Sonntag, 27. Mai 2018

Spezielles aus den Niederlanden, Teil III

Endlich mal wieder ein paar Bierchen aus unserem Nachbarland. Vor ein paar Jahren Einheitsplörren-Hölle (Amstel, Grolsch, Heineken), ähnlich wie in Deutschland. Mittlerweile finde ich bei jedem Ausflug nach Enschede mindestens jeweils fünf bis sechs neue Biere im Getränkehandel, dessen Regalmeter für Craftbiere auch stetig wachsen. Für zwei Beiträge reicht die letzte Einkaufstour wieder einmal.

Heute haben wir erstmal das BIPA ("Black IPA" von Emelisse). Über die Brauerei selbst hatte ich in der letzten Folge mal einen kurzen Absatz geschrieben. Über das BIPA heißt es von ihrer Seite, es sei nicht besonders zugänglich, sondern ein gewolltes Extrem.

Außerdem gibt es ein IPA von Lowlander aus Amsterdam. Die Kleinstbrauerei spezialisiert sich auf das - in den Niederlanden historisch durchaus etablierte - Brauen mit Botanicals, also mit mazerierten Pflanzenauszügen, wie es bei der Herstellung von Gin traditionell gehandhabt wird. Gebraut wird übrigens auf den Anlagen von Jopen in Haarlem. Zurzeit bietet Lowlander fünf verschiedene Sorten Bier an.

Zuletzt noch das Valk IPA von De Heidebrouwerij aus Ede. Die Brauerei sitzt in der Mannschaftskantine einer ehemaligen Kaserne der niederländischen Streitkräfte und wurde 2012 gegründet. Alle Biere sind nach Tierarten benannt, die in der Region der Ginkelse Heide bzw. im Naturpark Hoge Veluwe vorkommen. Außer dem IPA werden noch einige andere Sorten - vom Pils über das Blond bis hin zum Tripel - gebraut. 



Emelisse BIPA (8,0% Vol.)

Art und Herkunft: IPA, Niederlande (Zeeland).

Sonntag, 20. Mai 2018

Terrasjes doen in Amsterdam*

Ein Tagesausflug nach Amsterdam mag so manchem etwas übertrieben vorkommen, aber aus dieser Ecke Deutschlands sind es nur etwas mehr als 200 Kilometer, also auch nicht weiter, als wenn man nach Hamburg fährt. Gestern haben wir also (fast) die gesamte Redaktion von Blog Blong Dring nebst Anhang - soweit vorhanden - in einen Kleinbus verfrachtet und sind in aller Herrgottsfrühe aufgebrochen. Leider gibt es an niederländischen Tankstellen keinerlei Alkoholika zu kaufen, daher mussten alle Passagiere - da auch niemand an entsprechende Bevorratung gedacht hatte - bis zur Ankunft in der niederländischen Hauptstadt "trocken" bleiben.

Es war ein grauer Tag, aber trotzdem bewegten sich, uns mal ausgenommen, gefühlte hunderttausende Touristen durch Amsterdam. Wir hatten gottlob kein festes Besuchsprogramm aufgestellt, sondern rannten erst einmal wild durch die Gegend und suchten ein Ziel, zu dem wir rennen konnten.

Erster richtiger Zwischenstopp (nach dem obligatorischen Durstlöschen) war die Brauerei De Prael am Oudezijds Voorburgwal 30. Genauer befinden sich dort die Brauanlage und der Werksverkauf; das dazugehörige Lokal ist eine Querstraße weiter links im Oudezijds Armsteeg 26. De Prael ist nicht nur irgendeine beliebige weitere Craftbrauerei, sondern gleichzeitig ein soziales Projekt, dessen wichtigstes Anliegen es ist, "Menschen mit großem Abstand zum Arbeitsmarkt" (so die Firma) wieder die Möglichkeit zu geben, produktiv zu sein. Daher gab es seit dem Beginn vor 13 Jahren auch Unterstützung von verschiedenen großen sozialen Stiftungen der Niederlande. Alles in allem also auch etwas, was man guten Gewissens unterstützen kann und sollte. Neben den genannten Lokalitäten gibt es auch eine ganz neue Gaststätte samt Brauerei im Hafengebiet von Amsterdam sowie eine Niederlassung in Den Haag. Im festen Programm sind zurzeit elf Biere sowie einige saisonale Spezialitäten, von denen man die meisten auch im Proeflokaal testen kann (Essen gibt es auch). Das Milkstout und das Liquid Bacon riefen keine besondere Begeisterung bei uns hervor. Das Johnny (ein Bier, welches an ein kräftiges deutsches Pils erinnern soll) sowie das nach englischer Art gebraute Mild Ale waren allerdings schon sehr viel bekömmlicher.


