das war nun tatsächlich eine Überraschung, denn wer kennt die Firma nicht als Hersteller einer der wichtigsten Kölsch-Sorten? Gegründet wurde die Brauerei in ihrer heutigen Form vor etwas mehr als 110 Jahren, führt ihre Wurzeln aber auf die Braustätten zurück, die bereits seit dem Mittelalter am selben Ort standen. Die Firma befindet sich auch heute noch im Besitz der Beckers, der Gründerfamilie. Ich muss gestehen, dass ich mein Leben lang nicht viel mit Kölsch anfangen konnte - und das wird sich wohl auch nicht so schnell ändern - aber dass eine Brauerei einmal etwas ganz ungewohntes wagt, das muss ich im Vorfeld zumindest schon mal ein bisschen loben.

Zu ihrer neuesten Kreation schreibt Gaffel:
Cologne Pale Ale ist die Interpretation von Gaffel und der Beweis, dass die Familienbrauerei echte Craft Biere höchster Qualität brauen kann.
Nun gut, Craftbiere schreibt man eigentlich ohne Leerstelle und Sonnenhopfen ohne großes H in der Mitte, aber seien wir nachsichtig. Wer kümmert sich heute überhaupt noch um korrekte Rechtschreibung? Uns geht es jetzt hier mal nur um das Bier, nicht um unseren Erziehungsauftrag.


Art und Herkunft: Pale Ale, Deutschland (Nordrhein-Westfalen).

Sonntag, 2. Juni 2019

Shinshu Mars Kasei NAS (40% Vol.)

Die heutige Rezension verdanken wir der Abenteuerlust und dem Geldbeutel von Plattfuss, denn der Blended Whisky, den er aus Japan hat kommen lassen, hat ihn beim Haus am See stattliche 35,- EUR gekostet. Zu Christi Himmelfahrt durften wir dann, nachdem die Arbeit (unser neues Bier von Braugarten abfüllen) erledigt war, endlich auch mal kosten.

Die Brennerei Shinshu Mars ist etwas obskur; sie hat keine eigene Webseite, schon gar nicht auf Englisch. Allerdings findet man sie über ihre Muttergesellschaft, die Hombo Shuzi Co. Limited (Seite ebenfalls nur auf Japanisch; man muss das Übersetzungs-Widget nutzen), die im wesentlichen eigentlich mehr Bier, Wein, Pflaumenwein, den traditionellen Shochu und anderes herstellt. Das Whiskygeschäft ist wohl eher so etwas wie ein Zubrot. Dabei hat die Brennerei in der Präfektur Nagano eine durchaus lange Tradition: sie wurde bereits 1949 gegründet, war zwischen 1992 und 2011 jedoch geschlossen. Aus der Zeit vor der Schließung sind noch einige alte Malts am Lager und werden für mehr oder weniger teures Geld nach und nach abverkauft. Beim heute vorgestellten Kasei handelt es sich aber um eine neue Kreation, angeblich speziell für den französischen Markt. Gebrannt wird - wie bei Shinshu Mars üblich - in kupfernen Pot Stills. Ansonsten ist dies ein klassischer Blend, also eine Mischung aus Malts und Grains. Laut einiger Quellen kommt ein Teil des Malts aus Schottland, worüber auf der Verpackung jedoch nichts weiter gesagt wurde.


Art und Herkunft: (International?) Blended Whisky, Japan (Nagano-ken).

Sonntag, 26. Mai 2019

Einsendungen, Teil V: Whic Architecture of Taste (Ben Nevis) & Nymphs of Whisky No. 2 (Glen Moray)

Gestern war Brautag im Braugarten. Wir haben ein neues experimentelles Bier auf den Weg gebracht: ein dunkles, aber recht mildes Session Ale, das im Laufe des August in den Ausschank kommen soll. Zeit genug, die neueste Einsendung von whic zu testen, die uns ja schon bei zwei weiteren Gelegenheiten mit Samples bedacht haben. Danke nochmals an dieser Stelle!

Die beiden Kandidaten sind aus den Serien Architecture of Taste sowie Nymphs of Whisky, von denen wir bereits einmal drei Proben nehmen durften; das war vor ca. neun Monaten. Zu den beiden Serien haben wir damals bereits einiges gesagt; auch Ben Nevis und Glen Moray sind hier im Blog beileibe keine Newcomer mehr. Schreiten wir also direkt zu den Verkostungsnotizen.


Ben Nevis 17 J. (55,3% Vol.)

Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (Western).

Besonderheiten: In Fassstärke abgefüllt.

Aussehen und Aroma: Strohgold, mit süßlichen Noten von Marshmallows und Aprikosen sowie etwas Klebstoff. Mineralische Untertöne, eventuell so etwas wie warmer Granit. Ein Hauch von Anissamen?

Geschmack: Buttertoffee und eine Ahnung von hellen Früchten. Kein Torf, aber eine angenehm hintergründige Rauchigkeit, vielleicht ein Kaminfeuer. Dezente Lakritznote gegen Ende.

Abgang: Eher lang als mittellang, süßlich.

Fazit/Tipp: Mit einem Tropfen Wasser wird der Ben Nevis speckiger in der Nase und süßer auf der Zunge. Ansonsten ein recht "typischer" Ben Nevis, der hält, was er verspricht.

Sonntag, 19. Mai 2019

Bierakademie, Teil V: Zötler

Nun wird es mal langsam Zeit, dass ich die letzten Reste der Bierakademie trinke, die ich schon vor Monaten von meinem lieben Kollegen zum Geburtstag erhalten habe. Aber zwischen den ganzen belgischen, niederländischen und britischen Bieren kommt man ja zu nichts.

Die heutige Verkostung ist jedenfalls fast "live", denn an diesem schönen Sonntagmorgen sitzt mein Kumpel Tom mit am Gartentisch und wir schauen erwartungsvoll auf gleich drei Kandidaten der selben Brauerei, die sich noch in meinem Probepaket befanden. Es handelt sich um Biere der Privat-Brauerei Zötler aus Rettenberg im Allgäu. Die Brauerei nimmt nach aufwändigen Recherchen in den Siebzigern für sich in Anspruch, die "älteste Familienbrauerei der Welt" zu sein, da bereits seit 1447 am selben Ort eine Braustätte belegt ist, wobei sich die heutige Firma "erst" seit 200 Jahren im Familienbesitz der Zötlers befindet (was natürlich auch nicht schlecht ist). Für eine Brauerei mit einem recht überschaubaren Ausstoß (ca. 50.000 Hektoliter per annum) ist das Portfolio ziemlich groß: außer Bier wird noch Limo und Schnaps hergestellt. Die Biere wiederum lassen sich in drei Segmente aufteilen: die Bierspezialitäten, also das Brot- und Buttergeschäft mit 18 Sorten; alle heute von uns getesteten Biere gehören in diese Kategorie. Ferner noch die Sagenbiere, die, wie der Name schon verrät, bestimmte regionale Sagen bzw. Legenden als Thema haben. Schließlich noch das Craftbeer, wo sich der Braumeister Niklas Zötler dem Experimentieren mit besonderen Hefen u.a. hingibt.



Zötler Gold (5,2% Vol.)

Art und Herkunft: Export, Deutschland (Bayern).

Besonderheiten: Eine der ältesten Sorten aus dem Portfolio (1920er).

Aussehen und Aroma: Hellgold, klar und mit stabiler, kleiner Krone. Dezent-frischer Geruch mit sanftem Malz und Hopfen. Etwas wie Südfrüchte und ein ganz leichter Hauch von Banane?

Geschmack: Erfrischend-prickelnder Antritt mit leichter Süße, die nach und nach einer "typisch deutschen" verhaltenen Hopfenbitterkeit Platz macht.

Abgang: Ziemlich kurz, mit ganz verhalten zitronig-salzigen Noten am Ende.

Fazit/Tipp: Ein sehr typisches, zurückhaltendes und gut durchkomponiertes Export. Erfrischend genug für einen warmen Tag.

Sonntag, 12. Mai 2019

Mönchshof Maibock (6,9% Vol.)

Maibock gehört sowieso schon nicht zu meinen Lieblingsbieren, und dass Plattfuss anzüglich grinste, als er sie mir mit besten Glück- und Segenswünschen als Gastgeschenk zum Redaktions-BBQ überreichte, half mir auch nicht besonders. Wie jeder, der hier regelmäßig mitliest, weiß, ist Plattfuss - im Gegensatz z.B. zu Tom und mir - einer derjenigen, die malzige, dunkle, süßlichere Biere bevorzugen. Keine guten Vorzeichen also für diese Verkostung aber naja - ich werde tun, was ich kann.

