Sonntag, 10. November 2019

Wolfburn Aurora NAS (46,0% Vol.)

Aurora ist erstens einmal der Name der römischen Göttin der Morgenröte (Eos bei den Griechen). Andererseits ist es unter anderem der (angebliche) Name eines supergeheimen amerikanischen Projekts zum Bau eines Hyperschall-Aufklärungsflugzeugs. Wer den Namen also gegoogelt hat und hier gelandet ist, dem sei zu Beginn gesagt, dass es hier heute nur um Whisky geht.

Die Flasche ist schon seit dem Sommer in Anbruch; Tom hatte sie zum Geburtstag von seiner Frau bekommen. Zeit also, ihn endlich mal offiziell zu verkosten. Vor einigen Jahren hatten wir schon mal einen Whisky von Wolfburn in Thurso hier im Blog, den First General Release (ebenfalls o.J.), der uns damals anscheinend ganz gut gefiel.

Die Destillerie wurde erst vor acht Jahren neu gegründet; auf einen Zwölfjährigen müssen wir nach Adam Riese also noch ein bisschen warten (gebrannt wird gerade mal seit sechs Jahren) ... WENN er denn kommt. Seit einiger Zeit geht das Single-Malt-Geschäft ja insgesamt in Richtung NAS. Habe ich neulich beim Betrachten der Dalmore-Sammlung eines Freundes wieder mal gedacht. 

Der Aurora gehört zu den mittlerweile vier Standards (hinzu kommen noch zwei kleinere Serien, Kylver und Small Batch). Er reifte sowohl in Ex-Bourbon- als auch in Oloroso-Fässern.



Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (Northern).

Sonntag, 3. November 2019

Einsendungen, Teil VII: Caol Ila 9 J. (56,8% Vol.) (Whic The War of the Peat II of XIII by Signatory Vintage)

Another week, another whisky. Kurz nach dem Sample des Ballechin 12 kam schon das nächste von whic.de. Diesmal ein Caol Ila, auf den wir uns die ganze Woche gefreut haben. Von der Brennerei hatten wir schon eine ganze Weile (Januar 2018!) nichts mehr im Blog, damals war es ein sehr junger Sechsjähriger von Douglas Laing.

Anders als der letzte Whisky aus der Serie reifte dieser hier im Eichenfass, was sowohl meinem Kollegen Jan als auch mir entgegenkommt. Wie auch beim letzten Mal stand hier Signatory als Kooperationspartner zur Verfügung. Im Vorfeld gab es einige Verwirrung über Stärke und Alter des guten Tröpfchens, aber die o.a. Daten sollen nun wohl korrekt sein. Bei Whic sind beide Ausgaben des War of the Peat auch schon wieder vergriffen ... da haben wohl einige Leute auf der Lauer gelegen.



Art und Herkunft: Single Malt, Islay.

Besonderheiten: Nicht kaltfiltriert, nicht gefärbt, in Fassstärke abgefüllt.

Sonntag, 27. Oktober 2019

Einsendungen, Teil VI: Ballechin 12 J. (59,3% Vol.) (Whic The War of the Peat I of XIII by Signatory Vintage)

Ende September hat whic.de eine neue Serie herausgebracht, die sich The War of the Peat nennt und in dreizehn Folgen (wir behandeln heute die erste von ihnen) dem - wie man aus dem Titel unschwer verstehen wird - rauchigen bis torfigen Single Malt verschrieben hat. Zur Namensgebung sagt uns das Pressematerial folgendes:
[...] Manche Aromen scheinen wie nicht von dieser Welt. Geschmacksexplosionen voll brachialer Rauchnoten, Motoröl und Speck. Für diese Whiskys, die anecken und das Extreme darstellen, brauchte es auch den richtigen Namen und das richtige Aussehen, was diese Aromenspektakel einfing. Als Sience [sic!] Fiction Fan fand ich Inspiration bei einem literarischen Klassiker „Der Krieg der Welten“ [...]
Zum Einstand gibt es einen 12-jährigen Ballechin in Zusammenarbeit mit Signatory (immer noch keine eigene Webseite; die angeschlossene Brennerei Edradour hat aber eine, auch wenn diese etwas altbacken rüberkommt).

Ballechin? Es gibt keine heute noch existierende Brennerei dieses Namens; die ursprüngliche Destillerie schloss bereits 1927 die Pforten. Unter der Marke kommen heute Whiskys von Edradour (s.o.) in die Flasche, seit Anfang der Nullerjahre - bis dahin untypisch - auch torfige Malts. Die streng limitierte Auflage unseres heutigen Tröpfchens (305 Flaschen) reifte im Refill-Sherry-Fass und soll bei whic knapp 85,- EUR kosten.



Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (Central).

Besonderheiten: Nicht kaltfiltriert, nicht gefärbt, Fassstärke, Single Cask.

Sonntag, 20. Oktober 2019

Asbach Uralt NAS (36,0% Vol.)

Gestern hatten wir unseren zweiten Versuch im Braugarten, das diesjährige Weihnachtsbier auf den Weg zu bringen. Kesseldienst hatten diesmal Plattfuss und ich. Eigentlich wollten wir eine neue Einsendung von whic.de verkosten, aber diese blieb dann aus Versehen doch zuhause liegen. Aber gottlob hatten wir noch (zum ersten Mal!) eine unangebrochene Flasche Asbach Uralt im Garten, über die wir uns dann auch – zwecks Vertreibung der morgendlichen Kälte – zügig hermachten.

Asbach Uralt ist - wie der Name nahelegt - eine Legende in deutschen Regalen. Nur wenige heimische Alkoholmarken, gerade im Weinbrandbereich, dürften so geläufig und den meisten Menschen jederzeit abrufbar sein wie diese. Daneben kennt man in der Regel nur wenige "Standards", meistens noch den Mariacron und den Chantré. Alle drei sind Weinbrände aus Deutschland (allerdings nicht "Deutsche Weinbrände", denn wer diese Bezeichnung führen möchte, muss mindestens 38 Volumenprozente haben) und - wie gesagt - bereits seit Jahrzehnten hier heimisch. Tatsächlich ist der Asbach einst der allererste in Deutschland (1892) produzierte Weinbrand gewesen. Selbstverständlich wurde er damals noch nicht "Weinbrand", sondern "Cognac" oder "Kognak" genannt. Das ist übrigens nicht erst seit den EU-Verträgen verboten, sondern wurde den Deutschen schon im Versailler Vertrag untersagt. Die Bezeichnung "Weinbrand" gibt es laut Gesetz nunmehr seit dem Jahr 1923. Die Marke Asbach ist schon seit den frühen Neunzigern des letzten Jahrhunderts nicht mehr in Familienbesitz; nach mehreren Übernahmen kreuz und quer gehört sie mittlerweile zur Underberg AG.

