Sonntag, 29. Juli 2018

Einsendungen, Teil III: Whic Sujet Series (Macduff, Fettercairn, Tobermory)

Vor nicht allzu langer Zeit nahm die Firma whic zu unserem "Vorstandsvorsitzenden" Jan B. Kontakt auf, mit der Frage, ob wir nicht einmal Lust hätten, ein paar Samples zu verkosten. Natürlich hätten wir, sagte er (das sagt er natürlich eigentlich immer). Und mit Samples ist man bei whic wohl nicht so knauserig wie bei anderen, die ich nennen könnte (aber nicht nenne), denn innerhalb einer sehr kurzen Zeit trafen insgesamt sechs Probefläschchen ein, schön verpackt im grünen Karton. Nach unseren Plänen war schließlich gestern der Termin für die erste Verkostung, und für mich heute der Tag, an dem ich darüber zu berichten habe.

Whic ist ein unabhängiger Abfüller und Online-Händler in München und seit 2012 im Geschäft. Neben den eigenen Serien sind aber natürlich noch viele weitere Whiskys im Angebot, sowohl direkt von den Brennereien als auch von mehreren anderen Unabhängigen. Außer dem recht umfangreichen Shopsystem findet der Whiskyfreund mit und ohne Gendersternchen auf der Webseite ebenfalls einige Ebooks (gratis, aber nicht umsonst) zum Thema Whisky sowie natürlich auch einen Blog.

Wir probierten gestern drei Samples der Sujet Series. Allen Whiskys dieser Reihe ist gemeinsam, dass sie mit einem individuell gestalteten Label der Künstlerin Ruta Grigaitè aufwarten können, genauer gesagt mit drei verschiedenen Aktstudien. Frau Grigaitè kommt wohl aus Litauen, wohnt aber in London und die ersten paar Treffer beim Googlen beziehen sich unweigerlich auf die Etikettendesigns - was ja auch nicht weiter schlimm ist und auf jeden Fall für die Marketingarbeit von whic spricht. Zwei der Samples haben außerdem ein Madeira-Finishing hinter sich, der Dritte im Bunde eines mit Sherry (genauer gesagt in Sherry Octaves, also in Fässern von 46 Litern Fassungsvermögen). Die beteiligten Brennereien sind zunächst einmal Macduff (die leider keine Webseite hat und ihre Hausabfüllungen unter dem Namen Glen Deveron bzw. neuerdings The Deveron verkauft), dann Fettercairn (auch keine Webpräsenz, von denen hatten wir vor einigen Jahren mal eine aus der Old Malt Cask-Serie von Douglas Laing) sowie last but not last Tobermory (hier noch nie "richtig" verkostet, allerdings schon die Schwestermarke Ledaig, welche das torfige Segment abdeckt). Dieser Einundzwanzigjährige kostet knapp unter 120,- EUR, die beiden anderen jeweils die Hälfte.



Fettercairn 10 J. (2006/2017) Madeira Finish (52,6% Vol.)

Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (East).

Sonntag, 22. Juli 2018

Vedett Extra Session IPA (2,7% Vol.)

Der Begriff Session Beer ist erst vor ein paar Jahren aufgekommen und gehört letztlich zum noch immer weiter an Fahrt aufnehmenden Craft-Bier-Hype. Eigentlich kommt die Idee eher aus dem britischen Raum, aber wie man sieht, fasst er langsam auch in anderen Braukulturen Fuß. Was also ist ein Session Beer? Normalerweise versteht man darunter ein Bier mit reduziertem Alkoholgehalt (in der Regel zwischen zwei und vier Umdrehungen, eine feste Regel gibt es nicht), von dem man eben mehr als nur eines während einer "Session" trinken kann. Ein Bier für einen langen Abend also. Über die Entstehung des Konzepts gibt es mehrere Legenden. Die, die mir am besten gefällt, ist folgende: Im Zweiten Weltkrieg mussten britische Arbeiter in der Rüstungsindustrie sehr lange Doppelschichten einlegen. Damit sie das durchhalten konnten, wurde ihnen am Ende der ersten Schicht eine relativ lange Pause, die "Session", gewährt, während der sie sich in einem nahegelegenen Pub verschnaufen durften. Da es beim Umgang mit Munition nicht angesagt ist, sich mit überschweren Bieren volllaufen zu lassen (bumm!), bevorzugten die Arbeiter damals leichtere, alkoholärmere Produkte.