Auch wenn Mönchshof in hipper Groß-Kleinschreibung als BrauMeisterei bezeichnet wird, geht die Marke doch auf eine Gründung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, die erst in den 1980ern von der benachbarten Kulmbacher Brauerei geschluckt wurde. Ihre Aufgabe ist seither das Hochhalten des "Traditionsfähnchens" im Unternehmen, sprich: der Herstellung bodenständiger, regionaler und auch historischer oder zumindest historisierender Bierspezialitäten. Im Portfolio befinden sich satt über zehn Biere, unter anderem eben auch das heute probierte Maibock. Wie es sich für diesen Bierstil gehört, erwarten wir ein etwas helleres visuelles Erlebnis als etwa bei einem Herbstbock und auch ein wenig mehr Hopfen.

Art und Herkunft: Maibock, Deutschland (Bayern).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Dunkler Bernstein mit einem sehr schönen orangefarbenem Schimmer. Eine kleine und dichte, aber recht flüchtige Schaumkrone. Die Nase ist eher etwas verhalten, aber mit deutlichem Malz und einigen süßlich-reifen Noten. Dunkler Tortenboden, Bananenbrot.

Geschmack: Im Antrunk zunächst recht spritzig aber dann ... huuu ... Malzigkeit. Viel mehr, als ich erwartet hatte, was aber Plattfuss' schelmischen Ausdruck erklärt. Angeröstetes Graubrot. Süßlich und alkoholisch. Keinerlei Kaffee oder ähnliches. Eher so etwas wie alkoholgetränkter Kuchenteig. 

Abgang: Relativ lang und leider auch mit deutlich nachklingender dumpfer Süße. 

Fazit/Tipp: Es ist vielleicht schon aus den obigen Notizen deutlich zu erkennen - mir hat es nicht wirklich geschmeckt. Wahrscheinlich ist es ein absolut akzeptabler Maibock, aber - wie anfangs angemerkt - bin ich eventuell einfach der falsche Mann, um diesen Bierstil zu verkosten bzw. ihm gerecht zu werden. Das nächste Mal lasse ich Plattfuss selbst was schreiben.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 19. Mai 2019.

Verkostung & Text: Jan B.



Sonntag, 5. Mai 2019

4. Inoffizielles Whiskybefürworter-Treffen

Es war im Dezember 2017, als wir uns in dieser Runde zum letzten Mal getroffen haben. Damals in meiner mehr als bescheidenen Klause; für dieses Treffen hatte uns Black Arab auf sein weitläufiges Anwesen in den grünen Wiesen des Osnabrücker Landes geladen.

Nachdem wir zunächst einige niedere Domestiken passiert hatten, geleitete uns der Majordomus in den Billardsaal, wo wir unsere Gaben und Mitbringsel ausbreiten durften. Nach guter Whiskybefürworter-Tradition steuerte jeder zum Abend zwei oder drei Flaschen Whisky "im Anbruch" bei. Plattfuss machte allerdings eine kleine Ausnahme für uns, denn tatsächlich hatte er eine noch jungfräuliche Flasche dabei.

Dies hier waren dann also unsere Beiträge. Die Zahl in Klammern weist auf die Reihenfolge in der Verkostung hin.

Black Arab (Gastgeber)
  • Dalmore 18 J. [1]
  • Glengoyne Cask Strength NAS [2]
  • Talisker Distillers Edition 2005/2015 [7]
Plattfuss
  • Macdonald's Glencoe 8 J. [5]
  • Big Peat 10 J. [8]
Tomas Aquinas
  • Paul John Edited NAS [3]
  • McCarthy's Oregon Single Malt Whiskey 3 J. [4]
  • West Cork Peat Charred Cask NAS [6]


[1] Dalmore 18 J. (43,0% Vol.)

Man kann nicht behaupten, dass Dalmore einer der Hauslieferanten bei uns in der Redaktion wäre. Ich selbst habe vor sechs Jahren mal den Fünfzehnjährigen hier besprochen und fand ihn auch nicht schlecht, aber das war es dann auch so im wesentlichen. Der Achtzehnender reift laut Angaben der Destillerie elf Jahre im Bourbonfass, den Rest der Zeit im Sherryfass.




Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (Northern).

Besonderheiten: Finish im Sherryfass (s. oben).



Aussehen und Aroma: Altgold, sehr deutlicher Sherry, rote Früchte, süße und eingelegte Rosinen.

Geschmack: Leichte Vanille und dominantes Holz, geschmeidiger Antritt, Johannisbeerbonbons. Etwas Schokolade?

Abgang: Mittel und relativ ausdrucksschwach. Schokoladennoten setzten sich fort.