Nun dachte ich immer, die meisten Kneipengänger trinken ihren Asbach gerne mit Cola (tatsächlich gibt es ihn auch fertig gemixt mit Cola in der Dose, was dann Coola heißt), aber die Frage ist, ob er dafür nicht eigentlich zu schade ist. Wir probieren ihn also heute natürlich pur. Im Übrigen hat das Haus Asbach noch höherwertige, teilweise sehr hochpreisige Produkte im Angebot, bis hin zu einer Jahrgangsabfüllung von 1972, die um die 2000,- EUR kosten soll. Eine Flasche Uralt sollte jedoch in der Regel für um die 10,- EUR zu bekommen sein.


Art und Herkunft: Weinbrand, Deutschland (Hessen).

Besonderheiten: -

Sonntag, 13. Oktober 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXXIV: Crazy Black Cat Dry Dublin Stout (6,8% Vol.)

Die Einleitung zum heutigen Artikel wird relativ kurz, denn viel gibt die Webseite von Crazy Black Cat (CBC) an Informationen nicht preis. Es handelt sich um eine winzigkleine Kleinbrauerei (wir nennen das - in Anlehnung an den Begriff Microbrewery - auch ganz gerne eine Nanobrauerei) aus Enschede, die aber über keine eigene Anlage verfügt, sondern ihre Produkte bei der ebenfalls kleinen, aber dennoch etwas größeren De Koperen Ster (haben eine Webseite, die ich aber nicht verlinke, weil sie, wie ich gestern feststellen musste, leider komplett verbuggt ist). Eine Besonderheit bei CBC ist, dass sie sich gänzlich der Herstellung von irischen Bieren verschrieben haben. Neben dem heute vorgestellten Stout gibt es noch ein Stout mit Poteen/Poitin-Infusion sowie zwei verschiedene Red Ales.

Art und Herkunft: Irish/Dry Stout, Niederlande (Twente).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Die Farbe ist - wie kaum anders zu erwarten war - als Schwarz zu bezeichnen. Eine sehr flüchtige, mittelstarke, dunkelbraune Schaumkrone. Vor dem Nosing habe ich das Bier erst einmal ein bisschen mit den Händen angewärmt, denn die empfohlene Trinktemperatur beträgt 9°C. In der Nase finden wir sehr, sehr dominanten Kaffee mit einem leicht metallischen Unterton sowie etwas Lakritze.

Sonntag, 6. Oktober 2019

Goose Island Midway IPA vs. Lagunitas 12th of Never Ale

Drei Gemeinsamkeiten haben die beiden heute besprochenen Biere (außer natürlich, dass es Biere sind): Erstens - sie sind beide in schicken neuen Dosen verpackt. Zweitens - sie kommen beide aus den USA. Drittens - es sind beides ehemalige Craftbrauereien, die von Riesenkonzernen übernommen wurden. Im Falle von Goose Island war das im Jahre 2011 die AB InBev, im Falle der Lagunitas im Jahre 2015 Heineken International (ich hatte mich bei meinem kürzlichen Urlaub in den Niederlanden schon gewundert, warum dort das IPA von Lagunitas mittlerweile zum festen Sortiment jeder x-beliebigen Kneipe gehört).

Diese Brauerei heißt so, weil sie im gleichnamigen Ort in Kalifornien gegründet wurde, und zwar schon im Jahr 1993 von einem Hobbybrauer namens Tony Magee. Nach nur recht kurzer Zeit war ihm seine Anlage in der Stadt Lagunitas aber schon zu klein, daher zog er mit seinem nicht mehr so kleinen Betrieb in die nahe gelegene Stadt Petaluma um (beide Orte liegen nördlich von San Francisco). Fast forward: 18 Jahre später wurde es Herrn Magee auch dort zu eng, und man bemühte sich weiter nach Osten, genauer gesagt nach Chicago. Und so blieb es dann auch bis zur Übernahme durch Heineken. Das heute besprochene 12th of Never Ale gehört zum sehr umfangreichen Standardportfolio.

Da, wohin Lagunitas erst nach langer Zeit umziehen musste, saß Goose Island schon immer: The Windy City. John und Greg Hall gründeten die Brauerei "nach einem Trip durch Europa", wo sie schmackhaftes Bier kennen und schätzen gelernt hatten. Sie beschlossen, es insbesondere den Engländern nachzutun. Das Ganze passierte in den späten Achtzigern; ansonsten war die Entwicklung ähnlich wie bei Lagunitas: immer größere Expansion über ca. 20 Jare, dann Übernahme durch einen Großkonzern. Das Midway Session IPA wird auf ihrer Webseite nicht großartig beworben, auf jeden Fall gehört es (nicht mehr? noch nicht?) zu ihren "Standards".



Goose Island Midway Session IPA (4,1% Vol.)

Art und Herkunft: Session IPA, USA (Illinois). 

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Goldgelb und nur ganz leicht trübe. Kleine, feste Krone. Unaufdringliches Aroma mit Gras- und Melonennoten.

Geschmack: Säuerlich-herber Antritt mit Zitronenzeste auf der Zungenspitze. Schwarzer Tee. Recht erfrischend und weniger herb als vermutet.

Sonntag, 29. September 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXXIII: Blue Sheep Blue Monday Saison (6,2% Vol.)

Letztes Wochenende war mir ein bisschen langweilig und ich dachte, ich könnte mal wieder ein halbes Kilo Gouda oder ähnliches aus den Niederlanden holen, also bin ich einfach ins Auto gesprungen und nach Hengelo gefahren. Ist eine Weile her, dass ich da war, aber dankenswerterweise haben sie dort nun auch eine eigene Craftbierbrauerei, mit dem schönen altniederländischen Namen Blue Sheep Brewery

Das ist nun wirklich keine Klein- sondern eine Kleinstbrauerei, wo das meiste noch von den beiden Gründern (2017) Roy - von Haus aus Bäcker und Konditor - und Brian, der vorher bzw. nebenher einen ganz normalen Bürojob hat(te)selber gemacht wird. Umso froher bin ich, dass im lokalen Supermarkt (Albert Heijn) tatsächlich ein paar Flaschen zu haben waren. Zurzeit sind fünf verschiedene Sorten im Angebot, nämlich zwei IPAs, ein Tripel, ein zur Herbstzeit passendes Bockbier sowie das heute zu verkostende Saison. Unsere beiden Craftbrauer versprechen dem Tester dieses Bieres süßsaure Noten und eine ausbalancierte Bitterkeit. Der Tester ist gespannt!

Art und Herkunft: Saison, Niederlande (Twente).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Goldgelb und mit anständiger fester und mittelgroßer Krone. Leicht trübe. In der Nase viel Hefe und ein eher dezenter grasig-würziger Hauch von Sommerwiese.

Geschmack: Leicht säuerlicher, moussierender Antritt. Eine Ahnung von Weißwein (Trauben) und Mirabellen. Ansonsten Brotteig, wenige kräftige Hopfennoten. Erfrischend.

