Samstag, 12. März 2016

Sind so kleine Biere, Teil XXXIII: Deichinger (Getränke Ahlers, Achim)

Zwei Dinge gingen mir durch den Kopf, als ich gerade eben noch einmal meine vorbereitenden Notizen für diesen Beitrag zurechtgelegt habe. Erstens: irgendwie habe ich das Gefühl (und mit "Gefühl" meine ich, dass ich es nicht empirisch überprüft habe), dass es hier im Nordwesten Deutschlands weniger (neue) Brauereien gibt als anderswo. An und für sich ist man es ja als Nordlicht gewohnt, dass nicht jedes Dorf seine eigene Bierquelle hat, so wie in Bayern oder sonstwo. Aber auch die Craftbierbewegung scheint sich bei uns in der Fläche noch nicht so ausgedehnt zu haben wie anderenorts. Abgesehen natürlich von "Leuchttürmen" wie den verschiedenen Projekten in und Hamburg herum zum Beispiel. Zweitens: nicht jedes Bier, das man vorher nicht kannte, ist ein Craftbier. Klingt irgenwie logisch? Ist auch so.

Um es also gleich vorweg zu sagen - und man sieht es auch an der Überschrift: Die heute besprochenen Biere werden von (mehr oder weniger) anonym gebliebenen Brauern im Auftrag der Firma Ahlers hergestellt. Auf Englisch nennt man das auch contract brewing, also Brauen nach Vertrag. Eine Zeitlang war ich der festen Überzeugung, das - recht regional klingende - Deichinger werde bei der Ostfriesen Bräu (OB) in Bagband hergestellt. Auch andere Quellen scheinen davon auszugehen. Mittlerweile bin ich nicht mehr so sicher, denn erstens hat die OB zur Zeit nur ein einziges Bier (ein Landbier, welches natürlich das "Dunkel" sein könnte) im Angebot und zweitens scheint sie in ihren Bierausstoß doch etwas eingeschränkt, so dass ich etwas daran zweifle, ob man neben dem eigenen Bier überhaupt noch Fremdaufträge in größerem Maßstab übernehmen kann. In anderen Berichten wird als Hersteller die Friesenbräu Privat Brauerei in Großefehn genannt: dies ist eventuell nur eine Briefkastenanschrift der Ostfriesenbräu, muss aber nicht. Weiter kann man über die Friesenbräu ohnehin  nichts erfahren. Aber einerlei: weder bei Ahlers noch bei der OB findet sich ein Hinweis darauf, wo das Deichinger hergestellt wird. In Frage kämen ja auch andere, größere Brauereien, etwa im nahe gelegenen Jever. Ansonsten gibt es hier eine Liste aller regionalen Brauereien, falls jemand gerne noch weiter Nachforschungen anstellen mag.




Deichinger Pilsener (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Pils, Deutschland

Besonderheiten: keine

Aussehen und Aroma: Hellgold, wie es bei einem Pils eben so üblich ist. Mittelgroße aber instabile Krone. Sehr dezentes Aroma, frisch. Nur leicht hopfig.

Geschmack: Recht angenehmes Mundgefühl. Feinperlig und feinherb. Leicht metallischer Verlauf. Sonst kaum bleibende Eindrücke.

Abgang: Kurz. Nach etwa einer Minute ist nur ein etwas bitterer Nachhall übrig.

Fazit/Tipp: Ein typisch deutsches 08/15-Pils und daher ohne jegliche hervorstechende Eigenschaften.


Deichinger Dunkel (4,8% Vol.)

Art und Herkunft: Landbier, Deutschland

Besonderheiten: keine

Aussehen und Aroma: Rötlich-braun. Kleine Krone. Für ein dunkles Bier nur relativ wenige Röstaromen. Ziemlich süß, Waldhonig.

Geschmack: Prickelnder als das Pilsener. Süßlich-malzig mit nur sehr leichter Bitterkeit. Etwas Kaffee.

Abgang: Kurz und schnell vergessen.

Fazit/Tipp: Für ein dunkles Bier überraschend leicht.

Gesamtfazit: Das Dunkel ist definitiv interessanter als das Pils, jedoch ist keines der beiden Biere so spannend, dass man allzu weite Wege bis zur Küste in Kauf nehmen würde, um eine Kiste zu holen.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 19. März 2016.




Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo zusammen,

in Sachen Deichinger stimme ich in allen Punkten 100 % zu, treffende Details in der Bewertung.
Das Deichinger ist auf keinen Fall ein CRAFT Bier, - kann es auch nicht, bei einem Preis von 1,67 € pro Liter; eher ein langweiliges Industriebier.

Tino

Tomas Aquinas hat gesagt…

Danke für deinen Kommentar, Tino. Sorry, dass die Freischaltung etwas gedauert hat, war ein paar Tage anderweitig beschäftigt.