Sonntag, 14. Oktober 2018

Bad Iburger Spargelbier (4,9% Vol.)

Das heutige Bier habe ich von einer Schülerin im Tausch gegen eine Sonderausgabe von Braugarten (das Geburtstagsbier von Plattfuss, das 4-40 Oatmeal Stout) erhalten. Zu einem "Spargelbier" konnte ich auch tatsächlich unmöglich Nein sagen.

Das Produkt ist eine Erfindung von Hermann-Josef Wienker, vom Forstbetrieb bzw. Spargelhof Wienker in Bad Iburg. Selbst gebraut hat er es jedoch nicht, sondern Clemens Brinker vom Back- und Brauhaus Brinker in Georgsmarienhütte. Durchaus naheliegend, denn der Beruf des Bäckers bzw. Brauers (pistor auf Latein) waren in der alten Zeit meistens ein- und dasselbe. Denn: wer die Zutaten zum Backen hat, der hat auch die Zutaten zum Brauen bei der Hand.

Im Bier ist tatsächlich Spargel vorhanden (drei Prozent), darüber hinaus noch einige sehr exotische Ingredienzien wie Estragon und Petersilie, wie auch in diesem Artikel in der Neuen Osnabrücker Zeitung erklärt wird. Das Angebot ist zurzeit noch sehr überschaubar: gerade einmal 300 Liter umfasste die erste Charge in diesem Sommer. Umso glücklicher müssen wir uns schätzen, die Gelegenheit zur Verkostung dieser besonderen Spezialität bekommen zu haben.


Art und Herkunft: Spezialbier, Deutschland (Niedersachsen).

Besonderheiten: Bier mit Spargel, Estragon, Petersilie, Koriander, Rosmarin, Wacholder. Die Zutaten werden während der (Nach-) Gärung zugegeben.

Aussehen und Aroma: Goldgelb und trübe. Leichte Sedimentierung. Kleine Krone. Rosmarin und Wacholder kommen recht deutlich durch, der Spargel hält sich (noch?) im Hintergrund.

Geschmack: Ein sehr ungewöhnlicher Antrunk mit süßlich-würzigen Noten. Ein doch recht kräftiger Einschlag von Estragon und Koriander. Der Spargel kommt noch immer nicht wirklich durch.

Abgang: Kurz und ohne bleibende Eindrücke.

Fazit/Tipp: Ein außergewöhnliches Bier, das bei aller Exotik doch gut trinkbar ist. Letztendlich hat der Spargel wohl zu wenig Durchsetzungskraft gegenüber den anderen pflanzlichen Aromen. Diese führen zu einem ungewöhnlich pflanzlichem - laut Plattfuss "minestroneartigem" - Geschmack, der aber zu keiner Zeit deplaciert oder störend wirkt. Empfehlenswert.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 21. Oktober 2018.

Verkostung: Jan B. und Plattfuss

Text: Jan B.

Sonntag, 7. Oktober 2018

Ben Nevis McDonald's Traditional NAS (46,0% Vol.)

Frisch zurück sind meine Redaktionskollegen, Anhang (soweit vorhanden) und ich aus den schottischen Highlands, wo wir gut eine Woche lang mit dem Hausboot rumgetuckert sind. Unsere Reise führte uns auch nach Fort William an der Westküste und zur Destillerie Ben Nevis, die am Fuße des gleichnamigen Berges liegt. Während die Damenwelt nach entbehrungsreicher Seefahrt Flussfahrt die großzügige Einkaufszone von Fort William ansteuerte, machte sich unsere kleine Herrenrunde auf einen entbehrungsreichen, etwa vier Kilometer langen Fußweg zur Brennerei.

