Sonntag, 20. September 2020

Sind so kleine Biere, Teil CVIII: Kaapse Brouwers

Die Geschichte der Kaapse Brouwers beginnt - laut ihrer Webseite - eigentlich mit der Rückkehr ihres Gründers Tsjomme Zijlstra aus London. Dort hatte er einige Zeit in der legendären Bierbar The Rake (Southwark) gearbeitet und beschlossen, zuhause in Rotterdam mal selbst mit dem Bierbrauen anzufangen. Vor gut sechs Jahren dachte er sich dann, aus seinem Hobby könne man ja genausogut einen Beruf machen, holte sich professionelle Unterstützung und eine gebrauchte Anlage und ging ans Werk. Gleichzeitig ist Tsjomme zusammen mit anderen Unternehmer*innen einer der Gründer*innen der Fenix Food Factory, wo auch der Brewpub von Kaapse Brouwers, Kaapse Kaap, angesiedelt wurde. Ich hatte das Glück, die Location im letzten Jahr, noch lange vor dieser ganzen 💩💩💩 mit Corona, besuchen zu können und war angetan von den internationalen Garküchen, dem Blick auf die Skyline von Rotterdam (die FFF liegt auf der anderen Seite der Erasmusbrücke im Stadtteil Katendrecht) sowie natürlich den vielen verschiedenen und teilweise sehr exotischen Bierchen der Brauerei.

Die Hauptarbeit wird in einem anderen Teil von Rotterdam, in einem unscheinbaren Industriegebiet am Hafen geleistet. Dort entsteht ein Großteil des Bierausstoßes der Firma. Darüber hinaus gibt es noch einen Bottleshop in fußläufiger Nähe zur Food Factory sowie das Kaapse Maria in der Innenstadt, wo es mehr um das Essen und Trinken bzw. das Food Pairing geht als rein um das Biertrinken ...

Kaapse Brouwers hat ein unheimlich großes Bierportfolio zu bieten, das ich hier gar nicht groß aufzählen mag. Alleine in der Kategorie "Blond" gibt es zehn verschiedene Sorten zu kosten, natürlich - wie heute üblich - einige in Zusammenarbeit mit anderen Brauereien entstanden. Der Einfachheit halber habe ich von meinem diesjährigen Besuch in R'dam mal eine Probierpackung mitgebracht, die vier eher "massentaugliche" Biere umfasst und unter dem Namen Kaapse Kwartet verkauft wird. Die haben wir dann auch sofort Mitte dieser Woche bei unserer Redaktionssitzung verkostet ...

Kaapse Nelis (4,6% Vol.)

Art und Herkunft: Pils, Niederlande (Südholland).

Besonderheiten: Zusatz von Reisflocken.

Aussehen und Aroma: Satt goldgelb und klar. Kaum Schaumkrone. Feinherbe Aromen, leichte Frucht. Vielleicht Honigmelone?

Geschmack: Herber als vermutet, sehr erfrischend. Die leicht süßliche Frucht bleibt uns erhalten.

Abgang: Kurz und konsequent wie bisher.

Fazit/Tipp: Ein sehr trinkbares, kühlendes und überraschend fruchtiges Pils, das sogar ganz leicht "IPA-ig" schmeckt, wenn der Wind richtig steht und der Mond voll ist.


Kaapse Harrie (6,1% Vol.)

Art und Herkunft: Saison, siehe oben.

Sonntag, 13. September 2020

Sind so kleine Biere, Teil CVII: Neuzeller Klosterbräu

Schon die zweite "Klosterbrauerei" innerhalb weniger Wochen ... suspekt, suspekt. Aber reiner Zufall natürlich und auch aus einer ganz anderen Ecke des Landes.

Neuzelle bzw. das Kloster Neuzelle gibt es bereits seit dem Mittelalter in der Lausitz. Mönche wohnten hier zwischen 1817 und 2017 zwar nicht, seit ein paar Jahren ist aber wieder eine kleine Gemeinschaft (österreichischer) Zisterzienser vor Ort. Die Klosterbrauerei Neuzelle (der Shop hat übrigens eine komplett andere Webseite) hat in ihrer heutigen Form nichts mehr mit dem Kloster an und für sich zu tun, bezieht sich aber natürlich auf die Tradition der ehemaligen Klosterbrauerei, die seit 1589 auch zu gewerblichen Zwecken Bier brauen durfte. Seit 1992 befindet sich die (neue) Brauerei wieder in Privatbesitz, während sie zu DDR-Zeiten natürlich ein VEB war.

