Sonntag, 11. April 2021

Sind so kleine Biere, Folge CXXI: Ettl-Bräu

Ich muss es unumwunden zugeben: selten ist es uns so dermaßen schwer gefallen, ein paar Informationen über die zu besprechende Brauerei zusammenzutragen. Zwar hat die Firma gleich zwei Domains gepachtet, einmal unter dem Firmennamen (Ettl-Bräu), und einmal unter dem Markennamen des Biers (Teisnacher), aber wer daraufklickt, wird von zweimal dem gleichen Inhalt "überrascht" - und der ist recht überschaubar: ein Impressum (klar!), ein Veranstaltungskalender (zur Zeit nichts los) und schließlich ein Link zum Shopsystem (bei beertasting.com). Und dort findet man schließlich ein paar Infos zur Brauerei, die sich auf deren Webseite vielleicht auch nicht schlecht gemacht hätten: Gegründet als Gasthof mit Brauwirtschaft (was es heute noch ist) 1543, Verwendung regionaler Rohstoffe, "klassische offene Gärung" (also im Bottich, nicht im Tank). Okay, das war es dann auch schon. Auf der Seite der Gemeinde Prackenbach wird noch erwähnt, dass die Ettl-Bräu 2017 den Besitzer gewechselt hat. Nun ja.

Konzentrieren wir uns also auf das Bier: Tom hatte für uns einen Mixkarton mit sieben Biersorten bestellt, die jeweils doppelt vorhanden waren, sodass jedes Redaktionsmitglied etwas zur Verkostung beisteuern konnte - auch in Lockdownzeiten 😷. Das waren dann auch so ziemlich alle Biere, welche die Brauerei herstellt; ein Bock und ein Festbier fehlten (saisonal bedingt, vermuten wir) leider zum vollen Portfolio. Dafür waren ein schöner Bierkrug (der nun bei mir im Partykeller steht) sowie ein Weißbierglas (das jetzt bei Tom im Glasschrank steht) inkludiert.

Teisnacher Pils (4,5% Vol.)

Art und Herkunft: Pils, Deutschland (Bayern).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Goldgelb, mit kleiner und fester Krone. Feinherb im Geruch.

Geschmack: Spritzig, eher süßlich als herb, frisches Brot.

Abgang: Kurz, unauffällig.

Fazit/Tipp: Ein deutsches Pils, wie es wohl sein soll: gut trinkbar und ohne allzu deutlich hervorstechende Merkmale.


Teisnacher Hell (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Helles, siehe oben.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Ähnlich wie das Pils im Aussehen. Wie ein Helles in der Nase zu sein hat: sehr dezent. Eine ganz feine Zitrusnote.

Geschmack: Weit weniger lebhaft als das Pils. Leicht herb und blumig, mit einem etwas ungewöhnlich Unterton von Plastik.

Abgang: Mittellang und eher herb. Süßlicher Nachhall.

Fazit/Tipp: Ein Helles, das pilsiger schmeckt als das Pils ... seltsam. Eine etwas künstlich wirkende Note am Gaumen stört uns ein wenig.


Teisnacher Zwickl (4,9% Vol.) 

Art und Herkunft: Zwickel/Kellerbier, siehe oben.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellgolden und etwas trüb (was ja auch Sinn und Zweck eines Zwickels ist). Leicht malzige Nase, sonst wenig zu erriechen.

Geschmack: Deutlich süß-malziger Antritt mit mehr als nur einer Ahnung von Honig.

Abgang: Mittellang und weiterhin süßlich, feiner Hopfen.

Fazit/Tipp: Nach dem Hellen nun wieder ein echter Lichtblick: schön malzig und sehr süffig.


Teisnacher Weiße (5,2% Vol.)

Art und Herkunft: Helles Hefeweizen, siehe oben.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellgold und trüb, mit großer und sehr kräftiger Krone. Erdige und fruchtige Töne dominieren das Aroma: Banane, Kartoffel, leichte Säure,

Geschmack: Cremig und weich am Gaumen. Banane und Spargel.

Abgang: Mittellang, mit süßlichem Nachklang.

Fazit/Tipp: Sehr angenehm. Nicht so furchtbar aufdringlich wie "nur-bananige" Hefeweizenbiere.


Teisnacher 1543 (5,4% Vol.)

Art und Herkunft: Märzen, siehe oben.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Dunkler Bernstein, feste Krone. Sehr kräftiges Röstmalz.

Geschmack: Auch sehr süß und malzig, leichte Vanille sowie ein Hauch von Kakao und Kaffee.

Abgang: Mittellang und sehr weich, etwas Hopfigkeit.

Fazit/Tipp: Ein recht typisches Märzen: gehaltvoll und kräftig.


Teisnacher Spezial (5,4% Vol.)

Art und Herkunft: Export, siehe oben.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Goldgelb, mit großer und fester Krone. Sehr dezenter Geruch.

Geschmack: Etwas süßer als das Pils. Ein Hauch von Frucht. Birne?

Abgang: Mittellang und immer noch süßlich.

Fazit/Tipp: Geschmacklich ein "Mittelweg" zwischen dem Pils und dem Zwickl. Relativ unaufdringlich, aber nett.


Teisnacher Dunkle Weiße (5,2% Vol.)

Art und Herkunft: Dunkles Hefeweizen, siehe oben.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Dunkler Bernstein, trübe. Sehr kleine und sehr feste Krone. Ähnlich bananig wie das Helle Weizen, ansonsten unauffällig im Geruch.

Geschmack: Bananiger als sein Bruder. Deutliche Röstmalze mit einer Ahnung von Cola.

Abgang: Mittellang, eher süßlich-säuerlich als nur süßlich, leichte alkoholische Dünste.

Fazit/Tipp: Gefällig gebraut und sehr ansprechend zu trinken.

Gesamtfazit: Bis auf das Helle haben uns die Teisnacher Biere wirklich überzeugt. Allesamt sind sie sehr bekömmlich und angenehm auf der Zunge. Man schmeckt die Liebe zum Brauhandwerk.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 18. April 2021.

Verkostung: Plattfuss, Tomas A., Jan B.

Text: Jan B.


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