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Sonntag, 14. November 2021

Grevensteiner Dunkles Bockbier (6,8% Vol.)

Es ging vor einigen Jahre los - so um 2014/15 war es wohl: die großen deutschen Brauereien, die bis jetzt mehr oder weniger Pils-Einheitsplörre oder denselben Stiefel wie vor 60 Jahren rauf und runter gebraut hatten, merkten (wenn auch recht spät), dass der Craftbierzug durchs Land schnaufte und sprangen - in letzter Minute, wenn man so will - noch schnell auf. Das begann (ohne jetzt einen genauen Zeitpunkt festlegen zu wollen), bei solchen Branchengrößen wie Maisel's oder auch Beck's. Mittlerweile sind ein paar Jährchen ins Land gegangen und so ziemlich jeder von den big players hat irgendwas "craftiges" (das Wort wird wohlweislich nicht gerne von den Presseabteilungen bemüht, man spricht lieber von handwerklich oder traditionell gebrauten Erzeugnissen) im Angebot. Zusätzlich dazu auch noch allerlei saisonale Ware, wie z.B. Frühlings- oder Herbstböcke.

Eine der in der Zwischenzeit gut etablierten Marken ist Grevensteiner von Veltins. Die Webseite macht die Positionierung ganz klar:

Zurück zu den Wurzeln: Mit Grevensteiner lässt die Brauerei C. & A. VELTINS altehrwürdiges Brauhandwerk wieder lebendig werden – ganz in der Tradition der Zwillingsbrüder Carl und Anton VELTINS zu Beginn des letzten Jahrhunderts! An dem Seidel prangt der über 100 Jahre alte Schriftzug der Familienbrauerei. Die bauchige Steinieflasche signalisiert, dass hier solide Brautradition lebendig wird. Die historische Steinieflasche ist das Gebinde, mit dem sich die Brauerei C. & A. VELTINS über Jahrzehnte identifiziert hat. Mit historisch anmutendem Etikett und sympathischer Versiegelung über dem Kronkorken lebt die Historie in einem aktuellen Produkt wieder auf.

Gut, dass im Jahr 2014 (siehe oben) das Dorfjubiläum des Firmensitzes Grevenstein anstand, und man zu diesem besonderen Anlass bei Veltins "zufälligerweise" beschloss, diese alte Marke neu zu beleben, damals mit der "zeitgemäßen Interpretation" eines Landbiers. Inzwischen umfasst das Portfolio von Grevensteiner ein Helles sowie ein Radler. Im vergangenen September kam dann das heute hier vor mir stehende Dunkle Bockbier als saisonaler Artikel hinzu. Versprochen wird uns folgendes:

Das Aroma ist fruchtig und erinnert an reife Aprikosen sowie einem Hauch von Honig und Karamell. Der elegante und kräftige Körper hinterlässt ein weiches und cremiges Mundgefühl. Im Abgang macht sich die harmonisch eingebundene Bittere zusammen mit einer wärmenden, malzigen Süße bemerkbar und hinterlässt ein eindrucksvolles Geschmackserlebnis.

Wir sind gespannt und auch ein wenig freudig erregt.


Art und Herkunft: Bockbier/Herbstbock, Deutschland (Nordrhein-Westfalen).

Anmerkungen: Nur zeitlich begrenzt verfügbar. 

Sonntag, 31. März 2019

Bierakademie, Folge 4: Bayreuther Aktien Zwick'l (5,3% Vol.)

Nach einiger Zeit tue ich mal wieder einen guten Schluck aus der "Bierakademie", die mir mein Kollege letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt hat. Es ist ein Bier´von einer Brauerei, von der ich - glaube ich - noch nie etwas gehört habe. Aber das will nichts heißen. Obwohl der Wahlspruch unseres Blogs bekanntlich drinking for you since 2011 lautet, bin ich sicher, dass es auf der Welt durchaus noch ein paar mehr Brauereien geben wird, von denen keiner unserer Autoren jemals gehört hat.

Aber zurück zum Thema: Die Bayreuther Bierbrauerei wurde 1857 gegründet und befand sich zu Beginn etwas weniger als zwei Jahrzehnte in Privatbesitz. Nach einem Verkauf an verschiedene Investoren wurde sie dann in den Achtzehnsiebzigern zu einer Aktiengesellschaft umgebaut, daher heißt die Marke auch heute noch "Aktien". In den Sechzigern des 20. Jahrhunderts erwarb die Brauerei Maisel (ja, die Brauerei  Maisel) einen großen Aktienbatzen, die Bayreuther Brauerei blieb aber bis zum heutigen Tage eigenständig. Insgesamt gehören drei verschiedene Biere zum Standardsortiment: das heute verkostete Zwick'l, ein dunkles Landbier sowie das Original 1857, das wohl eine Art Lagerbier ist.