Fazit/Tipp: Mit diesem Whisky ist am besten bedient, wer auf deutlichen Sherryeinfluss steht. Gefällig komponiert, aber sehr viel Holz. Im Geschmack letztendlich doch etwas schwachbrüstig.


[2] Glengoyne Cask Strength NAS  (58,8% Vol.)

Auch von Glengoyne hatten wir bis jetzt nur einmal den Standard im Programm, damals habe ich eine etwas verhaltene Rezension geschrieben. Wie der Dalmore reift auch dieser Whisky in Sherry- und Bourbonfässern.



Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (Western).

Besonderheiten: Nicht kaltfiltriert oder gefärbt.

Aussehen und Aroma: Dunkles Strohgold; in der Nase Banane, Pfeffer und diese in Sirup eingelegten Dosenerdbeeren.

Geschmack: Sehr öliges Gefühl am Gaumen und ein rasanter Antritt. Popcorn, Kompottfrüchte und - im Gegensatz zum Dalmore - eher gezügelte Sherrynoten.

Abgang: Lang und trocken. Pfeffrig.

Fazit/Tipp: Recht kräftig, natürlich - aber doch erstaunlich trinkbar. Durch Zugabe von Wasser wird er trockener im Abgang und der Sherry kommt deutlicher durch. Feuriger. Pelzbelag auf der Zunge. Die Öligkeit im Mund kann man als Hausstil von Glengoyne bezeichnen. Insgesamt aber heute nicht der beliebteste Tropfen.


[3] Paul John Edited NAS (46,0% Vol.)

Diesen Whisky aus Indien haben wir vor kurzem erst im Blog gehabt. Auch an diesem Abend machte er bei allen Beteiligten einen recht guten Eindruck.

Sonntag, 28. April 2019

Eichbaum/Lidl Fat Rhino 2018 Session IPA (4,9% Vol.)

Vor einiger Zeit hat Lidl angefangen, "Craftbiere" in die Regale zu stellen. Vor gut einem Jahr habe ich schon einmal ihre Steam Brew - Reihe besprochen, die von Eichbaum in Mannheim hergestellt wird. Auch das Fat Rhino, welches heute vor mir steht, stammt von dort. Ich tue mich schwer damit, bei einer Großbrauerei wie Eichbaum das Wort "Craftbier" nicht in Anführungszeichen zu setzen; andererseits ist der Begriff in Deutschland - anders als z.B. in den USA - in Deutschland juristisch nicht definiert. Insofern kann man ihn also auf Dosen und Flaschen knallen, wie´man lustig ist - vorausgesetzt, die Biergemeinde lacht einen nicht gnadenlos aus.

Eichbaum selbst hat unter eigener Marke kein IPA im Angebot, also handelt es sich auch hier wieder wohl um eine reine Auftragsarbeit. Weil es ein Session IPA ist, ist schließlich ebenfalls der Alkoholgehalt reduziert, obwohl er mit knapp fünf Umdrehungen auch wieder an die Obergrenze dessen schlägt, was man gemeinhin unter "Session" versteht. Für 49 Cent (zuzüglich Pfand) pro Dose ist es ein durchaus erschwingliches Vergnügen - wobei wir ja nun erst einmal herausfinden wollen, ob es auch tatsächlich ein "Vergnügen" ist.


Art und Herkunft: Session IPA, Deutschland (Baden-Württemberg).

Besonderheiten: -

Sonntag, 21. April 2019

Endstation Sehnsucht: Kneipentour im Bahnhofsviertel

Eigentlich wollten wir ja vor Ostern nichts mehr schreiben, also betrachtet diesen kleinen Erfahrungsbericht einfach als feiertäglichen Bonuscontent für unsere treuen Leserinnen und Leser. An und für sich wollten wir in der letzten Woche ein neues Bier für Braugarten auf den Weg bringen, aber als die Temperaturen dann in Richtung sechs Grad purzelten, waren wir nicht sicher, ob das so eine gute Idee wäre, denn schließlich sind unsere Produktionsanlagen ja dem Wind und dem Wetter recht schutzlos ausgeliefert, wenn sie einmal aufgebaut sind.

