Samstag, 23. August 2014

Sommerbiere, Teil II

Für die zweite Charge unserer Sommerbiere haben wir einzig und alleine auf deutsche Erzeugnisse zurückgegriffen, wobei der Süden der Republik deutlich dominiert: drei der vier Kandidaten stammen aus dem schönen Freistaat Bayern; das einzige Nordlicht ist zudem auch noch das einzige Bier, das aromatisiert ist.

Und da wir es nun schon genannt haben, beginnen wir doch auch am besten gleich damit. Das Neuzeller Ginger Bier (nervig: das Deppenleerzeichen) wird hergestellt und vertrieben von der Neuzeller Kloster-Bräu (NKB). Das Unternehmen sieht sich als Nachfolger der 1589 gegründeten und 1892 abgebrannten ehemaligen Klosterbrauerei (Neuzelle war eine Gründung der Zisterzienser in der Lausitz). Allerdings gab es auch zwischendurch noch Bierproduktion am Orte, vor der Privatisierung in den Neunzigern natürlich als VEB. Die NKB braut eine ganze Palette sowohl traditioneller (Schwarzbier, Bockbier, Fruchtbier, ...) als auch moderner/innovativer (Wellnessbier, Anti-Aging-Bier, ...) Spezialitäten. Weiterhin bietet man auch Biere mit personalisiertem Etikett als Geschenkidee an. Abgelegen im äußersten Winkel Mitteldeutschlands, wie die Brauerei nun einmal ist, verlässt man sich wohl hauptsächlich auf das Versandgeschäft, hat aber offensichtlich doch auch einige potente regionale und überregionale Vertriebspartner gewinnen können. Das verkostete Ingwerbier hat einen relativ geringen Alkoholgehalt und kostet zwischen 1,66 und 2,48 EUR pro Flasche, abhängig von der Gebindegröße. Die Aromatisierung wird durch Zugabe von 0,6% Ingwerextrakt erreicht.

Die Brauerei Maisel aus der Wagnerstadt Bayreuth ist natürlich nicht nur ein wenig größer, sondern auch landauf landab gut im Einzelhandel und Gastronomie vertreten. Neben dem schon recht großen normalen Portfolio hat man nun vor kurzem beschlossen, auf den Fahrt aufnehmenden Craft-/Spezialbierzug aufzuspringen und tut dies vornehmlich unter dem Label Maisel & Friends. Die Projekthomepage führt dazu aus:
Maisel & Friends unterstreicht den Stellenwert von Bier durch ganz neue, kreative und innovative Interpretationen bestehender Biertypen und lädt ein zu einer Entdeckungsreise durch die Welt des Bieres. Mit Freunden gebraut – mit Freunden genießen: Maisel & Friends verlässt sich nicht nur auf den eigenen Geschmack, sondern sucht bewusst neue Inspirationen bei Freunden, die einen unterschiedlichen Genuss-Background haben, die aber eines eint: Die Liebe zum Bier.
Konkret gibt es zur Zeit drei verschiedene Produkte in dieser Serie, nämlich Jeff's [Jeff Maisel] Bavarian Ale, Marc's [Marc Goebel] Chocolate Bock und eben Stefan's Indian Ale, welches wir uns hier einmal genauer anschauen. Der Namensgeber Stefan Sattran ist von Haus aus Winzer und Sommelier, der in Bayreuth ebenfalls ein Delikatessengeschäft betreibt. Alle Biere von Maisel und Friends gibt es ausschließlich in der 0,75 -Literflasche, die online mit jeweils 4,95 zu Buche schlagen.

In Baden-Württemberg, genauer gesagt in Crailsheim, sitzt seit 1877 die Biermanufaktur Engel, welche sich immer noch in Besitz der Gründerfamilie Fach befindet. Ende der 1960er wurde die Brauerei modernisiert und versteht sich seitdem als "Handwerksbrauerei". Abgesehen von zahlreichen Limonaden und alkoholfreien Bieren stellen die Fachs eine große Palette an verschiedenen Bieren her, zusätzlich zu den üblichen hellen und dunklen Varianten auch noch einige Weizen-, Spezial- und Festbiere. Insgesamt wird der jährliche Bierausstoß mit 65.000 Hektoliter angegeben. Das mehrfach prämierte Landbier enthält ausschließlich Hallertauer Hopfen der Sorten Magnum und Perle.