Sonntag, 22. September 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXXII: Van Moll Doerak (6,3% Vol.)

Begonnen hat bei Van Moll in Eindhoven alles als Brewpub. Heute - gute sechs Jahre nach der Gründung - gibt es den immer noch, aber die Biere dieser jungen Brauerei findet man mittlerweile auch landauf/landab im gut sortierten Getränkeregal. Also: in den Niederlanden natürlich. Hier in Deutschland wohl eher nicht. Zum Standardprogramm gehören mittlerweile sechs Biere; wie jeder gute Craftbierproduzent es macht sind auch hier zusätzlich wechselnde Specials im Angebot. Manchmal - aber nicht immer - in Kollaboration mit anderen Herstellern produziert.

Das heute hier vor uns stehende Doerak gehört zur core range. Fast alle dieser Biere kommen in einheitlichem Flaschendesign mit niedlichen Tierchen auf dem Etikett. Beim Doerak ist es ein Dachs, der einige meiner Kumpels in der Bier-Selbsthilfegruppe an diesen niedlichen kleinen Kerl aus Guardians of the Galaxy erinnert haben soll. Der Name des Biers kommt übrigens tatsächlich vom russischen Wort дурак, welches angeblich während der napoleonischen Kriege von Kosaken des Zaren in die Niederlande gebracht worden sein soll. Im Russischen bedeutet дурак wohl so etwas wie "Dummkopf"; in der niederländischen Sprache heißt es eher "Tunichtgut" oder "kleiner Racker", ist also deutlich liebevoller gemeint. Ansonsten verspricht man uns von Seiten der Brauerei ein leicht bitteres, sehr tropischfruchtiges IPA. Wir sind sehr gespannt.


Art und Herkunft: IPA, Niederlande (Nordbrabant).

Sonntag, 15. September 2019

Meantime Raspberry Wheat (5,0% Vol.)

Zum Titel des Beitrags heute gab es innerhalb der Redaktion eine kurze, aber intensive Diskussion. Sollte ein Artikel über die Meantime Brewery aus Greenwich zu unserer Reihe Sind so kleine Biere gehören oder nicht? Wir sind mit den Maßstäben dabei ja nicht so streng, zeigen uns auch schon mal kulant, was einen etwas höheren Jahresausstoß angeht usw. Schließlich lässt sich lange darüber streiten, was denn nun ein Craftbier oder auch eine Mikrobrauerei ist. Mit der Meantime verhält es sich nun so, dass wir sie bei unserem letzten Bericht über eines ihrer Biere noch dezidiert als Craftbrauerei angesprochen hatten. Das war allerdings schon 2015 und seitdem ist eine Menge Wasser die Themse heruntergeflossen. Im selben Jahr nämlich wurde die Firma, die 1999 von Alastair Hook gegründet worden war, vom Großkonzern SABMiller (mittlerweile selbst von AB InBev geschluckt) aufgekauft. Ein Jahr später ging es dann aber - nicht ohne ein "Skandälchen" zwischendurch - direkt weiter in das Firmenimperium von Asahi - einem der großen Global Player im Getränkesegment. Ach so ... was das erwähnte Skandälchen war? So in der Zeit kurz nach der Übernahme durch SABMiller kam heraus, dass die Biere aus der Brauerei - um die Produktionsmenge zu erhöhen - mit in den Niederlanden bei Grolsch gebrautem Bier "unterfüttert" worden waren. Die Rede war von etwa zehn Prozent. Nachdem wir alle diese Fakten noch einmal selbst nachrecherchiert haben, sind wir (oder zumindest die Hardliner im Team) zu dem Schluss gekommen, dass wir für die Brauerei Meantime das Lemma "kleine Biere" nicht mehr verwenden möchten. Nicht, dass es die jucken wird, natürlich. 

Das heute verkostete Raspberry Wheat gibt es schon ein paar Jahre lang (ich habe Verkostungen gesehen, die mindestens bis 2012 zurückgehen), dennoch gehört es laut Webseite der Brauerei nicht zur core range.

Art und Herkunft: Fruchtweizenbier, England.

Sonntag, 8. September 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXXI: Babylone vs. Jungle Joy (Brussels Beer Project)

Vor ein paar Monaten hatten wir hier schon einmal etwas vom Brussels Beer Project hier im Blog; damals verkostete ich mutterseelenalleine ihr "Ur-Bier", das Delta IPA. Meine Ankündigung eines Brauereibesuchs konnte ich bis jetzt noch nicht wahrmachen, aber im Winter werde ich es wohl doch endlich schaffen ... freue mich schon darauf. Neulich fielen mir zufällig noch zwei weitere Produkte von ihnen in die Hand. Auch diese beiden gehören zu ihren All-Stars, mit anderen Worten: zum Standardsortiment.

Beim Babylone ist das Besondere, dass es unter Zuhilfenahme von Brot gebraut wird. Daher auch der Name: im alten Babylon wurde Bier gebraut, indem man Brotlaibe in Wasser vergären ließ, da der Zusammenhang zwischen Hefestämmen, Maische und Bier noch nicht bekannt war. Das Jungle Joy wird als moderne Interpretation eines Fruchtbiers beschrieben, komm jedoch ohne künstliche Zusatzstoffe oder Zucker aus.


Brussels Beer Project Babylone (7,0% Vol.)

Art und Herkunft: Bitter, Belgien (Brüssel).

Besonderheiten: In der Maische wurden 20 Prozent des Malzes durch unverkauftes frisches Brot ersetzt.

Aussehen und Aroma: Rotbraun und leicht trübe. Große Krone. In der Nase frische Melasse, Brotteig und Tortenboden.

Sonntag, 1. September 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXX: Columbus vs. Flink vs. I.P.A. ('t IJ)

Vor ein paar Jahren haben wir hier im Blog schon einmal über die Brauerei 't IJ (benannt nach diesem relativ auffälligen Gewässer bei Amsterdam) berichtet. Und noch nicht einmal sehr positiv, wenn ich mal eben nachschaue. Da sich an der Geschichte der Firma nichts geändert hat, bitte bei Interesse dort ebenfalls nachlesen. Allerdings ist 't IJ in den letzten Jahren doch sehr viel größer geworden; der jährliche Ausstoß hat sich seit damals mehr als verdoppelt.

"Ij" ist ein Homophon (= ein Wort, das genauso klingt wie ein anderes, welches jedoch anders geschrieben wird) zur niederländischen Aussprache von "Ei", daher bieten sich allerlei Wortspiele wie zum Beispiel "Ei" des Columbus (eines der heute verkosteten Biere) natürlich geradezu an. Das Columbus ist eine Sorte aus dem jederzeit verfügbaren Standardsortiment, darüber hinaus auch noch aus rein biologisch angebauten Zutaten gebraut. Auch die beiden anderen Kandidaten - das I.P.A. und das Flink - stehen jahrein, jahraus auf dem Programm.