So beschlossen wir, eine seit längerem gehegte Idee in die Tat unzusetzen: einen schönen bar crawl im und um das Osnabrücker Bahnhofsviertel. Auch in unserer kleinen Hasestadt ist es immer schwieriger geworden, eine zusammenhängende Route durch die Kneipen im Stil unserer klassischen Iburger-Straßen-Tour zu finden, wenn man nicht gerade im "Bermudadreieck" der Altstadt unterwegs sein möchte. Aber dieses Mal hatten wir, anders als damals in der Dodesheide, unsere Hausaufgaben gemacht und rechneten nicht mit unwillkommenen und unerwarteten Durststrecken.

Erste Haltestelle: Gleis 11

Nicht der offizielle Name. Es handelt sich um einen traditionellen Erfrischungskiosk am Fernbahngleis nach Amsterdam und Berlin. Zusätzlich hat man einen Wartebereich mit Raucherraum und Ausschank. Die Kaltmamsell muss also zwischen zwei Theken hin und her spurten, gottlob sind sie kaum mehr als drei Meter voneinander entfernt. Ansonsten scheint es durchaus Stammgäste zu geben: drei Herren sind fest mit ihren Barhockern verwachsen; einer von ihnen verabschiedet sich mehrmals "bis morgen", bleibt dann aber doch sitzen. Wir ordern Herrengedecke: Warsteiner (das ordentlich gezapft wird) und jeweils einen unbekannt gebliebenen Ouzo bzw. Weinbrand. Weiter ist nicht viel los; wir begeben uns zügig auf den Weg.

Zweite Haltestelle: (Voll) Abgefahren

Der wirkliche Name dieses Etablissements ist nicht ganz klar: im oben verlinkten Artikel der NOZ heißt es nur Abgefahren, laut Google aber Voll Abgefahren. Die eigentliche Bahnhofskneipe am Osnabrücker Hauptbahnhof und schon so etwas wie eine Institution, die über und über mit den Schals unzähliger Fußballvereine dekoriert ist. Ansgesichts der Anzahl sich um Kopf und Kragen redender Gäste habe ich intern für den Namen Abstellgleis plädiert, werde aber von meinen Autorenkollegen mit resolutem pschscht! zum Schweigen gebracht. Aufgrund der Größe immer noch eine Raucherkneipe, was mich nicht besonders stört, allerdings auch nicht unbedingt zum Genuss der Getränke beiträgt. Neben dem Bier (Krombacher) nehmen wir jeweils einen Lokalhelden, den Mettinger Kräuter-Wacholder von C. Langemeyer, sogar im Originalglas. Ein Spaßvogel an der Theke (er trinkt Kaffee, darum ist er wahrscheinlich auch so unlustig) kommentiert die Bestellung wahlweise mit "ein Mett, höhö" oder auch "ein Oettinger, hö hö", gibt dann aber auf, als ich ihn streng anschaue. Ansonsten hat man nicht viel zu tun, wenn man nicht gerade auf den Zug wartet, knobelt, oder Fußball sieht. Also weiter.

Dritte Haltestelle: Hozo

An und für sich nur die Hotelbar bzw das Bistro des in den letzten Jahren mehrfach umfirmierten Hotel Hohenzollern. Entsprechend ist unser Bitburger auch gleich um fast das Doppelte teurer als am Bahnhof. Skurril: um auf die Gästetoilette zu gehen, benötigt man einen PIN-Code, der einem an der Theke ins Ohr geflüstert wird. Plattfuss überhört, dass man auch noch Sternchen oder Raute drücken muss und tänzelt vor verschlossener Tür minutenlang von einem Fuß auf den anderen.



Vierte Haltestelle: No. 16 Lounge & Bar

In den ehemaligen Räumen der Neuen Mühle, direkt am Hasestauwehr. Ganz nett eingerichtet, noch wenig los als wir gegen 21 Uhr hineinstolpern. Es warten auch Shishas für den, der mag. Muss wohl heute so sein, mich reizt es nicht, aber okay. Unsere Getränke bekommen wir flugs, danach bleiben wir unter uns. Was sich meines Erachtens ganz generell eingeschlichen hat: in "modern" geführten Kneipen gibt es kaum noch Gespräche zwischen Personal und Gast, das ist wohl altmodisch geworden. In vielen Läden (ich meine nicht unbedingt nur das No. 16) habe ich oft das Gefühl, Sinn und Zweck der Arbeit sei - außer dem Hinstellen von Getränken - hauptsächlich die Kommunikation des Thekenmannschaft untereinander bzw. mit ausgewählten Kumpels, die zufällig auch gerade da sind. Ist vielleicht einfacher, aber der erfahrene Gastwirt weiß: wer sich willkommen fühlt, der kommt auch wieder. Was es zu trinken gibt? Wieder Krombacher und einen Schnaps, den ich vergessen habe. Whisky?

