Samstag, 19. September 2015

Quengelware, Teil IV: Avicourt NAS (36% Vol.)

Ich weiß gar nicht, ob das allgemein bekannt ist, aber es gibt zwei verschiedene Spirituosenhersteller mit Namen Heydt: Einmal die ziemlich große H. Heydt aus Haselünne im Emsland (HKT, Schinkenhäger, usw.) und dann die R(einhard) Heydt in Ascheberg (ohne Webseite). Von letzterer, die, soweit ich weiß, mit der anderen Heydt weder verwandt noch verschwägert ist, muss heute die Rede sein, denn von ihr stammt der Weinbrand Avicourt, den wir neulich aus dem Grabbelregal beim örtlichen Kaufland gezogen haben.

Offenbar besitzt R. Heydt mehrere Standorte bzw. Produktionsanlagen, denn als Herstelleradresse wurde Altenburg, nicht Ascheberg, angegeben. Tatsächlich stößt man nach kurzer Suchmaschinenbedienung auf die Altenburger Destillerie & Liqueurfabrik GmbH (ADL) und da sind wir dann wohl auch richtig. Es gibt auf der Webseite durchaus umfangreiche Informationen zur Geschichte und zum Sortiment der Firma; verraten sei schon einmal, dass wir es hier nicht mit einer kleinen Hinterhofbrennerei zu tun haben. Dies war die ADL höchstens in ihren Anfangsjahren, nachdem sie 1948 als volkseigener Betrieb (VEB Altenburger Likörfabrik) gegründet worden war. Getrunken wurde in der DDR ja bekanntlich nicht wenig bzw. war an Schnaps und Bier niemals Mangel. Das Zugpferd jener Jahre war anscheinend der Altenburger Klare, der auch heute noch Teil des Portfolios ist. Ansonsten lernen wir, dass gegenwärtig auf insgesamt acht Abfüllstraßen jährlich 30 Millionen Flaschen Schnaps die Firma verlassen, was tatsächlich eine ganze Menge ist.

Einen Weinbrand namens Avicourt findet man im offiziellen Sortiment zwar nicht, das sollte aber nicht weiter überraschen: es handelt sich mit Sicherheit um eine Exklusivabfüllung für Kaufland. Zwei Weinbrände finden sich allerdings dennoch auf der Seite der ADL: der Altenburger Goldbrand mit 28 Umdrehungen sowie der Excellence mit 36 - und da dies der selbe Wert ist wie beim Avicourt, gehe ich davon aus, dass wir hier eventuell einen Treffer haben. Die kleine Probierflasche des Avicourt hat uns 1,29 EUR gekostet; es gibt auch ein 0,7er Gebinde für knapp unter sechs.


Art und Herkunft: Weinbrand, Deutschland (Thüringen)

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Dunkles Gold, bräunlich. Spritige Nase, Spiritus. Nur sehr wenig Holz. Karamellkaubonbon.

Geschmack: Zuerst ziemlich weich, später zieht er dann doch noch merklich an. Sehr wenige definierbare Noten. Etwas Traubensaft und deutlich mehr Vanille.

Abgang: Mittellang. Ein etwas pelzig-trockenes Gefühl verbleibt auf der Zunge.

Fazit/Tipp: Nicht so harsch wie man nach der ersten Nase voll befürchtet hatte aber auch nicht so geschmeidig wie man ihn eigentlich gerne hätte. Mit dem Preis im Hinterkopf kann man ihm jedoch nicht wirklich ein schlechtes Zeugnis ausstellen: für ein "befriedigend" reicht es allemal. Was man ihm vorhalten kann, ist, dass er geschmacklich nicht wirklich viele Facetten zu bieten hat.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 26. September 2015.

- Euer Tomas Aquinas





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