Viel interessanter finde ich persönlich jedoch, dass eines ihrer Produkte, der Schwarze Abt (den wir heute auch verkosten), Gegenstand des so genannten "Brandenburger Bierkriegs" Anfang des 21. Jahrhunderts. Die Brandenburger Landesregierung bestand darauf, dass dieses Schwarzbier, welches traditionell mit Zuckerzusatz gebraut wurde und wird, nicht unter dem Namen "Bier" verkauft werden dürfe, weil es laut Deutschem "Reinheitsgebot" verboten ist, einem Bier Zucker zuzusetzen. Glücklicherweise gewann die Klosterbrauerei Neuzelle 2005 letztinstanzlich den Rechtsstreit; ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Sieg übrigens für mich und alle anderen Bierfreunde, die das "Reinheitsgebot" als völlig überflüssiges Relikt aus uralter Zeit betrachten.

Außer dem Schwarzen Abt hat Neuzeller noch einige andere - teilweise recht urige - Bierspezialitäten im Angebot; wir haben einfach mal querbeet bestellt und neulich an einem der letzten wirklich heißen Tage in Plattfuss' Gartenlaube verkostet.


Spargel Bier (sic!) (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Spezialbier, Deutschland (Brandenburg).

Besonderheiten: Mit Spargelsaft. Deppenleerstelle auf dem Etikett.

Aussehen und Aroma: Hellgold und klar. Mittlere Krone. Der Spargel kommt nur ganz dezent in die Nase. Mineralisch. Sommer im Freibad.

Geschmack: Spritziger Antritt. Erdig. Spargel jetzt auf der Zunge deutlicher, aber dezent. Leicht salzig.

Abgang: Kurz.

Fazit/Tipp: Wenn man weiß, dass Spargel drin ist, schmeckt man ihn auch durch. Wenn man es nicht weiß, könnte man auch an ein "kartoffeliges" Aroma denken. Alles in allem ganz zischig und gut trinkbar.


Schlaubetaler Landbier (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Lager, siehe oben.

Sonntag, 6. September 2020

Einsendungen, TeiL XVI: Glenrothes 13 J. 2006/2020 (61,8% Vol.) (Whic Tarot 1: The Magician)

 Und schon wieder eine neue Serie bei whic: diesmal sind es schön aufgemachte Fläschchen mit Tarotkartenmotiven. Teil 1 zeigt den Magier. Diese Karte ist in manchen Traditionen auch als Der Jongleur bekannt und symbolisiert - je nach Anlass und Auslegung - den Willen oder auch die Brücke zwischen der irdischen und der geistigen Sphäre. Anscheinend soll die fertige Serie ein komplettes Tarotdeck abbilden; wird also am Ende 22 Whiskys umfassen. Ich bin gespannt.

Wir hatten gerade erst vor zwei Monaten einen Glenrothes von whic hier; darum spare ich mir mal die Wiederholung der Infos zu dieser Brennerei. Damals war es allerdings ein 22-jähriger. Die heutige Abfüllung kommt in Kooperation mit Signatory Vintage auf den markt; knapp unter 100,- EUR sollte sie kosten, bevor sie auch schon wieder ausverkauft war. Der Promotext verspricht uns unter anderem gebrannte Mandeln, cremige Nussnougatnoten und süße Tonkabohne mit Vanillecreme in der Nase sowie wärmende Schokolade mit Chiliflocken auf der Zunge. Genau das Richtige, jetzt, da es wieder kühler wird. Also her mit dem Nosingglas und frisch eingeschenkt. Diese Verkostung mache ich heute mal alleine, denn ich habe gestern vergessen, das Sample zu unserem wöchentlichen Stammtisch mitzunehmen. Mea culpa. mea culpa.


Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Rothes).