Fünfte Haltestelle: Blaubeere

Schon ewig lange an der Ecke von Johanniskirche und Johannisstraße; seit einigen Jahren (nicht nur) aus Imagegründen umfirmiert von ehemals "Johannisbeere". Viele, die ich kenne, finden die Kneipe etwas dubios, man erzählt von Schlägereien. Ich persönlich habe da noch kein unangenehmes Erlebnis gehabt; auch heute bleibt alles im Rahmen. Die Preise sind zivil, auch das Mobiliar wirkt nicht so, als werde es regelmäßig von Gästen als Schlagwaffe verwendet. Was also will man mehr? Brinkhoffs und ein recht kratziger Obstler.

Sonntag, 14. April 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXIII: Brussels Beer Project Delta IPA (6,5% Vol.)

Das Brussels Beer Project (BBP) steht auf meiner Liste von Sachen, die ich beim nächsten Brüsselbesuch machen will, ganz an oberster Stelle. Ich habe da noch nie reingeschaut, obwohl die kleine Brauerei schon 2013 gegründet wurde und auch ganz zentral liegt (an der Antoine Dansaert, nur ein paar hundert Meter vom Fischmarkt entfernt). Touren werden auch angeboten, wie ich gerade sehe: ich muss es also nur noch meiner Frau schonend beibringen, wenn wir das nächste Mal in der Stadt sind. Daher: pssssst! Unser kleines Geheimnis, zwinker zwinker.

Als Olivier und Sébastien vor sechs Jahren mit ihrem Projekt anfingen, wussten sie, was sie auf jeden Fall nicht wollten: "traditionelle" belgische Biere brauen. Wie sie selbst auf ihrer Webseite schreiben: nicht in einer Abtei zuhause, sondern in einer modernen Metropole. Beziehungsweise Metropolen, denn mittlerweile gibt es Filialen von BBP auch in Paris (Pigalle und Canal) und Tokio (Shinjuku). Wahnsinn, oder? Ich meine: wie Leute sowas in so kurzer Zeit aufziehen ... Nun, ganz alleine sind sie ja nicht. Das Kernteam der Brauerei in Brüssel sind jetzt mehr als zwanzig Leute und BBP setzt konsequent auf Co-Creation, was erstens eine Kooperation mit anderen Brauern bedeutet und zweitens einen regen Austausch mit dem Publikum. Brussels Beer braut jeden Monat ein anderes Bier; daraus entstehen pro Jahr etwa vier "Prototypen". In Tastings wird dann bestimmt (demokratisch, so hoffen wir), welches Bier dann in das Dauersortiment übernommen wird.

Das heute vorgestellte Delta IPA ist übrigens der älteste Vertreter auf einem Stammplatz im Portfolio. Daneben sind es zurzeit noch vier weitere, unter anderem ein Hefeweizen und ein Dubbel mit Passionsfrucht und Mango. Ich dachte erst, der Name Delta käme vielleicht von der Brüsseler Metrostation gleichen Namens, aber dann stellte sich heraus, dass die ersten vier "Prototypen" ganz einfach Alpha, Beta, Gamma und eben Delta hießen.


Art und Herkunft: IPA, Belgien (Brüssel).

Sonntag, 7. April 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXII: Stanislaus Brewskovitch Cappu dei Capi (5,3% Vol.)

Als mein Kumpel Jan und ich das letzte Mal in Enschede waren, kamen wir am neuen Sitz von Stanislaus Brewskovitch (SB) vorbei, einer ehemaligen Kirche mitten im Herzen der Stadt, die vorher auch schon als Club bzw. Diskothek fungiert hat. Jetzt ist es eben ein Brewpub mit angeschlossenem Werksverkauf, wenn man so sagen will. Die Biere von SB haben alle coole und hippe Namen, da heißt ein Bier nicht einfach nur Stout oder so, nee nee. Die Braukapazität ist eher bescheiden (500 Liter), daher entstehen einige der Biere bei oder in Kooperation mit anderen Herstellern.