Art und Herkunft: Zwickel, Deutschland (Bayern).

Samstag, 18. April 2015

Pale Ale vs Amber Lager vs 1873 Pils (Beck's)

Nun, so langsam tut sich wirklich etwas im "Bierland" Deutschland. Nicht nur springen einem allenthalben Erzeugnisse kleiner und sehr kleiner Brauereien ins Auge - nein, auch die großen Anbieter mühen sich mittlerweile so nach und nach, zumindest ein oder zwei "Spezialbiere" ins Sortiment aufzunehmen. Wir denken da an Versuche wie Maisel & Friends, über die wir bereits kurz berichtet haben. Nun also auch die Brauerei Beck's aus Bremen (bzw. deren Besitzer, der Gigant unter allen Brauereigiganten: Anheuser-Busch InBev). Unter dem Motto Taste the World hat die 1873 gegründete Firma drei neue Biere auf den Markt geworfen: ein "traditionelles" Pils, ein Lager, ein Pale Ale. Da man außerdem erkannt hat, dass mit neuen Bierspezialitäten richtig Kohle gemacht werden kann, kassiert man dafür auch so richtig ab: Ein Viererträger kostet im Einzelhandel in der Regel auch um die vier EUR, also gut einen Taler pro Flasche, nicht schlecht.

Fizzz zitiert dazu den Deutschlandchef von AB InBev mit den Worten: 
Wir haben nicht den Anspruch, ein kleines, lokales Craft Bier zu sein. Das erwartet der Konsument nicht von einer internationalen Marke wie Beck’s.
Stimmt, das hätten wir ihm auch sonst nur schwer abgenommen. Zumindest steht auf jeder Verpackung eine kleine Geschichte darüber, warum und wieso genau dieses Bier, wie hopfig es ist und wie würzig. Und auch, welcher Hopfen verwendet wurde. Man hat also auch etwas zum Lesen beim Bierchen.


Beck's Amber Lager (5,7% Vol.)

Art und Herkunft: Dunkles Lager, Deutschland

Besonderheiten: "Inspired by Australia", verwendeter Hopfen: Saphir

Aussehen und Aroma: Dunkle Bernsteinfarbe. Sehr deutlich orangefarbener Einschlag. Mittlere, flüchtige Krone. Süßliche und malzige Gerüche. Heu?

Geschmack: Weich, mit leichten Röstaromen. Später etwas bitterer. Ein paar würzige Kräuter im Hintergrund.

Abgang: Mittel. Ganz spät stellen sich meines Erachtens leichte und süßliche Zitrusnoten ein.

Fazit/Tipp: Ein sehr kerniger, aber auch interessanter Geschmack. Ich finde es etwas spritziger als ein "typisches" Lager.


Beck's Pale Ale (6,3% Vol.)

Art und Herkunft: Pale Ale, Deutschland

Besonderheiten: "Inspired by England", verwendeter Hopfen: Cascade

Aussehen und Aroma: Dunkelgold mit Kupfer. Sehr instabile Krone. Stark hopfig, eventuell etwas Orange?

Geschmack: Sehr frisch und mit ziemlich leichtem Eindruck. Orangenzeste. Später kräftiger Hopfen und trockener.

Abgang: Kurz. Leicht metallischer Nachbrenner.

Fazit/Tipp: Sehr erfrischend und ohne Probleme trinkbar. Ein Bier, das zischt.




Beck's 1873 Pils (6,0% Vol.)

Art und Herkunft: Pilsener, Deutschland

Besonderheiten: "Inspired by our foundation in 1873", verwendeter Hopfen: Tradition

Aussehen und Aroma: Dunkelgelb, sehr kleine Krone. Geruchlich eher eine typische feinherbe Pilsnote.

Geschmack: Ein leicht cremiges, weiches Mundgefühl. Zwar pilsig-herb, jedoch weniger stark als das Standardprodukt von Beck's. Dafür etwas hopfiger und würziger.

Abgang: Mittel und ziemlich trocken. Zum Ende hin sogar noch etwas süßlich.