Insgesamt werden drei verschiedene Touren im Visitor's Center angeboten, eine "Spartour" für fünf, eine Tasting Tour für achtzehn und schließlich eine Executive Tour für dreißig (!) Pfund pro Nase. Keine Bange - die Touren unterscheiden sich lediglich in der Anzahl der Verkostungssamples am Ende. Bei der letztgenannten "Superluxustour" bekommt man derer gleich sechs. Ansonsten ist der Besucher - inklusive eines kleinen, etwas amateurhaft wirkenden Films zu Anfang und ohne Sampling am Ende etwa 40 Minuten unterwegs. Ich will nicht verschweigen, dass ich die Tour an und für sich nicht besonders spannend fand. Der Guide war recht sympathisch und spulte sein Programm brav herunter, aber schließlich ist Ben Nevis doch eine recht kleine Brennerei, die Anlagen daher überschaubar und in ein oder zwei wirklich interessante Bereiche (z.B. die Lagerräume) kam man nicht hinein. Insofern waren wir mit der Fünf-Pfund-Tour doch recht gut bedient. Leider gibt es an deren Ende nur einen Schluck Nevis Dew Supreme Selection, einem Blended Scotch, der speziell für Besucher der Destillerie kreiert wurde, und der meines Erachtens ein doch recht kratziger Low-Ender ist.

Interessant macht die ganze Affäre die Tatsache, dass man mit dem Eintritt gleichzeitig einen Preisnachlass von fünf GBP auf alle angebotenen Produkte erwirbt, die am Ende der Tour (aber natürlich auch ganz ohne Besichtigung) im Shop erhältlich sind. Interessant auch deswegen, weil Whisky in Schottland notorisch teuer ist und auch nicht alle angebotenen Whiskys überhaupt so ohne weiteres im Ausland bezogen werden können.

Neben weiteren Variationen des Nevis Dew, die wir nicht weiter beachteten, fanden und kauften wir einen achtjährigen Vatted Malt namens McDonald's Glencoe sowie den heute vorgestellten McDonald's Traditional (Malt)


Letztendlich bekamen wir den Traditional - mit Rabatt - für umgerechnet 42,- EUR, was als Schnäppchen gelten muss, da ich ihn online in Deutschland nur ab ca. 50,- EUR aufwärts gesehen habe. Dieser Whisky unterscheidet sich vom "normalen" Ben Nevis - außer durch die fehlende Altersangabe - dadurch, dass man für ihn torfgeräuchertes Malz verwendet hat, was ansonsten in dieser Brennerei nicht üblich ist. Das gesamte Malz von Ben Nevis wird im Übrigen nicht vor Ort gedarrt, sondern von der Firma Bairds Malt in Inverness bezogen. Für die Rezeptur wurde eine Formel aus dem 19. Jahrhundert verwendet.

Sonntag, 23. September 2018

Wat ben jij Stout, zeg!

Nix kapiert beim Titel? Okay, ist auch wieder mal ein recht preziöses Wortspiel von mir, das darauf beruht, dass das englische Hauptwort Stout (womit das Bier gemeint ist) und das niederländische Adjektiv stout (ungezogen, unartig) gleich geschrieben werden. Den Rest kann sich bitte jede(r) selber erarbeiten; nächste Woche schreiben wir einen Test 😉.

So wie wir vor ein paar Wochen drei Porter aus dem östlichen Nachbarland da hatten, haben wir dieses Mal eben drei niederländische und belgische Stouts im Angebot, die wir beim letzten Redaktionsausflug nach Enschede aus dem örtlichen Getränkehandel befreit hatten. Alle drei Brauereien, die Scheldebrouwerij, Vandestreek sowie SNAB hatten wir teilweise schon mehrmals mit anderen Produkten hier im Blog. Vandestreek hat hier mit der jungen Hobbybrauerei Populus 6921 kooperiert.

Alle drei Biere sind - wie schon erwähnt - klassische Stouts bzw. Imperial Stouts und sollten daher kräftig Bumms und vor allem auch Umdrehungen haben. Die Gattung des (Russian) Imperial Stout geht auf das 18. Jahrhundert zurück, als es von einer Londoner Brauerei (Thrale, später Barclay Perkins, später Courage) exklusiv für den Hof Katharinas der Großen hergestellt wurde. Der Bierstil geriet später langsam in Vergessenheit, wurde aber Ende des 20. Jahrhunderts "wiederentdeckt" und ist mittlerweile in der Craftbierszene (und auch sonst) recht beliebt.



Scheldebrouwerij Oesterstout (8,5% Vol.)

Art und Herkunft: Stout, Belgien (Antwerpen).