Heute steht also ein belgischer Vertreter dieser Zunft vor mir, ein Vedett (die Marke ist so hipsterig, dass es nur eine englischsprachige Webseite gibt). Vor ein paar Jahren gab es von denen nur das Blond, ihren Standard, aber heute haben sie auch ein "normales" IPA und ein Weißbier (ein belgisches Weißbier - nicht zu verwechseln mit Erdinger und Konsorten) sowie ein Wasser (um Himmels Willen, kein Scherz). Vedett gehört wie einige andere bekannte Marken (Achouffe, Duvel, u.a.) zu Duvel Moortgat. Das ist eine große belgische Brauerei, die seit 1871 im Besitz der Moortgats und daher eines der bekanntesten nationalen Familienunternehmen ist.


Art und Herkunft: IPA, Belgien (Antwerpen).

Sonntag, 15. Juli 2018

Spezielles aus den Niederlanden, Teil IV

Heute nun also der vorerst letzte Teil über niederländische Biere. Ich habe mich bei der Auswahl der Kandidaten (fast) nur von meinen Interessen oder auch Vorlieben leiten lassen, insofern sind es dann doch hauptsächlich helle und/oder hopfenbetonte Sorten geworden.

Einen Vertreter von Baxbier aus Groningen hatten wir hier neulich schon mal im Programm. Wie gesagt: es gibt relativ wenige Infos zur Historie der Biere von dort; auf einem anderen Blatt steht, dass es davon schon eine recht ansehnliche Vielfalt gibt. Das heute besprochene Rokkenjager hat vor kurzem eine neue Aufmachung bekommen - zu sehen ist unten im Bild noch die alte. Auf dem Etikett heißt es neuerdings auch nicht mehr Lentebier (Frühlingsbier), sondern Lentebok, was der ganzen Sache auch deutlich näher kommt, wie wir später noch sehen werden.

Außerdem haben wir die Brauerei Vandestreek (van de streek bedeutet so viel wie "aus der Gegend"). Sie existiert erst seit gut acht Jahren und war ganz am Anfang - wie unser eigenes Projekt - eine reine Hobbybrauerei. Das genügte den beiden Gründern aber nicht mehr, sodass sie anfingen kontinuierlich zu expandieren. Im letzten Jahr eröffnete endlich ihr eigenes Brauhaus und zurzeit bieten sie sieben Produkte dauerhaft an, darunter auch das Hop Art, mit dem wir uns heute beschäftigen wollen.

Last but not least Warnsfelder aus dem Gelderland. Hier haben wir wieder einmal das, was man im Englischen nicht ganz politisch korrekt gypsy brewery und im Deutschen Wanderbrauerei nennt: eine Brauerei, die nicht über eigene Produktionsanlagen verfügt, sondern bei einer anderen Brauerei herstellen lässt bzw. deren Brauhaus mietet, um die Biere selbst herzustellen. Benannt ist die Firma nach der Gemeinde Warnsveld, in der die Familie der heutigen Inhaber bereits seit dem 17. Jahrhundert im Brauwesen tätig war. Gemacht werden die Produkte (im Moment noch) bei Huttenkloas in Albergen, die bis vor kurzem selbst noch eine Wanderbrauerei war, denn sie ließen zu Beginn ihrer Tätigkeit  in Süddeutschland (sic!) herstellen. Von Warnsfelder gibt es zurzeit drei verschiedene Sorten zu entdecken.



Baxbier Rokkenjager (6,5% Vol.)

Art und Herkunft: Maibock, Niederlande (Groningen).

Besonderheiten: -

Sonntag, 8. Juli 2018

Landskron Pupen-Schultzes Schwarzes (3,8% Vol.)