't IJ Flink (4,7% Vol.)

Art und Herkunft: Pale Ale, Niederlande (Nordholland).

Besonderheiten: -

Sonntag, 25. August 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXIX: Stanislaus Brewskovitch Sunmilk vs. Gulpener Spicy Roger

Bei unserem letzten Ausflug nach Enschede ist es uns - wie schon einmal berichtet - gelungen, eine stattliche Anzahl von interessanten Bieren aus dem örtlichen Getränkehandel zu befreien, nicht zuletzt, damit wir wieder etwas zu trinken und zu schreiben haben. Nicht alles sind niederländische Biere, aber die beiden heutigen Kandidaten schon, auch wenn sie sonst wenig miteinander zu tun  haben. Die einzige weitere Gemeinsamkeit dürfte wohl sein, dass beide "so eine Art von" IPA darstellen; jedes aber für sich mit einer ganz besonderen Auslegung dieses recht diversen Bierstils.

Einmal haben wir hier vor uns das Sunmilk von Stanislaus Brewskovitch. Über diese Enscheder Brauerei und ein weiteres ihrer Biere haben wir vor einiger Zeit schon einmal hier berichtet. Das heutige Bier wird von der Brauerei als "angenehm bitter, subtil und fruchtig" beschrieben. Beim Brauprozess wurde unter anderem auch Laktose (Milchzucker) zugesetzt, was dem Bier eine etwas süßere Note verleihen soll.

Über Gulpener haben wir hier bis jetzt noch nie etwas geschrieben, obwohl die Marke durchaus recht bekannt ist, zumindest in niederländischen Supermarktregalen. Es ist auch keine ganz kleine Brauerei, denn der Jahressausstoß liegt bei deutlich über 100.000 Hektolitern pro Jahr. Wir nehmen sie aber dennoch zu unseren "kleinen Bieren", denn immerhin ist sie auch fast 200 Jahre nach ihrer Gründung (1825) eine der wenigen, die immer noch in Familienhand sind. Das angebotene Portfolio ist sehr groß; genau 20 verschiedene Sorten zähle ich beim Überfliegen der Webseite. Darunter viele Standards wie Pilsener oder das in den Niederlanden sehr beliebte Oud Bruin, jedoch auch viele moderne collaborations und saisonale Stile. Das heute getestete Double IPA (einfach gesagt: ein starkes IPA) hat als besondere "Zugabe" guter alter  Chilipfeffer.


Stanislaus Brewskovitch Sunmilk (5,7% Vol.)

Art und Herkunft: Tropical (Milk) IPA, Niederlande (Twente).

Sonntag, 18. August 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXVIII: The Wild Mill Blond vs. The Wild Mill Tripel

Jeremy Vermolen ist so etwas wie der Steffen Henssler der Niederlande. Ein sehr bekannter "Fernsehkoch" (der Beruf "Fernsehkoch" ist ja auch erst seit gut 15 Jahren ein Beruf) mit Schwerpunkt Barbecue und/oder Grillen. Nebenher - wenn man so will - betreibt er in Roosendaal nahe der belgischen Grenze ein BBQ-Steakhouse. Wie könnte es auch anders sein?

Vor einiger Zeit kam er auf die Idee, ein paar eigene Hausbiere zu kreieren, die sich besonders zum Verzehr zum Barbecue eignen sollen. Brauen tut er sie allerdings nicht selbst; dies übernimmt - wie einem die Informationen auf einschlägigen Lieferantenseiten deutlich sagen - die Brauerei Vermeersen im etwa 70 Kilometer entfernten Hulst. Genannt hat Herr Vermolen sein Bier Wild Mill, was etwas putzig ist, denn Molen heißt auf Deutsch Mühle, heißt auf Englisch Mill. Super, nicht?


The Wild Mill Blond (6,5% Vol.)

Art und Herkunft: Blond, Niederlande (Zeeland/Nord-Brabant)

Besonderheiten: "Mit einem Hauch von Koriander und Apfelsinenschale".

Sonntag, 11. August 2019

Projekt Braugarten, Teil IX: Braugarten Mild Session Ale (3,0% Vol.)

Unser neuestes Bier haben wir genau am Himmelfahrtstag diesen Jahres gebraut. Es war ein sehr angenehmer Tag im Braugarten und die Arbeit ging uns gut von der Hand. Hoffen wir, dass sich das auch in der Qualität unseres Bieres niedergeschlagen hat. Dieses Mal wollten wir ein Session Ale machen, also etwas mit weniger Volumenprozenten, mit gefälliger Note, was man auch einmal einen ganzen Sommerabend lang trinken könnte. Damit das Ganze einen weichen, nicht zu anstrengenden Geschmack bekommt, haben wir noch einmal auf den Standardhopfen für solche Zwecke - den Tettnanger - zurückgegriffen.

Das Mild Session Ale wird für einige Zeit wohl das letzte "neue" Bier sein, welches wir brauen. Nachdem wir nun für drei oder vier unserer Rezepte von mehreren Seiten gelobt worden sind, geht es für die nähere Zukunft nicht mehr so sehr darum, immer neue Experimente zu wagen, sondern das, was wir können, verlässlich und in größeren Mengen herzustellen und - in weiterer Zukunft - auch irgendwann einmal an den Mann oder an die Frau zu bringen. Schauen wir, ob auch das neue Gebräu das Potenzial hat, in unsere core range aufgenommen zu werden.


Art und Herkunft: Session Ale, Deutschland (Niedersachsen).

Sonntag, 21. Juli 2019

Auf dem 6. Osnabrücker Bierfest

Zum Beginn unserer redaktionellen Sommerpause sprechen wir heute mal nicht über ein spezielles Getränk - sei es nun Bier, Rum, Whisky oder sonst irgendwas - sondern über ein Event. Genauer gesagt über das nunmehr 6. Osnabrücker Bierfest, organisiert von der Szenekneipe GiG Linden, die auch noch drei weitere Ableger in anderen Städten hat. Anders als bei den regionalen oder sogar lokalen Bierfesten, die alle Besucher*innen unseres Blogs von unseren Berichten her kennen werden, handelt es sich hier um eine "Tour" durch Deutschland - ähnlich einem Wanderzirkus - wobei in diesem Jahr 15 verschiedene Städte angefahren werden bzw. schon wurden.

Nun ist dies nicht das erste Mal, dass unsere Redaktion bei der Osnabrücker Ausgabe dabei war. Wie man hier, hier und hier noch einmal nachlesen kann, waren unsere Reaktionen - unabhängig vom jeweiligen Autor - jedes Mal durchaus durchwachsen. Grundsätzlich muss ich sagen, dass wir es für eine gute Sache halten, dass es so ein Angebot hier bei uns überhaupt gibt. Osnabrück ist ja mit Veranstaltungen rund um das Essen oder Trinken ganz gut versorgt, aber warum es bis vor einigen Jahren bei uns gleich zwei Wein- und keine Bierveranstaltung gab, obwohl Nordwestdeutschland ja eher Bier- als Weinland ist, habe ich nie ganz verstanden.