Das heute vorgestellte Cappu dei Capi (ein witziges Wortspiel, das auf die italienische Herkunft der verwendeten Corleone-Kaffeebohnen anspielt, und natürlich auf den mafiösen Capo dei Capi (den "Boss der Bosse") gemünzt ist) ... Moment ... mir fällt gerade auf, wie extrem unlustig das Wortspiel wird, wenn man es erklärt ... Egal: das Cappu dei Capi also wird zum Beispiel bei der Ootmarsummer Bierbrouwerij Heupink hergestellt, die nur wenige Kilometer vom Standort in Enschede entfernt liegt. Deren Biere laufen allesamt unter der Marke Othmar und sind offensichtlich von der Namensgebung als auch vom Braustil her etwas konservativer als die des Auftraggebers.

Art und Herkunft: Coffee Milk Oatmeal Stout, Niederlande (Twente).


Besonderheiten: Mit italienischen Kaffeebohnen.


Aussehen und Aroma: Tiefschwarz. Beim Eingießen im Gegenlicht ein deutlicher roter Schimmer. Eine sehr kleine rostbraune Krone, die schnell zusammenfällt. Deutlich in der Nase: kalter Kaffee. Schwarze Johannisbeere. Vanille? Schwarzbrot.


Geschmack: Feinperlig, deutlich säuerlicher Antritt. Gar nicht so schwer und wenig malzig. Eher wieder dunkle Früchte und ja: auch dezenter Kaffee.


Abgang: Mittellang, die säuerlichen Noten bleiben uns am längsten erhalten.


Fazit/Tipp: Ein Bier, das unseres Erachtens eigentlich so gar nicht an Cappuccino erinnert. Für ein Stout jedoch angenehm (und überraschend!) frisch und problemlos trinkbar. Eher belebend als beschwerend.


Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 14. April 2019.


Verkostung: Tomas A. und Jan B.


Text: Tomas A.




Sonntag, 31. März 2019

Bierakademie, Teil IV: Bayreuther Aktien Zwick'l (5,3% Vol.)

Nach einiger Zeit tue ich mal wieder einen guten Schluck aus der "Bierakademie", die mir mein Kollege letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt hat. Es ist ein Bier´von einer Brauerei, von der ich - glaube ich - noch nie etwas gehört habe. Aber das will nichts heißen. Obwohl der Wahlspruch unseres Blogs bekanntlich drinking for you since 2011 lautet, bin ich sicher, dass es auf der Welt durchaus noch ein paar mehr Brauereien geben wird, von denen keiner unserer Autoren jemals gehört hat.

Aber zurück zum Thema: Die Bayreuther Bierbrauerei wurde 1857 gegründet und befand sich zu Beginn etwas weniger als zwei Jahrzehnte in Privatbesitz. Nach einem Verkauf an verschiedene Investoren wurde sie dann in den Achtzehnsiebzigern zu einer Aktiengesellschaft umgebaut, daher heißt die Marke auch heute noch "Aktien". In den Sechzigern des 20. Jahrhunderts erwarb die Brauerei Maisel (ja, die Brauerei  Maisel) einen großen Aktienbatzen, die Bayreuther Brauerei blieb aber bis zum heutigen Tage eigenständig. Insgesamt gehören drei verschiedene Biere zum Standardsortiment: das heute verkostete Zwick'l, ein dunkles Landbier sowie das Original 1857, das wohl eine Art Lagerbier ist.


Art und Herkunft: Zwickel, Deutschland (Bayern).

Sonntag, 24. März 2019

Bierwochenende in Leiden, Teil II: Die Wertung

Vorbemerkung: Wie immer ist die Bewertung rein subjektiv. Wer wissen will, ob ihm persönlich ein Bier eher schmecken würde oder nicht, sollte die Beurteilungen vor dem Hintergrund unserer allgemeinen Vorlieben oder auch Abneigungen gegenüber bestimmten Biersorten und -stilen sehen. Als Faustregel lässt sich sagen, dass Plattfuss eher malzige, dunkle, süße und schwere Biere bevorzugt und Jan B. eher herbe, hopfige und frische sowie auch saure Biere. 

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 31. März 2019.