Ganz weit im Süden der Republik schließlich, in Kempten, befindet sich das Allgäuer Brauhaus, welches auf eine mehr als 600-jährige Geschichte zurückblicken kann. Wie man auf der Homepage unschwer erkennt, stehen unter einem gemeinsamen Dach eigentlich zwei Marken, nämlich das Allgäuer Brauhaus an sich (unter anderem Pils und Export, aber auch die Untermarke Altenmünster) sowie auf der anderen Seite das Allgäuer Büble Bier, das sich auf die Tradition der Allgäuer Hof- und Gaststättenbrauereien bezieht. Alle Produkte dieser Reihe (u.a. Festbier, Radler) werden in Bügelflaschen geliefert. Die Brauerei empfiehlt das hier vorgestellte Edelbräu zu deftigen und kräftigen Speisen.





Neuzeller Ginger Bier (3,6% Vol.)


Art und Herkunft: Helles mit Ingwerextrakt, Deutschland 


Aussehen und Aroma: Hellgolden mit orangefarbener Schattierung. Feste, dichte Krone. Herbes, leicht fruchtiges Aroma. Nur dezente Ingwernoten.

Geschmack: Weiches, schaumiges Mundgefühl. Erst eher säuerlich, der Ingwer setzt erst im Mittelteil ein. Im Hintergrund auch süßliche Komplexe.

Abgang: Relativ lang. Die Ingwerschärfe steht noch eine Weile nach.

Fazit/Tipp: Ziemlich süß, aber auch scharf genug für ein Ingwerbier. Gefällig im Geschmack, gut zu trinken.


Maisel & Friends Stefan's Indian Ale (7,3% Vol.)

Art und Herkunft: IPA, Deutschland

Aussehen und Aroma: Dunkler Bernstein. Kleine, unbeständige Krone. Hefearomen, "typisch IPA": leicht fruchtig.

Geschmack: Deutlich schwerer. Dunkle Noten von Kaffee, Kakaobohnen, Karamellbonbon. Sehr malzig.

Abgang: Mittel. Etwas fruchtig im Ausklang. Bananenbrot?

Fazit/Tipp: Kein ganz leichtes, dafür süffiges Bier. Malz muss man aber mögen.


Engel Landbier Hell (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Helles, Deutschland

Aussehen und Aroma: Hellgelb mit kleiner, mittelstabiler Krone. Nur ganz schwache Nase. Leicht herb.

Geschmack: Feinperlig, leicht cremig. Wenig ausgeprägter Charakter. Frisch. Nur leicht bitter, Deutliche Hefe, ldezent hopfig.

Abgang: Ziemlich kurz. Spät stellt sich noch ein wenig Süße ein.

Fazit/Tipp: Ein Bier ohne große Höhen und Tiefen. Im Sommer sehr trinkbar, da erfrischend.


Allgäuer Büble Edelbräu (5,5% Vol.)

Art und Herkunft: Export, Deutschland

Aussehen und Aroma: Sehr kleine und flüchtige Krone. Dunkelgelb bis goldfarben. Nahezu kein Eigenaroma. Ein ganz leichter, süßlich-parfümierter Hauch.

Geschmack: Ordentlich prickelnd und lebhaft. Ansonsten wenig los am Gaumen. Deutlich malzig. Honig?.

Abgang: Kurz, hopfig und malzig. Kaum ein Nachklang bleibt im Mund übrig.

Fazit/Tipp: Im Gegensatz zum Aroma geschmacklich doch überzeugender. Malzig und süß, jedoch nicht zu süß. Süffig.

Gesamtfazit: Alle getesteten Biere sind gut trinkbar, es gibt keine Ausfälle. Das Maisel's ist mir für wirklich warme Tage allerdings definitiv zu schwer. Das Allgäuer Büble ist meines Erachtens ein guter Kompromiss zwischen Geschmack und Erfrischung.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 30. August 2014.

- Euer Tomas Aquinas



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