Das Ambiente auf dem historischen Marktplatz ist natürlich so gut wie immer ein Gewinn und diesmal waren die Biere auch kaltgestellt ... etwas, was nicht jedes Mal funktioniert hat in der Vergangenheit. Weiterhin auf der Habenseite möchten wir verbuchen, dass es tatsächlich einige neue Biere zu probieren gab, unter anderem von der Brauerei Bernard aus Tschechien oder auch Friedensreiterbräu aus dem nahen Steinfurt (Braustätte ist allerdings in Brakel). Wir waren auch früh genug da (nämlich direkt um 17 Uhr zum Anstoß) und konnten so das Gesamtbild erstmal ein wenig auf uns einwirken lassen, bevor dann etwa eine Stunde später es sich merklich füllte. Nun, offensichtlich wird die Veranstaltung gut angenommen. Auch ein Pluspunkt, sicherlich.


Sonntag, 14. Juli 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXVII: Hoop Summer Session Tropical IPA (4,5% Vol.)

Kongresshotels sind so eine Sache: einerseits hat man da normalerweise wenig mit alkoholisierten Engländer*innen zu tun, die Junggesell*innenabschied feiern. Auch Schulklassen sucht man am Frühstücksbuffet (gottlob!) vergebens. Andererseits: sobald das letzte Meeting beendet ist und man sich (wie ich in der Regel) erfolgreich vor dem obligatorischen Conference Dinner gedrückt hat, gibt es meistens wenig zu tun, denn für gewöhnlich sind diese Hotels halt etwas weiter weg von allen Attraktionen, Kneipen, usw.  entfernt. Damit man sich aufs Business konzentrieren kann, ne? Gestern Abend schlich ich mich also aus meinem Kongresshotel am Rande der kleinen niederländischen Großstadt hinaus - die Grüppchen rauchender Kongressteilnehmer*innen vorsichtig umschiffend - schloss diskret das hoteleigene Mietfahrrad auf und machte mich auf den etwa drei Kilometer langen Weg in die Innenstadt. Nach ein paar Stunden unterschiedlichster Vergnügungen, die ich hier nicht näher beschreiben muss, fielen mir plötzlich zwei sehr wichtige Dinge ein:
  1. Ich habe nichts mehr zu trinken in der Minibar.
  2. Ich habe noch nichts für den Blog geschrieben, obwohl ich diese Woche dran bin.
Also wieder auf das Rad geschwungen und auf zum nächsten Albert Heijn gemacht. Da findet man mittlerweile in der Bierabteilung eigentlich immer irgendetwas Neues. Und so konnte ich dann tatsächlich noch meine oben beschriebenen beiden Probleme lösen. 

Eine Flasche, die mir wegen ihres schönen Designs ins Auge stach, war die der Brauerei Hoop aus Zaandijk. Erst 2016 gegründet; dennoch bereits kräftig auf Expansionskurs. Im fernen Dublin (ja, dem Dublin in Irland) gibt es bereits eine "Schwesterbrauerei", die Hope Brewery. Über die niederländische Firma sollte man wissen, dass zwei verschiedene Biermarken dort entstehen: einmal Breugem und einmal, wie wohl offensichtlich ist, Hoop. Das heute verkostete Summer Session Tropical IPA ist eines der so genannten Seasonals und auf der Webseite gar nicht zu finden. Was es gibt, ist ein Summer Session IPA, ohne Tropical, aber dafür mit 0,5 Umdrehungen weniger. So wird das "tropische" IPA wohl das Seasonal eines Seasonal sein, möchte ich mal vermuten.



Art und Herkunft: (Oatmeal) IPA, Niederlande (Nordholland).

Sonntag, 7. Juli 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXVI: SweetWater 420 Extra Pale Ale (5,7% Vol.)

So, nachdem ich den Kollegen letzte Woche schnöde "hängen ließ", wie ich lesen musste, nehme ich dieses Mal die entsagungsvolle Aufgabe an, eines unserer neuen Biere verkosten zu "müssen". Ich Armer, oh weh, oh weh, etc.

Ebenfalls kein niederländisches Bier, obwohl dort gekauft, sondern aus dem Süden der Vereinigten Staaten, genauer gesagt aus der schönen Stadt Atlanta. Zumindest nehme ich an, sie ist schön, da ich selber noch nie dagewesen bin. Auf jeden Fall gibt es dort eine Brauerei mit Namen SweetWater Brewing Company. Laut Chronik der Firma begann die Konstruktion des ersten Brauhauses schon 1996. Das erste kommerziell verwertbare Bier lief dann ein Jahr später vom Band. Übrigens wohl das heute verkostete 420, welches so heißt, weil es an einem 20. April "erfunden" wurde. Daneben gibt es noch einige weitere Biere, die teilweise auf dem Erstling aufbauen, sowie - heute schon Standard - mehrere saisonale Kreationen und Spezialitäten. Auf jeden Fall hat sich die Brauerei seit den ersten Tagen (nun auch schon wieder mehr als 20 Jahre zuvor) kräftig vergrößert; unter anderem wurden 2016 noch einige neue Räumlichkeiten zum Lagern und auch zum Probieren geschaffen.


Art und Herkunft: (Extra) Pale Ale, USA (Georgia).

Sonntag, 30. Juni 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXV: La Pirata Viakrucis (6,0% Vol.)

Puuh, ist das wieder heiß heute. Und die Kollegen lassen mich hängen. Müssen im KGV Pflichtarbeiten erledigen, müssen noch ganz schnell Zeugnisnoten ausrechnen, müssen ... müssen ... müssen ... Na gut, dann muss ich eben alleine dieses Bier verkosten, was die Mitautoren und ich neulich aus den Niederlanden mitgebracht haben. Ein bisschen Arbeit ist damit sogar auch verbunden, denn die Webseite des Herstellers Cerveses La Pirata ist nicht gerade supertoll (sei es von Mensch oder Maschine) ins Englische übersetzt.

Auf jeden Fall kann man dort lernen, dass La Pirata im Jahre 2004 als Hobbybrauprojekt gegründet wurde und gute acht Jahre so vor sich hindümpelte, bis immer mehr und mehr Leute mal einen Schluck probieren wollten und es so möglich wurde, kommerziell einzusteigen. In den nächsten drei Jahren ließ man die Biere bei anderen Firmen brauen, bevor dann 2015 die eigene Braustätte stand. Stehen tut diese übrigens in der Ortschaft Súria (musste ich auch googeln), etwa 80 Kilometer nordwestlich von Barcelona.