Reise, Verkostung & Text: Jan B. und Plattfuss

Brauerei Bier
PLF
JB
GES
Aviator Brewing Devil’s Tramping Ground
+
+
2
Blauwe Ijsbeer
Klapschaats Ijsbeer
0
-
-1
Blauwe Ijsbeer
Lekker Lang In de Zon Ijsbeer
++
++
4
Blauwe Ijsbeer
Schotse Ijsbeer
+
++
3
Brewdog vs Amundsen Mellow Mafia Imp. Milk Stout
++
++
4
Bridge Brew House
Mistico
-
+
0
Bridge Brew House Tower
0
0
0
Dark Horse Brewing Crooked Tree IPA
0
+
1
Dark Horse Brewing Darken Sour Brown
0
0
0
De Dochter van de Korenaar Extase DIPA
0
++
2
De Molen Tekst & Uitleg
0
++
2
De Molen Doom & Gloom
-
-
-2
De Molen Rook & Vuur
+
+
2
De Oude Rijn Bruno 3.2 Session IPA
0
++
2
De Oude Rijn Erna Tripel
0
+
1
Fortnight Brewing Coffee Amber
++
+
3
Happy Face Stout
++
++
4
Happy Face Session IPA
+
+++
4
Hop Bird
Jillebier
+
+
2
Hop Bird
IPA
+
++
3
Islands Brewing
Starry Night Cocoa Porter
0
++
2
Islands Brewing RoadTrippin Cashew Fruit Gose
+
++
3
Kompaan Springbreak
0
++
2
Kompaan
Wannabee
+
+
2
Kompaan Orange is the New Blond
+
++
3
Larkin’s Brewing Co. Dog Days
-
++
1
Larkin’s Brewing Co.
Darks Side
0
+
1
Lehe Pruulikoda
Red & Black
++
++
4
Lehe Pruulikoda
Ravnodenstvie
+
+
2
Lehe Pruulikoda
Sunrise on the Secret Beach IPA
+
++
3
Leidsch Bier Morsporter
+
+
2
Leidsch Bier La Dixième
+
+
2
Leidsch Bier Bagel Blond
+
+
2
LVR Breweries Z.IPA
0
+
1
LVR Breweries Black Brian
+
+
2
Mokums Mout Caliente Tripel XXX
+
+
2
Mokums Mout Peperwerf IPA
0
+
1
Neptunus
Ceres Tripel Kuyt
+
0
1
Neptunus
Minos European IPA
0
+
1
Neptunus
Peko Meets Erebus On Wood
+
++
3
Neptunus Peko Oatmeal Stout
+
+
2
Novo Brazil Pool Party Haze IPA
0
++
2
Novo Brazil
The Mango IPA
0
++
2
Novo Brazil Amazonia Sour w/ Açai
+
+
2
Pronck Witbier
0
+
1
Pronck Dubbel IPA
+
+++
4
Pronck Tripel
++
++
4
Pronck New England Spring Ale
++
+
3
Pronck Imperial Porter
+
++
3
Sori Brewing
Out of Office IPA
+
+
2
Stadsbrouwerij Hibiscus Gose
+
+
2
Stadsbrouwerij
Tripel
+
+
2
Stadsbrouwerij
Caribbean Porter
++
+
3
The Sisters Pchela Raspberry
+++
++
5
The Sisters Waggle Dance
+
0
1
The Sisters Queen Bee
-
0
-1
The Sisters Smoker
++
+
3
The Sisters Nectar
0
0
0
Turning Point
Dreamcatcher
+
-
0
Turning Point
Hoodoo Trance
+
+
2
Turning Point
Vision Quest
---
++
-1
Turning Point
Wavelength
0
+
1
Uiltje Brewing
Cascade Groene Trui
0
++
2
Uiltje Brewing
Joost Mag Het Weten
0
++
2
Uiltje Brewing
Rakau Red Panda
-
+
0
Van Moll
Morricone
+
-
0
Van Moll
Inspector Norse
0
++
2
X-Brewing Two Big Friends
+
+
2
X-Brewing I Love the Smell of Coffee (…)
+
-
0
X-Brewing Fruity Madness
-
++
1
Yria Cerveza
Man-darina
0
++
2
Yria Cerveza
The Strawberry Killers ...
0
-
-1
Yria Cerveza
The Nuclear Mutant Beast vs ...
-
- -
-3
Yria Cerveza
The Disciples of the Beer Ninja 
-
0
-1
Zuid Hollandsche Bieren 1921 Dubbel Bock
+
0
1
Höchste Bewertung: Pchela Raspberry (The Sisters)
Niedrigste Bewertung: The Nuclear Mutant Beast vs … (Yria Cerveza)
Atraktivstes Personal (Plattfuss): Hop Bird
Informativstes Gespräch (Jan B.): De Oude Rijn & Neptunus
Höchste Einzelwertung Plattfuss: Pchela Raspberry (The Sisters)
Höchste Einzelwertung Jan B.: Dubbel IPA (Pronck), Session IPA (Happy Face)
Beste Durchschnittswertung: Happy Face