Sonntag, 1. Dezember 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXXVII: The Musketeers Party on a Jamaican Beach (5,5% Vol.)

Ich muss es ehrlich zugeben: obwohl ich ursprünglich aus Belgien komme (und mein Kollege, der hier am Tastingtisch neben mir sitzt, einen sehr großen Teil seines Lebens hier verbracht hat), ist das Waasland in Ostflandern wahrscheinlich diejenige Region unserer geliebten Heimat, die wir am wenigsten kennen. Darüber waren wir uns einig, als wir für diesen Artikel die geografische Lage von Sint-Gillis-Waas rausgesucht haben, wo seit 2019 die Brauerei The Musketeers steht. Jan meint, er habe mal einen Ausflug (!) zum Atomkraftwerk Doel (!!) mitmachen dürfen (!!!) und ich erinnere mich dunkel, mal eine Liebschaft in Rupelmonde (!!!!) gehabt zu haben (das muss Anfang der 80er gewesen sein), aber sonst: niks.

"Die Musketiere" sind hierhin umgezogen, weil ihr Betrieb einfach zu groß geworden ist. Angefangen haben sie jedoch schon vor zwanzig Jahren, in der Küche und mit den Pötten und Pannen von Mitgründer Kristof de Roos Mutter. Bekannt wurde die Brauerei eigentlich mit ihren Bieren der Troubadour-Reihe sowie dem Antigoon, das nach einer Sagenfigur der Region benannt ist. Das Party on a Jamaican Beach, welches wir heute probieren wollen, gehört zur Bucket List Series, also zu den Produkten, "die sie immer schon mal brauen wollten" und die auch alle ähnlich ausgefallene Namen tragen.


Art und Herkunft: New England IPA (NEIPA), Belgien (Ostflandern).

Besonderheiten: Kalthopfung.

Sonntag, 24. November 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXXVI: Trots (H)Op Eanske vs. 1325 (Eanske)

Es ist schon mehr als zwei Jahre her, dass wir hier im Blog etwas von der Enscheder Craftbrauerei Eanske hatten, nämlich das Donkere Dagen, das unter anderem an die Feuerwerkskatastrophe von 2000 erinnern soll. 

Seitdem hat sich einiges getan: erstens ist das Standardsortiment deutlich größer geworden - und das ist zweitens der Tatsache geschuldet, dass man mittlerweile über eine eigene Produktionsstätte verfügt und nicht mehr darauf angewiesen ist, sich bei anderen Brauereien "einzumieten". Tatsächlich ist die Kapazität mittlerweile so ausreichend, dass Eanske nun selbst anbietet, seine Anlagen von Interessenten (z.B. Hobbybrauern) nutzen zu lassen.

Die Kleinbrauerei befindet sich mittlerweile auf einem kleinen Platz vor der Twentsche Foodhall und ist nicht ohne Voranmeldung besuchbar. Auch verfügt sie über keine angeschlossene Bar oder ähnliches, wie wir bei unserem Besuch im vergangenen Sommer leider feststellen mussten.

Probieren tun wir heute ein Bier aus dem schon erwähnten Standardsortiment (das 1325 verweist auf das Jahr, in dem Enschede die Stadtrechte verliehen bekam und es war außerdem das erste Bier, welches überhaupt von Eanske hergestellt wurde) sowie ein "Spezialbier", das Trots (H)Op  Eanske, welches wiederum die hopfigere Variation eines anderen Bieres (das Trots Op Eanske heißt) darstellt.


Eanske 1325 (5,8% Vol.)

Art und Herkunft: American Pale Ale, Niederlande (Twente).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Satt bernsteinfarben mit einer knackigen, stabilen Krone. Eine sehr typische APA-Nase mit tropischem Früchtecocktail und etwas Bienenhonig sowie frisch gemähtem Gras.

Sonntag, 17. November 2019

Sind so kleine Biere, Teil LXXXV: Tynt Meadow (7,4% Vol.)

Auf das heutige Bier habe ich mich schon die ganze Woche gefreut: nicht, weil es unbedingt eines ist, das ich alltags trinken würde, sondern weil es ein relativ seltenes und von mir auch zum ersten Mal im Regal gesehenes ist.

Das Tynt Meadow wird in der Zisterzienserabtei (da es Trappisten sind, natürlich OCSO, nicht OCist)  Mount Saint Bernard gebraut, einer von nur zwölf (sic!) Brauereien, die sich mit dem Siegel Authentic Trappist Product (ATP) schmücken dürfen. Folgende Bedingungen müssen erfüllt sein, damit man das Recht erhält, Mitglied dieses exklusiven "Vereins" zu werden:
  • das Bier muss in einer Trappistenabtei gebraut worden sein, von den Mönchen selbst oder unter ihrer Aufsicht
  • die Bierproduktion darf nicht der Hauptzweck der Abtei sein und die Herstellung und der Verkauf dürfen "den mönchischen Regeln nicht zuwiderlaufen"
  • das Bier darf nicht in der Absicht hergestellt werden, Gewinn zu erwirtschaften. Die Erlöse sollen die Kosten der klösterlichen Gemeinschaft decken. Überschüsse müssen für gute Zwecke verwendet werden
Aus o.a. Gründen sind "echte" Trappistenbiere notorisch schwer zu bekommen (siehe Westvleteren) und dementsprechend natürlich sehr begehrt.

Die Abtei Mount Saint Bernard war das erste katholische Kloster, welches in England nach der Reformation neu gegründet wurde (1835). Außerdem ist sie der einzige Produzent von Trappistenbier auf den Britischen Inseln und auch noch das allerjüngste Mitglied der oben erwähnten ATP-Familie. Bier gebraut wird hier sowieso erst seit 2018 und der Ausstoß ist - wie nicht anders zu erwarten - überschaubar: gerade mal um die 30.000 Flaschen wurden bis Mitte diesen Jahres hergestellt.

Es lohnt sich übrigens - auch wenn man mit Religion im allgemeinen oder auch Katholizismus im besonderen nichts am Hut hat - die ausführliche Beschreibung der Brautätigkeit der Mönche auf ihrer eigenen Webseite nachzulesen: sie erklärt Sinn, Zweck und Form des modernen monastischen Brauens besser als ich es in meinen eigenen Worten wiedergeben könnte. Darum beschränke ich mich, bevor ich an die Verkostung gehe, auf die Übersetzung des Psalms, den die Brüder ihrer Brautätigkeit vorangestellt haben:
Er lasset grünes Gras wachsen für das Vieh und Pflanzen zum Nutzen der Menschheit | Um Brot hervorzubringen aus der Erde | Und Wein, der das Herz der sterblichen Menschen erfreut (Psalm 104:14-15)


Das Bier heißt übrigens offiziell "nur" Tynt Meadow und nicht etwa Mount Saint Bernard Tynt Meadow, weil es anscheinend namensrechtliche Auseinandersetzungen mit der belgischen Brauerei St. Bernardus gab. Einen eigentlich angemessenen "Pokal" für das Trappist habe ich übrigens nicht ... einer von Berliner Weiße wird es tun müssen.

Art und Herkunft: Dubbel, England.