Sonntag, 13. Mai 2018

Cardhu Special Cask Reserve (Batch 13.15) NAS (40% Vol.)

Die Brennerei Cardhu (oder auch früher Cardow) war unter den ersten, die nach der großen Steuerreform von 1823 "legal" wurden, obwohl man ihrem Gründer John Cumming nachsagte, schon einige Zeit vorher als Schwarzbrenner aktiv gewesen zu sein. Heute gehört die Brennerei zu Diageo und somit zur Classic Malts Selection des Hauses. Der Whisky ist einer der Lead Malts von Johnnie Walker.

Cardhu bzw. Diageo lösten im Jahre 2003 einen Shitstorm unter den Whiskynerds aus. Der Grund? In Spanien und Portugal gab es einen Run auf den Single Malt, der mit seiner süßen Geschmeidigkeit den dortigen Trinkpräferenzen entgegenkommt. Das nahm derartige Ausmaße an, dass Diageo fürchten musste, dass die Vorräte (die sie ja vornehmlich für den Johnnie Walker brauchten) zu Ende gehen würden. Was also tun? Ganz einfach: man brachte einen Blended Malt (Vatted Malt) unter dem Namen Cardhu Pure Malt auf den Markt, stufte die Marke also mehr oder weniger stillschweigend herunter. Nach etwa zwei Jahren heftigster Proteste der Maltheads (von der Scotch Whisky Association ganz zu schweigen) musste die Mutterfirma einen Rückzieher machen und seitdem ist Cardhu wieder ein Single Malt. Dieser Vorfall war der Grund dafür, dass Bezeichnungen wie Pure Malt heute innerhalb der SWA verboten sind und die Bezeichnung Blended Malt für einen Verschnitt von Single Malts aus verschiedenen Destillerien vorgeschrieben ist.

Cardhu gibt es heute in den Altersklassen 12, 15 und 18 sowie in zwei Abfüllungen ohne Altersangabe, Gold Reserve und Amber Rock. Die heute verkostete Special Cask Reserve (in "sehr alten Fässern" gelagert) scheint langsam ausgelistet zu werden. Im Handel kostet eine Flasche zurzeit um die 35,- EUR.


Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Central)

Sonntag, 6. Mai 2018

Sind so kleine Biere, Teil LXVII: Klosterhof Helles vs. Pils vs. Dunkles

Die Brauerei zum Klosterhof aus der Heidelberger Region haben wir hier im Blog schon einmal besprochen, allerdings auch schon wieder vor guten drei Jahren. Tom und Plattfuss und ich hatten damals den Hopfenfuchs, eine saisonale Spezialität, im Glas. Mit durchaus gemischten Gefühlen, wie ich mich erinnere. Seitdem hat sich einiges getan in der Brauerei: den Hopfenfuchs gibt es immer noch, aber es sind doch einige neue Spezialitäten hinzugekommen - unter anderem das HeidALEBerg (chrchrchrchr), ein "Red Summer Ale" sowie die Reihe Siegelbier, welche in Eichenfässern (Sherry, Whisky, Brandy, Barrique) nachreift.

Heute probieren wir allerdings drei Brot-und-Butter-Biere oder auch "Klassiker", wie Klosterhof schreibt. Es sind ein Helles, ein Pilsner und ein Dunkles, und praktischerweise haben sie alle dieselbe Schlagzahl. Gestiftet haben sie Freunde, die in der Nähe von Heidelberg wohnen, denn Klosterhof ist fast ausschließlich regional verfügbar.



Klosterhof Helles (4,9% Vol.)

Art und Herkunft: Helles, Deutschland (Baden-Württemberg).

Besonderheiten: die Klosterhofer Biere werden mit "Biozutaten" gebraut.

Aussehen und Aroma: Hellgelb, leicht trüb, kleine und feste Krone. Frischer Geruch. Hefezopf, leicht zitronig.

Geschmack: Spritzig auf der Zunge, aber wenig zu erschmecken. Feine Hefe, leichter Geschmack. Etwas Getreide.

Abgang: Kurz.

Fazit/Tipp: Ein sehr typisches "Helles" ohne bleibende Eindrücke, dafür allerdings naturgemäß sehr leicht trinkbar.