Fazit/Tipp: Gut trinkbar. Etwas kräftiger und mit mehr Reserven als ein schwächeres Standardpils.

Gesamtfazit: Bei den drei neuen Sorten hat Beck's sich erkennbar Mühe gegeben, das muss ich neidlos anerkennen. Für etwas mehr Geld bekommt man drei vielleicht nicht außergewöhnliche aber zumindest interessante Biere. Das Pale Ale ist am erfrischendsten, das Amber Lager am spannendsten. Verkehrt macht man mit keinem was.

Der nächste reguläre Beitrag erscheint am 25. April 2015.

- Euer Tomas Aquinas



Samstag, 23. August 2014

Sommerbiere, Folge 2

Für die zweite Charge unserer Sommerbiere haben wir einzig und alleine auf deutsche Erzeugnisse zurückgegriffen, wobei der Süden der Republik deutlich dominiert: drei der vier Kandidaten stammen aus dem schönen Freistaat Bayern; das einzige Nordlicht ist zudem auch noch das einzige Bier, das aromatisiert ist.

Und da wir es nun schon genannt haben, beginnen wir doch auch am besten gleich damit. Das Neuzeller Ginger Bier (nervig: das Deppenleerzeichen) wird hergestellt und vertrieben von der Neuzeller Kloster-Bräu (NKB). Das Unternehmen sieht sich als Nachfolger der 1589 gegründeten und 1892 abgebrannten ehemaligen Klosterbrauerei (Neuzelle war eine Gründung der Zisterzienser in der Lausitz). Allerdings gab es auch zwischendurch noch Bierproduktion am Orte, vor der Privatisierung in den Neunzigern natürlich als VEB. Die NKB braut eine ganze Palette sowohl traditioneller (Schwarzbier, Bockbier, Fruchtbier, ...) als auch moderner/innovativer (Wellnessbier, Anti-Aging-Bier, ...) Spezialitäten. Weiterhin bietet man auch Biere mit personalisiertem Etikett als Geschenkidee an. Abgelegen im äußersten Winkel Mitteldeutschlands, wie die Brauerei nun einmal ist, verlässt man sich wohl hauptsächlich auf das Versandgeschäft, hat aber offensichtlich doch auch einige potente regionale und überregionale Vertriebspartner gewinnen können. Das verkostete Ingwerbier hat einen relativ geringen Alkoholgehalt und kostet zwischen 1,66 und 2,48 EUR pro Flasche, abhängig von der Gebindegröße. Die Aromatisierung wird durch Zugabe von 0,6% Ingwerextrakt erreicht.

Die Brauerei Maisel aus der Wagnerstadt Bayreuth ist natürlich nicht nur ein wenig größer, sondern auch landauf landab gut im Einzelhandel und Gastronomie vertreten. Neben dem schon recht großen normalen Portfolio hat man nun vor kurzem beschlossen, auf den Fahrt aufnehmenden Craft-/Spezialbierzug aufzuspringen und tut dies vornehmlich unter dem Label Maisel & Friends. Die Projekthomepage führt dazu aus:
Maisel & Friends unterstreicht den Stellenwert von Bier durch ganz neue, kreative und innovative Interpretationen bestehender Biertypen und lädt ein zu einer Entdeckungsreise durch die Welt des Bieres. Mit Freunden gebraut – mit Freunden genießen: Maisel & Friends verlässt sich nicht nur auf den eigenen Geschmack, sondern sucht bewusst neue Inspirationen bei Freunden, die einen unterschiedlichen Genuss-Background haben, die aber eines eint: Die Liebe zum Bier.
Konkret gibt es zur Zeit drei verschiedene Produkte in dieser Serie, nämlich Jeff's [Jeff Maisel] Bavarian Ale, Marc's [Marc Goebel] Chocolate Bock und eben Stefan's Indian Ale, welches wir uns hier einmal genauer anschauen. Der Namensgeber Stefan Sattran ist von Haus aus Winzer und Sommelier, der in Bayreuth ebenfalls ein Delikatessengeschäft betreibt. Alle Biere von Maisel und Friends gibt es ausschließlich in der 0,75 -Literflasche, die online mit jeweils 4,95 zu Buche schlagen.