Wie die meisten modernen Craftbrauereien, die etwas auf sich halten, hat La Pirata nicht nur ein Standardsortiment im Angebot, sondern auch einige "Kollaborationen" mit anderen Brauern sowie "Experimente", die hier in Súria LAB (von LABoratorium, kapiert?) genannt werden. Uns interessiert heute aber ein Vertreter aus dem Brot-und-Butter-Geschäft, sogar das allererste Bier, das überhaupt hergestellt wurde: das Viakrucis American Pale Ale. An Hopfen werkeln CTZ (aka Columbus), Summit und Citra, es wird also hoffentlich bitter bis fruchtig.


Art und Herkunft: American IPA, Spanien (Katalonien).

Sonntag, 23. Juni 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXIV: Brixton Brewery Low Voltage (4,3% Vol.)

Es wird Sommer bei uns im Braugarten und im Blog. Man spürt das unter anderem daran, dass Plattfuss nur noch in der Badehose rumläuft, Tomas wieder Rieseneisbecher verdrückt und ich gerne in den Keller gehe, um dort nach dem Rechten zu sehen. Aber am meisten merkt man es daran, dass unser Konsum von Spirituosen zurückgeht und der Konsum von Bier hochgefahren wird. Neulich waren wir mal wieder mit "Allemann" in Enschede und haben uns - in Aussicht auf einen langen, heißen Sommer - mit allen möglichen Bieren eingedeckt, die wir in den nächsten Monaten nach und nach verkosten können.

Tom und ich machen heute den Anfang mit einen Craftbier aus der Dose, nämlich dem Low Voltage von der Brixton Brewery aus London. Noch gar nicht so alt, im Jahre 2013 von zwei befreundeten Biernerd-Pärchen gegründet. Mittlerweile hat man kräftig expandiert; nachdem Heineken (mit einer Minderheitsbeteiligung, Puristen bitte abregen) als Investor ins Boot geholt werden konnte, wurde Ende letzten Jahres eine neue Produktionsstätte eröffnet, wo gut fünfmal so viel wie vorher (die Rede ist von 60.000 Pints die Woche) gebraut wird. Auch das Portfolio ist recht ansehnlich: neben der core range, die neun Biere umfasst, gibt es eine ziemlich große Anzahl von collaborations (z.B. eine Zusammenarbeit mit der Brüsseler Brasserie de la Senne), limited editions und specials.

Das Low Voltage, das heute vor uns steht, gehört zur eben erwähnten core range und komplementiert das um einiges stärkere Electric I.P.A., welches ebenfalls Teil des Standardsortiments ist.


Art und Herkunft: Session IPA, England.

Sonntag, 16. Juni 2019

Ben Bracken Single Malt Scotch Whisky Mini-Pack (Lidl)

Wer den Titel sperrig findet: ich habe ihn nur wortgetreu bei Lidl abgeschrieben, mehr nicht. und bevor noch mehr Whisky-Nerd-Tränen fließen: auch heute wird wieder mal das Geheimnis nicht gelüftet, aus welchen Destillerien der Ben Bracken denn nun eigentlich stammt.

Wie Tomas schon vor ein paar Jahren herausgefunden hat, ist der Markeninhaber, die Clydesdale Scotch Whisky Company, eine in Glasgow registrierte "dormant company", sie ist also inaktiv (laut Geschäftsbericht für 2017 machte sie in jenem Jahr keinerlei Umsätze und verfügte über ein Kapital von knapp 500 Britischen Pfund) und letztlich eine Tochterfirma von Whyte and Mackay. Dieser Firma (bzw. deren Eigentümerin, der Alliance Global Group) gehören insgesamt vier Malt-Distillerien und eine Grain-Brennerei: Fettercairn, Jura, Tamnavulin, Dalmore und Invergordon. Das heißt aber noch lange nicht, dass die Whiskys der Marke Ben Bracken aus einer dieser Distillerien stammen müssen. Denn nichts und niemand hindert Clydesdale/Whyte&Mackay/AGG daran, bei irgendwelchen anderen Mitbewerbern einzukaufen. Im Falle des Islay bleibt ihnen sowieso nichts anderes übrig, denn die eigenen Brennereien sind (mit Ausnahme von Jura) alles Speysider und/oder Highlander.

Das "Probierpaket" hatten wir vor unserem Brautag zu Christi Himmelfahrt direkt im Laden besorgt; wie man am obigen Link sieht, gibt es ihn aber auch noch online. An und für sich sind solche kleinen Gebinde nicht schlecht, wenn man nicht gleich das Risiko eingehen will, eine große Flasche zu kaufen, die einem dann nachher gar nicht schmeckt.


Ben Bracken Speyside NAS (40% Vol.)

Art und Herkunft: Single Malt, Speyside.

Sonntag, 9. Juni 2019

Gaffel SonnenHopfen Cologne Pale Ale (4,9% Vol.)

Diese Flasche verdanke ich meinem Nachbarn, mit dem ich öfter schon mal beim Whiskytasting und auf dem Bierfest in Lingen war. Als sich unsere Wege neulich kreuzten, drückte er mir freundlich die unten abgebildete Flasche in die Hand, mit der Ermahnung, sie vor dem Verzehr gut zu kühlen. Ich war gerade auf dem Weg zu meinem Schwiegervater, der ein Kronsberg nicht von einem Krombacher unterscheiden kann, also machte ich noch einmal kehrt, und barg den kostbaren Gerstensaft an meinem Busen im Kühlschrank im Keller.

Gaffel also ... das war nun tatsächlich eine Überraschung, denn wer kennt die Firma nicht als Hersteller einer der wichtigsten Kölsch-Sorten? Gegründet wurde die Brauerei in ihrer heutigen Form vor etwas mehr als 110 Jahren, führt ihre Wurzeln aber auf die Braustätten zurück, die bereits seit dem Mittelalter am selben Ort standen. Die Firma befindet sich auch heute noch im Besitz der Beckers, der Gründerfamilie. Ich muss gestehen, dass ich mein Leben lang nicht viel mit Kölsch anfangen konnte - und das wird sich wohl auch nicht so schnell ändern - aber dass eine Brauerei einmal etwas ganz ungewohntes wagt, das muss ich im Vorfeld zumindest schon mal ein bisschen loben.

Zu ihrer neuesten Kreation schreibt Gaffel:
Cologne Pale Ale ist die Interpretation von Gaffel und der Beweis, dass die Familienbrauerei echte Craft Biere höchster Qualität brauen kann.
Nun gut, Craftbiere schreibt man eigentlich ohne Leerstelle und Sonnenhopfen ohne großes H in der Mitte, aber seien wir nachsichtig. Wer kümmert sich heute überhaupt noch um korrekte Rechtschreibung? Uns geht es jetzt hier mal nur um das Bier, nicht um unseren Erziehungsauftrag.