Heute komme ich endlich dazu, ein weiteres (und letzteres) Bier zu verkosten, das mir mein Kollege vor einiger Zeit aus dem Urlaub in Brandenburg mitgebracht hat. Die beiden Radler hatte ich hier neulich schon besprochen.

Ein Schwarzbier aus der Stadt Görlitz, von der Brauerei Landskron. Gegründet wurde sie bereits 1869 und war zunächst bekannt als Görlitzer Aktien-Brauerei. "Landskron" war ursprünglich nur eine der Marken der Firma, in den Zwanzigern ging der Name aber auf den ganzen Betrieb über. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Landskron zunächst in halbprivater Hand weiterarbeiten (ich vermute, das sozialistische Regime war bei Firmen, die Produkte herstellten, welche die Bevölkerungsmoral stärkten, etwas großzügiger), aber Anfang der 70er war eben doch Schluss und es wurde ein VEB daraus gemacht.

Nach der Wende übernahm der ehemalige Eigentümer wieder die Brauerei, verkaufte jedoch Anfang der Zweitausender an einen Großkonzern (genauer gesagt: Holsten/Carlsberg). Dieser wiederum wollte Landskron nach wenigen Jahren wieder loswerden. Es fanden sich in letzter Minute aber noch zwei willige Investoren, nämlich das Unternehmerpaar Lohbeck. In deren Hand ist die Firma auch heute noch.

Die Produktpalette ist recht groß und umfasst neben Klassikern wie verschiedenen Bockbieren, Pils, Lager und Weizen auch eine "Gourmetserie", in der mit verschiedenen Fasslagerungen und exotischen Hefestämmen experimentiert wird. Das heute probierte Schwarzbier ist nach einem ehemaligen Braumeister aus Cottbus benannt und wird sowohl in Gebinden von einem halben Liter, als auch in kleinen Flaschen angeboten. Es hat nur einen geringen Alkoholgehalt und wird mit Süßstoffen hergestellt, wodurch es kalorienarm werden soll. Das stimmt mich nicht gerade hoffnungsfroh, denn von Süßstoffen im Bier halte ich normalerweise eigentlich nichts. Aber schauen wir mal.

Sonntag, 1. Juli 2018

Prêt à Porter: drei kleine Schwarze aus den Niederlanden

Über zwei der drei heute vertretenen Brauereien haben wir schon einmal etwas geschrieben: ich selbst vor recht langer Zeit über Jopen aus Haarlem. Seit damals ist die Brauerei rasant gewachsen: im Jahr 2012 war man gerade in eine neue Braustätte umgezogen; seitdem ist eine weitere Produktionsanlage in einem lokalen Gewerbegebiet entstanden, komplett mit Restauration und allem Zipp und Zapp. Das heute vorgestellte Oost-Indie Porter ist eine Hommage an die Biere, die von der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) einst in die niederländischen Überseebesitzungen gebracht wurde.

Von Lowlander aus Amsterdam hatte Jan vor ein paar Wochen noch etwas im Programm. Eigentlich passt dieses Po(o)rter sehr gut in die Reihe mit dem von Jopen, denn beide werden in derselben Anlage hergestellt. Wie bei Lowlander üblich wird das Bier mit Botanicals gebraut, in diesem Falle Süßholz und Vanille.

Schließlich haben wir noch Baxbier aus Groningen- hier im Blog ein Newcomer. Irgendwo in einem unserer Kühlschränke wartet noch ein anderes ihrer Biere auf seine Verkostung, es wird also nicht bei einer flüchtigen Bekanntschaft bleiben. Laut Information auf Facebook gerade mal erst vier Jahre alt, ansonsten ist ohne längere Recherche wenig über die Geschichte der Firma zu finden. Das Koudvuur ist nur eines von mehreren dunklen Bieren der Brauerei.


Jopen Oost-Indie Porter (6,5% Vol.)

Art und Herkunft: Export Porter/Baltic Porter, Niederlande (Nordholland).