In Baden-Württemberg, genauer gesagt in Crailsheim, sitzt seit 1877 die Biermanufaktur Engel, welche sich immer noch in Besitz der Gründerfamilie Fach befindet. Ende der 1960er wurde die Brauerei modernisiert und versteht sich seitdem als "Handwerksbrauerei". Abgesehen von zahlreichen Limonaden und alkoholfreien Bieren stellen die Fachs eine große Palette an verschiedenen Bieren her, zusätzlich zu den üblichen hellen und dunklen Varianten auch noch einige Weizen-, Spezial- und Festbiere. Insgesamt wird der jährliche Bierausstoß mit 65.000 Hektoliter angegeben. Das mehrfach prämierte Landbier enthält ausschließlich Hallertauer Hopfen der Sorten Magnum und Perle.

Ganz weit im Süden der Republik schließlich, in Kempten, befindet sich das Allgäuer Brauhaus, welches auf eine mehr als 600-jährige Geschichte zurückblicken kann. Wie man auf der Homepage unschwer erkennt, stehen unter einem gemeinsamen Dach eigentlich zwei Marken, nämlich das Allgäuer Brauhaus an sich (unter anderem Pils und Export, aber auch die Untermarke Altenmünster) sowie auf der anderen Seite das Allgäuer Büble Bier, das sich auf die Tradition der Allgäuer Hof- und Gaststättenbrauereien bezieht. Alle Produkte dieser Reihe (u.a. Festbier, Radler) werden in Bügelflaschen geliefert. Die Brauerei empfiehlt das hier vorgestellte Edelbräu zu deftigen und kräftigen Speisen.





Neuzeller Ginger Bier (3,6% Vol.)


Art und Herkunft: Helles mit Ingwerextrakt, Deutschland 


Aussehen und Aroma: Hellgolden mit orangefarbener Schattierung. Feste, dichte Krone. Herbes, leicht fruchtiges Aroma. Nur dezente Ingwernoten.

Geschmack: Weiches, schaumiges Mundgefühl. Erst eher säuerlich, der Ingwer setzt erst im Mittelteil ein. Im Hintergrund auch süßliche Komplexe.

Abgang: Relativ lang. Die Ingwerschärfe steht noch eine Weile nach.

Fazit/Tipp: Ziemlich süß, aber auch scharf genug für ein Ingwerbier. Gefällig im Geschmack, gut zu trinken.


Maisel & Friends Stefan's Indian Ale (7,3% Vol.)

Art und Herkunft: IPA, Deutschland

Aussehen und Aroma: Dunkler Bernstein. Kleine, unbeständige Krone. Hefearomen, "typisch IPA": leicht fruchtig.

Geschmack: Deutlich schwerer. Dunkle Noten von Kaffee, Kakaobohnen, Karamellbonbon. Sehr malzig.

Abgang: Mittel. Etwas fruchtig im Ausklang. Bananenbrot?

Fazit/Tipp: Kein ganz leichtes, dafür süffiges Bier. Malz muss man aber mögen.


Engel Landbier Hell (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Helles, Deutschland

Aussehen und Aroma: Hellgelb mit kleiner, mittelstabiler Krone. Nur ganz schwache Nase. Leicht herb.

Geschmack: Feinperlig, leicht cremig. Wenig ausgeprägter Charakter. Frisch. Nur leicht bitter, Deutliche Hefe, ldezent hopfig.

Abgang: Ziemlich kurz. Spät stellt sich noch ein wenig Süße ein.

Fazit/Tipp: Ein Bier ohne große Höhen und Tiefen. Im Sommer sehr trinkbar, da erfrischend.


Allgäuer Büble Edelbräu (5,5% Vol.)

Art und Herkunft: Export, Deutschland

Aussehen und Aroma: Sehr kleine und flüchtige Krone. Dunkelgelb bis goldfarben. Nahezu kein Eigenaroma. Ein ganz leichter, süßlich-parfümierter Hauch.

Geschmack: Ordentlich prickelnd und lebhaft. Ansonsten wenig los am Gaumen. Deutlich malzig. Honig?.

Abgang: Kurz, hopfig und malzig. Kaum ein Nachklang bleibt im Mund übrig.

Fazit/Tipp: Im Gegensatz zum Aroma geschmacklich doch überzeugender. Malzig und süß, jedoch nicht zu süß. Süffig.

Gesamtfazit: Alle getesteten Biere sind gut trinkbar, es gibt keine Ausfälle. Das Maisel's ist mir für wirklich warme Tage allerdings definitiv zu schwer. Das Allgäuer Büble ist meines Erachtens ein guter Kompromiss zwischen Geschmack und Erfrischung.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 30. August 2014.

- Euer Tomas Aquinas