Art und Herkunft: Pale Ale, Deutschland (Nordrhein-Westfalen).

Sonntag, 2. Juni 2019

Shinshu Mars Kasei NAS (40% Vol.)

Die heutige Rezension verdanken wir der Abenteuerlust und dem Geldbeutel von Plattfuss, denn der Blended Whisky, den er aus Japan hat kommen lassen, hat ihn beim Haus am See stattliche 35,- EUR gekostet. Zu Christi Himmelfahrt durften wir dann, nachdem die Arbeit (unser neues Bier von Braugarten abfüllen) erledigt war, endlich auch mal kosten.

Die Brennerei Shinshu Mars ist etwas obskur; sie hat keine eigene Webseite, schon gar nicht auf Englisch. Allerdings findet man sie über ihre Muttergesellschaft, die Hombo Shuzi Co. Limited (Seite ebenfalls nur auf Japanisch; man muss das Übersetzungs-Widget nutzen), die im wesentlichen eigentlich mehr Bier, Wein, Pflaumenwein, den traditionellen Shochu und anderes herstellt. Das Whiskygeschäft ist wohl eher so etwas wie ein Zubrot. Dabei hat die Brennerei in der Präfektur Nagano eine durchaus lange Tradition: sie wurde bereits 1949 gegründet, war zwischen 1992 und 2011 jedoch geschlossen. Aus der Zeit vor der Schließung sind noch einige alte Malts am Lager und werden für mehr oder weniger teures Geld nach und nach abverkauft. Beim heute vorgestellten Kasei handelt es sich aber um eine neue Kreation, angeblich speziell für den französischen Markt. Gebrannt wird - wie bei Shinshu Mars üblich - in kupfernen Pot Stills. Ansonsten ist dies ein klassischer Blend, also eine Mischung aus Malts und Grains. Laut einiger Quellen kommt ein Teil des Malts aus Schottland, worüber auf der Verpackung jedoch nichts weiter gesagt wurde.


Art und Herkunft: (International?) Blended Whisky, Japan (Nagano-ken).

Sonntag, 26. Mai 2019

Einsendungen, Teil V: Whic Architecture of Taste (Ben Nevis) & Nymphs of Whisky No. 2 (Glen Moray)

Gestern war Brautag im Braugarten. Wir haben ein neues experimentelles Bier auf den Weg gebracht: ein dunkles, aber recht mildes Session Ale, das im Laufe des August in den Ausschank kommen soll. Zeit genug, die neueste Einsendung von whic zu testen, die uns ja schon bei zwei weiteren Gelegenheiten mit Samples bedacht haben. Danke nochmals an dieser Stelle!

Die beiden Kandidaten sind aus den Serien Architecture of Taste sowie Nymphs of Whisky, von denen wir bereits einmal drei Proben nehmen durften; das war vor ca. neun Monaten. Zu den beiden Serien haben wir damals bereits einiges gesagt; auch Ben Nevis und Glen Moray sind hier im Blog beileibe keine Newcomer mehr. Schreiten wir also direkt zu den Verkostungsnotizen.



Ben Nevis 17 J. (55,3% Vol.)

Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (Western).

Besonderheiten: In Fassstärke abgefüllt.

Aussehen und Aroma: Strohgold, mit süßlichen Noten von Marshmallows und Aprikosen sowie etwas Klebstoff. Mineralische Untertöne, eventuell so etwas wie warmer Granit. Ein Hauch von Anissamen?

Geschmack: Buttertoffee und eine Ahnung von hellen Früchten. Kein Torf, aber eine angenehm hintergründige Rauchigkeit, vielleicht ein Kaminfeuer. Dezente Lakritznote gegen Ende.

Abgang: Eher lang als mittellang, süßlich.

Fazit/Tipp: Mit einem Tropfen Wasser wird der Ben Nevis speckiger in der Nase und süßer auf der Zunge. Ansonsten ein recht "typischer" Ben Nevis, der hält, was er verspricht.

Sonntag, 19. Mai 2019

Bierakademie, Teil V: Zötler

Nun wird es mal langsam Zeit, dass ich die letzten Reste der Bierakademie trinke, die ich schon vor Monaten von meinem lieben Kollegen zum Geburtstag erhalten habe. Aber zwischen den ganzen belgischen, niederländischen und britischen Bieren kommt man ja zu nichts.

Die heutige Verkostung ist jedenfalls fast "live", denn an diesem schönen Sonntagmorgen sitzt mein Kumpel Tom mit am Gartentisch und wir schauen erwartungsvoll auf gleich drei Kandidaten der selben Brauerei, die sich noch in meinem Probepaket befanden. Es handelt sich um Biere der Privat-Brauerei Zötler aus Rettenberg im Allgäu. Die Brauerei nimmt nach aufwändigen Recherchen in den Siebzigern für sich in Anspruch, die "älteste Familienbrauerei der Welt" zu sein, da bereits seit 1447 am selben Ort eine Braustätte belegt ist, wobei sich die heutige Firma "erst" seit 200 Jahren im Familienbesitz der Zötlers befindet (was natürlich auch nicht schlecht ist). Für eine Brauerei mit einem recht überschaubaren Ausstoß (ca. 50.000 Hektoliter per annum) ist das Portfolio ziemlich groß: außer Bier wird noch Limo und Schnaps hergestellt. Die Biere wiederum lassen sich in drei Segmente aufteilen: die Bierspezialitäten, also das Brot- und Buttergeschäft mit 18 Sorten; alle heute von uns getesteten Biere gehören in diese Kategorie. Ferner noch die Sagenbiere, die, wie der Name schon verrät, bestimmte regionale Sagen bzw. Legenden als Thema haben. Schließlich noch das Craftbeer, wo sich der Braumeister Niklas Zötler dem Experimentieren mit besonderen Hefen u.a. hingibt.



Zötler Gold (5,2% Vol.)

Art und Herkunft: Export, Deutschland (Bayern).

Besonderheiten: Eine der ältesten Sorten aus dem Portfolio (1920er).

Aussehen und Aroma: Hellgold, klar und mit stabiler, kleiner Krone. Dezent-frischer Geruch mit sanftem Malz und Hopfen. Etwas wie Südfrüchte und ein ganz leichter Hauch von Banane?

Geschmack: Erfrischend-prickelnder Antritt mit leichter Süße, die nach und nach einer "typisch deutschen" verhaltenen Hopfenbitterkeit Platz macht.

Abgang: Ziemlich kurz, mit ganz verhalten zitronig-salzigen Noten am Ende.

Fazit/Tipp: Ein sehr typisches, zurückhaltendes und gut durchkomponiertes Export. Erfrischend genug für einen warmen Tag.

Sonntag, 12. Mai 2019

Mönchshof Maibock (6,9% Vol.)

Maibock gehört sowieso schon nicht zu meinen Lieblingsbieren, und dass Plattfuss anzüglich grinste, als er sie mir mit besten Glück- und Segenswünschen als Gastgeschenk zum Redaktions-BBQ überreichte, half mir auch nicht besonders. Wie jeder, der hier regelmäßig mitliest, weiß, ist Plattfuss - im Gegensatz z.B. zu Tom und mir - einer derjenigen, die malzige, dunkle, süßlichere Biere bevorzugen. Keine guten Vorzeichen also für diese Verkostung aber naja - ich werde tun, was ich kann.

Auch wenn Mönchshof in hipper Groß-Kleinschreibung als BrauMeisterei bezeichnet wird, geht die Marke doch auf eine Gründung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, die erst in den 1980ern von der benachbarten Kulmbacher Brauerei geschluckt wurde. Ihre Aufgabe ist seither das Hochhalten des "Traditionsfähnchens" im Unternehmen, sprich: der Herstellung bodenständiger, regionaler und auch historischer oder zumindest historisierender Bierspezialitäten. Im Portfolio befinden sich satt über zehn Biere, unter anderem eben auch das heute probierte Maibock. Wie es sich für diesen Bierstil gehört, erwarten wir ein etwas helleres visuelles Erlebnis als etwa bei einem Herbstbock und auch ein wenig mehr Hopfen.

Art und Herkunft: Maibock, Deutschland (Bayern).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Dunkler Bernstein mit einem sehr schönen orangefarbenem Schimmer. Eine kleine und dichte, aber recht flüchtige Schaumkrone. Die Nase ist eher etwas verhalten, aber mit deutlichem Malz und einigen süßlich-reifen Noten. Dunkler Tortenboden, Bananenbrot.

Geschmack: Im Antrunk zunächst recht spritzig aber dann ... huuu ... Malzigkeit. Viel mehr, als ich erwartet hatte, was aber Plattfuss' schelmischen Ausdruck erklärt. Angeröstetes Graubrot. Süßlich und alkoholisch. Keinerlei Kaffee oder ähnliches. Eher so etwas wie alkoholgetränkter Kuchenteig. 

Abgang: Relativ lang und leider auch mit deutlich nachklingender dumpfer Süße. 

Fazit/Tipp: Es ist vielleicht schon aus den obigen Notizen deutlich zu erkennen - mir hat es nicht wirklich geschmeckt. Wahrscheinlich ist es ein absolut akzeptabler Maibock, aber - wie anfangs angemerkt - bin ich eventuell einfach der falsche Mann, um diesen Bierstil zu verkosten bzw. ihm gerecht zu werden. Das nächste Mal lasse ich Plattfuss selbst was schreiben.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 19. Mai 2019.

Verkostung & Text: Jan B.



Sonntag, 5. Mai 2019

4. Inoffizielles Whiskybefürworter-Treffen

Es war im Dezember 2017, als wir uns in dieser Runde zum letzten Mal getroffen haben. Damals in meiner mehr als bescheidenen Klause; für dieses Treffen hatte uns Black Arab auf sein weitläufiges Anwesen in den grünen Wiesen des Osnabrücker Landes geladen.

Nachdem wir zunächst einige niedere Domestiken passiert hatten, geleitete uns der Majordomus in den Billardsaal, wo wir unsere Gaben und Mitbringsel ausbreiten durften. Nach guter Whiskybefürworter-Tradition steuerte jeder zum Abend zwei oder drei Flaschen Whisky "im Anbruch" bei. Plattfuss machte allerdings eine kleine Ausnahme für uns, denn tatsächlich hatte er eine noch jungfräuliche Flasche dabei.

Dies hier waren dann also unsere Beiträge. Die Zahl in Klammern weist auf die Reihenfolge in der Verkostung hin.

Black Arab (Gastgeber)
  • Dalmore 18 J. [1]
  • Glengoyne Cask Strength NAS [2]
  • Talisker Distillers Edition 2005/2015 [7]
Plattfuss
  • Macdonald's Glencoe 8 J. [5]
  • Big Peat 10 J. [8]
Tomas Aquinas
  • Paul John Edited NAS [3]
  • McCarthy's Oregon Single Malt Whiskey 3 J. [4]
  • West Cork Peat Charred Cask NAS [6]


[1] Dalmore 18 J. (43,0% Vol.)

Man kann nicht behaupten, dass Dalmore einer der Hauslieferanten bei uns in der Redaktion wäre. Ich selbst habe vor sechs Jahren mal den Fünfzehnjährigen hier besprochen und fand ihn auch nicht schlecht, aber das war es dann auch so im wesentlichen. Der Achtzehnender reift laut Angaben der Destillerie elf Jahre im Bourbonfass, den Rest der Zeit im Sherryfass.




Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (Northern).

Besonderheiten: Finish im Sherryfass (s. oben).



Aussehen und Aroma: Altgold, sehr deutlicher Sherry, rote Früchte, süße und eingelegte Rosinen.

Geschmack: Leichte Vanille und dominantes Holz, geschmeidiger Antritt, Johannisbeerbonbons. Etwas Schokolade?

Abgang: Mittel und relativ ausdrucksschwach. Schokoladennoten setzten sich fort.

Fazit/Tipp: Mit diesem Whisky ist am besten bedient, wer auf deutlichen Sherryeinfluss steht. Gefällig komponiert, aber sehr viel Holz. Im Geschmack letztendlich doch etwas schwachbrüstig.


[2] Glengoyne Cask Strength NAS  (58,8% Vol.)

Auch von Glengoyne hatten wir bis jetzt nur einmal den Standard im Programm, damals habe ich eine etwas verhaltene Rezension geschrieben. Wie der Dalmore reift auch dieser Whisky in Sherry- und Bourbonfässern.



Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (Western).

Besonderheiten: Nicht kaltfiltriert oder gefärbt.

Aussehen und Aroma: Dunkles Strohgold; in der Nase Banane, Pfeffer und diese in Sirup eingelegten Dosenerdbeeren.

Geschmack: Sehr öliges Gefühl am Gaumen und ein rasanter Antritt. Popcorn, Kompottfrüchte und - im Gegensatz zum Dalmore - eher gezügelte Sherrynoten.

Abgang: Lang und trocken. Pfeffrig.

Fazit/Tipp: Recht kräftig, natürlich - aber doch erstaunlich trinkbar. Durch Zugabe von Wasser wird er trockener im Abgang und der Sherry kommt deutlicher durch. Feuriger. Pelzbelag auf der Zunge. Die Öligkeit im Mund kann man als Hausstil von Glengoyne bezeichnen. Insgesamt aber heute nicht der beliebteste Tropfen.


[3] Paul John Edited NAS (46,0% Vol.)

Diesen Whisky aus Indien haben wir vor kurzem erst im Blog gehabt. Auch an diesem Abend machte er bei allen Beteiligten einen recht guten Eindruck.